Kein Herz für palästinensische Kinder bei Springer und ZDF

Es sind auch immer Propagandabilder, aber trotzdem sterben Tausende von Kinder im Gazastreifen oder werden verletzt.

Gerade werden Tausende von Kindern getötet, verletzt, verstümmelt und traumatisiert, ideologische Scheuklappen, Feigheit oder Gleichgültigkeit blenden das auf der Gala der prominenten Guten aus: schäbig.

Samstagabend war wie jedes Jahr wieder einmal „Ein Herz für Kinder“ angesagt. Die Benefiz-Show im öffentlich-rechtlichen ZDF (seit 2001, davor ARD) soll möglichst viel Geld für arme und kranke Kinder einsammeln. Man muss aber wissen, dass der Verein 1978 von Axel Springer und Bild gegründet wurde, weiterhin hauptsächlich von Springer finanziert wird und Bild die Schirmherrschaft ausübt. Deshalb hatten Friede Springer und der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner auch ganz vorne einen Logenplatz.

Die Gala, die nach dem „Erfolgsrezept“ arbeitet: „bewegende Schicksale, Emotionen, Superstars – und ganz viel Herz“, wird nicht, wie es heißt, aus Spendengeldern finanziert. Wie sie finanziert wird, verrät BILD hilft e.V. allerdings nicht. Das ZDF aus den Rundfunkgebühren? Dieses Mal wurde eine Masse an „Superstars“ vom lieben Herrn Kerner präsentiert. Sie hatten sich für die Show aufgeputzt und zugerichtet, um ihr Herz für Kinder und vor allem sich selbst vor einem Millionenpublikum zu demonstrieren.

Man zog „Superstars“ wie Verena Pooth, Sophia Thomalla oder Oliver Pocher hervor, Schauspieler, Sänger, Sportler durften und wollten zeigen, dass sie zur guten, humanitären Front dazugehören, auf Intellektuelle oder kritische Geister verzichtete man wie immer lieber. Es werden auch gerne Prominente ausgezeichnet, die sich gerne für den guten Zweck einsetzen, ohne auf gesellschaftliche Änderungen zu drängen. Wäre auch lästig, wenn’s an den eigenen Geldbeutel ging.

Peinlich wurde es stets, wenn wiederholt Kinder instrumentalisiert wurden, um Geldgeber wie die Telekom und andere Firmen in den Himmel zu loben. Dafür wurden Kindernachrichten mit Außenreportern simuliert. Aber wenn es doch um den guten BILD-Zweck geht, ist auch Kinderausbeutung recht. Große Aufregung gab es darum, dass nicht nur Amira und Oliver Pocher gemeinsam geladen waren (und auch bereitwillig erschienen), sondern dass Kerner beide zusammenbrachte, damit Oliver mal wieder Amira abklatschen konnte. Tolle Leistung von Kerner und den beiden Hauptdarstellern.

Die Verbindung zu Springer dürfte eine entscheidende Rolle dafür gespielt haben, dass es in der Show, die sich so sehr für Kinder einsetzen will, kein Herz für palästinensische Kinder gab, die gerade zu Tausenden im Gazastreifen sterben, verletzt, verstümmelt oder traumatisiert werden. Man weiß seit langem, dass Springer nichts über die transatlantischen Beziehungen und Israel kommen lassen will. Dazu gibt es auch die bekannten „Werte“, die jeder bei Springer beachten muss – und dem sich offenbar auch das ZDF und jeder der Anwesenden untergeordnet haben. Punkt 2 und 3: „Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel. Wir befürworten das transatlantische Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa.“

Man kann natürlich das jüdische Volk und das Existenzrecht unterstützten, aber gleichwohl Kritik an der israelischen Politik und Regierung, derzeit auch an der Kriegsführung äußern. Aber das wäre bei Springer und ZDF zu weit gegangen. Und jeder der Anwesenden, auch die Politiker Karl Lauterbach (SPD), Christian Lindner (FDP), Markus Söder (CSU), Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD), Ricarda Lang (Grüne), Paul Ziemiak und Carsten Linnemann (CDU), akzeptierten den Maulkorb oder fanden es ganz in Ordnung, die Lage der Kinder im Gazastreifen nicht einmal zu erwähnen.

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Es ging zwar auch um Kriegskinder. Wladimir Klitschko, Mitglied im Kuratorium, sprach von Hunderttausenden von Kindern, die seit 2014 „verschleppt, geklaut oder rekrutiert“ wurden, um dann gehirngewaschen auch auf ihrer Seite kämpfen würden. Man wolle die Kindern zurückholen, was offenbar auch auf nicht-militärischem Weg gelingt. Das klingt dann weniger dramatisch, weswegen er sich dazu nicht näher äußerte. Auch die Kinder, die in Äthiopien unter dem Krieg litten, erhielten ihren Platz.

Und auch die schrecklichen Taten der Hamas bei ihrem Überfall auf Israel  waren Thema beim Bundeskanzler Scholz. Er verlieh die „Ein Herz für Kinder“-Auszeichnung „Goldenes Herz“ an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer (102), die aus den USA wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, um hier Aufklärungsarbeit über das „unvorstellbare Verbrechen der Shoa“ zu leisten: „Es ist eure Verantwortung, dass so etwas nie wieder geschieht“, so Scholz. Kerner sagte, Menschen in Deutschland hätten die Massaker der Hamas relativiert oder Verständnis geäußert, weil sie gefragt haben, woher das kommt. Friedländer sagte: „Seid Menschen. Menschen tun so etwas nicht.“ Was sie genauer gemeint hat, ist nicht klar. Man kann von ihr auch nicht erwarten, dass sie auch auf das eingeht, was Palästinenser Israelis und was Israelis Palästinensern jetzt angetan haben und antun. Man hätte aber erwarten können, dass der Bundeskanzler zumindest auf dieser Gala für Kinder auch an das Leiden der unschuldigen Kinder im Gazastreifen verweist. Aber da scheint die Staatsräson über dem Leben der Kinder zu stehen.

Während ein unerbittlicher Krieg im Gazastreifen tobt, verschanzt man sich auf der Gala auf der Insel des Guten und blendet aus, was politisch schwierig, aber moralisch geboten ist. Eine scheinheilige Veranstaltung mit feigen Anwesenden, was aber auch einen Blick auf den traurigen Zustand dieses Landes erlaubt.

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22 Kommentare

  1. Ich fand bereits das Verhalten des Herrn Schäuble während der sogenannten „Griechenlandrettung“ sehr schäbig und mich beschäftigt die Frage, wie sehr Deutschland inzwischen ausgesprochen schäbig geworden ist!

    1. @Alexander. Es gibt in Deutschland ein Sprichwort das lautet „Hochmut kommt vor dem Fall“. Was bedeuten soll das sich Überheblichkeit und Abgehobensein so stark rächt das man den Boden unter den Füßen verliert (also fällt).
      Zu Zeiten der „Griechenlandrettung“ regierte in Deutschland noch der Hochmut, die Abgehobenheit der politischen Klasse und eigentlich ist das noch immer so. Aber mehr und mehr Menschen in Deutschland bekommen mit das das ein Trugbild, ein Potemkinisches Dorf ist, denn in Wirklichkeit befindet sich Deutschland bereits im Fall. Alle wissen es, alle sehen es, aber es ist wie bei des „Kaisers neuen Kleidern“ die politischen Akteure wollen nicht wahrhaben das sie vor der ganzen Welt nackt dastehen …

  2. Moin
    „Eine scheinheilige Veranstaltung mit feigen Anwesenden, was aber auch einen Blick auf den traurigen Zustand dieses Landes erlaubt.“
    So ist es wohl.
    Bleibt, Dank zu sagen für das umfassende Aufzählen der Beteiligten und sich zu trösten, daß die in der Zeit keinen anderen Blödsinn anstellen konnten.
    Grüße

    1. Wirklich Hut ab für die Opferbereitschaft sich diesen verlogenen Schund anzusehen.
      Wir sehen das alles schon lange nicht mehr*, diese zynische Heuchelei, dieser eiskalte berechnende Missbrauch von Gefühlen ist unerträglich für zarte besaitetet Seelen.
      * trotzdem pressen uns die Mafiosi regelmäßig ihr Schutzgeld ab, nennen es Gebühren.

  3. Diese ganze verlogene Bagage kann man nur verachten. Die unterschiedliche Wertigkeit von Kindern zeigt ganz deutlich welches Kind es wert ist und welches nicht, die Kinder von „Untermenschen“ sind es in deren Augen halt nicht.
    Mit ihren Prunk- und Pompveranstaltungen einmal im Jahr lassen sie ihren „social touch“ raushängen und versuchen so sich von ihrer Verantwortung freizukaufen.
    EINFACH NUR EKELHAFT

    Siehe Pyramide des Kapitalismus

    Derweil steuern wir unwiderruflich auf einen Krieg mit Russland zu.

  4. Verfälschen (Propaganda) durch weglassen.

    So läuft das bei uns meistens. Ist dezenter als aktiv lügen.
    Im Ukraine Konflikt wird die gesamte Vorgeschichte einfach weggelassen; in unseren Erzählungen über Israel das Gleiche: Der Konlikt begann demnach erst dieses Jahr im Oktober.

  5. Unserer Regierung ist sogar die Deutsche Bevölkerung ziemlich egal. Deshalb ist es auch kein großes Thema das am 25. Oktober 2023 eine sechsköpfige Deutsche Familie im Gazastreifen durch Bombardierungen Kollateral-ermordet wurde.
    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/bei-israelischem-bombenangriff-bundesregierung-geht-von-get%C3%B6teter-deutscher-familie-in-gaza-aus/ar-AA1lfORU

    Man will sich gar nicht vorstellen was loswähre wenn sechs israelische Staatsbürger in Deutschland durch staatliches Handeln ums Leben kämen. Bei „Nähere Angaben wurden nicht gemacht.“ würde es auf jeden Fall nicht bleiben …

  6. Die beste Plattform benutzten, um seine eigene Propaganda nochmals tief in die Köpfe zu stecken, man zahlt für diese Propaganda.
    Sarazzin hatte recht!

  7. mein Kommentar seit Jahrzehnten: wenn alles Geld was tränenüberströmend „FÜR KINDER“ bei den Kindern ankommen würde könnten die 1x im Jahr aufdue Seychellen fliegen!
    diese kurz vor Weihnachten Gutes-Tun Veranstaltungen dienen doch dem GoodWashing: 10 €für xy (noch Sozialhilfe, ups Steuer entlastend) erleichtern doch das Gewissen wenn man sich dann bei Catier für 10000 de beschenkt!

    (es gilt der Satz Tucholskys: gib 10 Pfennig und nimm 10 Mark!)

  8. Ich würde ja dafür plädieren, diese sogenannten ‚Propagandabilder‘ mal in Gross zu ziehn und vor diversen Regierungseinrichtungen sichtbar zu plazieren. Damit es wirklich jeder sehen muss.
    Das ist grausam, diese ermordeten Kinder, aber indem man es als ‚Propaganda‘ abtut, als verachtenswert labelt, muss man es nicht zur Kenntnis nehmen.
    Es gibt Fundi-Christen, die sagen: ja aber schon Dreijährige sind für die Hamas. Oder: in der Bibel steht, dass das eine Endzeitveranstaltung ist. Das muss jetzt so sein.
    Gegen diesen Schwachsinn und Wahnsinn müssten überall im öffentlichen Raum Bilder der hässlichen Realität zu sehen sein

  9. Im Deutschen Journalismus ist halt der braune Knecht tief verwurzelt. Der Rimmer die Hure der Mächtigen. Eine widerliche Figur, ein Eiterbocken und eine am Arschloch zuzelnde Mistel. Man muss halt damit leben lernen, dass sich der faschistische Knecht einmal ein braunes, dann ein rotes und dann wieder ein grünes Kapperl aufsetzt.

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