Lettland geht gegen den Oppositionssender Dozhd vor, der aus Russland fliehen musste

Moderatorin Ekaterina Kotrikadze teilt die Entlassung von Alexei Korostelev mit.

Wegen einer missverständlichen Formulierung feuerte Dozhd (Doschd) in Panik vor einem möglichen Entzug der Sendelizenz einen Moderator, der lettische Geheimdienst ermittelt gegen den Sender und warnt, „sogenannte unabhängige Medien“ Russlands seien ein Risiko für den „Informationsraum“.

Nicht  nur in Russland und in der Ukraine wird die Berichterstattung über den Ukraine-Krieg eingeschränkt, sondern auch in der EU. Der letzte Fall ist der russische Oppositionssender Dozhd, der sich nach Kriegsbeginn nach Lettland geflüchtet hat, weil er in Russland nicht mehr frei berichten konnte und Strafen fürchtete.

Nun hat den Sender die lettische Regulierungsbehörde Latvian National Electronic Mass Media Council (NEPLP) mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro bestraft, weil er ein Tabu bei der Berichterstattung über den Krieg verletzt habe. Es war eine Karte gezeigt worden, auf der die Krim als Teil Russlands zu sehen war. Und vielleicht noch schlimmer, war im russischen Sender von den russischen Streitkräften als „unserer Armee“. Zudem wird eine Ermittlung eingeleitet, weil der Sender angeblich schon zuvor gegen die Richtlinien verstoßen habe. Nach drei Verstößen kann die Sendelizenz entzogen werden.

Aufregung entstand auch in der Sendung „Hier und Jetzt“ über einen Aufruf des Moderators an Zuschauer, ihre Erfahrungen mit der Mobilisierung in Russland mitzuteilen. Die Mobilisierung war teils chaotisch verlaufen, die Behörden zogen die Falschen ein, Soldaten erhielten keine Ausbildung oder Ausrüstung, wurden aber mitunter an die Front gebracht. Am Donnerstag sagte Alexei Korostelev, der Moderator der Sendung zur Mobilisierung, um für die eingerichtete Hotline zu werben: „Schicken Sie uns Nachrichten an army@tvrain.tv oder schreiben Sie uns in unserem Telegram-Bot. Wir hoffen, dass wir vielen Soldaten helfen können, beispielsweise mit Ausrüstung und Grundausstattungen.“

Alexei Korostelev bei der skandalisierten Passage.

Vor allem aus der Ukraine kam empörte Kritik, weil man unterstellte, dass der Sender nun plötzlich den russischen Streitkräften helfen wollte. Es könnte der dritte Verstoß sein, um den Sender in Lettland schließen zu können. Der lettische Verteidigungsminister Artis Pabriks schrieb, der Sender solle doch nach Russland zurückkehren. Die Aufenthaltsgenehmigungen der Mitarbeiter sollten beendet werden.

Und dann schaltete sich auch noch der lettische Geheimdienst VDD ein und kündigte eine Untersuchung an. Jede Unterstützung des Angreifers sei inakzeptabel. Man habe schon wiederholt gewarnt, dass die Arbeit der „sogenannten unabhängigen Medien“ Russlands in Lettland Risiken für den „Informationsraum“ mit sich bringen: „Da diese Medienunternehmen und Journalisten seit langem im Aggressorland tätig sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass bestimmte Medien, die ihre Tätigkeit in Lettland aufgenommen haben, oder deren Vertreter Verbindungen zu den russischen Geheimdiensten haben.“

Man dreht durch, Russen, auch oppositionelle und Kreml-kritische, werden als Gefahr betrachtet. Die Paranoia und der Rassismus gedeihen. Didzis Smits, der Vorsitzende der Menschenrechtskommission des lettischen Parlaments, sagte, die Kommission habe den Skandal noch nicht untersucht, aber seiner Ansicht nach, sollte Lettland keine russischen Medien im Land zulassen: „Was russische Medien auch gegen Putin sagen mögen, bedeutet das nicht, dass sie uns gegenüber freundlich sind.“

Der Druck scheint sehr hoch gewesen zu sein, auch der eigene, nur ja nicht so zu erscheinen, als würde man auf der Seite der Bösen stehen. Chefredakteur Tikhon Dzyadko reagierte schnell noch um 2 Uhr in der Früh gestern, entschuldigte sich bei den Zuschauern und meinte, dass die Äußerung von Dzyadko Zuschauern den Eindruck vermittelt habe, dass der Sender der russischen Armee helfe. Es ging allerdings höchstens um Unterstützung von einzelnen Russen, die nicht freiwillig zur Armee gingen, sondern eingezogen wurden.

Dzyadko versicherte, dass der Sender niemals Ausrüstung an die russische Armee geliefert habe. Die Hotline sei auch eingerichtet worden, um Verstöße bei  der „kriminellen und sinnlosen“ Mobilisierung und Berichte über Verbrechen der russischen Armee in der Ukraine zu sammeln. Und weil die Zuschauer einen falschen Eindruck gewinnen könnten, sei der Satz auch aus der Sendung gelöscht worden. Nicht genug, gestern erklärte er auch noch, dass der Sender die Zusammenarbeit mit Alexei Korostelev beendet habe. Es wurde also wegen eines einzigen Satzes gefeuert.

Korostelev meinte, seine Äußerung sei ein Versprecher und aus dem Kontext gerissen gewesen, er akzeptiere, gefeuert zu werden, um den Sender zu retten: „Ich habe weder direkt noch indirekt zum Mord aufgerufen. Ich habe nicht zum Töten oder zur Unterstützung irgendeiner Armee auf der Welt aufgerufen. Daher finde ich mich auch nicht eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig.“ Er habe Mitleid mit den hungrigen Mobilisierten, aber sei gegen den Krieg und Putin: „Ich bin gegen den Krieg, also habe ich seit neun Monaten nicht mehr in Russland gelebt – es ist seltsam, mich zu verdächtigen, die Invasion zu unterstützen. Es ist Dummheit.“

Ekaterina Kotrikadze, eine Mitarbeiterin des Senders, sagte schließlich, die Äußerungen seien „kategorisch inakzeptabel“ für die Herausgeber. Es ei der Eindruck entstanden, der Sender schicke Ausrüstung an Soldaten: „Das ist völlig falsch.“ Sie betont, man sei immer gegen den kriminellen Krieg und die Mobilisierung gewesen.  Es sei völlig inakzeptabel, dass in Sendungen Äußerungen gemacht werden, die die Position des Senders in Zweifel ziehen können. Daher habe man Korostelev entlassen. In den Kommentaren wird die Entscheidung von den meisten Zuschauern kritisiert, in einem Kommentar wird von „Overkill“ gesprochen.

Aus Protest gegen die überstürzt erfolgte Entscheidung haben Margarita Lyutova und  Vladimir Romensky, Moderatorenkollegen von Korostelev, inzwischen die Mitarbeit aufgekündigt. Auch Moderatorin Darina Lukutina  hat gekündigt: „Ich verstehe nicht, wie man einen Angestellten opfern kann, um einem Staat zu gefallen, noch bevor dieser Staat ein solches Opfer verlangt hat.“

Die präventive Entscheidung ist zwar verständlich, weil der Sender und seine Mitarbeiter Angst haben müssen, auch aus Lettland vertrieben zu werden, aber zeigt auch deutlich, dass es mit der Meinungs- und Pressefreiheit in dem EU-Land nicht zum Besten steht.

Der 2010 gegründete unabhängige Fernsehsender Dozhd (TV Rain) wurde 2021 als „ausländischer Agent“ eingestuft. Am 1. März wurde der Sender von der russischen Medienbehörde blockiert, weil er angeblich Falschinformationen über Militärs verbreitet hat. Die Redaktion erklärte am nächsten Tag, Russland verlassen zu haben und siedelte sich in Lettland an. Im Juli erhielt Dozhd eine europäische Senderlizenz, seine Sendungen werden weiterhin auch auf einem YouTube-Kanal verbreitet.

Mit der völlig überzogenen anti-russischen Haltung könnten nun auch die oppositionellen russischen Medien zum Schweigen gebracht werden. Lettland, wo eine größere russischsprachige Minderheit lebt,  hat bereits 2021 die Ausstrahlung von 60 russischen Fernsehsendern verboten. Da Bürger des Landes aber das Verbot umgingen, wurde im März 2022 das Gesetz verschärft, mit dem nun auch das „illegale“ Fernsehen unter Strafe steht. Wer etwa entsprechende Satellitenschüsseln einführt, vermietet, installiert oder andere Techniken wie Decoder oder IP-TV-Systeme verwendet, um die verbotenen Sender zu empfangen, muss mit einer Geldstrafe von 700 Euro rechnen. Die Polizei hat erklärt, nicht an jeder Tür zu klopfen, um zu überprüfen, welche Sender die Bewohner empfangen, man könne illegale Geräte wie Satellitenschüsseln auch von außen erkennen.

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54 Kommentare

  1. FHM (Feind hört mit!), hieß mal die Parole von Goebbels. Nun soll es in der „russischen Opposition“ keine Diversität geben, sie werden auf eine absolute Linie gedrängt, nichts mehr mit besser getarnter Wühlarbeit gegen Russland. Die war wohl der Ausgangspunkt, auch intelligentere ideologische Diversion zum Einsatz zu bringen, da muss man sich nur die Finanzierung auch dieses Senders vor Augen führen.
    Der Autor irrt, da er hierbei auf eine groteske Ausnahme im unbedeutenden Baltikum abstellt. Auch hierzulande wird es schon länger genauso praktiziert. Auch sein ehemaliges Metier, Telepolis verfährt so. Einer ganzen Reihe von langjährigen Foristen wurde ohne jegliche sachliche Begründung nach mehrmaligen Unterstellungen, gegen die Prinzipien verstoßen zu haben, der Account gekündigt.
    Sein Glück, das nicht mehr selbst durchführen zu müssen.

    1. Ich kann mirs nicht verkneifen:
      Von Telepolis zur Zensurpolis!

      Die Reihen fest geschlossen marschiert der MSM im Einheitstritt.
      Altbewährt, da kann nichts schiefgehen (vgl 1933 bis 1945).

    2. Bei TP erfolgt das inzwischen „automatisiert“; der Mühe einer Info oder gar Begründung unterzieht man sich erst gar nicht mehr; Anmeldung blockieren genügt.

      An anderer Stelle übt man gerade neben „reinstating previously blocked accounts“ die Volksbeteiligung per Abstimmung. Innerhalb einer Stunde sollen sich ca. 80% für „Begnadigung“ von Assange und Snowden (der inzwischen einen russischen Paß hat) ausgesprochen haben. Da werden Strafzahlungen und Verbote nicht mehr lange auf sich waren lassen.

      https://www.ndtv.com/world-news/elon-musks-new-twitter-poll-on-edward-snowden-julian-assange-3576127

    3. Einer ganzen Reihe von langjährigen Foristen wurde ohne jegliche sachliche Begründung nach mehrmaligen Unterstellungen, gegen die Prinzipien verstoßen zu haben, der Account gekündigt.

      So wie bei mir.
      Ich kann mir aber kaum verkneifen hin und wieder mal dort vorbei zu schauen, einfach um mich darüber zu ergötzen wie dramatisch die Anzahl der Kommentare bei TP Artikeln sinkt. Zu Zeiten als Herr Rötzer dort das sagen hatte kam es schon mal vor, dass manche Artikel über 1000 Kommentare hatten. Heute kommen sie kaum noch mehr auf 200.

      Letzte Artikel bei TP:

      Droht ein Handelskrieg wegen der Öko-Politik der USA?
      26 Kommentare

      Ölpreisdeckel: Vor allem USA werden profitieren
      13 Kommentare

      „Noch immer nicht in der deutschen Erinnerungskultur angekommen“
      4 Kommentare

      Wie die EU Russland vor ein internationales Sondertribunal bringen will
      75 Kommentare

      TP ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die exzessive Zensur im Forum hat ganze Arbeit geleistet. Wenn das so weiter geht können sie bald die Kommentare auch ganz abschalten.

      1. „Wenn das so weiter geht können sie bald die Kommentare auch ganz abschalten.“
        👍
        Genau das ist auch der Sinn des Ganzen. Wo käme man denn hin, wenn denkende Bürger ihre Gedanken untereinander austauschen? Womöglich noch solche Gedanken, die sie nicht vorher in einem bewährten und geprüften Massenmedium präsentiert bekamen? Undenkbar und unentschuldbar in unserer heutigen turbulenten Zeit!
        sarcasm off.

      2. Hi Russischer Hacker,

        Telepolis ist nur noch Content um Clickbaiting zu erzeugen. Seitdem ich da Lebenslänglich gesperrt wurde hab ich nicht mehr eine Sekunde vorbei geschaut.

        Schade um die alte Telepolis, Heise online wird von mir komplett Boykottiert!

      3. eine allgemeine Frage: Warum wurde wer im Einzelnen bei TP gesperrt?

        Konkrete Beispiele machen so was anschaulicher.
        HAt das wirklich System und wenn wie?

        Meine Erfahrung bei TP war kurz.

        Mir wurde seit Februar ein oder zweimal ein Beitrag gelöscht. Ich hab nie verstanden warum. Nicht mal der Chef dort, der sich – netterweise – per email erkärte, konnte letzterdings die Gründe wirklich benennen, sofern höflicher Umgangston nicht als solcher zählt.

        Zu viele interessante links von meiner Seite vielleicht?

        Dass ich von anderen als Putler-Versteher tituliert wurde – pratisch ausschließlich ad hominem – und sonstwie, wurde von keinem beanstandet.

        Fände ich auch falsch, aber wo sind dann die Leitlinien, wenn man Zensur oder „Moderation“ überhaupt betreiben will, v.a. bzgl. Foristen die zum größen Wissen beitragen wollen.

        Natürlich ist es schon ein Problem wenn 1000 Kommentare existieren und kein Mensch mehr Durchblick hat. Wie soll man da Gutes finden? Aber lieber dieses Chaos, als willkürliche Kontrolle.

        Und wie gesagt, meine Erfahrung ist im Vergleich zu anderen hier wirklich begrenzt.

        Ich kenne die internen Strukturen von heise und TP nicht genug.

        1. Da war ganz deutlich sichtbar ein Politikwechsel im Spiel. Ab eine bestimmten Datum wurde viel mehr gesperrt und auch meine Kommentare waren dann auf der Ausschlussliste und ich wurde gebockt.
          Auffällig war aber, dass Foristen, die dem Narrativ entsprachen ganz deutlich mit allen möglichen Verstössen unbehelligt blieben. Das hat mich dazu gebracht, Kommentare zu unterlassen.

        2. Hi XYZ,
          Warum wurde wer im Einzelnen bei TP gesperrt?

          Hier die Ehrliche Antwort! Wahrscheinlich hat man nicht den Monetären Zielen von Heise Online entsprochen! Denn wer bezahlt bestimmt die Musiker. Fun Fact: Hatte zur Sperrung zeitgleich ein Angebot für’s TP Abonnement bekommen.

          Gruß Prepperoni aka Greta Reset aka Cheeki Breek 😎

        3. Hi XYZ,
          Warum wurde wer im Einzelnen bei TP gesperrt?

          Hier die Ehrliche Antwort! Wahrscheinlich hat man nicht den Monetären Zielen von Heise Online entsprochen! Denn wer bezahlt bestimmt die Musiker. Fun Fact: Hatte zur Sperrung zeitgleich ein Angebot für’s TP Abonnement bekommen.

          Gruß aka Greta Reset, aka Cheeki Breeki

  2. Meinungsfreiheit/ Presse- war einmal. Die EU, Deutschland, der selbsternannete Wertewesten hat schon lange seine Werte verloren. Und die USA war noch nie eine Demokratie. Doppelmoral wo hin man schaut. Soll man ehrlich sein und sich zu seinen von der USA bestimmten Interessen bekennen. Und Russland, China, Iran usw. sind die Hauptkonkurenten der USA und somit auch unsere Feinde. Egal ob dies den eigentlichen europäischen Interessen wiederspricht.

    Doch der Globale Süden wehrt sich gegen die Goldene Milliarde. Pepe Escobar auf The Saker beschreibt in einem Artikel, wo die USA gerade ihre Zukunft verliert.
    Name des Artikeles: „Der globale Süden bringt ein neues bahnbrechendes Zahlungssystem hervor“.
    https://thesaker.is/the-global-south-births-a-new-game-changing-payment-system/

    Es beginnt: „Die Eurasia Economic Union fordert das westliche Währungssystem heraus und führt den globalen Süden zu einem neuen gemeinsamen Zahlungssystem, um den US-Dollar zu umgehen.

    Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) beschleunigt die Gestaltung eines gemeinsamen Zahlungssystems, das seit fast einem Jahr mit den Chinesen unter der Leitung von Sergei Glazyev , dem für Integration und Makroökonomie zuständigen Minister der EAWU, eng diskutiert wird.

    Durch ihre Regulierungsbehörde, die Eurasische Wirtschaftskommission (EWG), hat die EAWU gerade einen sehr ernstzunehmenden Vorschlag an die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) übermittelt, die vor allem bereits auf dem Weg sind, sich zu wandeln BRICS+ : eine Art G20 des globalen Südens.

    Das System wird eine einzige Zahlungskarte umfassen – in direkter Konkurrenz zu Visa und Mastercard –, die die bereits bestehende russische MIR, Chinas UnionPay, Indiens RuPay, Brasiliens Elo und andere zusammenführt.

    Das wird eine direkte Herausforderung für das westlich entworfene (und durchgesetzte) Geldsystem darstellen, frontal. Und es folgt den BRICS-Mitgliedern, die ihren bilateralen Handel bereits in lokalen Währungen abwickeln und den US-Dollar umgehen.

    Diese EAWU-BRICS-Union war lange im Entstehen – und wird nun auch einen weiteren geoökonomischen Zusammenschluss mit den Mitgliedsstaaten der Shanghai Cooperation Organization (SCO) vorwegnehmen.
    …“

    Wenn das Wirklichkeit wird, gibt es kaum noch Gründe in den Dollar und Euro zu investieren, denn man weiß als Eigentümer/ Staat nie, ob einem sein Vermögen morgen noch „gehört“ oder genauer gesagt, ob man am nächsten Tag darüber noch verfügen kann oder ob die Staatdiebe USA und EU nicht das Vermögen mit scheinhelliger Begründung einbehalten haben.
    Damit mag der Wertewesten sich kurzfristig bereichern, aber mittelfristig ist es der Tod ihrer Währungen.

    1. Wer es ganz genau wissen will, wie die EU es schaffen wird, sich wirtschaftlich selbst zu zerstören, dem sei diese (etwas längere) Lektüre dazu empfohlen:

      https://www.leftbrainwave.com/2022/11/the-coming-european-economic-apocalypse.html#TOC1

      Der Autor ist nicht der erste, der zu dem Fazit kommt: Entweder 180° Politikwechsel mit Russland oder Selbstzerstörung.

      Aber noch nie habe ich eine detailliertere Analyse dazu gelesen. Und es sieht derzeit nicht nach „complete reverse direction on Russia“ aus, wenn auch der eine odere andere anfängt, etwas von „russische Sicherheitsbedürfnisse berücksichtigen“ zu murmeln.

      1. Hi Venice12,

        ich wollte diese Analyse gerade selber verlinken und kann deine Beschreibung „Aber noch nie habe ich eine detailliertere Analyse dazu gelesen“ nur bestätigen. Ein super Artikel und eine Analyse über die Sanktionswirkungen auf der ganzen Welt.

        Auszug: „Wenn Russland Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar benötigt, um die Importe zu ersetzen, die es zuvor jedes Jahr aus Europa erhielt, kann es sie nur aus Asien beziehen, und man kann sich nicht vorstellen, welchen enormen Schub in der Produktion diese Verlagerung diesen asiatischen Volkswirtschaften und in der Tat allen geben würde die Volkswirtschaften Asiens. Westliche Sanktionen könnten ein Segen für Asien sein, ohne Russland sehr stark zu treffen.

        Aber Europa hat keine einfache Möglichkeit, das zu ersetzen, was es heute von Russland bekommt. Insbesondere gibt es keine einfache Möglichkeit, das riesige Loch zu füllen, das durch das Fehlen russischer fossiler Brennstoffe auf den europäischen Märkten entstanden ist. Die Energiekrise, mit der Europa konfrontiert ist, ist, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, in erster Linie eine Versorgungskrise.

        Wir kommen auf die beiden Fragen zurück, die wir zu Beginn dieses Kapitels gestellt haben:

        Kann ein vollständiges Embargo für den russischen Verkauf seiner Waren verhängt werden?
        Wenn ein vollständiges westliches Embargo über Russlands Energieverkäufe verhängt werden könnte, könnte Russland überleben?

        Die Antwort auf die erste Frage ist eindeutig nein. Russland hat viele Kunden, die die Dinge wollen, die es verkauft, seien es Brennstoffe, Gold, Diamanten, Weizen, Metalle, Chemikalien oder Industriegüter. Russland ist ein zu wichtiger Akteur in der Welt, um effektiv mit einem Embargo belegt zu werden.

        Die Antwort auf die zweite Frage ist eindeutig ja, denn Europa kauft nur 24 % der russischen Exporte (in Form von Energie). Wenn sie diese Energie nicht mehr kaufen und Russland keinen anderen Ort hätte, um sie zu verkaufen, würden sie 24 % ihrer Exporteinnahmen verlieren. Angesichts dessen, wie sehr China russisches Öl benötigt und wie sehr die sich schnell entwickelnden Volkswirtschaften Asiens Öl benötigen, wird Russland in der Lage sein, das meiste, wenn nicht das gesamte Öl, das es an Europa verkauft hat, zu verkaufen. Gas ist ein schwierigeres Unterfangen, weil es Pipelines erfordert. Allerdings bestanden nur 6 % der russischen Exporte (nach Geldwert) nach Europa aus Gas. Das wird kaum ein großer Verlust für Russland sein. Sie werden es wahrscheinlich abfackeln (verbrennen), wenn sie es nicht verkaufen können. Wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, ist Gas für Europa viel wertvoller als für Russland. „

        1. Es war einmal ein Exportweltmeister, der hatte u.a. wegen günstigem Einkauf von Energie einen riesigen Wettbewerbsvorteil.
          Damit ist es jetzt vorbei. Die bestehenden Aufträge werden noch abgewickelt und dann geht der Ofen aus.
          Zukunft:
          Wir können uns die „billigen“ Solaranlagen in China nicht mehr leisten.
          Weil uns die Zutaten fehlen geht Selbstherstellen auch nicht.

  3. Ich halte Florian Rötzer für einen seriösen Journalisten. Allerdings denke ich auch das er beim Schreiben mancher Artikel an anderes denkt als an die Ursache des Artikels.
    Es ist unredlich, ihn heute mit TP in Verbindung zu bringen. Ich bin da auch rausgeschmissen worden und kann nicht sagen warum, weis aber sicher, dass es nicht an dem Autor lag. Wenn TP das braucht, sollen sie es doch machen.
    Mich ärgert dennoch, wenn der Autor schreibt: „völlig überzogenen anti-russischen Haltung“, was wäre denn eine nur „anti-russische“ Haltung? Etwa die vom Spiegel, Bild oder ARD?
    Ich denke, bei allem Inhalt sollten Journalisten ihre Aufgabe viel höher hängen. Das mahnt Assange und dem Ralf Streck berichtet Pablo Gonzalez. https://www.heise.de/tp/features/Kritischer-Journalismus-fuehrt-auch-in-der-EU-hinter-Gitter-7364698.html
    Auch sonst sitzen in den Gefängnissen immer mehr Journalisten.

    1. „Es ist unredlich, ihn heute mit TP in Verbindung zu bringen.“

      Würde ich eigentlich auch so sehen. Dummerweise schreibt Herr Rötzer aber immer noch hin und wieder für TP und daher kann man ihn nicht einfach „nicht in Verbindung bringen“.

  4. Der letzte Fall ist der russische Oppositionssender Dozhd, der sich nach Kriegsbeginn nach Lettland geflüchtet hat, weil er in Russland nicht mehr frei berichten konnte und Strafen fürchtete.

    Wobei Dozhd nicht wegen konkreter Repressionen flüchtete, sondern aus eigener Initiative, sozusagen preventiv wegen eines neuen anti Fake-News Gesetzes. Es hat ihnen aber keiner in Russland die Sendelizens entzogen. Sie durften über das Internet berichten. Nur deren offizieller Fernsehkanal wurden blockiert, aber es wurde ihnen nicht grundsätzlich verboten zu berichten.

    Sie wollten eben auch weiterhin ihre Geschäfte mit Fake-News und Sensationsjournalismus machen ohne dafür in Verantwortung genommen zu werden und fröhlich weiter Werbeeinnahmen kassieren. Tja, Karma. Das haben sie jetzt davon.

    Dabei wurden Dessidenten immer wieder gewarnt. Im Ausland wird man euch keinen Zucker in den Hintern blasen. Man wird euch diskriminieren, völlig egal wie sehr ihr beteuert Russland zu hassen. Völlig egal was ihr sagt, man wird euch repressieren, einfach weil ihr Russen seid.

  5. Hierzu passt auch was Jacques Baud über die russische Journalistin berichtete, die dort im Fernsehen während der nachrichten ein Schild gegen den Krieg hochhielt. Sie wurde dafür hier im Westen groß gefeiert.
    Sie wurde dann in Russland bestraft, kam in den Westen, wurde hier bezichtigt eine russische Agentin zu sein.
    In der Ukraine wurde sie auf die Mirotvorets -Liste gesetzt.

    Hier wird so deutlich wie idiotisch Konfrontation und Krieg sind.

    1. Die „Erklärung“ auf Anfrage würde lauten: Das ist verkehrt herum und deshalb kein echtes Hakenkreuz.

      Übrigens: Lavrov hat den Abbruch der Beziehungen zur OSZE erklärt. Auch an der Münchner Sicherheitskonferenz habe man kein Interesse mehr.

      1. Ach, nicht aufregen, das ist nur skandinavische Folklore. Nebenbei: das Swastika, fand sich in allen Kulturen. Selbst in einer Synagoge in Ein Gedi. Und in China war es derart inflationär verbreitet, dass man damals sogar ein Verbot erließ, es auf Stoffen zu verwenden.

        Die Moundbuilder Indianer, verwendeten es ebenso wie Jacky Kennedy als Mädchen und Rudyard Kipling, erkor es zu seinem persönichen Wappen.

      2. Ne das zieht nicht. Die haben es links- wie auch rechts- herum. Kann man auch „richtig rum“ auf dem Video sehen. Deren Erklärung ist eine andere. Die sagen, das Hakenkreuz sei ein mystisches Symbol, was Jahrtausende alt sei und nicht unbedingt mit dem Nationalsozialismus zu assoziieren sei. Stimmt schon, in Indien und im Buddhismus gibt es Hakenkreuz-Symbole seit vielen Tausend Jahren. Aber diese Erklärung ist irgendwie nicht glaubwürdig, denn in Lettland gibt es praktisch keine Hindus oder Buddhisten, aber es gibt stark ausgeprägte faschistoide Tendenzen. Insofern das beteuern das habe Alles nichts mit einem Nazikult zutun ist nicht wirklich glaubwürdig.

        1. Nun ja: die Beschränkung auf „Hindus“ und „Buddhisten“, ist sehr stark verkürzt. Es gibt nahezu KEINEN Kulturkreis, dass NICHT das „Swastika“ kennt.

          In Frankreich, taucht es während der La téne-Zeit auf, Und kleines Bonmot am „rechten Rande“: das erste Verbot des Swastika, wurde bereits von der Kaiserin WU (684-704) erlassen, eben weil ein wahrer „Hype“ darum entstanden ist: Auf Stoffen, und anderen profanen Gegenständen, wurde es zum „coolen Design“, das die die „Heiligkeit“ entweihte.

          Aber ich weiß schon was du meinst, darin bin ich konform mit dir: Sie geben vor, sich auf „skandinavische Wurzeln“ zu berufen, obwohl sich weder Letten noch Litauer, auf das heroische Erbe der „Wikinger“ verlassen können.

          Jedenfalls ist das Swastika, egal ob rechtsdrehend oder linksdrehend, ein transkulturelles Symbol, das erst durch die unrühmlichen „1000 Jahre“, seine Unschuld verloren hatte.

          In den 20er-Jahren, hatten – kurios – sowohl eine amerikanische Infanterie-Division, als auch russische Regimenter, das Swastika, als Einheitsbzeichen. Die Finnen schafften deren Sonderform mit verkürzten Schenkeln, erst 1946 ab.

          Und ganz ehrlich: Das Swastika ist wesentliche älter, als „1000 Jahre“, wurde von Christen ebenso wie von Juden verwendet (s. „Ein Gedi“, Mosaik in einer Synagoge)und wurde erst als „Hakenkreuz“ vom „Glückssymbol“ zum Zeichen des Unheils degradiert.

      3. Und man braucht auch keine Pseudo-Vermittler wie Macron, Merkel oder Steinmeier mehr.
        Deren gespaltene Zunge, welche nicht mehr als heisse Luft und Lügengedöns absondert, anstatt als ehrlicher Makler aufzutreten, reicht der russischen Seele bis Oberkante Unterlippe.
        Kotzen kann man auch über die ukrainische Selenskyi-Gang mehr als genug.
        Dieser dürfte aber früher aks heutzutage vernutet das Maul gestopft werden.
        Dann kann es durchaus passieren, dass auch die westliche Kimplizen-Elite geschert und nachher der Kopf gewaschen wird.

    2. Die Swastika ist in der nordeuropäischen Kultur ein uraltes Zeichen, und wie wir heute wissen, wurde sie seit über 12.000 Jahren weltweit verwendet. Deswegen sollte man das nicht hoch hängen. Das Verhalten macht den Faschisten aus, nicht die Benutzung von Symbolen.

      Ich erinnere mich eines Gesprächs mit einem Finnländer, der ähnlich argumentierte und hinzufügte, dass „ihr Deutschen offenbar nicht dazugelernt habt, indem ihr das Symbol verbietet.“ So ganz Unrecht hatte der Mann ja nicht. In Finnland war das Hakenkreuz als Wasserzeichen auf Papier und Briefmarken durchaus gängig.

      1. Das Verhalten macht den Faschisten aus, nicht die Benutzung von Symbolen.

        Gerade wegen des Verhaltens der lettischen Behörden ist es unglaubwürdig, dass das nichts mit Verherrlichung von Nazismus zutun hätte. In Lettland gibt es eine lebhafte Nazivergangenheit und heute einen stark ausgeprägten Nazi-Kult welches auch staatlich gefördert wird.

        In Lettland verehrt man Nazikollaborateure und Hitlers-Helfer als Nationalhelden. Die s.g. „Waldbrüder“. Als die Wehrmacht im Baltikum einmarschierte wurde sie von vielen Letten mit Blumen empfangen. Die Nazis wurden in Lettland als „Befreier“ wahrgenommen und kollaborierten. Sie erledigten die Drecksarbeit für Hitler im eigenem Land, beteiligten sich am Holocaust und ermordeten ihre andersdenkenden Landsleute. Kämpften auch als Freiwillige in den Reihen der Wehrmacht und der Waffen-SS gegen die Rote Armee. Später als die Rote Armee die Wehrmacht aus dem Baltikum vertrieb flüchteten viele der Nazi-Kollaborateure in die Wälder und bereiten als s.g. „Waldbrüder“ den Sowjets noch bis in die späten 50ger Jahre Probleme durch Terroranschläge.

        Heute wird diese Organisation in Lettland und anderen baltischen Ländern als Nationalhelden gefeiert. Es finden Jährlich zum Nationalfeiertag s.g. „Märsche der Legionäre der Waffen-SS“ statt (das ist die offizielle Bezeichnung). Dabei ziehen Veteranen der lettischen Waffen-SS in original Nazi-Uniformen sowie deren zahlreichen Anhänger in einer langen Prozession zum Waldbrüder Ehrendenkmal in der lettischen Hauptstadt. Die Prozession wird staatlich gefördert und polizeilich geschützt. Wehe da schreit einer von der Seite: „Nazis“, der wird dann gleich von der Polizei abgeführt.

        einige Links dazu
        WELT Hitlers Helfer: Viele Letten sind stolz auf die SS. Dank Putin

        NZZ Die Nato sticht in ein historisches Wespennest

        Es handelt sich hier um nichts geringeres als die offene Glorifizierung der Waffen-SS und deren freiwilligen Helfer.

        Außerdem wird in baltischen Ländern, ganz besonders in Lettland die russische Bevölkerung diskriminiert. Ethnische Russen, selbst wenn sie in Lettland geboren sind und dort immer gelebt haben, gelten dort nicht einmal als Bürger und sind weitestgehend entrechtet. Dürfen nicht wählen oder gewählt werden. Dürfen keinen Staatsdienst verrichten. Nicht einmal bei der Polizei arbeiten. Dürfen nicht einmal richtige Pässe haben. Haben so eine Art Ersatzpass eines „Nichtbürgers“ (offizielle Bezeichnung). Immerhin fast ein Drittel der Bevölkerung ist davon betroffen. Einfach weil sie Russen sind und weil ja die Russen dem Nazi-Paradies ein Ende gesetzt haben werden sie im Baltikum diskriminiert. In Lettland gibt es also ein klassisches Apartheidsregime auf ethnischer Grundlage.

        Schließlich führen lettische Behörden seit einigen Jahren auch einen Kulturkampf gegen die sowjetische Vergangenheit und reißen alle möglichen Denkmäler nieder aus sowjetischer Vergangenheit. Das erinnert die lettischen Nazis wohl zu stark daran, dass die Sowjets ihrem Nazi-Paradies ein Ende gesetzt hatten und auf diese Weise rächen sie sich. Neulich haben sie ein Denkmal abgerissen, bei welchem es sich um einen auf dem Sockel stehenden T-34 Panzer handelte, welcher bei der Befreiung von Vilnius vom Faschismus dabei gewesen ist. Es gab dann anschließend eine Petition anstatt des T-34 einen Deutschen Tiger aufs Podest zu stellen. Doch das haben sich die Behörden dann wohl doch nicht getraut, das wäre wohl zu offensichtlich gewesen.

        Vor diesem Hintergrund ist es nicht gerade glaubwürdig, dass die Swastika als Weihnachtsschmuck wirklich nichts mit Nazismus zutun hätte.

  6. Der aus Russland geflohene Oligarch Michail Fridman ist in London verhaftet worden. Eines der ehemaligen Mitglieder der „Sieben Banker“, die Russland in den 1990er Jahren plünderten. Jetzt ist Fridman in Großbritannien wegen Betrugs festgenommen worden. Karma!

    Ironischerweise wurde die Beute aus Russland in den Westen gebracht und dort als Teil der Sanktionen blockiert.

    1. Besser können reiche Russen nicht überzeugt werden, „Russen“ zu sein.

      Wenn man nicht selber Angst haben müsste, dass einen auch diese „Rechtlosigkeit“ durch Scheinverfahren vor europäischen Gerichten in der nahen Zukunft betreffen könnte, würde man vor lauter Lachen nicht in den Schlaf kommen.

      1. Wie des Öfteren bringst du diese „Handlung“ auf den Punkt. Die betrogenen Betrüger 🙂
        Wenn dieser Diebstahl Schule macht, geht bei manchen Kapitaleigner der A mit Grundeis.
        by the way
        Es ist seltsam, die russischen Firmenableger wurden ruck zuck enteignet, die Wohnungsfirmen wegen asozialem Verhalten zu vergesellschaften ist lt. „Experten“ nicht möglich.

    2. Offenbar rettet einen da auch die Mehrfachstaatsbürgerschaft nicht mehr. Die Herren haben ja in der Regel mindestens zwei, oft auch noch eine 3. (EU-Staatsbürgerschaft Zypern oder Malta).

    3. Aber, aber, wenn du genug Reichtum nach London mitbringst, interessiert es niemanden, wie du daran gekommen bist. Auch in anderen Ländern gibt es das ansatzweise, aber die Engländer sind geradezu perfekt darin. Sie haben ja auch ein großes Vorbild dieser Masche: SIR Francis Drake. Und wer glaubt, dass sich seit der Zeit dieses Piraten wesentlich was geändert hat, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Nur die Methoden sind heute etwas perfider geworden. Und deshalb waren die milliardenschweren Diebe aus Russland, die sich mit ihrem Diebesgut in London niedergelassen hatten, immer gern gesehene Gäste. Dass der englische „Rechtsstaat“ nun die erste Gelegenheit ergreift, sich das Vermögen dieser Gäste unter den Nagel zu reißen, setzt dem ganzen die Krone auf. Irgendein formaler Angriffspunkt ist dafür auch immer schnell zu haben.

  7. Hi Wölfchen,

    ich gebe dir vollkommen recht : „Es war einmal ein Exportweltmeister, der hatte u.a. wegen günstigem Einkauf von Energie einen riesigen Wettbewerbsvorteil.

    Zukunft:
    Wir können uns die „billigen“ Solaranlagen in China nicht mehr leisten.
    Weil uns die Zutaten fehlen geht Selbstherstellen auch nicht.“

    Es ist sogar viel schlimmer! Die 50 Mrd., welche RF jedes Jahr in Deutschland eingekauft hat plus die Importe aus den anderen EU-Ländern, der USA, Japan, Neuseeland, Kanada, Australien, UK und einiger weniger anderer Staaten, wird Asien, also Vietnam, Indien, Türkei, Indonesien und vor allem China übernehmen. Ein riesiges Industriehilfssprogramm für diesen Markt.

    Hinzu kommt, dass die Produkte aus Europa nicht mehr wettbewerbsfähig im internationalen Maßstab sind, was zur Abwanderung und Schließung der europäischen Industrie führen wird, was die USA und Asien, wieder mit China an erster Stelle übernehmen werden. Ein noch viel größerer Bedarf an Produkten, welches dann Asien mit billiger und sicherer russischer Energie sowie Rohstoffen preiswert und gut herstellen kann und wird. Ein noch größeres Industriehilfssprogramm vor allem für China als das oben genannte.

    Das alles bewirken unsere toll durchdachten Sanktionen bei gleichzeitigem Wohlstandsverlust in weiten Teilen der europäischen Bevölkerung. Der deutsche Bürger muss sich bei vollem Bewußtsein fragen, was machen unsere Politiker da?

    Was das politisch für die kommende Regierungen bedeuten wird, ist auch klar. Es werden noch mehr rechtpopulistische Parteien in der EU die Macht übernehmen, da die linken Kräfte seit Jahren total versagen. Dies gefährdet die bereits bröselnde Demokratie in den EU-Staaten noch mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD in Deutschland als großer Gewinner aus dieser Situation, wie in der Analyse von Dr. Seshadri Kumar beschrieben, hervor gehen wird, ist riesengroß.

    Von dieser wirtschaftlichen Verschlechterung geht eine wirkliche Veränderungsgefahr zu einem neuen faschistischen Europa aus und ist weitaus größer und realer als einige Mitforisten die sachliche Bewertung und Aufarbeitung der Coronamaßnahmen unserer beiden letzten Regierungen als „Unterstützung und Königsmachung von faschistischen Bewegungen“ an die Wand malen, siehe aquadraht mit „die Verleumdung der Corona-Protestbewegung hat einen faschistischen Kern“ und andere im Forum zum Artikel von Herrn Brüggemann „Der riesengroße Elefant im Raum der deutschen Öffentlichkeit“. Die Verweigerung als Argument zur Aufarbeitungsvermeidung des Coronamißmanagement der Regierungen in Deutschland und der EU wird in der weiteren Zukunft zu weiteren Abbau von Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Toleanz und Solidarität unter den Menschen in der EU führen, zur Stärkung von rechtsnationalen Kräften wie AfD, Front National usw. beitragen und im schlimmsten Fall faschistischen Regierungen hervor bringen. Also genau das, was die Bourgesie so will.

    Es ist mit eines der dümmsten Argumente der „Linken“ und der bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland, Wahrheiten,Tatsachen, Ereignisse nicht zu übernehmen , bewerten, weil es vorher die AfD angesprochen hat. Lafontain ist gerade wieder auf dieses Thema eingegangen. Man kann nicht ein Thema, weil es einem nicht gefällt oder die „Rechten“ es auch benutzen, als rechts, faschistisch, antisemititisch, rassistisch, frauenfeindlic, homophob ect. abtun. Damit stärkt man genau die, die man bekämpfen will und schwächt die wirklich betroffenen in der Gesellschaft noch mehr. Keiner wird ernsthaft mit dem heutigen Wissen ablehnen, dass Schul-und Kindergartenschließung große Folgeprobleme hervor gerufen hat und das die Impfung zu Todesfällen und schlimmen Nebenwirkungen bei manchen Geimpften geführt hat. Und es gibt noch viel mehr aufzuarbeiten….

    PS.: Liebes Wölfchen, Danke für dein „Lob“ und ein liebgemeinte Empfehlung: versuche die Analyse von Dr. Seshadri Kumar zu lesen. Sie ist ein echter Mehrwert an Wissen, da sie mit ganz viel Zahlen und Graphiken untermauert wird. Hier nochmals der Link: https://www.leftbrainwave.com/2022/11/the-coming-european-economic-apocalypse.html#TOC

    1. „….. und im schlimmsten Fall faschistischen Regierungen hervor bringen. “

      Und das mühelos, denn F. können wir. Mit oder ohne Unterstützung unserer „besten Freunde“ hatten zahlreiche europäische Länder in den letzen 100 Jahren mehr oder weniger Gelegenheit, das schon mal zu üben, mit Spanien und Italien als Vorreiter. Bereits die SS gab es europaweit (und diesen guten alten Zeiten weint man im Baltikum heute noch nach) und nach WK II waren Portugal, Spanien, Griechenland auf dem rechten Weg. Die Griechen üben schon wieder kräftig (Geheimdienstskandal).
      Wie die Zukunft aussehen soll, läßt sich mühelos an der ukrainischen Regierungstheorie und -praxis ablesen, denn – wie die EU-Führer nicht müde werden, uns zu versichern – DAS ist UNSERE Demokratie, die dort verteidigt wird gegen die (wieder mal) Barbaren und Untermenschen aus dem Osten, heute gerne zeitgemäß ORCS genannt.

      Muß man daraus schließen, daß das für viele hier gar nicht der „schlimmste Fall“ wäre?

  8. Die Legitimation von Verstößen gegen das Völkerrecht und die Unterstützung von Angriffskriegen/Kriegsverbrechen in der Öffentlichkeit sind vermutlich in den meisten demokratischen Ländern verboten.

    phz

    1. Danke an venice12 für diesen Link https://www.leftbrainwave.com/2022/11/the-coming-european-economic-apocalypse.html#TOC. Ein sehr interessanter Artikel.
      Sehr aufschlussreich war die Darstellung über die Rohstoffdichte und deren Bereitstellung für die Welt durch RF und China plus BRICS/ SOZ in diesem Artikel. Vor allem wie sie sich auch ergänzen. Europa hat da mittelfristig als Industriestandort schlechte Karten, wenn es gegen RF und China die von Baerbock propagierte Sanktionspolitik betreibt.
      Wie @Mengel untem im Foren es schön beschreibt: „Die 50 Mrd., welche RF jedes Jahr in Deutschland eingekauft hat plus die Importe aus den anderen EU-Ländern, der USA, Japan, Neuseeland, Kanada, Australien, UK und einiger weniger anderer Staaten, wird Asien, also Vietnam, Indien, Türkei, Indonesien und vor allem China übernehmen. Ein riesiges Industriehilfssprogramm für diesen Markt.
      Hinzu kommt, dass die Produkte aus Europa nicht mehr wettbewerbsfähig im internationalen Maßstab sind, was zur Abwanderung und Schließung der europäischen Industrie führen wird, was die USA und Asien, wieder mit China an erster Stelle übernehmen werden. Ein noch viel größerer Bedarf an Produkten, welches dann Asien mit billiger und sicherer russischer Energie sowie Rohstoffen preiswert und gut herstellen kann und wird. Ein noch größeres Industriehilfssprogramm vor allem für China als das oben genannte.“

      Gut erklärt fand ich von Dr.Kumar auch, warum der Ausschluss aus SWIFT quasi verpuffte und warum der große Rest der Welt die Sanktionspolitik der USA nicht mitträgt, wodurch sie letztendlich nicht wirkt.

      Erschreckend ist auch die Lücke die für die EU entsteht bei der Gas- & Ölversorgung, was ja direkte Auswirkungen auf die industrielle Warenproduktion hat. Priesteritz war bereits zum Stillstand gekommen, Leuna fährt zur Zeit nicht mehr volle Last und andere Standorte wie PCK und vor allem BASF als weltweit größter Chemiestandort fahren ihre Anlagen schon seit Monaten nicht mehr im gewohnten Leistungsbereichen. Der Geo von BASF Mayer warnt schon seit Monaten auch in den deutschen MSM (https://www.basf.com/global/de/media/news-releases/2022/11/p-22-418.html) vor dieser Entwicklung und baut gerade einen großen Standort in China auf. Der Einbruch der Produktion dort hat aber auch Kasskadeneffekte in andere Bereiche, wo Deutschland als Exportland nur verlieren kann.
      Europa hat nicht genügend LNG-Terminals, um LNG zu importieren, um die Gasknappheit auszugleichen. Deutschlands Versuche, temporäre FSRUs für LNG zu installieren, werden ab 2023 wohl kaum die Hälfte ihres alten Gasbedarfs decken. Die Welt hat nicht genügend freie Gas- oder Ölkapazitäten, um Europa mit dem fehlenden russischen Öl und Gas zu versorgen.
      Die erneuerbare Energien können nicht schnell genug hochgefahren werden, um Europas Energiekrise zu lösen und die Hauptproduzenten in der Solarindustrie inklusive der Bereitstellung der benötigten Rohstoffe befinden sich in Asien.
      Die USA und Europa haben China unnötigerweise (Pelosi-Besuch in Taiwan) entfremdet, während sie gleichzeitig versuchen, Russland zu sanktionieren, wodurch sichergestellt wird, dass die Sanktionen keine nennenswerten Auswirkungen auf Russland haben, während sowohl Russland als auch China unabhängiger vom Westen werden.
      Der beispiellose Schritt des Westens, Russland SWIFT zu verbieten und seine US-Dollar-Reserven einzufrieren, wird in der nicht-westlichen Welt einen globalen Schritt zur Entdollarisierung auslösen und der Euro befindet sich seit März in einer Abwärtsspirale, welche wir auch bei unserer Inflation bemerken. Saudi-Arabien liefert Öl nach China in Renminbi.
      Hinzu kommt, dass wenn Russland (und China) beschließen, Lieferungen anderer Rohstoffe zurückzuhalten, um sich für die Sanktionen Europas gegen sie zu rächen, wird die Situation für die gesamte westliche Welt schlimm, da China und Russland die Versorgung mit so vielen wichtigen Rohstoffen dominieren, siehe:
      Weizen, Sonnenblumenöl, Diamanten, Düngemittel, Aluminium, Magnesium, Nickel, Schwefel, Titan, Vanadium, Tellur, Kobalt, Germanium, Gallium, Wolfram, Neon, seltene Erden, Platin, Palladium, Kalk, Blei, Zinn, Molybdän, Silizium , Lithium, Graphit, Flussspat, Tonerde und viele mehr

      Selbstverständlich hat auch Russland Probleme und dies schon seit Jahren in vielen Bereichen hat. Die Probleme mit der militärischen Drohnentechnik sind seid mindestens Mai eigentlich bekannt. Hier zeigt sich, dass die Rüstungsausgaben von RF sich in den letzten Jahren zu sehr auf deren Entwicklung von Hyperschallraketen konzentriert hatten und deshalb Gelder für andere damals unterschätzte Bereiche fehlten. Und auch die Problemen in anderen Bereichen der russischen Industrie mit der Herstellung fehlender europäischer Produkte, ist ein Problem, was über neue wahrscheinlich asiatische Anbieter gelöst wird. Die Wirtschaft laut BIP wird in RF wohl nur um 3% zurück gehen, also bei den Versprechungen unserer Politiker über die Auswirkungen der Sanktionspolitik nur unerheblich und soll bereits ab Mitte 2023 laut WWF wieder dieses alte Niveau erreicht haben. Da sehen die Prognosen des WWF für Europa nicht so positiv aus.

      Aber eigentlich sind mir die Probleme von Russland egal, ich habe Angst, was heute mit Europa passiert. Über diese Probleme sprechen auch viele deutsche Industriegrößen, z.B. Folker Hellmeyer, ehemaliger Landesbanker und momentaner Chefvolkswirt der Netfonds AG. In diesem recht aktuellen Interview geführt von Herrn Friedrich spricht Herr Hellmeyer diese riesigen Probleme sehr deutlich an. Und Folker Hellmeyer gilt nicht als „Propagandist für Putin“ sondern als guter Wirtschaftsanalyst. Siehe https://www.youtube.com/watch?v=hnN7KcYXjUo .

      1. 👍! Hallo@Oskar: Trotzdem sollten uns die Sorgen Russlands nicht gleichgültig sein. Russland gehört zu Europa, und Europa kann es nur gut gehen, wenn es allen seinen Teilen einigermaßen gleichgut geht. Wer mir weitaus gleichgültiger ist als Russland, sind die „Politiker“ der Ampelkoalition, denen ich genau das wünsche, was sie verdienen, und vielleicht sogar noch ein bißchen mehr. Das gilt ebenso für die Merz-CDU, der ich auch beim besten Willen nichts abgewinnen kann. Die US-Amerikaner sind in ihrem eigenen Netz von NSA bis Pentagon gefangen. Deren MSM sind aber immer noch besser als die deutschen.
        Im „Rest“ der Welt (also über 80%) verlieren wir von Tag zu Tag mehr. Interessant dazu der Weckruf bei German-Foreign-Policy vom Tage zu Katar. Die groteske Dummheit und Borniertheit unserer linksgrünen Politikenden und Medien-Okkupanten ist unerträglich.
        Gruß Nordlandreisender alias K.D

  9. Der war gut. Die Legitimation von Verstößen gegen das Völkerrecht und die Unterstützung von Angriffskriegen/Kriegsverbrechen der USA und der NATO war noch in keinem der „meisten demokratischen Länder“
    verboten, auch wenn Millionen ins Gras gebissen haben. Naja, waren ja bloss Neger und Kameltreiber, wa?

  10. Zu venice12 „Wie die Zukunft aussehen soll, läßt sich mühelos an der ukrainischen Regierungstheorie und -praxis ablesen“:
    Zumindest wird einiges an Risiko offensichtlich in Kauf genommen.
    Ich finde, man kann nicht genug vor der Terrorgefahr, die zukünftig aus der Ukraine u. a. durch die Vernetzung Asows mit der westlichen Neonazi-Szene zu erwarten ist, warnen.

    https://news.italy24.press/local/207829.html
    Zitat:
    „Order of Hagal, is the name of the neo-Nazi organization which ended up at the center of media attention after the arrest, on November 15, of four of its members by the Italian police. The investigation began in 2019 when authorities suspected neo-Nazi groups of planning acts of terrorism in Italy. Today, arrested members of the Order of Hagal were impeached for the planning terrorist attacks against civilian and police targets. The authorities have collected numerous pieces of evidence against the organization and its members, such as Nazi propaganda materials, weapons, tactical clothing, but also telephone tapping between members of the group. Police determined that Hagal’s Order has tightened relations with the Azov battalionas with other extremist and neo-Nazi components, and one of the accused is currently in Ukraine fighting right alongside Azov.“

    Im Vergleich dazu „harmlos“: Vor dem Vortrag von Gabrielle Krone-Schmalz in Köln gab es soviel Druck auf die Kirchengemeinde, die den Saal zur Verfügung stellte, dass deren Hausmeister große Angst bekam, es würde während der Veranstaltung „etwas passieren“.

    1. …man kann hier im Prinzip Vergleiche ziehen zum Aufbau und zur Inanspruchnahme von Terror-Regimes in Süd-und Mittelamerika oder auch im pazifischen Raum oder der Karibik oder Afrika.

      Das Gewaltpotential muss nicht genauso gewaltig sein (etwa 300.000 Tote in Guatemala), es reicht der Einschüchterungsgestus für demokrat. Binnenbewegungen.

      Ulrich Heyden hat dazu ein Interview:

      „Larissa Schessler ist Vorsitzende der „Union der politischen Flüchtlinge und politischen Gefangenen“ in der Ukraine und von Beruf Ingenieurin. Sie lebte in der südukrainischen Stadt Nikolajew. 2014 emigrierte sie nach Russland, weil in der Ukraine ein Strafverfahren gegen sie eingeleitet worden war. Schessler hatte sich in Nikolajew zusammen mit anderen Aktivisten für die Föderalisierung der Ukraine und mehr Rechte für die russischsprachigen Regionen im Südosten der Ukraine eingesetzt. Im Interview, das Ulrich Heyden in Moskau mit ihr führte, berichtet Schessler, was seit 2014 aus den oppositionellen Bewegungen in der Ukraine geworden ist. “

      https://www.nachdenkseiten.de/?p=91091

      (Mir fehlt hier etwas der weitere Blick um das besser einzuordnen. Und auch die Superlative die in UKR/RU ständig von allen bemüht werden – unter „totaler Diktatur“ geht es eigentlich nie – sind nicht hilfreich, aber das nur als Randanmerkung.)

      Es wird fatale Auwirkungen haben, wenn man hier nicht begreift fast sich dort zusammenbraut.

      Statt Leute wie Heyden oder Krone-Schmalz zu suspendieren oder zu diffamieren müsste für dergleichen ein Forum entstehen.

      2014 war sogar noch Panorama in der ARD zu etwas KRitik in der Lage:

      „Putsch in Kiew: Welche Rolle spielen die Faschisten?
      von Nils Casjens, Polina Davidenko, Johannes Edelhoff, John Goetz & Johannes Jolmes“

      https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Putsch-in-Kiew-Welche-Rolle-spielen-die-Faschisten,ukraine357.html

  11. „2014 war sogar noch Panorama in der ARD zu etwas KRitik in der Lage“

    Tempi passati. Deutschsprachig fände man das allenfalls noch auf Servus TV in einer Talkshow. Und selbst da tut sich ein Christian Wehrschütz, der seinerzeit in der Ostukraine unterwegs war, schwer, sich gegen die Angriffe als Putinversteher zur Wehr zu setzen.

    Wo wir jetzt stehen, kann man gut am heutigen Programm des von ZDF INFO(!) ablesen: von 18:45 bis 0:45
    nonstop „Rückkehr der Angst – NATO, Russland und die Aufrüstung“ über „Putin – der gefährliche Despot“, „Putins Propagandamaschine“, „Russland, Putin und die Oligarchen“, „Undercover in Belarus – Protest, Propaganda und Putins Einfluß“ bis „Im Schatten Russlands“.

    Da fühlt man sich doch gleich rundum allseitig INFOrmiert.

    Ein Psychiater würde da womöglich eine Zwangsneurose diagnostizieren. Aber das hilft uns leider nicht weiter. Wie wäre es mit Beschwerdebriefen an die Verantwortlichen? Und wenn sich auch nichts ändert – man hätte sich wenigstens abreagiert.

    1. ja, das mit dem Psychiater hilft nicht. Die Sache ist endemisch geworden.

      Siehe z.B. die betrübliche Feststellung von RT:

      „Dmitry Trenin: A confession from Putin suggests that the Ukraine conflict could last for years“

      https://natyliesbaldwin.com/2022/12/dmitry-trenin-a-confession-from-putin-suggests-that-the-ukraine-conflict-could-last-for-years/

      Man hat sich bei uns bereits eingerichtet. Die Russen haben das spätestens jetzt eingesehen.

      Um im Apparat etwas zu bewegen wird mindestens 10 Jahre dauern.

      Langer Atem wie dereinst bei Vietnam-Protesten ist gefragt.

      1. „…. the Ukraine conflict could last for years“

        Sollte das eintreffen, hat sich Europa mit seiner anhaltenden Feindseligkeit nicht nur Russland, sondern auch China gegenüber bis dahin wirtschaftlich selbst erledigt.

  12. Zu xyz „Statt Leute wie Heyden oder Krone-Schmalz zu suspendieren oder zu diffamieren müsste für dergleichen ein Forum entstehen.“
    Wie wär’s damit, statt ewigem „müsste“ endlich mal anzufangen, konkret etwas zu machen?

    Als Rolf Mützenich kürzlich unter Druck geriet und auch persönlich bedroht wurde, bat er die Friedensbewegung um Unterstützung und meinte, LESERBRIEFE IN REICHWEITENSTARKEN MEDIEN wären sinnvoll (muss man wohl vorsichtig formulieren, damit sie an der Zensur vorbei kommen).

    Zitat aus dem heutigen Newsfeed der DFG-VK:
    „Anfang November hatten wir dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich aus Köln unsere Solidarität ausgedrückt, da er wegen seines Drängens auf eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts bedrängt und kritisiert wurde.
    Inzwischen hat Rolf Mützenich geantwortet, bedankt sich und schreibt:
    „… Ihre Unterstützung und Rückkopplung sind mir in dieser schwierigen Zeit sehr viel wert. Ich bin überzeugt, dass der Krieg in der Ukraine am Ende nicht auf dem Schlachtfeld sondern durch Verhandlungen beendet wird …“

    Ansonsten könnte ich – falls hier Interesse bestünde – gern posten, was ich an Terminen in NRW und BRD mitbekomme, bei denen JEDER TEILNEHMER ZÄHLT, z. B. aktuell bei Doku und begleitender Installation für Julian Assange.
    Doch besteht hier Interesse? – Nein.
    Hier im Forum herrschte z.B. hochintellektuelles Nörgeln über Nörvenich vor, wohingegen ich blöde Tusse in Nörvenich menschliche Kontakte zu verschiedenen, insbesondere sehr jungen Menschen fand, die mein Leben seitdem bereichern.
    Ihnen und auch der Friedensbewegung gegenüber betone ich seitdem immer, dass ich nur Gast bin und viele Ansichten nicht teile – doch ich lasse mich gern „anstecken“ von jungen Menschen, die z. B. sagen: „Wir werden kämpfen und verlieren, wieder aufstehen und weiterkämpfen, wieder verlieren usw., aber jedes Mal mit mehr Erfahrung (…)“

    1. @ Sabine Schulz

      ich schreibe Leserbriefe. Halt nicht als xyz .

      Meine erste Aktion waren direkte Briefe an mehrere Leute von DIE LINKE Ende Februar, als ich noch nicht begriffen hatte wie tief die Deformation des polit. Apparats eigentlich geht.

      Ich würde gerne polit. organisieren oder meine Aktionen realisieren, weiß aber aus meiner Studentenzeit, dass es da wie bei Schwangerschaften ist: ein bisschen gibts nicht. Entweder ganz oder gar nicht.

      Und der Zeitaufwand – wäre – enorm.

      Mir fehlt diese Zeit. Man kann ja nicht nach 2 Wochen aussteigen. Davon hat keiner was.

      Ich schaffe es also lediglich auf niedriger Flamme hier und da Briefe zu schreiben o.ä.

      wäre ich noch jung und vernetzt sähe das bei mir alles vielleicht anders aus (auch wenn in meinem Berufsfeld offene politische Bekenntnisse, schon immer, riskant waren.)

      1. @xyz
        Super, dass Sie Leserbriefe schreiben!
        Was für Erfahrungen machen Sie dabei?

        Zu „Ich würde gerne polit. organisieren oder meine Aktionen realisieren, weiß aber aus meiner Studentenzeit, dass es da wie bei Schwangerschaften ist: ein bisschen gibts nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Und der Zeitaufwand – wäre – enorm.“:
        Warum?
        Man kann sich doch auch z. B. 1-2mal im Monat an Aktivitäten beteiligen, die andere Leute bereits organisieren. Dort läuft dann eben nicht alles inhaltlich haargenau so, wie man selbst denkt, aber dazu kann man ja seine Meinung einbringen.
        Habe damit gerade erst angefangen und merke zu meinem Erstaunen, wie gut es mir tut, z. B. nach einer Demo, einer Veranstaltung, einem Gruppentreffen auch mit Menschen, die manches anders sehen (z. B. junge Reiselustige des Schwarzen Blocks) bis tief in die Nacht bei gutem oder auch sehr billigem Wein zu diskutieren und vor allem zusammen zu lachen über die ganze Schei…. – denn eigentlich wollen wir ja das Gleiche.
        Hier im Overton-Forum ist es sehr humorlos…..
        oskarwagenrecht hat mir geschrieben, es sei meine Schuld gewesen, dass es für Ihr Kollektiv-Projekt wenig Interesse gab.
        Hatte ich mir ja schon gedacht.

        Jedenfalls glaube ich, all die Zeit, die Foristen hier mit schriftlichem Jammern in kollektiver Empörung verbringen, könnte besser investiert werden.
        Ich überlege auch, inwieweit Alternativmedien dadurch eine affirmative Funktion bekommen.

        1. @Sabine Schulz

          Die Leserbriefe sind emails. Früher waren es Briefe. Vielleicht macht das einen Unterschied.
          Und vielleicht wird deshalb nicht geantwortet.

          Allerdings erwarte ich auch keine Antwort.
          (Natürlich mit der Ausnahme der typischen normatierten Antworten „tut uns leid …Überlastung“ usw.)

          Allerdings sind fehlende Reaktionen auch online bei Blogs zu beobachten.

          Die Einzigen die mir wirklich geantwortet hatten war das sozialistische Monthly Review in den USA.

          Chomsky antwortet z.B. auch nicht mehr wie früher, hat es an seine Tochter oder Enkelin delegiert. Hier sind schlicht zu viele Anfragen.

          Dasselbe gilt für Democracy Now oder Scheerpost.

          Viele antworten nicht auf emails „Fremder“ weil es spam sein könnte oder sonst was.
          Oft kommt die Nachricht deshalb auch nicht dort an wo intendiert.

          Dazu kommt die zunehmen Privatisierung und Fragmentierung von Leserschaften, siehe Subtack, wo nur kommentieren kann, wer z.B. ein Abo zahlt.

          Leute wie Gordon Hahn, Natylie Baldwin, Craig Murray oder die Nachdenkseiten antworten.

          Ich sitze an einer mail an Aaron Maté und useful idiots damit sie ein Gespräch mit Ted Postol zur Gefahr der NATO anleiern.

          Ein sehr wichtiger Punkt, der von Linken selten bis gar nicht substanziell bantwortet werden kann.

          Großes Problem.

          Denn auf meine persönlichen Anfragen hat Postol nicht reagiert. Aber ich vermute er hat die mails auch nie erhalten.

          Mal sehen.

          Den Tageszeitungen in D klassische Briefe zu schreiben, so wie vor dem Krieg, hab ich fürs Erste mir erspart.

          Ich sah keinen Sinn im vereinzelten Schwalben-Dasein. An Mützenich hatte ich jetzt nicht gedacht. Und die Zeit fehlte.

          Ich habe es mir aber auch verkniffen unter Klarnamen in deutschen online-Foren etwa der SZ, oder DER LINKEN oder FREITAG zu kommentieren und zu diskutieren.

          Es ist zu riskant. Ich weiß nicht wer noch mitliest und sich seinen Teil denkt und mich das an völlig anderer Stelle spüren lässt, wo es „weh tut“.

          Ich hatte mal bei THE NATION und JACOBIN einige Streitereien im Forum geführt. Es war fürchterlich.

          Twitter benutz ich nicht.

          d.h. insgesamt gilt paradoxerweise: Der „Blasencharakter“ erschwert im Zeitalter der Kommunikation die Kommunikation weil es zu viel Kommunikation gibt.

          Aber meine Erfahrungen sind natürlich total individuell.

          Ich werde versuchen den Redaktionen der einzelnen dt. Plattformen zu schreiben und anzuregen, dass sie sich zu einer informellen, aber öffentlich sichtbaren Allianz zuammenschließen.

          Sichtbarkeit so einer Initiative wäre extrem wichtig.

          Die einzige Zeitung die man zu einer Teilnahme auffordern könnte, ist wahrsch. die junge Welt.

          Aber im Moment ist das noch Theorie.
          Emails zu schreiben dauert ja.

          Vielleicht haben Sie Vorschläge.

          (In diesem Rahmen könnten sie z.B. ihre Recherchen zu den rechten Kinderlagern breiteren Gruppen zur Verfügung stellen. bzw. es wäre ein Anlass solche Recherchen ggf. auszuformulieren. Falls nicht eh schon geschehen.)

          Dass Sie schuld tragen an irgendwas kann ich nicht beurteilen, wage ich aber zu bezweifeln.

          Ich hab ja selber keine weitere Initiative ergriffen. Und das war ausschließlich meine Entscheidung. Und ebenso könnte jeder andere hier eine Initiative wagen.
          Aber auch das setzt ein Privileg voraus (Zeit) das nicht selbstverständlich ist.

          Aber einen heißen Protest-Herbst oder Winter oder Frühling wird es nicht geben.

          Dazu sind die oberen 50% in der BRD immer noch zu wohlhabend.
          Und die unteren 50% haben noch keine polit. Stimme.

          Aber ohne ein Sprachrohr wird sich diese Stimme natürlich auch nicht finden.

          1. @xyz
            Danke für „Und das war ausschließlich meine Entscheidung.“ (hatte überlegt, ob ich auch daran schuld bin).

            Zu „Ich sitze an einer mail an Aaron Maté und useful idiots damit sie ein Gespräch mit Ted Postol zur Gefahr der NATO anleiern.“:
            Nur für den Fall, dass noch nicht bekannt: Die deutsche Übersetzung eines sehr ausführlichen Gesprächs Ende März zwischen Ted Postol und Robert Scheer „Nuklearkrieg mit Russland?“ findet sich auf seniora.org

            Zu „Vielleicht haben Sie Vorschläge.“:
            Da es eine Richtungsdebatte innerhalb des linken Friedensspektrums zwischen Anpassung und entschiedener Ablehnung aller militärischer Unterstützung für die Ukraine + Ablehnung aller Wirtschaftssanktionen gibt, scheint, um Letztere zu unterstützen, jetzt jede Meinungsäußerung wichtig zu sein.
            Wie wär’s mit Briefchen bzw. Mail z. B. an die DFG-VK, die darin anscheinend je nach Ortgruppe unschlüssig/gespalten ist?
            Oder mit Rückmeldung an die anscheinend jetzt auf Anpassung gebürsteten Attacies, Friedenkooperative usw.?

            Argument aus einer DFG-Gruppe: Wer faktisch kaum was anderes als die Regierung will, braucht sich nicht wundern, wenn zur Demo nur Hundert kommen statt Hunderttausend wie in Italien, wo 2 klare Forderungen aufgestellt wurden: 1. Sofortige Einstellung aller Waffenlieferungen an die Ukraine, 2. Ausstieg aus den Russland-Sanktionen.

            Zu „(In diesem Rahmen könnten sie z.B. ihre Recherchen zu den rechten Kinderlagern (…)“:
            Habe ich erstmal abgebrochen, als ich auch bei der geschichtlichen Dimension, die wesentlich ist – denn sonst gäbe es heute in der Ukraine nicht so breite Sympathie für die OUN als Nationalhelden und Vorbilder für die Kinder – merkte, dass es mir aus biografischen Gründen einfach zu nahe geht.

            Zu „Und die unteren 50% haben noch keine polit. Stimme. Aber ohne ein Sprachrohr wird sich diese Stimme natürlich auch nicht finden.“:
            Stimmt.
            Doch ich erlebe auch z. B.: Letzte Woche im Krankenhaus brachte eine seit Jahrzehnten schwerkranke, schmerzgeplagte 85-Jährige, die auf eine weitere Amputation wartete, aufgrund ihres allabendlichen Fernsehkonsums von sich aus das Thema Sozialpolitik auf und rief „Man müsste jetzt auf die Straße gehen! Würde ich sofort machen, wenn ich könnte – nicht für mich, aber für andere, das kann ja so nicht weitergehen…“
            Soviel zum täglichen Refrain hier im Forum „Die MSM-Konsumenten sind alles dumme Schafe“.

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