Madrid droht Feuerwehrleuten, weil sie Großbrände bekämpfen

Bild: Ministerio Defensa

Seit drei Jahren streiken Forstfeuerwehrleute gegen prekäre Arbeitsbedingungen und für die Anwendung von Gesetzen. Wegen den Großbränden um Madrid setzten sie ihren Streik aus, wurden trotz allem nicht eingesetzt. Nun droht ihnen die Regionalregierung, da sie eigenmächtig zum Löschen ausgerückt sind.

In der spanischen Hauptstadtregion um Madrid und in angrenzenden Regionen wüten noch immer unkontrolliert riesige Brände. Die von der rechten Volkspartei (PP) regierte Region bat sogar die Zentralregierung um Hilfe, worauf die sozialdemokratische Regierung unter Pedro Sánchez den „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen und auch internationale Hilfe angefordert hat, um die riesigen Brände zu bekämpfen.

Man sollte meinen, dass auch in Madrid alle Kräfte mobilisiert würden. Das ist aber in der Region unter der rechten Regionalpräsidentin Isabel Ayuso nicht der Fall. Die Frau, die kein Problem damit hat, „Faschistin“ genannt zu werden, hat sogar Forstfeuerwehrleuten mit „administrativen und juristischen“ Konsequenzen gedroht. Die hatten zunächst tagelang angeprangert, nicht zur Brandbekämpfung „mobilisiert“ worden zu sein. Sie saßen in der Basis herum, mussten die Brände frustriert im TV verfolgen, bis ihnen am vergangenen Freitag der Kragen platzte.

Wegen fehlender Befehle der Generaldirektion für Notfälle (DGE), denen die Forstfeuerwehr untersteht, sei man „angesichts der gravierenden Lage“ und der „Notwendigkeit, die Bevölkerung und ihr Eigentum zu schützen“, zur Unterstützung mit eigenen Mittel ins Brandgebiet ausgerückt. Das erklärte Alfonso Ferrero spanischen Medien. Der Sprecher der Truppe teilte mit, dass die DGE zwar über Einsatzfahrzeuge verfüge, die seien ihnen aber nicht zur Verfügung gestellt worden. Eigentlich befinde man sich seit mehr als drei Jahren im Streik, fügte der CSIT-Gewerkschafter an. Doch man habe den ausgesetzt, den Einsatz beantragt, um helfen zu können.

„Wir wurden aber ignoriert und geparkt”, erklärt einer der Feuerwehrleute gegenüber Overton. Seinen Namen möchte er aus Angst vor Repressalien nicht nennen. Die ist nicht unbegründet, denn die Regionalregierung spricht von einer „Erpressungsstrategie durch eine kleine Gruppe“. Weil sie sich nun an Löscharbeiten beteiligen, behauptet die Regionalregierung sogar, „sie könnten den Einsatz der Rettungskräfte gefährdet haben“.

Der Feuerwehrmann glaubt, die Ayuso-Regierung wolle „Stimmung gegen den Streik und dessen Forderungen zu machen, um letztlich auch diese Einheit zu privatisieren“. Neoliberalismus mit fatalen Folgen. Viel mehr will er nicht sagen. Mit Genugtuung verweist er darauf, dass am Dienstag ein rechtskräftiges Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen die Regionalregierung erging. Die hatte fast 40 Millionen Euro, gesetzliche Zweckbeiträge von Versicherungen, nicht wie vorgeschrieben für die präventive Brandbekämpfung eingesetzt, sondern zweckentfremdet. Auch dieses Geld fehlte bei der Brandbekämpfung. Zuvor hatte schon ein untergeordnetes Gericht die Regionalregierung verurteilt. Geklagt hatte die Gewerkschaft CSIT des Feuerwehrsprechers Ferrero.

Mit dem jahrelangen Streik wenden sich die Feuerwehrleute gegen prekäre Arbeitsbedingungen und fehlendes Personal. Statt 62 hätten im Sommer eigentlich 124 Forstfeuerwehrleute eingesetzt werden sollen, erklärt Ferrero. Die Truppe werde immer weiter ausgedünnt. 2008 habe sie noch über 450 Einsatzkräfte verfügt. Wie prekär ihre Arbeitsbedingungen sind, erklärt das Führungsmitglied des Streikkomitees. Óscar de Castro arbeitet „seit 2012, wie viele Kollegen, ohne Vertrag“.  Offiziell sei er kein Forstfeuerwehrmann, da Madrid Gerichtsurteile und Gesetze ignoriere, führt er im spanischen TV aus.

Man werde nur gut 50 Prozent im Jahr von Mai bis Oktober beschäftigt, womit das 2024 beschlossene Basisgesetz für Forstfeuerwehrleute umgangen werde. Demnach müssten sie dauerhaft angestellt werden. Im Winter Feuerschneisen schlagen und Unterholz zu beseitigen sei auch um 50 Prozent gekürzt worden, hatten Feuerwehrleute im April auf Demonstrationen erklärt und vor den absehbaren Folgen gewarnt. De Castro und Ferrero beklagen, nur „als Fahrer oder als Wartungsarbeiter“ angestellt zu sein, um Risikozulagen für Feuerwehrleute zu umgehen. Sie riskierten so für 1300 Euro im Monat ihr Leben. „Wir fordern nur die Anerkennung unserer Arbeit und die Umsetzung des Gesetzes“, erklärt Ferrero.

Wo die PP mit der ultrarechten VOX- Partei regiert, ist die Lage fast noch schlimmer. VOX leugnet den Klimawandel, der von Experten als wichtiger Faktor dafür gesehen wird, dass sich Brände schnell ausbreiten und kaum noch beherrschbar sind. In Kastilien-Leon, wo nun der schwerste Brand in der spanischen Geschichte registriert wurde, bei dem 50.000 Hektar abgebrannt sind, wurden von PP und VOX die Präventionsmittel sogar um fast 90 Prozent gekürzt.

Der Brand wurde durch Baggerarbeiten ausgelöst, die wegen der enormen Brandgefahr verboten waren. Die waren vom Viehzüchterverband in Burgohondo in Auftrag gegeben worden. Obwohl sofort alarmiert worden war, breitete er sich unbeherrschbar schnell aus. Einen weiteren Großbrand soll in der Nachbarregion Kastilien-La Mancha soll von einem VOX-Bürgermeister ausgelöst worden sein, der gegen alle Verbote eine Erntemaschine einsetzte, die ebenfalls Funken schlug.

Ralf Streck

Der Journalist und Übersetzer Ralf Streck wurde 1964 in Flörsheim am Main geboren. Er studierte Politikwissenschaft und Turkologie an der Universität in Frankfurt. Seine journalistische Laufbahn begann bei Radio Dreyeckland in Freiburg, wo er eine Fortbildung zum Fachjournalist für Umweltwirtschaft absolvierte. Er lebt seit mehr als 20 Jahren im Baskenland, ist spezialisiert auf linke Unabhängigkeitsbewegungen und berichtet für diverse Medien in Europa vor allem von der Iberischen Halbinsel.
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14 Kommentare

  1. „Man sollte meinen, dass auch in Madrid alle Kräfte mobilisiert würden. Das ist aber in der Region unter der rechten Regionalpräsidentin Isabel Ayuso nicht der Fall. Die Frau, die kein Problem damit hat, „Faschistin“ genannt zu werden,“

    Rechte Popos können eben nur Schuldige suchen um weitere Feindbilder zu schaffen.
    Demnächst auch in diesem Kino.

    1. Als ob „linke Popos“ nicht auch immer nur nach ihre vorgefassten Feindbildern suchten. Die nehmen sich da nichts im Nichtnachdenken. 🙄

  2. Und trotz allem werden die Klimairren nicht merken, was an der ganzen Sache tatsächliche faul ist, nämlich …

    gezielt provozierte Notstände, wo Abhilfe leicht möglich wäre.

    1. Rechte Popos sind schon immer Klimairre weil die Physik leugnen.
      Ansonsten, du meinst die zu billige oder kostenlose Entsorgung von CO2-Müll?

      1. Physikleugner kenne ich jetzt nur und ausschließlich unter den Co2-Apokalyptikern… Jene, die behaupten, „97,1% aller Wissenschaftler sagten, ‚Der Mensch mache den Klimawandel'“. Und das, obwohl in den Rohdaten der von ihnen inflationär zitierten „Metastudie“ gerade mal 0,54% dem Menschen zumindest eine 50%ige Beteiligung zuschrieben…..

    2. Brände stiften ist doch traditionelles Kulturgut in Südeuropa könnte man meinen angesichts der Häufigkeit. Sich für besonders schlau zu halten und trotz gerechtfertigten Verbotes brandgefährliche Dinge zu tun, ist auch Tradition dort, so scheint mir.

  3. Mit oder ohne Klimawandel.
    Da fragt man sich ob die Feuer nicht auch deshalb größer werden, weil die Feuerwehr immer weiter weg gespart wird.

  4. Ist doch so gewünscht. Oder hat man etwa nach der coronautischen Krise endlich Krankenhäuser und Pflegeheime personell aufgestockt? Und das Geklatsche für die Alltagshelden ist auch Geschichte.
    Ich hörte daß Spanien über eine Hubschrauberflotte verfügt, die mit hoher Präzision bis zu 5000 l Wasser abwerfen können.
    Leider sind es russische Hubschrauber und die dürfen nicht gewartet werden und Ersatzteile können nicht bestellt werden.
    Das Gleiche in Griechenland. Da sind es russische Löschflugzeuge.
    Lieber schaut man von oben mit Stolz auf das Schlachtfeld.

    1. …..auch im Gesundheitswesen wird weiter ausgedünnt, sorry heisst natürlich …an die Situation angepasst.

      Neuer Skandal seit 2 Tagen veröffentlicht: es wurde eine 485 qm grosse Wohnung von der Regierung gekauft, im luxoriösen Viertel Chamberí, …nebst 200 qm Terrasse, …gut Isabel Díaz Ayuso hat es bereits während der Coronazeit
      richtig krachen lassen, ….temporäres Büro mit Stil für die Präsidentin.
      Jetzt wird der Druck richtig gross, und ……..die Ereignisse überschlagen sich. Mehr dazu im Original:

      https://www.publico.es/politica/partidos/comunidad-madrid-vende-atico-chamberi-habia-comprado-convertirlo-oficina-temporal-ayuso.html

      Diese fürchterliche Medienschlacht……..von links gegen Ayuso ist einfach nur unverschämt.

  5. Der Faschismus einer Frau, die sagt, wenn man Faschist genannt wird, steht man auf der richtigen Seite.
    Und da behaupten einige, erst mit Vox sei eine ultrarechte Partei gekommen. Der Pp-Chef und Ex-ministerpräsident Aznar war Falangist. Real war das der erste Ultra-Regierungschef und nicht Meloni.

  6. Spanien ist Weltmeister, also sehen wir, was dieser Staat wirklich ist, ein korrupte Haufen.
    Die Spaniards, mit ihrem König und ihrer Demokratie, beweisen selbst, wie ihre politische Integrität lokalisiert ist!
    Sehr unstabil und letztendlich wird ihr Kolonialismus, ein Relikt in der Historie, eine Korrektur erfahren.
    Wie derzeit das auch andere koloniale Staaten erfahren….
    Das Fazit ist: Das Europa erfindet sich neu.

  7. Links steht gegen jede Hierarchie und die Mitnahme aller Menschen. während rechts für die Akkumulation von Reichtum durch Leistung und Konkurrenz anstelle von Kooperation einsteht und der Kapitalismus bildet den entsprechenden Rahmen dafür.

    Das, was heutzutage der herrschenden Regierung als „links“ zugeschrieben wird, ist nichts weiter als Geschichtsklitterung und bezeugt die Umdeutung der herrschenden Klasse um alle hehren linken Fortschritte zu diskreditieren.

    Alle Gute kommt und kam von links, oder linkem Gedankengut, während rechts dabei ist alle humanen zivilisatorischen Errungenschaften der letzten 150 Jahre in die Tonne zu treten.

  8. Die Geschichte von den Feuerlösch-Hubschraubern die nicht benutzt werden dürfen weil es böse russische Modelle (Kamov) sind, sollte aber auch noch erzählt werden um die Idiokratie so richtig aufzuzeigen.

    1. In vergangenen Jahren hat Russland auch seine extrem leistungsfähigen Beriev BE-200 Löschflugzeuge zur Verfügung gestellt. Aber da die EU heutzutage kollektiv in den Wahnsinn verfallen ist müssen die betroffenen Länder heute ohne diese Löschgiganten auskommen..

      Ansonsten scheint auch wieder viel Geld EU-typisch irgendwo versickert zu sein wie die ECA (European Court of Auditors) neulich berichtet hatte..

      https://www.brusselstimes.com/1623002/eu-money-for-dealing-with-forest-fires-is-being-badly-targeted

      Mfg Makrovir

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