
50.000-60.000 Menschen, vor allem junge Männer und Marokkaner, haben versucht, die spanische Enklave Ceuta zu stürmen, was vorübergehend auch gelungen ist. Die Stadt wurde überschwemmt von Menschen aus Marokko. Die spanischen Sicherheitskräfte haben keine Schusswaffen eingesetzt, trotzdem starben 67 Menschen, mehr als bei ähnlichen Anstürmen zuvor. Ganz offensichtlich handelte es sich um eine organisierte Aktion, hinter der vermutlich die marokkanische Regierung steckt, möglicherweise angestiftet durch die Trump-Regierung, die ebenso wie rechte europäischen Parteien die Bilder, die an die Flüchtlingsmassen von 2015 erinnern, für ihre Antimigrationspolitik ausschlachteten (dazu siehe auch Ralf Steck: Erneut setzt Marokko seine Bevölkerung in Ceuta zur Erpressung ein).
Es wurden in Marokko nicht nur gezielte Falschmeldungen verbreitet, die Hoffnung auf eine erfolgreiche Einwanderung bei jungen Menschen erweckten, Menschen wurden auch in dicht bepackten Lastwagen Richtung Ceuta gebracht, die Polizei spielte mit oder unterstützte zunächst die Aktion. Das zeigen Videos. Zwar wurden die Zugänge zur Grenze am Donnerstagnachmittag blockiert, aber die Sicherheitskräfte ließen Zehntausende Mole schwimmend und gehend überqueren, die Ceuta von Castillejos trennt. Rabat zieht es vor, nichts zu sagen, nur die marokkanische Botschafterin in Spanien, Karima Benyaich, machte allein „kriminelle Mafiagruppen“ für den Ansturm auf die Grenze von Ceuta verantwortlich. Der spanische Regierungschef Sánchez übernahm diese Interpretation, wohl um eine Verständigung mit Marokko nicht zu verhindern.
Motiviert wurden die Auswanderungswilligen wohl durch die Verbreitung der vermutlich bewusst falsch interpretierten Information, dass der Oberste Gerichtshof Spaniens geurteilt hatte, dass direkte Ausweisungen von aus dem Meer geretteten Flüchtlingen nicht legal seien. Wenn sie über das Meer kommen oder schwimmen, glaubten die Menschen offenbar, sie würden nach Spanien und in die weitere EU gelangen. Entsprechend jubelten sie, als sie nach Ceuta kamen.
Aber Ceuta und Melilla haben aus gutem Grund einen Sonderstatus. Und anstatt weiter reisen zu dürfen, wie sie erwartet hatten, erhielten die Eindringlinge, die oft nur mit einer Hose bekleidet waren und sonst nichts bei sich hatten, weder Essen und Trinken, mussten im Freien und in der Sonne ausharren und erkannten die Vergeblichkeit ihres Tuns. In der Stadt kam es zu Auseinandersetzungen von Bewohnern mit den Migranten.
Ob es ein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Spanien und Marokko war oder eigene Einsicht, so begann am Freitag ein Großteil der Eindringlinge, wie man die Teilnehmer an der konzertierten Aktion nennen muss, die keine normalen Flüchtlinge waren, wieder den Rückweg nach Marokko. „In Spanien hat uns niemand geholfen. Man hatte uns gesagt, wir würden eine Unterkunft und ein Visum für die Reise nach Algeciras bekommen, aber das war alles eine Lüge“, sagte ein 18-Jähriger der Zeitung El Pais. So schnell, wie sie gekommen waren, so schnell löste sich die Massenerstürmung auch wieder auf, als wäre es ein Spuk oder ein Tagesausflug gewesen – oder sollte die Aktion nur zeigen, was möglich wäre, wenn Marokko das Druckmittel der Massenauswanderung der Migranten einsetzen würde?
Kollaboration der rechten Regierungen und Parteien mit Marokko?
Auffällig schoben meist rechte Regierungen von Trump, der sich am 26. Juli beim König von Marokko überschwänglich bedankte, über Italien oder Finnland, aber auch Dänemark, die Schuld allein der spanischen Regierung zu und brachten eine Aussetzung des Schengen-Abkommens drohend ins Spiel. Die rechte Regierung in Rom setzte das Abkommen symbolisch aus, auch wenn Italien keine Landgrenze mit Spanien besitzt. Frankreich verstärkte die Grenzkontrollen, Deutschland verlängert sie. Verlangt wird, auch von der deutschen Regierung, dass Spanien die EU-Außengrenze besser sichern müsse. Allerdings ist Spanien wie Griechenland wegen der geografischen Nähe leichter von Migranten zu erreichen als Länder wie Deutschland, die von EU-Ländern umgeben sind. Spanien ist mit den Enklaven Ceuta und Melilla besonders empfindlich, es sind aber auch die Überbleibsel des spanischen Kolonialismus, die provokativ wirken.
Aus der EU, die die Einheit wahren will, kamen hingegen Gesten der Unterstützung. Tatsächlich war die Angst, die manche in der EU angesichts der Bilder empfunden haben, angeschürt durch die Panikmache von der rechten Seite, fehl am Platz. Bislang ist keiner der Migranten aus Ceuta aufs Festland gelangt. Ebenso fehl am Platz wie die Panikmache war die Reaktion der Linken, in Solidarität mit Spanien die Migranten aufzunehmen. Fraktionsvize Clara Bünger sagte am Freitag: „Damit darf Spanien nicht allein bleiben. Deutschland und die EU stehen in der Pflicht, bei der Versorgung zu helfen und Schutzsuchende aufzunehmen.“ Die Situation sei „das Ergebnis politischer Entscheidungen“, fuhr sie fort, um naiverweise auf diese politisch inszenierte Aktion aber nicht einzugehen, sondern auf die üblichen Schablonen zurückzugreifen: „Menschen fliehen vor Krieg, Armut und Klimakrise. Höhere Mauern halten sie nicht auf, sie machen die Flucht nur tödlicher.“
Auffällig ist aber auch, dass Alice Weidel den Massenansturm zwar ausbeutet, aber nicht darauf eingeht, dass sie damit auch die Interessen der marokkanischen Regierung bedient. Sie arbeitet eben mit der Angst, die Weidel mit der Forderung an die Bundesregierung benutzt, „das deutsche Volk vor äußeren Bedrohungen“ durch Schließung der Staatsgrenzen, Ausbau des Grenzschutzes und Trockenlegung des „Schlepper-Netzwerks“ zu schützen.
Das hat nun wirklich keine Rolle gespielt, man könnte eher schon von einem Push-Netzwerk sprechen oder eben von einem Angriff, der die Leichtgläubigkeit und die Hoffnungen der Menschen ausbeutet. Der spanische Regierungschef Sánchez beklagte die fehlende Solidarität der anderen europäischen Staaten, die er als „egoistisch“ bezeichnete, und forderte ein schnelles EU-Treffen. Er wies die Schuld den Mafia-Organisationen zu, die Menschenhandel betreiben. Man fragt sich, welches Interesse sie an einem solchen Sturm auf Ceuta haben sollten, an dem sie nichts verdienen. Überdies hätten auch dann die marokkanischen Sicherheitsbehörden kooperiert. Sánchez bedankte sich für die Kooperation Marokkos bei der Bekämpfung der Menschenhändlerbanden, aber auch für die schnelle Repatriierung der Menschen, die Ceuta wieder verlassen haben. Dabei hatte Rabat wohl mit der Aktion Madrid für ein neues Abkommen mit Algerien bestraft, sich bei Trump eingeschmeichelt und Spanien bzw. der EU demonstriert, welche Erpressungsmittel man mit Migranten in der Hand hält. Dass es wirkt, konnte man, wohl zur Zufriedenheit Marokkos, an den panikartigen Reaktionen merken.
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Wenn etwas aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und sich bewegt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente. Und diese Meldung trägt wirklich alle Merkmale einer klassischen Zeitungsente. Der Vorfall selbst ist real: Viele Menschen sind aufgrund einer Falschinformation nach Ceuta gelaufen oder geschwommen, und dabei sind Menschen gestorben. Das ist furchtbar und muss untersucht werden. Die angebliche politische und europäische Tragweite ist jedoch weitgehend erfunden.
Schon der Begriff „Masseninvasion“ ist absurd. Eine Invasion hat einen Angreifer, einen Plan, ein Ziel und den Willen, ein Gebiet dauerhaft zu besetzen oder zu verändern. Hier folgten Menschen einem Gerücht, wonach die Grenze offen sei und sie anschließend nach Spanien weiterreisen könnten. Als sich das als falsch herausstellte, gingen fast alle wieder zurück. Das war keine Invasion, sondern ein außer Kontrolle geratener Flashmob. Auch geografisch wird ein völlig falscher Eindruck erzeugt: Ceuta liegt auf dem afrikanischen Festland, ist eine kleine spanische Exklave an der marokkanischen Küste und durch das Meer vom eigentlichen Spanien getrennt. Wer dort ankommt, steht nicht plötzlich in Andalusien und kann auch nicht einfach nach Madrid, Paris oder Berlin weiterreisen. Der angebliche Sturm auf Europa endete in einer kleinen, abgeriegelten Stadt in Nordafrika.
Es gab zudem keinen Krieg, keine Naturkatastrophe, keine Hungersnot und keinen Staatszusammenbruch, der Menschen dauerhaft vertrieben hätte. Ein Gerücht verbreitete sich, eine Menschenmenge setzte sich in Bewegung, die erhoffte Gelegenheit erwies sich als Illusion, und der Vorgang löste sich innerhalb weniger Tage wieder auf. Auch Zehntausende Menschen auf spektakulären Bildern machen daraus kein historisches Ereignis. Fast alle kehrten unmittelbar nach Marokko zurück. Es entstand weder eine neue Migrationsroute noch eine dauerhafte Flüchtlingsbewegung oder eine Krise für Europa. Trotzdem wurde aus zeitweise untätigen Behörden, sozialen Medien und möglichen Transporten sofort ein staatlich geplanter Angriff Marokkos konstruiert, anschließend wurden noch Trump, Israel und andere Akteure in die Geschichte hineingezogen. Belastbare Belege für eine solche internationale Operation gibt es nicht.
Besonders lächerlich sind die Vergleiche mit Syrien, der Ukraine oder 2015. Dort flohen Millionen Menschen vor Krieg, Verfolgung und zerstörten Lebensgrundlagen, oft ohne Möglichkeit zur Rückkehr. In Ceuta folgten Menschen einem falschen Versprechen und gingen wieder zurück, als es sich als falsch erwies. Damit sind alle Enteneigenschaften vorhanden: eine reißerische Überschrift, aufgeblasene Bedeutung, irreführende Geografie, unbelegte politische Spekulationen, völlig unpassende historische Vergleiche und ein Vorgang, der sich bereits wieder erledigt hat, während die Medien noch über seine angebliche Tragweite diskutieren. Der einzig wirklich schwere Teil dieser Geschichte sind die Toten. Sie starben bei einem sinnlosen, durch Gerüchte ausgelösten Massenauflauf. Der Vorfall war lokal chaotisch, für die Betroffenen tragisch und für Europa politisch nahezu bedeutungslos. Die große geopolitische Geschichte darum herum ist eine Ente.
Project X Event da wollten die Verdammte dieser Erde einfach mal bessere Zeiten haben.
Leider, leider ist das Internet keine große Hilfe für eine Zukünftige Lebensweise am Rande der dritten Welt.
Der Röper vermutet ja Onkel Donald hinter der ganzen GEschichte:
https://anti-spiegel.ru/2026/welche-rolle-die-usa-bei-der-fluechtlingskrise-in-ceuta-moeglicherweise-spielen/