
Wie wirken die immer häufiger verschriebenen Medikamente – und wie nicht?
Im ersten Teil haben wir einige grundlegende Dinge über Depressionen besprochen: Vor allem Antriebslosigkeit und eine niedergeschlagene Stimmung prägen das Störungsbild. „Depressiv“ bedeutet wörtlich „niedergedrückt“. Zu diesen beiden Hauptsymptomen kommen weitere, offiziell anerkannte wie Schlaf- und Gewichtsveränderungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle oder gar Gedanken an den Tod. In der Praxis können damit zusammen viele andere Probleme auftreten, wie Grübelei, Magen-Darm-Beschwerden oder Schmerzen an vielen Stellen im Körper.
Was als offizielles Symptom zählt, entscheiden Fachleute alle Jahre wieder am Konferenztisch. Trotz jahrzehntelanger Suche gibt es keinen biologischen Test für Depressionen (oder die vielen Hundert anderen Störungsbilder). Ärzte oder Therapeutinnen treffen die Entscheidung durch Beobachtung und Gespräche. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation die Häufigkeit des Störungsbilds auf vier Prozent der Weltbevölkerung schätzt, erhalten in Deutschland jährlich fast 15 Prozent die Diagnose – mit steigender Tendenz. Für Psychotherapie werden die Wartelisten immer länger, vor allem für gesetzlich Versicherte, während die Medikamentenverschreibungen stark steigen.

Ein geschichtlicher Blick rief uns in Erinnerung, dass die Psychiatrie neben der Kirche und Polizei eine der drei traditionellen Institutionen zur Aufrechterhaltung der Normalität in der Gesellschaft ist. Die Psychiatrie übernahm schon im 19. Jahrhundert das Gehirn-Modell, um so ernst genommen zu werden wie andere Gebiete der Medizin. Demnach sind psychische Störungen Gehirnstörungen. Das wurde bis heute aber nie bewiesen.
Die Ursachen depressiver Störungen sind weiterhin unbekannt. Man spricht darum besser von „Risikofaktoren“. Und diese liegen vor allem im psychosozialen Bereich, wie schwere Lebensereignisse, traumatische Erfahrungen, Armut und lang anhaltender Stress. In meinem Buch über die Depressions-Epidemie habe ich das genauer beschrieben. Ob man die Probleme biologisch oder gesellschaftlich deutet, ist vor allem mit Blick auf die angebotenen Lösungen und die kritische Diskussion des Themas wichtig.
Um die heutigen wie damaligen Entwicklungen besser zu verstehen, beschäftigen wir uns jetzt mit der Frage, was die sogenannten Antidepressiva eigentlich bewirken – und was nicht.
Antidepressiva – ein umstrittener Begriff
Der Begriff „Antidepressiva“ vermittelt, dass hier Medikamente gezielt gegen ein bestimmtes Störungsbild verschrieben werden, nämlich Depressionen. Das ist aber schon insofern problematisch, als die Diagnosekriterien eher vage sind. Damit leugne ich weder die Erfahrungen der Betroffenen, noch ihr Leiden. Aber wenn im Prinzip jede Depression anders sein kann, stellt sich schon im Voraus die Frage, warum eine bestimmte Art von Medikamenten hier gezielt helfen soll.
Tatsächlich gibt es heute viele Dutzend Varianten am Markt. Die Neuropsychiatrie verspricht seit Jahrzehnten, für jede Person das passende Mittel im Voraus zu bestimmen. Das war schon das Versprechen der „personalisierten Medizin“ vor 20 Jahren und der „Präzisionsmedizin“ heute. Doch in der Praxis weiß man es meist erst, wenn man es ausprobiert hat. Viele Betroffene haben darum schon verschiedene Mittel in unterschiedlichen Dosierungen genommen.
Nach nur zwei erfolglosen Versuchen nennen Fachleute die Depressionen übrigens „behandlungsresistent“. Dann steht der Weg für experimentellere Verfahren offen, die das Gehirn magnetisch oder elektrisch stimulieren.
Zu diesem allgemeinen Problem kommen noch zwei speziellere Beobachtungen: Erstens wirken „Antidepressiva“ kaum spezifisch antidepressiv und zweitens werden sie heute bei einer ganzen Reihe von Störungen verschrieben, zum Beispiel auch Angst-, Ess- oder Zwangsstörungen. Aus dem letztgenannten Grund kritisieren immer mehr Fachleute die Bezeichnung „Antidepressiva“, da Betroffene mit einer anderen Diagnose lieber kein Antidepressivum wollen. „Angst-, Ess- oder Zwangsstörung“ klingt vielleicht weniger schlimm als „Depressionen“.
Botenstoffe: Serotonin und Noradrenalin
Die Frage nach der spezifischen Wirkung diskutieren wir in den nächsten beiden Abschnitten genauer. Schon an diesem Punkt können wir aber feststellen: Der Begriff „Antidepressiva“ ist aus vielen Gründen problematisch. Wie andere Fachleute empfehlen seit Längerem die Ersteller des jährlichen Arzneiverordnungs-Reports die Verwendung der alternativen Bezeichnungen „Serotonin-Verstärker“ oder „Noradrenalin-Verstärker“. Auf diese Gehirnbotenstoffe wirken die am häufigsten verschriebenen Präparate. Dazu ein kleiner Exkurs:
Die vielen Milliarden Nervenzellen unserer Gehirne kommunizieren teils über die Ausschüttung und Aufnahme verschiedener Moleküle, die man „Neurotransmitter“ nennt. Man hat schon über 100 verschiedene Arten identifiziert und wahrscheinlich gibt es noch mehr. Auch wenn man sich nur auf die am häufigsten genannten Stoffe Acetylcholin, Dopamin, GABA, Glycin, Glutamat, Noradrenalin und Serotonin beschränkt, sind die Systeme schon wahnsinnig komplex. Zum Glück regelt unser Nervensystem deren Funktion von alleine, ohne dass wir davon etwas mitbekommen.

Wo schon Fachleute Schwierigkeiten haben, sich einen Reim auf die Funktion zu machen, sind Laien schnell überfordert. Die Abbildungen sollen verdeutlichen, dass die heute so oft verschriebenen Serotonin- und Noradrenalin-Verstärker im Prinzip überall im Gehirn zu Veränderungen führen können. Und übrigens nicht nur im Gehirn, sondern auch in anderen Organen des Körpers!
Für uns ist eine Feststellung besonders wichtig: Aufgrund dieser Komplexität auf der neuronalen Ebene ist es unwahrscheinlich, dass ein bestimmtes Psychopharmakon ein konkretes psychologisch-psychiatrisches Problem behebt. Dementsprechend bringen Forschende Serotonin mit – unter anderem – Emotionsregulation, Belohnung, Aggression, bewusster Kontrolle, Impulsivität und Reizbarkeit in Zusammenhang; für Noradrenalin nennen sie neben Impulsivität und Reizbarkeit noch Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Konzentration.
Auch laut dieser Liste ist es unwahrscheinlich, mit diesen Psychopharmaka gezielt Depressionen behandeln zu können. Allerdings stehen in der Aufzählung einige psychischen Vorgänge, die mit den Problemen in Zusammenhang stehen können, beispielsweise Emotionsregulation, Belohnung und Konzentration. Beschäftigen wir uns nach diesem Exkurs näher mit der Frage, wie man die Wirksamkeit solcher Mittel zur Behandlung von Depressionen erforscht.
Problematische Studienlage
Schon seit Jahrzehnten diskutiert man, wie gut „Antidepressiva“ gegen Depressionen helfen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Wirksamkeitsstudien wurden meist von den Pharmafirmen selbst finanziert. Das muss für sich genommen noch kein Problem sein. Doch es ist lange bekannt, dass Studien ohne positive Ergebnisse nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert werden.
Für eine 2008 publizierte, bahnbrechende Meta-Analyse hatte ein Team um den Psychologen Irving Kirsch von der Harvard Medical School eine geniale Idee: Bei medizinischen Studien müssen die Ergebnisse – unabhängig vom Ausgang – an Regulierungsbehörden übermittelt werden. Und diese Daten konnten sie nach dem Informationsfreiheitsgesetz abfragen.
Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse verschwand die Wirkung der „Antidepressiva“ fast völlig. Es gab zwar hinterher auch wieder Analysen mit positiverem Ergebnis. Doch dabei muss man ein paar prinzipielle Probleme dieser Forschung verstehen:
Da es keinen objektiven Test für Depressionen oder andere Störungsbilder gibt, verwendet man eine Vielzahl an Fragelisten. Wie auch bei den allseits bekannten Psychologie-Selbsttests wird damit eine bestimmte Punktzahl errechnet. Für die Publikation in einer Fachzeitschrift reicht es oft, wenn eine Studie für einen Wirkstoff im Vergleich zum Placebo eine statistisch signifikante Abnahme dieser Zahl nachweist.
Eine groß angelegte Meta-Analyse von über 200 Einzelstudien kam vor einigen Jahren zum Ergebnis, dass die Psychopharmaka auf einer häufig verwendeten 35-Punkte Skala für die Stärke von Depressionen nur wenige Punkte besser abschneiden als Placebo. Demnach würden nur 15 Prozent der Betroffenen wirklich von der medikamentösen Therapie profitieren. Dabei waren die positiven Effekte bei älteren Menschen mit schwereren Depressionen am stärksten. Eine neuere deutsche Studie und eine andere Meta-Analyse kamen aber zum Ergebnis, dass die Medikamente keinen zusätzlichen Nutzen, dafür jedoch Nachteile haben, wenn jemand schon psychotherapeutisch behandelt wird.
Die Ergebnisse zu den „Antidepressiva“ sind also nicht berauschend. Das gilt, wohlgemerkt, obwohl sich die Forschenden ihre Untersuchungen sehr gut zurechtlegen. So werden mitunter Personen mit einer starken Placebo-Reaktion im Voraus ausgesondert. Und wer schon Medikamente nimmt, soll diese in der Regel vor Studienbeginn absetzen. Eine später gemessene Verbesserung gibt dann oft nur die Abnahme von Entzugserscheinungen wieder, die denen der depressiven Störung ähneln.
Das Abhängigkeitspotenzial dieser Psychopharmaka wurde übrigens lange geleugnet. Gemäß neuen Untersuchungen erfahren aber schon nach nur zwölf Wochen der medikamentösen Behandlung 55 Prozent der Betroffenen Entzugserscheinungen, wenn sie wieder aufhören.
Repräsentativität und Placebo-Kontrolle
Betroffene mit komplexeren Problemen werden meist ganz ausgeschlossen – dabei haben Patientinnen und Patienten in der Praxis oft mehr als nur eine psychologisch-psychiatrische Diagnose. Dass die Forschung darum wenig repräsentativ ist, wurde häufiger festgestellt und kritisiert.
Ein ganz prinzipielles Problem, das sich jetzt auch bei der neuen Forschung zu Psychedelika wiederholt, ist aber: Bei diesen Versuchen dürfen weder die Behandelnden noch die Behandelten wissen, ob sie den Wirkstoff oder das Placebo bekommen. Aufgrund der spezifischen Nebenwirkungen der Substanzen, auf die ich gleich noch eingehe, können sie das aber oft erraten.
Die Studienleitung hat – zusammen mit den Pharmafirmen – ein Interesse an besonders positiven Befunden. Diese lassen sich schließlich leichter publizieren. Und die Betroffenen wollen natürlich, dass es ihnen besser geht. Vielleicht freuen sie sich schlicht über die Aufmerksamkeit oder wollen sie „nette Versuchspersonen“ sein. In der psychologischen Forschung kennt man das als das Problem der „sozialen Erwünschtheit“.
Unterm Strich gibt es also sehr viele Probleme bei der Psychopharmaka-Forschung. Trotz all dieser systematischen Verzerrungen sind die positiven Effekte der „Antidepressiva“ im Ergebnis äußerst bescheiden. Doch was wissen wir darüber, wie die Betroffenen die Wirkung dieser Substanzen erleben?
Wirkungen
Tatsächlich berichten viele Menschen, die Psychopharmaka hätten ihnen geholfen. Das dürfte einerseits oft am Placebo-Effekt liegen. Andererseits wirken Serotonin- und Noradrenalin-Verstärker durchaus auf das Gehirn und den gesamten Körper, wie wir oben sahen. Jenseits der genannten Fragebögen wurde das im Menschen aber erstaunlich selten untersucht. Das ist im Hinblick darauf, wie oft diese Substanzen seit den 1980ern verschrieben werden, sehr erstaunlich!
Was die eigentliche psychoaktive Wirkung ist, haben einige kritische Psychiater wie David Healy oder Joanna Moncrieff näher untersucht. Beide sind Psychiatrieprofessoren in Großbritannien. Und dabei zeigte sich eine Kombination von einerseits leicht aktivierenden und andererseits sedierenden oder emotional abstumpfenden Effekten.
Dazu kommt, dass auch die These, bei Depressionen handle es sich um eine Serotonin-Störung, immer mehr von ihrer Glaubwürdigkeit verloren hat. Schon in den frühen 2000ern wurde mir diese im Psychologiestudium als „Hypothese“ mit einigen problematischen Gegenbeispielen gelehrt. Abgesehen von lange bekannten widersprüchlichen Studiendaten weiß man außerdem, dass die neurobiologischen und subjektiv erfahrenen Effekte oft zeitlich auseinanderliegen. Während sich nämlich die pharmakologischen Veränderungen im Gehirn schnell nachweisen lassen, berichten Betroffene – wenn überhaupt – oft erst nach Wochen eine Verbesserung.
In einer viel beachteten kritischen Arbeit in der einschlägigen Fachzeitschrift Molecular Psychiatry hat ein Team um Moncrieff noch einmal zusammengefasst, dass sich die Serotonin-Hypothese der Depression nicht stützen lässt. Wie das oft so ist, will sie heute niemand mehr wirklich vertreten haben. Man bietet jetzt eine andere alternative Erklärung an: Die Psychopharmaka würden die Neuroplastizität verbessern, also die Entstehung neuer Synapsen. So will man auch die Wirkung der jetzt gehypten Psychedelika verstanden wissen – wenn sie denn wirklich wirken.
Und, na ja – ein aktives Leben, Spaziergänge in der Natur, Gartenarbeit, Tanz oder Sport verbessern auch die Neuroplastizität. Das Gehirn ist eben, wie viele andere Organe auch, plastisch: Das heißt, es passt sich an das an, was wir tun. Nur passiv auf dem Sofa liegen und sich den ganzen Tag Serien anschauen, dürfte die Plastizität eher nicht fördern.
Behalten wir im Hinterkopf: Sofern Serotonin- und Noradrenalin-Verstärker nicht nur als Placebo wirken, scheinen sie vor allem leicht zu aktivieren und/oder bestimmte Gefühle zu unterdrücken. Das können Menschen mit verschiedenen psychischen Problemen durchaus als unterstützend erfahren. Dabei werden oft aber auch positive Gefühle unterdrückt, weswegen man von „emotionaler Abstumpfung“ spricht. Deshalb müssen wir uns jetzt noch näher mit den Nebenwirkungen beschäftigen.
Und Nebenwirkungen
In der Medizin gilt leider oft die Regel: Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen. Wenn wir uns an die Komplexität der Botenstoffe im Gehirn erinnern, überrascht uns ein breites Spektrum an unerwünschten Wirkungen nicht. Neben der schon genannten emotionalen Abstumpfung und der Zunahme des Körpergewichts kann es auch zu Magen-Darm-Problemen kommen.
Länger umstritten war die Frage der Suizidalität. Wie wir im ersten Teil sahen, sind Gedanken an den Tod oder Suizidversuche offizielle Symptome der depressiven Störung. Wenn es zu so einem Versuch kommt, spielen Depressionen oft eine Rolle. Daher kam der Befund überraschend, dass Serotonin-Verstärker gerade bei Kindern und Jugendlichen das Suizidrisiko erhöhen können.
Hinweis: Haben Sie Suizidgedanken? Zum Beispiel die Telefonseelsorge (0800 111 0 111), Nummer gegen Kummer (116 111) oder Online-Angebote können helfen.
Die Diskussion über dieses Risiko hält an. Die Forschung wird dadurch erschwert, dass Selbsttötungen – zum Glück! – eher selten vorkommen. Trotzdem findet sich diese Nebenwirkung seit Jahren auch im Beipackzettel und sollten Ärztinnen und Ärzte dieses Problem bei einer Verschreibung der Mittel oder Anpassung der Dosierung im Auge behalten.
In jüngerer Zeit haben die Entzugserscheinungen und sexuelle Funktionsstörungen mehr Aufmerksamkeit erhalten. Dass vor allem Serotonin- aber auch Noradrenalin-Verstärker die Sexualität beeinflussen können, ist schon lange bekannt. Erst seit Kurzem aber erhält mehr Aufmerksamkeit, dass diese auch nach dem Absetzen anhalten oder dann sogar erst auftreten können. Damit beschäftigen wir uns im nächsten Teil eingehender.
Achtung! Bei der Änderung oder dem Absetzen von Psychopharmaka oder deren Dosierung kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Besprechen Sie die Möglichkeiten und Risiken im Voraus mit Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin.

Der Artikel wurde zuerst auf dem Blog „Menschen-Bilder“ des Autors veröffentlicht. Zum Thema s.a. sein Buch: Perspektiven aus der Depressions-Epidemie: Was Depressionen sind und wie man sie behandelt.
Quellen
- Faraone, S. V., Ward, C. L., Boucher, M., Elbekai, R., & Brunner, E. (2025). Role of serotonin in psychiatric and somatic comorbidities of attention-deficit/hyperactivity disorder: a systematic literature review. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 176, 106275.
- Goldsmith, L., & Moncrieff, J. (2011). The psychoactive effects of antidepressants and their association with suicidality. Current Drug Safety, 6(2), 115-121.
- Gougeon, A., Grenier, E., Cau, V., Cuzol, P., Rabeyron, T., Berna, F., & Boussageon, R. (2026). Efficacy of antidepressants in addition to psychotherapy in major depressive disorder: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Psychiatry Research, 117326.
- Hansen, J. Y., Shafiei, G., Markello, R. D., Smart, K., Cox, S. M., Nørgaard, M., … & Misic, B. (2022). Mapping neurotransmitter systems to the structural and functional organization of the human neocortex. Nature Neuroscience, 25(11), 1569-1581.
- Kirsch, I., Deacon, B. J., Huedo-Medina, T. B., Scoboria, A., Moore, T. J., & Johnson, B. T. (2008). Initial severity and antidepressant benefits: a meta-analysis of data submitted to the Food and Drug Administration. PLoS Medicine, 5(2), e45.
- Moncrieff, J. (2020). A Straight Talking Introduction to Psychiatric Drugs: The Truth about How They Work and How to Come off Them, 2nd edition. Monmouth: PCCS Books.
- Moncrieff, J., Hobday, H., Sørensen, A., Read, J., Plöderl, M., Hengartner, M., … & Horowitz, M. (2025). Evidence on antidepressant withdrawal: an appraisal and reanalysis of a recent systematic review. Psychological Medicine, 55, e191.
- Moncrieff, J., Cooper, R.E., Stockmann, T. et al. (2023). The serotonin theory of depression: a systematic umbrella review of the evidence. Mol Psychiatry 28, 3243–3256.
- Peeples, L. (2026). The baffling science of SSRIs: how do they really work?. Nature, 656(8129), 812-814.
- Schleim, S. (2026). Perspektiven aus der Depressions-Epidemie: Was Depressionen sind und wie man sie behandelt. BoD, Hamburg.
- Stone, M. B., Yaseen, Z. S., Miller, B. J., Richardville, K., Kalaria, S. N., & Kirsch, I. (2022). Response to acute monotherapy for major depressive disorder in randomized, placebo controlled trials submitted to the US Food and Drug Administration: individual participant data analysis. BMJ, 378.
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Und was ist mit Umweltfaktoren ?: knapp 3 Generationen nachdem Deutschland einen brutalen Vernichtungskrieg geführt hat, der 14-15 Millionen Russen das Leben kostete, wählen die Deutschen einen Russenhasser zu ihrem Führer; und da soll man nicht depressiv werden ?
Den Paxil-/Study-329-Skandal kann man in dem Kontext durchaus erwähnen:
GSK ließ 1994–1998 eine Studie mit Paroxetin bei Jugendlichen mit Depressionen durchführen. Die Studie wurde 2001 veröffentlicht und kam zu dem Ergebnis, Paroxetin sei bei Jugendlichen wirksam und gut verträglich. Diese Publikation wurde anschließend massiv für die Vermarktung von Paxil genutzt.
Das Problem: Die internen Daten sahen ganz anders aus.
Eine spätere unabhängige Neubewertung der vollständigen Studiendaten kam zu dem Ergebnis:
• Paroxetin zeigte keinen Wirksamkeitsvorteil gegenüber Placebo – und zwar bei keinem der acht vorab festgelegten Wirksamkeitsendpunkte.
• Gleichzeitig traten unter Paroxetin deutlich mehr schwere und suizidbezogene unerwünschte Ereignisse auf.
• Die ursprüngliche Publikation stellte die Ergebnisse dennoch als Beleg für Wirksamkeit und gute Verträglichkeit dar.
Besonders belastend ist ein internes GSK-Dokument von 1998. Darin wurde sinngemäß festgehalten, dass es „kommerziell nicht akzeptabel“ sei, zu veröffentlichen, dass eine Wirksamkeit nicht nachgewiesen worden war, weil dies das Image von Paroxetin beschädigen würde.
Noch brisanter: Suizidbezogene Ereignisse wurden teilweise unter dem wesentlich harmloser klingenden Begriff „emotional lability“ geführt. Die FDA verlangte später von GSK eine separate Auswertung aller Begriffe, die auf Suizidgedanken, Suizidversuche oder entsprechende Ereignisse hindeuteten. Die daraufhin vorgenommene Neubewertung zeigte ein erhöhtes Suizidalitätsrisiko bei pädiatrischen Patienten unter Paroxetin gegenüber Placebo.
Daraus entstand die große SSRI-Warnung
Das Ganze blieb nicht auf Paxil beschränkt. Die FDA wertete anschließend die Daten mehrerer SSRI aus. 2004 führte das schließlich zur berühmten Black-Box-Warnung für Antidepressiva hinsichtlich eines erhöhten Risikos von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen.
Interessant auch: Paroxetin war in den USA nie für die Behandlung einer Depression bei Kindern zugelassen. Es wurde aber trotzdem in erheblichem Umfang off-label bei Kindern und Jugendlichen verschrieben.
Sehr gut. Und der von mir so geschätzte wie oft zitierte David Healy war maßgeblich am Offenlegen dieser Geschichte beteiligt, siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Study_329#RIAT_re-analysis_of_study_329
Aber gut 20 Jahre später muss man feststellen, dass diese Kritik den Siegeszug der „Antidepressiva“ nicht aufhalten konnte. Wie Healy 2004 schlussfolgerte: „Let Them Eat Prozac“. Dazu in Teil 4 mehr. Das „quick fix“ ist einfach zu verlockend.
„Gemäß neuen Untersuchungen erfahren aber schon nach nur zwölf Wochen der medikamentösen Behandlung 55 Prozent der Betroffenen Entzugserscheinungen, wenn sie wieder aufhören.“
Link führt zu:
https://www.cambridge.org/core/journals/psychological-medicine/article/evidence-on-antidepressant-withdrawal-an-appraisal-and-reanalysis-of-a-recent-systematic-review/1E02C154EE580CA43F0EE86492B3A0E7:
„Conclusions
Henssler’s review is based on unreliable data and does not provide an adequate basis for the evaluation of antidepressant withdrawal effects. Further good-quality research on antidepressant withdrawal is required.“
Herr Schleim?
Wie gesagt, _ich_ habe das falsch verstanden. Wer lesen kann ist klar im Vorteil 😉
https://pharmakologie.charite.de/metas/meldung/artikel/detail/antidepressiva_neue_daten_zur_haeufigkeit_von_absetzsymptomen/
Charité und Uni Köln sahen das 2024 noch anders,
die Sache wird also durchaus diskutiert,
wie sich das im wissenschaftlichen Bereich gehört.
Das Forschungsteam hat die frühere Arbeit von Henssler et al., wo die Häufigkeit der Entzugserscheinungen auf nur 15 Prozent geschätzt wurde, kritisch gewürdigt. Sie kommen dann auf 55 Prozent.
Dann kann man noch überlegen, eine Korrektur für Placebo- (oder eigentlich: Nocebo-) Effekte vorzunehmen. So kommt das Forschungsteam auf 25 bis 39 Prozent. Das ist immer noch höher als die 15 Prozent. Wobei übrigens 15 Prozent auch nicht nichts sind und man andererseits sagen kann, dass Entzugserscheinungen, selbst wenn sie „nur“ psychisch entstehen (= Nocebo), auch schwer sein können.
Am Anfang der Arbeit wird noch eine andere Übersichtsarbeit zitiert, derzufolge es bei 43 Prozent der Betroffenen zu Entzugserscheinungen kommt (Zhang et al., 2024).
Entzugserscheinungen können mal stärker, mal schwächer ausfallen. Soweit ich das überblicke, haben die meisten hier berücksichtigten Studien aber vor allem Betroffene nach einer kurzen Konsumdauer untersucht. Bei längerem Konsum dürfte das Risiko weiter steigen.
Beantwortet das Ihre Frage?
Quelle: Zhang, M. M., Tan, X., Zheng, Y. B., Zeng, N., Li, Z., Horowitz, M. A., … & Li, S. X. (2025). Incidence and risk factors of antidepressant withdrawal symptoms: a meta-analysis and systematic review. Molecular Psychiatry, 30(5), 1758-1769.
Absolut. Auch 10℅ wären zudem ein Risiko,
über das routinemäßig de facto aufgeklärt werden müsste.
Besten Dank!
Statt Psychopharmaka würde ich lieber lernen, zu meditieren. Die Studien zeigen, eine eindeutige Verbesserung, vor allem bei angeleiteter Meditation. Im Gegensatz zum westlichen Verständnis, welches mechanistisch geprägt ist, hat das östliche Verständnis den Menschen als lebendes Wesen betrachtet. Deswegen funktionieren die westlichen Ansätze oft so wie bei der Autoreparatur – leider sind wir keine Autos.
Statt Psychopharmaka würde ich lieber lernen, zu meditieren. Die Studien zeigen, eine eindeutige Verbesserung, vor allem bei angeleiteter Meditation. Im Gegensatz zum westlichen Verständnis, welches mechanistisch geprägt ist, hat das östliche Verständnis den Menschen als lebendes Wesen betrachtet. Deswegen funktionieren die westlichen Ansätze oft so wie bei der Autoreparatur – leider sind wir keine Autos.
Meditation ist schwierig in solch Phasen ..
Das sollte man tun bevor diese beginnen..
Depressiv ist nicht automatisch Depression.
Aber der ganzheitliche Blick ist richtig.. nur so kann es funktionieren..
Formen der Meditation gibt es wohl in der ganzen Welt und in allen Religionen. Im Christentum wären etwa das stille Gebet oder die Kontemplation zu nennen. Wer ohne Religion auskommen möchte, hat ebenfalls Möglichkeiten: Zeichnen oder Fotografieren, ohne ein künstlerisches Ergebnis anzustreben; freies Schreiben, ohne auf Stil oder Ergebnis zu achten; achtsames Gehen; Naturbeobachtung… Auch wenn man es nicht unbedingt Meditation nennt, kann es zu mehr Klarheit oder einem etwas größeren Handlungsspielraum führen.
Ob und in welcher Form eine solche Praxis bei Depression hilft, dürfte allerdings sehr individuell sein. Als Ergänzung – insbesondere in stabileren Phasen – ist sie aber sicher keine schlechte Möglichkeit. Wichtig ist wohl, etwas für sich zu finden, das man in seinen Alltag integrieren kann und das einen wenigstens ab und zu – zunächst vielleicht auch nur für ein paar Minuten – mit der Welt verbindet.
„Pfeffer und Salz“ schreibt :
„Statt Psychopharmaka würde ich lieber lernen, zu meditieren. „
Es gibt leider Menschen, die sind zu jeglicher tranzendentalen Erfahrung ( und Meditationserfahrungen zähle ich dazu ) völlig unfähig; diesen Gebeutelten bleibt dann leider nur noch der Griff zur Pille, und der verzweifelte Kampf gegen die Umweltfaktoren, welche die Depression ausgelöst haben.
Autogenes Training…
Das brauch nur die Fähigkeit völlig entspannen zu können.. Augen zu und vorstellen, Luftmatratze Wasser und man liegt darauf und die Sonne scheint auf den Bauch und man lässt die stimme auf sich einwirken..
Nach 6 Monaten konnte ich mir zumindest schon die Füße gedanklich erwärmen..
Aber alles hat 2 Seiten, ist man negativ drauf und will das erzwingen kann das nach hinten losgehen…
Sollte man immer erwähnen in solch Kontext ..
Hier zb..
Autogenes Training…
Das brauch nur die Fähigkeit völlig entspannen zu können.. Augen zu und vorstellen, Luftmatratze Wasser und man liegt darauf und die Sonne scheint auf den Bauch und man lässt die stimme auf sich einwirken..
Nach 6 Monaten konnte ich mir zumindest schon die Füße gedanklich erwärmen..
Aber alles hat 2 Seiten, ist man negativ drauf und will das erzwingen kann das nach hinten losgehen…
Sollte man immer erwähnen in solch Kontext ..
Hier zb. Aber ich bevorzuge Männer Stimmen ..
https://www.youtube.com/watch?v=-tlo6lPYTFw
„völlig entspannen“ ist ja eben das, was nicht geht dann….
mir hatte tatsächlich „progressive muskelentspannung nach jakobsen“ in ner psych.som. kur wahnsinnig gutgetan, allerdings „braucht“ ich die stimme+art und weise der dortigen musiktherapeutin….
den ablauf konnt ich jahre „halten“, das „hören“ (musikthera-art)nur n halbes/dreiviertel jahr….die meisten dort sind eingepennt dabei, was auch okay war…..ich war dann einfach so richtig „da“ und „vollständig“ , naja „völlig entspannt“ -nich in anführungsstriche 😉 …..ja, naja, die gernwachentspannten haben sie dann noch „angebettelt“, ob sie`s nicht auf band sprechen kann und jede/r macht sich ne kopie ;-)….kam nich zu, sie mußt zur näxten station ihrer „ausbildung“ …naja, aber ja, sehr sinnvoll (ohne musik!….gibt da echt scheußliche cd-s!) jedenfalls in meinen damaligen „löchern“ ….ja, is auch ne „auszeit“, „ruhe“….
gutnacht
Mein erster Kommentar wurde gelöscht.
Wie eine Recherche ergab, habe ich tatsächlich
etwas durcheinander geworfen.
Nun gut.
Eine Suche in den Leitlinien der DGPPN
bestätigt für mich, was Herr Schleim andeutet:
Man steht dem Einsatz antidepressiver Medikamente insgesamt wesentlich kritischer
in der Psychiatrie gegenüber als vor Jahren.
Für mich eine recht neue Entwicklung,
Vielleicht führt dies zu neuen, effektiveren
Therapieansätzen.
Depression – Niedergedrückt sein, – beschreibt das nicht die Lebensrealität breiter Bevölkerungsgruppen und ist eine Therapie dieser „Störung“ nicht recht eigentlich der Versuch eines quasi Orwell’schen Schönredens und Akzeptanzerzwingung einer an sich furchtbaren, inakzeptablen und niederdrückenden Realität.
Mglw. sind es ja Jene die ein Empfindungsvermögen besitzen, also psychisch Gesunde die auf zunehmend negative Einflüsse mit Unbehagen reagieren. Natürlich müssen in einer kranken Gesellschaft die Gesunden therapiert werden.
Und da sind sie wieder, Jene die Lösungen im Portfolio haben, für Probleme die durch Diese erst entstehen:
Antidepressiva-Marktgröße, Anteil und Analyse der Auswirkungen von COVID-19, nach Arzneimittelklasse (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, atypische Antidepressiva, trizyklische Antidepressiva), nach Störung (schwere depressive Störung, Zwangsstörung, generalisierte Angststörung), nach Vertriebskanal (Krankenhausapotheke, Einzelhandelsapotheke) und regional Prognose, 2020-2027
Letzte Aktualisierung: August 24, 2026 | Format: PDF | Bericht-ID: FBI105017
https://www.fortunebusinessinsights.com/de/markt-f-r-antidepressiva-105017
Man könnte auch argumentieren, dass eine niedergedrückte Stimmung eine gesunde Reaktion auf den heutigen Zustand der Welt ist; aber dann beantwortet das noch nicht die Frage, ab wann so ein Zustand als krankhaft anzusehen ist. (Analoges gilt für Angst.)
Aber klar, die Frage stellt sich dann, ob man eher das Betroffene Individuum oder die krankmachenden Umstände verändern will. Konform dem Neoliberalismus (there is no such thing as society; Verantwortung immer von oben nach unten koordinieren) behandeln Psychiatrie und Psychotherapie heute vor allem die „gestörten“ Individuen. Zufall oder System?
So oder so, in der Summe scheint es nicht zu funktionieren, siehe immer mehr Krankschreibungen usw. Und jetzt kommen Stimmen aus der Politik, nicht die Umstände zu verbessern, sondern mehr Druck auf die Kranken auszuüben. Dann werden ein paar die Zähne zusammenbeißen und viele zerbrechen. Von Letzteren wird man dann einige als Drogenabhängige und/oder Obdachlose in den Innenstädten und Parks wiederfinden. Problem gelöst? Oder Probleme multipliziert? Alles eine Frage der Perspektive!
Sehr gute Punkte. Ich dachte mir auch beim Lesen, wenn die heute bevorzugten Psychopharmaka so schlecht wirken, wieso nicht so Sachen wie die Ernährungssituation verbessern. Die vollmundig schmeckende Tomate heute morgen hat mir ein Wohlgefühl beschert. Nur leider bekommt man die im Supermarkt nicht so leicht und auch nicht günstig. Stattdessen dann Werbeaufschriften wie „frisch und knackig“, was sich in der Realität dann meist als sauer und hartschalig erweist.
Auch die Sendungen von Sebastian Lege, dem Nahrungsmitteldesigner des ÖR, geben deutlich Hinweise, dass immer mehr „gute“ Zutaten bei allen Arten von Bequemlichkeitsnahrungsmittel von Nudeln über Serbischer Bohnensuppe bis Speiseeis auf billig, maximal chemisch berechenbar und maschinengängig getunt werden.
Sebastian Lege lässt sich dann leider immer wieder zu Aussagen hinreisen wie „das heutige Nogger schmeckt wie das von früher“. Das kann nur ein seinen relativ jungen Jahren liegen. Mich überkommt beim heutigen Nogger (und anderen) ein Sehnsuchts- und Verlustgefühl, das ich durchaus als niederdrückend empfinde.
Der beste Brezelladen im Umkreis von fünf Kilometern hat vor ein paar Monaten seine SB-Theke umdesignet. Das Brezelangebot wurde kleiner, es wird seltener aufgebacken, die Knusprigkeit ging verloren – ein weiter Grund für weniger für Dopaminausschüttung. Vom verheerten Zustand der süßen Stückchen oder der Kuchen und Torten will ich gar nicht anfangen. Man hat Glück, wenn im Käsekuchen wirklich Quark verwendet wurde. Der zuverlässigste Konditor ist seit Jahrzehnten eben der, der sein Gebäck als Tiefkühlware vertreibt.
Da geht viel von den Geschmacksnerven verursachtes Feuerwerk im Hirn verloren. Dem wird langweilig und es verfällt leichter dem Trübsinn.
Auch wenn es vielleicht ein bisschen so klingt, als würde ich die Sache nicht ganz ernst nehmen, ich kenne Depression und Angst zur Genüge und gut schmeckendes Essen hat auf fast jeden eine euphorisierende Wirkung, weil da sie sensorischen Überlebensinstinkte unserer urältesten Vorfahren beteiligt sind.
Wer das auf Schokolade-Frustessen reduziert, ist schlicht von gut schmeckenden
Nahrungsmitteln entwöhnt.
Volle Zustimmung. Nur eine Ergänzung hierzu:
„Da geht viel von den Geschmacksnerven verursachtes Feuerwerk im Hirn verloren“
Der Verlust des Geschmackssinn geht allerdings, unabhängig von den unterschiedlichen Ernährungspraxen, auch aufs Konto biologischer Prozesse im Laufe des natürlichen Alterungsprozesses, welche die „Geschmacksnerven“ insgesamt und die Lust oder den Appetit auf gutes Essen minimieren oder gar gänzlich eliminieren.
Und im fortgeschrittenen Alter wird da mit Glück noch die eine oder andere Wunderkerze verursacht.
Ja. Kinder mögen häufig stark schmeckende/riechende Speisen gar nicht. OK, bis auf saure Drops. Die Liebe zu reifem Käse kommt mit dem Alter. Das, was man im Kaufhaus erwirbt, ist alles sehr kindgerecht, süß, fett und mit Verdickungsmittel und Aroma à la Sebastian Lege.
Ausnahmen wie Limburger, Romadur esse ich heute mit ganz anderem Verständnis. Kinder verabscheuen Bier und Wein.
Das Depressionsrisiko steigt bei 15-20-Jährigen erstmals stark an. Womöglich verpassen sie den Einstieg in erwachsenengerecht Nahrungsmittel, essen den Camembert frisch aus dem Laden, schnuppern beim Einkauf an den Tomaten und realisieren nicht, dass sie da nur das Kraut riechen, was keinerlei Rückschlüssen auf den Umami-Geschmack der Frucht zulässt. Etc.
Dass die Nasenschleimhäute mit dem Alter austrocknen, ist wohl so, aber das trifft dann eher die Achtzigjährigen. Die Jahrzehnte davor, funktioniert sie noch ganz gut.
Das scheint auf jeden Fall was dran zu sein.
War neulich in Italien und Frankreich und habe die dort erhältlichen Lebensmittel genossen.
Die Leute waren sehr höflich und gut gelaunt.
Quark auf dem Käsekuchen ist quark. Schichtkäse lautet der Name für das Milchprodukt, das traditionell seinen Weg auf den Käsekuchen fand.
„Im Gegensatz zu Quark wird der Käsebruch beim Schichtkäse nicht zentrifugiert und glattgerührt, sondern per Hand oder maschinell schichtweise in Form geschöpft, damit die Molke auf natürliche Weise abläuft“ (KI).
Aber ja, alles ist Müller und da ihm alle Molkereien gehören, konnte er dieses aufwändig herzustellende Produkt aus sämtlichen Regalen entfernen, ohne dass ihm die Kundschaft weggelaufen wäre.
Um das also mal richtigzustellen.
Herr Schleim, in manchen alternativ-medizinischen Sichtweisen gibt es nicht diese Trennung zwischen körperlichen und geistig bzw emotionalen Erkrankungen. Und das geht weit über die ja auch in der Schulmedizin zumindest teilweise akzeptieren pyschosomatischen Ursachen für körperliche Probleme.
Es geht eher um einen Krankheitsbegriff in dem die körperlichen und die geistig-emotionalen Probleme nur verschiedene Aspekte ein und derselben Störung des Gesamtorganismus sind. Weiter wird in diesem Gesundheitsbild die Ansicht vertreten, dass wenn diese Störung nur auf körperlicher Ebene behandelt wird, sich die Symptome auf andere körperliche Aspekte oder auch emotional-geistige Bereiche verschieben können.
Genau dazu meine Frage zur Studienlage:
Gibt es Anzeichen, die für dieses Modell sprechen? Z.B. gibt es nach Behandlung von Neurodermitis mit Cortison ein erhöhtes Risiko für Depressionen? Gibt es ein erhöhtes Risiko nach Operationen mit Vollnarkose?
Häufiger Einnahme von Antibiotika in der Vergangenheit?
Längerfristiger Einsatz von Schmerzmitteln?
Ich habe im Buch mehr über das Fehlen der „Seele“ in Psychologie und Psychiatrie geschrieben…
…und über das, was wir über die Ursachen von Depressionen wissenschaftlich wissen (v.a. im psychosozialen Bereich).
Was Sie ansprechen, kann vielleicht im Einzelfall ein Risikofaktor sein, aber meines Wissens nicht systematisch. Außer bei Schmerzmitteln: Ich denke, dass viele Menschen damit 1) seelische Schmerzen betäuben und/oder 2) verkörperten Seelenschmerz (siehe z.B. Konversionsstörungen). Vergessen wir nicht, dass Opium (und Morphium und wahrscheinlich auch Heroin) alles mal anerkannte „Antidepressiva“ waren.
Mit einer „Dämpfung“ kommt man vielleicht etwas weiter. Dazu folgt in Teil 3 noch etwas mehr. Aber man löst halt i.d.R. keine grundlegenden Probleme.
Was gibt es denn jenseits der Wiederaufnahmehemmer sonst noch? Lithium? Melatonin?
Oder gibt es, ausser Drogen und Alk, einfach gar nichts, was zuverlässig gegen Depressionen hilft?
Vor einiger Zeit konnte man darüber lesen, dass Depression mit LSD-Mikrodosierungen erfolgreich behandelt worden seien.
Ein anderes Leben? Ernsthafter:
Es sollte klar werden, dass man depressive Zustände nicht einfach so „wegmachen“ kann. Mit den gängigen Psychopharmaka/Drogen kann man Menschen vielleicht das Gefühl von etwas mehr Energie/Motivation geben und/oder Emotionen dämpfen/unterdrücken. Einige „funktionieren“ dann vielleicht wieder besser. Sollte das das therapeutische Ziel sein? Vielleicht dann, wenn es im Sinne einer „pharmakologischen Krücke“ Personen dabei hilft, ihr Leben wieder selbstständig zu leben.
Und dabei sollte man immer die psychologische (individuelle) und soziale Lebensrealität im Auge behalten. Was man nicht ändern kann, damit muss man leben können. So weit waren die alten Stoiker schon vor 2000 Jahren. Und wahrscheinlich andere alte Weise wie der Buddha vor 2500 Jahren.
Für den letzten Teil der Serie überlege ich mir noch eine intelligentere Alternative. Sehen wir uns dann wieder?
@Stephan Schleim: Ich muss Eremit leider 100%ig recht geben, weil ich es aus eigener Erfahrung rundum bestätigen kann. Dieses ganze Serotoninwiederaufnahme-Hemmer-Dreckszeug ist für mich primär ein Bombengeschäft für die Pharmaindustrie und sonst nichts. Ich habe es jahrelang versucht ohne irgendeine Verbesserung, im Gegenteil, bestenfalls litt ich an bleierner Müdigkeit und war noch eingeschränkter in meiner Leistungsfähigkeit. Was ich schon immer so „genial“ bei diesen Medikamenten finde, ist, dass im Beipackzettel als eine der primären Nebenwirkungen (das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!) Depressionen genannt werden und dann folgt noch der Hinweis, dass man etwas 2 Wochen warten muss, bis eine verbessernde Wirkung eintritt.
Wow, wie geil ist das denn?? Man ist völlig am Boden, hat vielleicht sogar Suizidgedanken, aber hey, gedulde Dich mal noch wenigstens zwei Wochen, bevor Du aus dem Fenster springst, Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut!!
Mir half auch dieses Psychotherapeuten-Gelaber nicht, was ebenso ein einträgliches Geschäftsmodell ist.
Damit stelle ich natürlich keineswegs in Abrede, dass es Menschen gibt, denen die oben genannten Mittel helfen. aber für alle, bei denen sich die Krankheit wie bei mir regelrecht in der Seele festgefressen hat und nicht im klassischen Sinne heilbar ist, helfen dauerhaft nur geeignete Drogen, um das Leben wieder erträglich zu machen, so wie etwa ein Diabetiker lebenslang sein Insulin braucht.
Herr Schleim hatte mir gegenüber in einem früheren Beitrag zu diesem Thema z.B. erwähnt, dass gute Erfolge mit einer Ketamin-Therapie in anderen Ländern erzielt wurden, aber ich weiß natürlich nicht, ob die im Land des Drogenprohibitions-Fetischismus, Deutschland, überhaupt zulässig ist.
Ebenfalls passend zum Thema:
Statistisches Bundesamt, Presseaussendung v. 09.09.26
„Schulbegleitung und Co.: Zahl der Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt“
• Psychische Belastungen und Entwicklungsauffälligkeiten sowie schulische oder berufliche Probleme häufigste Gründe
• Zahl der Schüler mit emotionalem und sozialem Förderbedarf nahm binnen zehn Jahren um 44 % zu
“ […] Mit Abstand am häufigsten waren es seelische Probleme oder Entwicklungsauffälligkeiten (69 %), dazu zählten zum Beispiel Ängste, suizidale Tendenzen oder Entwicklungsverzögerungen. In 53 % der Fälle wurden die Hilfen aufgrund von schulischen oder beruflichen Problemen gewährt, etwa bei ADHS, Hyperaktivität oder schulvermeidendem Verhalten […]“
Der oben vergessene Link sei nachgereicht:
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_N062_221.html
Sehr passende Erinnerung, allerdings frage ich mich, wie du die gemeint hast.
Die „Eingliederungshilfen“ sind für die betroffenen Schüler und einen Teil der Eltern selbstredend in erster Linie ein schauerliches Druckmittel, die schon seit je wirksame Drohung: „Du kommst auf die Sonderschule“ ergänzend und vor allem thematisch verbreiternd.
Was die Ursachen anbelangt, habe ich schon 1978 (ca.) in das Berliner Tagebuch, das ich damals geführt habe, geschrieben, wie auffällig es sei, daß ein großer Teil der Grundschulkinder bereits zur und von der Schule torkeln, wie 63 jährige Bauarbeiter, die kaum noch krauchen können. Weil es für mich als Kontrast zu meiner Schulzeit in Schleswig-Holstein nur 10 Jahre zuvor so auffällig geworden ist.
Jeder Führerscheinerwerber muss einen Erste Hilfe Kurs nachweisen.
Aber niemand lernt mit der psychischen Ausnahmesituation (oder so) umzugehen. Obwohl das sehr viel häufiger vorkommen dürfte, als Verkehrsunfälle, bei denen ein Pflaster hilft. Dabei könnten dies – vermute ich – ebenso Momente erster Hilfe sein.
Stimmt es ,dass man bei Kindern vorsichtiger ist mit der Verschreibung von Psychopharmaka? Die Verunsicherung ist groß geworden nach dem Skandal um Dr. W.!
Im Bekanntenkreis bin ich mit zwei ADHS Diagnosen konfrontiert worden- ein Kind 4 Kl und Förderbedarf erhält 2x tgl eine Tablette um nicht
“ auszurasten“ , bei einem anderen Kind der 1 Kl. herrscht Streit zwischen den geschiedenen Eltern um die notwendige Medikamentengabe. Ich weiß nicht welche Medikamente es sind aber mich interessiert schon wie ADHS medikamentös therapiert wird.
Zum Thema Depression und NW.Ich höre immer wieder das beruflich die Konzentration leidet vor allem bei komplexen Abläufen.
Bekannte darüber klagen, häufig neben sich zu stehen und auf Problemen im Umfeld kaum reagieren können. Beides verschlechtert doch die Lebenssituation eher! Ich bin 60 + und immer mehr Bekannte und Freunde gebrauchen Psychopharmaka.
Sertralin wird beim Kaffeeklatsch empfohlen- gehen locker
mit unseren Wehwechen um.
Gibt es eigentlich Studien im Zusammenhang zwischen Psychopharmaka und wohlmöglich beginnender Altersdemenz ?