Midterm-Wahlen: Ablehnung von KI und Rechenzentren stärkte die Demokraten

Google Data Center, Council Bluffs Iowa. Bild: Chad Davis/CC BY-2.0

Mit den Republikanern und Donald Trump haben auch die Tech-Oligarchen mit ihren KI-Unternehmen die Midterm-Wahlen verloren. Obgleich sie viel Geld, Elon Musk fast eine halbe Milliarde, für republikanische Kandidaten gespendet haben, konnte offenbar der Wille eines mehrheitlichen Anteils des Volkes nicht gekauft werden. Auch nicht mit dem Versprechen Trumps von 5000 Dollar, wenn die Republikaner gewinnen. Der Glauben an Trumps Lügengeschichten hat sich verbraucht.

In vielen Bundesländern gab es auch noch Abstimmungen über Rechenzentren, die hässliche Verkörperung der KI. Daraus wird klar, dass viele Amerikaner Rechenzentren zumindest vor ihrer Haustüre ablehnen. In praktisch allen Abstimmungen waren die Menschen für einen Baustopp oder ein Moratorium. Auch wenn es keine Abstimmungen und Aussagen von Kandidaten dazu gab, ist das Thema wichtig gewesen. Nach dem Infrastruktur-Tracker Cleanview sind in den USA 2555 Rechenzentren konkret geplant, 564 Projekte befinden sich bereits im Bau. 556 sind im Betrieb.

Nach Data Center Watch sind von untersuchten 393 gewählten Kongresskandidaten fast 80 % für Regulierungen oder Beschränkungen beim Bau von Rechenzentren, 94 % der 34 gewählten Gouverneure sind für Regulierungen, Auflagen oder Moratorien, mehr als ein Drittel spricht sich für einen Baustopp aus. Deutlich mehr demokratische Politiker sind für Restriktionen oder Moratorien als republikanische. Trump will die „Superintelligenz“ mit den KI-Unternehmen möglichst unreguliert vorantreiben und war für den massiven Bau von Rechenzentren. Diese Politik war mit den enormen Gewinnen der Tech-Milliardäre und der wachsenden Ungleichheit sicher einer der Faktoren, der für eine Niederlage der Republikaner geführt hat. Dahinter scheint Skepsis vor der Technik stehen, eine Zukunftsangst, gegen die der vage Optimismus verbreitende MAGA-Slogan nicht bewirken konnte. Denn das MAGA-Amerika hat sich als das der Reichen und Techmilliardäre erwiesen. Vielleicht prägt sich auch ein Bruch zwischen der Verbindung von Technik und Fortschritt aus.

In Texas, einer der Staaten mit den meisten Bauprojekten, hat die Demokratin Gina Hinojosa den Kampf um den Gouverneursposten gewonnen und für ein Moratorium für neue Rechenzentren plädiert. Ihr Vorgänger Abbott hatte noch kurz vor der Wahl angesichts der erkennbaren Stimmung gegen den Bau neuer Rechenzentren ein Moratorium erlassen, was ihm aber nichts mehr nutzte. In dem bislang republikanisch regierten Bundesstaat gibt es bereits 335 Datenzentren, geplant sind über 200 weitere. 1800 Anträge liegen für Projekte vor, davon 90 Prozent Datenzentren mit einem Strombedarf von 474 Gigawatt. Das sei mehr als das Fünffache des bisherigen Spitzenverbrauchsrekords des Stromnetzes. Elon Musk will mit der Chipfabrik Terafab das bislang größte je gebaute Gebäude auf neun Quadratkilometern erreichten (Musks Chipfabrik Terafab soll das „größte und wertvollste Gebäude auf der Erde“ sein).

Anders als traditionelle Herrschaftsarchitektur, die ästhetisch überzeugen soll und die auch Trump mit seiner neoklassizistischen Vorliebe schätzt, ist die Architektur der fast menschenleeren „Fabriken“ der KI-Konzerne, wenn sie oberirdisch ist, brutalistisch funktional, abweisend und hässlich. Dazu kommt, dass die Generatoren darunter auch alte Flugzeugturbinen, Tag und Nacht laut sind und die Luft verschmutzen, ungeheuer viel Energie und Wasser verbrauchen und meist die Strom- und Wasserkosten für die Anwohner verteuern. Die Ablehnung von KI ist in den USA stark geworden. Nach einer Gallup-Umfrage in 37 Ländern ist KI mit am wenigsten in den USA beliebt. Hier sagen 36%, dass KI den Menschen helfen wird, in China ist man hingegen optimistisch, 93% erwarten von KI Gutes, ähnlich ist es auch in Vietnam, Singapur und Israel. Mit 74 % sind die Amerikaner am stärksten besorgt über die KI, etwas weniger sind es die Holländer oder Kanadier. Am wenigsten Angst haben die Bulgaren, Russen, Ukrainer und Vietnamesen.

Nach Exit-Poll-Umfragen von NBC sagten nur 13% der amerikanischen Wähler, dass Rechenzentren für sie keine Rolle bei der Wahl gespielt. Entscheidend war das für 23%, für 33% ein wichtiger Faktor. Allerdings waren der Irankrieg und die Lebenshaltungskosten, die Regierungskorruption und Migrationspolitik für die Wähler deutlich wichtiger.

Voraussehen lässt sich, dass durch die blaue Welle bei den Midterm-Wahlen Bauprojekte für KI-Rechenzentren ins Stocken geraten und die Unternehmen verstärkt ins Ausland ausweichen werden. Allerdings wird sich auch zeigen müssen, ob die demokratischen Politiker dem Druck der Tech-Milliardäre, die nach Trumps Wahlsieg diesen schnell umschmeichelt haben und sich jetzt vermutlich abwenden, standhalten können. Schließlich sind KI und der Bau der Rechenzentren zu einem großen oder dem wichtigsten Wachstumsfaktor für die amerikanische Wirtschaft geworden, die mit China konkurrierend in der Technik weltweit an der Spitze liegt (Wirtschaftswachstum in den USA verdankt sich fast ausschließlich dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz). Andererseits wird gewarnt, dass jeder Zeit die KI-Blase platzen kann, erste Verunsicherungen haben sich bereits an den Börsen gezeigt. Und was die Tech-Oligarchen auch beunruhigen dürfte, ist der Trend der Amerikaner, sich für den Sozialismus zu erwärmen, was linke demokratische Politiker stärken wird (Wenden sich die Amerikaner allmählich dem Sozialismus zu?).

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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2 Kommentare

  1. “ ….. und meist die Strom- und Wasserkosten für die Anwohner verteuern…..“
    Das halte ich für das Kernmotiv, das Menschen Wahlentscheidungen ändern lässt. Das, sowie die persönliche Bequemlichkeit.
    Es ist nicht das System, dem prekäre Lebensverhältnisse und Ungerechtigkeit immanent sind, nein, es ist das, was mit der eigenen Geldbörse im Alltag geschieht.
    Kapitalismus wird nicht in Frage gestellt, sondern die Auswirkung der Politik des jeweiligen Exponenten.
    Es ist also nicht die KI an sich, sondern die Teuerung, die diese mitbringt!

  2. Hier (in den USA) sagen 36%, dass KI den Menschen helfen wird, in China ist man hingegen optimistisch, 93% erwarten von KI Gutes

    Es macht halt einen Unterschied ob die KI von egoistischen Privat-Interessen bestimmt wird oder den Interessen der Gesamt-Gesellschaft dient. Die KI wirkt da nicht anders, als jede andere Technik.

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