Krieg gegen den Iran: In Ordnung, trifft doch die Richtigen?

Start von iranischen Raketen, wo und wann unklar. Bild: Amin Ahouei/Tasnim

Der erste Schlag vergangenen Sommer hat offenbar den USA und Israel nicht ausgereicht. Die iranische Regierung hielt weiter an ihrer Macht fest, unterdrückte Widerstand und wollte das Atomprogramm nicht komplett aufgeben. Der zweite Schlag fällt nun wesentlich härter aus. Empörung der Öffentlichkeit über den erneuten Angriffskrieg? Kaum, sondern Zustimmung oder Skepsis über Vorgehen (Völkerrecht!) und Erfolg. Dann schauen wir uns mal die Begründungen an.   

„Eine Mehrheit der Bundesbürger steht dem militärischen Vorgehen der USA und Israels gegen das iranische Regime kritisch gegenüber. Nach den Angriffen auf Ziele im Iran und der Tötung des Anführers der Mullah-Führung halten 57 Prozent der Deutschen das Vorgehen für nicht richtig. Nur 29 Prozent befürworten die Attacken, 14 Prozent äußern keine Meinung. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL/ntv hervor.“ Eine deutsche Beteiligung am Krieg lehnthttps://www.n-tv.de/politik/Forsa-Umfrage-Mehrheit-der-Deutschen-lehnt-Angriff-von-USA-und-Israel-auf-Iran-ab-id30423274.html ebenfalls eine Mehrheit ab, selbst unter den Befürwortern des Angriffs sind zwei Drittel dagegen.

Da ruft mal eben jemand von einem Meinungsforschungsinstitut an, und man soll zu einem Krieg in einem fernen Land Stellung beziehen. Manche sind dann überfordert, weil sie gerade die Kommentare in Tagesschau, RTL-News oder in der Lokalzeitung nicht parat haben. Außerdem haben sie anderes im Kopf: ihren Job, ihre Angehörigen und vielleicht noch das nächste Spiel mit dem Verein. Also sagen sie „Weiß nicht“.

Die Mehrheit allerdings hat sich schon eine Meinung gebildet. Das las, hörte und sah man ja schon seit Wochen: Die USA ziehen um den Iran herum Militär zusammen, es sieht nach einem Krieg aus. Die meisten finden aber Krieg nun einmal nicht gut, warum verhandeln die denn nicht weiter miteinander? Deshalb halten sie das gewalttätige Vorgehen von USA und Israel für nicht richtig. Die Minderheit unter den Informierten unterstützt das aber, womöglich, weil damit ein böses „Regime“ endlich beendet wird.

Wie auch immer die jeweiligen Beweggründe für die Antworten genau aussehen: Auf die Meinung der normalen Leute kommt es nicht an. Danach richtet sich die Außenpolitik einer deutschen Bundesregierung nicht aus. Doch als Berufungstitel für die Regierung taugen sie allemal. Und eines steht für sie fest: Das „Mullah-Regime“ (Bundeskanzler Friedrich Merz) muss weg. Darin herrscht weitgehende Einigkeit in der Öffentlichkeit – in der Regierung, im Bundestag, in den maßgeblichen Medien und bei den meisten unmaßgeblichen Normalbürgern.

Dann schauen wir uns die Begründungen einmal genauer an, die einen solchen Konsens erzeugen (zu denjenigen im vergangenen Sommer beim ersten Iran-Krieg siehe Angriffskriege, die man gut finden darf):

„Dem mörderischen Mullah-Regime geschieht es ganz recht, dass es mit Hilfe der USA und Israels gestürzt wird.“

In puncto „mörderisches Regime“ gibt es in dieser nicht eben friedlichen Welt ziemlich viele Kandidaten. Die beiden Iran angreifenden Staaten dürfen sich diesbezüglich zu den Top-Adressen zählen. Die Kriege aufzulisten, die die USA seit Ende des Zweiten Weltkriegs geführt haben, fehlt hier schlicht der Platz. Es sind einfach zu viele. „Mörderisch“ ging diese Demokratie auch mit der Anzettelung von Putschen in Ländern vor, deren Regierung ihr nicht passten.

Unter anderem 1953 gegen die damalige Regierung unter Premierminister Mohammad Mossadegh im Iran. Sie hatte sich erdreistet, die britische Ölgesellschaft verstaatlichen zu wollen. Nach anfänglichem Zögern traten die USA Großbritannien im Widerstand dagegen zur Seite. Denn Mossadegh hatte mit der Unterstützung der Sowjetunion geliebäugelt. Im „Kalten Krieg“ für die USA ein No-Go: Die CIA inszenierte einen Putsch, an dessen Ende Mossadegh abgesetzt wurde und ein dem Westen gesichert treuer Schah wieder das Szepter übernahm.

Was die USA im Inneren alles angestellt haben, um mit Recht auch hier als „mörderisch“ genannt werden zu können, ist ebenfalls kein Geheimnis: Völkermord gegen die „Native Americans“, Sklaverei, tödlicher Rassismus und der tägliche mörderische Kampf „jeder gegen jeden“, durchziehen die US-amerikanische Geschichte wie ein roter Faden. Dazu gehören auch die jüngsten Erschießungen von Bürgern mit migrantischem Hintergrund durch Grenzschutzbehörden.

Und Israel? Ein Volk, das nach einem furchtbar mörderischen Leiden durch den Faschismus offenbar in seiner maßgeblichen Mehrheit den Schluss gezogen hat: In unserem Staat gelten nur wir, die Palästinenser nichts. Schlimmer noch: Sie sind per se unsere Feinde. Also behandeln wir sie entsprechend mörderisch – im Gaza-Streifen, im Westjordanland, in Libanon und Syrien (mehr dazu siehe: Warum ist für Israel die Zerstörung Gazas vernünftig). Wer dieses Programm scheinbar nicht entschlossen genug durchzieht, lernt die Gewalt der „Siedlerbewegung“ kennen. Ein Anhänger erschoss 1995 Premierminister Jitzchak Rabin.

Wenn also zwei erwiesenermaßen mörderische Staaten gegen einen weiteren ihrer Sorte vorgehen – da kann man sich doch gar nicht für eine Parteinahme entscheiden. Es sei denn, es kommt noch etwas hinzu:

„Jetzt kann das iranische Volk hoffentlich bald in Freiheit und Demokratie leben.“

So eine Art „Befreiung“ bislang von einer bösen Herrschaft unterdrückter Menschen durch zwei gute Herrschaften: Diese haben natürlich nur im Sinn, dass es den Leuten endlich besser geht, keiner ihnen vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben. Sie dürfen über ihr Schicksal selbst entscheiden, und natürlich kehrt endlich Wohlstand ein!

Zu den Kriegszielen der Angreifer passt diese Hoffnung nicht. Gegen den Iran gehen die USA nicht vor, weil es dort den Menschen schlecht geht, die Frauen Schleier tragen müssen und die islamische Religion Leitschnur der Herrschaft ist. Die United States sind jedenfalls bisher nicht aufgefallen, mit ihren Kriegen Wohlstand und Lebensglück zu exportieren. Mit Religion als wichtiger Stütze haben sie auch keine Probleme. Aktuell üben die evangelikalen Christen einen starken Einfluss auf die Regierung aus. Frauen müssen zwar keinen Schleier tragen, aber in vielen Bundesstaaten wird ihnen Abtreibung verboten. Und die jahrzehntelangen Sanktionen der USA gegen den Iran haben zuverlässig dazu beigetragen, dass es den Menschen dort schlecht geht.

Es stört vielmehr die Eigenmächtigkeit eines im Mittleren Osten großen Staates, sich den Ansagen aus Washington notorisch zu verweigern. Und sogar praktisch Widerstand zu leisten, auch gegen den US-amerikanischen Hauptverbündeten in der Region, gegen Israel. Die Unterstützung von Seiten der Feinde aus Russland und China macht den Iran umso mehr zur Zielscheibe. Wie bei Venezuela gilt es für die Trump-Administration, deren Zugriff auf wichtige Rohstoffe – Erdöl und Erdgas hauptsächlich – zu unterbinden.

Israel befeuert das Vorgehen der USA gegen den Iran im eigenen, besonderen Interesse: Der letzte verbliebene, machtvolle Unterstützer eines palästinensischen Staates soll endlich ausgeschaltet werden. Ob nach dem erhofften Zusammenbruch dort dann Freiheit und Demokratie oder gar so etwas wie Wohlstand einkehren, ist einerlei. Hauptsache, die neue Regierung gibt den Widerstand gegen Israel endgültig auf.

Die Bundesregierung steht dabei Israel weiter zur Seite:

Deutschland ist in einem „Dilemma“, laut Kanzler Merz. Mit völkerrechtlichen Maßnahmen habe man gegen den Iran nichts ausrichten können. Also müsste man – leider – außerhalb des Völkerrechts in diesem Fall handeln.

Aus seinem Lob für die „Drecksarbeit“ des israelischen Angriffs auf den Iran im vergangenen Sommer ist nun für Merz ein „Dilemma“ geworden. Dabei schert er sich einen Dreck um irgendwelche Bestimmungen im Völkerrecht im Hinblick auf Angriffskriege und die Achtung von nationalen Grenzen. „Die allgemeinen Regeln des Völkerrechts sind Bestandteil des Bundesrechts“ heißt es zwar in Artikel 25 des Grundgesetzes. Und im folgenden Artikel 26 sind Handlungen unter Strafe zu stellen, die die Führung eines Angriffskriegs vorbereiten. Die logistische Unterstützung des US-amerikanischen Militärs von Ramstein aus, also auf deutschem Boden, fiele darunter.

Aber wo kein Kläger ist, fehlt auch ein Richter: Eine Klage beim Verfassungsgericht wurde bisher nicht eingereicht. Von wem auch – Iran springt keine Partei bei, die „Mullahs“ müssen nach einhelliger Meinung weg. Nur über das „Wie“ wird dann die Nase gerümpft: Hätte man nicht den „Regime Change“ auch ohne Krieg hinbekommen? Und dann sich so unangenehme Vergleiche mit dem Ukraine-Krieg erspart – von wegen Russland habe das Völkerrecht missachtet mit einem Angriffskrieg, und deshalb sei dies mit allen Mitteln zu bekämpfen?

Das Völkerrecht ist nun einmal kein über den Staaten stehendes Gesetzeswerk. Die Nationen haben sich auf eine Art Sittenregel geeinigt, wie sie ihre Konflikte idealerweise handhaben – einschließlich Regeln im Krieg. Gegen diese Sitten verstoßen Staaten, wenn sie ihren Interessen im Wege stehen – wie im aktuellen Fall des Iran-Krieges. Und sie berufen sich auf sie, wenn sie damit andere Staaten an den internationalen Pranger stellen wollen – wie im Falle des Ukraine-Krieges.

Am Ende entscheidet die Gewalt: Das Völkerrecht legitimiert sie dann oder stört nur, weil es um „Höheres“ geht, zum Beispiel die Beseitigung eines „mörderischen Regimes“. Dabei kann der Vorstand einer untergeordneten Nation wie Deutschland ein „leider“ heucheln und von „völkerrechtlichen Maßnahmen“ fabulieren, die nicht gezogen hätten. Dass solche „Maßnahmen“ wie Wirtschaftsblockaden und erpresserischer diplomatischer Druck im Völkerrecht nicht vorkommen, interessiert einen Kanzler Merz nicht.

An Zynismus sind die konstruktiven Beiträge zur Beseitigung der iranischen Regierung kaum zu überbieten. In diese Kategorie gehört auch die Einbestellung des iranischen Botschafters in Berlin durch das Auswärtige Amt der Bundesregierung:

 „Wir haben das iranische Regime unmissverständlich dazu aufgefordert, seine rücksichtslosen Angriffe auf Staaten der Region unverzüglich einzustellen.“

Da wird ein Staat durch zwei andere angegriffen, greift deshalb seinerseits zu den Waffen – und wer von den beiden Parteien wird zur Räson gerufen? Die Bundesregierung fordert nicht die USA und Israel auf, die „rücksichtslosen Angriffe“ einzustellen. Sondern der überfallene Staat ist das Problem. Seine Gegenwehr in Richtung der Militärbasen der Angreifer und ihrer Gastgeber in den Golf-Anrainerstaaten hat er zu unterlassen. Das darf der Iran zwar laut „Völkerrecht“, von wegen Selbstverteidigung. Aber das hatten wir ja bereits, zählt nicht. Was Berlin damit von Teheran schlicht verlangt: Gebt auf!

Mit deutscher Friedensliebe hat das weniger zu tun als mit eigenem Interesse:

Erstens treibt der Krieg die Preise für Benzin, Gas und Strom hoch. Und zweitens stranden unschuldige Urlauber im Niemandsland! Also muss der Krieg schnell fertig werden, damit „unsere“ Wirtschaft nicht leidet und „unsere“ Mitbürger nach Hause können.

Die „Mullahs“ wegbomben, in Ordnung. Aber dass die sich mit der Sperrung der wichtigen Transportroute durch die Straße von Hormus wehren und damit „unsere“ Energie verteuern, ist natürlich ebenfalls „rücksichtslos“. Ein Grund mehr, dort mit Gewalt vorzugehen. Die Umkehrung funktioniert auch hier: USA und Israel haben mit ihrem Krieg die Sperrung provoziert. Diese war vom Iran für den Fall eines Angriffs angekündigt worden.

Nun ist sie da, und die deutsche Öffentlichkeit ist empört, sorgt sich um das empfindliche Pflänzchen Wirtschaftswachstum. Es könnte wieder eingehen! Volksnah bebildert wird das mit den steigenden Spritpreisen an den Tankstellen. Die Ölkonzerne schlagen ordentlich auf, nutzen ihre Gunst der Stunde. Obgleich sie das aktuell verkaufte Öl schon lange vor dem Krieg zu normalen Konditionen gebunkert haben. Aber so geht eben Kapitalismus: Eine Versorgung der Gesellschaft ist nicht das Ziel. Vielmehr schaut halt jedes Unternehmen, den maximalen Gewinn aus seinem Geschäft zu schlagen. Da stellt so ein Krieg mit Engpässen bei der Lieferung eine gute Gelegenheit dar.

Aus Sicht der deutschen Politik zwar ärgerlich und eine neuerliche Demonstration von bedenklichen Abhängigkeiten. Umso wichtiger aus deren Sicht demnach, dass der Krieg schnell zu einem erfolgreichen Ende kommt. Damit „wir“ wieder „unsere“ Energie aus dem Mittleren Osten reibungslos bekommen und zu einem günstigen Kurs. Darauf hat Deutschland schließlich einen Anspruch. Der wenn nötig mit Gewalt durchzusetzen ist.

Von dem Amis zwar, weil die Bundesmarine dazu – noch nicht – taugt. Was auch zum „Dilemma“ von Bundeskanzler Merz gehört: Allzu viel Vorbehalte gegenüber den USA kann man sich auch deshalb nicht leisten. Die US-Übermacht sorgt schließlich für den ungefährdeten Schiffstransport auch deutscher Im- und Exporte. Zum Beispiel wenn es dabei eine iranische Fregatte ohne Munition in internationalen Gewässern vor Sri Lanka trifft. Eine deutsche Empörung über die Verletzung des Seerechts und den Tod von 87 Besatzungsmitgliedern blieb wohlweislich aus.

Mitfühlender gerieten die Berichte über die in der Kriegsregion gestrandeten Urlauber. Rund 30.000 Deutsche saßen zu Kriegsbeginn dort fest. Die Journalisten weideten sich am Schicksal der Reisenden und konnten nicht genug von ihnen hören, wie sie den Krieg erlebt hatten. Weder sie noch die Touristen kamen dabei auf diejenigen zu sprechen, die ihnen das eingebrockt hatten.

Eine ordentliche Wut auf die Attacken von USA und Israel wäre schließlich verständlich gewesen. Doch dazu kein Wort. Kein Wunder, es wurden ja die „Richtigen“ getroffen. Kritik kam nur leise daran auf, dass die Bundesregierung eine Reisewarnung für die Golfstaaten früher hätte aussprechen sollen. Recht besehen etwas unfair: Die Überraschung, während Verhandlungen den Verhandlungspartner zu überfallen, wären damit schließlich zunichte gemacht worden.

Das Überraschungsmoment hatten USA und Israel auf ihrer Seite, jedoch:

Der Krieg gegen den Iran muss sein, aber wieder fehlt es an einer Strategie!

Vielleicht hätte Donald Trump mal bei Tomas Avenarius anrufen sollen. Der Journalist der Süddeutschen Zeitung hätte ihm in etwa das geraten: „…die Kunst des Kriegsführens (besteht) nicht nur im Fuchteln mit dem großen Hammer. Sie besteht auch in kleinen Fallen, Finten und Verlockungen, die den Gegner lähmen.“ (Tomas Avenarius: Bombardieren, ohne Strategie, in: SZ, 9. März 2026) Der Schreiber empfiehlt eine Strategie, die verständlich sein muss für „Freund und Feind“.

Die Golfstaaten, also die Freunde, sollen erklärt bekommen, „warum sie hilflos zusehen müssen, wie die Raketen-Kanoniere der Revolutionsgarde die Flughäfen und Ölfelder von Saudi-Arabien, Katar und Kuwait beschießen, die Wirtschaftswunder-Glitzerwelt von Dubai zerstören“. Seine Antwort in einem Halbsatz: Es müsse „…endlich mal zu einer zukunftsträchtigen Ordnung in Nahost“ kommen. Was er damit meint, erläutert er nicht. Unsere Vermutung: Eine Region, die den USA, Israel und ihren Verbündeten politisch und wirtschaftlich ohne Widerstand zur Verfügung steht. Die Öl, Gas und weitere Ressourcen problemlos bereitstellt, jede Menge Geschäftsgelegenheiten bietet, das Volk im Griff hat, zuverlässig ausbeutet und vor allem sich nicht mit den falschen Freunden aus Russland und China einlässt. Im Politik-Sprech nennt sich das dann „stabil“.

Die iranische Regierung steht dem im Weg. Der heiße Tipp des SZ-Kommentators: „Genau jetzt muss das politische und militärische Establishment auseinanderdividiert, also gespalten werden.“ Die für den Feind „verständliche“ Strategie lautet: „Es muss Zwietracht gesät werden in der Führung der Theokratie (…) Teile des Establishments (müssen) die Möglichkeit sehen, ihren Kopf – und ihren Staat – zu retten. Nur dann werden sie vielleicht einlenken und den Hardlinern etwas entgegensetzen.“

So plädiert ein demokratischer Journalist in der größten seriösen überregionalen Tageszeitung Deutschlands für die Anheizung eines Putsches. Das gehört halt zur „Kunst des Kriegsführens“. Man sieht: In Sachen Kriegstüchtigkeit sind die hiesigen Medien mittlerweile weit gekommen. Gute Gründe für einen Krieg kennen sie zuhauf. Und an wohlfeilen Ratschlägen an die Politik, konsequenter zuzuschlagen, lassen sie es nicht fehlen.

Denn der Krieg sollte möglichst schnell mit der Entmachtung der „Mullahs“ beendet werden. Umso skandalöser das Versagen der USA:

„Für die naheliegende Möglichkeit, dass Iran die Meerenge von Hormus schließen und damit ein Fünftel des globalen Nachschubs stoppen könnte, haben sich Trumps Leute nach eigener Aussage nicht gerüstet.“ (Nicolas Richter: Die Ahnungslosen, in: Süddeutsche Zeitung, 14. März 2026)

Wie lange muss nun die Welt unter dem Krieg leiden, weil der Ölfluss stockt und so das Geschäft behindert? Die Amis hätten die Meerenge sofort freischießen müssen, stattdessen: „Einfach mal drauflos, nach Bauchgefühl, ohne viel zu grübeln.“ Die Kriegsexperten hierzulande schütteln den Kopf – das hätten Friedrich und Boris bestimmt anders gemacht. „Jetzt zwingen ihn (Trump – B.H.) die Mullahs in eine Machtprobe: Wer kann die Schmerzen länger aushalten – das Regime in Teheran oder die Verbraucher in aller Welt, insbesondere in Amerika?“ Mit der schlimmen Konsequenz, dass die USA sich gezwungen sehen könnten, den Angriff früher zu beenden als geplant, „und das Ziel eines Regimewechsels in Teheran aufzugeben“ (alle Zitate: Richter, a.a.O.). Was selbstverständlich das Allerschlimmste wäre.

Andererseits sorgt sich die Bundesregierung um ein mögliches Kriegsergebnis:

Kanzler Merz fügt seinem „Dilemma“ die Warnung vor einem „endlosen Krieg“ hinzu. Auch ein Zerfall Irans sei gefährlich: „Solche Szenarien könnten weitreichende Folgen für Europa haben, unter anderem für Sicherheit, Energieversorgung und Migration.“

Ein ordentlicher Staat mit einer Regierung, der ein Volk gehorcht und mit der man verlässliche Geschäfte machen kann, die im Nahen und Mittleren Osten die richtigen Freunde (USA, Israel & Co) und Feinde (Russland und China) hat, das sollte schon am Ende des Überfalls als Ergebnis herauskommen. Öl und Gas sollten zuverlässig gen Westen fließen, und die Iraner bitte schön nicht auf die Idee kommen, in Massen nach Europa auszuwandern. Ihr Elend sollen sie brav in ihrer Heimat ertragen. Dafür ist natürlich eine „stabile“ Regierung wichtig. Die ihre Gewalt richtig einsetzt und ihre Bürger an der Flucht hindert.

Im Kriegsziel ist sich Deutschland mit den Angreifern USA und Israel einig. Sie treffen die Richtigen, also geht das Töten und Zerstören in Ordnung. Und dass der Iran mitten in Verhandlungen überfallen wurde, ist deshalb auch keine Aufregung wert. Diplomatie und Krieg sind eben nur zwei Seiten einer Medaille. Das zum Thema „friedliche“ Verhandlungen zwischen Staaten.

Und das Völkerrecht wird im Fall des Ukraine-Kriegs das erschlagende Argument gegen Russland, im Fall des Iran-Kriegs eine Petitesse, die das grundsätzlich richtige Kriegsziel in ein unverdient schlechtes Licht taucht. Aber auch das kann man umdrehen: Plante denn nicht der Iran seinerseits einen Überfall auf Israel und die USA? Ja, dann haben die Angreifer sich nur verteidigt. Und dem Iran steht das Recht auf Selbstverteidigung damit gar nicht zu! Wer´s glaubt, wird zwar nicht selig – aber findet sich in bester Gesellschaft der Befürworter eines waschechten Angriffskrieges wieder.

Björn Hendrig

Björn Hendrig ist von Hause aus Journalist, längere Zeit auch tätig in der akademischen Lehre für Journalismus und Public Relations. Langjähriger Autor bei Telepolis und bei Overton. Björn Hendrig ist ein Pseudonym.
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13 Kommentare

  1. Welche Sicherheit meinen die Apologeten?
    Es existiert kein Sicherheitsproblem, da alle miteinander kommunizieren und eroieren.
    Es wird bezahlt wie gefordert, es wird sich selbst entblößt wie gefordert…
    Das sieht doch so aus, daß alles so verwirklicht wird, wie gefordert.

  2. @“Empörung der Öffentlichkeit über den erneuten Angriffskrieg? Kaum, sondern Zustimmung oder Skepsis über Vorgehen (Völkerrecht!) und Erfolg. Dann schauen wir uns mal die Begründungen an. “

    Die Begründung muss man nicht anschauen oder abwarten.
    Die Lebensmittelpreise werden explodieren, ebenso die Energiepreise, die Steuern, usw..
    Die Renten werden nicht erhöht, eher noch gesenkt, die Krankenkassenbeiträge kann bald keiner mehr zahlen, die Arbeitslosenzahlen gehen durch die Decke, Jobs gibt es allenfalls noch als Kanonenfutter beim Militär.

    und dann…, ja dann, dann kommt das große Jammern: „Das konnten wir doch icht wissen“🥳🥳🥳🥳🥳
    Hochmut kommt immer vor dem Fall ⚰️⚰️⚰️⚰️⚰️

  3. Genau jener Teil der Bevölkerung, der den aktuellen Krieg richtig findet, fand vor 90 Jahren auch die Feldzüge des Gröfaz richtig knorke.

    Damals nannten die sich Volksgenossen, heute Demokraten.

    Geschenkt.

  4. Das einzige was fehlt, diese Rechnung geht ohne China nicht auf. Wenn das Regime in Teheran überlebt und das ist sehr wahrscheinlich sind Russland und China weiterhin seine Partner. China ist auch im eigenen Interesse gefordert, in der Golfregion aktiv zu werden.
    Israel wurde schon nach dem Angriff auf das Gasfeld ermahnt sich zurückzuhalten, weil die gesamte Produktion in Gefahr gerät und nicht ersetzt werden kann . Israels Ziel solange die Führungsfiguren des Iran zu töten bis sie sagen „Netanjahu ist der Größte“ ist ein ganz neuer Aspekt in den internationalen Beziehungen.

  5. Dann waren es bei Ponto, Buback und Schleyer ja gar keine Morde sondern nur Tötungen. Natürlich können andere Staaten jetzt auch beschließen, etwa in Deutschland, ihnen mißliebige Mandatsträger oder Beamte zu töten, ist ja jetzt normal. Und auch auf Donnie darf wieder geschossen werden, ist ja, wenn es gelingt nur eine tötung.
    Es wird mit Sicherheit sehr lustig wenn die neuen Sitten im Miteinander auf die westlichen Politiker und Beamten zurückfällt. Insbesondere Russland sollte sich schon eine Liste dieser Ziele innerhalb Europas Anlegen, macht einen Enthauptungsschlag noch viel kräftiger.

  6. „[…]Internationales – Rezension Ein Regime, errichtet auf Hass und Lüge von Stefan Laurin, 19. März 2026.

    Auch wenn das Buch „Das Netz der Mullahs – Der Iran und der politische Islam der Schiiten“ von Ralph Ghadban wenige Wochen vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran geschrieben wurde und somit die aktuellsten Entwicklungen natürlich nicht berücksichtigt werden konnten, liefert es doch die Hintergründe, um den Konflikt zu verstehen.

    Ralph Ghadban wurde 1949 im Libanon als Christ geboren, lebt seit 1972 in Berlin, er studierte dort Islamwissenschaften und Politikwissenschaften, in letzteren promovierte er auch. Bekannt wurde er durch seine Analysen krimineller Clans, wegen derer er bedroht wurde und unter Polizeischutz lebt.

    „Das Netz der Mullahs“ ist ebenso ein historisches wie aktuell politisches Buch: Ghadban belegt, welche wichtige Rolle Gewalt in der Geschichte des Islam von Anfang an spielte, beschreibt die bis heute anhaltenden Konflikte, die nach dem Tod des Religionsstifters Mohammed 632 einsetzten, weil er keine allgemein akzeptierte Nachfolgeregelung hinterließ, und die Spaltungen des Islam.

    Die heute wichtigste dieser Abspaltungen sind die Schiiten, die „Partei Alis“, die Alī ibn Abī Tālib, den Vetter und Schwiegersohn Mohammeds, für den legitimen Nachfolger halten. Sie unterlagen in den Kriegen um die Macht und stellen heute nach Schätzungen 10 bis 15 Prozent der Muslime weltweit. Sie leben im Iran, dem Irak, in Teilen des Libanons und als verfolgte Minderheit in Saudi-Arabien.[…]“

    Quelle und kompletter Text:

    https://hpd.de/artikel/regime-errichtet-hass-und-luege-23903

    Ohne Kommentar meinerseits dazu 😉

    Gruß
    Bernie

  7. „[…]Israel wendet die „Gaza-Doktrin“ im Libanon und im Iran an

    19. März 2026 Von: Faris Giacaman in Militär, Politik.

    Während der Krieg der USA und Israels gegen den Iran andauert und die Hisbollah eine zweite Front im Libanon eröffnet hat, ist Gaza zum neuen Modell dafür geworden, wie asymmetrische Kriege geführt werden.

    Am frühen Donnerstag besuchte der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich die Grenze zum Libanon und versprach, dass „Dahiya sehr bald wie Khan Yunis aussehen wird“. Damit brachte er eine historische Wende zum Ausdruck, die sich in den letzten zwei Jahren in der Beziehung Israels zu den Völkern dieser Region vollzogen hat.

    Die israelische Armee hat eine allgemeine Evakuierungsanordnung für den gesamten südlichen Stadtteil Dahiya in Beirut erlassen, in dem weit über eine halbe Million Menschen leben. In der Stadt herrscht weit verbreitete Panik. Ähnliche umfassende Evakuierungsanordnungen wurden für den Südlibanon erlassen, der neben Dahiya überwiegend aus der Bevölkerung besteht, die die soziale Basis der Hisbollah bildet. Vergleiche mit Gaza drängten sich den Menschen auf, da sie befürchten, dass Beirut das gleiche Schicksal der totalen Vernichtung ereilen würde, wie Kommentatoren hervorhoben.

    Weitere Berichte erkennen ein ähnliches Muster in den „apokalyptischen“ Szenarien, die sich in Teheran ereignen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat dies als „Tornado-Plan“ bezeichnet, um „Teheran zu zerstören“, und damit eine Strategie beschrieben, Ziele mit „hoher Sichtbarkeit in einer zivilen Umgebung“ in der Stadt zu zerstören. Erst gestern wurden im Rahmen dieser Kampagne zwei weitere Schulen im Südwesten Teherans angegriffen.

    Während der Krieg der USA und Israels gegen den Iran in den siebten Tag geht und die Hisbollah eine zweite Front im Libanon eröffnet, ist Gaza zum neuen Modell dafür geworden, wie asymmetrische Kriege geführt werden. Dies markiert eine qualitative Abkehr vom bisherigen Vorgehen Israels bei militärischen Aktionen, auch wenn es weiterhin einer ähnlichen Logik folgt.[…]“

    Quelle und kompletter Text:

    https://globalbridge.ch/israel-wendet-die-gaza-doktrin-im-libanon-und-im-iran-an/

    Anmerkungen:

    Wer sich über darüber wundert, dass die Angriffe im Libanon – oder im Iran – den Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen, und im Westjordanland gleichen der findet in obem verlinkten Text die Antwort.

    Übrigens es war bis dato noch in jedem Krieg, seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten, so, dass unbestrafte Kriegsverbrecher-Einheiten meinten mit denselben Methoden ihres ersten Kriegsverbrechens weitere Kriegsverbrechen straffrei begehen zu dürfen.

    Nichts anderes passiert gerade beim völkerrechtswidrigen Angriff Israels, und der USA, auf den Iran sowie auf den Libanon 🙁

    Is leider so….

    Traurige Grüße
    Bernie

  8. „Merz wirft Trump Planlosigkeit beim Krieg gegen den Iran vor“ -so die gestrigen Headlines in der bürgerlichen Reichspresse. nach dem Auftritt von Merz im Bundestag. Gegen den Iran-Krieg haben die CDU und die Qualitätsmedien im Grundsatz nichts einzuwenden, sondern nur gegen die „Risiken“, die sich daraus ergeben, also gegen den „planlos“ steigenden Ölpreis, der die deutsche „Wettbewerbsfähigkeit“ gefährde. Wo die CDU dem Bürger eine Show bietet, da ist natürlich die „volks- und bürgernahe“ AfD nicht weit und wirft ihrerseits sowohl den US „Konzeptlosigkeit beim Krieg“ als auch dem Merz das AfD-übliche „Regierungsversagen“ bei Steuerentlastungen für den Bürger angesichts weiter steigender Energie- und Spritpreise vor.

  9. Wenn ich mir den kränkelnden DAX heute anschaue (2,8 % Minus), dann sehe ich neue und sehr drittmitteltträchtige Aufgabenfelder auf die akademische ‚Friedensforschung‘ zukommen: Wie kann der Wertewesten seine per Def. immer teils bis sehr berechtigten Kriegskampagnen weiter ausdehnen, ohne dass Geschäft und Profitmaximierung darunter leiden? Pauschalreisen mit flak-geschützten Stränden und Minensperren? Embedded Adventure-Tourism als neues Geschäftsmodell? Verbesserte KI-Zielerfassung, damit westliche Investments nicht drauf gehen? Bombardment-free-Zone in Gaza, Libanon und Syrien von den Wohnstätten der Zivilbevölkerung abgrenzen und für Venture-Capitalists ausweisen? Oder bleiben wir konservativ bei der guten alten Rüstungsindustrie, jetzt aber klimafreundlich?
    Ich muss gleich dringend los, um Anträge beim European Innovation Council (EIC) und dem Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission einzureichen. Die haben Geld wie Heu, aber wahrscheinlich schreiben gerade 765 Lehrstühle und 20.470 arbeitslose Akademiker an solchen konstruktiven Anträgen…

  10. „Dabei kann der Vorstand einer untergeordneten Nation wie Deutschland ein „leider“ heucheln und von „völkerrechtlichen Maßnahmen“ fabulieren, die nicht gezogen hätten. Dass solche „Maßnahmen“ wie Wirtschaftsblockaden und erpresserischer diplomatischer Druck im Völkerrecht nicht vorkommen, interessiert einen Kanzler Merz nicht.“

    Die im Atomanreichungskontext gegen Iran verhängten und UN-mandatierten Sanktionen waren und sind in ihren wirtschaftlich/sozioökonomisch desaströsen Auswirkungen völkerrechtswidrig; verstoßen gegen Menschenrecht.
    Überhaupt gilt in der UN- und völkerrechtlichen Legitimierung – sowie deren Auslegung – von Sanktionen das Recht des (wirtschaftlich) Stärkeren.
    Wie entsprechende Mehrheiten zusammenkommen, ist ein beschämendes Thema und Skandal für sich.
    Aber selbst diese neokolonial gelebte Version von „Völkerrecht“ unter dem Feigenblatt Menschenrecht funktioniert nicht mehr, so dass Israel/USA offen zum Terrorismus übergeht.

  11. Man kann sich drehen und wenden wie man will: Der Arsch bleibt immer hinten.
    Ein langer Artikel mit einer guten Bestandsaufnahme – das war’s. Niemand geht für seine Meinung zu diesem Krieg auf die Straße.

    Wir leben obendrein in einer Demokratur: Keiner unserer Diktatoren-Kanzler war jemals daran interessiert, ein Volksbegehren voran zu treiben. „Wo kämen wie denn da hin?“
    Aber auch die Logik des vielfältig einsetzbaren Ignoranten-Zitats: „Wir sind ja gut durch gekommen“, wird, eines nicht so fernen Tages, mit einem versehentlichen Biss in den eigenen Arsch enden.

  12. Wenn dieser Krieg dafür sorgt das die US-Reps so früh wie möglich nix mehr zu melden haben hat es auch die Richtigen getroffen. Und die AFD und die fossile Oligarchie die es sich im Arsch vom Donald bequem gemacht hat möge in dem Strudel gleich mit ersaufen.

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