Musks Chipfrabrik Terafab soll das „größte und wertvollste Gebäude auf der Erde“ sein

Bereits zum Abheben. So soll Terafab aussehen. Bild: SpaceX

Bevor der vom Tech-Billiardär mit einem geschätzten Vermögen von 817 Milliarden wieder auf den Status eines Milliardärs zurückgefallene Elon Musk die Menschheit mit Datenzentren im Weltall beglücken wird, soll erst einmal auf der Erde eine gigantisch große Chipfabrik entstehen. Natürlich soll Terafab das bislang größte je gebaute Gebäude  werden. Darunter macht es des reichste Mann auch nicht. Musk sagt, seine Fabrik werde “bei weitem das größte und wertvollste Gebäude auf der Erde“. Zudem werde es „beeindruckend schön“ sein. Aussehen soll es wie eine große Rakete, man will ja auch Gründer einer „galaktischen Zivilisation“ sei.

 

Zwar hatte Musk für ein Datenzentrum in Memphis, Tennessee, schon den Namen Colossos verbraucht, der jetzt nicht mehr für das geplante Werk zur Verfügung steht, das in Grimes County, in der Nähe von Houston, Texas, auf der Fläche von über 9 Quadratkilometern entstehen soll. Es wäre das größte einzelne Gebäude, aber nicht das größte geplante Datenzentrum. Das in Uta geplante Stratos Hyperscale Data Center würde eine Fläche von mehr als 160 Quadratkilometer einnehmen, aber ein Komplex aus verschiedenen Datenzentren, Forschungseinrichtungen und Wohnhäuern für Mitarbeiter sein. Allerdings gibt es im Vorlauf bereits Probleme, weil der Great Salt Lake durch Verdunstung schrumpft. Allerdings behauptet Stratos, das Wasser käme aus tiefen Brunnen und würde zirkulierend gebraucht, aber das Grundwasser hängst mit dem Oberflächenwasser des Sees zusammen. Und der Strom würde durch Gas betriebene Generatoren erzeugt, 9 Gigawatt sollen es sein, 34 Millionen CO2 würden jährlich ausgestoßen. Kein Problem, sagen die Betreiber, das wären gerade 0.09% aller von Menschen verursachten Emissionen.

Tesla und SpaceX gaben am Donnerstag den Bau der Halbleiterfabrik bekannt, „die die Kluft zwischen dem aktuellen weltweiten Chipangebot und dem zukünftigen Rechenbedarf überbrücken“ soll. Derzeit gebe es eine Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. Musks Konzerne würde in Zukunft 1 Terawatt (TW) Rechenleistung benötigen. Das soll mit der Hilfe des Weltraums geschehen, der weitaus mehr als bislang mit Satelliten zugepflastert würde, während die Stratosphäre durch die vielen Raketenstarts und verglühenden ausrangierten Satelliten unvorhersehbar verändert und verschmutzt wird. Musk will eine Million Tonnen Satelliten pro Jahr in die Umlaufbahn schicken. Sie sollen „jeweils 100 kW Rechenleistung pro Tonne erzeugen, jährlich 100 Gigawatt KI-Rechenkapazität hinzufügen, ohne dass laufende Betriebs- oder Wartungskosten anfallen. Letztendlich gibt es einen Weg, jährlich 1 TW von der Erde aus ins All zu befördern.

„Terafab wird Chips herstellen“, so erklärt die Mitteilung, „die für Edge-Computing und Inferenz optimiert sind und in Hardware wie den Optimus-Robotern von Tesla und den selbstfahrenden Cybercabs zum Einsatz kommen sollen, sowie Hochleistungs-Chips, die für den Betrieb der weltraumgestützten Rechenzentren von SpaceX entwickelt wurden.“ Es wird gehofft, dass mal 1 Milliarde Optimus-Roboter unterwegs sind.

Für den Start werden Investitionen in Höhe von „nur“ 16,8 Milliarden US-Dollar angegeben, ursprünglich waren es mal mehr als 100 Milliarden. Versprochen wird, dass mindestens 3000 Menschen, vor allem aus der näheren Umgebung, in der Fabrik eine Anstellung finden. Versprochen wird auch, den Umweltschutz ernst zu nehmen. So soll es die Umwelt schützen, wenn das benötigte Wasser aus dem Gibbons-Creek-Stausee und nicht dem Grundwasser entnommen wird. Es würden  Abwasseraufbereitungsanlagen errichtet und nicht näher ausgeführte „Maßnahmen zur Wasserwiederverwendung und zum Wasserschutz“ ergriffen. Alle von Trump gelockerten Umweltgesetze würden beachtet werden, „Gefahrstoffe, Chemikalien und industrielle Nebenprodukte“ behandle man nach geltenden Vorschriften.

Texas ist, nach Virginia, das neue Dorado für die Energie und Wasser fressenden und oft Lärm verbreitenden Datenzentren. In dem republikanisch regierten Bundesstaat befinden sich bereits 335 Datenzentren, Pläne gibt es für über 200 weitere. Anträge gibt es 1800 für Projekte, 90 Prozent Datenzentren, mit einem Strombedarf von 474 Gigawatt. Das sei mehr als das Fünffache des bisherigen Spitzenverbrauchsrekords des Stromnetzes.

Gouverneur Greg Abbott hat allerdings nach wachsenden Protesten der Bevölkerung eine Reißleine gezogen, indem er am Montag ein Moratorium über neue Projekte verhängte, damit die Regulierungsbehörden prüfen, ob sie die Vorschriften einhalten, welche Steuernachlässe ihnen gewährt werden, wieviel Strom und Wasser sie brauchen, wie sich auf die Gemeinden auswirken und wem die Zentren gehören. Das weist daraufhin, dass Investoren bislang weitgehend freie Hand hatten und die Öffentlichkeit nicht wirklich informiert wurde. Die Frage wird sein, ob Terafab von Musk unter das Moratorium fällt oder durchgewunken wird.

Da gibt es in Texas noch Amazon. Der Konzern baut ein großes Gaskraftwerk für ein Datenzentrum, das auch einen amerikanischen Rekord brechen würde, da es der größte einzelne Luftverschmutzer in den USA werden würde. 35 Gasturbinen sollen 7,65 Gigawatt für den Betrieb des Datenzentrums generieren. Nach bisherigen Genehmigungen dürfte das Kraftwerk 33 Millionen Tonnen CO2 in die Luft ausstoßen, aber es würde, so der Konzern, den Strom für die lokale Bevölkerung nicht teurer machen, wie das oft der Fall ist.

2019 hatte Amazon zwar wie viele anderen Konzerne in einem Climate Pledge während der Biden-Präsidentschaft gelobt, bis 2040 zu einem Konzern zu werden, der kein CO2 ausstößt. Aber dann kam Trump und Klimaerwärmung, Umwelt- und Luftverschmutzung spielen seitdem keine Rolle mehr. In den USA beginnt ein Maschinensturm gegen KI- Rechenzentren.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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Ein Kommentar

  1. Es dürfte interessant sein, ob sich die Marken „Funny Frisch“, „Pringles“,
    „Chio“, „Lay’s“ und „Lorenz“ dann noch gegenüber solcher Konkurrenz behaupten können. Wird wohl wieder die übliche Jammerei losgehen: „Lohn- und Lohnnebenkosten sind zu hoch“…

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