Netanjahus UN-Rede: „Es geht nicht um Territorien“

Der israelische Regierungschef Netanjahu hielt eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Screenshot aus UN-Video

Was besagt die vor der UN-Vollversammlung gehaltene Rede Benjamin Netanjahus?

 

Am 25.9. hielt Israels Premierminister, Benjamin Netanjahu, eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Ich habe überlegt, ob ich sie umfassend analysieren sollte, musste aber sehr bald einsehen, dass ich dann nahezu jeden Satz dieses nicht gerade kurzen Textes auseinandernehmen müsste. Denn die Rede strotz nur so vor Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen. Das ist die Mühe nicht wert. Und so will ich hier nur zwei, drei Auslassungen Netanjahus kommentieren; sie sollen stellvertretend für die gesamte Rede stehen, die sich an Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Verblendung kaum überbieten lässt.

Bevor Netanjahu mit seiner Rede auf dem Podium begann, erhoben sich Dutzende von Delegierten aus verschiedenen Ländern und verließen den Saal. Netanjahu wandte sich darauf an den Präsidenten der Versammlung mit den Worten: “Herr Präsident, bevor ich beginne, nur eine kurze Ankündigung. Wenn es hier noch irgendwelche anderen moralischen Feiglinge gibt, die diese Halle noch nicht verlassen haben, dann tun Sie es bitte jetzt. Vielen Dank.” Es ist verständlich, dass der Redner auf die im Saal entstandene Peinlichkeit reagieren wollte; es handelte sich ja um einen performativen Akt, der ihn bloßstellen sollte, was offenbar auch gelang. Es gab Zeiten, in denen Netanjahus Reden in der Vollversammlung so bejubelt wurden, dass man ihn nachgerade als Meister dieser internationalen Veranstaltung apostrophierte. Lang ist das her. Ob Netanjahu überhaupt würde reden dürfen, war insofern fragwürdig, als ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt. Verweilen sollte man aber bei dem Ausdruck “moralische Feiglinge”, den er verwendete.

Diese Worte als Anklage aus dem Munde eines Benjamin Netanjahu sprechen jedem Anstand und moralischem Anspruch Hohn. Denn Netanjahu selbst ist moralisch völlig verkommen. Nicht von ungefähr läuft schon seit Jahren ein Prozess gegen ihn wegen Korruption, Betrug und Veruntreuung, der so lange dauert, weil er es darauf angelegt hat, ihn nicht zum Ende gelangen zu lassen. Mit gutem Grund, denn er könnte bei einer Verurteilung im Gefängnis landen. Um dies zu verhindern, hat er die Staatsinteressen Israels seinen privaten Interessen unterstellt und betreibt bis zum heutigen Tag eine Politik der Aushöhlung der israelischen Justiz, die auf eine objektive Auflösung der Gewaltenteilung des zionistischen Staates hinausläuft. Alle ihm dabei zur Verfügung stehenden Mittel zur Besudelung, Verleumdung, Diskreditierung und Kompromittierung von Personen und Instanzen, die ihm im Wege stehen, verwendet er unentwegt in hinterhältiger Verschlagenheit und geübter manipulativer Effizienz (die bei seiner Wählerschaft sehr gut ankommt).

Vor der Rede Netanjahus verließen die meisten den Raum. Screenshot aus UN-Video

Aber die moralische Feigheit drückt sich vor allem darin aus, dass er, der kraft seines Amtes Hauptverantwortliche für das Desaster des 7. Oktober, welches er in seiner UN-Rede ausführlich beklagt, sich seit dem ersten Tag nach der Katastrophe konsequent weigert, eine staatlich eingesetzte Untersuchungskommission zuzulassen, weil sie zweifellos offenlegen würde, wie sehr er an der Genese des Unglücks schuldig ist. Er war es, der seit Jahren die Hamas mit Katar-Geldern hochhielt, weil er am Konzept festhielt, dass die verhandlungswillige PLO eine Gefahr darstelle, wohingegen die ideologisch verhandlungsresistente Hamas eine Garantie dafür sei, dass es nicht zur Errichtung eines palästinensischen Staates komme. Verhandlungen laufen auf politische Lösungen hinaus, Netanjahu aber will den Konflikt nicht lösen, er will ihn lediglich verwalten. Was diese Einstellung gezeitigt hat, weiß man seit dem 7. Oktober allzu gut.

Hinzugefügt sei zudem: Als es dann nach dem Katastrophenereignis zu Verhandlungen über die Befreiung der Geiseln aus der Hamas-Gefangenschaft kam, war es gerade Netanjahu (mit der Assistenz seiner Koalitionspartner), der auf israelischer Seite dem möglichst raschen Abschluss dieser Verhandlungen unentwegt Steine in den Weg legte. Die israelischen Orte um den Gazastreifen, die am 7. Oktober der Hamas-Attacke zum Opfer fielen, hat er während der drei Jahre des darauffolgenden Krieges kaum besucht – die Kibbutz-Bewohner gehören nicht zu seiner Wählerschaft. Seine in der UN-Rede vor der Weltöffentlichkeit vorgetragene Klage über die Opfer des palästinensischen Anschlags ist nicht weniger als eine moralische Unverfrorenheit.

Dass Netanjahu den von ihm (zusammen mit den USA) initiierten Krieg gegen den Iran damit begründet, dass “wenn wir es nicht getan hätten, wären wir alle tot”, ist im besten Fall hanebüchen. Er redet so, als warteten die Iraner nur darauf, eine Atombombe zu haben, um sie sofort einzusetzen, so als wüssten sie nicht, wer sonst noch in der Region im Besitz von Nuklearwaffen sei. Dass er sich über den Begriff des Kolonialismus lustig macht, ist sein perfider Taschenspielertrick, um die Barbarei der Okkupation, des Landraubes, der schleichenden Annexion, die Israel gegenüber den Palästinensern seit vielen Jahrzehnten betreibt, zu kaschieren. Für Netanjahu spielt sich das alles in “Judäa und Samaria, dem Herzen der historischen Heimat des jüdischen Volkes”, ab. Wie kann da Israel kolonialistisch sein? Auch auf den Golanhöhen haben die Juden “seit den Tagen Moses’” gelebt; das könne man in der Bibel nachlesen. Dass Netanjahu darüber hinaus die horrende Anhäufung an Kriegsverbrechen, die die IDF begangen hat, übergeht und sich stattdessen rühmt, dass “unsere heldenhaften Soldaten” drei Jahre lang “Tag für Tag in einem Krieg an sieben Fronten gekämpft” haben, ist besonderes widerwärtig, wenn man bedenkt, wie sich Israel im Gazakrieg ausgetobt hat. Denn ungeachtet der laufenden Debatte darüber, ob Israel an den Palästinensern einen Genozid praktiziere oder nicht, ist unbestreitbar, dass das israelische Militär im von Rache und Vergeltung angetriebenen Gaza-Vernichtungskrieg über 73.000 PalästinenserInnen, darunter 20.000 Kinder, getötet hat.

Die Logik dieser verzerrenden Darstellung der Dinge führt Netanjahu zu dem m.E. wichtigsten Satz in seinem Vortrag. Er fragt nämlich, worum es im Konflikt mit den Palästinensern gehe, und verkündet: “Es geht nicht um Territorien. Es geht um die Existenz eines jüdischen Staates – ganz gleich, innerhalb welcher Grenzen.” Das ist nun wirklich barer demagogischer Unsinn: Beim Konflikt mit den Palästinensern gehe es nicht um Territorien? Und wenn es um die Existenz eines jüdischen Staates geht, wieso ist diese nicht mit der Territorialfrage eng verschwistert? Da steht der Premier des zionistischen Landes und verleugnet vor der Weltöffentlichkeit mutatis mutandis eines der zentralen Begriffe in der zionistischen Ideologie.

„Eroberung des Landes“

“Eroberung des Landes” (hebräisch: “Kibbush ha-Aretz”) ist ein stark aufgeladener Begriff, der zwischen einer biblisch-historischen Bedeutung, einer zionistisch-siedlerischen Bedeutung und später einer militärischen und politischen Bedeutung oszilliert. Der Ausdruck knüpft zunächst an die biblische Vorstellung von der “Eroberung des Landes” an: Das Land wird als das den Israeliten verheißene Land verstanden, dessen Betreten mit Eroberung, Besiedlung und Inbesitznahme verbunden ist. In diesem Sinne bezeichnet “Eroberung” nicht ausschließlich eine militärische Handlung. Sie ist Teil eines umfassenderen Prozesses der Verwandlung des Landes in einen Raum jüdischen Lebens, jüdischer Besiedlung und jüdischer Souveränität. In der zionistischen Bewegung, insbesondere im Arbeiterzionismus, erhielt das Wort “Eroberung” eine neue und bemerkenswerte Bedeutung. Man sprach unter anderem von: “Eroberung des Bodens” – dem Erwerb von Land und seiner Besiedlung; “Eroberung der Arbeit” – der Schaffung jüdischer Arbeit und der Ersetzung arabischer durch jüdische Arbeitskräfte; “Eroberung der Ödnis” – der Umwandlung des Landes in einen landwirtschaftlich genutzten und besiedelten Raum; “Eroberung des Landes” – der Herstellung einer dauerhaften jüdischen Präsenz im Land. Hier ist “Eroberung” nicht notwendig ein militärischer Begriff. Er bezeichnet vielmehr die kollektive Anstrengung, die materiellen Bedingungen des Lebens im Land zu beherrschen und dort eine eigenständige jüdische Gesellschaft zu schaffen.

Gerade die Wahl des Wortes “Eroberung” ist bedeutsam. Man hätte ebenso von “Besiedlung des Landes”, “Aufbau des Landes” oder “Fruchtbarmachung des Landes” sprechen können. “Eroberung” verweist jedoch auf Kampf, Überwindung, die Aneignung von Raum und eine Entscheidung bzw. Durchsetzung. Daher bringt der Begriff etwas von der Selbstwahrnehmung bestimmter Teile der zionistischen Bewegung zum Ausdruck: Das Land wird nicht lediglich als ein Ort verstanden, an den man gelangt, sondern als ein Raum, den man sich aneignen, gestalten und durch kollektives Handeln sichern muss. Bei der Begegnung mit der arabischen Bevölkerung erhält der Begriff seine schärfste politische Bedeutung. Aus zionistischer Perspektive konnte “Eroberung des Landes” die Schaffung einer jüdischen Heimstätte und jüdischer Souveränität bedeuten. Das Land war jedoch kein leerer Raum: In ihm lebten eine arabisch-palästinensische Bevölkerung sowie weitere Gemeinschaften. Daher musste derselbe Prozess, den Zionisten als “Erlösung des Landes”, “Aufbau des Landes” oder “Eroberung der Arbeit” beschrieben, von Teilen der arabischen Bevölkerung als ein Prozess der Enteignung, Verdrängung und des Verlusts der Verfügung über das Land erfahren werden. Dies ist eine der zentralen Quellen für die Differenz zwischen dem zionistischen und dem palästinensischen Narrativ.

Nach der Gründung des Staates Israel 1948 veränderte sich die begriffliche Landschaft. Im frühen zionistischen Hebräisch konnte “Eroberung des Landes” ein positiver Ausdruck für Besiedlung, Aufbau und die Errichtung jüdischer Souveränität sein. Nach 1967 erhielt das Wort “Eroberung” jedoch eine völlig neue Bedeutung: Es bezeichnete zunehmend die israelische Herrschaft über die Gebiete, die im Sechstagekrieg erobert worden waren. Damit entstand eine wichtige Unterscheidung: “Eroberung des Landes” meint im frühen Zionismus die Vorstellung, das Land zu erwerben, zu besiedeln und jüdische Souveränität aufzubauen. Hingegen meint “die Besatzung” bzw. “die Eroberung” im israelischen Diskurs nach 1967 die israelische militärische Kontrolle über Gebiete jenseits der Grünen Linie. Beide Bedeutungen sind historisch miteinander verbunden. Ob man sie aber miteinander gleichgesetzt, bestimmt auch, ob man den Konflikt der Juden mit den Palästinensern 1897 (im ersten Zionistischen Kongress in Basel), 1948 (bei der Gründung des Staates Israel) oder 1967 (nach dem Sechstagekrieg) ansetzt.

Man kann “Eroberung des Landes” somit als einen Begriff verstehen, der den Übergang des Zionismus von einer abstrakten nationalen Idee zu einer konkreten historischen Praxis zum Ausdruck bringt. Der Begriff umfasst drei Dimensionen. Erstens, die nationale Dimension, in der sich das jüdische Volk von einem Kollektiv ohne eigene staatliche Souveränität zu einem Kollektiv, das nach der Kontrolle über einen territorialen Raum strebt, entwickelt. Zweitens, die soziale Dimension, in der eine neue Gesellschaft durch “hebräische Arbeit” und Siedlungstätigkeit geschaffen wird. Drittens, die politische Dimension, bei der in einem Raum, in dem zugleich eine andere nationale Bevölkerung lebt, Macht, Grenzen und Souveränität geschaffen bzw. durchgesetzt werden. Der Begriff der “Eroberung” ist deshalb aufschlussreich, weil er zeigt, dass der Zionismus sich nicht nur als eine Bewegung der Einwanderung oder der “Rückkehr” verstand, sondern auch bewusst als eine Bewegung zur Aneignung von Raum, zu dessen Neugestaltung und zur Ausübung von Macht, um diesen Raum neu zu ordnen.

Das alles weiß Benjamin Netanjahu selbstverständlich auch. Gerade seine Partei hing seit jeher der Ideologie eines Groß-Israels an. Wie entblödet er sich da nicht, sich in aller (Welt)Öffentlichkeit über die Kategorie des Kolonialismus lustig zu machen, vor allem aber dezidiert zu behaupten, beim israelisch-palästinensischen Konflikt gehe es nicht um Territorium. Eine Antwort darauf könnte sein, dass Netanjahu nicht zu den Anwesenden bei der UN-Vollversammlung gesprochen hat, sondern zu seinem Publikum in Israel. In Israel finden Ende kommenden Monats Parlamentswahlen statt. Netanjahus UN-Rede war eine polemisch verlogene Wahlkampfrede.

Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, ist im Januar 2026 erschienen.
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45 Kommentare

  1. Eine großartige Gegenrede!
    – Für alle Zeiten gültig über die Geschichte Israels und die sprachwissenschaftliche Bedeutung von „Eroberung“ in der Politsprache an einem Beispiel.
    All das wurde möglich durch den Militärisch-Industriellen Komplex: USA mit Israel & Deutschland. Auch wir gehören zu den Mördern der 20.000 Kinder.

  2. 7/10 genauso verlogen wie 9/11 und der heutige einheits-brei: es ist dem mut und der berechtigten wut von ‚ossis‘ sowie gorbatschows anstand und weitsicht zu verdanken, daß am 9. november die mauer fiel – daß der biodeutsche mainstream sich mit fremden federn schmückt und den heutigen tag zum feiertag erklärt hat, ist an realitätsverbiegung (und frechheit) kaum zu toppen – netanyahu und followern gelingts –
    s. hierzu markus meckel gestern bei phoenix resp. die biodeutsche journalisten-maid:
    https://www.zdf.de/play/magazine/phoenix-collection-phoenix-149-466/phoenix-tag-der-deutschen-einheit-letzter-ddr-aussenminister-zur-historischer-bedeutung-100

    1. Man schaue sich nur mal das heutige Fernsehprogramm (3sat) an!
      Viele Spielfilme, darunter Mehrteiler.

      Zwischen den Zeiten
      Jedes Jahr im Juni
      Honigfrauen
      Preis der Freiheit
      12 heißt, ich liebe dich
      Romeo und Jutta

      Was haben die alle gemeinsam?: Sie behandeln die deutsche Teilung (nicht etwa die katastrophale Wiedervereinigung) bzw. die DDR, und der Rote Faden heißt durchgehend: „Stasi“. Zelebriert wird die westdeutsche Sicht auf die Geschichte von der DDR als „Täterstaat“ und Diktatur, und des verheißungsvollen Westens als Hort der Freiheit.

      Welcher Film läuft nicht? „Sonnenallee“! Den empfanden nämlich viele Wessis (und vor allem Kulturschaffende) als „viel zu positiv“ für die DDR…
      Allein das Fazit des Ich-Erzählers am Ende des Filmes: „Es war die schönste Zeit meines Lebens, denn ich war jung und verliebt“. Darf nicht sein…

  3. Beide Reden, die von Netanjahu und die von Netanjahus dressiertem Orange-Utan, waren Wahlkampfreden.

    Dabei geht aber beiden bloss um persönliche Eitelkeiten. Es ist völlig egal wie gewählt wird, die Politik wird exakt diesselbe bleiben. Vielleicht tritt der Eisenkot etwas weniger „übermenschlich“ auf.. das wars.

    Beide Reden waren an Hässlichkeit kaum mehr zu überbieten, sie wären in einem Sportpalast oder in Nürnberg besser aufgehoben gewesen.

    Dabei müssen beide ihre Anhänger gar nicht aufpeitschen. In den USA ist es egal wer den Präsidenten stellt, die Unterstützung von Israel wird grad in Stein gemeisselt („FUTURES“ Act). Und die absolute Mehrheit der Israelis steht hinter der genozidalen imperialistischen Politik ihrer Regierung, das zeigen sie bei jeder Wahl.

    Beide Reden haben unmissverständlich aufgezeigt wohin die Reise gehen soll. Eine „Ein Ethno-Staat“-„Lösung“, der via „Blut für Boden“ weiteres von „Untermenschen“ bewohntes Land in Syrien und Libanon beansprucht. Jegliche Resistance soll dabei ausgelöscht werden (siehe Trumps Drohung an den Iran).

    Dabei können sie sicher sein dass ihnen niemand im Weg steht. Wieviele der Länder, dessen Delegationen den Saal verliessen boykottieren Israel? Wieviele würden den Haftbefehl gegen Netanjahu umsetzen? Alle arabischen Staaten sind am Krieg gegen den Iran beteiligt und unterstützen die Aggressoren, auch die libanesische Regierung die lieber mit – oder besser gesagt via – Israel gegen die eigene schiitische Bevölkerung vorgeht.

    Beides waren Wahlkampfreden, aber es waren Wahlkampfreden die all ihre Gegner verhöhnten, jegliches Recht mit Füssen traten und sich regelrecht im Blut ihrer Opfer suhlten. Wenn das der Führer wüsste, wie einfach es gewesen wäre wenn sie bloss ein paar Amis gekauft hätten..

  4. M. Zuckermann verharrt in seiner bekannten Echokammer. Für ihn ist der Konflikt – zwar nachvollziehbar für jemanden, der in Israel lebt – auf die zionistisch-palästinensische Unrechtsgeschichte begrenzt.

    Würde er seinen Horizont einmal erweitern, – was ihm als denkenden Menschen gut anstehen würde – kämen einige anderen Aspekte in den Blick, die ihn in die Lage versetzen würden, Reden wie die Netanjahus anders als durch bloße Textexegese („Eroberung“) zu analysieren.

    Mit solchermaßen erweitertem Horizont würde zur Sprache kommen, das Israel ein Vasallenstaat der USA ist – und nicht viel mehr. Hier einige Punkte, die diese Annahme untermauern:

    ◦ die britische imperial-strategische Durchsetzung und Ausgestaltung des Mandats für Palästina im Zusammenhang mit der Balfour-Erklärung von 1917
    ◦ die Instrumentalisierung des zionistischen Projekts bzw. des jüdischen Nationalheim-Projekts durch britische imperialpolitische Interessen
    ◦ der Missbrauch bzw. die politische Instrumentalisierung vieler sozialistischer Hoffnungen der Kibbuzbewegung
    ◦ die zunehmende Integration Israels in die strategische und ideologische Ordnung der USA insbesondere seit den 1960er Jahren und verstärkt nach 1967
    ◦ die ideologische Verbindung der Erinnerung an den Holocaust und dem Bild der USA als Schutz- und Verteidigungsstaat für die Juden, d.h., die Erweiterung des Konzepts des US-Exceptionalism, Ein Konzept, das so erfolgreich ist, dass in DE Kritik an den USA bereits als „antisemitisch“ diffamiert wird!
    ◦ die weitere geopolitische Verknüpfung Israels mit der US-amerikanischen Nahostpolitik nach dem Untergang der Sowjetunion – nun unter veränderten regionalen Machtverhältnissen; dabei entfiel insbesondere die sowjetische Unterstützung für mehrere arabische Staaten und Regime. Jetzt konnte man die verbliebenen souveränen Staaten (d.h. jene, die nicht den US-Direktiven gehorchen) bekämpfen – darunter Irak, Lybien, Syrien, Libanon und den Iran…

    Das sind nur einige Punkte, um die Annahme vom Vasallenstaat Israel zu untermauern, in lockerer Reihenfolge.
    Wenn diese Hypothese richtig ist, dürfe sich jede Hoffnung, dass der Nahost-Konflikt bald endet, als Illusion erweisen.

    Man kann die Rhetorik eines Akteurs wie Netanjahu nicht verstehen, wenn man die Machtstruktur, in der dieser Akteur handelt, ausblendet.

      1. Viel Dank für diesen link zu dem sehr erhellenden Gespräch zwischen Pascal Lottaz und Alex Krainer. Wenn ich auch der These von Krainer (der den Fortbestand der britischen Imperiums „!hinter den Kulissen“ behauptet), sondern mit Lottaz eine Staffelübergabe von GB an die USA bei gleichzeitiger Kumpanei für wahrscheinlicher halte (so wie eine „Kooperation“ zwischen der siegreichen Großmafia mit der von dieser besiegten Kleinmafia).
        An der Einschätzung zu Israel ändert das nichts. Krainer empfiehlt zum Thema Herford Mackinder zu lesen, ein britischer geopolitischer Denker um 1919, der die Welt als Konkurrenz von Großräumen, Imperien und strategischen Positionen betrachtet.
        Was Lottaz und Krainer besprechen, ist auf jeden Fall ein ganz anderer analytischer Ausgangspunkt als „Israel gegen Palästinenser“.

    1. Sie täten gut daran, sich aus der eigenen Echokammer mit dem Inhalt „Israel ist ein bloßer Vasallenstaat der USA“ zu befreien.

      Dafür müssten Sie sich als Erstes von falschen historischen Bezügen wie der britischen Vorgeschichte in Palästina, die mit der aktuellen Verbindung Israels mit den USA wenig zu tun hat, lösen.

      Das gilt obwohl die USA, nach dem von ihnen befohlenen Rückzug der Ägypten 1956 gemeinsam angreifenden Streitkräfte Großbritanniens, Frankreichs und Israels, aus denselben imperialistischen Gründen Großbritannien als Unterstützerin Israels abgelöst haben.

      Israel ist sowenig ein bloßer Vasall der USA wie es ein solcher Großbritanniens war.

      In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen um Verbündete mit gemeinsamen Interessen, die jedoch keineswegs völlig deckungsgleich sind. Die USA unterstützen Israels als ihren Vorposten im Nahen Osten. Israel erfüllt diese Rolle jedoch nur soweit wie sich diese mit den eigenen Interessen deckt.

      Dass die Interessen der USA und diejenigen Israels voneinander abweichen, ist besonders deutlich seit dem Machtantritt Netanjahus geworden. Während zumindest die von den Demokraten geführten US-Regierungen die Zweistaatenlösung befürwortet haben, weil es diesen nicht auf eine Ausdehnung Israels ankommt, ist eine solche „fom the river to the sea“, also die Umsetzung des Groß-Israel-Projektes, das primäres Anliegen Netanjahus und seiner Verbündeten. Dafür sind diese auch bereit in Konflikt mit den USA zu geraten. Was gegen den von Ihnen behaupteten Vasallenstatus spricht.

      Israel hat sich unter Netanjahu stets nur den Kriegen der USA angeschlossen, wenn es sich dabei um erklärte Gegner des jüdischen Staates handelte. Weshalb es sich nicht an demjenigen gegen den Irak beteiligte. Was ebenfalls gegen den von Ihnen behaupteten Vasallenstatus spricht.
      Auch wenn Israel von den USA abhängig ist, verfolgt es, v. a. unter Netanjahu, eigenständige Machtinteressen im Sinne einer militärischen Vormachtstellung im Nahen Osten. Was wiederum nur solange möglich ist, wie sich diese mit denjenigen der USA decken.

    1. Mir schwebt auch eine Einstaatenlösung vor. Allerdings nicht realisierbar. Denn der einzig noch gangbare Weg wäre eine Auflösung des Staates Israel mit Übernahme der Kontrolle über das gesamte frühere „Mandatsgebiet“ durch die UNO, und dann die Gründung eines neuen Nahost-Staates auf dem gesamten Territorium mit gleichen Rechten für alle Bewohner. Und wer unter den jetzigen jüdischen Besatzern und „Siedlern“ meint, damit nicht leben zu können, der soll den Weg seiner Vorfahren gehen und sein Glück irgendwo in der Welt suchen.

      Mittlerweile 80 Jahre, in denen man ein friedliches Nebeneinander immer verhindert hat, sind einfach genug. Der „Teilungsplan“ heißt deswegen so, weil das Gebiet aufgeteilt werden sollte, um zwei Staaten darauf zu gründen. Die Gründung des zweiten verhindert Israel seitdem konsequent und mit allen Mitteln, um dessen Gebiet (ja, es geht um Land!) auch noch zu vereinnahmen. Am besten ohne „Araber“ darauf. Damit negiert es die Grundlage seines so routiniert betonten „Existenzrechtes“ – den UN-Teilungsbeschluss von 1947.

      1. Guck mal die UNO ist dafür verantwortlich das auf Korea mehr Bomben abgeworfen wurden als im zweiten Weltkrieg. Die UNO hat in Jugoslawien gezeigt das ihre Einsatzbereitschaft nur auf den Papier besteht. Schliesslich und konsequenterweise war die UNO für das aüssere feministische Weltwunder verantwortlich.

        Ich halte es wahrscheinlich das der Hamasterror im siebten Monat inszeniert war und zwar mit Hilfe von
        „arabischen Parteien“ .
        Der Sturm auf die STASI-Zentrale bei der Wende war amtlich inszeniert.

        Man geht den Weg Palästina Wohlhabend zu machen in dem man die ärmeren und widerspenstigen Bewohner gentrifiziert.
        Es geht brutaler zu als in deutschen Großstädten aber daraus eine neue Singularität der Menschheitsverbrechen zu machen ist übertrieben.

        Das Land holt man sich als Ausgleich das man Araber vorwiegend Palästinenser einwandern lässt und denen Arbeit und Sozialleistungen gibt.
        In Europa passiert ähnliches mit der Landnahme aber mit Geld.
        Dort mit Waffengewalt.

        Zukünftige arabische Parteien werden das ganze vielleicht etwas weniger brutal und auch mit Geld verhandeln.

        Aber genug solcher Themen am Tag der deutschen Einheit.
        Ich brauche jetzt etwas Ruhe.

  5. leider, obwohl 3 x gelesen, immer noch Fehler in dem Text. Besonders dieser hier: „..das(s) Israel ein Vasallenstaat“
    ist ärgerlich. Aber ohne Korrekturhilfe…

  6. “Es geht nicht um Territorien. Es geht um die Existenz eines jüdischen Staates – ganz gleich, innerhalb welcher Grenzen.” Das ist nun wirklich barer demagogischer Unsinn: Beim Konflikt mit den Palästinensern gehe es nicht um Territorien?“

    Das ist tatsächlich Unsinn, denn ein Staat besitzt immer Territorium. Tatsächlich gibt es aber auch die religiös-ideologische Seite und damit die Frage, ob dieses zionistische Israel ein jüdischer Staat ist, der die religiösen Vorgaben des Judentums einhält.

    Ich kenne mich da nicht so wirklich aus, aber ich vermute, die religiösen Ansprüche an gute Lebensführung sind durch die israelische Regierung, genau wie im Christentum mit seinen vielen historischen Verbrechen, infolge der ausgeübten Machtpolitik unter die Räder gekommen. In meinen Augen ist Israel genau so unjüdisch, wie die USA und Europa unchristlich waren und sind.

    1. Ja, natürlich geht es um Land. Und zwar um das „Heilige Land“ von „Judäa und Samaria“. Das betont Netanjahu ja auch immer. Es war Teil des historischen Landes der Juden, bevor sich sich überall in Europa niederließen – und zwar entgegen der Legende vom „Exil“ durchaus freiwillig in Form klassischer Völkerwanderung. Denn die „Vertreibung der Juden“ aus dem Land durch die Römer hat es historisch nie gegeben. Es gab jüdische Aufstände gegen die römischen Besatzer, in deren Folge die Römer überaus brutal die Stadt Jerusalem von Juden räumten. Das ist korrekt. Aber im übrigen Israel lebten weiterhin Juden und erlebten in der Folge noch eine große Blütezeit – unter römischer Besatzung. Das belegen die archäologischen Funde in „Zippori“, wie das historische Zepphoris heute genannt wird. Bis zur Nakba hieß der Ort Saffuria und war von „Arabern“ besiedelt. Die Gänsefüßchen setze ich deshalb, weil ein Gutteil jener Menschen sogar Nachfahren der antiken Juden waren, die auch die jüdischen Traditionen in gewissem Umfang noch fortführten, trotz daß sie unter späterer arabischer Besatzung zum Islam konvertiert waren.

      Tja, und wo lag nun dieses „Juäa und Samaria“? Überwiegend im heutigen „Westjordanland“!

      https://www.worldwidewings.de/wp-content/uploads/2016/02/judaea-und-samaria-600×600.png

      Ich hab mal nur das Bild „kopiert“, da die Seite an sich pure zionistische Propaganda ist. Da wird von „Palästina“ gesprochen, das heute nicht mehr existiere, da angeblich das heutige Jordanien den palästinensischen Teil des britischen Mandatsgebietes umfaßt, während das restliche Gebiet Israel zustünde.

      Auch wieder ein „gutes“ Beispiel dafür, wie bei den Zionisten, die sich auf die Tora als „Grundbuch Israels“ berufen, der eigentliche UN-Teilungsbeschluß, der die völkerrechtliche Grundlage für die Gründung des Staates Israel in Palästina darstellt, ignoriert wird.

      https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3d/UN_Partition_Plan_For_Palestine_1947_de.svg/960px-UN_Partition_Plan_For_Palestine_1947_de.svg.png?utm_source=de.wikipedia.org&utm_campaign=imageinfo&utm_content=thumbnail

      1. „ein Staat besitzt immer Territorium“

        Das ist trivial -ein Staat kann auch das eigene Territorium nicht anerkennen, Der russische und der jüdische Imperialismus bedeuten die Nichtanerkennung von staatsäusseren Gebieten, was aber aus der Nichtanerkennung des eigenen Staatsgebietes folgt. Auch Hitlers Expansionspolitik folgte aus der Nichtanerkennung der Grenzen des Deutschen Reichs von 1938.

        1. Wieder mal der unsägliche Hitler-Vergleich.

          Du kennst noch den alten Spruch über die Internet-Forenkultur? „Wer zuerst „Hitler“ sagt, hat verloren“?

          Übrigens stammt dein „Zitat“ gar nicht aus meinem Kommentar. Aber ist jetzt auch schon wurst…

        2. Und wie sieht es mit dem aktuellen Imperium aus – vergessen? Kanada, Panama und Grönland als exterritoriale Gebiete der trump´schen USA?

          Und die Provokation gab es auch!

          1. „Und wie sieht es mit dem aktuellen Imperium aus – vergessen? Kanada, Panama und Grönland als exterritoriale Gebiete der trump´schen USA?“

            Naja, nach meinem Dafürhalten blieb es bei Rhetorik des Orange-man auf der Ebene von eroberischen Fantasien und Absichtserklärungen, um sich bei der eigenen MAGA-Fangemeinde in den US als „starker Mann“ und Macher zu verkaufen. MAGA-Leute lieben sowas. Im Falle Israels reden wir von konkreten Kriegshandlungen mit über 100 000 Ermordeten:

            https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-11/kriegstote-gazastreifen-opferzahlen-schaetzung

  7. „… die Rede strotz nur so vor Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen. …. (die sich vor) Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Verblendung kaum überbieten lässt.“
    Alles richtig! Natürlich! Selbstverständlich!
    Vor Allem aber waren die Personalie, der Auftritt und die Rede eine Beleidigung der nicht-zionistischen Weltöffentlichkeit und damit ein immenser Schaden für die UN!

    1. „Schaden für die UN!“

      Da musste ich wieder gleich schmunzeln. Es ist die UN-Generalversammlung, die einem mit internationalem Haftbefehl gesuchten Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschlichkeit eine Plattform für Selbstdarstellung im Sinne von Verbreitung von „Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen“ bietet. Sie können sicher sein: wenn es die UN schon vor ’45 gegeben hätte, hätten auch Hitler und Stalin ihre dringenden Anliegen vor der Weltöffentlichkeit vortragen dürfen.

      1. cromwell: Sie kommen sonst immer recht unsymphatisch rüber, aber diesmal haben
        Sie mit ihrem Kommentar wirklich ins Schwarze getroffen. Institutionen, die Massenmördern
        eine Plattform bieten, kann man nicht mehr als ernste Vertretungen der Menschen ansehen.

        1. Die UNO ist auch keine Vertretung von Menschen. Sie ist eine Organisation von Staaten. Unabhängig von deren jeweiliger Herrschaftsform. Also ob Demokratie, Scheindemokratie, Diktatur oder Aristokratie, jeder Staat darf da auftreten.

          Das mag nicht immer „schön“ sein, aber es ist die einzige Möglichkeit, wie Staaten, die soinst nichts eint, noch in Kontakt treten können, und daher absolut notwendig.

          Ein Unding ist allerdings, daß sich die USA anmaßen, mittlerweile festzulegen, wer vor der UNO auftreten „darf“. Die Grundbedingung für die Einrichtung des UN-Hauptsitzes in New York war, daß JEDER Vertreter eines UN-Mitgliedes dorthin ungehindert ein- und ausreisen darf. Das galt bspw. auch noch für einen gewissen Fidel Castro. Bekanntlich „Staatsfeind Nummer 1“ für Washington. Mittlerweile ist es aber üblich geworden, Menschen die Einreise zu untersagen, die vor der UNO Zeugnis über die Untaten des Westens ablegen könnten.

            1. Das ist dringendst der Überlegung wert! Den Palästinensern, Abbas, die Teilnahme an der diesjährigen UNGA unmöglich zu machen den faschistoiden Zionisten hingegen nicht ist ein Ding der Unmöglichkeit!

  8. „… die Rede strotz nur so vor Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen. …. (die sich vor) Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Verblendung kaum überbieten lässt.“
    Alles richtig! Natürlich! Selbstverständlich!
    Vor Allem aber waren die Personalie, der Auftritt und die Rede eine Beleidigung der nicht-zionistischen Weltöffentlichkeit und damit ein immenser Schaden für die UN!

  9. Ich finde es bezeichnend und maßvoll luschtig, wie Forist Routard das moralische Universum, das Zuckermann unter einem Himmel zwischen „Eroberung“ und „Besiedlung“ aufspannt – als ob das nicht seit der sog. „neolithischen Revolution“ stets dasselbe gewesen wäre! – mit einem moralischen Gegenuniversum kontert, das sich auf einen vorgeblichen „Realismus“ des amerikanisch-israelischen Verhältnisses beruft.
    Dazu wedele ich gern den europäischen Patriotismus Routards beiseite, mit dem er das europäisch-israelische Verhältnis ignoriert, vermutlich, weil er es für einen Abkömmling desselben „Vasallen“-Verhältnis halten will.

    Historischer Fakt auf der überallgemeinen Ebene, die Zuckermann zu berufen beliebt, ist dagegen:
    Von diesem Blickwinkel aus war das „Projekt Israel“ das Produkt aus der Kombination einer Spätform des Kolonialismus des britischen „Empire“ mit alleuropäischer, bürgerlich-kapitalistischer Nationenbildung. Und bleibt es, weil Dasein und Formation der zionistischen Militäraristokratie sich an diese Historie teils eigenständig kettet, teils von den ehemaligen euroamerikanischen Entsendermächten daran gefesselt wird, letzteres u.a. mit der Nichtanerkennung der israelischen Territorialität in den Grenzen der Besatzungsmacht.

    Sicherheitsnadelhalber: Das ist kein Plädoyer für eine staatspolitische Anerkennung des zionistischen Besatzerregimes! Ich trachte nur, epistemische Trassen aus den Moraluniversen zu weisen.

    1. Ziemlich verwirrter Beitrag, wie so oft aus Qana-Land –
      zumal seine Schlussfolgerung zu Israel auf genau meine Analyse hinausläuft ( „Historischer Fakt…“). Wo er bei mir einen europäischen Patriotismus entdeckt haben will, wird sein Geheimnis bleiben – „europäischer Vasallenstatus“ triff es schon ziemlich genau; nur dass man, um diesen Punkt zu begreifen, nicht wie es Qana beliebt, auf die Staaten, sondern auf die Strippenzieher dahinter schauen muss, aber das würde das Forum hier sprengen.

    2. Ich habe mich in meinem Kommentar nicht so deutlich ausgedrückt, wie es angemessen wäre, das stimmt.
      Routard nennt euch mittelbar auch gleich den Grund:

      Ziemlich verwirrter Beitrag, wie so oft aus Qana-Land –

      Diese Abqualifizierung ad personam stammt, wie die meisten von euch wissen werden, überwiegend aus dem Werkzeugkasten der PsyOps der NATO-Stratcom und war seit ca. 2011 auf TP allgegenwärtig. Darüber hinaus zählte das ab ca. 1925 zum antiintellektualistischen Vokabular der Nazis und ihrer nationalpatriotischen Parteigänger, wie ich z.b. von Robert Musil weiß.
      Die OM-Moderation verspricht, unbegründete Abwertungen und Angriffe ad personam nicht zuzulassen (das Posting von Routard hat die Mod durchlaufen, das war zu sehen) – und Routard wird von ihr bestens geschützt – Qana nicht, wie ich wiederholt erfahre. Was soll ich da den Watschenmann für die nationalkonservative Moderation und Agenda von OM machen? Dazu bin ich nicht jung genug.

      zumal seine Schlussfolgerung zu Israel auf genau meine Analyse hinausläuft

      Ist das so?
      Nun, wo soll denn meine „Schlussfolgerung“ sein?
      Genau einen historiographischen Punkt hatte unsere Darstellung gemein:

      die britische imperial-strategische Durchsetzung und AusInstrumentalisierung gestaltung des Mandats für Palästina im Zusammenhang mit der Balfour-Erklärung von 1917

      Aber dann geht es bei Routard halt anders weiter:
      „Instrumentalisierung“, „Mißbrauch“, „ideologische Verknüpfung“ – juristisch / moralistisches Vokabular, das nichts mit dem zu tun hat, was die Zionisten in Israel getan und oder gelassen haben (außer, daß es sie bedingt moralisch davon entlastet, weil es „eigentliche Täter“ benennen will) – das ist aber Zuckermanns Thema!
      Bzw. ist es in dessen Moraluniversum eben nicht …
      Abhelfen kann ich dem nur, wenn ich dies der Zensur zum Fraß vorwerfe:
      In seinem philosophischen Moraluniversum macht Zuckermann einen Gegensatz zwischen Eroberung und Besiedlung auf, zu dem ich das Nötigste gesagt hab, aber er verlügt dazu, wie das zugegangen ist:
      Diamantrein terroristisch – wie jede Staatsgründung bzw. Nationenbildung übrigens, wenngleich nicht immer so offen, wie in Palästina. Und die Opfer dieses Terrorismus waren nicht „bloß“ Araber, es waren nicht weniger, anfangs sogar eher mehr, die im Lande lebenden Juden. Die pflegten dort eine tribal – patriarchale Lebensweise neben den arabischen Triben und Gemeinden, der zionistische Terrorismus setzte dem ein Ende.

      Das ist es, was ich mit Blick auf die – zitiere mich – „überallgemeinen Ebene“, die Zuckermann konstruiert, adressiert habe, als „Kombination einer Spätform des Kolonialismus des britischen Empire mit alleuropäischer, bürgerlich-kapitalistischer Nationenbildung.“
      Das ist jetzt immer noch nicht besonders deutlich, einverstanden, aber es wird die Zensur schwerlich passieren – schaun wer mal. Und wenn es passiert, sage ich vielleicht noch ein paar Takte dazu.

      1. Nun gut, immerhin eine inhaltliche Debatte (ich lasse mal die zwar berechtigte, aber trotzdem irgendwie heiligenscheinartige ad personam Replik beiseite), zu der man Stellung nehmen kann.
        Qana behauptet, der Zionismus sei ein eigenmächtiger Akteur gewesen und sei es noch immer, was ich bestreite.

        Qanas Einschätzung, dass man einen Täter dadurch entlaste, dass man ihn als Befehlsempfänger (wahlweise Vasallen) tituliert, hört man oft, was sie nicht richtiger macht. Es ist vielmehr anders herum: Indem man die wirklichen Täter nicht benennt und die Befehlsempfänger als hauptverantwortlich hinstellt, entlastet man wen? Richtig: die wirklich Verantwortlichen.
        Solches gilt natürlich nur, wenn es Hauptverantwortliche gibt. Natürlich kennt man Situationen, in denen die Vasallen, über das vorgegeben Ziel hinausschießen: Das ändert aber nichts an der Sache, sondern verhilft den Anweisern lediglich dazu sich von ihren Befehlsempfängern zu distanzieren: So war das nicht gedacht,, ganz schlimm, ganz schlimm,… um damit auf ihre Weise die eigene Verantwortung zu kaschieren.

        Wenn die Zionisten bei der Besiedlung Palästinas gegen die vorher dort lebende Bevölkerung als Brandschatzer und Killerbande vorgegangen sind, hatten sie Rückendeckung von wem? Von wem wurden sie Schiffsladungsweise von wem dort hingefahren? Und von wem militärische ausgebildet, mit Waffen versorgt? Und wer beschwerte sich bitterlich, als die eigenen Leute mit ihren eigenen Sprengmitteln bei vereinzelten terroristischen Attentaten in die Luft flogen?

        Fragen über Fragen, die so schwer gar nicht zu beantworten sind. Außer, man will die wirklich Verantwortlichen schützen, indem an sie nicht benennt.

        Zum Abschluss noch dies: Meinen Hinweis darauf, wie die Israelfrage mit der jüdischen, dem Holocaust Gedenken und dem US-Exceptionalism ideologisch verknüpft wurde, erscheint Qana als „moralisierend“ – erstaunlich, dass jemand den Aufbau der Ideologie in das Reich der Moral einreiht, wo es sich doch um nichts anderes als um knallharte, sehr wirksame – Machterhaltungsmittel handelt.

        Da dies mein fünfter und letzter Beitrag ist, werde ich mich erst am nächsten Samstag wieder melden.

        1. Okay, ich habe Routard insofern Unrecht getan, als er in diesem Posting bezeugt und erkennen läßt, er will nicht nur nicht zwischen Handlungen nebst ihren Gründen, Zwecken und Zielen einerseits, und Urteilen über Rechtmäßigkeit oder Unrecht, bzw. Moralität dieser Handlungen unterscheiden, er vermag es auch nicht (mehr). Insofern und insoweit verfehlt ihn mein Angriff, sodaß von ihm nur die Zumutung bleibt, daß ich ihn führe.
          Das ist bei Zuckermann anders. Seine thematische Frage hat ja gelautet: ‚Kann Landnahme nicht auch ohne das Unrecht geschehen, das in Palästina mit ihr verknüpft gewesen ist, und wenn ja, warum ist das nicht geschehen?‘ Da ist das epistemische Urteil über die Sache in ein moralisches Urteil und ihm zugehörige Wägungen über Formen und Begleiterscheinungen überführt.

          Gut, meiner einer hat hier wahrlich nix zu suchen, aber ich will abschließend bemerken: rational urteilende Palästinenser UND Israelis bilanzieren Schäden, nicht „Unrecht“, und dann folgerichtig auch nicht ehemalige Schäden, die nicht zu heilen sind, sondern bleibende Schäden, die es möglicherweise sind – unter gewissen Voraussetzungen. Und die Hauptvoraussetzung besteht halt darin, Schuld aus den Urteilsgleichungen zu tilgen, weil andernfalls alle Urteile über rezente Schäden den Rechts- und Moralurteilen über vergangene Schäden untergeordnet bleiben. Und dies obendrein noch auf internationaler Ebene, sodaß obsolete Rechts- und Schuldfragen aktuelle Gewaltfragen bleiben.

  10. Moral mortal

    Auch ich glaube es geht den Falken in Israel bei ihren Erwägungen nicht vorrangig darum, noch mehr Land zu besetzen. Die Versorgung der US amerikanischen und daran angeschlossener Märkte mit erbeutetem Öl und Gas, dürfte oberstes Ziel neuerlicher Interventionen sein. Risiken und Verluste dieser rücksichtslosen Politik tragen sowohl die angestammte Bevölkerung in der Region, als auch die arglosen zionistischen Idealisten.

    1. Karl: Die Aussagen führender Israelischer Politiker in den letzten Jahren widersprechen
      ihrem Glauben. Einige faseln vor den Kameras von einem Groß-Israel oder Groß-Israelischem-Reich.
      Vor einigen Wochen nahm man so sogar die Türkei ins Visir, was schon innerhalb der Nato Panik
      verursachte. Die Aggreesionen gegen den Iran hat Israel im Moment nur den Ammis überlassen,
      weil die Zerstörungen in Israel durch die iranischen Vergeltungsangriffe verheerend waren und
      zudem das Potential des Irondoms zur Neige ging. Sowie sich Israel wieder millitärisch berappelt
      hat, wird es wieder losschlagen. Das wissen auch die Iraner und die Hisbolla. Es besteht aber auch
      eine weitere Möglichkeit. Das sich Israel eines der jetzt durch den Verlußt der Abwehrkapazitäten
      geschwächtes Land am Golf einverlaibt, um sich den direkten Weg zum Iran zu ebnen.

    1. Monty Allerdings: Mein erster Erwiderungskommentar ist gleich ins KI Nirwana geschwuppt.
      Alos noch einmal: Die EU und die Ammis haben Elendski gerade zappeln lassen, also mußte
      er wieder mal eine False Fake Aktion los lassen. Die Leipzig Aktion hat doch nicht so gezogen
      wie sie sollte.

    2. Wie weit außerhalb der Reichweite russischer Drohnen (vergleiche die „Vorfälle“ in Polen) war das diesmal? 😉

      Und natürlich Sandus Moldawien…..

      „Hallo Maja, hier ist Uschi! Kannst du nicht mal so tun, als ob bei dir russische Drohnen eingeschlagen sind? Denk dran, daß wir deine knappe „Wiederwahl“ mit über 200 Wahllokalen in der EU organisiert haben, ja? Tschüssiiiii“

  11. Netanyahus Bemerkung über „moralische Feiglinge“ trifft zu. Die Rhetorik des Autors offenbart, dass er kein Beobachter ist, sondern aktiv Partei ergreift.

    1. Können Sie kurz erklären, warum man moralischer Feigling sein soll, wenn man sich die fadenscheinigen Argumente eines offenkundig Straffälligen und notorischen Lügners nicht. zumuten möchte, zumal der und seine Mittäter zig tausende unschuldige Kinder auf dem Gewissen haben dürften?

    2. Was bitte soll denn das sein, ein „moralischer Feigling“? Da Sie der Ansicht sind, dass diese Bemerkung zutrifft, müssten Sie diesen Begriff doch erklären können. Falls dieser Begriff mit irgendeinem Inhalt verknüpft werden kann, wäre interessant auf wen dieser Begriff zutrifft und was die Voraussetzungen sind um als „moralischer Feigling“ klassifiziert zu werden. im Moment sieht es für mich eher so aus, dass Netanjahu versucht einen neuen Propagandabegriff einzuführen um sich nicht mit Kritik auseinandersetzen zu müssen. Eine andere Funktion haben diese modischen „-versteher“ oder „-leugner“ Begriffe auch nicht. Den zugehörigen Vorsatz können Sie je nach persönlicher Präferenz beliebig einsetzen. Wobei sich mir bis heute mir bis heute nicht erschließt wie man die Vokabel „verstehen“ als Beschimpfung verwenden kann. Um diesen Begriff in der beschriebenen Weise zu verwenden, ist schon eine gehörige Portion orwellscher, kognitiver Dissonanz von Nöten.

      1. Moralische Feigheit ist die Angst davor, für das Gute einzutreten, weil es gut ist, und die Angst davor, sich dem Bösen entgegenzustellen, weil es böse ist.

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