Kleine, wendige und schnelle Kamikazedrohnen für Innenräume

Eine LANIUS-Drohne. Bild: Elbit

Der israelische Rüstungskonzern Elbit stellt eine mit KI ausgestattete Minidrohne vor, die auch in Gebäuden und engen Räumen fliegen und angreifen kann.

Mini-Kamikazedrohnen sind eigentlich nichts anderes wie eine (fern)lenkbare oder autonom ihr Ziel suchende Munition, man könnte auch sagen: Mordwerkzeuge oder Anschlagswaffen. Der israelische Rüstungskonzern Elbit hat nun die Kamikazedrohne LANIUS für den Stadtkampf vorgestellt, eine kleine, schnell fliegende und mit KI-Systemen ausgestattete Drohne, die sich auch in Innenräumen manövrieren lässt, Eingänge finden, autonom Orte und Gebäude erkunden und davon 3D-Karten erstellen sowie angeblich Kämpfer und Zivilisten unterscheiden kann. Elbit stellt zwar heraus, dass die Drohne noch von Menschen gesteuert wird, aber sie kann auch autonom zu einem Ziel fliegen, ist also wieder ein Schritt weiter zu autonomen Waffensystemen.

LANIUS aus der Reihe Legion-X UAS (fully autonomous tactical platforms) ist kastenförmig und mit einer Länge und Breite von 29,4 cm und von 16,7 cm Höhe ziemlich klein und mit einem maximalen Gewicht von 1,25 kg leicht. Höchstgeschwindigkeit der nach dem Konzept von Renn- oder Racingdrohnen entwickelten Drohne sollen 72 km/h sein, mit der auch komplexe Innenräume beflogen und damit Gegner überrascht werden können. Als Racingdrohne dürfte sie auch außerordentlich wendig sein. Die Flugzeit ist mit 7 Minuten allerdings sehr kurz. Um das auszugleichen, können angeblich mehrere LANIUS-Drohnen von einer größeren Mutter-Multicopter-Drohne näher zum Einsatzort gebracht und dann von dieser aus gestartet werden.

Bild: Elbit

Zur Bewaffnung kann LANIUS, ein Preis wird auch nicht genannt, allerdings nur 150 g befördern, Elbit verrät nicht die vorgesehene Art der Bewaffnung, im Video wird nur dargestellt, dass sie an einen Gegner heranfliegen können soll und durch einen Knopfdruck eine Explosion in dessen Nähe oder durch Aufprall auf ihn (?) ausgelöst wird. Es wird lediglich gesagt: “Das System ist ausgestattet, um Bedrohungen mit der Verwendung von explosiven Lasten mit einer Man-in-the-loop-Kontrolle auszuschalten.“

Interessant ist, wie um die Autonomie des Waffensystems herumgeredet wird. Ohne Eingriff eines Menschen könne die Drohne durch eine Computerschnittstelle mit den Kameras an Bord und einem Flugcomputer autonom starten, navigieren und erkunden. In Echtzeit werden Bedrohungen klassifiziert und lokalisiert, angeblich erfordern „Angriffsmissionen auf Menschen“ für die Schussfreigabe noch die Zustimmung eines Menschen.

Bild: Elbit

Man kann allerdings annehmen, dass die Drohne auch autonom das Feuer eröffnen könnte, zumal das KI-System mit den Kameras angeblich Waffen und Gegner identifizieren und von anderen Gegenständen und Zivilisten unterscheiden können soll. Auf welcher Grundlage dies möglich sein soll und wie verlässlich das wäre, geht aus der Beschreibung nicht hervor. Das Werbevideo suggeriert, das das KI-Programm eine Kennzeichnung von Waffen und Gegnern trifft und dem Benutzer mitteilt, der mit seiner tragbaren Fernbedienung zumindest noch das Feuer freigibt, also vermutlich die Drohne explodieren lässt. Unklar bleibt auch, welche Schäden Lanius bewirken kann. Wenn die Drohne Zugänge, etwa Türen oder Fenster, in einem Gebäude finden und erkennen kann, ob sie geschlossen sind, dann könnte etwa eine vorausfliegende Drohne eine Türe oder ein Fenster zerstören, um andere Drohnen einfliegen zu lassen.

Unheimlich ist diese Entwicklung schon. Man denke nur, dass mit solchen Kamikazedrohnen, sollten sie wirklich leisten können, was Elbit suggeriert, etwa die Räumung der unirdischen Tunnelsysteme von Asovstal in Mariupol, wo sich das Asow-Bataillon verschanzt hatte, wahrscheinlich schnell möglich gewesen wäre. Die unterirdischen Anlagen waren im Kalten Krieg errichtet worden, um auch Atombomben standzuhalten. Die russischen Bomben und Raketen konnten offenbar nicht wirklich eindringen, erst als Lebensmittel und Trinkwasser ausgingen und immer mehr Verwundete starben, weil sie nicht mehr versorgt werden konnten, ergaben sich die Asow-Kämpfer auf Befehl des Oberkommandierenden. Sie wurden dennoch zu Helden er- und verklärt. Kamikazedrohnen wie LANIUS hätten auch weit in die unterirdischen Anlagen in Schwärmen eindringen und Terror verbreiten können.

Und auch für den aktuellen Stellungskrieg wären die Kamikazedrohnen geeignet, um Gegner gezielt in Schützengräben und befestigten Stellungen zu erkennen und anzugreifen. Das würde dem Gegner zwar keine kriegsentscheidenden Verluste zufügen, aber doch Angst und Schrecken verbreiten, wenn plötzlich und hinterrücks Schwärme solcher kleinen Kamikaze-Drohnen angreifen. Solange nur eine Partei solche Drohnen hat, sind sie ein Vorteil, wenn alle Gegner über sie verfügen, werden Drohnenabwehrsysteme entscheidend.

 

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10 Kommentare

  1. Diese Drohne wäre mit einer Tragfähigkeit von 150 Gramm nicht mal in der Lage eine normale Handgranate zu transportieren, die ja zwischen 300 und 400 Gramm wiegt. Eine Flugausdauer von 7 min. ist ja nun auch nicht gerade beeindruckend – und leise fliegt das Teil sich auch nicht. Man könnte also spöttisch sagen: nice to have

    1. Hi Eckart,
      das soll doch erst einmal eine Entwicklung zeigen. Wie sagen die ersten Handys denn aus, da musstest einen Koffer für Strom mitschleppen.
      Auch wenn das Ding keine Handgranate mitschleppt, so kann es dennoch Unheil stiften. Wie gesagt, es ist erst der Anfang. Das soll nicht heißen, dass eine Kritik nicht angebracht wäre, zum Beispiel, dass der Krieg durch solche Maschinen immer brutaler wird.

      1. Der Dronenkrieg ist doch längst durch den Friedensnobelpreisträger Obama hoffähig gemacht worden, und es kümmert keine „Sau“. Dass es dabei über 98% zivile Opfer gibt – das nennt man heute bei uns „Wertegemeinschaft“. Die Entwicklung solcher Minidronen erscheint in diesem Kontext nur konsequent 🙁

    2. Es gibt Schlimmeres und Gefährlicheres als Handgranaten, was auch weniger als 150g wiegt. Insofern kein Argument. Allerdings kann man damit dann keine Bunkertüren, wie sie im Asow-Bunker eingebaut sind, sprengen.
      Aufklärung in Gebäuden mit so einem kleinen Flitzer, der autonom mit 50 km/h durch die Räume fliegt, könnte aber eine Anwendung sein.

      1. q nonname,
        „Es gibt Schlimmeres und Gefährlicheres als Handgranaten, was auch weniger als 150g wiegt.“
        Und das wäre beispielsweise ??? – Nenn doch konkret mal was, dass gefährlicher wäre, als ein mit 50kmh fliegender 1,25 kg leichter Flitzer.

        1. Nö, ich mach hier kein Brainstorming für Waffenentwickler. Du hast hoffentlich Verständnis?
          Aber für den Anfang mal Dir aus, was 100 ml konzentriertes Reizgas in so geschlossenen Räumen anrichten können, wenn der Operator der Drohne festgestellt hat, daß niemand eine Maske trägt.
          Und das wäre noch das harmloseste Zeugs, was mir so einfällt. Eine Handgranate ist vergleichsweise Spielzeug.

  2. Sarah Connor* sagt gegen so etwas helfen schwere Fliegenvorhänge**

    *Die Maria im SKYNET 😎
    **Der Einsatz gegen die Landminen war für Prinzessin Diana ein wichtiges Anliegen! 👍

    Gruß Prepperoni 🎏

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