
Künstliche Intelligenz wird von allen Regierungen gefördert, allen voran von der amerikanischen unter Trump, während gleichzeitig Migranten gejagt und teils mit brutaler Gewalt eingefangen und abgeschoben werden. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die KI vielen Amerikanern Arbeitsplätze wegnehmen wird, die man dann auf die prekären Jobs der Migranten schieben will.
Zumindest wurde erwartet, dass durch Massendeportationen eine Knappheit an billigen Arbeitskräften entsteht, was zu höheren Löhnen führen soll, die für Amerikaner dann attraktiv sind. Man merkt allerdings schnell, dass dies nicht funktioniert, die Lebensmittelpreise steigen und kein ausreichender Ersatz für die Migranten gefunden wird. Also wurden zeitbeschränkte Visa H-2A für Migranten etwa für die Landwirtschaft, die sowieso häufig der Ausbeutung ausgesetzt sind, mit niedrigeren Stundenlöhnen als bislang verbunden. Das wird Amerikaner nicht anlocken, sondern die verbliebenen Feldarbeiter vertreiben und ausgerechnet vermehrt Migranten anziehen, die man ja eigentlich loswerden wollte. Überdies sinkt der Anreiz zur Automatisierung der Landwirtschaft.
Vielleicht wird auch nur die Hunderte Milliarden schwere KI-Blase platzen, was die Wirtschaft abstürzen und viele Arbeitsplätze kosten wird, aber den Tech-Milliardären nicht weiter schadet. Jeff Bezos bereitet dafür vielleicht schon die Argumentation vor, wenn er sagt, „dass Blasen sogar etwas Gutes sein können, denn wenn sich der Staub gelegt hat und man sieht, wer die Gewinner sind, profitiert die Gesellschaft von diesen Erfindungen.“ Wie The Atlantic schreibt, würden viele aus der reichen und mächtigen Tech-Elite die Idee verbreiten, dass Blasen und deren Zerplatzen gut sei. So meint Tech-Milliardär Hemant Taneja von General Catalyst, dass es beim Platzen zwar zu „spektakulären Zusammenbrüchen“ käme, wenn Unternehmen bankrott gehen und Angestellte entlassen werden, aber das sei es wert, um für „dauerhafte Unternehmen, die die Welt für immer verändern“, zu zahlen.
Allmählich scheinen die Amerikaner aber auch größere Ängste vor KI und deren Folgen zu entwickeln. Zumal deutlich wird, dass KI zu Massenentlassungen führt oder zumindest benutzt wird, diese zu begründen. Und die Menschen, die in der Umgebung von KI-Datenzentren leben, müssen diese massiven Eingriffe durch höhere Stromgebühren mitfinanzieren. Auch für den hohen Wasserverbrauch werden die Preise für normale Kunden steigen. Der Landverbrauch nimmt zu, wenn Datenzentren, Chip-Fabriken und eigene, nicht mit dem Stromnetz verbundene Kraftwerke gebaut werden. Die New York Times hat vor kurzem dieses Thema aufgegriffen: „Strom entwickelt sich zu einem wichtigen politischen Thema, wobei heftige Auseinandersetzungen darüber entbrennen, wie hoch die Energiekosten sind, woher die Energie stammt und wer für was aufkommen soll. Rechenzentren, die enorme Mengen an Energie verbrauchen, stehen im Mittelpunkt dieser Debatten.“ Oft werden auch mit Gas betriebene Generatoren verwendet, die sehr laut sind.
Die Bundesregierung will Deutschland bis 2030 zu einem der attraktivsten Standorte für Rechenzentren machen, um Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing zu fördern. Die Strategie, so der Bundesdigitalminister Karsten Wildberger: „Genügend Flächen, bezahlbarer, sicherer Strom und schnelle Genehmigungen. Jedes neue Rechenzentrum in Deutschland stärkt unsere digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Zu erwarten ist in Deutschland dann auch wie schon in den USA eine zunehmende Ablehnung von Künstlicher Intelligenz und der digitalen Infrastruktur wie Datenzentren.
Nach einer NBC-Umfrage von Anfang März ist KI nur ein wenig beliebter als ICE, Trumps Rowdy-Truppe, die schon mal Unbewaffnete ermordet und ansonsten durch Brutalität bei der Abschiebung von Migranten glänzt. Nur 26 Prozent sehen KI positiv, 46 Prozent negativ. 56 Prozent sehen ICE negativ, 51 Prozent die Republikanische Partei, 52 Prozent die Demokratische Partei, 53 Prozent Donald Trump, 61 Prozent den Iran. Allerdings liegt die KI bei der Netto-Zustimmungsquote, der Differenz zwischen positiver und negativer Beantwortung, an drittletzter Stelle mit -20 vor der Demokratischen Partei mit -22 und – ganz negativ – dem Iran mit -53.
Nach einer Pew-Umfrage sagen 39 Prozent, dass Datenzentren negative Folgen für die Umwelt haben. 14 Prozent sagen weder gut noch schlecht, 4 Prozent gut, 17 Prozent haben keine Meinung. Ähnlich sagen 38 Prozent, die Folgen seien für Energiekosten der Haushalte negativ, 30 Prozent für die Lebensqualität der Anwohner. Nur für Jobs und Steuern der Gemeinden gibt es eine eher positive Einschätzung von 25 bzw. 23 Prozent. Demokraten und jüngere Menschen sehen Datenzentren negativer als Republikaner und ältere Menschen.
No Data Center
In den USA breitet sich der Widerstand gegen den Bau von Datenzentren aus, tausende neue sind geplant. Es gibt Hunderte von lokalen Initiativen. Informieren über die neuen Maschinenstürmer kann man sich etwa auf der Website Data Center Watch. Dort heißt es: „Der Widerstand in den Kommunen ist mittlerweile ein zentraler Faktor bei der Entwicklung von Rechenzentren und kein Randthema mehr. Im Jahr 2025 blockierte oder verzögerte lokaler Widerstand Dutzende von Rechenzentrumsprojekten mit einem potenziellen Investitionsvolumen von 152 Milliarden US-Dollar. Der Widerstand ging über lokale Kampagnen hinaus und führte in mehreren Bundesstaaten zu Rechtsstreitigkeiten, Moratorien und Anfechtungen von „rechtskräftigen“ Bauvorhaben, was in der zweiten Jahreshälfte Engpässe und Verzögerungen mit sich brachten.“
In Maine wurde erstmals ein erst einmal bis 2027 geltendes Verbot für den Bau neuer Rechenzentren vom Parlament ausgesprochen, das allerdings erst in Kraft tritt, wenn die Gouverneurin ihre Unterschrift daruntersetzt. Aber es gibt in Städten bereits Moratorien und einige Bundesstaaten erwägen auch temporäre Verbote. Das geht natürlich gegen die Regierung Trump, die IT-Konzerne und die Tech-Milliardäre. Dieser hatte in einem Dekret verlangt, die KI voranzutreiben und alle Regulierungen für den Bau von Rechenzentren beiseite zu stellen (Trump will amerikanische KI-Dominanz, aber mit Austreibung des woken Bösen). Der Widerstand richtet sich auch gegen die von Trump vollzogene Missachtung von Umwelt- und Klimaschutz. Die Gegner kritisieren nicht nur steigende Strom- und Wasserrechnungen, sondern auch den immensen Wasserverbrauch und die Umwelt-, Lärm- und Luftverschmutzung und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken. In ländlichen Gegenden werden auch die riesigen Anlagen abgelehnt.
In Common Dreams hofft man, dass sich daraus eine soziale Bewegung entwickeln könnte, die die politische Spaltung überwindet: „Die Zusammensetzung der Anti-Rechenzentrums-Bewegung unterscheidet sich von typischen Bewegungen für soziale Gerechtigkeit – sie fällt nicht nur in den Bereich der Linken oder der liberalen Mitte, sondern umfasst auch Personen, die sich als Republikaner bezeichnen. Data Center Watch berichtete, dass 55 % der Politiker, die sich gegen Rechenzentren aussprechen, Republikaner sind, und 45 % Demokraten. Diejenigen, die links stehen, sind besorgt über die Auswirkungen auf die Umwelt. Diejenigen, die rechts stehen, lehnen Steuererleichterungen für Bauträger weitgehend ab. Und Themen wie Stromverbrauch, Belastung des Stromnetzes und steigende Preise ziehen sich quer durch alle Lager.“ Man fühlt sich an die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland erinnert.
In der EU versucht man, den Widerstand gegen den Rechenzentren gar nicht erst aufkommen zu lassen und hält Daten über die Bestriebsdaten auf Wunsch der IT-Konzerne zurück (EU hält Umweltdaten von Rechenzentren geheim). In der Regulierung von 2024 heißt es entsprechend: „Die Kommission und die betroffenen Mitgliedstaaten behandeln alle Informationen und Leistungsindikatoren zu einzelnen Rechenzentren, die gemäß Artikel 3 an die Datenbank übermittelt werden, vertraulich.“ Die geschäftlichen Interessen der Konzerne gehen über die Information der Öffentlichkeit über die Folgen für die Umwelt und die Gesundheit.
Der demokratische Senator Bernie Sanders fordert ein Moratorium für den Bau von Datenzentren, die „tiefgreifende Auswirkungen auf die Land- und Wassernutzung haben und die Stromkosten in die Höhe treiben“. KI werde, warnt er, „katastrophale Auswirkungen auf das Leben der amerikanischen Arbeiterklasse haben und in jedem Sektor unserer Wirtschaft Millionen von Arbeitsplätzen für Arbeiter und Angestellte vernichten“. Man dürfe nicht zulassen, „dass eine Handvoll milliardenschwerer Big-Tech-Oligarchen Entscheidungen treffen, die unsere Wirtschaft, unsere Demokratie und die Zukunft der Menschheit neu gestalten werden. Wir brauchen eine ernsthafte öffentliche Debatte und demokratische Kontrolle über dieses Thema von enormer Tragweite.“ Das scheint man in der Bundesregierung auch nicht vorzuhaben.
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Angesichts der Realität kommt mir die „Strategie“ der Bundesregierung wie ein Wolkenkuckucksheim vor.
„Genügend Flächen, bezahlbarer, sicherer Strom und schnelle Genehmigungen.“ Von was redet dieser Mensch da?
Aber auch in den USA dürfte die KI Blase bald zum platzen kommen.
Mit 39 Billiarden Dollar ungedeckten Schecks tickt die Zeit und sollte die Weltwirtschaft durch die Blockade der Energielieferungen aus dem Golf stagnieren, dann wird wohl niemand mehr die anfallenden Zinsen dafür aufkommen können.
Wenn KI nicht funktioniert, müsste man nicht dagegen kämpfen. Hier widersprechen sich die Kritiker selbst.
Das ist keine Blase. Was nicht heisst das nicht an der einen oder anderen Stelle zuviel versprochen wird. Allerdings geht die Entwicklung sehr schnell und wird dann von der Realität eher überholt.
KI ist ein Problem für die Arbeitsplätze, da machts aber mehr Sinn, darüber zu spechen wie man die Auswirkungen abfängt, statt sich an Big Tech Hetze zu beteiligen, oder platzenden Blasen zu spekulieren. Das sind Scheingefechte die niemanden was bringen.
Das Thema Stromverbrauch/Umwelt ist ein Pseudo Argument. Allerdings in Deutschland ein Problem, weil die Ideologie hier die neuesten Kraftwerke lahnmgelegt und teils bereits gesprengt hat. Rechenzentren wollen halt nicht nur arbeiten wenn die Sonne scheint. KI ist aber egal wo die Dinger stehen. Da hat man sich um die Arbeitsplätze die entstehen könnten, noch selbst beschnitten.
KU funktioniert ja! Nur in wessen Sinn, das ist die Frage!
Wenn sie benutzt wird, persönliche Verantwortung auszuschalten, weil einfach keine Menschen mehr in Entscheidungen (Verwaltungsakte etc) involviert sind, „funktioniert“ sie ja auch. Eben im Sinne derer, die nicht greifbar sein wollen.