Kontosperrung in Deutschland, weil ich als Russland-Korrespondent in einem „Hochrisikoland“ lebe

Ulrich Heyden. Bild: eigenes Foto

Moskau, 13.03.26

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,

ich bin Russland-Korrespondent und schreibe ihnen, weil ich seit heute von einer Kontokündigung betroffen bin. Diese Maßnahme ist nicht nur geeignet, meine Existenz zu zerstören, sie widerspricht auch den Grundsätzen der Demokratie und der Pressefreiheit. Ich bitte Sie, sich dafür einzusetzen, dass die Kontokündigung rückgängig gemacht wird.

Mein Konto bei der Hamburger Sparkasse habe ich seit Anfang der 1990er. Am Telefon erklärte mir gestern ein Mitarbeiter der Sparkasse, die Kündigung habe mit den EU-Sanktionen gegen Russland zu tun. Der Mitarbeiter der Sparkasse meinte, ich würde in einem „Hochrisiko-Land“ leben.

Wenn ich in einem „Hochrisiko“-Land lebe, müsste die Bundesregierung und die EU-Kommission mich dann nicht unterstützen? Stattdessen wirft man mir Knüppel zwischen die Beine.

In dem Kündigungsschreiben, das ich heute erhielt, ist nur die Rede von einer „Überprüfung“ aller unserer „Geschäftsverbindungen zu Kunden, die ihren Wohnsitz in Russland haben“. Konkrete Vorwürfe gegen mich werden nicht erhoben.

Ich bin nicht der Erste, in Russland lebende deutsche Journalist, der von einer Kontokündigung betroffen ist. Vor mir wurde schon meinen Kollegen Thomas Röper und Alina Lipp die Konten gekündigt und damit die Existenzgrundlage entzogen.

Dass man ausgerechnet uns drei für Kontokündigungen auswählt und nicht die Moskau-Korrespondenten der Zeit, der FAZ, des ZDF und der ARD liegt auf der Hand. Wir drei berichten über Russland mit Verständnis und nicht mit Schaum vor dem Mund. Doch Verständnis passt nicht zu der von der Bundesregierung geforderten Kriegsertüchtigung.

Wie geht das an, Herr Steinmeier? Projekte russischer Oppositioneller und Journalisten, die in Deutschland leben, werden durch Förderprogramme des Auswärtigen Amtes unterstützt und ein deutscher Journalist, wie ich, der in Moskau lebt und seit 34 Jahren für deutsche Leser und Radiohörer, Informationen und Hintergrundberichte aus Russland, der Ukraine und Zentralasien und dem Kaukasus liefert, wird die Existenzgrundlage entzogen?

Ich lebe ausschließlich von Einkünften deutscher, Schweizer und österreichischer Medien, die ich auf meinem Konto bei der Hamburger Sparkasse sammelte. In den letzten zwei Jahren ließ die Hamburger Sparkasse online-Überweisungen nach Moskau schon nicht mehr zu, mit der Begründung, sie sei eine „Regionalbank“.

Ich werde in diesem Jahr 72 Jahre alt. Was soll ich meinem Großonkel, Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, sagen, wenn ich ihn im Himmel treffe? Er wurde im September 1944 in Berlin-Plötzensee als Widerstandskämpfer gegen das Hitler-Regime mit einer Drahtschlinge ermordet. Ich trage meinen Vornamen zu seinen Ehren. Was wird mein Großonkel sagen? Er wird sagen, dass es Mord und Terror gegen Andersdenkende auch in der Nazizeit gab, und dass er sich nicht hätte vorstellen können, dass sich so etwas in Deutschland wiederholt.

Zu meiner Person: Zehn Jahre lieferte ich als freier Mitarbeiter Radio-Features zu Russland-Themen für den Deutschlandfunk. 13 Jahre war ich Moskau-Korrespondent der Sächsischen Zeitung. 30 Jahre berichtete ich für die Wochenzeitung „der Freitag“. Außerdem schrieb ich für den Tagesspiegel, den Rheinischen Merkur, die Financial Times, die Märkische Allgemeine, die Thüringer Allgemeine und die Mittelbayerische Zeitung. Heute arbeite ich für die Nachdenkseiten und andere deutsche Internetportale. Ich bin Autor mehrerer Bücher zu den Themen Russland, Ukraine und deutsche Nachkriegsgeschichte. 2024 erschien von mir im Promedia-Verlag das Buch „Mein Weg nach Russland. Erinnerungen eines Reporters.“

mit freundlichen Grüßen

Ulrich Heyden

Mail: heyden@list.ru

Telefon: +7 916 165 25 50


Ulrich Heyden

Ulrich Heyden, Jahrgang 1954, ist in Hamburg geboren. Er ist Korrespondent und Autor, lebt seit 1992 in Russland und schreibt für deutschsprachige Medien, u.a. Nachdenkseiten, Overton-Magazin, Globalbridge, Manova. 2022 erschien von ihm im Verlag tredition »Der längste Krieg in Europa seit 1945. Augenzeugenberichte aus dem Donbass« und 2024 im Verlag Promedia «Mein Weg nach Russland. Erinnerungen eines Reporters».
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15 Kommentare

  1. „…damit Israel weiter die Drecksarbeit für uns erledigt…“ [1]
    Die „Drecksarbeit“ machen die Länder in Europa die den Palästinensern nicht helfen. Also die Konventionen der Vereinten Nationen nicht erfüllen.

    Die Siedler trennen den Palästinensern die Stromzufuhr ab, zerstechen die Reifen eines Kraftfahrzeuges, sprühen Pfeffer-Spray den Menschen ins Gesicht, schlagen einem Palästinenser auf den Kopf. Das Militär erscheint vor Ort.
    Aktivisten: „Die Siedler haben ihn angegriffen und ein Telefon geklaut.“
    Militär: „Gehen Sie nach Hause. Es ist alles in Ordnung. […]“
    Die Gegend wurde als Militärzone deklariert und die Palästinenser sind aus ihren Zuhause vor den Siedlern geflohen. Die Zuhause wurden zerstört. Das passierte in Duma bei den Bedouinen.

    Zur Belohnung werden dann die Produkte des Kriegsverbrechers von anderen Ländern gekauft.
    Stellen Sie sich mal vor Sie würden bei Glassdoor alles was ihnen bei ihrem Arbeitgeber nicht passt reinschreiben. Oder der Arbeitgeber erfasst in der neuen Arbeitnehmer-Datenbank die Daten damit z.B. keine Betriebsräte gegründet werden, wer keine Überstunden macht schon vor der Einstellung identifiziert ist und wer sich nicht monatlich für den Erhalt von Lohn bedankt. Also die Vertragsfreiheit als solche untergräbt, die freie Meinungsäusserung bestraft und bei friedlichen Demonstrationen kesselt.

    Die Länder haben auf ihre Souveränität verzichtet. Für die Ausübung von mehr Macht wird gerne etwas getan. Das ist nicht Korruption weil das in der hierarchischen Struktur vertikal geschieht.
    So folgt das Kriegsverbrechen dem Mangel an Konventionserfüllung. Und im „Corruption Perceptions Index 2025“ [2] liest man dass die Ukraine auf Platz 104 von 182 Ländern ist mit 36 Punkten [3].
    Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen findet man:
    -China mit 43 Punkten
    -Frankreich mit 66 Punkten
    -Russland mit 22 Punkten
    -USA mit 64 Punkten
    -Vereinigtes Königreich mit 70 Punkten
    sowie u.a.
    -Demokratische Republik Kongo mit 23 Punkten
    -Somalia mit 9 Punkten
    -Liberia mit 28 Punkten
    -Panama mit 33 Punkten

    Und das BRICS-Land Indien hat mit 39 Punkten einen Punkt mehr als Äthiopien. Kauft aber den Israelen für 8.6 Milliarden Dollar die Militärgüter ab und ist dann angeblich „eine Weltmacht“. Ich erwähne Indien weil dieses Land eine informelle Beschäftigungsrate von 85% – 90% hat. Evtl. ist es so dass man sich für den Erhalt von Lohn bedankt.

    Alles nicht so gut wie Dänemark mit 89 Punkten. In die meisten dieser Länder würde man nicht in den Urlaub fahren. Und oft ist wohl auch so dass man in Länder die einen nicht interessieren auch nicht in Urlaub fährt.

    Aber so ist es nicht mit den Aktivisten gewesen denen gegenüber man gewalttätig gewesen ist. Die Palästinenser hat man geschlagen. Und die Palästinenser werden wohl eher selten in Urlaub fahren. Weil ein Völkermord an ihnen begangen wird.

    Tun Sie von den Amerikanern keine Waren kaufen. Auch nicht im Fast-Food Restaurant.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Eine Unterschriftenaktion auf EU-Ebene bei der jede Stimme zählt.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    [1] https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/die-europaeer-sagten-kaempft-noch-anderthalb-oder-zwei-jahre-wir-geben-euch-geld/#comment-368429
    [2] https://www.transparency.org/en/publications/corruption-perceptions-index-2025
    Corruption Perceptions Index 2025, Seite 4-5.
    [3] 2018 – Platz 120, 32 Punkte. 2020 – Platz 117, 33 Punkte.

  2. „… spielt … leider keine Rolle.“
    Noch ist die Zahl der Geldhändler und -wechsler mit voraus eilendem Gehorsam nicht Legion. Man kann sie sich also gut merken und auf die Anbahnung einer Geschäftsbeziehung verzichten.
    Die eventuelle Frage „Können Sie mir eine Bank empfehlen?“ wird dann beantwortet mit „Naja, also die folgenden kann ich Ihnen nicht empfehlen.“

    Halte trotzdem durch, Alter!

  3. Die Ausrede mit der ‚Regionalbank‘ ist wirklich nur noch beschämend. Man gockle nur einmal ‚hamburger sparkasse international’…: „Die Hamburger Sparkasse (Haspa) bietet ein umfassendes Leistungspaket für internationale Geschäfte, darunter Auslandszahlungsverkehr, Außenhandelsfinanzierung, Dokumentengeschäfte (Akkreditive) und Währungsmanagement. Sie unterstützt Unternehmen über ein Netzwerk von über 1.000 Korrespondenzbanken und bietet spezielle Services für den China-Handel sowie die App „S-weltweit“.“ (Haspa Selbstauskunft)

  4. Unsere Politiker sind voll von Hass Menschen gegenüber, die Mensch geblieben sind, die sich dem Hass verweigern. Es sind seelenlose Gewalttäter.

  5. Ich hab mir sagen lassen, dass die chinesische UnionPay m.W. auch außerhalb des SWIFT-Systems eine stabile Bank wäre…. Vielleicht geht da was… HochrisikoGebiet ist aktuell wohl eher Deutschland, nicht Russland.

    1. Das Deutschland von heute gleicht, in Bezug auf die Freiheit wohl eher jenem Deutschland das1945 untergegangen ist, als dem das 1946 erste zarte Versuche in Richtung freie Meinung und vor allem freie Presse enstspricht.

      Steinmeier anzuschreiben, als Garanten für die Verteidigung der freien Presse ist in meinen Augen naiv. Das ist wie ein Vertrag eines Schafes mit einem Wolf.

  6. Sehr geehrter Herr Heyden,
    ich lese Ihre Artikel immer und ich muss zugeben, sie machen eine sehr gute journalistische Arbeit.

    Umso mehr verwundert es mich, das Sie sich an Herrn BP Steinmeier wenden.

    War doch der damalige Außenminister Steinmeier einer derer die den Maidan besucht und den Putsch von Kiew unterstützt haben und auch weiterhin die Ilegitime Regierung von Elendskij unterstützen.

    Herr Steinmeier steht für die Agenda 2020 und für Hartz IV sowie alle anderen sozialen Verschlechterungen.

    Ich, wäre ich in Ihrer Lage, würde in Herrn Steinmeier vieles, aber auf keinen Fall einen Vertreter des freien Pressrechts sehen.

    Diese BRD, das Wissen Sie mindesten, eher besser als ich ist längst ein Hort von Zensur und von Propaganda die alles was nicht in das narativ passt vernichtet. Insofern, abgesehen von der Lebenslage, erinnert mich das an die Forderung von Oskar Maria Graf. „Verbrennt mich“

    Es ist ein Treppenwitz, aber Snowden hat nur überlebt, weil die russische Regierung ihm Zufluch gewährt hat. Sie sollten, so hart es klingen mag stolz darauf zu sein durch diese Maßnahme den Ehrentitel Demokrat erhalten zu haben.

    Gut die Liste wird immer länger durch die Zensur der EU und natürlich zuvorderst der Regierung der BRD.
    Nochmals – der Vergleich ist stark überzogen – stehen Sie in der Tradition des demokratischen Deutschlands.

    Vermutlich wird nach Ihnen einst ein Preis benannt wie jener des Journalisten Kisch.

    1. Ich denke, Ulrich Heyden, dessen Arbeit ich seit Jahren schätze, hegt wohl keine besonderen Erwartungen in den Bundespräsidenten. ABER: Herr Steinmeier hat doch bei Amtsantritt auch gepredigt, dass er der Präsident aller Deutschen sein wolle. Nun, entweder er isses (lol), dann wird er sich um das Anliegen von Ulrich Heyden kümmern – oder er isses nicht (Überraschung). Letzterer Fall könnte dann in etwa so klingen, dass „sich der Herr Bundespräsident leider nicht in der Lage sieht, in souveräne Entscheidungen einer Sparkasse einzugreifen. Er bittet um Verständnis und richtet Ihnen Grüße aus“. Oder so. Den ganzen Briefwechsel könnte man dann mal auf Faltblätter bringen und beim nächsten Tag der offenen Tür (oder vergleichbaren Anlässen) unter Besuchern verteilen.
      Ansonsten empfehle ich auch eine der in Berlin ansässigen chinesischen Vollbanken, die auch Girokonten mit internationalem Zugriff bieten.
      Alles Gute, Ulrich Heyden! Wie heißt es so schön: Gern höre ich von Ihnen!

  7. „Sehr geehrter Herr Bundespräsident…“ Echt jetzt? Mir fiele so einiges ein als Anrede. Sehr geehrter wäre ganz sicher nicht dabei.

    1. Mit, die Bürger des eigenen Landes hängen lassen, damit kennt sich der ehemalige Außenuhu aus.
      Kurnaz und Guantanamo, da war doch was…

  8. Alles Gute, Ulrich. Mach ein Konto bei einer Bank in Hongkong oder Shenzhen auf (Union Pay und Mir-Karten tun da). Vergiss diesen Rattenstaat.

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