Kann Marx Europas Weg auf den Friedhof der Geschichte stoppen?

Karl Marx mit Strick in der Hand
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Die Rüstungsindustrie erlebt goldene Zeiten, doch Europas Zukunft wird dafür verpfändet.

Der Aktienkurs des größten europäischen Rüstungskonzerns, der BAE Systems in Großbritannien, hat sich seit dem 23. Februar 2022, dem Tag vor Beginn des Ukrainekrieges, gut verdreifacht. Noch einmal gut doppelt so hoch fiel der Zuwachs beim schwedischen Kampfjet-Hersteller Saab AB aus, und den Rekord unter den Rüstungsriesen hält der deutsche Rheinmetall-Konzern mit einer rund Verzehnfachung des Aktienkurses bis heute.

Das blühende Geschäft mit dem Tod droht allerdings zu einer der letzten großen historischen Aktionen zu werden, die Europa als traditionell jüdisch-christlicher Kulturerdteil abwickelt. Jeder neue emotionale Graben und jeder physische Bruderkrieg beschleunigt den relativen Bedeutungsverlust Europas und des gesamten Westens. Zusammen mit der Geburtenschwäche trägt der Ukrainekrieg in der westlichen eurasischen Randzone zu dem Vakuum bei, das tendenziell von außereuropäischen Kräften aufgefüllt wird. Indem die kulturelle Integration und demokratische Sozialisation der Zuwanderer mit diesen demographischen Umschichtungen nicht mithält, bahnt sich eine Ablösung der freiheitlichen europäischen Zivilisation durch autokratisch geprägte Gesellschaften an.

Richtige und falsche Marx-Prognosen

Auch wenn der Wandel zweifellos von vielen politisch einflussreichen Personen und vielen Zuwanderern herbeigewünscht wird, stellt er weniger das Resultat eines konzertierten Übernahmeplans dar, als die Folge einer demografischen Implosion und einer verfehlten Geopolitik, die die Türen für chaotische globale Migrationsbewegungen und disharmonische geopolitische Verschiebungen öffnet.

Karl Marx hatte mit nicht vielen, aber sehr wesentlichen Erkenntnissen Recht, doch ausgerechnet diese haben die allermeisten Bürger und Politiker bis heute nicht begriffen. Und während seine Irrtümer hartnäckig weiterpropagiert werden, sind wir noch immer weit davon entfernt, seine wertvollen Erkenntnisse nutzbringend anzuwenden. Zu diesen Letzteren gehört die höchst aktuelle Einsicht, dass die Philosophie einer Zeitepoche stets diejenige ihrer herrschenden Klasse ist. Der Grund der publizistischen Vernachlässigung ist simpel: Wäre diese wichtige Regel im Bewusstsein der Bürger präsent, würden sie sehen, dass heute klarer denn je eine internationale Geldelite wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungen nimmt, eben auch darauf, was ihnen die Medien vorsetzen. Diese nicht demokratisch kontrollierten Personen repräsentieren damit die Marxsche ‚herrschende Klasse‘ der Gegenwart.

Marx lag in vielen anderen fundamentalen Aussagen falsch. Gegenwärtig zeichnet sich das auch für die (ihm möglicherweise nur in den Mund gelegte) Prognose ab, die Kapitalisten würden den Strick verkaufen, mit dem sie gehängt werden.

Denn die Realität des 21. Jahrhunderts zeigt ein gegenteiliges, zynisches Bild: Im Moment sind die Akteure des MIC, des Militärisch-Industriellen Komplexes und die stets mitprofitierenden Finanzkapitalisten dabei, den europäischen Steuerzahlern diejenigen Rüstungsgüter zu verkaufen, mit denen sich der Kontinent in einer Eskalationsspirale wirtschaftlich, strategisch und demographisch auf den Friedhof der Geschichte befördert. Während die Profite in private Hände fließen, trägt die Allgemeinheit die Lasten einer gigantischen Staatsverschuldung. Dadurch werden jene Ressourcen aufgezehrt, die für die Bewältigung der inneren Krisen so dringend benötigt würden – von der demografischen Erneuerung bis zur Sicherung der kritischen Infrastruktur.

 

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Christian Hamann

Christian Hamann wurde 1949 in Berlin geboren und lebt seit einigen Jahren abwechselnd in Deutschland und Südamerika (Uruguay, Paraguay). In den Jahren 1968 bis 1973 hat er Geographie und Biologie in Hannover und Mainz studiert und danach bis zu seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer gearbeitet. Er hat sich zeitlebens selbständig weitergebildet, insbesondere auf den Gebieten Geschichte, Politik einschließlich Soziologie, Wirtschaft und Psychologie.
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5 Kommentare

  1. Immer wieder witzig, wie Menschen, die Marx nicht verstanden haben, nachweisen wollen, wo er alles falsch gelegen hat.
    Dabei beginnt der Fehler schon in der Titelzeile. Es ist eben nicht Europa, dass auf dem Weg auf den Friedhof der Geschichte ist. Wenn man geografisch bleiben wöllte, dann Westeuropa.
    Was Marx und mit ihm Engels, Lenin etc. geleistet haben, war zu erkennen, dass auch die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nach Naturgesetzen verläuft. Das Wissen darum ermöglicht den Menschen voraussschauendes Handeln.

  2. Natürlich verkaufen die Kapitalisten auch den Strick, mit dem sie gehenkt werden. Nur ist nicht alles der Strick, mit den sie gehenkt werden.

    Aufgrund des Titels erwartete ich, im Artikel Argumente pro oder kontra Marxens Gesellschaftstheorie zu finden. Das war eine Fehlannahne.

  3. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Marx als Zeuge für eine kulturpessimistische Deutung, die ich im Übrigen durchaus teile, herhalten muss. So wahnsinnig viele Prognosen hat er nicht gemacht. Selbst die, die am meisten mit ihm in Verbindung gebracht wird, dass nämlich die Arbeiterklasse als historisches Subjekt die bürgerlichen Verhältnisse revolutionär aufheben wird, hat er im Manifest, seiner bekanntesten revolutionären Prosa, eingeschränkt und schon dort geschrieben, dass die kämpfenden Klassen auch gemeinsam untergehen können. In den späteren Jahren, vor allem nach der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848, spotette er selbst über jene, die die sozialistische Revolution für den Donnerstag der jeweils kommenden Woche erwarteten. Was übrigens in der marxistisch geprägten Linken zum festen Bestandteil der Folklore wurde. Die finale Krise des Kapitals wurde mit der gleichen Überzeugung proklamiert, wie die baldige Ankunft des Messias.
    Nun lässt sich die Vorstellung von der Arbeiterklasse und ihrer historischen Mission trefflich kritisieren und nur noch „Gläubige“, die dafür mit der dem Glauben angemessenen Inbrunst, bestehen darauf. Aber es ist müßig, da man keine Gesellschafttheorie braucht, um festzustellen, dass die Arbeiterklasse keine Revolution macht und da, wo für einen historisch kurzen Zeitraum die Kapitalverwertung eingeschränkt war, keineswegs eine führende Rolle in der Gesellschaft einnahm. Die hatte sie den Bonzen zu überlassen.
    Aber bleiben wir bei Marx. Dessen Ziel war es, rauszubekommen wie die bürgerliche Gesellschaft – ich weiß nicht, ob der Begriff Kapitalismus bei Marx überhaupt verwendet wird – funktioniert. Da aber sieht es schon sehr danach aus, als wenn er erfolgreich war. Wobei eben ni chts, aber auch garnichts auf eine emanzipatorische Aufhebung hindeutet aber immer deutlicher wird, das Kapitalverwertung durch Vernutzung menschlicher Arbeit im Reproduktionsprozess an ihre Grenzen stößt. Das aber ist reichlich Grund für Kulturpessimismus.

    1. @1211
      „wo für einen historisch kurzen Zeitraum die Kapitalverwertung eingeschränkt war, keineswegs eine führende Rolle in der Gesellschaft einnahm. Die hatte sie den Bonzen zu überlassen.“

      Das liegt an der Stellvertretermentalität wie wir sie jetzt ja auch sehen. Alle 4 Jahre mal ein Kreuzchen auf einen Wahlzettel und dann erwarten – „Die werden das schon für mich machen“

      Auch Demokratie funktioniert nicht mit einer lethargen Masse.

  4. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.
    Kaum wiedervereinigt rasselte wieder der Groß-Deutsche Säbel und der Stahlhelm ersetzte den Hut.

    Kommt auf mein neues T-Shirt

    NO WAR!
    Ain′t gonna let nobody, turn me around
    Ain′t gonna let that Boris Pistorius turn me around

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