
Tausende Deutsche schrieben im nationalsozialistischen Deutschland an ihren „Führer“: Fürbitten, Demutsbekundungen und Lobpreisungen. Angetrieben von erwartungsvoller Begeisterung, vaterländischem Pflichtgefühl, nationalem Dünkel und ideologischer Verblendung folgte Hitlers Volk den Eroberungs- und Zerstörungs-Wahn der Nazis – bis zum Ende.
Im April 1933 schreibt ein Düsseldorfer Standesbeamter an die NSDAP-Gauleitung und bittet um Entscheidungshilfe:
„Heute erschien in dem mir unterstellten Standesbeamte ein Parteigenosse, der die Geburt seiner Tochter anmeldete und dem Kinde den Vornamen „Hitlerine“ beilegen wollte. Der mit der Registerführung beauftragte Beamte hatte Bedenken, diesen Namen einzutragen und holte meine Entscheidung ein. Ich habe daraufhin die Eintragung dieses Namens abgelehnt und dem Parteigenossen nahegelegt, dem Mädchen den Vornamen „Adolfine“ zu geben, womit er sich auch einverstanden erklärt hat. ….
Da uns Nationalsozialisten der Name unseres Führers viel zu heilig ist, als dass wir ihn dem Missbrauch nationalen Klischees ausliefern lassen, wäre eine diesbezügliche baldige Entscheidung des Herrn Minister des Innern dringend erwünscht. Wenn ein Nationalsozialist seinen Sohn oder seine Tochter nach unserem Führer benennen will, so hat er ja die Möglichkeit, den Vornamen „Adolf“ oder „Adolfine“ beizulegen… Ist das aber erwünscht…?“ Er bittet um baldige Antwort.
Weil immer häufiger der Wunsch, den Namen Hitler im Namen zu verwenden, im Reich geäußert wird, sieht sich das Reichsinnenministerium veranlasst, in einen verbindlichen Erlass für alle Standesbeamten im Reich festzulegen, wie zu verfahren ist:
„Wird bei einem Standesbeamten der Antrag gestellt, den Namen des Reichskanzlers als Vornamen, sei es auch in der weiblichen Form „Hitlerine“ oder „Hitlerike“ einzutragen, so hat er dem Antragsteller nahezulegen, einen anderen Vornamen zu wählen, da die Annahme des gewählten Vornamens dem Herrn Reichskanzler unerwünscht ist.“
Um eine positive Antwort bittet auch die Schützengesellschaft im pfälzischen Lambrecht. Diesmal geht es darum, den „geliebten Führer“ zum „Ehrenschützenmeister“ ernennen zu dürfen. Sie wendet sich – ebenfalls im April 1933 – direkt an die Reichskanzlei:
„Aus Freude und Dankbarkeit darüber, dass wir Deutsche Schützen an der Westmark, durch den 14jährigen, unentwegten und heldenmütigen Kampf unseres jetzigen Reichskanzlers Adolf Hitler, wieder frei atmen und Deutschen Schützengeist wieder froh entfalten und den Schießsport ungehindert fördern können, wollen wir an dem kommenden Geburtstag unseres unvergleichlichen Führers 1. unsern Adolf Hitler zum Ehrenschützenmeister ernennen; 2. eine Ehrenscheibe ausschießen lassen.
Wir wären sehr dankbar, wenn wir bald Mitteilung darüber bekommen könnten, wie man über solche spontanen Ehrungen unseres Helden durch kleinere Körperschaften denkt und ob man in der Umgebung unseres geliebten Adolf Hitler glaubt, dass man mit solchen Ehrungen, zumal diese jetzt so massenhaft geschehen, eine Freude bereiten kann…“
Das Führer-Kopf auf einer Zielscheibe? Abgelehnt!
Im August 1933 wendet sich der Chorleiter des Gesangsvereins Germania aus Frankfurt-Sindlingen an die Reichskanzlei, mit der Bitte, dem Führer „untertännigst die Ehrenmitgliedschaft“ verleihen zu dürfen:
„Bei den an Pfingsten stattgehabten nationalen Gesangswettbewerb wurde uns u.a. der von Eurer Exellenz gestiftete „Allerhöchste Ehrenpreis“ durch das Preisgericht zuerkannt.
Eurer Exzellenz nahen wir uns mit tiefgefühltem Danke für den kostbaren und schönen Pokal. Doch fehlt uns der Ausdruck, um die Höhe des Glückes zu bezeichnen, welchem wir uns dadurch erhoben fühlen, den von Eurer Exellenz gestifteten Ehrenpreis als unser Eigen zu nennen.”
Ein Fabrikleiter der Fa. Köhlers Wwe & Sohn, Chemische Fabrik in Leipzig, schreibt am 9. September 1933 an die Reichskanzlei. Er
verbindet seine Verehrung für den Führer mit solidem Geschäftssinn und bittet um die Genehmigung, das Bild des Führers aus Gründen der Popularität und Verehrung für seine Schuhcreme-Dosen verwenden zu dürfen. Die ablehnende Antwort erfolgt fünf Tage später: „Weil der Herr Reichskanzlei aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in der Lage ist, seine Zustimmung zur Verwendung seines Bildes für Reklamezwecke zu erteilen…”.
Unzählige Anliegen aus dem gesamten Reich erreichen täglich die Reichskanzlei in Berlin. So bittet das national-gläubige Landvolk im Brandenburgischen Oppen-Dannewald die neue Glocke nach dem Führer benennen zu dürfen. Also schreibt der Präsident der Landwirtschaftskammer am 26. Oktober 1934 an die Reichskanzlei:
„Die Kirchengemeinde Dannewalde hat den Wunsch, ihre neue Glocke „Adolf Hitler Glocke“ zu nennen. Für die Kirchengemeinde Dannewalde, die ohne Übertreibung als eine äußerst nationalsozialistisch gefestigte Gemeinde angesehen werden kann, würde die Gewährung der Bitte eine große Freude sein. Zeichnung der Glocke, usw. ist alles bereits eingereicht.“
Nach kurzer Zeit, mit Poststempel vom 3. November, darf sich die „nationalsozialistische gefestigte Gemeinde“ über einen positiven Bescheid freuen:
„… Obgleich der Führer und Reichskanzler es grundsätzlich ablehnt, dass Kirchenglocken mit seinem Namen benannt werden, will er in Ihrem besonderen Fall, da die Glocke bereits fertiggestellt ist, Bedenken nicht erheben und ist damit einverstanden, dass die neue Glocke in der Kirche zu Dannewalde seinen Namen trägt.“
Fortan kann der Hitlersche Glockenklang die Gläubigen von Dannewalde zum Kirchgang rufen. Übrigens nicht nur dort. Im gesamten Reich werden Kirchenglocken nach Adolf Hitler benannt, oft mit der Gravierung „Alles für das Vaterland Adolf Hitler“.
Der Gau- und Kreis-Ehrenliedermeister Carl A. M. Schiebold aus Leipzig wiederum bittet im Namen von „60 Deutschen Frauen und Jungfrauen“ mit Datum vom 23. März 1936 seinen Führer einige Volksweisen vorsingen zu dürfen:
„Unter meiner Leitung steht seit über 30 Jahren der auch von mir gegründete „Frauenchor Leipzig-Süd“. Wie hier vermutet wird, werden Sie, mein Führer, am Donnerstag nach Ihrer Rede wieder die Nacht im Hotel Haufe verbringen. 60 Deutsche Frauen und Jungfrauen bitten nun ebenso herzlich wie dringend darum, Ihnen nach der Kundgebung im Hotel einige Volksweisen vorsingen zu dürfen, um Ihnen zum Ausdruck zu bringen, wie tief und aufrichtig Sie gerade die deutsche Frau verehrt und wie sie auch in der ersten Pflege des Liedes deutsches Wesen und deutsches Empfinden zu bewahren sich bemüht.“
Ob Sangeskunst, Kirchenglocken, Schützenscheiben, Schuhcremedosen oder Vornamen – der „Führer“ wurde allgegenwärtig gehuldigt, von vielen Deutschen beinahe religiös verehrt. Helmut Heiber, langjähriger Mitarbeiter am renommierten Institut für Zeitgeschichte in München, hat das Material im Rahmen seiner Forschungsarbeit in zahlreichen Archiven entdeckt: Fürbitten, Demutsbekundungen und Lobpreisungen aus der Mitte des Führer-Volks. Seine Sammlung erschien 1993 und bietet einen bislang wenig erforschten Einblick in die Gefühlslage der Hitler-Deutschen: Kurioses, Skurriles, Banales und Groteskes. Angetrieben von erwartungsvoller Begeisterung, vaterländischem Pflichtgefühl, nationalem Dünkel und ideologischer Verblendung folgten Hitlers Volk den Eroberungs- und Zerstörungs-Wahn der Nazis – bis zum Ende.
Helmut Ortner: Gnadenlos Deutsch. Täter. Helfer. Zuschauer. Aktuelle Reportagen aus der Vergangenheit. Alibri Verlag, 320 Seiten, 24 Euro. Eine Sammlung eindringlicher Reportagen und Essays gegen jede Verharmlosung und Relativierung der Nazi-Vergangenheit – und gegen alle Versuche, die NS-Geschichte zu entsorgen. Von März bis Mai ist Helmut Ortner auf Lese-Tour.



Tja, leider leider, haben wir keinen Führer dem wir so heldenhaft folgen können.
Kommt aber vielleicht noch, aber vielleicht zu doch spät zum Endsieg…. 😉
Die Erzählungen der Kirche verloren mit Darwin und Marx an Einfluss, da wurden neue Heilige gebraucht. Das waren dann Stalin oder Hitler.
Geht’s auch ohne Stalin?
Mal Texte von ihm gelesen?
Aber für viele Menschen war Stalin doch ein Heiliger.
@motonomer
Der Führer der Ukraine verkündet am heutigen Tag der Verhandlungen in Genf die Bkitzkrieg-Offensive in Richtung Moskau und die Russen sollen die Kontrolle verloren haben.
Meine Fresse
Ich weiß nicht was von diesem Artikel zu halten ist? Dient er der Belustigung, wie dämlich doch das Volk ist? Aber warum dazu in die Vergangenheit schweifen? Die Gegenwart zeigt doch allgegenwärtig wie treudoof das Volk den Erzählungen von Tagesschau und Co glaubt.
Meinst Du „Gemeinsam gegen Rechts“-Demos? Das könnte gut sein, schon mal als Test und Übung, wieviele Mitläufer beim nächsten Mal zum Jubeln auf die Straße zu bringen wären.
Bisher ist der Erfolg ja überschaubar, dafür das Medienecho umso jubelnder. Womöglich ordnen sich doch inzwischen eine größere Anzahl von Bürgern als Rechts ein, nachdem man ihnen weisgemacht hat, daß Lechts=Rinks ist… 😬
Buchwerbung so:
„Helmut Ordner: Gnadenlos Deutsch. Täter. Helfer. Zuschauer. …“
Zuschauer? MITLÄUFER, würde ich meinen.
Mal abgesehen vom Schreibfehler..
Na wer ist denn rechts? Die herrschenden Meinungsmacher? Oder ihre Opfer?
Ob Hitlerverehrung, MAGA-Kult oder Putin-Hingabe (wie hier im Forum). Ich würde sagen, diese Art der widerlichen Heldenanbetung wurde nicht exklusiv im Dritten Reich betrieben. Einem gewissen Anteil der Menschen ist einfach eine proaktive, sklavenhafte Untertanmentalität eingeschrieben.
Damit rechtfertigen Sie, dass es Herrscher und Untertanen geben muss.
Ich stelle fest.
Und das schreibt ausgerechnet jemand, der eine 13 Tonnen schwere us-amerikanische Bombe – und vermutlich die mittels der Bombe durchgesetzte weltweite imperiale Politik – so sehr anbetet, dass er sie zu seinem Benutzernamen wählte. Zuvor schwor er auf deutsche Waffen und nannte sich Panzerhaubitze2000.
Ich würde also sagen, dass einem „gewissen Anteil der Menschen“ JEGLICHES Reflektionsvermögen fehlt.
Da haben Sie aber eine ganz wichtige Person verschwiegen, die von ganz Europa (zumindest bis zum Dnepr) angehimmelt und verehrt wird, der gefährliche Komiker aus Kiew. Der, und nur der, ist der neue Gott, dem auch jede Kollekte zugestanden wird. Gleich danach kommt übrigen eine gebürtiger Mileikowski, der die Menschheit endlich von zweibeinigenTieren befreit.
@Wunderlich
Ja, der Heilige Sankt Selenskij – Übrigens auch „der Führer“ war „ein Schauspieler“ der seine Auftritte vor „dem Volk“ regelmäßig geprobt haben soll 😉
Wäre mal gerne Mäuschen im Umfeld von Selenskij nur um zu sehen wie er seine Auftritte, z.B. in München (= „der Hauptstadt der Bewegung anno 1933 – 1945; Sicherheitskonferenz 2026) geprobt hat – einziger Unterschied zu A.H. Selenskij ist wirklich Schauspieler von Beruf.
Die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich…..*Sarkasmus*
Ironische Grüße
Bernie
Was der Schützenverein Kleinkleckersdorf sich da geleistet hat, ist zwar peinlich, aber viel interessanter wären doch hier die Ergebenheitsbekundungen deutscher Professoren und Kirchenmänner an ihren geliebten „Föhrrrer“. Oder die Forschungsanträge des Vorläufers der DFG in diesen Jahren. Oder die Einlassungen gewisser Juristen, die nach 1945 ihre Karrieren problemlos bis in höchste Regierungsämter fortsetzen konnten.
Auf der einen Seite die unbedarften Dorftrottel, die dem Hitler hinterhergelaufen sind, auf der anderen Seite die Intellektuellen aus dem Widerstand – so war es ja nun nicht.
@ Stefan : +++++++++++++++++++
Grob zum Thema etwas Lesenswertes…
https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39631/die-deutschen-und-ihr-drittes-reich/?p=0
Die Deutschen sind ein Opfervolk.
Beispiel für Geschichtsfälschung ist Verschweigen des Hintergrunds des Faschismus. Trotz Wahlergebnis von 33% wurde die Weimarer Republik in sieben Wochen durch Ernennung Hitlers zum Kanzler durch Hindenburg und dessen Reichstagsbrandverordnung zum Schutz vor dem Kommunismus, und durch die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes mit Hilfe von Katholischem Zentrum und Liberalen einschließlich Theodor Heuss in eine faschistische Diktatur verwandelt.
Nach der Bewährung im spanischen Bürgerkrieg überließ man Hitler Österreich und Tschechoslowakei. Nach seinem Überfall auf Polen geschah nichts! Hitler beendete den so genannten Sitzkrieg durch den Angriff auf Frankreich, das er nach sofortigem Rückzug der Briten erobern durfte. Ebenso überließ man ihm den Balkan und Norwegen als Ressourcen für den Krieg gegen Russland. Man hoffte wohl folgenden Kriegsverlauf. Hitler erobert die UDSSR und die Westmächte befreien sie von ihm. Nach Misslingen des Plans nach Stalingrad griffen die USA in Europa erst 1944 in der Normandie den Krieg ein, weil Russland ganz Europa zu überrollen dürften.
Viele Zeugnisse belegen, dass die Mehrheit der Deutschen besonders nach der Einverleibung Österreichs und der Tschechei keinerlei Sinn in diesen Kriegen sah. Es ist auch aufschlussreich, dass der Widerstand gegen Hitler aus dem Militär kam.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Kriegsdienstverweigerung als Wehrkraftzersetzung auch mit der Todesstrafe geahndet. Die Deutschen waren ein Opfervolk.
Diese Maulhelden und Dreckschleudern aus den historischen Seminaren und den Feuilletons hatten leider die „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl)
Die „gleicheren Schweine“ haben schon damals „ihre Demokratie“ eingerichtet.
(nicht verwechseln mit die „gleichen Schweine“ Die „gleicheren Schweine“ stammt von George Orwell)
Die Deutschen sind kein Opfervolk, die Deutschen sind ein Jammer- und ein Wundervolk. Sie glauben immer noch an Wunderwaffen und wenn die trotz großer Ankündigung versagen dann fangen sie an zu Jammern „Davon haben wir nichts gewußt, das konnte ja keiner ahnen!
@ Torwächter: >>> Werner Rügemer erklärt das in deinem Buch über den II. Weltkrieg sehr gut
Übrigens durch meine eigene Familienhistorie erfuhr ich, dass es auch Menschen gab, die aus der NSDAP durch Parteiausschluß rausflogen.
Aus heutiger Warte ist die NSDAP eine verbrecherische Partei, unzweifelhaft, aber wir sehen unsere Geschichte nur aus unserer heutigen Warte, und nicht aus der Warte der Menschen damals, die ja nicht ahnen konnten auf was für Verbrechen Hitlers Diktatur letztendlich rauslief. Sie hatten ja keine Glaskugel um in die Zukunft zu blicken.
Übrigens, dass gilt generell für unseren Blick auf die Vergangenheit, egal in welchen Medien sowie für welche geschichtliche Epoche, und nervt mich schon lange beim Thema Geschichte.
Wir blicken mit einem aufgeklärten Blick von 2026 auf längst vergangene Zeiten zurück, und sehen nicht, dass die Menschen damals in ihre Zukunft blickten, ergo keine Ahnung von den geschichtlichen Ereignissen hatten, die letztendlich noch auf sie zukommen würden.
Ein alter Bekannter von mir hatte mal einen schönen Spruch;
„In 100 Jahren interessiert das kein Mensch mehr.“
Ich verstand den genauso wie ich oben geschrieben habe, wir schauen zurück, und vergessen dabei, dass die Menschen, die damals lebten, liebten, starben, und arbeiteten, nur den Blick in eine ihnen völlig unbekannte Zukunft hatten.
Nix für ungut, nur meine Meinung….
Übrigens beim oben erwähnten Menschen handelt es sich um meinen eigenen Großvater, den ich nie kennenlernen durfte, da er leider Jahre vor meiner Geburt einen natürlichen Alterstod starb.
In seinem Nachlass fanden wir das ns-amtliche Dokument, dass er aufgrund fehlender Teilnahme an Parteiveranstaltungen und mangelnder Spendenbereitschaft bei der „Winterhilfe“ aus der NSDAP ausgeschlossen wurde – wie schon gesagt zu Lebzeiten meines Opas eine normale Partei, wie alle anderen auch.
Erst nach 1945, völlig zu Recht, als eine verbrecherische Organisation verboten.
Ich denke Helmut Ortner will mit seinem Buch genau darauf hinweisen, ebenso wie auf den nachkriegsbedingten rechtsextremen/-radikalen Geschichtsrevisionismus, der die NSDAP, nach allen aufgedeckten Menschheitsverbrechen Hitlers und seiner Kameraden, immer noch als normale Partei sehen will.
Nach 1945 ist die NSDAP völlig zu recht als verbrecherische Organisation abgestraft worden, aber wie gesagt, die Menschen, die die Epoche von 1933 – 1945 durchleben mussten waren NormalbügerInnen, die zuerst keine Ahnung von der Verbrecherorganisation NSDAP hatten.
Außerdem, zum Abschluß, gab es auch in früheren Zeiten, nicht allein in Zeiten der NS-Dikatur, Menschen, die ihr Leben völlig an den weltgeschichtlichen Ereignissen vorbei lebten, wie auch heute wieder, auch daran gilt es zu erinnern.
Oder wie ich in einem schönen Buch las, vom Autor folgendes, rein auf uns „Normalmenschen“ (= nicht auf „Promis“ oder „historische Persönlichkeiten“) bezogen:
„Ein Mensch stirbt immer zweimal. Einmal biologisch, und einmal durch langsames sowie stetiges Vergessen seiner Existenz auf Erden.“
Gruß
Bernie
PS: Das ist auch interessant, da wir ja gerade in karnevalesken Zeiten leben – auch der Karneval verlor seine Unschuld in Zeiten der NS-Diktatur:
https://www.kölner-karneval.de/historie-koelner-karneval/nationalsozialismus
Aber wie oben erwähnt, die Menschen waren anders sozialisiert als wir heute, waren keine Hellseher und hatten keine Glaskugel um in die ferne Zukunft zu blicken.
Meine Großeltern hatten ein Lebensmittelgeschäft in einer Kleinstadt. Meinen Großvater habe ich auch nie kennen gelernt; er ist auch lange vor mir an „Alter“ gestorben. Laut Erzählungen war er auch in der Partei, aber meine Großeltern hatten nach Feierabend, wenn es dunkel war, von der Hintertüre des Hauses aus, im Hof, (das kenne ich noch) Lebensmittel an die Juden verkauft. Ebenso hat mein Großvater einem kommunistischen und leicht kriminellen jungen Mann lt. Erzählungen immer mal geholfen, damit er nicht ins „Lager“ musste. So gings also auch.
Damals gab es keine soziale Medien, die meisten Leute wussten nicht wirklich, was da los war. Was neu war, der „Volksempfänger“, von der Wirkung war das sicherlich so ähnlich wie heute die sozialen Medien.
Aber diese Geschichten wissen nur noch wir heute alten Leute, weil undere Omas und Opas uns die erzählt haben.
@Chris
Vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht – ja, das hat es auch gegeben.
Ich kann Ihnen auch hier nur noch zustimmen:
„[…]Aber diese Geschichten wissen nur noch wir heute alten Leute, weil undere Omas und Opas uns die erzählt haben[…]“
Vielleicht kurz mal was lustiges am Rande, kurz abschweifend:
Es gibt eine Retro-Bewegung unter Schweizer jungen Menschen. Wissen Sie wohin die wollen? In welche Zeit? Nein, nicht so weit zurück – nur in eine Zeit als es weder Smartphone, Elektroautos, Podcasts, Internet, Computer & sonstiges modernes Zeug gab – ich hab’s im SRF gesehen und fand’s echt lustig. Wir sind also nicht die einzigen „alten Leute“ hier, wenn Mensch heute schon „alt“ ist wenn nostalgisch auf die 1980er Jahre geblickt wird, aber ich schweife ab…..will’s nicht weiter vertiefen, obwohl ich äußers amüsiert darüber war…..Alles in der Vor-Smartphone-Zeit ist für diese jungen Schweizer „die gute alte Zeit“ 🙂 🙂
Gruß
Bernie
@ Bernie: die Leute hatten keine Ahnung, was die Zukunft bringen würde ? ??? Warum wollten dann Tausende möglichst schnell das Land verlassen? Als die Braunen Horden an die Macht kamen, sagte unser Ur-Opa: es wird Krieg geben.
> Die Leute haben nicht geahnt, was die Zukunft bringen würde ?????
@Lichtenberg
Das mag auf Ihren Ur-Opa zutreffen, aber auf andere Menschen?
Die waren vielleicht nicht so gebildet, und vorausschauend, wie ihr Ur-Opa – und hatten andere Alltags-
sorgen als sich für politische Groß- und Kleinereignisse zu interessieren?
Haben Sie mal darüber nachgedacht?
Tausende? Nicht Millionen?
Wie schon gesagt, Sie hatten Glück mit ihrem Ur-Opa, der vielleicht hellsichtiger war wie so manch anderer Mensch in dieser Zeit, und schnell vorausahnte wohin die Reise geht bzw. auch die Zeit, und Muße, hatte sich damit zu beschäftigen, wie die Tausende, die Sie erwähnt haben, die dann die Konsequenz zogen und das Land schnellstmöglich verlassen haben.
Und was Zukunftsahnungen angeht:
Wissen Sie genau was Morgen auf uns zukommt, oder in fernster Zukunft?
Nur mal so als Frage 😉
Gruß
Bernie
@ Bernie: Sie wissen nicht, was
morgen auf Sie zukommt? Da sind Sie aber (1) arm dran oder (2) ein Glückspilz. Guter Mann, es war wie heute: ~ 1/3 weiß oder ahnt, was die Zukunft bringen wird ~ 1/3 ist es wurscht und ~ 1/3 ist blind und taub
Es wäre seltsam, wenn es das nicht gäbe.
Natürlich kennt auch der Homo sapiens die Unterwerfungsgeste, die die Mitgliedschaft in der Gruppe gewährleistet. Das gilt in allen Ländern, in allen Zeiten.
Für uns relevanter ist der Zwiespalt, den die jetzige politische Situation in den USA verursacht.
Eigentlich möchten unsere neoliberalen Politiker den Kurs des gesellschaftlichen Umbaus mit legaler/illegaler Masseneinwanderung und Zerstörung der Industrie, bei gleichzeitiger Unterstützung der Kriegsprojekte, weiterführen, wie er von den eher demokratisch inspirierten Thinktanks in Washington vorgegeben wurde.
Andererseits haben wir Trump, der die GOP kontrolliert, der nur manche Projekte weiterlaufen lässt, sonst aber sehr irrational reagiert. Der aber auch gleichzeitig sehr viel Wert auf Unterwerfungsgesten jeglicher Art legt. Ihm zu widersprechen ist sehr riskant, das kann zu Liebesentzug führen.
Unser Fritz wünscht sich jene Klarheit, die Diederich Heßling vollständig ausfüllte. Oh, wie gerne würde er seine Zuneigung so ausdrücken können.
@ Omikron: in Washington gibt es „demo
kratisch gesinnte Thinktanks“ ? Kann das
stimmen? Müsste es nicht heißen für die
demokratische Bidenpartei tätige Tanks ?
Die Presse vemeldet am heutigen Tag der Verhandlungen in Genf:
Blitzoffensive der Ukraine-Russland verliert die Kontrolle.
Das ist ja wie bei Adolf-Nazi, auch der verkündete in den letzten Tagen immer Großoffensiven bis zum Endsieg
Der Volkssturm wird die Wende bringen.
@motomer
Jepp
🥳🥳🥳🥳🥳
Wird dem Buch ein zweiter Band folgen ? Mit den Briefen und Glückwünschen an den Führer zum Jahreswechsel 1944/45 ?
Mein geliebter Führer Selenski!
Darf ich untertänigst und gnädigst um Erlaubnis bitten, meine bereits geborene und erwachsene Tochter in Wolodimirine umzubenennen?
Das würde mein irdisches Glück vervollkommnen.
Ihre ewig ergebene
Ursula von der Leyen
@ Eric : …Wolomandarine …
Soll bloss keiner glauben, dass das aufgehört hat.
Wer, wie ich selber, bis anhin Schwierigkeiten hatte, sich vorzustellen, wie es in einer Gesellschaft zu einer ausgeprägten pro-faschistischen Stimmungslage kommen kann, bekam ab 2020 drei Jahre lang unfreiwillig sehr eindrücklichen Anschauungsunterricht.
Im Gegensatz zum vogelschissartigen Gesabbel der Rechten mit ihrem „Schuldkult“, zeigen die Ereignisse der jüngeren Geschichte eine vollkommen unzureichende Aufarbeitung gerade der auch der Schuld-Frage in Bezug auf den Nationalsozialismus. Wir sehen auch Generationen später (transgenerational) das gleiche Muster: mitmachen, dann weggucken und „nach vorne schauen“.
Es ist immer noch in ihnen.
Heute also mal ein reiner Geschichtsartikel.
Ja, was Herr Ortner schreibt, das beschreibt das seltsam verzückte Verhalten eines nicht unerheblichen Teil der vor etwa 90 Jahren lebenden Deutschen schon recht gut. Unerfreulich, aber wahr. Gleichwohl sollte, ja müsste er auch erwähnen, dass derartige Verirrungen keineswegs alle damaligen Zeitgenossen betrafen. Dass er es nicht tut, irritiert.
—
Davon abgesehen frage ich mich allerdings, welchen Sinn und Zweck ein derartiger rein historischer Artikel in einem Magazin über zeitgenössische politische und gesellschaftliche Themen hat?
Schließlich gibt es nicht mal ansatzweise irgendwo in der Gegenwart eine Analogie zu den damaligen Zuständen.