Mission Impossible

Atomwaffentest in Nevada 1953. Bild: DoE

„Begrenzte Kriege“ und Diplomatie ohne Diplomaten.

 

„… Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!“-  Bertolt Brecht, Das Gedächtnis der Menschheit, 1952

„…in which even the fruits of victory would turn to ashes in our mouth.“ (…in dem selbst die Früchte des Sieges nur Asche in unserem Mund wären.) – John F. Kennedy, Fernsehansprache zur Kubakrise, 22.10.1962

 

1. „Zwischen Kapitulation und Suizid“

    In seiner programmatischen Rede über die künftige US-Militärstrategie sprach Elbridge Colby (Under Secretary of War) am 19. Mai 2026 am National War College mit Verweis auf Henry Kissinger von der „Aufgabe“ des Kriegsministeriums, „eine rationale Militärstrategie zu finden, die irgendwo zwischen Kapitulation und Selbstmord liegt“1.

Dieses Dilemma formulierte Kissinger in seinem 1957 veröffentlichten militärstrategischen Werk „Nuclear Weapons and Foreign Policy“ (Kernwaffen und Außenpolitik). Darin beschreibt er das strategische Paradoxon des Nuklearzeitalters, das die US-Verteidigungspolitik in eine Zwangslage bringt, wenn sie ausschließlich auf die Abschreckung durch totale Vernichtung setzt. Denn sie muss sich   dann entweder für einen Atomkrieg entscheiden, der die Selbstvernichtung bzw. „Suizid“ (suicide) impliziert, oder auf einen Atomkrieg verzichten, was automatisch zur Kapitulation führt.

Das von Kissinger formulierte Dilemma war eine unverhohlene Kritik an Eisenhowers Doktrin der „Massiven Vergeltung“ (Massive Retaliation). Diese besagte, dass jeder, selbst konventionelle sowjetische Angriff mit einem massiven nuklearen Gegenschlag beantwortet würde, was auf Kissingers entschiedenen Widerspruch stieß.

In seinem eben erwähnten Werk kritisierte er, dass Eisenhowers Doktrin unglaubwürdig sei: Kein US-Präsident würde wegen eines lokalen Konflikts die Auslöschung amerikanischer Städte riskieren. Um dem Dilemma „Kapitulation oder Suizid“ zu entkommen, plädierte Kissinger deswegen vehement für die Entwicklung von Konzepten der sog. „begrenzten Kriege (Limited Wars). Seine Überlegungen zielten darauf ab, taktische Nuklearwaffen einzusetzen, um politische Ziele durchzusetzen, ohne gleich die Existenz der gesamten Menschheit aufs Spiel setzen zu müssen.

Selbst wenn man auf Distanz zu diesen fragwürdigen Überlegungen geht, einen Atomkrieg eingrenzen zu können, blieb die Frage während des „Kalten Krieges“ legitim: Wie bewahrt man die eigene Handlungsfähigkeit im Atomzeitalter, ohne in die Selbstvernichtung (Suizid) oder die politische Selbstaufgabe (Kapitulation) abzudriften?

Noch zwanzig Jahre nach dem Erscheinen des Werkes „Nuclear Weapons and Foreign Policy“ wurde das Dilemma in einer zentralen sicherheitspolitischen Debatte des Deutschen Bundestages aufgegriffen und heftig polemisiert. In der 39. Sitzung der achten Wahlperiode wurde am 8. September 1977 die Sicherheitslage der Bundesrepublik Deutschland sowie die Nato-Strategie vor dem Hintergrund der Diskussion über die Neutronenwaffe und Mittelstreckenraketen kontrovers diskutiert.

Kissingers Formulierung wurde von Manfred Wörner, dem Verteidigungsexperten der Union und späteren Nato-Generalsekretär, verwendet. Wörner nutzte Kissingers Worte, um die Notwendigkeit einer glaubwürdigen Abschreckung gegenüber der Sowjetunion zu untermauern. Er kritisierte alternative Verteidigungskonzepte (wie die sog. „Raumverteidigung“ von Horst Afheldt und Carl Friedrich von Weizsäcker) als „baren Unfug“, da diese nach seiner Ansicht nur die Wahl zwischen Kapitulation oder Selbstmord ließen.

   Das Jahr 1977 markiert den Beginn der Debatte über den sog. Nato-Doppelbeschluss. Die Sowjetunion hat mit der Stationierung von SS-20-Mittelstreckenraketen begonnen, was aus Sicht der Nato-Strategen eine „Lücke“ in der Abschreckung schuf, die eine angemessene militärische Antwort erforderte. Wörner argumentierte dabei, dass ohne eine entsprechende atomare und konventionelle Modernisierung der Nato die politische Handlungsfähigkeit des Westens verloren ginge, da dieser im Krisenfall keine abgestufte Reaktion („flexible response“) mehr hätte, sondern eben nur noch die Wahl zwischen Kapitulation und Suizid.

In verschiedenen Sitzungen der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre wurde das Konzept der „Flexible Response“ (abgestufte Reaktion) debattiert. Kissingers Formulierung diente hier oft als rhetorischer Anker, um zu begründen, warum die Nato auch konventionell und mit taktischen Nuklearwaffen so stark sein müsse, dass sie nicht sofort vor der Wahl stünde, entweder nichts zu tun oder den globalen Atomkrieg auszulösen.

In den USA verlief die Debatte um das Dilemma zwischen „Kapitulation oder Selbstmord“ als Wahl zwischen Surrender or Holocaust. Den Ausdruck „nuclear holocaust“ verwendete auch Elbridge Colby in seiner programmatischen Rede, die ein neues Konzept der US-Militärstrategie in der Ära Trumps vorstellte.

   Colby geht davon aus, dass die Großmächte im nuklearen Zeitalter nur begrenzte Möglichkeiten besitzen, mit militärischer Gewalt etwas zu erreichen. „Denn selbst eine besiegte Atommacht besitzt noch die Fähigkeit, dem vermeintlichen Sieger verheerende Schäden zuzufügen“, begründet er seinen Standpunkt und zur Bestätigung seiner Grundposition zitierte er die berühmte Formulierung von Kennedy: Der Atomkrieg würde „dem Sieger nur Asche im Mund hinterlassen“. „As President Kennedy memorably warned, such a war would leave ashes in the mouth of the victor.“

   Kennedy verwendete diese Formulierung während der Kubakrise in einer Fernsehansprache am 22. Oktober 1962. Er warnte vor einem weltweiten Atomkonflikt und erklärte, die USA würden sich nicht vor Risiken scheuen, fügte aber hinzu, sie würden keinen unnötigen Krieg riskieren, in dem „selbst die Früchte des Sieges Asche in unserem Mund wären.“

   Kennedys Argumentation folgend, meint Colby: „Es soll kein Missverständnis geben: Atomwaffen beseitigen weder den Krieg noch die Notwendigkeit, ihn zu führen. Sie machen jedoch einen unbegrenzten Krieg zwischen Großmächten außerordentlich gefährlich und beinahe per se irrational. Nur sehr wenige denkbare Interessen rechtfertigen die Kosten eines nuklearen Holocausts (nuclear holocaust).“

Unter Kennedy und seinem Verteidigungsminister Robert McNamara wurde die Strategie der Flexible Response eingeführt und das war genau die „rationale militärische Strategie“, die Kissinger forderte. Nun spricht Colby heute, wie gesehen, mit Verweis auf Kissinger auch von einer „plausiblen und glaubwürdigen Strategie für die Kriegsführung, falls die Abschreckung scheitern sollte“.

Folglich lautet nach Colby die zentrale Frage der Militärstrategie nicht mehr, wie man eine atomar bewaffnete Großmacht vernichten oder unterwerfen kann, sondern vielmehr, wie man die praktischen politischen Ziele der USA erreichen und gleichzeitig Kosten und Risiken in einem akzeptablen Rahmen halten kann. Dies ist die Herausforderung der Vorbereitung auf einen begrenzten Krieg im Schatten von Atomwaffen.

Es geht nämlich um Eskalationsmanagement und „die entscheidende Frage“ ist dabei, so Colby, ob der begrenzte Krieg und „die damit einhergehende Eskalationsdynamik die eigene politische Position im Verlauf eines Konflikts verbessern oder verschlechtern“ kann.

Und genau dieser letzte Satz verrät die ganze konzeptionelle Untragbarkeit von Colbys Militärstrategie des „begrenzten Krieges“. Denn „die entscheidende Frage“ besteht weder in der Ökonomisierung des Eskalationsmanagements noch in der Abwägung von Nachteilen oder Vorteilen einer „Eskalationsdynamik“. Das ist alles zu kurz gedacht.

Die entscheidende Frage besteht vielmehr darin, ob das sog. „Eskalationsmanagement“ überhaupt beherrschbar ist und nicht außer Kontrolle geraten kann, sodass wir statt eines „begrenzten Krieges“ einen unkontrollierten Nuklearkrieg bekommen könnten, der zu dem führt, was wir eigentlich vermeiden wollten: dem „nuklearen Holocaust“ (nuclear holocaust).

Diese Gefahr besteht heutzutage im Ukrainekrieg, wenn man sieht, mit welcher Hemmungs- und Ahnungslosigkeit die EU-Machtelite mit ihrer enthemmten Eskalation auf den nuklearen Abgrund zusteuert.

„Zum Schluss“ weist Colby darauf hin, „dass die Nationale Verteidigungsstrategie von der Erreichung eines ‚anständigen Friedens‘“ spricht, der „nicht von selbst“ entstehe. Dieser beruhe vielmehr „auf einem günstigen Machtgleichgewicht, militärischer Stärke, politischer Entschlossenheit und der glaubwürdigen Fähigkeit, die Kriege der Nation zu führen und zu gewinnen. Und genau darin liegt das zentrale Paradoxon der Strategie im Atomzeitalter: Friedenssicherung erfordert Kriegsvorbereitung – jedoch auf disziplinierte, verhältnismäßige und strategisch sinnvolle Weise.“

Colbys Militärstrategie ist ein Kopfgeburt, weil sie den geopolitischen und geoökonomischen Umwälzungen der Gegenwart nicht gerecht wird. Sie bleibt den Denkmustern des „Kalten Krieges“ verhaftet und weigert sich darüber hinaus zu realisieren, dass eine Vorbereitung zu einem „begrenzten Krieg“ zwischen den Großmächten eine Mission Impossible ist, da er schneller, als man denkt, in einen unbegrenzten Krieg ausarten kann.

2. Sandkastenspiel statt Diplomatie

    Als Realpolitiker wusste Kissinger ganz genau, dass die Außenpolitik immer darauf hinaus sein müsse, ein System der Stabilität zu schaffen, in dem die Großmächte einen Anreiz haben, den Weltfrieden zu wahren, will die Welt nicht einen „nuclear holocaust“ erleben.  Dieser realpolitische Ansatz ist heute in Europa abhandengekommen.

Wenn man die Außenpolitik rein ideologisch konzipiert, dann bekommt man statt Realpolitik entweder „Theologie“ oder „Psychiatrie“, wie Kissinger einst spöttisch anmerkte. In den US-amerikanischen Eliten herrschte eine außenpolitische Stimmung vor, die entweder von der Theologie oder von der Psychiatrie vorgegeben wurde und folgerichtig „geopolitische Erwägungen ganz einfach ausschloss“. „Die Väter der ‚containment‘-Politik – Acheson, Dulles und ihre Kollegen“, meinte Kissinger, „hatten . . . ihr Werk ausschließlich mittels theologischer Kategorien konzipiert.“2

Heute sieht es in Europa nicht besser aus. Heute wird die EU-Außenpolitik von Ideologen beherrscht und die EU-Diplomatie ohne Diplomaten praktiziert. Die EU-Europäer haben in den vergangenen fünfunddreißig Jahren die klassische Diplomatie verlernt. Seit dem Untergang des Sowjetreiches gebärden sie sich im Zeitalter der Unipolarität und im Schatten der US-Hegemonie als eine „globale Macht“, die es gewöhnt ist, statt zu verhandeln, zu diktieren.

Ein solch anmaßendes Gebaren zeigt sich geradezu paradigmatisch in den stattfindenden Verhandlungen zur Beilegung des Ukrainekrieges. Die EU-Diplomatie hat gar nicht vor, mit Russland zu verhandeln. Ganz im Gegenteil: Sie bildet sich als Interessenvertreterin einer Kriegspartei ein, die auf dem besten Wege ist, den Krieg zu verlieren, die Friedensbedingungen diktieren zu können.

Eine verkehrte Welt: Die Unterstützerin der unterlegenen Kriegspartei diktiert einer Siegermacht in spe die Bedingungen des Friedens. Wahnsinn mit Ansage! Das ist keine Diplomatie, sondern ein Sandkastenspiel! Die EU-Politmatadoren führen Selbstgespräche unter Gleichgesinnten, statt mit der gegnerischen Kriegspartei zu verhandeln, und halten die Ergebnisse ihrer Selbstgespräche für eine „diplomatische“ Glanzleistung, ohne mit Russland verhandeln zu wollen.

Allein die Absicht, mit dem „Aggressor“ zu verhandeln, halten sie einerseits für Zumutung. Sie fordern aber andererseits an den Verhandlungen teilzunehmen, die sie hinhalten und nicht ergebnisorientiert führen möchten.

„Ich habe in meinem Leben viele Konferenzen mitgemacht“, schreibt der britische Diplomat, Lord Vansittart (1881-1957) in seiner Schrift „The Decline of Diplomacy“ (1950)3, „aber niemals begann ich ohne eine Hoffnung auf ein bald zu erreichendes Ergebnis. Das kann heute niemand mehr von sich behaupten. Oft werden Ergebnisse gar nicht erwartet und oft sind sie sogar unerwünscht. Und die Verhandlungstechnik verkommt ebenso oft zu einem handfesten Streit.“

Eine verkehrte Welt! Das von der EU angestachelte Kiewer Regime hält sich für unbesiegbar in der Stunde der Niederlage und bildet sich ein, ihre Fantasievorstellungen vom Frieden durchsetzen zu können. Da haben sich beide, die Eurokraten unter Frau von der Leyen und das Kiewer Regime unter Selenskij zusammengetan, um den Wahnsinn zur Verhandlungsmethode zu erheben!

Für sie ist Diplomatie nicht die Kunst des Machtbaren, sondern eine Waffe im nie enden wollenden Krieg gegen den „Aggressor“ und „Erzfeind“ aus dem Osten. Diplomatische Verhandlungen zielen hier nicht auf eine Verständigung und ein zufriedenstellendes Ergebnis ab, sondern auf die Behinderung des Friedensprozesses und die Fortsetzung des Krieges getreu der Devise „Frieden ist gefährlicher als Krieg“.

So sagte die dänische Premierministerin, Mette Frederiksen (geb. 1977), stellvertretend für das EU-Establishment der TV-Sendung „21 Søndag“ am 23. Februar 2025: „Ich verstehe, wenn viele Menschen denken, dass eine friedliche Lösung oder ein Waffenstillstand eine gute Idee sei, aber wir laufen Gefahr, dass der Frieden in der Ukraine tatsächlich gefährlicher ist als der Krieg, der jetzt stattfindet.“

Mit ihrer Meinung steht sie in der EU nicht alleine da. Sie verkörpert die Mehrheitsstimmung des EU-Establishments. Diese kriegslüsterne junge Politikergeneration wird den Völkern Europas ahnungslos, wie sie ist, nur Krieg und Verderbnis bringen.

Die Konsequenz einer solchen Nichtdiplomatie wäre, zu Ende gedacht, eine Neuauflage des „totalen Krieges“, der auf Vernichtung des Feindes und nicht auf Verständigung mit ihm hinausläuft. Im nuklearen Zeitalter führt eine solche Pseudo-Diplomatie letztendlich zur Selbstvernichtung und dem „nuclear holocaust“.

Der EU-Kriegspartei, die in den europäischen Korridoren der Macht die Szene beherrscht, und dem Kiewer Regime geht es in Wahrheit nicht um ernsthafte Verhandlungen, sondern um eine Verzögerung und Hinhaltetaktik, um Gespräche stets in der Schwebe zu halten und sie endlos führen zu können. Sie sprechen vom Frieden und denken an Krieg.

Eine derart „doppelzüngig geführte Verhandlung“ (wörtlich „negotiation by equivocation“), wie der britische Außenminister, Selwyn Lloyd (1955-1960) verbittert Gromykos Taktik während der Londoner Gespräche vom Juli 1959 bezeichnete4, ist mit Russland nicht zu machen und von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Eine Verhandlungstaktik, die nach dem Motto verfährt: „Ein Aggressor wie Russland, darf für seine Aggression nicht belohnt werden“ (Johann Wadephul auf dem Berliner Forum Außenpolitik der Körber-Stiftung am 15.11.2025), ist keine Diplomatie, sondern deren Abwesenheit.

Sie lehnt a priori alles ab, was Russland fordert und führt allein zur Verhärtung der russischen Position, ohne deren Akzeptanz keine Beendigung des Krieges möglich ist. Aber genau darum geht es solchen Pseudo-Diplomaten wie Wadephul.

Solchen Nichtdiplomaten ist es gleichgültig, ob die Ukraine weiter zerstört wird und noch zehntausende Ukrainer in diesem Krieg ihr Leben verlieren. Es ist ja nicht Deutschland und Europa, das zerstört wird, und nicht die EU-Europäer, die sterben. Viel wichtiger als die Rettung von Menschenleben sei ja das Prinzip des Nichtdiplomaten Wadephul: Der „Aggressor … darf für seine Aggression nicht belohnt werden“.

Bei solchen Prinzipienreitern ist offenbar die Binsenwahrheit noch nicht durchgedrungen, dass Russland sich militärisch nehmen kann, was es diplomatisch nicht bekommen wird. Und kein EU-Gipfeltreffen, keine Prinzipienreiterei à la Wadephul, Merz´ Schimpftiraden, Macrons Drohgebärden, Starmers Kriegstrommel oder von der Leyens militante Rhetorik werden daran irgendetwas ändern können.

Man muss sich schon mit weniger zufrieden geben und sich darüber freuen, dass wenigstens in den USA an den Schalthebeln der Macht ein Opportunist wie Donald Trump sitzt, der auch mit Diplomatie nichts am Hut hat, nichtsdestoweniger aber begriffen hat, dass er sich mit Putin lieber auf einem diplomatischen Wege einigt, statt eine totale militärische Niederlage der Ukraine und einen katastrophalen Gesichtsverlust der Nato-Allianz in Kauf zu nehmen.

„Alles fließt“ (Everything flows), zitiert Lord Vansittart am Ende seiner Schrift „The Decline of Diplomacy“ Heraklits Spruch und fährt fort: „Wir haben den Glauben an den Fortschritt verloren und die Diplomatie gehört … vorübergehend zu den Opfern … Sie mag in modernem Gewand wieder zu alter Stärke finden; tatsächlich ist sie unter zivilisierten Völkern nie in Vergessenheit geraten. … Sie wird (aber) niemals weltweite Akzeptanz erlangen, solange die neuen Barbaren das Sagen haben (it can never regain worldwide acceptance, so long as the New Barbarians hold sway).“

Mit „neuen Barbaren“ meinte Lord Vansittart inmitten des „Kalten Krieges“ die Sowjetkommunisten. Heute sind die sog. „zivilisierten Völker“ zu „New Barbarians“ aufgestiegen, die Diplomatie durch Schimpf- und Hasstiraden substituiert haben. Am Ende des Weges wird der Sieg und nicht Diplomatie den Krieg beenden. Denn „победа – враг войны“ (der Sieg ist der Feind des Krieges), sagte einst der große russische Generalissimus, Alexander W. Suworow (1730-1800).

 

Anmerkungen

  1. Remarks by Under Secretary of War for Policy Elbridge Colby at the National War College (As Prepared): „To borrow Henry Kissinger’s formulation, our task therefore is to find a rational military strategy somewhere between surrender and suicide.“
  2. Kissinger, H., Die Vernunft der Nationen. Über das Wesen der Außenpolitik. Berlin 1994, 782.
  3. Lord Vansittart, The Decline of Diplomacy, Foreign Affairs, 1. Januar 1950.
  4. Zitiert nach Craig, G. A., Krieg, Politik und Diplomatie. Wien/Hamburg 1968, 309, FN 84.
Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
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43 Kommentare

  1. Einzig uns allein ist der Kapitalismus daran Schuld.
    So lange wir das nicht begreifen, kann sich auch gar nichts ändern.

    1. Das ganze macht einen ratlos. Es ist schon vom Ansatz her nicht nachvollziehbar. Niemand weder Russen noch Chinesen oder sonst wer hat je die Absicht gehabt die USA anzugreifen. Die USA brauchten das alles faktisch gar nicht, da es niemals eine Bedrohung gab.

  2. Wenn der Krieg gewollt ist, dann hat Diplomatie keinen Platz mehr.
    Und ja, West-Europa begeht gerade Kamikaze im Auftrag und Interesse der USA und wenn die Eskalation die äußerste Schmerzgrenze Russlands erreicht haben wird, dann wird es mit der Auslöschung West-Europas auch der erste regional begrenzte Atomkrieg der Geschichte zu verbuchen sein.

    1. Hallo Trux,

      „… dann wird es mit der Auslöschung West-Europas auch der erste regional begrenzte Atomkrieg der Geschichte zu verbuchen sein.“

      Das ist seit geraumer Zeit Deine These, die ich – im Gegensatz zu allem was Du sonst so kommentierst – für fraglich halte.

      Die verschiedenen „nuklearen Optionen“ vom Warnschuss bis zur großflächigen Vernichtung gehören definitiv zu den Optionen, die Russland zur Verfügung stehen. Nicht mehr und nicht weniger. Ihre Umsetzung ist an die Voraussetzungen die die russische Nukleardoktrin dafür verlangt gebunden.

      Eine andere Option ist zum Beispiel ein massiver konventioneller Angriff zur Zerstörung der Energieversorgung EU-/Nato-Europas und weiterer wichtiger Dreh- und Angelpunkte „moderner westlicher Staaten“ wie beispielsweise Rechenzentren idealerweise dann, wenn die Energieversorgung in der EU sowieso schon auf der Kippe steht. Die EU verfügt insgesamt über rund 50 Gasverflüssigungsanlagen. Das wären 50 Raketen und dann bleiben davon statistisch vielleicht noch zwei funktionierende Gasverflüssigungsanlagen übrig.

      Die Chance dieser Option ist, dass EU-/Nato-Europa hart getroffen sich sofort wie ein angegriffener Hund auf den Rücken wirft und die Kehle anbietet um Beißhemmung zu provozieren. Das Risiko dagegen ist, dass EU-/Nato-Europa dann mobil macht und alles was es hat gegen Russland werfen wird.

      Eine weitere Option ist, auf den Zusammenbruch EU-/Nato-Europas zu setzen und diesen Staaten zum geeigneten Zeitpunkt alle Unterstützung wie Energielieferungen aller Art zu entziehen.

      Bei dem „regional (auf Europa) begrenzten Atomkrieg“ den Du kommen siehst, frage ich mich das gleiche wie bei unseren großartigen Führern, nämlich inwieweit Du eigentlich darüber nachgedacht hast was passiert, wenn die weitere Entwicklung eben nicht so verläuft wie das Narrativ (in diesem Fall „regional begrenzt“) es vorsieht.

      Natürlich spielt es absolut keine Rolle inwieweit Deine oder meine Einschätzungen mit der kommenden Realität übereinstimmen werden oder könnten und wie wir die Chancen und Risiken dabei sehen. Für die russische Führung dagegen schon. Und das verringert die Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung von nuklearen Optionen.

      Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass der Westblock über Mittel und Wege verfügt, Russland zum Einsatz von atomaren Waffen zu nötigen = zu zwingen. Hier verstehe ich Dich so, dass Du davon ausgehst, dass der Westblock diese Mittel kompromisslos einsetzen wird. Und diese Einschätzung halte ich leider auch für realistisch.

      Mit besten Grüßen
      Vrbamrda

  3. Die Bemerkung „Bei solchen Prinzipienreitern ist offenbar die Binsenwahrheit noch nicht durchgedrungen, dass Russland sich militärisch nehmen kann, was es diplomatisch nicht bekommen wird“ scheint mir nicht zu Ende gedacht.
    Die EU betreibt ja gerade einen gehörigen Aufwand, um dieses Szenario gerade nicht möglich zu machen, also Russland praktisch mindestens zu Abstrichen an dessen Zielen zu zwingen.
    Und wie es aussieht, ist der Krieg seit Jahren defacto ein Stellungskrieg. Russland hat real seine Ziele bisher zumindest nicht erreicht. Und es behaupte niemand, dass sie es nicht versucht hätten.

    Mit der Einschätzung, dass der EU die Diplomatie fehlt und dass die einzige Strategie darin besteht, der Ukraine die Lasten für EU Interessen aufzubürden, hat der Autor allerdings recht.
    Eine vernünftige Alternative, also wie ein rasches Kriegsende ohne weitere sinnlose Opfer aussehen könnte, nennt der Autor leider nicht, sondern verweist auf eine militärische Lösung.
    Das finde ich vollkommen unbefriedigend, denn das ist aus der Perspektive des Fußvolks die schlimmste aller Lösungen.

    1. „Die Bemerkung „Bei solchen Prinzipienreitern ist offenbar die Binsenwahrheit noch nicht durchgedrungen, dass Russland sich militärisch nehmen kann, was es diplomatisch nicht bekommen wird“ scheint mir nicht zu Ende gedacht.
      Die EU betreibt ja gerade einen gehörigen Aufwand, um dieses Szenario gerade nicht möglich zu machen, also Russland praktisch mindestens zu Abstrichen an dessen Zielen zu zwingen.“

      Wäre mir neu!

      Wenn das der Fall wäre, hätte „die EU“ ja die Ukraine 2022 nicht dazu gedrängt, das unterschriebene Waffenstillstandsabkommen nicht umzusetzen, als dessen Ergebnis das Land praktisch vollständig unter Kiewer Kontrolle geblieben wäre, und nur die Einbindung in die NATO nicht hätte stattfinden sollen.

      Wie sehr sollte Russland den Kiewer Nazis noch entgegenkommen? Daß sich die Bedingungen jetzt nach der defacto Niederlage Kiews in diesem sinnlosen und vermeidbaren krieg verschlechtert haben, und Russland darauf besteht, die überwiegend russisch besiedelten Gebiete, in denen Kiew seit 2014 Krieg gegen russische Ukrainer führte, zu behalten, ist nicht Moskaus Schuld!

      1. Ich bin mit Teilen Deines Kommentars nicht einverstanden:
        – Ein unterschriftsreifes Abkommen lag 2022 nicht vor, maximal die Idee, wie weiter verhandelt werden könnte
        – Russland hat die Ukraine überfallen, da ist der Passus, „den Kiewer Nazis entgegenkommen“ grundfalsch
        – Eine militärische Niederlage Kiews sehe ich momentan nicht, das ist ja der Grund, weshalb noch gekämpft wird

        Der Punkt ist aber ein anderer: Ich erkenne im Artikel des Autors einfach keine Idee, wie der Krieg möglichst rasch beendet werden kann, um Menschenleben zu schonen.

        Und so ganz nebenbei: Ich unterstütze z.B. einen sofortigen Waffenstillstand, wäre sogar bereit (steht mir natürlich nicht zu) ukrainische Gebiete an Russland abzutreten. Aber doch nicht um Russland einen Gefallen zu tun, oder weil Russland irgendwelche legitimen Ansprüche hätte, sondern um den Menschen vor Ort wieder eine Lebensperspektive zu geben.

        1. Da bist du falsch informiert,. Das Abkommen war im April 2022 sogar schon „unterschrieben“. Und zwar von den Verhandlungsführern. In der Diplomatensprache nennt man das „paraphiert“:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Paraphierung

          Was noch fehlte, war die Bestätigung durch die Regierungen in Moskau und Kiew, und die anschließende Ratifizierung durch die jeweiligen Parlamente.
          Es gab Gründe für den Abzug der russischen Truppen aus der Region um/nördlich von Kiew, Ende März 2022. Das war eine Art Vorausleistung zur Bestätigung, daß man das getroffene Abkommen erfüllen würde.

          1. Der Forist hat Ihnen erklärt, dass es im Rahmen der sog. „Istanbul Gespräche“ in 2022 -ausser Verhandlungen- kein von beiden Seiten unterzeichnetes Abkommen zwischen der RF und der Ukraine -und schon gar kein Waffenstillstand- zustandegekommen ist. Alles andere war damals nur mit BoJo garnierte russische Propaganda wie die gleiche aktuelle Variante über angeblich zwischen Putin und Trump im „Spirit of Anchorage“ getroffene Vereinbarungen, an die sich nun die US jetzt nicht halte und Russland zum wiederholten Male übelst „verraten“ habe. Richtig ist, dass damals die Ukraine einen Waffenstillstand durchsetzen wollte, dieses wurde aber von der russischen Delegation kategorisch abgelehnt und Ende März 2022 -als das wahre Ausmass des russischen Gräueltaten in Butscha sichtbar wurde- war es für die Ukraine ohenhin vorbei. Die Gespräche gingen nach Butscha zwar weiter, begrenzt wurden sie allerdings auf Themen wie Gefangenenaustausch und humanitäre Korridore. Im März-April 2022 fuhr die russische Armee noch auf der Überholspur -für einen Waffenstillstand gab es für Russland auch rein militärisch betrachtet keinen Grund.

            1. „Der Forist hat Ihnen erklärt, dass es im Rahmen der sog. „Istanbul Gespräche“ in 2022 -ausser Verhandlungen- kein von beiden Seiten unterzeichnetes Abkommen zwischen der RF und der Ukraine -und schon gar kein Waffenstillstand- zustandegekommen ist. Alles andere war damals nur mit BoJo garnierte russische Propaganda“

              Der israelische Minsterpräsident (damals Naftali Bennett, und in die Verhandlungen involviert) verbreitet russische Propaganda?

              1. „Der israelische Minsterpräsident (damals Naftali Bennett, und in die Verhandlungen involviert) verbreitet russische Propaganda?“

                Bennett war nicht Teil der verhandelnden Delegationen, sondern nur in der Rolle eines sog. „Moderators“ untewegs, der den Telefonhörer zwischen Moskau und Kiew bediente. Nach dem damals berühmt gewordenen Interview sagte er übrigens:

                „Es ist unklar, ob es überhaupt einen Deal gab, der gemacht werden konnte. Zu der Zeit hab ich dem Ganzen etwa eine 50-prozentige Chance gegeben. Die US-Amerikaner schätzten die Chancen deutlich geringer ein. Schwer zu sagen, wer Recht hatte.“

              2. Bennett hat gemäss dem mehrstündigen Youtube-Gespräch weiter erklärt, dass es nicht die USA und andere Westmächte gewesen seien, die zur Beendigung der Istanbuler Friedensgespräche geführt hätten. Vielmehr habe die Entdeckung der grauenvollen Massaker durch russische Soldaten in dem Kiewer Vorort Butscha Anfang April 2022 entscheidend zum Abbruch der Verhandlungen beigetragen.

                1. Nein, hat er nicht. Er hat klar gesagt, daß es der Westen war, der die Verhandlungen geerdet hat.

                  Im übrigen war Butscha ein Fake Kiews.

        2. „Der Punkt ist aber ein anderer: Ich erkenne im Artikel des Autors einfach keine Idee, wie der Krieg möglichst rasch beendet werden kann, um Menschenleben zu schonen.“

          Verstehe nicht Ihre Erwiderung. Das ist gar nicht die Aufgabe des Autors und auch nicht die Funktion der Silnizki-Artikel, in denen es darum geht, dem deutschen Publikum aus dem hier versammelten AfDBSW-Lager die putinrussische Sicht auf die Dinge zu präsentieren. Das deutsche Publikum sollte im 5 Jahr des Krieges Russlands gegen Europa auch endlich kapieren, dass Russland den Krieg so lange führen wird wie die dafür erforderlichen Ressourcen ausreichen werden. Beim Letzteren ist Russland noch lange nicht am Ende. Um irgendwelches „Schonen von Menschenleben“ geht es im Krieg überhaupt nicht -ganz im Gegenteil: menschliches Material gehört zu den Mitteln, die der Staat im Krieg einsetzt, um ihn zu gewinnen -und nicht um ihn aus humanitären Gründen vorzeitig zu unterbrechen. Und in Russland liegt der Wert eines sog. „Menschenlebens“ bei Null -der sog. „Mensch“ wird dort nur als nachwachsender Rohstoff des Staates angesehen.

          1. Rassistischer Unsinn. Wie üblich. Aber mehr erwartet hier auch keiner mehr von ihnen. „Der Russe“ als „Untermensch“. Sie wissen, wer so sprach? Japp! Arseni Jazenjuk! Der US-Statthalter in Kiew nach den Putsch – live im deutschen Fernsehen. Aber ursprünglich stammt das aber natürlich aus einer Zeit, die wir eigentlich mal überwunden geglaubt hatten, in deren Tradition sich Kiew aber sieht.

          2. die ganzen EU-Milliarden, die US-Milliarden und die Milliarden zusätzlich von den EU-Staaten reichen nicht aus um Russland zu besiegen, jetzt werden die neu angekommenen Männer aus der Ukraine in der EU eingesammelt und an die Front zum Sterben gekarrt.
            WO liegt jetzt der Wert eines ukrainischen Menschen für EUropa? Wieviel ist ein Menschenleben in der EU eigentlich wert?
            Der Krieg wäre schon längst vorbei, wenn EU/Nato nicht
            die Ukraine für ihre Ziele missbrauchen würde, wie heisst es so schön: Der Sieg wird auf dem Schlachtfeld entschieden, bis zum letzten Ukrainer!

            1. „Wieviel ist ein Menschenleben in der EU eigentlich wert?“

              Es ist zumindest so viel wert, dass der Staat Sie @Rubis nicht in eine Munitiosfabrik schiebt und Ihren Mann an die Ost-Front schickt. Obwohl der Staat alle Mittel dazu auch hier hat, um sowas durchzusetzen.

              1. nein hat er nicht….
                die EU ist kein Staat sondern eine Union……und
                der Wert eines Menschen ist der EU/Nato soviel wert wie das Schwarze unter Ihrem Fingernagel.
                Von Deutschland rede ich jetzt mal nicht, mein Lebensmittelpunkt ist woanders.

        3. Zu den „Kiewer Nazis“, die Sie ja offenbar nicht sehen wollen:

          https://www.president.gov.ua/en/news/prezident-uzyav-uchast-u-ceremoniyi-perepohovannya-andriya-m-104577

          Sie wissen, wessen Knochen da im Sarg liegen, und wem Selenski hier höchste staatliche Ehren erweist?

          https://en.wikipedia.org/wiki/Andriy_Melnyk_(officer)

          Und hier sein Name in einem noch klareren Zusammenhang:

          https://en.wikipedia.org/wiki/14th_Waffen_Grenadier_Division_of_the_SS_(1st_Galician)

          (13mal genannt in dem Artikel!)

          Da gibt es absolut nichts (mehr) zu relativieren. Der angebliche „Jude“ Selenski steht voll in der Tradition der deutschen und ukrainischen Nazis der20er-40er Jahre. Er hat sich sogar freiwillig da hin gestellt!

  4. „…. und Diplomatie ohne Diplomaten.“

    Diplomatie ist die allerwichtigste Schlüsselqualifikation die ein guter Politiker haben muss.
    Ich kann heute in der gesamten westliche Welt keinen führenden Politiker erkennen, über diese Fähigkeit und die damit verbundene berufliche Kompetenz verfügt.
    Diplomaten gibt es leider nicht mehr in dieser Kaste.
    Politiker machen – wie jeder andere Mensch – nur das, was sie können – mehr geht nicht.
    Was dabei herauskommt, dürfen/müssen wir tagtäglich erleben.

    Wer das Geld hat, hat das Sagen auf dieser Erde. Und das ist eine überschaubare Zahl von Personen.
    Diese Leute haben es einfach, ihre Ziele auf dieser Erde umzusetzen, mit solchen außergewöhnlich kompetenten Politikern.

  5. „Man muss sich schon mit weniger zufrieden geben und sich darüber freuen, dass wenigstens in den USA an den Schalthebeln der Macht ein Opportunist wie Donald Trump sitzt, der auch mit Diplomatie nichts am Hut hat, nichtsdestoweniger aber begriffen hat, dass er sich mit Putin lieber auf einem diplomatischen Wege einigt, statt eine totale militärische Niederlage der Ukraine und einen katastrophalen Gesichtsverlust der Nato-Allianz in Kauf zu nehmen.“

    Dem Opportunisten Trump war wohl das russische „Angebot“ nicht hoch genug (und das ist durchaus auch materiell gemeint). Jedenfalls kann keine Rede mehr sein von irgendwelchen (pseudo-)diplomatischen Bemühungen seitens der USA. Wäre es darum jemals gegangen, wäre seitens Russland Lavrov und nicht Dmtritiev damit beauftragt worden. Rubio hat inzwischen schon überdeutlich erklärt, die USA seien hier Partei (sie liefern weiter Waffen, Aufklärung, Zielfindung etc.) also nicht neutral und könnten hier mithin auch nicht vermitteln. Sie denken auch gar nicht daran, auf Sanktionen gegen Russland zu verzichten und die vorübergehende Freigabe von Öl- und Gaslieferungen wird – sobald Hormus wieder funktioniert – auch zurückgenommen werden.

    Das ist und bleibt ein Problem für Russland. Die Europäer haben voll auf Waffenproduktion geschaltet, selbst die Autofirmen sind beteiligt, und sie werden der Ukraine mehr und mehr Waffen zur Verfügung stellen, mit denen sie russisches Staatsgebiet wird treffen können. Wie will Russland sich dauerhaft dagegen zur Wehr setzen? Kann es einerseits mit der Produktionsmenge des Westens mithalten und andererseits angesichts der riesigen Ausdehnung des Landes eine wirksame Luftverteidigung organisieren?
    Täglich sterben Zivilisten, Raffinerien, Brücken, Straßen und andere Infrastruktur wird beschädigt. Sollten sich die Angriffe noch deutlich verstärken und weiterhin durch wirtschaftliche Störmaßnahmen(Aufbringen von Schiffen und andere Blockaden von Lieferwegen)begleitet werden, dann könnte durchaus die Situation entstehen, daß die menschlichen und materiellen Schäden aus russischer Sicht nicht länger tolerierbar sind. Was dann geschehen würde wissen die Götter.
    Mobilisierung? Alles auf konventionellen Angriff, oder gar………?

    Es sieht ganz so aus, als wolle es die westliche Brinkmanship darauf ankommen lassen; jedenfalls wird mit aller Kraft darauf hingearbeitet. Und weit und breit kein nennenswerter Widerstand im Westen.

    PS Und wenn man sich das Form bei TP zu dem Thema anschaut, gewinnt man den Eindruck, daß die dort Vertretenen es mehrheitlich gar nicht erwarten können, es endlich zu erleben – ganz so wie unser Militär.

  6. der Ex „EU-Außenbeauftragter Borrell“: „Dieser Krieg wird auf dem Schlachtfeld gewonnen werden“

    Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Oblast Donezk komplett eingenommen wird.
    Aber…..die EU hat „Hilfe“ versprochen, kein Geld der Welt kann Menschenleben ersetzen und deshalb hat die EU Kommission beschlossen, den Schutzstatus ankommender Maenner aus der Ukraine nicht zu erneuern, heisst das
    die Maenner werden von Mitarbeiter der „Rekrutierungszentren“ in Empfang genommen, an die Front gefahren und aufs Schlachtfeld geworfen?
    Wie war das noch mal mit dem „Friedensnobelpreis“ liebe EU?

    1. „Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Oblast Donezk komplett eingenommen wird.“

      Das mag ja sein, aber bis dahin (und auch danach) kann es noch jede Menge sehr gefährlich Entwicklungen geben bis hin zu „treffenderen“ Angriffen auf das AKW Zaporishia. Gerade habe ich einen Artikel in der russischen „Antifaschist“ gelesen, der leider kein hoffnungsvolles Bild der derzeitigen Lage zeichnet. Bitte selbst übersetzen lassen:

      https://antifashist.com/item/vsu-byut-po-logistike-i-energetike-zaporozhskaya-oblast-v-rezhime-vyzhivaniya.html

      1. Ich will mich ja nicht beschweren, aber wo ist mein zuvor geschriebener Beitrag abgeblieben? Da ging es um die Frage, ob der Westen versucht, den „War of Attrition“ umgekehrt zu führen.

  7. Silnizki bringt das Wesentliche auf den Punkt – die EU-Granden hängen einem Wahn an, der keine reale Grundlage hat und daher nur in einer Katastrophe für Europa enden kann, die bloss deshalb noch nicht eingetreten ist, weil der dämonisierte Putin in Wirklichkeit bis zum Äussersten vorsichtig ist und bisher davor zurückschreckt, die Produktionsstätten der Geschosse, die die Ukraine nun täglich nach Russland schickt und die durchaus Schäden verursachen, wenn auch keine, die auch nur ansatzweise kriegsentscheidend wären, in EU-Staaten direkt anzugreifen.
    Wichtig erscheint mir ein hier nicht erwähnter Punkt – der Atomschirm, von wem auch immer aufgespannt, bewirkt nichts, schützt nicht. Atomar bewaffnete Staaten werden dennoch angegriffen, in der durchaus korrekten Überlegung, die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen werde dadurch nicht erreicht. Diese ist viel höher als angenommen. Sie ist so hoch, dass sie womöglich nie überstiegen wird. (Natürlich kann man die Machtübernahme durch einen Geisteskranken nicht ausschliessen und deshalb auch nicht den Atombombeneinsatz.) Atomare Bewaffnung ist komplett nutzlos, bloss ein weiterer Weg von Mittelverschleuderung, Kriege werden durch sie nicht verhindert und wie gesagt, wahrscheinlich nicht einmal entschieden. Letzteres ist an sich leicht beruhigend.

    Nochmals zur Lage in Europa – es ist die eigne, europäische Aggressivität, die die Gefährdung auslöst. Würde man militärisch die Füsse stillhalten, bestünde auch keine militärische Gefährdung. Die Aufrüstung ist selbst das Problem, das sie lösen soll. Es stellt sich die Frage, warum Europa den Eindruck eines Quartalaggressiven macht, der in Abständen Kriege, insbesondere den Drang, Russland zu erobern auslöst. Und warum auch die nominelle Demokratisierung des Kontinents daran nichts geändert hat. Warum die Politiker-Allokation dermassen versagt, im Dutzend Kriegsgurgeln an die Macht bringt, ignorante Menschen wie von der Leyen, die nicht weiss, wovon sie spricht, wenn sie ihre absurden Machtfantasien auslebt.

  8. Der Autor schreibt dass den EU Außenpolitikern die Ukraine und ihre Einwohner egal wären, aber nicht die EU Bevölkerung. Da könnte er sich aber ernsthaft irren. Alles oder Nichts ist das Mantra dieser Ex-„Diplomaten“. Sieg oder Untergang. Jeder zaghafte Versuch eines Dialogaufbaus wie von Costa wird im Keim erstickt. Der Mann wird sicher nicht wieder berufen. Mit Alles ist Russland inbegriffen. Es wird Zeit aufzuwachen. Es könnte für uns noch schlimmer kommen wenn Russland balkanisiert wird, auch ganz ohne Atomkrieg.

    1. „Der Autor schreibt dass den EU Außenpolitikern die Ukraine und ihre Einwohner egal wären, aber nicht die EU Bevölkerung.“

      Wessen Interesse vertreten denn die EU-Politiker (und nicht nur die)?
      Die Antwort liegt auf der Hand.

  9. Zur Zeit erleiden die Russen anscheinend tatsächlich Rückschläge. Es wird behauptet, die Ukraine habe 2026 bereits über 600 km² zurückerobert. Massive Drohnen- und Raketenkampagne gegen russische Logistik, Treibstofflager, Brücken (z. B. nach Krim), Schiffe und Radarstellungen führen zu Versorgungsengpässen an der Front, Treibstoffmangel und Chaos im Hinterland (z. B. Krim).
    Das ist gefährlich und nährt die Tendenz der EU, in diesen Krieg zu investieren, der längst ein Krieg der Nato ist, der mit westlichen Waffen und Söldnern geführt wird, denn genau das sind die vom Westen finanzierten ukrainischen Soldaten. Während die Nato also russische Energiebetriebe bombardiert, traut sich Russland nicht, ähnliche Angriffe auf Natogebiet vorzunehmen. Darauf könnte Russland verzichten, wenn es an der Front vorwärts ginge. Tut es aber schon lange nicht richtig.
    Jetzt verursachen die Angriffe aufs Hinterland Rückschritte an der Front. Bevor Russland kapituliert, sollte es ausprobieren, ob es auch anders geht. Ich glaube, im Ernstfall lässt Trump die Europäer allein.

    1. Konstantinovka (Gateway zu Kramatorsk-Slaviansk), Liman, etc. wird aber in den Medien komplett ausgeklammert oder runtergespielt. Dort sieht es nicht gut für die ukrainischen Verteidiger aus. Das sind stark befestigte Stellungen; wo haben denn die Ukrainer denn ihr Gebiet erobert? Ist das freies Land, größere Siedlungen oder auch Höhen?
      Selbst bei der ‚Gegenoffensive‘ 2023, zur Zeit des Wagner-Aufstands, waren die westlichen Medien nicht so hysterisch: da läuft eine koordinierte PsyOp in großem Stil.
      Und wieso das ganze Gerede jetzt bez. möglicher russischer atomarer Reaktion? Siehe z.B. den Artikel bei Telepolis, der sich auf Reuters bezieht: da werden dann ein ‚einflussreicher‘ Industrieller und ein Militärblogger mit 90.000 Followern als Quellen zitiert. Was Lawrov, der russische Aussenminister, zu Politico sagt, wird nicht publiziert.
      Und die USA generell, nicht nur Trump, werden Europa im atomaren Ernstfall ganz sicher allein lassen, um einen Atomschlag aufs eigene Gebiet nach Möglichkeit abwenden zu können.

  10. Na also, das nächste intellektuelle Coming-out.

    Man hat sich ja schon lange daran gewöhnt, dass die Autoren beim Overton-Magazin unter „Diplomatie“ niemals echte Diplomatie und unter „Frieden“ niemals echten Frieden verstehen. Sie meinen schlicht und ergreifend die bedingungslose Kapitulation vor Russland. Aber nun konnte der russische Chauvinist Michael Silnizki anscheinend nicht mehr an sich halten und hat es endlich ganz offen ausgesprochen.

    In seinem neuesten Text lässt er jegliche Maske des distanzierten „geopolitsiche Experte“ fallen. Er erklärt uns ungeniert, dass die Ukraine und der Westen gefälligst den Mund zu halten haben, weil Russland eine „Siegermacht in spe“ sei, die sich „militärisch nehmen kann, was sie diplomatisch nicht bekommt“. Dass Europa und Kiew es überhaupt wagen, eigene Bedingungen zu stellen, statt vor den russischen Panzern zu buckeln, nennt Silnizki ernsthaft „Wahnsinn mit Ansage“, „Sandkastenspiel“ und „Nichtdiplomatie“. Seine Logik ist so simpel wie zynisch: Wer das Völkerrecht verteidigt, ist ein „kriegslüsterner neuer Barbar“ – wer vor imperialer Gewalt kriecht, betreibt „Realpolitik“.

    Diese totale Täter-Opfer-Umkehr und die offene Unterwürfigkeit gegenüber dem Kreml ist an Heuchelei kaum zu überbieten.

    P.S.: Herr De Lapuente war ja neulich erst sichtlich schockiert darüber, wie sehr sich sein ehemaliger Kollege und RT-Propagandist „Gert Ewen Ungar“ (Günter Wagner) in Moskau radikalisiert hat. Der forderte bei X ja ganz ungeniert, Kiew „in Schutt und Asche“ zu legen und drohte den Deutschen mit Atombomben, damit sie „wieder Angst lernen“.

    https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/deutscher-rt-journalist-fordert-bombardierung-deutschlands/

    Entschuldigung für die naive Frage an die Redaktion: Aber glaubt Roberto De Lapuente etwa ernsthaft, dass der aus Russland stammende Herr Silnizki – dieser so überaus geschätzte, feinsinnige Bewunderer der „harten Hand des Kremls“, vor der er selbst damals ganz persönlich bei der erstbesten Gelegenheit in den sicheren Westen geflohen – im Grunde seines Herzens irgendwie anders denkt? Silnizki verpackt es hier in diesem Artikel nur etwas geschickter in pseudointellektuelle Phrasen. Am Ende ist die Botschaft exakt dieselbe: „Unterwerft euch der russischen Willkür, oder ihr werdet vernichtet.“

    Nur so als dezenter Hinweis – nicht, dass die Redaktion hinterher wieder völlig überrascht aus allen Wolken fällt und einen Schock erleidet.

    1. @ L. Ren:

      Nun kann man über die Motivationen, Sehnsüchte und tatsächlichen Sichtweisen von Michael Silnizki einiges meinen. Jedenfalls ist es offensichtlich, dass Sie sich ebenfalls für eine Seite entschieden haben, das sei Ihnen unbenommen.
      Doch das Absurde Ihres Posts wird in diesem kleinen Satzteil offenbar, der alles andere entblößt:

      Wer das Völkerrecht verteidigt…

      „Wer“ verteidigt „wo“ das Völkerrecht? Wann ist das jemals geschehen? Welche Funktion hat „Das Völkerrecht“ und wer ist der alleinige Nutznießer dieser Funktion?
      „Das Völkerrecht“ ist eine schöne Idee für die Vielen und genau das soll sie sein und bleiben: Eine Idee, ein Märchen, eine Verpackung. Am Ende hat jeder Krieg genau zwei Seiten: Die Seite derjenigen, die ihn physisch führen, und die Seite derjenigen, die von ihm profitieren.

      1. „Dass Europa und Kiew es überhaupt wagen, eigene Bedingungen zu stellen, statt vor den russischen Panzern zu buckeln, nennt Silnizki ernsthaft „Wahnsinn mit Ansage“, „Sandkastenspiel“ und „Nichtdiplomatie“. Seine Logik ist so simpel wie zynisch: Wer das Völkerrecht verteidigt, ist ein „kriegslüsterner neuer Barbar“ – wer vor imperialer Gewalt kriecht, betreibt „Realpolitik“.“

        Ja, diese Beschreibung der Realitäten hat eine gewisse Komik, wenn man die Handlungen und Haltungen der gleichen westlichen „Völkerrechtsverteidiger“ mit denen im Nahost-Konflikt gezeigten, vergleicht. Das imperiale(?) Israel hält nicht nur den Süden Syriens besetzt, sondern hat sich nun auch ein Stück vom Libanon abgeschnitten. Fortan soll der Südlibanon „Pufferzone“ Israels sein und von Tel Aviv regiert werden. Was machen die Völkerrechtsverteidiger? Was sagen sie zu der flächendeckenden Zerstörung von Infrastruktur dieser Gebiete durch die IDF?

  11. Solange Russland nicht bereit ist zu kapitulieren, wird es mit den bestehenden Eliten, die den Westblock (Nato und EU – die Unterschiede zwischen US-Amerika und Europa werden dabei landläufig gerne maßlos überschätzt) dirigieren, keine „diplomatische“ Lösung geben.

    Dazu wäre im Westblock eine Struktur nötig in der von der Eskalationslogik abweichende Stimmen gehört werden und mitreden können oder dass die Bevölkerung in den wichtigsten Nato-Staaten ihren Führern gehörig aufs Dach steigt. Ersteres gibt es nicht und letzteres geschieht zumindest in Deutschland nicht und wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch weiterhin nicht geschehen.

    Das bedeutet, dass nur eine militärische Entscheidung bleibt, es sei denn eine der beiden Seiten kollabiert zuvor. Wie weit wir in Westeuropa noch von einem Zusammenbruch auch ohne russische militärtechnische Maßnahmen entfernt sind ist unklar. Mein Eindruck ist, dass die russische Führung die Entwicklung im kommenden Winter gerne noch abwarten würde bevor sie sich in das offensichtlich Unvermeidliche fügen wird.

    Was russische Gegenangriffe oder den Trollen zuliebe „Angriffe“ auf europäische Natostaaten betrifft, gibt es meiner Ansicht nach drei Hauptszenarien:

    Zum einen die von der Westpropaganda favorisierte russische Vorbereitung auf einen unprovozierten Angriff auf Westeuropa je nach Rechenmodell in zwei, vier, acht, vierzig oder vierhundert Jahren, oder auch schon am übernächsten Wochenende, die ausschließlich in die Kategorie Informationskrieg gehört.

    Zum zweiten die sich beständig steigernde Eskalation des Westblocks auf der realen wie auf der Propagandaebene die darauf abzielt Russland zu militärtechnischen Maßnahmen gegen europäische Natostaaten zu nötigen (= zu zwingen), um dann zumindest in Europa einen radikalen inneren Umbau zu defacto Diktaturen vorzunehmen (Stichwort „Spannungs- beziehungsweise Verteidigungsfall“) und um Russland als nächstes oder übernächstes zum Einsatz von Atomwaffen in Europa aber nicht in Nordamerika zu nötigen.

    Das ist das Szenario auf das wir unübersehbar zusteuern. Nicht ob, sondern wann ist dabei die offene Frage.

    Das dritte Szenario ist ein russischer Präventivkrieg gegen EU-/Nato-Europa. Denn selbst wenn es der russischen Führung noch länger gelingen sollte trotz stetig gesteigerter Eskalation des Westblocks auf militärische Gegenmaßnahmen zu verzichten, halte ich es für nicht gerade extrem wahrscheinlich, dass die russische Führung mehrere Jahre abwarten wird, bis EU-/Nato-Europa hochgerüstet und bereit zum Frontalangriff ist.

    Die russische Führung hat bisher auf militärische Gegenmaßnahmen gegen EU-/Nato-Europa verzichtet, da ihre Kalkulation für das bisherige Vorgehen ganz offensichtlich höhere Chancen für das Erreichen möglichst vieler ihre Ziele ergeben hat und weil sie und ganz besonders ihr Präsident großen Wert darauf legt, in der Auseinandersetzung den gerade noch kalkulierbaren Bereich nicht zu verlassen. Ein Merkmal von Staatsmännern, würde ich sagen.

    Was die Kriegsführung des Westblocks betrifft, fokussiert diese im Grunde von Anfang an auf den Informationskrieg in dem sie Russland überlegen ist und nicht auf die militärische Auseinandersetzung in der sie Russland unterlegen ist. Beides sauber auseinanderzuhalten ist wie ich meine die Kunst bei der Betrachtung der Entwicklung. Über die Art dieser Kriegsführung und die Ziele der Nato hat Scott Ritter vor einigen Wochen einen herausragenden Artikel geschrieben: https://scottritter.substack.com/p/terror-and-mental-war.

    Was den Drohnenkrieg betrifft, der Russland in diesem Sommer ja an den Rand der Niederlage gebracht hat sagt unsere Propaganda, sollte man sich vor Augen halten, dass Drohnen laut Andrey Martyanov heute etwa 6 bis 8 % der toten Soldaten verursachen und sie wohl spätestens nächstes Jahr die 10 % Marke erreichen könnten. Doch wie die anderen 92 – 94 % der Soldaten sterben, darüber schweigt sich die Propaganda aus guten Gründen aus.

    Russland dürfte in seiner Militäroperation rund 200.000 Soldaten unwiederbringlich verloren haben, die Restukraine in ihrem Krieg dagegen rund 2.400.000 Soldaten. Aber hey, die Ukraine gewinnt, oder ist zumindest auf dem Vormarsch! Weil wir die besseren Bilder haben…

    Dass Russland Probleme hat, ist unbestritten. Dass die Restukraine erheblich größere Probleme hat, ebenso. Die Probleme die der Krieg gegen Russland im Westblock verursacht werden dagegen gerne unterschätzt. Jedem aufmerksamen Beobachter dürfte klar sein, dass Russland von einem Zusammenbruch erheblich weiter entfernt ist als der Westblock in seiner Gesamtheit und ganz besonders als dessen wackligste Staaten.

    1. „Was den Drohnenkrieg betrifft, der Russland in diesem Sommer ja an den Rand der Niederlage gebracht hat sagt unsere Propaganda, sollte man sich vor Augen halten, dass Drohnen laut Andrey Martyanov heute etwa 6 bis 8 % der toten Soldaten verursachen und sie wohl spätestens nächstes Jahr die 10 % Marke erreichen könnten.“

      Ob die Angaben von Maryanov und Ritter punktgenau stimmen, möchte ich bezweifeln. Tendenziell werden sie die Realität aber besser darstellen, als unsere Medien und ihre Protagonisten. Die Drohnen spielen m.E. unabhängig von ihrem militärischen Wert in der Berichterstattung des Westens auch eine herausragende Bedeutung, weil sie sich selbst beim Angriff filmen. Für die Propaganda also bestens geeignet. Wenn jede Artilleriegranate oder Lenkbombe ihren Aufschlag filmen und dieses mediale Material liefern würde, wäre von Drohnen wahrscheinlich keine Rede mehr.

  12. Du hast sichtlich Schwierigkeiten den realen Krieg und den Informationskrieg auseinanderzuhalten. Der Informationskrieg „berichtet“ (berichtet und erfindet) ausschließlich die „Erfolge“ der Restukraine die es in manchen Segmenten des Krieges gibt und schon die ganze Zeit gegeben hat und verschweigt das ganze Desaster und die entsetzlichen Verluste auf ukrainischer Seite an Mensch und Material.

    In diesem Krieg geht es nur nachrangig um Territorium. Vorrangig ist das Ziel der russischen Armee die restukrainischen und alliierten Streitkräfte und deren Ausrüstung zu vernichten.

    „Während die Nato also russische Energiebetriebe bombardiert, traut sich Russland nicht, ähnliche Angriffe auf Natogebiet vorzunehmen.“

    Das ist offensichtlich Unsinn. Richtig ist es, dass Russland darauf bislang verzichtet hat, weil seine Kalkulationen ergeben haben, dass seine Ziele mit dem bisherigen Kurs am besten zu erreichen sind.

    „Darauf könnte Russland verzichten, wenn es an der Front vorwärts ginge. Tut es aber schon lange nicht richtig.“

    Kannst Du das wirklich beurteilen? Ich glaube nicht. 1 : 12 ist mittlerweile das Verhältnis getöteter russischer zu ukrainischer Soldaten (200.000 zu 2.400.000). In einem Abnutzungskrieg bewegt sich die Front manchmal über Jahre wie im ersten Weltkrieg wenig bis gar nicht bis eine Seite zusammenbricht und innerhalb weniger Tage alles auf einmal verliert.

    „Bevor Russland kapituliert, sollte es ausprobieren, ob es auch anders geht.“

    Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, woher Du die Idee nimmst, Russland könnte kapitulieren.

    „Ich glaube, im Ernstfall lässt Trump die Europäer allein.“

    Ach Gott, ja, Trump, … Glaubst Du ernsthaft die Figur Trump entscheidet darüber, in welcher Form US Amerika an einem Weltkrieg der Nato gegen Russland und seine Verbündeten teilnimmt, den US Amerika selber angezettelt hat?

    Trump ist meiner Ansicht nach lediglich derjenige der die gefassten Beschlüsse an die Öffentlichkeit „verkauft“ und dabei für sich und sein Umfeld Milliarden Gewinne scheffeln darf.

  13. Überhaupt diese Machtelite zu reflektieren, anerkennt ihrem Anspruch.
    Länder sind ihr persönlicher Besitz, wenn sie von „unserem Land“ reden, meinen sie das genau so. Auch die Menschen, die in diesen Ländern leben, sind ihr persönlicher Besitz, über deren Leben sie frei entscheiden können.
    Niemand aus der Bevölkerung irgend eines Landes wird Krieg wollen, außer er wurde eben aus diesen Eliten heraus für dumm verkauft und aufgehetzt. Soldaten sind Leibeigene, per se. Nichts anderes sollen sie liefern als ihren Leib. Mit den Massenvernichtungswaffen wurde dies auf ganze Bevölkerungen ausgedehnt.
    Der Krieg ist ein Kricketspiel unter den Machteliten. in dem es darum geht, Macht und Landbesitz zu vergrößern. Soldaten und Bevolkerungen sind die Spielfiguren, die man hineinwirft. Wenn die Spielfiguren soweit aufgebraucht sind, dass Sieger und Besiegte feststehen, werden die Machteliten zusammensitzen und nicht weiter so tun, als wäre man sich feindlich gesonnen. Man wird ein Papier unterzeichnen, das dem Verlierer die Spielschuld und dem Gewinner seinen Spielgewinn zuschreibt. Vielleicht noch einen Whisky trinken und eine Zigarre rauchen.

  14. „If you always do what you’ve always done, you’ll always get what you’ve always got.”
    ( Henry Ford )

    Immer und zu allen Zeiten ziemlich gleiche Lügen: temporäre Kriege führen, Feinde ( = Menschen ) vernichten, … Frau Esken von der SPD, Sie sind doch eine ungemein historische Kerze auf der Torte, ja, eine Lichtgestalt, „kommen Ihnen solche … aus der Neueren deutschen Geschichte nicht irgendwie bekannt von“?

    Angesichts der Schuld Deutschlands für Krieg, Leid und Genozid im 20. Jahrhundert ( u. a. über 6 Mio. ermordete Juden, über 27 Mio. Kriegstote in der ehemaligen Sowjetunion ), sollte es eine absolute Neutralität anstreben. Dass Deutschland viertgrößter Waffenexporteur der Welt ist, erachte ich als unhaltbaren, skandalösen Zustand. Auch hierfür tragen deutsche Bundesregierungen die volle Verantwortung.

    https://aufschrei-waffenhandel.de/

    1. Die Franzosen erklärte man zum Erbfeind. Links und rechts der Nied, einem kleinen Flüsschen hier in der Gegend ließ man Verwandte aufeinander schießen.
      Dem zugrunde liegt die Struktur der Machtverhältnisse. Auch die französischen Machthaber befohlen ihren Soldaten den eigenen Cousin zu ermorden.
      Der Vorwurf aus der Geschichte nicht gelernt zu haben und auch nach dem zweiten Krieg zuzulassen, dass sich dieses Deutschland erneut formieren kann, verfängt nirgendwo.
      Entsprechend einer fatalen Logik setzt sich die Gruppe der machtbesessendsten und skrupellosesten Individuen als (staatstragende) Minderheit stets gegen die Interessen der großen Mehrheit durch, die einfach nur daran interessiert wäre in Frieden ihren Angelegen nachzugehen.
      Erwartbar, dass letztlich eine Gruppe von einigen wenigen Individuen alles Bestehende als ihrer Verfügungsmasse zugehörig betrachten wird und ihr Wahn sie dann weiter nach dem Universum oder wahlweise den metaphysischen Gegenständen greifen lässt.

  15. Wenn wir als Gesellschaft es nicht schaffen, die immer stärker propagierten Feindbilder abzuschaffen, werden wir die kommenden Jahrzehnte nicht überleben:
    – Das Zuspitzen des Feindbilds AfD führt in den Bürgerkrieg.
    – Das Feindbild Russland führt in den Krieg mit der stärksten Atommacht der Welt und damit in die eigene Vernichtung.

    Warum redet man nicht miteinander und sucht einen Interessenausgleich, sondern eskaliert die Konflikte bis es knallt?
    Waren 70 Jahre innerer und äußerer Friede zu lang? Will man nun wieder Krieg an allen Fronten? Sieg oder Untergang?

  16. es gibt schlimmeres als den nuklearen holocaust.
    da geht kurz das Licht an und dann ist alles vorbei.

    Schlimmer ist der derzeitige Zustand auf ewig in immer stärkerer Agonie verlängert.

    1. Ich kann das irgendwo nachempfinden:
      Der zunehmende innere Verfall unserer Gesellschaft, die Agonie. Kein einziges der gesellschaftlichen Probleme wird gelöst. Sattdessen werden die Probleme nur zerredet und es kommen ständig neue hinzu.

      Am Schlimmsten finde ich aber die größenwahnsinnige Kriegstreiberei.
      Die Enkel der deutschen Nazi-Generation, die auf dem Gebiet des heutigen Russland im 2. WK zwischen mind. 15 Millionen Zivilisten grausamst ermordet haben, maßen sich heute an, Russland, der stärksten Atommacht der Welt Mores zu lehren und es mit militärischen Angriffen bis aufs Blut zu provozieren.

      Gerade wenn man schon etwas älter ist, so wie ich und den größten Teil des Lebens hinter sich hat, dann möchte man dieses moralisch/ethische Elend oft nicht weiter miterleben. Da ist die Versuchung groß, zu sagen, dann sollen sie doch ihren Atomkrieg, für den sie sich so anstrengen, endlich bekommen.
      Aber um die Kinder und Enkelkinder ist es bitter schade.
      Hunderttausende oder gar Millionen, die dann keine Chance hätten, ihr Leben zu leben.

      Beste Grüße

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