Korruption, Doping und Siege für „uns“: Vom Fordern und Fördern des Leistungssports

Bild: Marco Verch/ccnull.de/CC BY-2.0

Anhänger des Leistungssports begeistern sich für „ihren“ Verein und „ihre“ Nationalmannschaften. Siegen sollen sie gegen alle anderen, „uns“ zur Ehre gereichen (siehe: „Konkurrenz und Patriotismus: So lieben wir den Leistungssport“ – Teil 2). Das aber bitte ohne Schiebung, Bestechung und ohne die Einnahme unerlaubter leistungsfördernder Mittel. Passiert aber trotzdem, wie auch immer wieder Niederlagen bei internationalen Wettkämpfen zeigen. Deshalb zieht die deutsche Sportpolitik nun andere Saiten auf.

Wie es im richtigen kapitalistischen Leben halt so ist: Korruption findet auch im Profisport statt. Geschobene Spiele durch Schiedsrichter oder Akteure, Betrug mit Wetten auf Ergebnisse, und der gewissermaßen Klassiker, wenn beim Boxen von vornherein feststeht, wer gewinnt und wer verliert. Der gemeinsame Nenner ist kein Geheimnis – es lautet Geld. Im Kampf darum sind zwar nicht alle Mittel erlaubt. Aber wer mit den erlaubten keinen Erfolg hat, versucht es mit den nicht erlaubten.

Ein Grund für eine weitere Unart im Leistungssport, das Doping. Zwar hat es auch im Profi-Fußball schon einige Fälle von unerlaubten Einnahmen leistungsfördernder Mittel gegeben. Weit verbreiteter ist das allerdings bekanntermaßen im Radsport und anderen Ausdauersportarten. Da wirken Anabolika, Stimulanzien, Wachstumshormone, Erythropoetin (Epo) oder Blutwäsche sehr effektiv auf die geforderte Leistung. Daraus entsteht ein dauerhaftes Wettrennen zwischen den immer wieder besseren und schwerer nachzuweisenden Stoffen auf der einen Seite und den Kontrolleuren auf der anderen, die versuchen, ihnen auf die Spur zu kommen. Meist haben die Kontrolleure das Nachsehen.

Mit unerlaubten Mitteln zu unglaublicher Leistung: Wehe, das kommt heraus

Die Empörung über Doping ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Da werden Rennradsportler zu übermenschlichen Leistungen getrieben von den Veranstaltern, den Rennstallbesitzern, den Sponsoren, den Medien und natürlich von ihren Fans. Wenn sie das nicht nur überleben, sondern einige wenige von ihnen zu den Siegern zählen, ernten sie allseitige Bewunderung. Umso enttäuschter und empörter trifft sie der Bann, wenn sie bei den Doping-Kontrollen ertappt werden. Dabei wird in schöner Regelmäßigkeit darüber berichtet, dass die Torturen der Tour de France und vieler weiterer Rundfahrten oder Ein-Tages-Rennen ohne unerlaubte Zusatzmittel nicht erfolgreich bestritten werden können. Doping gehört einfach dazu. Man darf sich nur nicht erwischen lassen.

Das kann man dann in jenen Medien vernehmen, die gleichzeitig ihren Hut ziehen vor den überirdischen Leistungen eines Tadej Pogačar und hoffen, dass auch ein paar Deutsche bei der Tour de France vorne mit dabei sein werden. Die Journalisten wissen um die Notwendigkeit von leistungssteigernden Mitteln, applaudieren aber den Siegern. Sie pflegen den Glauben an dem „reinen“ Sport, feiern die Verausgabung und erfolgreiche Konkurrenz, liefern den Fans das Futter für die Heldengeschichten. Doch wehe, ein solcher Held stürzt, siehe Jan Ullrich oder Lance Armstrong. Dann wird eine andere Geschichte erzählt: von Betrug gegenüber den „sauberen“ Sportlern, von enttäuschten Fans, von der unguten Gier nach Erfolg, die offenbar zu den verbotenen Mitteln greifen ließ. Danach geht es wieder weiter mit den nächsten Heldengeschichten…

Sportjournalismus: eine Luftnummer für die Feier des Wettkampfs

Überhaupt die Sportjournalisten: Vertiefte Kenntnis über die Sportarten weisen die meisten von ihnen nicht auf – und wenn sie sie haben, behalten sie ihr Wissen für sich. Eine Seltenheit, wenn einer von ihnen tatsächlich Technik, Training und Taktik erklärt. Den Job übernehmen in raren Momenten „Experten“. Bei der jüngsten Handball-Europameisterschaft und auch bei der Winter-Olympiade: Ehemalige Weltklasse-Sportler wie Dominik Klein (Handball) und Marco Büchel (Ski) gaben tatsächlich Einblick in ihre Disziplin.

Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Die heißt nämlich Per Mertesacker, René Adler oder Martina Voss-Tecklenburg. Ihre Expertise erschöpft sich im erschöpfenden Wiederholen der rhetorischen Fragen von dauergrinsenden Moderatoren wie Jochen Breyer (ZDF) oder Esther Sedlaczek (ARD). „Wie wichtig war der Sieg für den Verein?“, „Was bedeutet diese Niederlage für die nächsten Spiele?“, „Was kann diese Mannschaft noch erreichen?“, „Wackelt jetzt der Stuhl des Trainers?“ – diese Sorte Suche nach „Erkenntnissen“ über den Sport dominiert die „Berichterstattung“ und „Analyse“.

Essenzieller Bestandteil: die parteiische Begeisterung für „unsere“ Athleten und Teams. Journalistische Distanz zum Berichtsgegenstand ist Sportreportern nicht bekannt. Sieger werden zu Beginn jedes Interviews mit einem euphorischen „Herzlichen Glückwunsch“ begrüßt und mit der spannenden Frage konfrontiert, wie ihr Erfolg möglich wurde. „Wir haben mehr Tore geschossen als der Gegner“ wäre zwar nach Fußballspielen eine sachliche und wahre Antwort. Doch der so wissbegierige Interviewer will auf anderes hinaus: War es der neue Trainer? Eine andere Mentalität in der Mannschaft? Ist ein Spieler besonders herauszuheben? War es wirklich ein Elfmeter? Und so weiter. Das „Wissen dahinter“ entpuppt sich als Luftnummer. Aber so liefert sie den Fans den Stoff für ihre Begeisterung: Wer siegt, wer verliert?

Politische Vorgabe: mehr Spitzenpositionen im Sport für Deutschland

Diese umstandslose Parteinahme und Feier „unserer“ Sportler hat neben der kommerziellen Seite eine mindestens ebenso große politische. „Das Bundesinnenministerium (BMI) fördert die Bundessportfachverbände, um Athletinnen und Athleten optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen zu bieten. Ziel ist es, der Bundesrepublik Deutschland eine Spitzenposition im internationalen Sport zu sichern.“ Im Jahr 2023 schüttete das Ministerium an 33 Verbände der Olympia-Sommer- und Wintersportarten rund 100 Millionen Euro aus. Den Leistungssport insgesamt fördert die Bundesregierung 2026 mit rund 360 Millionen Euro.

Dennoch zeigt man sich in Berlin unzufrieden mit dem derzeitigem Abschneiden im internationalen Vergleich: „Die Zahl der Medaillen und ersten Plätze insbesondere bei Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften konnte im Vergleich zum Mitteleinsatz jedoch nicht entsprechend erhöht werden“, heißt es im Referentenentwurf für ein neues „Gesetz zur Regelung der Förderung des Spitzensports“. Die Zielmarken benennt der Entwurf sehr genau: „… das Erreichen von einer Top 5 – Platzierung bei den Olympischen Sommer- und von einer Top 3 – Platzierung bei den Olympischen Winterspielen in der Nationenwertung…“

Der deutsche Staat ist halt wer in der Welt, und das muss sich auch im internationalen sportlichen Vergleich mit seinesgleichen erweisen. Dort wird zwar die Konkurrenz der Nationen nicht entschieden. Jedoch sollte die sportliche Bedeutung nicht allzu weit hinter der in Wirtschaft und Politik hinterherhinken. Also schaut Deutschland auf die anderen Länder seiner Kategorie, beispielsweise Großbritannien: „Die haben es in zehn Jahren geschafft, von einer Top-10-Nation zu einer Top-3-Nation zu werden (bei olympischen Sommerspielen – B.H.)“, sagt Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt).

Mehr Geld für die vielversprechendsten Medaillen-Anwärter

Ein Vorbild für das geplante neue Sportfördergesetz: Es sieht wie auf der britischen Insel eine Spitzensportagentur vor. Sie wird von den Sportverbänden getrennt über die Vergabe der Sportfördermittel entscheiden – was zum erwartbaren Aufruhr beim hauptsächlich betroffenen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) führt. Wenigstens ist dieser als Kontrolleur im „Stiftungsrat“ vorgesehen, wenn auch in der Minderheit gegenüber Vertretern aus der Politik. Ein „Sportfachbeirat“ sorgt für die fachliche Expertise, hat aber keine Entscheidungsbefugnis.

Vor allem sollen mit dieser neuen Konstruktion – keine Überraschung – „erfolg- und potenzialreiche Athleten“ besser gefördert werden. Das seit einigen Jahren praktizierte System der „Potenzialanalyse“ wird in die Agenturarbeit einfließen: Welche Sportarten verheißen die größten Erfolge? Dort landen dann die meisten Gelder. Im schönsten CDU-Sprech von Frau Schenderlein: „Leistung muss wieder mehr zählen.“

Das geht gegen den Einfluss der Verbände. „Spitzensportler schaffen nicht nur dann bessere Leistungen, wenn sie mehr Geld bekommen. Sondern wenn sie wissen, dass auch ihr Kaderplatz nicht nach Gutdünken eines Verbandstrainers vergeben wird“, referiert die Süddeutsche Zeitung den Vorstand der Stiftung Deutsche Sporthilfe, Maximilian Hartung (Johannes Knuth: Ein Gesetz, das den deutschen Sport aufwühlen wird, in: Süddeutsche Zeitung, 24.10.2025).

Sport als Schule des Nationalismus: „Wir“ bald gegen „die“ in Russland?

Dass Deutschland einen ungleich größeren Anspruch auf internationale sportliche Erfolge hat als Länder wie Bolivien, Kamerun, Pakistan, Vietnam oder die Philippinen, leuchtet sowohl den hiesigen Medien als auch Otto Normalfan ein. Das neue Sportfördergesetz wird daran gemessen werden: Sorgt es für mehr Gewinner? Auf die „wir“ stolz sein können, weil sie die deutsche Fahne bei den Siegerehrungen häufiger schwenken und um ihre gestählten Körper wickeln als bisher?

Der Medaillenspiegel bei den Olympiaden wird es zeigen, wie auch die kommenden Welt- und Europameisterschaften in zahllosen Disziplinen. Der Nationalismus, soweit die gute Nachricht, tobt sich dort ohne die Anwendung von Gewalt aus. Die schlechte Nachricht indes lautet: Genau dieser Nationalismus ist die ideologische Basis, auf der der Wettkampf der Nationen mit Gewalt bestritten wird. „Wir“ gegen „die“ funktioniert auf allen Ebenen – beim Heimatverein wie bei der Nationalmannschaft. Und wenn es demnächst heißen sollte „wir“ gegen „die“ in Russland, sind die Sportfans bestens vorgebildet. Politik, Verbände und Medien bläuen ihnen schließlich ständig ein, dass dort der nächste Feind steht – und deshalb zu Recht dessen Sportler von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden.

Wenn man sich das alles vergegenwärtigt: Die absurde Begeisterung für „meinen Verein“, die brutale Konkurrenz der Sportler um Sieg und Geld, das entsprechend knallharte Geschäft damit, die Heuchelei der Öffentlichkeit und der unvermeidliche Betrug, das Messen der nationalen Überlegenheit an Titeln und Medaillen – dann kann einem die Lust am Zuschauen vergehen. Und doch sieht man immer wieder hin und wundert sich, wie man an einer solchen Veranstaltung Gefallen finden kann.

Björn Hendrig

Björn Hendrig ist von Hause aus Journalist, längere Zeit auch tätig in der akademischen Lehre für Journalismus und Public Relations. Langjähriger Autor bei Telepolis und bei Overton. Björn Hendrig ist ein Pseudonym.
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56 Kommentare

  1. Es geht bei Krieg um das „wir“ gegen „die“ und so billig wie mit Siegen beim Sport lässt sich kein nationales „wir“ herstellen. Das wusste auch schon Adolf und da stehen wir offenbar heute wieder einmal.
    Faire Wettkämpfe und gesunden Sport kann es nur außerhalb von Kommerz und finanziellen Anreizen geben.
    Für ein Vorurteil halte ich es übrigens, dass beim Fußball weniger gedopt wird. Ich will ihm nichts anhängen, er behält seine Verdienste, aber wenn ich Oliver Kahn vor meinem geistigen Auge sehe, als Titan bei seiner letzten Weltmeisterschaft, mit damals stark vergrößerten Unterkiefer und den typischen Wutausbrüchen, dann waren dort m.M.n. reichlich Anabolika mit im Spiel.

  2. da -so meine Beobachtung- seit Merkel es zur PolitikerKür/ bzw PolitikerPR gehört, bei Sportveranstaltungen anwesend zu sein, um ggf das WIR Sieger zu zelebrieren ist es doch logisch, dass jetzt erfolgreiche Athleten gepuscht werden müssen…

    auf der politischen Bühne ausgepiffen und dann mit Helden bejubelt werden, ist doch toll…

  3. Da kann man über die USA sagen was man will, aber dort ist der gesamte Sport privatisiert und die machen es gleich richtig.. kein Auf- oder Absieg in den Ligen und bringt ein Standort, aufgrund von Wirtschaftseinbruch der Region, kein Geld mehr ein, wird er einfach dahin verlegt wo es genug zahlungskräftige Fans gibt. Fussball, um den es hier nur am Rande ging ist in D inzwischen völlig lächerlich… Bayern wird meister und der Rest spielt um den Abstieg.

    1. Da ist mitnichten alles privatisiert! In den kranken Geldligen, NFL, NHL etc. ja. Aber beim olympischen Spitzensport geht dort nichts ohne die Universitäten und die Armee.
      Was den Universitätssport angeht, ist das auch bekannt, weniger daß die Armee da offenbar reinspielt. Das kam mal in einem Satz von Perikles Simon (hat mal für die Wada gearbeitet) raus, als in einer Sendung sich beschwert wurde, daß man in Russland so schlecht Dopingkontrollen machen könnte, weil viele Sportler auf Armeestützpunkten seien, und man dort keinen Zutritt hätte. Da meinte Simon nur trocken: „Das passiert Ihnen aber in den USA auch ständig“.

  4. Wunder, oh wunder – gibt es immer wieder. Schon wieder mal ein artikel über die machenschaften in und um den „leistungs-„sport.
    Dabei wissen es alle, die es wissen wollen, dass es hier nur – das meint ausschliesslich!!! – um geld geht – nicht um das wohl von irgendwen, schon gar nicht um das der sportler.
    Das perfide daran ist allerdings vor allem, dass die letztgenannten geradezu systematisch zu opfern des systems werden. Beckenbauer (Versicherungskaufmann), Hoeness (Metzger) und Müller (Schweisser) – wie viele andere ihrer jahrgänge – haben noch berufe gelernt. Heute haben die „jungprofis“ nicht einmal schulabschlüsse… Wer dann in das profisystem hineingesaugt wird, hat faktisch keine alternativen … und scheitert später im leben nach dem sport kläglich (vom millionär zum bürgergeldempfänger – Eike Immel).

  5. Auch das wird nicht funktionieren, weil man für Medallien einen Plan haben und arbeiten muß.

    Inzwischen können die Deutschen nicht mal mehr Bolzen.

  6. Danke an den Autor für den guten Artikel!

    »Der Stumpfsinn ist der Liebhaber der Heuchelei.«

    CDU-Sprech von Frau Schenderlein: „Leistung muss wieder mehr zählen.“

    Genau, und Sisyphos sollte Billionär sein! So bekommt man ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln.

    Letztens hatte ich eine Unterhaltung mit einem jungen Arzt – den ich schätze – selbst Amateur-Rennradfahrer. Nach einer seiner Touren kamen wir ins Gespräch, landeten beim Thema Doping und er sagte ganz unverhohlen:
    »Doping finde ich gut, ich will wissen, wozu ein Körper fähig ist, egal mit welchen Mitteln.«

    Erst war ich vor den Kopf geschlagen, habe nachgedacht und konnte schließlich seinen Punkt nicht mehr vollständig negieren – denn es ist davon auszugehen, dass er weiß, welche Folgen leistungsfördernde Mittel haben können. Den Sportlern sollte einfach klar sein und klar gemacht werden, dass das physische und vermutlich auch psychische Konsequenzen hat. Und dann sollen sie selbst entscheiden. Wie bei allen anderen, möglicherweise gefährlichen Berufen auch.

    Der Fußballer, der seine Jugend beim Training verbracht hat, anstatt Mensch zu werden, und dem dann frühzeitig die Gelenke kaputt getreten werden, hätte das auch wissen können. Und hat eigentlich keine Entschuldigung. Deswegen Doping freigeben für Erwachsene, es ist eh schon da. Wer allerdings Kinder oder Jugendliche doped, gehört in den Knast zu den anderen Vergewaltigern.

    Um es mal deutlich zu sagen, es wird prinzipiell zu viel in Sport gesteckt: Energie, Zeit, Geld und Hoffnung. Das wird alles woanders gebraucht, immer.

    Zudem sind Leute, die eine Bet-App auf ihrem Fon haben und sich über Doping beklagen, in meiner Welt doppelte Vollpfosten. Und Leute, die kommerziellen Leistungsport bejubeln, genau so, und ekelhaft sind sie dazu, so wie Sportjournalisten (das gilt auch schon auf Lokalsport-Ebene, meine Meinung, aus Erfahrung). Wenn diese „Experten“ oder „Fans“ was von „Analyse“ quatschen, mochte ich einen Kieferchirurgen anrufen, siewissenschon.

    Abschließend sei gesagt, mich erfreut weniges so zuverlässig, wie am Montagmorgen in einen Betrieb zu kommen und das Heimteam hat verloren. Das ist mir ein schweigendes, inneres Blumenpflücken…

    Gruß von jemandem, der einen Teil seiner Jugend mit Leistungssport verbracht hat – ja, durchaus erfolgreich.

  7. Bei den Paralympics, bei denen offenbar auch geistig behinderte teilnahmen, konnte man sehr schön das sich im Aufbau befindliche Feindbild des pösen Russen live beoachten:

    https://www.welt.de/sport/olympia/article69b03bdfca6b6b557f22613b/russland-deutsches-silber-duo-haelt-bei-paralympics-demonstrativ-abstand-zu-den-siegern.html

    Höchstwahrscheinlich ist dieser peinliche Auftritt der beiden Deutschen nicht auf deren eigenem Mist gewachsen, sondern war eine Anordnung „von oben“, aber eins ist trotzdem sicher: damit machten sich die Deutschen einmal mehr zum Gespött der Weltgeschichte und disqualifizieren sich von selbst als zu respektierende Nation.

    1. Da die Behinderten noch abhängiger von ihren Geldgebern sind, bleibt ihnen oft keine andere Wahl. Mehmet Scholl zum Beispiel konnte 2017 noch offen Kritik an der Russophobie von ARD und ZDF üben, wohlwissend, daß es ihn den Job dort kosten würde.

  8. Leistungssport ist oft gar nicht so gesund. Viel wichtiger ist das persönliche Wohlbefinden. Leistungssport kann für Menschen, die zuvor nie grenzwertigen Leistungssport betrieben haben, auch sehr ungesund sein, bis hin zum Herzinfarkt oder Hirnschlag beispielsweise. Deshalb sind diese Menschen, die dem Ideal unserer unbedingt leistungsbereiten Leistungssportler nicht zu folgen bereit sind, nicht automatisch schlechter als ebenjene Leistungssportler. Sie sind einfach nur anders und benötigen auch keine Belehrungen bezüglich ihrer Freizeitgestaltung. Ein sanfter Ausdauersport im Frühling kann zudem Wunder bewirken, ohne die eigenen Leistungsgrenzen zu überschreiten, wenn sich behutsam an diese herangetastet wird, wie Dr. Sauerbruch stets meinte.

    1. Da kann ich mitgehen!
      Vor allem, das Menschen keine Belehrungen brauchen, das geht mir auch auf den Sack!
      Richtig in den Harnisch gelange ich immer, wenn nach einem schlechten Wahlergebnis dann irgendwer zu erzählen beliebt, man hätte die miese Politik den Menschen nicht richtig erklärt!
      Na klar, wir sind ja alle doof!

      1. In einem anderen Beitrag hatte ich mich im Allgemeinen positiv zu Deinen Beiträgen geäußert. Daraufhin war von Dir zu vernehmen, dass Du nicht über einen akademischen Freiflugschein verfügst, was ich grundsätzlich sehr gut finde, weil andere Politiker durchaus über erschlichene akademische Titel verfügen, es ihnen aber an geistiger Substanz fehlt, ihre geistige Impotenz einzugestehen. Hast Du schon den Merzelfritz in seiner nagelneuen Digitalcamouniform gesehen, dümmer geht es wohl nicht? Nie und nimmer würde ich zudem den Gedanken fassen, mich in Deine Frau zu verlieben. Wir sind Kampfgefährten und unter solchen gehört sich das nicht und Schluss.

  9. Es ist immer wieder das gleiche Muster: Der Radsport wird gerne als Paradebeispiel für Betrug und Manipulation dargestellt. Als wäre gerade dieser Sport besonders verdorben oder moralisch minderwertig.

    Aber glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass in anderen Sportarten nicht genauso manipuliert, getrickst und betrogen wird?

    Überall dort, wo enorme Summen Geld, Ruhm, Sponsorenverträge und nationale Prestigegefühle im Spiel sind, entsteht automatisch ein gewaltiger Leistungsdruck. Und unter diesem Druck versuchen manche Menschen, sich Vorteile zu verschaffen – mit verbotenen Mitteln oder auf anderen Wegen.

    Das betrifft nicht nur den Sport. Genau die gleichen Mechanismen finden sich auch in der Wirtschaft, in der Politik oder in anderen Bereichen, in denen viel auf dem Spiel steht. Der Wunsch nach Erfolg, Macht oder finanziellen Vorteilen begleitet die Menschheit seit ihren frühesten Tagen.

    Der Radsport hatte schlicht das Pech – oder vielleicht auch die Ehrlichkeit – dass dort viele Fälle besonders öffentlich aufgearbeitet wurden. Dadurch entstand das Bild eines „dreckigen Sports“. In Wirklichkeit zeigt er aber nur etwas, das es überall gibt: Menschen, die Regeln umgehen, wenn der Einsatz hoch genug ist.

    Der Sport ist letztlich kein moralisch abgeschlossener Raum – er ist ein Spiegel der Gesellschaft. Und solange es Wettbewerb, Geld und Ruhm gibt, wird es auch immer Versuche geben, diese Grenzen auszutesten.

    1. Der Radsport wird deswegen oft im Zusammenhang mit Doping genannt, da es wie beim Laufen um pure Ausdauer geht. Im Bodybuilding wird Doping noch weiter verbreitet sein. Mannschaftssport (Fußball, Basketball, …) hingegen ist mehrdimensional (Schnelligkeit, Technik, Ausdauer, Mobilität, Taktik, Zufall, Glück, …). Das alles kann man lange nicht so gut dopen wie reine Ausdauer- und Kraftsportarten. Messi würde jedem doppelt so viel laufendem Athlet den Ball durch die Beine spielen und wäre im entscheidenden Augenblick da wo das Tor steht.

  10. Die Empörung über Doping ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Da werden Rennradsportler zu übermenschlichen Leistungen getrieben von den Veranstaltern, den Rennstallbesitzern, den Sponsoren, den Medien und natürlich von ihren Fans.

    Getrieben?

    Wer oder was treibt Sportler zu Spitzenleistungen? Sind es tatsächlich die oben genannten? Der Ruhm? Oder das Geld?

    Genau das wollten Soziologen früherer Zeiten, als Soziologie noch als solche betrieben wurde, herausfinden. Und die allerbeste Methode dazu sind Befragungen; keine direkten, sondern indirekte. Eine Frage neben vielen anderen lautete: ‚Wenn es ein Mittel gäbe, was den ersten Platz (Goldmedaille) bei den Olympischen Spielen garantieren (!) würde, aber die (auch garantierte) Nebenwirkung des baldigen Todes in zwei, drei Jahren später hätte: Würden sie dieses Mittel trotzdem einnehmen?‘

    Wieviel Prozent der Profisportler beantworteten die Frage mit Ja?

    Knapp 80 %.

    Was treibt also einen großen Teil der Profisportler zu Höchstleistungen?

    Einmal ganz oben in Gold gebadet triumphieren.

    1. @Dan
      Der Begriff ‚getrieben‘ ist hier wohl treffender als alles andere. Spitzensport entsteht oft nicht allein aus Talent und Ehrgeiz, sondern auch aus Druck, Abhängigkeiten und einem System, das Höchstleistung um beinahe jeden Preis belohnt. Ich habe als Amateur-Radsportler Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre durchaus Einblicke bekommen. Schon sehr jungen Fahrern, teils 15 oder 16 Jahre alt, wurde aus dem Umfeld nahegelegt, leistungssteigernde Mittel nicht grundsätzlich abzulehnen, wenn sie weiterhin für den Landesverband starten wollten. Ich habe mich dagegen entschieden.

      1. n.b

        Der Begriff ‚getrieben‘ ist hier wohl treffender als alles andere.

        Ganz genau. Das wollte ich auch gar nicht bemängeln. Deshalb stellte ich die nachfolgende Frage nach der Triebfeder, der Motivation.

        1. Nur nebenbei bemerkt: Ganz so schlecht war ich als Radsportler in meiner Jugend nun auch wieder nicht.
          Irgendwann hatte ich allerdings keine große Lust mehr auf Straßenrennen – nicht zuletzt wegen der allgegenwärtigen Dopingproblematik. Also bin ich lieber auf Cross-Country-Mountainbike-Rennen umgestiegen.
          Ob es heute wirklich besser ist? Schwer zu sagen. Offiziell ist der Sport inzwischen ja praktisch klinisch rein – bei der ganzen Testerei und Überwachung.
          Auffällig ist nur: Trotz dieser beinahe lückenlosen Kontrolle werden heute deutlich weniger Fahrer überführt als noch vor ein paar Jahren.
          Entweder ist der Radsport tatsächlich sauber geworden … oder man hat einfach nur gelernt, es besser zu verstecken.

        2. @Dan
          Nur nebenbei bemerkt: Ganz so schlecht war ich als Radsportler in meiner Jugend nun auch wieder nicht.
          Irgendwann hatte ich allerdings keine große Lust mehr auf Straßenrennen – nicht zuletzt wegen der allgegenwärtigen Dopingproblematik. Also bin ich lieber auf Cross-Country-Mountainbike-Rennen umgestiegen.
          Ob es heute wirklich besser ist? Schwer zu sagen. Offiziell ist der Sport inzwischen ja praktisch klinisch rein – bei der ganzen Testerei und Überwachung.
          Auffällig ist nur: Trotz dieser beinahe lückenlosen Kontrolle werden heute deutlich weniger Fahrer überführt als noch vor ein paar Jahren.
          Entweder ist der Radsport tatsächlich sauber geworden … oder man hat einfach nur gelernt, es besser zu verstecken.

          1. Vielleicht ist der Radsport sauberer geworden, aber völlig sauber wird der Profisport nie werden, wenn die Gier nach Gold und Ruhm sprichwörtlich über Leichen geht – hier, ausnahmsweise, ihre eigene ‚Leiche‘.

  11. Der Artikel ist lang, tendenziös und oberflächlich. Missstände gibt es reichlich, unbestritten, das unappetitliche korrupte Funktionärswesen, das Doping und die damit verbundene Heuchelei sind ja nun bekannt, insofern bringt der Artikel nichts wirklich Neues.
    Ich will nur zwei Beispiele heraus greifen:
    Zum einen der Radsport. Das Ausdauersportarten ohne Doping existieren glaube ich nun auch nicht wirklich, aber der Autor zeigt mir auf, das er vom Radsport nicht viel versteht. Armstrong war eine besondere, singuläre Geschichte. Der Mann hat nicht einfach nur gedopt, sondern ein kriminelles System installiert, in dem er die Fäden zog, bis hin zu Bedrohungen, Erpressungen und Gewalt, um sein Team bei der Stange zu halten und in eine Siegesmaschine zu verwandeln. Das hat es vorher und bis heute nicht gegeben.
    Denn, das scheint der Autor nicht zu wissen, der Radsport ist ein Mannschaftssport in dem alle Prämien geteilt werden, bei den Einzelverträgen wird ein Grundgehalt gezahlt. Will man ein gutes Team haben, muss man gute Leute gut bezahlen. Ein Pogacar als Ausnahmetalent hätte trotzdem ohne sein Team keinerlei Chancen. Die Teams haben ein Ziel, entweder den Gesamtsieger einer Rundfahrt zu stellen oder z.b. den Punktsieger, also Sprintbesten. Denn nicht alle Radfahrer können alles. Da können Leute gut die Berge hoch fahren, andere können schnell sprinten, wieder andere sind gute Zeitfahrer. Der Allrounder muss in allen Disziplinen gute Leistungen bringen und davon gibt es nur sehr wenige. Nur diese können überhaupt eine Grandtour gewinnen. Ohne Team geht nichts, auch die Leute müssen Fahrer haben in deren Windschatten sie die Berge hoch fahren, bis sie am Ende dann oft auf sich gestellt sind. Nun, Doping hin oder her, große Sportler sind es trotzdem, der Radsport ist der härteste der Welt. Die Straßen sind gesäumt mit Zuschauern, egal bei welcher Witterung. Unsereiner würde selbst mit Doping keinen Berg hoch kommen und bei den Kommentatoren sitzen ehemalige Sportler, die durchaus sehr fundiert ihren Sport erklären und keineswegs nur im BlaBla verharren.
    Zum zweiten der Fussball! Stimmt alles, was der Autor dazu sagt. Unterschreibe ich! Dennoch scheint mir der Autor eine wichtige Komponente zu übersehen.
    Ich komme mal wieder mit meiner Heimatstadt Gelsenkirchen. Wir sind die ärmste Stadt Deutschlands, die Kinderarmut liegt bei 40%, die höchste Arbeitslosigkeit im Westen, Bettler, Leerstände, Verelendung. Wir haben einen Ausländeranteil von über 24%, dazu einen Anteil von über 37% an Menschen mit Migrationshintergrund. In ganz vielen Schulen ist auf Grund der Sprachbarriere kein normaler Unterricht möglich, auch sind die Schüler vielfach unterschiedliche Muttersprachler aus verschiedensten Kulturkreisen. Es gibt hier keine „Gelsenkirchener“, von wenigen alteingesessenen Familien abgesehen, die noch Dialekt sprechen, sondern verschiedene Volksgruppen in verschiedenen Stadtteilen, die sich als nicht zueinander gehörig fühlen. Die Stadt ist finanziell am Ende, kann ohne Landesmittel kaum ein Projekt initiieren, die Straßen nicht reparieren, die Schulen nicht sanieren und so gut wie nichts für die Menschen tun.
    Aber wir haben Schalke 04! Dieser Verein ist die Integrationsklammer für die ganze Stadt und ihre Menschen, die Niederlagen werden gemeinsam durchlitten und die Erfolge gemeinsam bejubelt. Wir haben 264 000 Einwohner!
    Als bei Schalkes UEFA-Cup-Sieg der letzte Schütze antrat, herrschte Totenstille in der Stadt, kein Geräusch war zu hören, nichts! Als der Ball im Tor landete ertönte ein Aufbrüllen, das jedes Feuerwerk übertönt hätte.
    Eine Woche lang lächelten sich die Menschen auf der Straße an!
    Das hat der Autor übersehen, die integrative Funktion, die solch ein Verein für eine Stadt wie die unsere hat.
    Aber nicht nur Schalke, wir haben 10.000
    organisierte Fussballer in zig Vereinen, die ebenfalls für die Integration wichtig sind, die Jugendarbeit leisten, die Kinder von der Straße holen und ein kleines Äquivalent, ein Surrogat für mangelnde berufliche Zukunft bilden.
    Ohne das ging hier nichts!
    Ich weiß, für die Hochmögenden und unsere Oligarchen ist der Grundsatz panem et circenses nicht von gestern und liebend gerne dient der Sport als Ablenkung um die Menschen zu entpolitisieren. Das weiß ich schon!
    Aber die andere Seite ist eben, das die Menschen hier bei ihrem Stadtteilverein
    für kleinen Eintritt ein paar unbeschwerte Stunden haben und sich von ihrer schwierigen Lebenssituation ein wenig ablenken können.
    Der Sport hat eben auch eine integrative Funktion, leistet in den Stadtteilen soziale
    Arbeit und ist einer Stadt wie der unseren einfach unverzichtbar. Das hat der Autor m.E. nicht verstanden, auch wenn er recht hat, was die Funktion des Geldes angeht.
    Klar Bayern München ist der Dauermeister, jeder weiß das und jeder, der kein Fan dieser Mannschaft ist, kann die nicht leiden. Aber wenn die Bayern kommen, geht man hin und hofft auf deren schlechten Tag und wenn die dann tatsächlich mal verlieren, ist das ein Feiertag, von dem man sich Jahre danach noch erzählt. Aber so etwas versteht der Autor nicht. Aber vielleicht würde er die Emotionalität empfinden, wenn vor Spielbeginn 60.000 mit Inbrunst das Steigerlied singen.
    So! Und jetzt dürft Ihr mich zerreißen!😉

    1. Ich halte diese Art des Sports schon immer für ein Teil des eigentlichen Problems, ganz ähnlich der Religionen.
      Panem et circenses.

    2. @ Wallenstein

      Sehr leidenschaftliches Plädoyer.

      Eine Woche lang lächelten sich die Menschen auf der Straße an!

      Vereint im Vergessen des Elends, das sie umgab, in dem alle gemeinsam krochen. Bis das Gefühl verblühte und die Menschen ihr alltägliches Leben wieder aufnahmen und – wie gewohnt – einander hassten und sich gegenseitig für das eigene Elend verantwortlich machten.
      Dann war es wieder das „Jeder gegen jeden“, in unzähligen Zungen der Stadt grimmig schweigend.

      Es geht doch nicht darum, die Euphorie, die Begeisterung und Hingabe, ein Gemeinschaftsgefühl oder ein kurzzeitiges Vergessen zu verdammen. Es geht darum, dass ein (Wett-) Kampf das einzige ist (und bleiben soll!), das diese – dann nur Illusion von – Gemeinschaft kurzfristig herstellen kann.
      Und das ganze verkleidet in einem Hütchenspiel der Moral.
       
       
      PS: Weil der Autor eine klare Meinung vertritt, ist er »tendenziös«?

      1. Tendenziös deshalb, weil er mir den Eindruck vermittelt, den Sport, ja Wettkampfsport, sehr einseitig zu verdammen, ohne die beschriebenen Kompetenzen zu berücksichtigen.
        Ich selbst spiele seit 56 Jahren Turnierschach unter eben Wettkampfbedingungen, wir haben Ligen wie beim Fußball, bei uns ist sozialer Status, Alter und Herkunft ohne Relevanz, nach der Partie analysiert man gemeinsam mit dem Gegner. Ich möchte nicht darauf verzichten.

        1. Nun, Sie spielen offensichtlich um des Spielens willen sowie während des Spiels gegen das Spiel und nicht primär gegen einen Gegner. D’accord. Finden Sie das in der Masse wieder, vor allem, wenn es nur Publikum ist und nicht Spielende?

          Weiter können Sie nicht einerseits die länge des Artikels monieren und andererseits eine Laudatio auf das integrative Moment des Breitensports verlangen – das wird auch an anderer Stelle oft genug getan, siehe belanglose Politkerreden oder wenn Sportfunktionäre mal wieder betteln gehen.

          Der Autor kritisiert die Monetarisierung und sonstige Vereinnahmung des Sports, mit seinen pervers anmutenden Auswüchsen wie Doping, blinde Heldenverehrung, erfolgsgetriebene Selbstzerfleischung und die Instrumentalisierung der Faszination des Sports zu einem überflüssigen Nationalismus. Weiter kritisiert er das »panem et circenses«, ohne den Missbrauch des integrativen Moments des Sports explizit zu benennen. Ich denke, wenn dem Autor Sport gleichgültig oder zuwider wäre, hätte er das anders aufgezogen.

          Das Thema ist jetzt nicht neu oder überraschen, doch das ist wohl ein anderer Punkt. Und ich schätze, auch nach diesem Artikel wird niemand gegen Ihre Schachturniere demonstrieren. 😉

          1. 🤣🤣🤣👍👍
            Na, das hoffe ich doch mal!
            Aber im Gegensatz zu Russland ist und bleibt Schach in Deutschland nur eine Randsport-bzw. Nischensportart.
            Aber schönen Dank, Ihre Sichtweise auf den Artikel hat mich überzeugt!
            Sie haben Recht!
            Meinen Post kann ich so nicht stehen lassen, zu schnell geschossen, sorry!

            1. No need for sorry, Leidenschaft ist doch immer willkomen 😊

              Und sollten, wider erwarten, doch mal Demonstranten auftauchen, geben Sie Bescheid und ich kümmere mich darum: Habe ein Derailing Richtung „Halma“ vorbereitet. 😂

            2. Btw. habe ich mit 4 Jahren die Schach Basics (also Figuren ziehen) gelernt. Mein Lehrer war 7 oder 8 und hat an mir die „Tricks“ aus einem Schachbuch ausprobiert – ich war also nicht sonderlich erfolgreich.

              Was mich aber – soweit meine Erinnerung mich nicht täuscht – am meisten frustriert hat, war die Begrenzung der 64 Felder, so wie alle Begrenzungen von Brettspielen…

              Auch wenn Schach eine Nieschensportart ist, so finde ich es dennoch interessant, dass Schach durchweg in allen sozialen Klassen und Bildunggraden eine hohe Reputation hat.

    3. Wieso denn. Schalkes UEFA-Cup-Finalsieg über Inter Mailand ist 29 Jahre her. Damals herrschten noch andere Verhältnisse und es wurde auch noch Dialekt gesprochen. Deutschland freute sich mit Gelsenkirchen und der Erfolg trieb den BVB zu seinem legendären Champions-League-Sieg über Juventus Turin.

      1. Ja natürlich, aber damals war die Lage wenig besser. Der „Strukturwandel“ hat ja nie funktioniert, da glauben nur Politiker dran. Mir schien dies Beispiel angebracht, da ich mir nichts wirklich besseres einfiel, um Forenten, die nicht aus der Region sind, etwas vom Pott zu verdeutlichen. Vielleicht hätte ich auch sagen können, das auch in der 2. Liga das Stadion voll ist.
        Vielleicht aber auch ist da etwas Lokalpatriotismus eingeflossen, ich bin in 4. Generation Gelsenkirchener und tieftraurig über die Situation der Stadt und der Menschen. Privat versuche ich einiges um hier und da zu lindern. Meine Wut auf die Parteienoligarchie, den Kapitalismus, speist sich nicht zuletzt auch aus meiner Herkunft. Übrigens bleibe ich jetzt erst recht hier, vielleicht bin ich bescheuert, keine Ahnung! Mein Sohn will auch nicht weg.

    4. So „singulär“ kann die Armstrong-Geschichte nicht gewesen sein, denn bevor er sein Doping dann doch irgendwann mal zugegeben hat, gab es ja schon den Skandal beim deutschen „Team Telekom“, bei dem der Manager (Name vergessen, ein „Arzt“, soweit ich mich erinnere) und die Betreuer ein ebenso „systematisches“ Doping betrieben haben. Die damalige „Tour de France“ war dermaßen von Urinproben und Polizei-Razzien bestimmt, dass deutsche Reporter schon über die (zu) strikten französischen Kontrollen rumstänkerten, sie würden den schönen Sport ganz kaputtmachen. Fahrer wie Thurau oder Zabel sagten damals schon, dass es ohne das „illegale Doping“ unmöglich sei, dauerhaft an der Spitze mitzufahren, – meistens aber erst dann, wenn sie aufgeflogen sind.

      Es muss ja auch nicht immer das „illegale Doping“ sein. In manchen Sportarten reicht die Liste der erlaubten Leistungsoptimierungsmittel, oder die Skispringer soweit abzuhungern und in übergroße Anzüge zu stecken, damit sie länger fliegen können.

      Das Eingrenzen solcher Skandale ist aber seit je her fester Bestandteil der nationalistischen Sportberichte. Früher war es mit Vorliebe die DDR, auf der herumgehackt wurde. Wenn dann ein Carlo Thränhardt in Talk-Shows ausplauderte, dass es in der westdeutschen Leichtathletik ähnlich zugeht, wurde er schnell zum „Nestbeschmutzer“ der guten, westlichen Sportförderung.
      Bei den internationalen Wettkämpfen der letzten Jahrzehnte waren es außerdem immer die Russen oder Chinesen, denen man ihre nationale Glanzveranstaltung einfach madig machen musste. „Künstlich angelegte Schneepisten in Sotschy!“ – das reinste Umweltverbrechen eines angeberischen Autokraten, – ausgerechnet aus Deutschland, wo die Schneekanonen in Wintersportgebieten nur noch heißlaufen.
      „Gedrillte Kinder“ und Oberlippenbehaarung bei chinesischen Gewichtheberinnen! – da haben deutsche Sportreporter ein ganz genaues Auge drauf, weil sie wissen, dass es bei denen nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

      Und bei der korrupten FIFA sind Leute wie Johannes Hano seit Jahren ganz „investigativ“ dran, wenn’s um Machenschaften von Blatter, Infantino oder plötzlich um „Menschenrechte“ von Frauen, Bauarbeitern u.a. in Dubai geht. Die „Vergabepraxis“ unter Beteiligung von DFB und „unserem“ Kaiser Franz wird dabei auffällig umschifft, weil auf das endlose „deutsche Sommermärchen!!!“ natürlich nicht der kleinste Schatten fallen darf und Deutschland als spitzenmäßiger Austragungsort außerhalb jedes Zweifels stehen muss.

      „Das hat der Autor übersehen, die integrative Funktion, die solch ein Verein für eine Stadt wie die unsere hat.
      … Der Sport hat eben auch eine integrative Funktion, leistet in den Stadtteilen soziale Arbeit und ist einer Stadt wie der unseren einfach unverzichtbar. Das hat der Autor m.E. nicht verstanden, auch wenn er recht hat, was die Funktion des Geldes angeht.“

      Ich habe den Artikel anders verstanden. Der beschwert sich ja gerade nicht darüber, wie sonst üblich, dass das schnöde Geld die schönen Ideale und Tugenden des „sportlichen Wettkampfes“ versaut.

      Sport wird gerade wegen seiner „integrativen“, identitätsstiftenden Qualitäten von Medien und Politik sehr geschätzt. Ob auf lokal-patriotischer oder Bundesebene, die chronische Unzufriedenheit mit der Politik und ihren Maßnahmen bietet dem Bürger höchstens Material für das relative und schnell vorübergehende Erfolgsgefühl, dass die angekreuzte, „eigene“ Partei das Rennen gewonnen hat.
      Sportliche und kulturelle Leistungen bieten für die Suche nach nationaler Bestätigung wesentlich mehr. „Als Deutscher“ will man beliefert werden, mit „Leistungen“, auf die man stolz sein möchte, auch wenn man mit ihnen gar nichts zu tun hat. So wie ein Chrupalla stolz auf die deutschen Dichtkünste ist, auch wenn ihm auf Nachfrage kein Werk einfällt, das ihn besonders stolz macht.

      Der Sport ist als „eigentlich unpolitischer“ Nebenkriegsschauplatz besonders dazu geeignet ihn politisch zu nutzen, auch wenn die sportlichen Höhepunkte vergänglich sind und es deshalb ständig die wiederholte und erneuerte geistige Verrenkung braucht, dass ein Ball im richtigen Tor als ein „Erfolg Deutschlands“ verstanden werden soll, oder eben der Triumph einer lokalen Wohngegend.
      Das sportgeförderte und medienverbreiterte kollektive „Wir-Gefühl“ hat mit solchem identitären Blödsinn kein Problem und sieht für „deutsche Siege“ am Medaillen-Fließband auch mal großzügig über die eigene, rassistische Unzufriedenheit hinweg, dass es nicht immer „Bio-Deutsche“ sind, die da auf dem Treppchen für Deutschland strahlen.

      Seit ich „Asterix bei den olympischen Spielen“ gelesen habe, hat sich der Schpoat eigentlich erledigt, aber in den Nachrichten kriegt man die erfolgsgeilen Bilanzen über „deutsches Abschneiden“ und Misserfolge ja schon früh morgens reingewürgt.
      Soweit ich erinnern kann, ging die ganze Mediendiskussion um „neue Saiten bei der deutschen Sportförderung“ schon beim wenig spitzenhaften Abschneiden bei der letzten Leichtathletik-WM (?) los, mit dem Tenor, bei dem vielen Geld, das Deutschland als Förderung in seine Sporthochschulen, Kaderschmieden und Bundeswehr-Programme reinpumpt, hat es auch ein Recht auf Spitzenplätze und Goldmedaillen. Wer das nicht liefert ist eben ein nationaler „Versager“, also Förderung nur noch für erfolgversprechende, nationale Gold-Lieferanten.

      Mit „Geld“, seinen dubiosen Wegen und übermenschlicher Leistungsoptimierung hat das auch viel zu tun, vor allem aber mit sportlichem Dienst für die Nation, auf die der Bürger „als Deutscher“ schließlich irgendwie stolz sein können muss. Das ist für Gelsenkirchener vielleicht besonders wichtig, aber von den kapitalistischen Lebenshaltungskosten, unerschwinglichen Mieten, etc. deutschlandweit ziemlich egal. Der „Sport soll vereinen“, von „Problemen ablenken“, – und das tut er ja offenbar mit Erfolg.

      – Wie ich sehe ist eben ein zweiter Teil herausgekommen, der das vielleicht ausführlicher erklärt.

  12. Dem Artikel ist eigentlich rundweg zuzustimmen.
    Aber dass man gerade den Radsport und das gelbe Trikot der Tour de France als Titelbild gewählt hat, ist nicht wirklich passend zu den Passagen im Artikel wo es darum geht wie das „Nationale“ durch den Sport befördert werden soll.
    Denn kaum ein Sport ist so wenig national wie der Radsport.
    Klar, es wird immer wieder versucht von verschiedenen Seiten dem Radsport mehr nationale Färbung zu geben und natürlich haben deutsche Fans oft deutsche Lieblingsfahrer und französische Fans französiche Lieblingsfahrer. Trotzdem will es nie so wirklich gelingen aus dem Radsport eine nationale Sache zu machen. Und viele Radsportfans haben deswegen auch keine „nationalen“ Lieblinge.
    Radsport ist ein Teamsport, aber die Teams waren und sind immer international, bis auf die Welt- und Europameisterschaften.

      1. Ja zeitweise, aber wir wissen wie das ausgegangen ist 😀

        Aktuell gibt es zwei Teams mit deutscher Lizenz. Lidl-Trek und Bora-Hansgrohe-Red Bull.
        Das eine Team hat von 30 Fahrern 3 Deutsche, dass andere von 30 Fahrern 4 Deutsche, welche jeweils nicht zu den besten Fahrern der Teams gehören.
        Beide Teams schwimmen gerade im Geld, weil der Radsport seit ein paar Jahren auch immer mehr „Kapital“ anzieht, was natürlich auch zu seinem Nachteil gereicht.

  13. Ach na ja. Irgendwas machen aber die Niederländer (und auch die Norweger) besser als die Deutschen in dem System, wenn man auf die Medaillenspiegel von Cortina (und auch schon von Paris 2024) schaut.

    1. Und die Deutschen auch – wenn ein Eiskanal im Spiel ist.
      Neben der Langlaufloipe (Norwegen) und dem Eisschnelllauf-Oval (Niederlande) haben diese beiden Nationen nämlich auch nicht sooo viel gerissen. Und bei den Deutschen waren es eben überwiegend Rodeln, Bob und Skeleton.

      1. Da jede Nation ihre speziellen Traditionen….bei den Finnen ist halt Eishockey der Nationalsport neben Skispringen, nicht Fußball….bei den Russen Eishockey und Schach ….die Holländer haben doch schon im Mittelalter die gefrorenen Kanäle als Wege genutzt, kann man auf alten Gemälden von Pieter Breughel schon sehen…..und das wir im Eiskanal vorne sind, liegt einfach daran, das wir das einzige Land mit vier Eiskanälen sind, da sind die Trainingsmöglichkeiten natürlich die Besten, selbst die USA habe nur eine.

  14. Sollen sie doch alles freigegeben. Und wenn die Sportlerinnen und Sportler reihenweise umfallen oder wie die Zombies aussehen und durch die Gegend torkeln, ist das ihr Problem. Wer das dann noch schaut, hat ebenso eines.

  15. Mehr als die Studie der Wada von 2011 muß man eigentlich nicht wissen.

    Da wurden die Teilnehmer der Leichtathletik-WM und die der Panarabischen Spiele gesichert anonym befragt, ob sie im zurückliegenden Jahr Dopingmittel eingenommen oder -methoden angewandt hätten. Ergebnis: 29% der WM-Teilnehmer und 45% der Panarabischen Spiele gestanden Doping ein.

    https://uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/dopingstudie-hohe-dunkelziffer-im-spitzensport/

    Davon ausgehend, daß kein sauberer Sportler Doping „zugegeben“ haben dürfte, umgekehrt aber viele gedopte dennoch ihr Doping verschwiegen, kann man ahnen, wie groß das Problem ist.
    Die Studie wurde, kaum fertig, unter Verschluß gehalten, die beteiligten Leute seitens der Wada mit Stillschweige-Verträgen geknebelt. Viele, wie der Deutsche Perikles Simon strichen daraufhin desillusioniert die Segel. Erst 2017, als über das britische Parlament Teile der Studie bekannt wurden, veröffentlichte die Wada die Studie. Es gab eine Woche Aufregung – und dann war alles wieder „gut“.

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