
Die Wut über Little Italy und der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani.
Little Italy reichte einmal von der Our Lady of Pompeii-Kirche im West Village bis zu den Mietskasernen der Lower East Side, wo jüdische Einwanderer lebten. Als die Italiener kamen, das fing so um 1880 an, nach der Erfindung der Dampfschifffahrt, stießen sie auf irische Einwanderer, die ihr Revier verteidigten.
Es gab Schlägereien und Bandenkriege zwischen irischen und italienischen Gangs, um Löhne, um Jobs bei den Docks und Fabriken und um politischen Einfluss, ähnlich wie Jahrzehnte zuvor sich Iren und Engländer auf den Straßen bekriegt hatten. Derweil zogen deutsche Immigranten bereits aus der Stadt weg und weiter in den Westen, zu den neuen großen Farmen in Minnesota und Wisconsin.
Die Italiener — und vor allem die Sizilianer — brachten die Mafia mit. Andere waren linke Revoluzzer, wie die Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die nach einem Banküberfall zu Tode verurteilt wurden — rassistisches Unrecht, sagten viele. Damals galten Italiener und Juden nicht als weiß, und Iren nur so halbwegs.
Der Strom der italienischen und vor allem jüdischen Immigranten schwoll nach dem Ersten Weltkrieg mit den Fluchtwellen aus Polen und Russland noch an. Der riss erst 1924 ab, als der Kongress den „Immigration Act“ verabschiedete, der erstmals in der Geschichte der USA Immigration aus Europa begrenzte und strenge Quoten festlegte, hohe für Deutsche und Engländer, knappe für Italiener und noch knappere für Juden.
Damit fing Little Italy an, kleiner zu werden. Noch wuchsen berühmte Italo-Amerikaner dort auf, wie Martin Scorsese, aber bald zogen die Italiener weg, nach Staten Island, New Jersey, Massachusetts, Florida, Kalifornien. Auch die Iren verließen die Stadt. Heute sind alte irische Stadtteile wie Hell’s Kitchen gentrifiziert, irische Kneipen sind über das Stadtgebiet verteilt. Mit mexikanischen Kellnern. Das letzte irische Viertel, Woodlawn, ist schon halb in Westchester über der Grenze.
Orthodoxe Juden zogen nach Brooklyn, säkulare Einwanderer wie Henry Kissinger in den Norden von Manhattan. Washington Heights hatte nach dem Zweiten Weltkrieg den Spitznamen „The Fourth Reich“. Nun kamen neue Immigranten, aus Korea, China, Taiwan, Vietnam, Haiti, der Dominikanischen Republik und anderen Karibik-Inseln; Mexiko, Venezuela, El Salvador, der Westbank und Indien. Italiener waren nun nicht mehr Anarchisten, sondern verehrten den Indianerschlächter Christoph Columbus und Benito Mussolini und wählten Republikaner wie Rudy Giuliani.
Heute besteht Little Italy nur noch aus einer einzigen Straße, die Mulberry Street, eine Handvoll Restaurants mit mexikanischen Kellnern; ein Italo-Disneyland, umgeben von Chinatown. Wenn es nicht eine Vereinbarung geben würde, freie Läden bevorzugt an italienische Gastronomie zu vermieten, wäre es schon geschluckt. Es ist bei Einheimischen in Vergessenheit geraten und wird als Touristenfalle gemieden.
Dachte man; bis Zohran Mamdani, unser halbwegs neuer, indischstämmiger, in Uganda geborener muslimischer Bürgermeister eine Karte für Touristen herausgab. Darauf waren allerlei ethnische Enklaven abgebildet, Little Palestine, Little Yemen, Little Egypt, Little Senegal, Koreatown und Little India. Little Italy war nicht dabei.
Es ist keine historische Karte, sondern eine Karte von Vierteln, wo heute tatsächlich Einwanderer leben, die noch den Pass ihrer Heimat in der Tasche haben. Denn heute kommen nicht mehr Europäer in Dampfschiffmassen. Die Einwanderer des 21. Jahrhundert sind andere, die erfolgreichsten davon übrigens Inder, wie Mamdani.
Gleichviel, eine riesige Welle des Zorns brach über Mamdani herein. Verräter! Schlange! Muslim! Volksumtauscher! An die Spitze stellten sich eine Handvoll republikanische Lokalpolitiker in New Jersey und im suburbanen Staten Island, wo Italiener und Iren noch substantielle Mehrheiten haben und dessen Präsident Vito Fosella meinte, Puerto Ricaner seien Einwanderer (sie sind Amerikaner seit 1917).
„We go to the mattresses“, riefen die Italiener, eine Kriegsansage nach dem Film The Godfather. Italiener (und vielleicht noch die Iren) hätten New York City gebaut; die Wolkenkratzer, die Brücken, die Stadtquartiere. Na, nicht so ganz, Wolkenkratzer wurden von Arbeitern vom Stamm der Mohawk errichtet, die schwindelfrei sind.
Deutsche errichteten die Brooklyn Bridge und zahllose Kirchen, Museen und Büchereien; Iren und Skandinavier waren im Bau beschäftigt, und natürlich waren auch Afro-Amerikaner beteiligt, die die Mauer der Wall Street hochzogen, das erste Rathaus und die Docks. Die Italiener eröffneten derweil Restaurants.
Gerne hätten die Italiener nun einen Aufstand aller vernachlässigten Weißen veranstaltet, mit sich selber an der Spitze. Wobei die Juden mit „Little Odessa“ in Brighton Beach noch auf der Karte verzeichnet sind und auch wirklich nicht wild darauf sind, dass glotzende Touristen Bustouren durch Quartiere voller Schwarzhüte unternehmen. Und die Iren, wie gesagt, sind in der Stadt aufgegangen.
Aber es geht auch ohne. Die Italo-Amerikaner veranstalteten einen spontanen Aufruhr wie eine italienische Fußballmannschaft, die versehentlich Ballberührung hatte. Auf allen Plattformen wurde Mamdani beschimpft und bedroht, vor allem mit der Mafia, die ihm einen Hit Job verpassen solle, aus dem Hinterhalt erschießen, einen toten Pferdekopf ins Bett legen, oder ein Angebot machen, dass er nicht verweigern könne.
Das ist erstaunlich, denn bis vorgestern galt es noch als ein italianophobes Klischee, Italo-Amerikanern zu unterstellen, sie hätten was mit der Mafia zu tun. Einige wollen den braunen Muslim gar deportieren. Offenbar haben Italo-Amerikaner vergessen, dass ihre Vorfahren ähnlich behandelt wurden; als Katholiken beargwöhnt, nicht-weiß gelabelt, als Gangster angefeindet, als Mafiosi denunziert und gelegentlich deportiert, wie etwa der Gangster Lucky Luciano oder der Finanzgauner Charles Ponzi.
Natürlich kommt diese Wut nicht aus dem Nichts. Mamdani steht unter Beschuss von Republikanern und der Murdoch-Presse, seit er sein Amt angetreten hat. Die halten ihm tagtäglich jede lächerliche Kleinigkeit vor — meist, dass er seine Wahlsprechen nicht übermorgen umsetzt, und mehr noch, dass er sie tatsächlich umsetzt.
Er hat die (preisgebundenen) Altbaumieten in New York für zwei Jahre eingefroren, das brachte die Hausbesitzer auf die Barrikaden. Und er will von Millionären mit Zweitwohnsitz eine Sondersteuer kassieren. Den Haushalt hat er saniert und die Kriminalitätsrate gesenkt. Gerade das bringt die Republikaner so in Wut: Dass er erfolgreich ist und dass er die progressive Linke in Amerika stärkt.
In New York lieg seine Popularitätsrate bei 56 Prozent, New Yorker Juden mögen ihn lieber als Bibi Netanyahu. Kein großes Kunststück, aber immerhin. Auch den Ärger um die Karte hat er binnen Stunden abgebogen. Es werde eine Neuauflage mit Little Italy geben, klar. Und mit Little Ireland. Ich vermute mal, er meint Woodlawn. Die eine Hälfte der Italiener feierte das als superschnellen Sieg, die andere waren so im Schwung, ihre Mafiafantasien auszuleben, dass sie einfach weitermachten.
Das erstaunlichste bei den wütenden Italienern ist aber zu beobachten, wie 150 Jahre Assimilation auseinanderfallen über eine Papierkarte. Gerade waren sie noch alle Amerikaner, hier geboren und echte Einheimische; Stunden später führen sie sich auf, als seien sie gestern vom Boot gehopst und müssten die Ehre von Michael Corleone verteidigen. Irgendwas ist mit dem Melting Pot gewaltig schiefgelaufen.
Was aber Mamdani und die Italiener angeht, vielleicht könnte er auf dem Times Square eine Statue von Luigi Mangione errichten? Das ist derzeit der beliebteste Italo-Amerikaner im Lande und ich denke, italienische Republikaner werden sich freuen.




Ein Bericht über Italiener in den USA in den der Italian Stallion nicht vorkommt, kann ja gar nichts taugen. Ist das hier irgend so eine pornofeindliche Seite?
Nun ja, da ist ja noch deutlich mehr. :Beispielsweise, wie es auf dem Times Sqare aussieht:
https://x.com/MatrixMysteries/status/2075949030392422450
Hieraus folgend natürlich das:
https://x.com/ScheibeFred/status/2077516954693214661
All das verschweigt uns Eva natürlich. Das zu erwähnen, würde den Ausschluss aus ihrer Blase bedeuten. Geht nicht.
Ich sag mal so: wenn hier der Versuch einer muslimischen Machtübernahmre gesehen wird, dann ist das nicht rechts. Das ist objektiv richtig.
In „Little Italy“ gab es schon vor 25 Jahren außer ein paar italienischen Traditions-Restaurants für die Touristen vor allem Asiaten …