Kriegskino im Fernsehen: „Black Hawk Down“ (2001)

Screenshot aus Black Hawk Down

Mit Zwangsgebühren wird die Darbietung von Filmproduktionen des militärisch-unterhaltungsindustriellen Komplexes finanziert. – Im aktuellen TV-Programm: ein US-Blockbuster mit rassistischen Anteilen

 

John Quincy Adams, sechster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, proklamierte 1821: Die US-amerikanische Nation „geht nicht in andere Länder, um Ungeheuer zu vernichten … Die grundlegende Maxime ihrer Politik würden sich unmerklich von Freiheit zur Gewalt verlagern. Sie würde zur Diktatorin der Welt werden. Sie würde ihren eigenen Geist verleugnen.“

180 Jahre später rief das Staatsoberhaupt der USA jedoch einen endlosen Waffengang gegen das „Böse“ in aller Welt aus. Ein Al Gore hatte gewünscht, das dritte Jahrtausend würde mit der überlebenswichtigen ökologischen Transformation des Erdkreises eingeläutet. George W. Bush Junior setzte statt dessen auf eine neue Ära des militärischen Massenmordens, flankiert von Foltergefängnissen und Gewaltspiralen, die den Globus bis heute bedrücken. Er entfesselte eine Hochrüstungsdynamik, die uns bis Ende dieses Jahrhunderts einen voll ausgebildeten dritten Weltkrieg bescheren wird, sofern wir sie nicht noch stoppen können.

Einen zentralen Sektor der massenkulturellen Militarisierung im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends bildeten Filmproduktionen, bei denen Hollywood und Pentagon kooperierten. Nach einem Brückenbau hin zum kriegskritischen Kulturschaffen jenseits des Atlantiks habe ich diesen militärisch-unterhaltungsindustriellen Komplex in den Filmstudien „Kino der Angst“ (2005/2007) und „Bildermaschine für den Krieg“ (2007) untersucht.

Zwanzig Jahre nach dem US-Angriffskrieg gegen den Irak mit Millionen Opfern gilt der endlose Feldzug gegen das „Böse“ hierzulande nicht mehr – sachgerecht – als genozidales Verbrechen, sondern nur noch als „Fehler“. Die Bedrückungen der gesamten Weltgesellschaft unter dem Kriegsverbrecher Georg W. Bush Junior und „seinem“ über viele hundert Militärstützpunkte global agierenden US-Imperium sind nur noch eine nostalgische Erinnerung wert.

Die mediale und unterhaltungsindustrielle Militarisierung hat sich unter dem Vorzeichen von „Künstlicher Intelligenz“ längst revolutioniert. Die alten Hollywood-Blockbuster, bei denen das Pentagon die Drehbücher redigieren durfte, laufen aber weiter (vorzugsweise wurden sie früher im Weihnachtsprogramm platziert).

Dieser Tage bringt das öffentlich-rechtliche Fernsehen den Kriegsfilm „Black Hawk Down“ (USA/GB 2001). Er gehört zu jenem Teil des massenkulturellen Lehrplans, der unter G.W. Bush die Militäreinsätze der 1990er Jahre durchweg als „humanitäre Missionen“ reinszenierte, und wird von mir jenem Sortiment zugeordnet, das in beträchtlichem Maß einem rassistischen Paradigma folgt. Als christlicher Pazifist muss ich über Gebühren die Darbietung solcher Machwerke zur Manipulation der Menschen zwangsweise mitfinanzieren, was offenbar als Verteidigung von sogenannter „Freiheit“ angesehen wird.

Die ZDF-Mediathek kommt freilich im Jahr 2023 nicht umhin, zumindest einen kleinen Aufklärungspassus in die Filmempfehlung einzubauen: „Die Großproduktion wurde von der US-Armee mit Material, Statisten und Schulungen für die Darsteller unterstützt, was allerdings auch bei einigen Szenen zu Rücksichtnahmen geführt haben soll. Ebenfalls kritisch wurde die uniforme Darstellung der Somalier im Film aufgenommen.“

Wer sich mit solchen euphemistischen Randbemerkungen nicht zufriedengeben will, mag als TV- oder Mediathek-Konsument das nachfolgend dokumentierte Kapitel aus meiner Studie zur militaristischen „Staatskunst aus Hollywood“ zu Rate ziehen.

Die Militärreligion bildet jene ultimativ irrationale Esoterik, der man anhängen muss, um in das Lager der Regierenden Eintritt zu erhalten. Ganz gleich wie viele Milliarden und Abermilliarden die Hohen Priester dieser Heilslehre „investieren“, die vorgeblichen Ziele werden nie erreicht. – Staatsreligionen sind jedoch immun gegen jede kritische Überprüfung. Eine unabhängige „Evaluation“ findet zu Lebzeiten der Verantwortlichen nie statt. Damit Lernprozesse in der Gesellschaft ausbleiben, werden nicht zuletzt immer wieder Filmspektakel wie „Black Hawk Down“ produziert.

Es gilt freilich, ganz gleich wie rasant die Militarisierung auch hierzulande fortschreitet: Propaganda, so etwas machen immer nur „die anderen“.

US Marines auf dem Bakara-Markt in Mogadischu a. 11 Januar 1993. Bild: National Archives (6508260)

Black Hawk Down (2001): Was wäre die UNO in Somalia ohne die U.S. Army?
(Buchabschnitt aus: Kino der Angst, 2005/2007)

 

„Entweder helfen wir, oder wir sehen uns auf CNN an, wie Land und Menschen vor die Hunde gehen.“
US-Elitesoldat in: Black Hawk Down

 

Je verschwommener uns die Tagesnachrichten nichtssagende Computersimulationen, Satellitenbilder und Life-Schaltungen von real existierenden Kriegsschauplätzen präsentieren, desto realistischer wird das hautnahe Erleben im neuen US-Kriegsfilm. Dieser kombiniert den Abenteuermodus bekannter Vietnamfilme mit dem Anspruch auf größtmöglichen Realismus. Beachtung verdient in diesem Zusammenhang vor allem Ridley Scotts „Black Hawk Down“ (USA/GB 2001), ein Film, dem die Website des Rüstungskonzerns Sikorsky – mit Blick auf die eingesetzten Hubschrauber – viel Aufmerksamkeit angedeihen ließ. Seine 90 Millionen Dollar teure Produktion soll bis zum 11.9.2001 noch nicht ganz abgeschlossen gewesen sein; der Filmstart wurde von März 2002 auf Dezember 2001 vorverlegt. Der Drehort Marokko wird vielleicht für die Re-Inszenierung von US-Kriegen in der arabischen Welt das werden, was die Philippinen für den Vietnamfilm seit langem sind.

Black Hawk Down“ will nach Aussage des Regisseurs US-Soldaten im Dienst „einer gerechten Sache mit UN-Mandat“ zeigen. Grundlage sind Augenzeugenberichte, die der Journalist Mark Bowden in einem Buch verarbeitet hat. Bowden begrüßt es, „dass der Film in erster Linie eine Gruppe amerikanischer Soldaten zeigt, die gemeinsam diese Feuerprobe bestehen. Er erzählt die Geschichte aus der Sicht dieser Soldaten. Das habe ich in meinem Buch größtenteils genauso gemacht.“

Zum Hintergrund: Somalia beklagt bereits 300.000 Hungertote. US-Soldaten sollen ab 1992 unter dem Dach der Vereinten Nationen die durch Übergriffe und Nahrungsmittelraub von Warlords ständig bedrohte humanitäre UN-Mission „Restore Hope!“ in Somalia schützen. (Die Landung von US-Streitkräften am 8. Dezember 1992 an der Küste nahe Mogadischu wurde gezielt auf die beste TV-Zeit gelegt und als US-Medienspektakel begangen!) Sicherheit, so wird versichert, gibt es nur in dem kurzen Zeitraum, in dem 20.000 US-Marines Schutz gewähren. Washington strebt eine „dauerhafte Lösung“ an und hat als personalisierte Ursache den Hauptschuldigen gefunden.

Ohne Wissen der UN-Mitarbeiter kommt es am 3. Oktober 1993 zu einer waghalsigen Operation der US-Delta Forces und US-Rangers in Südmogadischu, mit dem Ziel, den Warlord Mohamed Farrah Aidid oder zumindest einige seiner Schlüsselleute bei einem Geheimtreffen festzunehmen. Dieser forsche Alleingang der US-Militärs gerät zu einem Desaster, das Präsident Bill Clinton später als eine der „dunkelsten Stunden seiner Amtszeit“ bezeichnet hat. Somalische Milizen Aidids, die das Viertel kontrollieren, schießen zwei US-Hubschrauber ab. Die zur Hilfe eilenden Elitetruppen, die gemäß ihrem Wahlspruch keinen zurücklassen, geraten – umringt von Feinden – in einen tödlichen Kugelhagel: „They are shooting us!“ „So shoot back!“

Die halbstündige Blitzaktion wandelt sich zum langen Gefecht. Das „Endergebnis“ des Schusswechsels bis zum anderen Morgen: Achtzehn tote US-Soldaten, die der Film mit einer sakralen Zelthalle, einer Hymne und im Abspann als Medaillenträger namentlich würdigt. (Einen von ihnen zerrten Somalis nach dem Gefecht höhnisch vor laufenden Kameras durch die Straßen.) Ohne Namen dagegen: Etwa tausend – oder nach manchen Angaben bedeutend mehr – tote Somalis und dreiundzwanzig Todesopfer der pakistanischen Blauhelmtruppe während ihres Einsatzes in Somalia.

Warum mussten so viele Menschen sterben? Für eine fixe Idee? Glaubten die US-Amerikaner wirklich, wie im Film ein somalischer Söldner fragt, der Bürgerkrieg wäre vorbei, wenn sie Aidid töten? War die High-Tech-Operation der US-Militärs, zu der schließlich UN-Hilfe nachgefordert wurde, so wirklich vom UN-Mandat abgedeckt, oder lag sie eher in der Grauzone US-amerikanischer Eigenmächtigkeit? War sie vielleicht doch nicht ganz professionell und verantwortlich geplant? Wie genau ist die Weisheit Washingtons zu veranschlagen, über die US-General William F. Garrison laut Drehbuch eine kritische Andeutung verliert? Solche Fragen will der Film nicht vertiefen. Aber der Regisseur weiß, wer die tausend toten Afrikaner auf dem Gewissen hat: „Die Milizen des Warlords Aidid haben sich hinter Passanten versteckt und durch sie hindurchgeschossen.“

„Black Hawk Down“ bietet in der Art der ebenfalls vom Militär geförderten islamophoben Produktion „Rules Of Engagement“ (USA 2000) noch andere Deutungsmöglichkeiten: Eine somalische Frau kommt scheinbar unbeteiligt des Weges und zückt augenblicklich ein Gewehr unter ihrem Gewand hervor. Der bedrohte US-Soldat muss sie erschießen. – Ganz Mogadischu ist von einem Warnsystem durchzogen, mit dem die Bevölkerung Aktivitäten der US-Helikopter weiter meldet. Das Operationsziel, der Bakara-Markt, „ist wie der Wilde Westen“. Der Film stellt die nicht mit der UNO abgesprochene Angriffsoperation in dem von Aidid kontrollierten Gebiet wie eine durchgehende Verteidigungsaktion gegen feindselige Massen dar: „Wir haben in ein Hornissennest gestochen, wir kämpfen gegen die ganze Stadt!“

Schier pausenlos sind dabei die automatischen Gewehre und das Walkman-Repertoire der Filmmusik in Betrieb. (Rock’n’Roll-Akkorde erklingen passend zum Volltreffer auf einen somalischen Geschützstand.) Die Feinde bilden zwar – mit denkbar wenigen Ausnahmen – eine amorphe Masse, sind aber eindeutig als Muslime identifiziert. Die Heckenschützen beten, wenn von der Moschee die Aufforderung dazu kommt. Einer der Milizionäre hat eine Koran-Tafel in seinem Zimmer hängen. Arabische Musik begleitet die sich anbahnende Gefahr. Wer in die Hände des somalischen Mob gerät, ist verloren. Die Sprecher der fremden Kultur versichern selbst, wie weit man von den offiziellen Zivilisationsidealen der US-Demokratie entfernt ist: „Töten wird immer dazu gehören, so läuft das in unserer Welt!“

US-Regisseur Philip Noyce, unbeteiligt bei diesem Werk, meint zu solchen Ansätzen des Drehbuches: „Black Hawk Down war ein hervorragend produzierter Film, aber dennoch ein Teil des Problems und nicht der Lösung. Er zeigte zwar die Folgen des Krieges …, stellte aber den Feind als fanatischen und hirnlosen Mob dar, der nichts Menschliches an sich hatte und noch dazu dumm war.“

Man findet in diesem Film keine Hinweise auf andere US-Militäraktionen in Somalia zwischen 1992 und 1994, auf Erdöl- und Gasvorkommen im Land oder auf geographische Ambitionen im Rahmen eines weltweiten militärischen Netzes. Dass die vom Ausland bzw. von US-dominierten Weltinstitutionen diktierten „Wirtschaftsreformen“ nicht ganz unschuldig am Bürgerkrieg waren und neben der Dürre einen wesentlichen Hintergrund der somalischen Hungerkatastrophe bildeten, interessiert nicht einmal das äußerst umfangreiche Menü der zweiteiligen DVD-Ausgabe. Alles ist mit Aidid monokausal erklärt. Komplizierte Differenzierungen, so weiß einer der Filmsoldaten, spielen beim ersten Schuss des Gegners auch keine Rolle: „Once that first bullet goes past your head, politics and all that shit goes out the window.“

Der Zuschauer sieht entsprechend Hungerskelette und wohlernährte Terroristen, US-Soldaten, die einander als todesmutige Helden beistehen, und tendenziell unbrauchbare UN-Blauhelmsoldaten, die ihnen an manchen Stellen gar Hilfe zu verweigern scheinen. (Die Schuld am ganzen Debakel versuchten die USA tatsächlich später der UNO zuzuschieben.) Die Darstellung der UNO im Film spricht Bände: Über Gebieten mit UN-Zuständigkeit müssen die Helikopter der USA untätig mit ansehen, wie Aidids Leute wehrlose Zivilisten erschießen. Die konsultierten Blauhelme brauchen später trotz höchster Dringlichkeit Stunden, um Soldaten und Fahrzeuge zur Rettung der US-Soldaten zu mobilisieren. Die entsprechende Meldung suggeriert dem Zuschauer eine Trotzreaktion: „Der pakistanische General sagt, da wir es nicht für nötig gehalten haben, ihn über unseren Einsatz zu informieren, braucht er einige Zeit …“ Ein Fahrer der Blauhelme ist ausgesprochen barsch zu den US-Amerikanern, die doch gerade erst die Hölle durchgemacht haben. Im UN-Konvoi ist nicht für alle Platz, und so müssen viele US-Soldaten trotz anhaltenden Beschusses zu Fuß hinter den Fahrzeugen herrennen. Die brauchbarsten UN-Vertreter sind offenbar Bedienstete im „Pakistanischen Stadion“, die den Elitekämpfern der USA auf Tabletts gekühltes Wasser servieren.

Immerhin gibt es in der gesicherten Zone für die ermatteten US-Soldaten bei der Rückkehr im Morgengrauen fröhliche Kindergesichter, die ihren Einsatz zu würdigen wissen und sie nicht außer Landes haben möchten. Wenn der Nachspann den Abzug der Delta Forces und Rangers durch Clinton zwei Wochen nach diesem Vorfall einfach nur mit einem Datum vermerkt, sich über das vollständige Ausklinken der USA aus der „humanitären UN-Mission“ ausschweigt und den späteren Tod von Aidid am 2. August 1996 vermeldet, so bewahrt auch dies die Zuschauer vor unnötigen Frustrationen.

Das Hollywood-Periodikum Variety befand, dass „Black Hawk Down“ einen „sehr ausgewogenen philosophischen Standpunkt gegenüber dem Stoff“ aufweise. Die Afrikaexpertin und Journalistin Bettina Gaus bietet 2004 Hintergründe und Bewertungen zum behandelten Stoff, die ein anderes Resümee nahe legen: Auf etwa fünf Milliarden Dollar beliefen sich am Schluss die Gesamtkosten der Militäroperationen in Somalia. Beim intendierten Kampf gegen den Hunger der Somalier musste hingegen auf Seiten der Hilfsorganisationen um Millionenbeträge gerungen werden. Niemand dachte an eine längerfristige Verantwortungsperspektive, an „substantielle Hilfe beim Aufbau der zerstörten Infrastruktur“ und an ein intelligentes Signal an die Kriegsparteien, „Friede könne (für sie) einträglicher sein als Kampf“.

Die US-Truppen mutierten – gegen alle UNO-Ideale – „allmählich zur Kriegspartei“. Sie glaubten, „mit den paar barfüßigen Banditen werde man schnell fertig“. Mit ihrer irrationalen Fixierung auf den Schurken Farrah Aidid zeigten die US-Verantwortlichen, „dass sie von dem diffizilen Beziehungsgeflecht in Somalia wenig verstanden“. Dieser Kriegsfürst „hätte vermutlich bald jeden Einfluss verloren“. Seine kampfbereite Anhängerschaft war bereits im Schwinden. Doch als die USA ihn steckbrieflich suchen ließen und bei ihrer Fahndung zivile Gebäude angriffen, fanden viele Wankelmütige zur Loyalität gegenüber Aidid zurück. So hat die Armee der Vereinigten Staaten Aidid „buchstäblich an die Macht zurückgebombt“. Bettina Gaus zieht ein klares Fazit: „Der Militäreinsatz hat sehr viel mehr geschadet als genutzt.“ Nach Abzug der Truppen war die Sicherheitslage schlechter als vor ihrer Ankunft. (Die Hilfsorganisationen verließen den Ort des Elends deshalb wieder!) Der Tod von Aidid im Jahr 1996 hatte „weder eine stabilisierende noch eine destabilisierende Wirkung“. Der Fundamentalismus gewann in Somalia fortan beständig an Einfluss.

Screenshot von der ZDF-Mediathek-Seite.

„Black Hawk Dawn“ verschont uns mit solchen Analysen, die der neuen, sich humanistisch nennenden Militärideologie abträglich sind. Offenbar bleibt aber Erklärungsbedarf bei diesem „Krieg für andere“, wenn einer der Soldaten im Film mutmaßt: „Die zuhause, die werden nicht verstehen, warum wir es gemacht haben.“ Noch stärker als die humanitäre Rechtfertigung klingt das Ethos der Kameradschaft durch, um das es letztlich allein geht: „Wenn es zum Kampf kommt, gibt es keine Fragen mehr, sondern nur noch Deinen Nebenmann!“ Die innere Wandlung des Elitekämpfers zeigt, das man doch etwas bewirkt hat: „Es hat sich alles geändert, zumindest ich habe mich geändert!“ Die US-Version des Presseheftes zum Film spricht von der „wahren Natur des Heldentums“ und von „Tapferkeit, Engagement und Selbstlosigkeit“ in diesem Einsatz. Ein sterbender Soldat im Film: „Erzähle meinen Eltern, wie tapfer ich heute gekämpft habe!“ Ein anderer Todeskandidat fragt seinen Vorgesetzten im Lazarett: „Gehen wir noch mal raus gegen die? Gehen Sie nicht ohne mich!“ Regisseur Scott, durch seinen Oscar-gekrönten The Gladiator“ bereits als Heldenepiker ausgewiesen, antwortet auf die Frage, warum die USA in fremden Ländern kämpfen: „Niemand anders übernimmt die Rolle als Weltpolizei. Unser Ziel sollte sein, dass die UNO diese Aufgabe wahrnimmt, aber wir wissen, dass sie teilweise ineffektiv ist.“ Sein Produzent Jerry Bruckheimer weiß, was die USA dafür brauchen: „Akzeptanz ist nur eine Frage der Öffentlichkeitsarbeit … Der Afghanistankrieg ist ein gutes Beispiel: Es gab eine große PR-Kampagne.“ Und: „Bush macht das richtig: Gib ihnen zu essen, erziehe sie und vernichte jene, die dich hassen.“

Für die Produktion des Films hat sich das Pentagon außergewöhnlich stark engagiert. Kathleen Canham Ross, die das Filmbüro der U.S. Army in Los Angeles leitet, erklärt ganz offen: „Acht Helikopter und um die 135 Mann. Es war, als würden wir mit einer kleinen Armee in Marokko einmarschieren, und das ohne ein offizielles Militärabkommen mit dem Land. Also hat das Verteidigungsministerium mit der marokkanischen Regierung verhandelt, dass die Soldaten dort sein durften, denn es gab zuvor keine Erlaubnis dafür.“ Acht Hubschrauber, eine Hundertschaft Elitesoldaten, das alles abgestellt für dreimonatige Dreharbeiten mit einer Vergütung von 3 Millionen Dollar: „Peanuts für die Produktionsgesellschaft“. Wie sehr dem Pentagon an diesem Titel gelegen haben muss, ist auch aus dem Filmnachspann ersichtlich:

 

„We gratefully acknowdledge the support and cooperation of the Department of Defense and the U.S. Army in the making of this film: Philip Strub, Special Assistent for Entertainment Media; Major Andres Ortegon, USA – Project Officer; Office of Chief of Public Affairs, Los Angeles – Kathleen Canham Ross; The Joint Staff Special Operations Directorate; United States Special Operations Command; United States European Command; Special Operations Command, Europe; United States Defense Attache Office, Morocco; United States Army Special Operations Command, United States Army Special Forces Command (Airborne); 75th Ranger Regiment; 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne). – And our special Thanks to: General Henry H. Shetton, U.S. Army (Retired), former Chairman, Joint Chiefs of Staff.“

 

Die Filmmacher kamen ihrerseits dem Pentagon sehr entgegen. Sie änderten den Namen eines US-Soldaten, der ein paar Jahre nach dem Somalia-Einsatz wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch verurteilt worden war. Neben einer als unpassend empfundenen Einzelkämpferaktion fiel eine Szenenfolge dem Schneidetisch zum Opfer, die nach K. C. Ross die Beziehungen der beteiligten US-Armeeeinheiten angeblich nicht korrekt wiedergibt und nach Aussage des Regisseurs einfach „aus gestalterischen Gründen“ keine Verwendung gefunden hat. Das verworfene Material erläutert Mark Bowden, Autor der auf Berichten von Beteiligten fußenden Buchvorlage, so: „Diese Szene zeigt einen Vorfall, der tatsächlich stattgefunden hat. Rangers nahmen versehentlich Soldaten der Delta-Spezialeinheit unter Beschuss – und wie Sie sehen können, versuchen diese per Funk, den Kommandanten der Rangers zum Feuereinstellen zu bringen. So was kommt im Krieg häufiger vor. Und sie haben es letztlich so gedreht, aus dem Film aber herausgeschnitten.“

Indessen bestreitet Produzent Bruckheimer besondere patriotische Ambitionen seiner „modernen Heldengeschichte“ aus Somalia. In Black Hawk Dawn“ gehe es darum, „wie junge Männer in einer Extremsituation über sich hinaus wachsen“. Eher zufällig seien sie hier junge Amerikaner: „Es hätten auch Deutsche [sic!] im Zweiten Weltkrieg sein können …“

Dieses Über-sich-hinaus-wachsen junger Männer lässt aber doch Zweifel an der von Regisseur Ridley Scott geäußerten Vermutung aufkommen, nach diesem Film werde sich keiner mehr zum Militär melden. Gewiss wird der Zuschauer die Todesopfer-Relation von tausend Somaliern und achtzehn US-Amerikanern emotional eher im umgekehrten Verhältnis wahrnehmen – aufgrund des einschlägigen Drehbuchparadigmas. Bevor jedoch nach Art von Spielbergs „Saving Private Ryan“ viszerale Abscheulichkeiten ins Bild kommen, gibt es den Schießsportplatz, eine „Wildschweinjagd“ und einen „fabelhaften Strand mit blauem Himmel“, an dem man „wunderbar Urlaub machen“ könnte. „Insbesondere seit dem Vietnamkrieg dürfen einige negative Bilder gezeigt werden, weil solche Bilder eben die Realität sind. Wenn sie für Heldentum und die Erfüllung einer Mission stehen, können sie [die Verantwortlichen vom Pentagon-Filmbüro] damit leben.“ (Lawrence Suid) Bei der Darstellung des toten US-Soldaten, der von Somaliern durch die Straßen geschleift wird, stoppt der Realismus des Films jedoch eben an jener Grenze, die mit der intendierten Rekrutierungswirkung nicht mehr vereinbar ist.

Ist die aufwendige Schützenhilfe des Pentagons für Black Hawk Down“ wirklich schlecht investiert? Ein Blick in die DVD-Beigaben bringt weitere Klärungen. Neben der Filmmusik („Hymn To The Fallen“), Digital Warriors-Effekten und anderem erleben wir einen militärischen „Crash Course“: Die Schauspieler, die unentwegt ihren „hohen Respekt für die wahren Kämpfer“ versichern, begleiten wir bei einem ganz realen Grundausbildungsgang der U.S. Army. Truppensingen, Annäherungen an den Army-Codex, Waffenhandhabung, Haus- und Nahkampftraining – und das alles unter professioneller Anleitung: „Seid aggressiv!“ Am Killer-Simulator gelangt einer der Schauspieler zu wahrer Begeisterung: „Oh, ich habe sie gekillt! Verdammt, wie habe ich das gemacht?“ Das sieht nach einem verlockenden, sportlichem Männerabenteuer aus und bringt den attraktiven jungen Darstellern am Schluss gar ein Lob der Vorgesetzten ein: „The actors are rangers!“ Echte Soldaten! Hier hat sich Teil Zwei der Rekrutenanwerbung versteckt.

„Black Hawk Down“ verabschiedet sich weitgehend von der konservativen Melodramatik des Genres und trifft mit seiner Darstellung des Elite-Soldaten den aktuellen Zeitgeschmack. Das wurde in den USA mit Platz Eins der Kino-Charts belohnt. Der Film erinnert in weiten Teilen an eine hochentwickelte Militär-Simulation, Taubheitserlebnis und echter Kugelhagel inbegriffen. Electronic Arts-Computerspiele auf dem Markt lehnen sich 2003 und 2004 an Black Hawk Down“ an. Hier kann das Zuschauer-Ego selbst schießen. Auch das zeigt die vielfältigen Vermarktungsfelder des modernen Militainments an. Die Identifikationen, die in diesem Fall eine 90 Millionen Dollar teure Produktion ermöglicht, gehen weit über den eigentlichen Film hinaus. In jeder zukünftigen Kulturgeschichte der Kriegspropaganda wird Black Hawk Down“ einen prominenten Platz einnehmen.

(Alle Quellennachweise in der Buchfassung.)

 

Der Verfasser (Theologe & Publizist) hat 2004 bis 2007 drei Kriegsfilmstudien veröffentlicht, die heute kostenfrei im Internet abgerufen werden können:

Peter Bürger: Napalm am Morgen. Vietnam und der kritische Kriegsfilm aus Hollywood. Düsseldorf: fiftyfifty 2004.

Peter Bürger: Kino der Angst. Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood. Stuttgart: Schmetterling Verlag 2005. / Zweite, durchgesehene & erweiterte Auflage 2007.

Peter Bürger: Bildermaschine für den Krieg. Das Kino und die Militarisierung der Weltgesellschaft. Telepolis-Buch. Hannover: Heise 2007.

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47 Kommentare

  1. Es ist eine Schande!

    Allerdings lässt sich schon seit langem beobachten, wie in US-Streifen erst das Böse über alle Maßen zur Fratze aufgebauscht wird, um dann die US-amerikanischen Retter und Helden aufzubieten, die mit einem Übermaß an Gewalt „das Gute“ siegen lassen. Diese Gewalt wird selten hinterfragt.

  2. Das schlimmste ist, dass wir diesen Propaganda Schwachsinn auch noch mit
    unseren Zwangsgebühren zahlen müssen. Das Geld würde ich lieber dahin spenden,
    wo die USA ihre Gemetzel anrichtet.

  3. Ein sehr guter, sehr wichtiger und vor allem sehr zeitgemäßer Artikel.
    An unsere Foren-Helden :
    Welchen Anteil hatte solch medialer Scheißdreck an eurer Entscheidung zum Bund zu gehen ?
    —-
    Zitiere :
    Sein Produzent Jerry Bruckheimer weiß …. „Bush macht das richtig: Gib ihnen zu essen, erziehe sie und vernichte jene, die dich hassen.“

    „vernichte jene die dich hassen .“: Das müsste ich eigentlich als Drohung empfinden. Ich habe schon ein „Konto“ beim hiesigen Staatsschutz, werden die mich beschützen oder den US-Vollstreckern helfen ?

    Zitiere :
    Indessen bestreitet Produzent Bruckheimer besondere patriotische Ambitionen seiner „modernen Heldengeschichte“ ….. Eher zufällig seien sie hier junge Amerikaner: „Es hätten auch Deutsche [sic!] im Zweiten Weltkrieg sein können …“

    Ein USAzi !
    Die Welt wird von Irren beherrscht !

    1. Welchen Anteil hatte solch medialer Scheißdreck an eurer Entscheidung zum Bund zu gehen

      Ich kann mir vorstellen das sich viele von den Doku Reihen Mit Olli und Auf Stube angesprochen fühlten. Auch Spielemessen stehen groß im Kurs, wie die Gamescom. Wenngleich das ganze verharmlost wurde.

      1. Zu den Serien „mit olli“ und „auf stube“ gibt es bei WikPed keinen Eintrag, und um mir diese Serien auf YouTube ansehen zu können, ist mein Datenvolumen zu klein; deshalb darf ich diese vermeintlichen Propagandaserien auch nicht beurteilen.

        Ihr Link zur FAZ-Seite ist in zweierlei Hinsicht interessant :

        A) Die FAZ versteht es weiterhin, im Feuilleton „Feigenblatt-Artikel“ zu positionieren, die Objektivität suggerieren, während auf der Titelseite Kapitalistisch-Militaristische-Subjektivität den Ton angibt.
        Diese Blender-Strategie ist ja nicht neu, ist mir aber bei dieser Gelegenheit erneut bewußt geworden.

        B ) Zitat aus Ihrem Link zur FAZ-Seite :
        „Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?“
        Der Satz ist eine sophistische Meisterleistung, in Realität übersetzt müsste er lauten : Krieg machen und Frieden verhindern.

        1. „Welchen Anteil hatte solch medialer Scheißdreck an eurer Entscheidung zum Bund zu gehen ?“

          Keine!!! Verweigerung nicht anerkannt, Flucht nach Rest-Berlin gescheitert, zwangsweise rekrutiert.

          Es war das Grab meiner Jugend!

        2. Gut wenn Du kein Datenvolumen hast. Es gibt noch eine neuere Serie der Bundeswehr. Hier ein Artikel in der Zeit und ein kurzer Trailer bei YouTube:

          Hinter der Reling lauert der Pazifismus
          Besatzung BRAVO

          Erinnert halt an Funkkreis einem Podcast, der früher nur für Soldaten im Einsatzland gedacht war oder die Bundeswehr Zeitschriften / Bundeswehr nahen Erzeugnissen (Y Punkt, ESUT, loyal…) Also keine objektive Beurteilung, sondern nur die anderen sind die Bösen und wir die Guten. Wer zur Bundeswehr geht macht das weil es Spass macht.

  4. Im herrschenden System hat die Filmindustrie unterschiedliche Identitäten zu bespielen. Einerseits dienen die Mainstreamstudios – ob sie in Hollywood oder Bollywood stehen, ob sie für Netflix oder den nordkoreanischen Staatsfunk produzieren – dazu bestimmte Botschaften der Herrschenden unters Volk zu bringen: „xyz ist böse“, „Wir müssen dies und das tun“, „Das Thema abc ist total wichtig, denken Sie darüber mal nach“. Gerne auch subtil, durch platzierte Werbung oder platzierte Sätze und platzierte Musik. Andererseits gilt es den Anschein von Vielstimmigkeit zu erzeugen, von vielen Geschmäckern, damit der vorgesetzte Einheitsbrei schmeckt und die Leute glauben, statt des Breis würden ihnen diverse Köstlichkeiten – oder zumindest unterschiedliche Rezepturen desselben Gerichts – vorgesetzt. Das klappt je nach Region und Land mehr oder weniger gut.

    Im Grunde sind „Black Hawk Down“ (BHD) und – aktuelles Beispiel, es ließen sich prinzipiell auch andere „Gassenhauer“ nehmen – „Barbie“ (B) deshalb zwei Seiten derselben Medaille, auch wenn sie formal unterschiedliche Themen beackern, von anderen Regisseuren gedreht wurden und allgemein Jahrzehnte zwischen ihnen liegen. Aber die Meinungsmache ist auffallend ähnlich:

    – „Wir sind die Guten“
    [die „brunnenbauenden Blauhelme“ aus dem Westen bei BHD / die woken Frauen und ihre „feministischen“ aufgeklärten Männer bei B]

    – Der Feind ist barbarisch und begegnet uns in Gestalt der bösen [xyz]
    [Schwarze, Muslime, „aufständische Terroristen“… / alte weißen Männer, TERFs…]

    – „Unsere Mission ist heilig“
    [Wir helfen den hungernden Somalis, kämpfen gegen fiese Terroristen / wir helfen dem unterdrückten Weib, kämpfen gegen fiese Maskus]

    – Gezieltes Verschweigen und Ausklammern von Störendem
    [bspw. der Vorgeschichte des somalischen Bürgerkriegs, der Rolle der USA vor 1991 im Land und der Ziele und Zwecke ihrer Intervention in den Jahren darauf / bspw. tatsächliche Diskriminierungen oder Hintergründe von Gender Pay Gap, tatsächliche Machtstrukturen der Gesellschaft, soziale Lage von und Gewalt an Männern]

    – Gezielter Einsatz von Emotionen und Musik
    [der arme zerfetzte Soldat (unser heldenhafter Verteidiger von „Freiheit, Demokratie und Menschenrechten“ / die arme Barbie (unsere heldenhafte Verteidigerin von „Feminismus“ / „Post-Patriachat“ etc.)]

    – Versteckte Botschaften (A sagen und B meinen wie Albrecht Müller es nennt)
    [draußen lauert das „Böse“ in Gestalt von Terroristen, drinnen von Migranten => wir brauchen mehr Rüstung und Sicherheit / das Patriachat ist immer noch allmächtig => wir brauchen mehr Genderstudies, Anti-Hass-Gesetze, safe spaces…]

    Alles nicht neu, seit Jahrzehnten erprobt und es ließen sich noch viele weitere und womöglich bessere Beispiele finden. Und wie gesagt kein bloß in Hollywood oder bloß in den USA zu findendes Schema. Für Deutschland hätte man hier statt „Black Hawk Down“ auch diese neue „Das Boot“-Serie oder pseudo-objektive / -reale Historienschinken wie „Die Flucht“, „Die Gustloff“, oder „Unsere Väter, unsere Mütter“ nehmen können, welche passenderweise wieder einmal unschöne Aspekte der deutschen Geschichte entsorgen halfen und gezielt bestimmte Botschaften einschliffen. Beispielsweise die „Gustloff“ als „Flüchtlingsschiff“ im kollektiven Gedächtnis zu verankern oder „den Russen“ (es gibt nur den einen, der passenderweise immer nur vor unserer Tür steht) als brutalen, vergewaltigenden Wilden aus dem Osten darzustellen vor dem Maria Furtwängler fließen muss. Dass die Westalliierten auch nicht schlecht im Vergewaltigen waren (Stichwort: Gebhardt „Als die Soldaten kamen“), oder wozu die „Gustloff“ wirklich so alles diente, weiß doch keine Sau. Dementsprechend kann die Frau, die hierzulande Außenministerin spielen darf, „den Russen“ heutzutage auch als „unzivilisiert“ bezeichnen ohne dass das einen großen gesellschaftlichen Aufschrei auslöst. Zumindest ich habe keinen vernommen. Spielen Sie das aber mal anhand anderer Länder / Personengruppen / Konflikte durch und Sie wissen ungefähr, wer im Westen gerade als Feind gilt, beziehungsweise wann der Mainstream über Sie herfällt, weil Sie ein sexistisches, rassistisches und antisemitisches Scheusal sind.

    Mit unkritischen Kriegs- und Historienschinken einerseits und Woke-Filmchen andererseits werden letztlich nur unterschiedliche Wählerklientel adressiert. Es gibt ja auch noch weitere Genres wie Krimis, Fantasy und Kitsch, die schlicht auf andere Publika abzielen. Gemein ist Ihnen, dass Sie oftmals a.) der Identitätsversicherung gelten und b.) die Reihen schließen helfen: Die Zuschauer aus der jeweiligen Klientel werden abgeholt, ihres Standpunktes versichert und wissen gegen wen Sie sich zu wenden haben. Spoiler: es sind in der Regel nicht die Herrschenden, oder wenn dann nur „uns“ nicht genehme Herrschende hier wie drüben. Und darin findet sich letztlich ein wesentliches, übergeordnetes Ziel vieler Gassenhauer: die Ablenkung. Durch ihren polarisierenden Stil beziehungsweise Inhalt tragen sie zur weiteren Spaltung der Gesellschaft bei. Fiese Maskus arbeiten sich an „Barbie“ ab, fiese Feminist_*Innen und Antirassist_*Innen an „Black Hawk Down“. Diejenigen, die für fehlgeleitete Militäreinsätze und imperialistische Sperenzchen im Ausland beziehungsweise fehlgeleitete Familienpolitik und ideologische Sperenzchen im Inland zuständig sind, geraten aus dem Fokus. Die Leute schlagen sich die Köpfe ein und Rekruten für die jeweiligen identitären Lager können oftmals auch rekrutiert werden. Die einen schwenken die Deutschlandflagge, die anderen den Regenbogen. Leute, die wirklich was am System verändern wollen, haben keine Flagge, aber hierzulande eben auch nichts zu melden. Zumindest nichts, was berichtet oder verfilmt werden sollte (außer als Antithese – ein Anti-Querdenkertatort mit Maria Furtwängler, aber nicht, dass der bald noch kommt…). Und am Ende bleibt die Mehrheit der Bürger brave, konsumierende Wähler des Kartells.

    Das heißt im Übrigen nicht, dass ich prinzipiell etwas gegen Filme als Mittel zur persönlichen Ablenkung hätte oder beim Bügeln im Hintergrund nicht auch „Black Hawk Down“ laufen ließe, so ich noch eine Glotze hätte oder die ZDF-Mediathek besuchen würde (bei „Barbie“ würde es zugeben schwierig für mich). Ich ließ mich früher zum Entspannen auch gerne vom „Alten“ berieseln oder der „SOKO 5113“, wenn ich zu faul war die Fernbedienung zu heben. Aber man sollte sich seine kritischen Augen bewahren (weniger Fernsehen hilft dabei im doppelten Sinne). Doch sucht man wirklich kritische Filme, vielleicht auch um Bekannten mal ein kritisches Thema zu vermitteln, muss man sich schon ins Archiv bemühen oder lange im heutigen Programm nach etwas potentiell Passendem suchen. Und das hat eben seine Gründe.

    1. Das haben Sie sehr gut beschrieben. Wir haben uns die Glotze abgewöhnt und sehen nur noch selten, obwohl das im Winter nicht immer einfach war.

      Seitdem lesen wir wieder mehr, machen Musik, wntwickeln unsere Filme und Bilder (analog), klucken mit Freunden und Nachbarn rum oder beschäftigen uns mit anderen Dingen.
      Im Somner ist es einfacher weil es im Garten genug Arbeit gibt und das Wetter genießen können.

      Das wir trotzdem an die Ganoven-Einzug-Zentrale für Sendungen zahlen müssen die wir nicht sehen wollen ist eine Schweinerei.

      1. @ Otto0815
        Danke für Ihre Rückmeldung.

        Ich selbst benutze den Fernseher nur noch zum Abspielen meiner DVD-Sammlung. Ein Smartphone habe ich mir nie zugelegt und soziale Medien (wenn man von diesem Forum und hin und wieder dem Anschauen eines Beitrags auf YouTube absieht) nutze ich gar nicht (mehr). Facebook hatte ich mir mal gegeben, bin ich vor fünfzehn Jahren nach kurzer Zeit wieder raus. Die zwei Monate hatten mir genügt, noch besser wäre es gewesen nur zwei Tage daran teilzunehmen oder gleich gar nicht mitgemacht zu haben.

        Was die GEZ-Gebühren betrifft, wie immer man sie heute nennen mag – da bin ich ganz bei Ihnen. Nur als „Schweinerei“ würde ich sie nicht bezeichnen. Schweine sind soziale und intelligente Wesen, die Dreck nicht sonderlich mögen, sondern sich nur notgedrungen darin suhlen. Von ÖR-Machern und angeschlossenem Politikapparat würde ich das nicht behaupten wollen.

    1. Auf Arte lief gestern folgendes:
      20:15 Plan A eine auf Tatsachen basierender Film in dem eine jüdische Widerstandsgruppe von Holocoust-Überlebenden 1945 plant das Trinkwasser von mindestens 6 Millionen Deutschen zu vergiften. Der Film erzählt von den Vorbereitungen. Deutsch/Israelisch/Britische Koproduktion von 2015 …
      21:55 geht arte der spannenden Frage nach ob Barbie Die perfekte Frau ist Deutschland 2023
      22:50 The Death of Stalin Eine angebliche Satire basierend auf einen französischen Compic In Russland als „Antirussische Propaganda“ verboten im Westen mit Filmpreisen überhäuft
      Belgien / Frankreich / Großbritannien, 2016
      (mit Material von tvinfo.de)

      Von Jüdischen Terroristen über Barbie zum verfilmten Propaganda-Comic. Beim französichen Staatssender wird eben jede Form des Hasses bedient.

  5. Da läuft in der Glotze endlich mal wieder ein richtig guter Film statt dem üblichen Tatort-Schrott und dem ganzen Betroffenheitsgedöns und dann paßt es auch wieder nicht.
    Klar ist das ein Hollywoodfilm, mit Vereinfachungen, Verkürzungen und eben auch Pathos. Solche Filme sind aber auch keine Geschichtsdokus, sondern Unterhaltungskino und das wird nicht für verkopfte Intellektuelle gemacht oder solche die es werden wollen, sondern für Typen wie mich, die sich auch mal einen Actionfilm anschauen. Und es ist natürlich klar, daß jene mit Black Hawk Down nichts anfangen können, die schon einen Brechreiz bekommen, wenn sie das Sternenbanner sehen. Ob der Autor den Film jemals wirklich ganz angeschaut hat wage ich ja zu bezweifeln, jedenfalls hat trotz aller künsterlischen Freiheiten Black Hawk Down mehr Realitätsnähe als dieser Artikel, der ins immer gleiche Horn stößt. Interessant ist zudem, daß mit keinem Wort erwähnt wird, von wem die Welt das gescheiterte Somalia erbte oder daß während der Operation Restore Hope die Amerikaner zum ersten Mal mit al-Qaida konfrontiert wurden.

    1. „von wem die Welt das gescheiterte Somalia erbte“
      Formal von dem Mann, mit dem Ben Wisch 16 Jahre vor „Operation Irene“ um die Formalien für die Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ feilschte. Hat mich auch gestört, das Bürger ihn nicht erwähnt hat, war nämlich eine interessante Figur der Zeitgeschichte (also der ungenannte Herr, aber ebenso natürlich Ben Wisch).

      Letztlich aber auch nur ein Bauer auf dem geopolitischen Schachbrett der Großen (ebenso Mengistu im benachbarten Äthiopien). Deshalb müssten im Grunde eine Reihe ausländischer Vettern und Nichten, die mit ihrem Unterstützen diverser Gruppen in Somalia nicht unerheblich zur Erbschaft beitrugen (und bis heute beitragen), genannt werden. Ist wie beim Tigray-Krieg, den hier keine Sau interessierte. Dessen Wurzeln reichen auch in die damalige Zeit zurück.

      1. Es gibt bessere Filme, AktionFilm aka Blockbuster immer patriotischer Mist. Immer. Die wollen triggern, bewusst, Amiland Geilomat, alle.
        Und alle, alle Filme aus dieser putzigen Hollywood Scenerie, alle , sind Verachtenswert in Ihrer Darstellung, beleidigend, abwertend in der Darstellung des vermeintlichen Feindbildes.
        Erschreckend, sei es gegenüber Indianern ( Western Zeugs ), oder eben Japan (PearlHarbor), das ist alles so unwürdig gegenüber anderen.

        1. Sie schreiben :
          „Es gibt bessere Filme “

          Ja , z.Beisp. „Stalker“ ( den von Tarkowski wohlgemerkt ) , oder “ leuchte, mein Stern, leuchte“.
          Das sind Filme, die versuchen eine Brücke ins Transzendentale zu schlagen .

          Ami-Filme sind immer „Leib-Filme“, die US’ler können nichts anderes machen; ist halt so.
          Nun ist gegen einen kurzweiligen Film, der nur unterhalten will, ja nichts einzuwenden, aber ein solcher Herrenmenschen-Propaganda-Schrott ist einfach nur abstoßend und gefährlich !

          Wer so was öffentlich gut heißt, outet sich als potenzieller NAZI !

          1. … nichts gegen einen kurzweiligen Action-Film …
            Das ist sicher richtig. Leider handelt es sich nicht um EINEN Film (sagen wir: pro Woche), sondern um eine Inflation von Filmen, alle mit der gleichen Botschaft der Gewalt. Es ist offensichtlich, dass schwache Charaktere dadurch beeinflusst werden und dann ein eher lockeres Verhältnis zur Gewalt bekommen. Gewalt im Film sollte immer schlüssig sein und nicht Selbstzweck – was sie längst geworden ist.

            Deutsche „Betroffenheitsstreifen“ mag ich aber auch nicht und vermeide sie, wo es geht.

          2. „Wer so was öffentlich gut heißt, outet sich als potenzieller NAZI !“

            Bischen übertrieben. Den die Amis bekommen, trotz aller Heldenhaftigkeit, die Schnautze richtig poliert.

  6. Ich 2019 Maroc, bin da öfter, es sollte auch bekannt sein zb. Marakech ist Filmhauptstadt Afrika, alles billig, Palmen und so. Blonde Frauen Mangelware, es gibt dort so Art Tourismus hin, für Filmauftritte, Engagements. Bin paarmal auf WomanTicket heimgeflogen, kost 10€ an PassKontrolle Agadir. Dann gehts.
    Ich jedenfalls Essouiera, so am Atlantik, latsch mal raus aus Medina, ups, das kenn ich doch, so Betonbogen “ Welcome to Mogadischo“, steht da so über Straße, paar Häuser so als Post-Ofice, und was weiss ich gelabelt, alles mit diversen so EinschußDellen. Bewohnt, locker, alles wie normal.
    In da Town. Warum auch nicht.
    Diese Filme, dieser ganze PropagandaMist, diese Meinungsmache, das interressiert da niemanden, da gehts um Miete, Brot und Dach übern Kopp.
    Und mich ehrlich gesagt auch nicht.
    Habe den Film gesehen, mir leicht ein gefeixt, abtlg. Yankee bekommt einen übergebraten. Das es soviele Opfer auf Ziviler Seite gab, mir vollkommen unbekannt. Ich hätte es wissen müssen.
    Es gab 2020 fetten dreh mit so Korea (Nord) Staffage dort, einige Häuser geflagt, fett kaputte Autos davor.
    Interressiert niemanden. Brot, Dach,evtl. Bett ist gewünscht, 5 x Moschee, Suppe, reicht auch. Das sind dort nette, sehr nette und freundliche Menschen. Ich kann gut mit denen sprech mittlerweile so semi Berber-Arab. lol. Ziehe da in Rente hin.

    1. Ihr Text ist ein bisschen anstrengend zu lesen. Nichts für ungut, falls Deutsch nicht Ihre Muttersprache ist. Aber falls doch: Wo lernt man so eine Sprache? Und warum?

  7. Ein putziges Völkchen, das sich gerne über die USA beschwert, aber ganz tief im anal sitzt.

    Man liefert Waffen, muss aber sich vorher mit seinem Partner absprechen. Man verkauft Waffen damit man Frieden erhält. Man schließt Diplomatie aus, weil der opponent ein Autokrat ist…
    Die gelebten Krankheiten sind nicht da draussen, nein, sie sind tief verankert in der deutschen Gesellschaft.
    Armes armes Deutschland der Neoliberalismus frisst euch auf, ohne das ‚ihr‘ das merkt.

    1. Im Prinzip richtig. Nur dass wir diese widerwärtige Arschkriecherei auch ohne neoliberalen Zeitgeist hinbekommen.
      Die meisten Churchillzitate sind zwar nicht ausreichend sicher belegt, aber meistens gut. Mein Favorit: „Du hast die Deutschen entweder auf den Knien oder an der Gurgel“

      Aber wenn man ganz ehrlich ist -kann man gelegentlich schon mal machen- dann sieht es bei anderen Nationen auch nicht so viel besser aus. Wenn ich mir anschaue, was bei unseren polnischen Nachbarn, der Heimat meiner Vorfahren, abgeht, kommt auch keine richtig gute Stimmung auf.

      1. 1211 da haben sie schon recht mit Ihrer Aussage, im letzten Absatz.
        Das grösste ‚Reich‘ an Fläche, bleibt immer noch der Commonwealth!
        Jedoch ist der Commonwealth nicht alleinig das Problem, sondern die etlichen ungeklärten bzw. verheimlichten ‚Privatkontrakte‘.
        @Hermes 335
        Die Demokratie muss letztendlich von den Bürgern in eine ehrliche/wirkliche Demokratie eingefordert werden. Sehr viele Staaten werden von kriminellen oder untauglichen Personen geführt.
        Ein Beispiel dazu der digitale Service act, wird als unsere Werte dargeboten und letztendlich werden 99% ihrer ‚Freiheit’beraubt.

    2. Schließe bitte von der Vasallentruppe in Berlin und Brüssel nicht auf das, was die Deutschen und Europäer wollen!
      Die Gestalten in Brüssel haben genauso wenig mit dem Willen der Menschen hier gemein, wie die unsäglich dumme Ampel in Berlin. Das Problem ist halt – man wird sie nicht mehr los! Wählen? Wen denn? Nicht wählen? Abwählen unmöglich!

  8. „Jeder tote US-Ami mehr ist eine Wohltat für den Planeten“ schreibt der Scheußling mit dem passenden Namen über mir..

    Und sowas findet man hier normal? Da regt sich keiner? Wenn das mal nicht Menschenverachtung pur ist. Hier in dem Faden bestätigt sich aber wieder jedes einzelne Vorurteil welches man bezüglichen Linken hegen kann, von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen und zeigt, die Realität ist noch viel schlimmer. Der wahre Haß sitzt links.

    1. „Ich bin ein zu alter Hase um mich über solche Dinge noch sonderlich groß aufzuregen“ (aus: Der Längste Tag, 1961).

      Man möge mir diese Haltung als Fatalismus, Kapitulation, oder Verkommenheit auslegen, aber ich habe es mir abgewöhnt die Trolle in Foren zu Mäßigung, Respekt und einem Reflektieren ihres eigenen Standpunkts anhalten zu wollen. Von einem Erkennen und Hinterfragen ihrer jeweiligen menschenverachtenden Positionen ganz zu schweigen. Der eine Forist hetzt gegen US-Amerikaner, der andere gegen Russen, ein dritter erbricht Verbalinjurien gegen die Overton-Redaktion und bei Artikeln, die Israel / Palästina behandeln, sollte man gar nicht erst reinschauen, da man nicht weiß, welche Seite gerade tiefer sinkt. Der eine nennt Verteibungen einen „natürlichen Umzug“, der andere verharmlost Terrorangriffe als „Widerstand“.

      Ich habe meine zwei Groschen zur Verrohung – gesellschaftlich im Allgemeinen, aber auch von Debatten und Foren im Speziellen – hier schon an anderer Stelle hinterlassen. Er betrifft gewiss nicht nur – und auch nicht überwiegend – die sich als „Links“ verstehende, in Wahrheit aber bloß „link“ agierende Seite, seien Sie dessen versichert. Dazu genügt ein Blick in englischsprachige Foren und Kommentarspalten. Auch schön ist das Forum bei standard.at, da findet sich Menschenverachtung in allen politischen Sorten und Geschmacksrichtungen. Der wahre Hass sitzt in uns allen; nur werden manche von uns erwachsen und lernen ihre Gefühle und Triebe zu kontrollieren und ihr Verhalten zu reflektieren, während andere mit ihrem Geplärr eigentlich nur signalisieren, dass Mutti sie aus dem schwarz-weiß-roten, regenbogenfarbenen oder sonstwie ideologisch gefärbten Bällebad abhole möge.

      Ich verschwende meine Zeit nun lieber mit Sinnvollerem und lege mir darum „7 Days in Entebbe“ (Padilha, 2018) in den DVD-Player… auch böses Kriegskino, gewiss, aber ich kann das Gucken eines Films vom Kritisieren desselbigen oder der filmindustriellen Mechanismen trennen (zumindest rede ich es mir ein…)

      1. @ Altlandrebell:

        Natürlich haben Sie recht. An manchen Tagen überlese ich sowas auch, manchmal nervt es mich aber gewaltig. Ich will ja nicht mal behaupten, daß ich nicht auch mal einen raushaue, aber zumindest bin ich in der Lage zu erkenne, wenn ich daneben liege und reflektiere das auch mal, mindestens für mich.

        Ich bin aber froh, daß wenigstens Sie es so sehen, daß eine solche Aussage nicht geht. Und da ist mir egal, ob man das über Amerikaner, Russen oder Chinesen sagt. Das ist wie nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.

        Der Kommentar scheint aber gelöscht zu sein.

        Interessant, durch Zufall sah ich neulich …die keine Gnade kennen/ Raid on Entebbe von 1977.
        Ich kann Filme auch von der Realität trennen. Natürlich weiß ich, daß auch das Pentagon gerne mal Hollywood sponsort, aber letztlich es sind nur Filme. Man kann sich auch die berühmte Primel, Sie wissen schon….

        Und ich weiß auch, daß es kein rein linkes Phänomen ist, findet sich eigentlich in jedem Forum. Ich glaube diese vermeintliche Anonymität kitzelt auch nicht gerade das Beste aus den Menschen heraus.
        Ich will auch nicht behaupten, daß Rechte bessere Menschen sind, definitiv war zumindest der Umgangston auf Sezession besser. Da wird man zwar auch belehrt oder es gibt welche die einen für dumm erklären, wenn man etwas anders sieht, aber so richtige Entgleisungen habe ich da nicht erlebt. RT war teilweise auch übel und beim Röper war es ähnlich.

        Ich weiß bis heute nicht, wie ich verbale Gewalt werten soll. Ist es ein Ventil, was Leute abhält wirklich gewalttätig zu werden, dann wäre es das kleiner Übel oder ist es eine Vorstufe, die eventuell eskalieren kann. Ich würde aber behaupten ohne es belegen zu können, daß eine gewisse Verrohung immer mehr zunimmt, leider nicht nur virtuell. Irgendwie brauchen die Menschen mehr Erdung. Persönlich bin ich mir sicher, überall auf der Welt sind die meisten Menschen anständig, das einzige was sie trennt ist die Politik von der Spitze.

        Schönen Gruß!

        1. „Ist es ein Ventil, was Leute abhält wirklich gewalttätig zu werden, dann wäre es das kleiner Übel oder ist es eine Vorstufe“

          Ich fürchte es ist beides und daher eine Typfrage. Und das schwierige hier am Internet ist, dass – wie wir beide ja schon selbst bei uns gemerkt haben –dort Mimik, Gestik et cetera fehlen und man nicht weiß, welcher Typ einem gegenübersitzt. Im realen Leben kann man das Gegenüber vielleicht noch einschätzen. Hinterm Bildschirm wird es schwieriger. Trollt der? Verarbeitet die gerade Knatsch mit ihrem Alten? Planen die gleichen einen Amoklauf? Wenn man die Mitforisten länger oder auf persönlicher Ebene kennt, vermag man es vielleicht auch dann einzuordnen. Aber wenn da einfach nur „Sonnendelfin0304“ steht, kann man das nicht eruieren (außer man ist Profiler oder hat 40 Jahre Lebenserfahrung als Streetworker und wohl nicht mal dann). Klarnamenpflicht hilft m.E. auch nicht, was bringt es, wenn da „Detlev Müller-Lüdenscheid“ im Profilnamen steht? Erleichtert vielleicht die Strafverfolgung, aber mehr Erkenntnis über den Menschen hinter dem Bildschirm bekommt man als Mitforist nicht wirklich.

          „aber letztlich es sind nur Filme“
          Stimmt schon auf der einen Ebene. Auf der anderen werden Sie eben auch eingesetzt und als Instrument benutzt. Gerade die größeren Nummern dienen häufig den jeweiligen Sponsoren (ob das der Staat, ein Konzern, eine Religionsgruppe oder wer auch immer ist). Ich habe es in meiner Schulzeit erlebt, wie gerade Spielfilme von Lehrern im Unterricht gezeigt und dann auch gerne mal als „Wahrheitsvermittler“ verwendet wurden um bestimmte „Werte“ die gerade en vogue waren, einzuschleifen. Und das dann wenig mit kritischer Diskussion im Anschluss lief, beziehungsweise die Kritikeinwendung dann Konsequenzen für den Schüler haben kann (war da mal was mit „Überwältigungsverbot“?). Ich nehme jetzt mal bewusst keinen Historien- oder Kriegsfilm wie „Black Hawk Down“, sondern ein harmloseres Beispiel: „Mississippi Burning“ (Parker, 1988) schätze ich dramaturgisch und von der schauspielerischen Leistung (Hackman) her, mit einigen der vermittelten Botschaften (Unrecht mit unlauteren Mitteln bekämpfen) gehe ich aber nicht d’accord. Das stört mich nicht, wenn ich den Film zur Unterhaltung gucke oder im Hintergrund laufen lasse. Wenn so ein Film jedoch im Englischunterricht behandelt und vielleicht zum Gegenstand einer Klassenarbeit wird, dann kann das hierzulande für kritische Geister problematisch werden. Denn solche unterschwellig transportierten Botschaften wurden bereits zu meiner Zeit gerne mal als Norm gesetzt. Natürlich nicht explizit, wir sind nicht in Turkmenistan oder Nordkorea. Aber die freie Meinung beziehungsweise „Schülerorientierung“ blieb nicht selten auf der Strecke. Ich mutmaße, dass es heute noch weitaus schlimmer geworden ist – nach dem Motto „Unrecht mit Unrecht bekämpfen ist schon richtig, klebt euch ruhig mal auf die Straße, um es den bösen Diesel-Umweltsäuen da draußen zu zeigen“.

          Zum Abschluss noch etwas „Filmisches“. „Dunkirk“ von Nolan kann ich noch empfehlen. Ein Kriegsfilm und Antikriegsfilm in einem. Kommt ohne großes Brimbamborium aus und ist auch sehr fesselnd, gerade weil er es unterlässt „den Feind“ als „fiese Fratzen“ auftreten zu lassen. Das ist bei „1917“ nicht so geglückt. Der beginnt m.E. stark und vermittelt sehr eindringlich die Schützengrabenatmosphäre, aber im Mittelteil ab dem Flugzeugabsturz wird es lausig und natürlich müssen dann auch wieder finstere Pickelhelmschurken sein. Das hätte man besser machen können, da ist „Dunkirk“ realistischer.

          Schöne Grüße ins Rheinland und bis dann
          Ihr Altlandrebell

        2. @“RT war teilweise auch übel und beim Röper war es ähnlich.“

          RT bedient ja vorzugsweise Rechtsradikale in Deutschland. und das macht RT unerträglich.

          RT täte gut daran ds nicht zu tun.

    2. Majestyk sagt: 3. August 2023 um 19:48 Uhr (Quelle):

      Über den Einsatz der Kernwaffen gegen Japan kann man streiten, generell wurden mindestens zwei Atombomben zu wenig eingesetzt. Dazu hätte es aber eines Mannes an der Spitze wie Douglas MacArthur bedurft und nicht so ein Weichei wir Harry Truman.

      Typisch Majestykische Doppelmoral bei den Asiaten können es nicht genug Tote sein. Wogegen jedes amerikanische Leben zählt.

      1. Die Antwort, Typisch Majestykisches Schweigen für eine Woche!
        ChatGPT kann für ihn, nämlich keine wiedersprüchlich, sinnvolle Antworten generieren!

  9. Seit der Film kommerzialisiert wurde – dies geschah bereits wenige Monate nach den ersten Vorführungen im ausgehenden, 19ten Jahrhundert – waren PR und Propaganda ein sehr gewichtiger Teil dessen. Wir lieben Jack Ryan, James Bond und all die vielen Superhelden. Sie geben der Nation Größe, dem einzelnen Bürger eine Identifikationsplatform. Die Bösen sind deutscher, russischer oder arabischer Herkunft. Das ist wirklich ein alter Hut. Nun stören sich die Geister daran, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender einen Pro-Kriegsfilm mit propagandistischer Zeichnung gesendet wird.
    Wussten Sie, dass bei Terroranschlägen in den USA oder deren Verbündeter keine Friedenssongs im Radio gespielt werden? Es existiert wohl eine Liste von Antikriegsfilmen und Friedensongs, die nimm bestimmten Momenten auf einen Index geraten. Auf das ist nichts Neues.
    Übrigens gibt es auch sehr gute, amerikanische, britische oder auch russische Antikriegsfilme: Wege zum Ruhm, Dr. Seltsam, Thin red Line, Apokalypse Now, Geh und sieh, und nur ein paar wenige zu nennen. Auch diese Filme werden bei den öffentlich rechtlichen Sendern ausgestrahlt – der Fairness halber sollte dies erwähnt sein dürfen.

    Wenn man sich also über derartige Vorkommnisse aufregen kann, so genügt es am Ende nicht, sich mit einem Kommentar abzureagieren. Werden sie aktiv, gehen Sie auf die Straße, bilden Sie Gemeinschaften… Warum geschieht das so selten und wenn, dann doch nur temporär aufgrund eines Aufpoppens von Eklat?

    Die Bequemlichkeit ist unser größter Feind. Sie ermöglicht, dass sich kaum oder in vielen Feldern nie etwas ändern wird. Solange wir, das Volk, glauben, dass wir sowieso nichts ändern können und uns lieber zuhause auf dem Sofa bequemen, können wir uns zumindest einreden, dass wir kritisch sind, weil wir schließlich Kommentare verfassen…

    P.S. verstehen Sie mich nicht falsch: kritische Diskurse sind notwendig und wichtig. Auch ich nehme gern daran teil.

    1. @“Wussten Sie, dass bei Terroranschlägen in den USA oder deren Verbündeter keine Friedenssongs im Radio gespielt werden? “

      Ist das in Deutschland anders? Nein!
      Während des Irak-Kriegs durfte auch der Song „Über den Wolken“ von Reinhard Mey nicht gespielt werden.

      Eve of Destruction durfte während des Vietnam-Kriegs nicht gespielt werden. Das sind nur 2 Beispiele.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Eve_of_Destruction

  10. Eigentlich seit der Stummfilmzeit wird das Miltär und Miltärische filmisch verherrlicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Etliche Miltärwestern wären dazuzurechnen. Neu bei den Blockbustern ist die offene und „freundschaftliche“ Kooperation zwischen Produktion und Miltär, das seit Jahren eine eigene Abteilung dafür hat. Die Filme sind Materialschlachten, die nur so zu realisieren sind. Ideologische Botschaften sind da selbstverständlich. Oft bleibt auch die erzählerische und ästhetische Plausibilität auf der Strecke. Dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen das verbreitet, ist ein deutliches Zeichen. Einen französischen Film, der zumindest ein paar Jahre in Frankreich wegen Verletzung der Ehre der Armee verboten war, obwohl er ein dokumentiertes Massaker behandelte, wurde bisher nicht gezeigt.

  11. Es sah so einfach aus: wir hauen diesen Aidid weg, dann ist Ruhe im Karton. Am Schluss sind 1000 Somalier tot, aber Aidid nicht. Der wurde dann noch Präsident. Dass sich dieses Drama zumindest teilweise im Film wiederspiegelt, könnte einen verleiten, ihn als Antikriegsfilm einzuordnen. Aber Peter Bürger hat recht, wenn er das nicht tut. Das war der erste Mobilisierungsfilm, der dann später Afghanistan und Irak nach sich zog.

    Die Amerikaner hatten sich nach Vietnam eindeutig positioniert: sie wollten keine Interventionen mehr und auch keine Propagandafilme. Ronald Reagan, dem das überhaupt nicht passte, wollte in Nicaragua eingreifen. Aber er fürchtete die öffentliche Empörung und musste einen Waffendeal mit Erzfeind Iran eingehen, um die Contras mit Waffen zu versorgen. Das Ereignis in Somalia hat die Öffentlichkeit wahrscheinlich gar nicht erfahren. Das kam erst im Film.

    2001 ist das Jahr, in dem dann alles anders wurde. Der Film wurde zwar schon vor 9/11 begonnen, aber man sieht an vielen Stellen, dass es da ein Vorwissen gab. Ab da war das Tabu gebrochen: jetzt durfte man wieder nach Herzenslust intervenieren.

    Hätte auch ein kleineres Ereignis genügt, um diesen Effekt zu erzielen? Nein, das war auffallend gut kalibriert.

    1. @“Es sah so einfach aus: wir hauen diesen Aidid weg, dann ist Ruhe im Karton. Am Schluss sind 1000 Somalier tot, aber Aidid nicht.“

      Es sah so einfach aus für Baerbock und Habeck, die lassen Waffen an die Saudis liefern und die führen Krieg gegen den Jemen und bringen über 100, wenn nicht Tausende, Flüchtlinge in der Wüste um.

      Hauptsache die kommen nicht nach Deutschland.

      Eine klasse Arbeitsteilung hat man sich da ausgedacht. Doppelmoral hoch drei!

      Zum Film: Wer sich diesen Schrott ansieht und sich dann darüber aufregt kann wohl nicht ganz richtig sein.
      Letztendlich zeigt es nur auf welchem Niveau sich der Zuschauer befindet.

    2. @“Es sah so einfach aus: wir hauen diesen Aidid weg, dann ist Ruhe im Karton. Am Schluss sind 1000 Somalier tot, aber Aidid nicht.“

      Es sah so einfach aus für Baerbock und Habeck, die lassen Waffen an die Saudis liefern und die führen Krieg gegen den Jemen und bringen über 100, wenn nicht Tausende, Flüchtlinge in der Wüste um.

      Hauptsache die kommen nicht nach Deutschland.

      Eine klasse Arbeitsteilung hat man sich da ausgedacht. Doppelmoral hoch drei!

      Zum Film: Wer sich diesen Schrott ansieht und sich dann darüber aufregt kann wohl nicht ganz richtig im Kopf sein.
      Letztendlich zeigt es nur auf welchem Niveau sich der Zuschauer befindet.

    3. Es war nicht der erste Moblisierungsfilm, selbst wenn man die Weltkriege ausnimmt. Und auch nach dem Vietnamkrieg gab es Propgandafilme, zb. Für „notwendige“ „humanitäre“ Interventionen in zumeist vage bleibende Länder.

  12. Das Bild der USler auf dem Markt hat was und lässt Interpretationsspielraum. Da spielen sie wohl mal wieder Vietnam (DER Film, live) und die Somalis scheinen sich über die aufgeregten US-Spinner noch zu amüsieren.

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