
Zur Zusammenstellung der Artikel, Dichtungen und Reden von Kurt Eisner.
Kurt Eisner (1867-1919) zählte zur kleinen Schar jener demokratischen Sozialisten in Deutschland, die sich während des ersten Weltkrieges nicht der militärischen Heilslehre und dem Obrigkeitsstaat unterwarfen. Trotz Sabotage der systemhörigen bayerischen Mehrheits-SPD (sowie der mit dieser verbandelten Gewerkschaftsfunktionäre) konnte er mit seinen Gefährtinnen und Gefährten im Januar 1918 den Antikriegs-Streik der Münchener Munitionsarbeiter auf den Weg bringen. Die Staatsmacht steckte ihn sodann fast neun Monate als „Vaterlandsverräter“ ins Gefängnis.
Im November des gleichen Jahres wollte die Spitze der weithin militär-affinen bayerischen Mehrheits-SPD, die jetzt noch enger mit der Staatsregierung und deren Sicherheitsapparat konspirierte, auch eine leibhaftige Revolution von unten vereiteln. Doch die „Unabhängigen“ der USPD-Minderheit obsiegten – mit Hilfe vor allem der Soldaten, die des Massenmordens und Massensterbens müde waren. Der Aufstand für den Frieden war überreif. Kurt Eisner wurde erster Ministerpräsident des von ihm am 7./8. November 1918 ausgerufenen Freistaates Bayern. Kein Tropfen Blut war – unter seiner Leitung – für die erste Demokratie in deutschen Landen vergossen worden. Eisner glaubte nicht an eine „Linke“, die die Gewaltpraxis der Herrschenden übernimmt und sich nach deren Art auf’s Totmachen von Menschen verlegt.
Er war – trotz anderslautender Zuschreibungen – kein „Revisionist“, sondern wollte das aggressive Wirtschaftssystem des Kapitalismus überwinden (statt es nur durch „Reformen“ zu zähmen). Doch geliefert wurde von seiner Revolutionsregierung – im Verein mit den bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräten – auch sofort. Ab dem 12. November 1918 galten in Bayern das Frauenwahlrecht und der – dieser Tage von den hiesigen Polit-Akteuren des Kapitals erneut bedrohte – Achtstundentag. Somit war bewiesen, dass ein „Sozialismus als Aktion“ über Nacht Wunder wahr werden lassen kann …
Auf vielen Feldern könnte eine Beschäftigung mit Eisner heute auf Linke antidepressiv und inspirierend wirken. Ihm gelang das Zusammenspiel mit der jungen Generation. Sein Votum für einen antiautoritären Sozialismus bedeutete an keiner Stelle eine Aufweichung des Klassenstandpunkts und zeichnete sich u.a. durch einen ausgeprägten Sinn für die kulturellen Dimensionen des Ringens um eine andere Lebenswirklichkeit aus. Kompromisslos war seine Ablehnung von privilegierten Apparatschiks („Das Sein bestimmt das Bewusstsein!“), die besonders dort gedeihen, wo man den Realitätsbegriff der Herrschenden übernimmt und die zentrale Frage nach den politischen Subjekten ausblendet. Jene staatlich gut dotierten Ich-AG-Linken, die jüngst in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern den Bundesratsbeschluss zugunsten der neudeutschen Hochrüstung zur Weltkriegstauglichkeit ohne jede Not – in offener Verachtung für Parteiprogramm und Mitgliedermehrheit – mitgetragen haben, hätte er wohl kaum als Genossen/Genossinnen willkommen geheißen. Willige „Regierungs-Sozis“, die die Militärreligion der Reichen zulasten aller anderen Menschen mittragen, waren ihm leider schon allzu gut bekannt.
Zielscheibe der antipazifistischen Judenfeinde – auch in der SPD
Dass Kurt Eisner als Ministerpräsident wie kein anderer die Meinungsfreiheit seiner Gegner verteidigte, wurde ihm schlecht gedankt. Alle, die ihre Machtprivilegien und ihre ungerechten Besitzansprüche bedroht sahen, liebten Kurt Eisner nicht. Doch Todfeinde hat er sich vor allem gemacht durch seine Fundamentalkritik am deutschen Militarismus, die Entlarvung der Kriegslügen des Systems und die Aufklärung über die Kriegsschuld der Machthaber im eigenen Land.
Schon Anfang 1918, als Eisner persönlich glücklich war und das Leben wohl mehr liebte als in jungen Jahren, gab es eine Ahnung, dass sein pazifistischer Widerstand unter Umständen lebensgefährlich sein könnte. Während die Mehrheit weiter feige mit den Kriegswölfen heulte, war sein Mut dadurch aber nicht angefochten.
Der völkisch-antisemitische Reserveleutnant Anton Graf von Arco auf Valley (1897-1945, mütterlicherseits jüdische Vorfahren) hat Kurt Eisner am 21. Februar 1919 auf offener Straße ermordet. Vorausgegangen war eine unvorstellbare Hetze der Presse, an welcher der sozialdemokratische „Vorwärts“, die bürgerlichen Zeitungen und rechtsextreme Blätter gleichermaßen beteiligt waren. Der heimliche Konsens lautete: Friedensphilosophie und Internationalismus sind undeutsche, genauer noch: jüdische Geistesgewächse. Deshalb musste Eisner einigen Redaktionen zufolge natürlich in Wirklichkeit „Salomon Kuschinski“ o.ä. heißen …
Ja, es haben auch Akteure der M-SPD (bis hin zur bayerischen Spitze) im Rahmen der besagten Kampagne jene antipazifistische (und anti-intellektuelle) Judenfeindlichkeit unter Beweis gestellt, die dann auch als ein Grundzug im gesamten Komplex der Dolchstoß-Legende aufzuweisen ist. Schon 1916 waren nonkonformistische Sozialdemokraten mit Friedensgesinnung in der SPD-Reichstagsfraktion von rechten Genossen als „Judenbande“ und „Judenjungen“ tituliert worden.
„… der glänzende Journalist und streitbare Sozialist“
Mit dem Pressewesen, das ihn attackierte, war Eisner bestens vertraut. Er hatte seit Zurückstellung seines nur unzureichend finanzierten Studiums „von der Pike auf“ als Journalist gelernt und gearbeitet (Universal-Correspondenz 1889; Depeschenbüro Herold 1890/91; Frankfurter Zeitung 1891-1893; Hessische Landeszeitung 1893-1898; Vorwärts 1898-1905; Fränkische Post 1907-1910; Münchener Post 1910-1917, hier zuletzt nur im Kulturressort). Der Historiker Volker Ullrich vermerkt: „Kurt Eisner, der glänzende Journalist und streitbare Sozialist, war einer der ganz Großen der deutschen Arbeiterbewegung und einer der wenigen hellsichtigen Politiker im späten Kaiserreich …“ Lange sah der eigensinnige Genosse das Unheil voraus, dass aus dem deutsch-preußischen Militarismus und Großmachtstreben erwachsen musste.
Dies immunisierte ihn leider nicht gegen alle Propagandakomplexe. Ab 1912 wurde die bayerische SPD über staatliche Kanäle auf die Erzählung „Der Russe lauert vor der Tür“ getrimmt. Man wusste in der Partei, wie man mittels „Geheimwissen“ auch Eisner mit den – in der Sozialdemokratie schon lange tradierten – Scheuklappen eines alsbald sehr nützlichen „Antizarismus“ versehen konnte.
Die SPD hatte jedoch ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem zweifellos profiliertesten Zeitungsmacher. Schon am Vorabend des Weltkrieges hatte dieser unter prekären Verhältnissen gearbeitet, was seinem Klassenstandpunkt auf Seiten der Besitzlosen entsprach. Doch da Eisner, der in den ersten Augusttagen 1914 die SPD-Parteilinie – samt Kriegskreditverteidigung – noch voll erfüllte, schnell zu seinem Antimilitarismus zurückfand, die regierungsamtliche Lüge („Russland greift uns an“) durchschaute und sich dann standhaft dem „Burgfrieden“ mit dem Kriegsstaat der Besitzenden verweigerte, verschlechterte sich seine Arbeitssituation noch weiter.
Die Zensur des Kriegsertüchtigungssystems (und der parteieigenen Presse) schlug zu: Die „Tatsache steht fest, dass unter der Zensur meine Schriften […], die ich während des Krieges geschrieben habe, seit dem Herbst 1914 nicht erscheinen konnten“ (siehe unten: Text 26). Als politischer Redakteur eines SPD-Organs kam Eisner nicht mehr in Frage. Auch sein Pressedienst „Arbeiter-Feuilleton“ (1909-1917), ein kultursozialistisches Pionierwerk auf hohem Niveau, wurde jetzt von der sozialdemokratischen Zielgruppe kaum noch genutzt.
Der „Schreiber wider den Krieg“ war kaltgestellt. Doch der Politiker Kurt Eisner, der Frauen, Männer und insbesondere auch die linke Jugend im Widerstand gegen die deutsche Militärdiktatur zusammenführte, legte jetzt erst richtig los. Ab dem 7. Dezember 1916 entwickelten sich in München die legendären Diskussionsabende im „Goldenen Anker“, die schon vor der USPD-Gründung als Keimzelle der bayerischen Revolte für den Frieden zu betrachten sind. – Eisners Freund Gustav Landauer wird dann im Dezember 1918 nachdrücklich betonen: „Man kann … von dem Ursprung dieser Revolution nicht sprechen, ohne von diesem Krieg und dem Ursprung dieses Krieges und von der Schuld an diesem Krieg zu sprechen.“
Kritik der Kriegsmedien und der intellektuellen Prostitution
Der Linkspazifist Kurt Eisner wollte politisch handeln und die Vielen, denen er eigenes Verständnis zutraute, aufwecken, ermutigen. Als Dichter, Journalist, Feuilletonist und Satiriker hat er aber eben auch mit der Feder meisterhaft wider den deutschen Militarismus gestritten. Zu selten wird seine – über Jahrzehnte bewährte – Kritik der Kriegsmedien hervorgehoben: seine Überzeugung, dass gerade auch „die bürgerliche verbrecherische Presse die Schuld hat an dem Kriege und der Verlängerung des Krieges“ (siehe unten Text 26). Am 30. November 1918 teilte er vor den bayerischen Soldatenräten mit: „Die Presse kann in einer gewissen Hinsicht froh sein, dass ich durch die gegenwärtig aufreibende Tätigkeit [als Ministerpräsident] verhindert bin, das große Buch fertig zu stellen über die Schandtaten der Presse, das ich im Gefängnis zur Vollendung bringen wollte, aber nicht konnte, weil man mich vorzeitig entlassen hat […] Heute halte ich meinen Kopf hin gegen die Presse. […] Ich will die Freiheit der Presse nicht antasten“ (s.u. Text 26).
Das „Große Buch“ über die Kriegstäterschaft jener Medien, die nach Plan eine sogenannte „öffentliche Meinung“ produzieren, bleibt uns also vorenthalten. Nachfolgend habe ich jedoch für Overton eine Dokumentation von 27 Texten Kurt Eisners (z.T. Auszüge) aus sehr unterschiedlichen Genres zusammengestellt, die uns mit der ihm eigenen antimilitaristischen Satire, mit seiner Sicht des journalistischen Handwerks und seiner scharfen Kritik der Presse-Apparatur als Waffengattung im Krieg vertraut machen können.
Die Prostitution – unter Preis – in den Redaktionsstuben hat Eisner schon im August 1911 drastisch zur Sprache gebracht: „Glücklich der Mann, der noch imstande ist, gegen seine Überzeugung zu schreiben! Er würde beweisen, dass er im tiefsten Innern eine eigene Überzeugung verborgen hält, während er vor der Welt seiner Auftraggeber erzählt, was sie zu hören wünschen.“ (Text 6)
In einem 1918 in der Gefängnishaft entstandenen Bühnentext wird von einem Zeitungshaus-Beschäftigten eine bittere Anklage vorgebracht: „Ihr [Zeitungsmacher] seid eine größere Plage für die Menschheit geworden als Krieg und Pestilenz zusammengenommen. Ich wiederhole: Nur in den Ländern können die Menschen noch richtig denken und fühlen und handeln, wo es mindestens 90 Prozent Analphabeten gibt. […] Dass die Flieger während all der [Kriegs-]Jahre niemals hierhergekommen sind und auf dieses [Zeitungs-]Haus zehn Tonnen Zyankali-Bomben geworfen haben. Das verzeihe ich unseren Feinden niemals. Sie sind wie ich, zu nichts Rechtem zu gebrauchen.“ (Text 22) – Nicht lesen zu können, das wäre somit unter bestimmten Umständen von Vorteil? Tatsächlich hat Eisner später auf einer USPD-Veranstaltung am 12.12.1918 mit Blick auf die Meinungsproduzenten gesagt: „Aber, Parteigenossen, Sie sollten aufhören, Zeitungen zu lesen.“ (Text 27)
In einer öffentlichen Erklärung (26.11.1918) des in den Medien durch freie Erfindungen verleumdeten Ministerpräsidenten steht das Bekenntnis: „Ich habe in den viereinhalb Kriegsjahren so viel Verachtung gegen diese Presse aufgehäuft, dass sie genügt, um mich für den Rest meines Lebens gegen jede Neigung zu festigen, auch nur polemisch mich mit ihr zu befassen.“ (Text 24) Die Redaktionen sollten nur ruhig so viel dummes Zeug schreiben, wie es ihrem geistigen Vermögen entspreche.
Am 30.11.1918 ergänzt Eisner: „Ich bewundere den Mut der Presse, den Mut ihrer Nichtsnutzigkeit. Meine Herren! Sie hätten keinen Journalisten als Ministerpräsidenten hereinsetzen sollen, der kennt den Schwindel […] Ich weiß wohl, was ich zu erwarten habe, wenn ich gegen diese Pest von Presse losgehe. Ich habe keinen Pardon zu erwarten, denn dieses Gesindel wehrt sich seiner eigenen Haut. […] Ich lese seit 3 Wochen keine Blätter mehr. Sie werden mir ab und zu gezeigt. Ich habe keine Zeit dazu. Dieser Press[e]-Alkoholismus, der benebelt nur die Leute, die unglücklichen Menschen, die diese Presse lesen, und ich bin in der glücklichen Lage, keine Zeitung zu halten; aber, wenn ich recht unterrichtet bin, soll dieser einstimmige Beschluss des Ministerrates in keinem Blatte mitgeteilt worden sein“ (Text 26).

Dreiteilige Eisner-Reihe der Schalom-Bibliothek
Leider zeichnet sich das in der nachfolgenden Dokumentation Dargebotene durch „bleibende Aktualität“ aus. Allen technologischen Neuerungen zum Trotz gibt es heute auch noch immer viele Entsprechungen zu den Strukturen der Kriegsmedienkomplexe vor über hundert Jahren. („Niemand hat so wenig Einfluss auf die Zeitung, wie die Leute, die sie schreiben und redigieren“; Text 9.)
Bei der Zusammenstellung der Artikel, Dichtungen und Reden greife ich zurück auf eine dreiteilige „Eisner-Reihe“ für die Schalom-Bibliothek zu „Pazifisten und Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien“, die seit einigen Tagen vollständig vorliegt. Sie besteht aus den Bänden „Texte wider die deutsche Kriegstüchtigkeit“ (= Eisner 2025a), „Kurt Eisner als Revolutionär und Ankläger des deutschen Militarismus“ (= Eisner 2025b) und „Revolte für den Frieden“ (= Eisner 2025c). Diese „Trilogie“ enthält auch eine biographische Darstellung aus der Feder des Weggefährten Felix Fechenbach sowie – dank freundlicher Unterstützung / Vermittlung des Donat-Verlages – Essays von Helmut Donat, Volker Ullrich und Lothar Wieland.
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Lieber Peter Bürger,
ihre Arbeit ist immer wieder ein Quell der Inspiration. Herzlichen Dank!
Sehr interessanter Artikel!
Was der Autor beschreibt muss man wohl als die wahre Querfront bezeichnen.
Von Recht bis pseudo-Links zogen alle gemeinsam an einem Strang um Eisner loszuwerden, weil sie alle den wahren Machthabern dienten, deren Macht eben durch Eisner in Frage gestellt wurde.
Verweise auf Parallelen zum Heute verbieten sich allerdings, denn dies wäre wohl eine „Delegitimierung“ – und die ist schließlich verboten – also bis jetzt zumindest geistig verboten.
Noch ein kleine Ergänzung zum Artikel:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Geistliche_Schulaufsicht_(19./20._Jahrhundert)
Eisner beendete die Aufsicht der katholischen und evangelischen Kirche über die allgemeinen Schulen!
„Sagte der Fürst zum Bischof: Halt du sie dumm, ich halt sie arm!“
Ach so?
„Am 27. Juli 1914 hielt Eisner die Rede bei der zentralen Friedenskundgebung der Münchner Sozialdemokratie. Darin betonte er, in der Politik des zaristischen Russlands liege die größte Gefahr für den Frieden. Er forderte Frankreich, England und Deutschland auf, gemeinsam „die Kriegsfurie“ zu „erwürgen“. Wenn der Krieg aber einmal ausgebrochen sei, so der von einer russischen Aggression überzeugte Eisner, müsse man das Vaterland verteidigen. Darin der von der Reichsregierung gesteuerten manipulativen Informationspolitik erlegen, begrüßte er bei Kriegsbeginn die Zustimmung der Reichstagsfraktion seiner Partei zu den ersten Kriegskrediten, um den „Vernichtungskrieg gegen den Zarismus“ zu führen.“
Peinlich.
Was in dem Artikel aber auch nicht verschwiegen wird:
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Aus ihrer Aussage läßt sich so einiges schließen.
Erstens, daß das zaristische Rußland wohl friedliebend war und Deutschland alleine am WK1 schuld.
Zweitens, daß sie so schlau sind, daß sie sich scheinbar niemals irren.
Und drittens, daß jemand, der sich einmal geirrt hat, grundsätzlich nicht gelobt werden sollte, egal, was er sonst so gesagt und getan hat.
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„Denn wer irrt sich nicht oder macht nicht irgendwelche Fehler? Lob wie Kritik sind schlicht situationsbezogen auszusprechen. “
Genau das hat der Autor getan. Insofern stellt sich dann die Frage nach Sinn und Intention ihres vorherigen Beitrags.
„Dass alle beteiligten europäischen Großmächte imperialistisch, kapitalistisch und militaristisch waren, macht sie nicht allesamt gleich. “
Das wiederum habe ich gar nicht behauptet, sondern im Falle des WK1 eine Alleinschuld bestritten. Und vom hereinstolpern war auch nicht die Rede. Nach meinem Kenntnisstand waren neben Deutschland zumindest Frankreich und England ziemlich geil auf diesen Krieg.
Zu Münkler:
Den fand ich mal recht gut, er ist inzwischen aber eine Tröte der Macht. Vielleicht war er auch schon immer einfach ein Opportunist. Habe von einem Freund das aktuelle Buch von ihm geschenkt bekommen und konnte mich schon nach dem Vorwort nicht mehr aufraffen, es weiter zu lesen.
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Falls Sie so etwas finden, fände ich das interessant.
Mir ist der Mann im Zusammenhang mit Hegemonialtheorien begegnet, das war nicht so übel. Ist aber schon länger her und es ging eher um die Zeit nach WK2.
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1. Lesen
2. Urteilen
3. Bei eigenen Texten Quellen angeben
Was das „Geheimwissen“ andeuten soll, wüßte ich allerdings auch gern.
Um weitern Peinlichkeiten vorzubeugen, wie wäre es mit einer Quellenangabe?
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Danke, neben Wikipedia war das die einzige Quelle die ich bezüglich der Aussage auch fand. Von Eisner habe ich bisher nicht viel verfolgt, außer seinem Wirken in der Münchner Räterepublik. Gibt dazu ein paar Sachen bei marxists.org und anderen Seiten. Ansonsten hab ich’s aus Ernst Toller, „Eine Jugend in Deutschland,“ Oskar Maria Graf, „Wir sind Gefangene-Ein Bekenntnis“ und Sebastian Haffner, „Der Verrat-Deutschland 1918/19.“
Was Engels betrifft, er war nicht so sehr angetan vom späten Wirken Marxens. Steht zumindest in Kohei Seitos „Systemsturz-Der Sieg der Natur über den Kapitalismus.“
Worauf möchte ich hinaus? Auch wenn es mglw. den Anschein nicht den erwecken mag, ich sehe die Möglichkeit des Irrtums, der Fehlbarkeit, der Beeinflussbarkeit und mglw. des Eigeninteresses, die Erkenntnis- und Entwicklungsfähigkeit, bei fast allen Menschen, auch den Säulenheiligen. Also hat man am besten Keine. Dann ist man nicht fixiert auf seine Wahlgottheit und kann sich auf Inhalte konzentrieren. Also was etwas taugt und was eher nicht.
Dies hindert mich nicht Kapital- und u.a. Herrschaftsagenten entgegenzutreten, die wiederholt Propaganda betreiben, wobei jetzt niemand Bestimmtes genannt sein will. Die Bestimmten wissen ohnehin wer gemeint ist.
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„Was Engels betrifft, er war nicht so sehr angetan vom späten Wirken Marxens.“
Das hätte ich mehr ausführen sollen. Engels war vom späten Wirken Marx nicht so sehr angetan, da dieser weitere Aspekte miteinbezog, seine Arbeit also weiterentwickelte. Engels fand das lieber unerwähnt. Ein kurzer Auszug, das Kapitel umfaßt im Buch vierzig Seiten, es befaßt sich nicht allein mit Marx und Engels und es sind kleine Faksimiles als Bsp. beigefügt:
Ein Klassiker als Werkzeug für heute
Einige Leserinnen und Leser werden sich vielleicht fragen, wieso es gerade im 21. Jahrhundert möglich sein sollte, Marx neu zu interpretieren. Ist das nicht einfach alter Wein in neuen Schläuchen? Zugegeben, es gibt viele Bücher die genau das machen.
Doch ich möchte hier auf die mit MEGA abgekürzte neue Marx-Engels-Gesamtausgabe aufmerksam machen, ein laufendes Projekt, an dem Forscher aus der ganzen Welt beteiligt sind, darunter auch ich als Japaner. Der Gesamtumfang soll bei Fertigstellung über hundert Bände umfassen. Darunter auch bisher unveröffentlichtes Material, was eine bisher nie dagewesene Größenordnung darstellt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen hierbei Marx‘ Forschungsnotizen. Während seiner Forschungsarbeit hatte er die Angewohnheit, in seine sogenannten Exzerpthefte gründliche Textauszüge hineinzuschreiben. Da er als Exilant kein Geld hatte, besuchte er jeden Tag das Londoner British Museum, wo er sich Bücher auslieh und bei der Lektüre Exzerpte anfertigte. Die Textauszüge, die er so im Laufe seinen Lebens erstellte, sind sehr umfangreich und beinhalten u.a. auch Ideen und unvollendete Gedankengänge, die es nicht in ‚Das Kapital‘ geschafft haben und so eine wertvolle Primärquelle darstellen.
(…)
‚Das Kapital‘ wurde natürlich bereits gründlich erforscht. Was die Sachlage aber trotzdem kompliziert macht, ist der Umstand, dass Marx seine Erkenntnisse im ‚Kapital‘ letztlich nicht zur Genüge zu Ende entwickeln konnte.
Dessen erster Band wurde zwar von Marx selbst fertig gestellt und 1867 veröffentlicht, das Manuskript des zweiten und dritten Bandes blieb jedoch unvollendet. Was man heute als Band zwei und drei lesen kann, ist nichts weiter als eine von seinem engen Freund und Förderer Engels posthum bearbeitete und verlegte Fassung. Aufgrund der Differenzen in ihrer beider Ansichten gibt es viele Passagen, in denen die Gedanken des späten Marx im Bearbeitungsprozess verzerrt und unkenntlich gemacht wurden.
Das liegt daran, dass Marx seine Kritik am Kapitalismus nach der Veröffentlichung des ersten Bandes im Jahr 1868 noch weiter vertiefte, während er gleichzeitig verzeifelt versuchte, auch die nächsten beiden Bände zu vollenden. Oder nein, es handelte sich besser gesagt um einen wichtigen Wandel seiner Theorie. Und genau von diesen Überlegungen des späten Marx können wir einiges lernen, wenn wir denn in der Umweltkrise des Anthropozäns überleben wollen.
(Kohei Seito, Systemsturz-Der Sieg der Natur über den Kapitalismus, S. 112-113/115)
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Lol, Tolstoi Die Hypnose des Patriotismus.
Danke
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Im August/ September 1914 war selbst ein so konsequenter Anarchist und Pazifist wie Erich Mühsam von Selbstzweifeln befallen:
Wenn die Franzosen unsere Brunnen vergiften (wie überall berichtet wird), ist dann nicht die militärische Verteidigung nicht nur erlaubt, sondern notwendig?
Von solchen Zweifeln war er angesichts der Grausamkeit und Brutalität des Krieges recht bald geheilt. Das Propagandamärchen vom vergifteten Brunnen hielt sich dann auch nicht lange, war irgendwann nicht mehr nötig.
Wer Parallelen zur heutigen antirussischen Kriegspropaganda findet, der hat Erich Mühsam verstanden.
Nicht nur peinlich, sondern in höchstem Sinne infam ist es, die Worte Eisners ohne historische Einordnung in die damalige Zeit und Eisners weiterer Entwicklung gegen ihn verwenden zu wollen.
[Mühsam aus dem Gedächtnis zitiert nach seinen Tagebuchaufzeichnungen]
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Ich bin ganz sicher kein Experte für die damalige Zeit. Dennoch ein paar gedankliche Bruchstücke.
Man darf nicht vergessen, dass sich mit der Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki diejenige Fraktion in der SDAPR durchgesetzt hatte, deren natürliche Bündnispartner eben nicht die deutsche sozialdemokratische Mehrheitsströmung repräsentierte, sondern die sich später im Spartakusbund versammelte Opposition. Es erscheint mir naheliegend, dass die zunehmende antirussische Propaganda in der damaligen bayrischen SPD eben genau der ideologischen Differenz zur Bolschewiki und damit dem Klassenkampf vorbeugen wollte.
Auch scheint mir die Rolle der Parteidisziplin grundsätzlich unterbewertet. Die SPD hatte gerade erst 24Jahre vorher ihre Legalität erkämpft. Die Zeit in der Parteidisziplin überlebensnotwendig war, war den Handelnden, besonders den linkeren unter ihnen, noch präsent.
Bei all dem Verweis auf die aufrechten linken (Einzel?)Personen, bis zur Herausbildung einer politisch handlungsfähigen Linken jenseits der Mehrheits-SPD dauerte es noch 2 Jahre (Spartakusbund) bzw. 3 Jahre (USPD). Große Klassenkämpfe, sind mir erst seit Januar 1918 präsent. wiewohl sie sicher kleinere Vorläufer hatten.
Ich halte die Betrachtung dann doch etwas zu einfach gestrickt. Deswegen mein Verweis auf Mühsam.
@klaudie
Nach Fragen an meinen Vater (leider schon vor einem halben Jahrhundert verstorben), betreffend der damaligen Kriegsstimmung in unseren Landen, hat dieser folgendes zu Protokoll gegeben;,
Hier im Südwesten grassierte eine „Urangst“ vor den Franzosen. Das liegt einfach daran, dass deren Heere immer mal wieder diese Lande geplündert und gebrandschatzt hatten. So etwas prägt sich ein und kann, z.B. durch gewissenlose Schreibtischtäter verstärkt werden. Der verordnete und vorgegebenen preußischen Militarismus, gepaart mit der „Siegeszuversicht“ tat ein Übriges.
Einige Parallelen kann man schon erkennen., wenn man will. 😒
Hier ein aktuelles Beispiel zum Thema aus einem anderen EU-Land:
https://globalbridge.ch/der-kampf-eines-italienischen-professors-gegen-korrupte-medien-e-per-una-volta-anche-in-lingua-italiana-vedi-piu-in-basso/
es gab sie und es gibt sie, die ganz wenigen unter den deutschen, die denkhellen. die „nestbeschmutzer“, die „miesmacher“ und „kritikaster“, deren existenz schon den hass der sehr vielen deutschen minusdenker und nixdichter multipliziert
Hier, seit ™1974! 😉
Von einer Schalom-Bibliothek würde ich als erstes ein Wort zu Palästina erwarten.
Hier geht es um dir Zeit vor etwa 110 Jahren. Da war das noch eine Provinz des osmanischen Reiches und hat auch nichts mit Eisner zu tun oder seiner sozialistischen/sozialdemokratischen Regierung in Bayern. 🙄
Das wurde erst etwa dreißig Jahre später akut. Aber das ist hier nicht Thema.
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Und genau deswegen gehört Israel von der Landkarte gefegt!
Fehlt Eisner eigentlich immer noch in der „Ahnengalerie“ der bayrischen Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei?
@Alfred Nonym
Wenn ich mich mit so einem strammen CSU-Wadenbeißer unterhalte, frage ich oft so beiläufig, was denn „Freistaat“ bedeuten soll und wer denn diesen ausgerufen hat?
Fast Alle drucksen um die Antwort herum. Wenn ich dann sage, dass dies ein Staat ohne Adelsprivilegien sein sollte und von einem Sozi ausgerufen wurde, ist oft ein Erstaunen und Erzürnen zu verzeichnen. 😉🤣
Wenn Herr Eisner in der Galerie fehlt, kann ich das, bei der sprichwörtlichen Geschichtsvergessenheit der deutschen Politikerkaste, nachvollziehen.😒
Die Galerie kenne ich leider nicht
Interessanter Artikel. Schon allein, weil er dazu anspornt, sich näher mit der besagten Person bzw. dieser Zeit zu befassen. Und dabei muss er nicht mit allem richtig liegen. Aber gewisse historische Parallelen werden eben doch immer wieder deutlich.
Die waren mal 70 Jahre lang weg. Aber seit 2014 dürfen sie wieder und es sind genau die, die Eisner beschreibt. Der Unterschied zu heute ist, dass es keinen Eisner mehr gibt.
Da ist schon ein Schmutzfleck auf seiner Weste:
„Wenn der Krieg aber einmal ausgebrochen sei, so der von einer russischen Aggression überzeugte Eisner, müsse man das Vaterland verteidigen. Darin der von der Reichsregierung gesteuerten manipulativen Informationspolitik erlegen, begrüßte er bei Kriegsbeginn die Zustimmung der Reichstagsfraktion seiner Partei zu den ersten Kriegskrediten, um den „Vernichtungskrieg gegen den Zarismus“ zu führen.“
Russland hat schon immer die Putins geliefert. Außenminister Bethmann-Holweg wurde damals gefragt, warum er Russlsand den Krieg erklärt hatte. Um die Stimmen der Sozialdemokraten zu bekommen. So herum wird ein Schuh daraus. Spätestens ab 2014 hätte ihnen diese Täuschung einfallen müssen.
Eisner ist dann in einer Zange von links und rechts regelrecht demontiert worden. Völlig unverantwortlich von der Linken, die damit eine riesige Chance vertan haben. Wenn im Rest Deutschlands ebenfalls Eisners regiert hätten, wäre es wohl deutlich anders ausgegangen, auch in Bezug auf den Versailler Vertrag. Die Alliierten hatten den Eindruck, dass Deutschland auf Rache sinnt und genau deswegen waren die Verträge so hart. Ein Punkt, auf den Eisner zurecht hinweist.
Dieser Kommentar wurde auf Wunsch des Autors gelöscht.
„Eisner, der in den ersten Augusttagen 1914 die SPD-Parteilinie – samt Kriegskreditverteidigung – noch voll erfüllte, (fand) schnell zu seinem Antimilitarismus (zurück)“ und „(durchschaute) die regierungsamtliche Lüge („Russland greift uns an“)“
Was auch immer Landauer ritt, derartig nationalistisch mitzuschreien, er revidierte relativ zügig seine katastrophale Haltung, und bedauerte seine Zustimmung der Kriegskredite.
Das zeichnet ihn als einen Menschen aus, der es meiner Meinung nicht verdient hätte, ihn „in die Tonne zu treten“.
Wie sieht das heute mit den 95% der Menschen aus der Restrampe der aktuellen polit. Linken aus? Die alle WOLLEN doch sogar heute noch, die 5 Jahre alte regierungsamtliche Lüge hochhalten und propagieren, dass wir alle von einem außergewöhnlich gefährliches Virus angegriffen wurden.
Die Korrekturfunktion hier ist eine einzige Verarschung.
Macht Euch selbst ein Bild und lest Eisners Werke. Großartig und empfehlenswert!
https://archive.org/details/bub_gb_QglKAQAAIAAJ/page/3/mode/2up