Militär-Hinrichtung in den USA per Livestream

Francisco Goya: El Tres de Mayo (1814). Prado, Madrid. Bild: public domain

Die USA wollen eine Militär-Hinrichtung durchführen – öffentlich. Und das, kurz nach der gescheiterten Exekution von Tennessee, die weltweit Entsetzen auslöste.

Die Anfang Dezember geplante Erschießung des zum Tode verurteilten Attentäters Nidal Hasan auf einem Militärstützpunkt im US-Bundesstaat Texas soll per Livestream übertragen werden. Das verkündete US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf der Platform X. Im November 2009 hatte Hasan als Psychiater des US-Heeres auf dem Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und zwölf Soldaten sowie einen Zivilisten getötet und Dutzende Menschen verletzt, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde. Laut New York Times gab er nach dem Attentat an, den Angriff im Namen des „Dschihads“, des sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan und Irak habe er illegal genannt. Hasan wurde laut US-Medien in den USA als Sohn palästinensischer Eltern geboren und habe sich vor dem Anschlag zunehmend radikalisiert. Für seine Tat war er 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt worden. Nach dem Urteilsspruch habe er keine Reue gezeigt und den Wunsch geäußert, bei dem Anschlag selbst gestorben zu sein, um als Märtyrer zu gelten.

Man werde nun dafür sorgen, dass Menschen die Hinrichtung „öffentlich beobachten” könnten, sagte Hegseth dem rechtskonservativen US-Sender Real America’s Voice. „Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben“, so der Pentagon-Chef. Der demokratische Senator Chris Murphy zeigte sich im US-Sender CNN sichtlich geschockt, als er von Hegseth Ankündigung hörte: „Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch die IS wie die Terrormiliz Islamischer Staat?“ Eine live übertragene Hinrichtung würde die USA in die Nähe von Staaten rücken, deren Vorgehensweisen man an anderer Stelle verbscheute, so Murphy.

Präsident Trump hingegen pries bei einem Wahlkampfauftritt in Texas die geplante Hinrichtung Hasans, den er als „bösartigen Mörder“ bezeichnete. Er hatte die Hinrichtung erst kürzlich genehmigt, wenige Tage nachdem im US-Bundesstaat Tennessee ein Hinrichtungsversuch an der wegen Mordes verurteilten Christa Pike gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Pike wurden nach Angaben der Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch sie lebte weiter. Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA neu entfacht.

Sollte es tatsächlich zu der Exekution kommen wäre es die erste Militär-Hinrichtung in den USA seit mehr als 60 Jahren. Hasan ist laut dem Death Penalty Information Center einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem. Weitere Hinrichtungen im Livestream nicht ausgeschlossen.

Helmut Ortner

HELMUT ORTNER hat bislang mehr als zwanzig Bücher, überwiegend politische Sachbücher und Biografien, veröffentlicht. Zuletzt erschienen: „Heimatkunde – Falsche Wahrheiten. Richtige Lügen“ (2024), „Das klerikale Kartell. Warum die Trennung von Kirche und Staat überfällig ist“ (2024) und „Volk im Wahn – Hitlers Deutsche oder Die Gegenwart der Vergangenheit“ (2022). Seine Bücher wurden bislang in 14 Sprachen übersetzt. Helmut Ortner ist Mitglied bei Amnesty International und im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.
www.helmutortner.de
Foto: Peter Hönnemann
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8 Kommentare

  1. …perverse mittelalterliche Barbaren…
    mich würde es nicht wundern wenn es wie bei den alten Römern im Stadion vor einem Beseball Spiel stattfinden würde…
    das sind dann die westliche Werte… und was passiert mit diesem bösartigen Präsidenten? der tausende ermorden lies?
    wo sind diese barmherzigen Kirchen…

  2. Die Tribute von Panem werden bestimmt mit echten Hungerspielen folgen. Eine öffentliche Hinrichtung im Livestream, ist sowas von Mondlandung, ein gigantischer Meilenstein in der Menschheitsgeschichte.

  3. Die zunehmende Verrohung der amerikanischen Gesellschaft ist kaum noch zu übersehen. Immer deutlicher ist die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren verdrängt worden – nach außen durch völkerrechtswidrige Militäreinsätze, etwa gegen Venezuela und im Iran, nach innen durch das brutale und gewaltsame Auftreten der Einwanderungsbehörde.

    Wenn die Vereinigten Staaten nun auch noch die in weiten Teilen der Welt als barbarisch geächtete und abgeschaffte Todesstrafe zum medialen Großereignis stilisieren wollen, wäre das ein weiterer zivilisatorischer Tiefpunkt. Die EU sollte deshalb alle rechtlich und technisch verfügbaren Mittel ausschöpfen, um eine solche Übertragung in Europa zu unterbinden.

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