
Welche Bedeutung hat die neuerliche Ausstellung eines 1818 gemalten Gemäldes des spanischen Klassizisten José Aparicio?
In einem Artikel in „The Guardian“ vom 30.4.2026 berichtet Madrid-Korrespondent Sam Jones von einem bemerkenswerten musealen Ereignis im Prado. Ein gigantisches Werk hängt da neuerdings, das den heldenhaften Widerstand gegen die napoleonische Besatzung und die Loyalität der spanischen Büger und Bürgerinnen gegenüber König Ferdinand VII allegorisch darstellt.
„Neuerdings“ bedarf der Erläuterung. Denn es handelt sich um das 1818 von José Aparicio gemalte El año del hambre de Madrid („Das Jahr der Hungersnot in Madrid“), welches „eine Gruppe abgemagerter, sterbender Madrilenen, die edelmütig das Brot ablehnen, das ihnen von französischen Soldaten angeboten wird. Indem sie den Tod der Hilfe der Besatzer vorziehen – selbst während ihre Kinder sterben und sie gezwungen sind, an Kohlstrünken zu nagen – demonstrieren sie einen vollkommenen, wenn auch tödlichen Patriotismus“.
Als das Gemälde kurz nach seiner Entstehung „an einem Ehrenplatz“ in dem von Ferdinad gegründeten Königlichen Museum für Malerei und Skulptur (später zum Prado umgewandelt) aufgehängt wurde, galt es als „wichtigstes Ausstellungsstück“. José Aparicio, Hofmaler Ferdinands, sah im Gemälde ein Mittel, „den kürzlich wieder eingesetzten König im Herzen des Volkes zu verankern“. Sam Jones schreibt: „Sein unverhohlen patriotischer Ton, kombiniert mit der Würdigung der Widerstandskraft der Madrider Bevölkerung, machte das Werk sofort zu einem Erfolg.“ Doch Ferdinand starb bereits 1833 und mit ihm auch sein absolutistisches Regime. Ende der 1860er Jahre bewegte sich Spanien auf die Ausrufung seiner ersten Republik (die freilich kurzlebig war). Die Zeiten hatten sich politisch wie auch im Hinblick auf den Kunstgeschmack so drastisch gewandelt, dass Aparicios Werk aus dem Museum verbannt wurde. Sam Jones behauptet: „Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es zu einem Gespött und Synonym für schlechten Geschmack geworden.“ Es begann ein langes Exil des Werks, das Stationen in einem Ministerium, im spanischen Senat und in einem weiteren Madrider Museum umfaßte.
Heute gilt es für ausgemacht, dass Aparicios Gemälde von anderen Protagonisten einer langen Tradition spanischer politischer und kriegsbezogener Malerei, die sich von Goyas „Der 3. Mai 1808“, über Antonio Gisberts „Die Erschießung von Torrijos und seinen Gefährten am Strand von Málaga“ bis hin zu Picassos „Guernica“ erstreckt, überholt worden ist. Wie ist also die „Wiederentdeckung“ des eklatant in Ungnade gefallenen Werks zu erklären? Carlos G. Navarro, einer der KuratorInnen der „Ein Werk, eine Geschichte“ betitelten Ausstellungsreihe des Prado, deren erklärtes Ziel es ist, „Besucher dazu anzuregen, Gemälde in einem breiteren Kontext zu betrachten“, sagt dazu: „Dies ist ein Werk, das vom Höhepunkt der Kunstgeschichte in die weniger bedeutenden Gänge verdrängt wurde. Es veranschaulicht perfekt die Entwicklung des Geschmacks und zeigt, dass unsere Vorstellung von Geschmack – die wir für festgelegt und unveränderlich halten – sich mit jeder Generation verändert, die Kunst betrachtet.“
Das Thema ist nicht neu und tangiert verschiedene Aspekte der allgemeinen Rezeption von Kunst. Da wäre zunächst das Grundproblem der Gegenüberstellung von Kunstautonomie und dem außerkünstlerischen Kontext ihrer Entstehung. Im hier erörtreten Fall Aparicios ist das kontextuell Fremdbestimmte von vornherein zweifach gleichsam determiniert: Aparicio war Hofmaler, und als solcher war ihm Königstreue und damit einhergehender monarchischer Patriotismus strukturell auferlegt. Zudem ließ das ausgesuchte Sujet von vornherein nicht viel Spielraum für die Darstellung. Indes, das Sujet war (soweit bekannt) dem dienenden Künstler nicht vorgeschrieben – er wird es sich selbst ausgesucht haben, nicht zuletzt um seinen eigenen Patriotismus zu dokumentieren. Es ist bekannt, dass er während seines Aufenthaltes in Rom 1808 dem neuen spanischen König Joseph Bonaparte den Treueid verweigerte und dafür zusammen mit anderen jungen spanischen Künstlern, die sich als Stipendiaten in Rom aufhielten, in der Engelsburg eingekerkert wurde. Nicht von ungefähr erfolgte nach seiner Freilassung im Jahr 1815 die Ernennung zum Hofmaler von Ferdinand VII.
Dass aber auch selbst unter solchen strukturellen Vorgaben sich ein künstlerischer Freiraum der Gestaltung schaffen lässt, kann man am Fall Francisco Goyas als Hofmaler von Carlos IV nachweisen. Er wurde zu diesem Amt im Jahr 1789 von Carlos IV nominiert und diente ihm bis 1808, als Carlos infolge der napoleonischen Besatzung vom Thron vertrieben und Joseph Bonaparte, Napoleons älterer Bruder, an seiner Stelle inthronisiert wurde. 1800 malte Goya „Die Familie Karls IV.“, ein Meisterwerk, dessen zeitgenössische Rezeption beredt war.

Das nachgerade vernichtende Urteil lautete: „Es sieht aus, als hätten der Bäcker an der Ecke und seine Frau im Lotto gewonnen.“ Es ist ungewiß, wer der Urheber dieses fatalen Diktums war. Zugeschrieben wird dessen früheste Verwendung dem belgischen Kunstkritiker Lucien Solvay, aber nicht wenige namhafte Personen aus Europas Kultursphäre im 19. Jahrhundert delektierten sich späterhin sehr an ihm – der Maler Pierre-Auguste Renoir, der Schriftsteller Alphonse Daudet und der Dichter Théophile Gautier, um nur einige zu nennen. Diese oft wiederholte Kritik wird dazu beigetragen haben, „das Gemälde populär als satirische Karikatur der königlichen Familie zu definieren und Goya als Künstler darzustellen, der seinen Auftraggeber untergräbt.“ Stimmt das aber? Sagt dies etwas über Goyas Einstellung zu Carlos IV und der Monarchie aus? Der amerikanische Kunsthistoriker Bobby McGee schreibt in diesem Zusammenhang: „Während eines Großteils seines Lebens war Goya ein äußerst loyaler Diener der Monarchie und wurde der erste spanische Künstler seit Diego Velázquez, der die prestigeträchtige Position des ersten Hofmalers innehatte. Es war eine Karriere und ein Einkommen, die er lange angestrebt hatte, und er arbeitete gewissenhaft innerhalb des Systems, um sie zu bewahren.“ Einen Großteil dieses Wohlwollens habe Goya durch die Porträtmalerei erlangt, welche etwa ein Drittel seines Gesamtwerks ausmacht. Dabei habe er einen durchdringenden, natürlichen Stil entwickelt, der auf einer offenen Beobachtung seiner seiner Modelle beruhte, ohne sie aber je zu dämonisieren.
Zwischen beiden Aussagen besteht gleichwohl kein zwangsläufiger Widerspruch. Dass Goya sich willentlich im dienenden Amt mit Verantwortung gegenüber seinem Herrn befand, hinderte ihn nicht, sich Freiheit der Gestaltung seines Werks herauszunehmen. Dabei musste er kein politisches Bekenntnis ablegen, sondern lediglich der inneren Logik dessen folgen, was die Raison d’être seines Metiers ausmacht(e): die ästhetisch-künstlerische Gestaltung seines Sujets (die königliche Familie). Autonomie der Kunst bedeutet, so besehen, nicht (nur) die Verweigerung der Vorgaben des Auftraggebers (ob nun Monarch, Papst oder bürgerlicher Mäzen), sondern jenes Segment der Freiheit, das sich selbst noch unter beschränkenden Bedingungen bewahrt; rigoros gesagt: die Autonomie der Ästhetik, die – ohne es großartig zu proklamieren – einen Gegenentwurf zur „normalen“ Wahrnehmung von Realität schafft. Das war Kunst schon immer zueigen (großer Kunst zumal), ohne dass sie sich dessen unbedingt bewusst gewesen wäre. Ihr So-sein ist der Gegenentwurf, mithin ihre Autonomie.
Das besagt mitnichten, dass Goya kein gesellschaftskritischer Künstler gewesen sei. Man sehe sich seinen Radierungszyklus „Los Caprichos“ an, der nicht von ungefähr als Schlüsselwerk des spanischen Meisters gilt. Die Blätter greifen soziale, religiöse, kulturelle und politische Probleme seiner Zeit auf, deren präzise Darstellung an satirischer Schärfe, karikierender Ironie und auch beißendem Hohn ihresgleichen suchen. Goya machte vor kaum einem Frevel und Missstand seiner Zeit halt: Armut, Prostitution, Standesdünkel, Aberglaube, Missbrauch klerikaler Autorität durch Inquisition und die Brutalität des Machterhalts von Adel und Klerus. Allerdings: Zwei Tage, nachdem der Zyklus 1799 in einer Auflage von 270 Stück erschien, wurde er aus Furcht vor Repressalien der Inquisition aus dem Handel gezogen. Goya hätte gegen eine solche gewaltsame Verwerfung der Kunstautonomie nichts ausrichten können. Aber eben nicht um diese Dimension der Kunstautonomie geht es hier, wie gesagt. Die Verbreitung der „Caprichos“ wurde zeitweilig verhindert. Aber ihre innere ästhetische Logik blieb unangetastet – und gelangte schließlich zu Weltruhm.
Zu fragen gilt es, wieso das 1818 gemalte Bild Aparicios im Jahre 2026 nochmal aus der Versenkung hervorgeholt und zum Gegenstand einer Ausstellung wird. Der Patriotismus des Künstlers und seine Treue zum Monarchen kann doch heute nicht allen Ernstes als relevant empfunden werden. Navarros Antwort darauf, es veranschauliche die Entwicklung des Geschmacks und zeige, dass unsere Vorstellung von Geschmack – die wir für festgelegt und unveränderlich halten – sich mit jeder Generation, die Kunst betrachtet, verändere, ist zwar ehrenwert im Hinblick auf die pädagogische Inention der Aussteller, aber letztlich nicht sonderlich überzeugend. Denn nicht nur denkt wohl kein kunstbeflissener Mensch heuzutage, dass Geschmack „für festgelegt und unveränderlich“ zu halten sei; sondern die Kategorie des Geschmacks als solche ist viel zu ephemer, um analytisch etwas zu nützen. Und selbst, wenn man sie bemühen will, darf man nicht sehr viel mehr, als eine Erkenntnistrivialität erwarten.
Navarro sagt darüber hinaus, die Ausstellung des Gemäldes beabsichtige, „Besucher dazu anzuregen, Gemälde in einem breiteren Kontext zu betrachten“. Auch das ist ein plausibler, obgleich kein wirklich innovativer Grund, wenn man davon ausgeht, dass jedes Kunstwerk neben einem inneren Code (der sich mit Form, Inhalt und Gehalt des Werks befasst) auch einen historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Code aufweist, wie sie etwa vom Soziologen Pierre Bourdieu konzeptualisiert und erörtert worden sind. In diesem Sinne kann José Aparicios El año del hambre de Madrid in seinem historisch-politischen Kontext (antinapoleonischer Patriotismus und Königstreue), seinem kunstgeschichtlichen Kontext (exemplarisches Produkt des spanischen Klassizismus), seinem sozial-kulturellen Kontext (Gegenstand öffentlichen Geschmackswandels), mithin auch im Kontext der Dynamik von Kanon, musealer Präferenz und Exklusionsmechanismen in der Kunst rezipiert werden. Aber es will scheinen, als sei da auch ein kulturindustrieller Kontext mitzureflektieren.
Allein die Tatsache, dass die politische wie auch die historische Relevanz der Ausstellung eher fraglich ist, die Ausstellung aber dennoch Aufsehen erregt, lässt vermuten, dass die Ausstellung des Werks im Jahre 2026 selbst einen Kontext schafft. Celia Guilarte Calderón de la Barca, eine der Kuratorinnen der Ausstellung, sagt: „Die Bedeutung dieses Bildes war enorm – und ebenso der Umfang seines Absturzes. Es gibt hier kein Mittelding; es geht von einem Extrem ins andere.“ Sam Jones fügt hinzu: „Auch wenn Aparicio nie den dauerhaften Ruhm erreichte, den Picasso mit seinem Aufschrei gegen den Krieg erlangte, bleibt Das Jahr der Hungersnot in Madrid ein faszinierendes Fallbeispiel.“ Aber wofür? Was als „faszinierendes Fallbeispiel“ ausgegeben wird, meint letztlich die Sensation bzw. den fahlen Skandalon des Absturzes eines Werks, das seine historische und politische Bedeutung fürs heutige Publikum längst verloren hat. Die linde Sensation, an der man sich freizeitlich delektiert, ist der neue Kontext. Nicht nur von Kunstwerken.
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Ich fielen sofort die Themen „Hunger und Besatzung“ ein, die einen aktuellen Bezug zu Gaza herstellen.
Was das Werk Aparicios jedoch schon immer schmälerte, das ist die Falschheit der Erzählung. Es wird wohl kaum der patriotische Stolz der Madrilenen gewesen sein, die sich gegen die Mildtätigkeit ihrer Besatzer sträuben, der Auslöser der Hungersnot gewesen sein.
Ebenso meine allererste Reaktion: wo ist der Bezug zu Gaza? Oder geht es im Gegenteil darum von Gaza abzulenken?
Bilder also, die entweder große Zustimmung oder Abscheu hervorrufen. Bislang hat die Abscheu überwogen, was sich nun zu ändern scheint. Da ist jemand, der genau das restaurieren will.
Unschwer zu erraten, wer das ist. Der Rechtsblock liegt bei Umfragen inzwischen vorne und da ist mit 17-18 Prozent Vox dabei. Das sind die, die solche Bilder rehabilitieren wollen.
Die Ablehnung der napoleonischen Soldaten beruht nicht oder nicht nur darauf, dass das Franzosen sind. Selbstverständlich spielt auch die Ablehnung der Moderne eine Rolle.
Und dann natürlich diese Bäckerfamilie, die im Lotto gewonnen hat.
Mit derlei ist zu rechnen, wenn die Rechten an der Regierung sind. An allen Ecken und Enden.
Ja, noch schlimmer wenn es Rechtsradikale sind, wie im heutigen Israel, das Sie ja, speziell unter Artikeln von Zuckermann stets und völlig kritiklos verteidigen.
Bevor ich den Artikel gelesen habe, schaute ich mir dieses Bild genau an, denn mein erster Gedanke war, was denn das für eine komische Geschichte sei. Normalerweise plündern die Soldaten und nehmen den Leuten das Brot weg und bieten es ihnen nicht an. Meine Interpretation war, dass Soldaten den Menschen vergiftete Lebensmittel anbieten. Eine junge Frau ist schon tot. Das ist schon komisch genug. Aber dass die Soldaten Menschen Lebensmittel anbieten, die diese aus Patriotismus ablehnen, kann unmöglich ernst gemeint sein. Das ist eine totale Verdrehung. Das Bild ist ein Comic! Ich glaube, schon damals haben die Betrachter darüber gelacht.
Ebenso das Bild von Goya. Das ist sogar einfach eine Unverschämtheit.
Aber Tatsache ist, dass in den aufgeklärten Monarchien wohl künstlerisch mehr erlaubt war, als in „UnsereDemokratie“. Zum Beispiel gibt es auf der Alten Brücke in Heidelberg eine Justitia, die 1788–1790 von Franz Conrad Linck geschaffen wurde und zum Carl-Theodor-Denkmal gehört. Sie trägt keine Augenbinde und schaut zum Schloss hoch. Ihr Schwert ist zum Teil abgebrochen (wurde inzwischen gestohlen). Die Waage ruht auf Gesetzbüchern und kann daher nicht frei schwingen. Ihr Fuß auf ruht auf einem Geldsack. Das Geld hatte die Stadt Heidelberg aufbringen müssen. Hierzu verschuldete sie sich beim Hoffaktor Aron Elias Seligmann und legte ihren Bürgern eine Sondersteuer auf.
„…das Bild von Goya. Das ist sogar einfach eine Unverschämtheit.“
Ja, das ist schon eine Unverschämtheit, gell? Wo kommen wir da hin wenn ein Clown wie Goya widerliche Witzblattfiguren und die Realität der Kriege genau so malt, wie sie nun mal aussehen UND WIE SIE SIND!
Goya war einer der grössten, weil ehrlichsten Künstler überhaupt. Der Ausbruch der französischen Revolution, der wir all die folgenden historischen Katastrophen verdanken, war nur der französischen Aristokratie zu verdanken: Also: deren Lernunfähigkeit und Lernunwilligkeit, was das entsetzliche Leben der damaligen Massen angeht. Es war immer schon die bekannte Schere zwischen arm und reicht, etwas das wir heute auch gerade in Gaza beobachten. Und als Zyniker kann man nur hoffen, dass dieser Macht-geht-vor-Recht Zustand, auch in Europa, für alle euch Normalos wieder ähnliche Konsequenzen haben wird!
Leute, die Goyas Kunst als Unverschämtheit bezeichnen, verdienen nichts anderes!
Da hat Moshe_Z wohl zwischenzeitlich Besuch vom DSA-Fahnder nebst einem Assistenten der üblichen Verdächtigen aus Tel Aviv gehabt und muß sich jetzt als Keksperte für Uralt-Schinken sein Brot verdienen,?
Mitnichten! Aber hätte ich nicht vorher bei den Nachdenkseiten unter den ‚Videos zum Samstag‘ das Werk von ‚Democrazy now‘ gesehen, hätte ich bestimmt nicht Moshe’s Kontext erkennen können:
„Gaza Faces Public Health Collapse Amid Rat Infestation & Disease as Israel Blocks Reconstruction“
Chapeau, Moshe!
Zum Thema: Auf dem Monsterschinken von damals die damals ‚moralischte Armee‘ der Welt – beim gute Taten tun wollend, aus Propagandazwecken, versgteht sich. Die ach so ‚moralischten Helden von den dem Messias harrenden‘ halten sich mit solchen primitiven Methoden nicht mehr auf.
Der Kontext von Kunst im politischen Alltag, hängt von der politischen Klasse ab.
Wie einst Cäsar seinen Daumen noch oben oder nach unten gesenkt hat!
Die Kunst war und ist immer abhängig davon, welcher regierende diese Kunst förderte, über die erhaltenen Steuern vom Proleten. Heute wird einem Feind der Krieg erklärt, danach wettet man in Portalen über die Reaktion vom überfallenen.
Diese moderne Kunst der Bereicherung, wird mal eben mit alten ‚Künsten‘ bezeichnet.
Schrecklich, in welchem Zustand sich die Menschheit befindet!
„Allein die Tatsache, dass die politische wie auch die historische Relevanz der Ausstellung eher fraglich ist, …“
Warum fraglich und warum der unterstellter Bedeutungsverlust? Weil der Autor mehr als Patriotismus und Königstreue im Bild nicht zu erkennen vermag? Was der Künstler der es schuf, zum Ausdruck bringen wollte, wird niemals zu ergründen sein. Aber den Kuratoren „fahlen Skandalon“ zu bescheinigen ist dürftig.
Eine Aktualität sehe ich schon – die Ideen der Aufklärung sind gescheitert (Max Frisch) und dies mit der französischen Revolution, vollzogen durch Napoléon Bonaparte. Dann ist Mildtätigkeit so verlogen wie wirkungslos, weil es im dargestellten Fall eine Herrschaftsgeste ist.
Sie wissen vielleicht gar nicht, welches „die Ideen“ der Aufklärung sind, zumindest sagen Sie es nicht. Wie kann eine Idee gescheitert sein, die man noch nicht einmal benennt?
Er meint evtl. Homo Faber von Frisch, in dem dieser zeigt, dass die Vernachlässigung der Emotionen zu einem Mangel an Urteilsvermögen, vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen führt. Das hat mit einem Scheitern einer „Idee der Aufklärung“ (technischer Fortschritt?) aber nichts zu tun. Man lese zu diesem Thema einmal von de la Mettre: „die Wollust“.
@ Fatto
Interessante Form der Diskussion. Ich weiß nicht was der andere meint, spekuliere mal so daher und liefere dafür die Begründug.
Danke… mir geht diese Klugsch… auch auf den Sack.
Man braucht keine 100 Worte um das auszudrücken was angesichts der intellektuellen Aussagekraft so manches Kommentars offensichtlich ist !
Wenn euch das zu deutlich ist, dann zensieret halt., wie so öfters…
Sie haben ein Hinweislein eingebaut, ohne es weiter zu auszuführen. Da ich Frisch ganz gut kenne, habe ich den Lesern eine Hinweis gegeben, was Ihnen und dem Cokommetariator, der mit seinem inhaltsfreien Bäuerchen glatt die Moderationsschranke passierte, ganz offensichtlich nicht passt – Ihr Problem.
Dass ich Ihre Rede vom Scheitern der „Ideen (sic!) der Aufklärung“ für – um es gelinde zu sagen – Unsinn halte, brauche ich wohl nicht extra zu betonen.
@ Routard
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit?
Vieleicht hilft, auch da mal reinzuschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=WsHdgRsfGdE&t=138s
Ach, Sie meinen, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, wenn Sie von den „Ideen der Aufklärung“ reden? Ich hätte sie als Forderungen der Großen Französischen Revolution angesehen.
Da ich ich einen Kommentar frei habe, will ich etwas zum Thema Zuckermanns sagen:
Wenn ich es recht verstehe, geht es den Kuratoren der Ausstellung darum, zu zeigen, wie wechselhaft das Urteil über Kunst ist. Nun, das zeigen sie gerade nicht:
Die Kunst in der Malerei besteht nicht darin, eine bestimmte Aussage vorzubringen (hier: wie heroisch die Spanier waren, sondern darin, ein Thema künstlerisch zu gestalten, die Form ist für das ästhetische Urteil (ob etwas „schön“ ist) entscheidend und nicht der Inhalt.
Nimmt man das Gemälde in diesem Sinne ernst, kann es überhaupt nicht bestehen, es ist zu recht in Vergessenheit geraten:
1. Die arme spanische Familie ist extrem plakativ in Szene gesetzt, man wird buchstäblich mit der Nase darauf gestoßen
2. Der Alte zieht mit seinem direkten Blick den Betrachter ins Zentrum, von dort zum abweisenden Arm, der ihn auf das Brot in der Hand des Soldaten führt
3. Und wer es dann noch nicht verstanden hat, darf auf dem Pfeiler lesen, dass Spanien ohne Ferdinand rein gar nichts bedeutet
4. Die Verteilung von Hell und Dunkel tut ihr Übriges: Das helle Licht im Zentrum, die Franzosen im Dunkeln.
Das sind nur einige erste Schritte der Analyse.
Kurz, es ist affirmative Gebrauchskunst, von der Aussage bis zur künstlerischen Umsetzung, Propaganda eben und kein herausragendes Kunstwerk.
Die Kuratoren, aber auch Zuckermann gehen am Wesentlichen vorbei. Wer will, kann mit ähnlichen ästhetischen Kriterien, das Goyabild analysieren – und den Unterschied bemerken!
Einen „vollkommenen, wenn auch tödlichen Patriotismus“, einen „unverhohlenen patriotischen Ton“ hat es nicht gegeben, das ist eine Erfindung des Guardian-Autors Sam Jones. Woher ich das wissen will?
Nun kenne ich mich in der spanischen Geschichte so gut wie gar nicht aus, aber ich hab halt, logisch gestricktes Kerlchen, das ich nun mal bin, und weil es regnet und daher draußen nix zu tun ist, bei der Wiki nachgeguckt, gegen wen und was denn der von Napoleon auf den spanischen Thron gesetzte Joseph Bonaparte gestanden hat. Das war die „Junta Suprema Central y Gubernativa del Reino“
https://de.wikipedia.org/wiki/Junta_Suprema_Central
Nun mag man den Wiki-Angaben im Detail mißtrauen, wie man will, in ihrer Summe kommt unzweideutig und unbezweifelbar zum Ausdruck, daß es sich nicht um keinen nationalen, vielmehr einen ständisch-bürokratischen Widerstand gegen die dynastische Herrschaft der Franzosen in Spanien gehandelt hat.
Was Wunder, Napoleon I. hatte doch just erst begonnen, maßgeblich auf Soldatenstand und Heeresbürokratie gestützt, aus dem absolutistischen Zentralismus der in Paris konzentrierten französischen Ständeherrschaft sowas wie den Vorläufer der späteren französischen Nation zu formen, und der spanische, kolonialherrschaftliche Absolutismus ist, wenn ich die Angaben der Wiki zugrunde lege, halt nicht zentralistisch gewesen, wenngleich, im Gefolge der Handels- und Kolonialhistorie, bürokratisch.
Er ähnelte damit wahrscheinlich mehr der konstitutionellen Monarchie Großbritanniens, das erst 1801 unter Annexion Irlands zum „Vereinigten Königreich“ ausgerufen worden ist, will ich nebenbei bemerken. Man kann gut argumentieren, das UK sei erst nach 1945, unter Verlust des Empire, langsam mehr und auch minder zur Nation geworden – für meine Begriffe muß man da bis auf den Tag Abstriche machen, denn britischer Nationalismus hat bis 2001 – dem Datum meines letzten Aufenthaltes auf der Insel – in beträchtlichem Umfang von einem Insulanerbewußtsein „gelebt“, und die Historie von „Brexit“ bekräftigt das.
Also, is sich nix mit Patriotismus, der Artikel erzählt daher einiges vom Patriotismus des „linken Zionisten“ Zuckermann. Und darüber hinaus? Da mag @Fatto! auf der richtigen Spur sein.
Daß der Artikel etwas über Zuckermann sagt, nehme ich zurück. Nein, tu ich nicht. Ich teste nur, ob ich gesperrt bin.