Kann man ohne die Bergpredigt Politik machen?

„Taubenanflug“ in Düsseldorf. Fotograf und Inhaber der Bildrechte: Bernd Schaller.

Kirchen-Denkschrift: Impulse zu einer Dritten Sammlung mit Texten aus der EKD-Kontroverse und Ökumenischen Friedensstimmen, die zur Gewaltfreiheit ertüchtigen-

Eine beachtliche Nachfrage und unerwartet viele Zuschriften bestätigen uns, dass die Unternehmung „Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden“ als hilfreiche editorische Dienstleistung von Christenmenschen für Christenmenschen (oder für andere interessierte Zeitgenossinnen) wahrgenommen wird. Solchermaßen ermutigt, haben die ‚Solidarische Kirche im Rheinland‘ und das ‚Ökumenische Institut für Friedenstheologie‘ jetzt einen umfangreichen dritten Band der Sammlung vorgelegt (Umdenkschrift III zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden. Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische Friedensstimmen – Dritte Sammlung. Hamburg 2026. ISBN 978-3-6957-8405-9). Er enthält weitere Anfragen und Widerworte zur EKD-Denkschrift vom November 2025, vier Aufsätze zu Fragestellungen der Denkschrift „Welt in Unordnung …“ und ausgewählte Friedensstimmen aus der christlichen Ökumene‘, darunter auch die vor kurzem vorgestellte Schrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ (Umdenkschrift III, S. 276-334) und einen Beitrag von Gottfried Orth zur Aktualität der ‚Barmer Theologischen Erklärung‘ vom Mai 1934 (Umdenkschrift III, S. 336-353).

Eröffnet wird die erste Abteilung mit einem Text der ehemaligen Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann: „Für mich ist mit dieser [EKD-]Denkschrift eine große Chance verpasst, in Zeiten massiver Aufrüstung glasklar für Abrüstung zu plädieren. Die Chance, den Pazifismus aus christlicher Überzeugung und auf Grundlage des Evangeliums wieder in die Debatte in der Mitte der Gesellschaft zu bringen. Die Chance, eine Ächtung atomarer Waffen und die Forderung nach einem Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Chance, deutlich zu machen, dass es nicht um Wehrpflicht geht, sondern um die Verpflichtung zum Kriegsdienst, demgegenüber die Verweigerung in der Tat das deutlichere christliche Zeichen ist. Da ist die Lehre Jesu glasklar.“

Unsere Sammlung zeigt: Das Spektrum der Kritiker:innen, die den Kurs bzw. die „friedensethische Neuausrichtung“ des „Spitzenpersonals“ der großen deutschen Kirchen mehrheitlich als militäraffin und zu staatsnah bewerten, ist breit, keineswegs gleichförmig. In den nachfolgenden Ausführungen versuche ich als Herausgeber der ‚Umdenkschriften‘, zentrale Anliegen, die in den bisher gesammelten Wortmeldungen und Zuschriften erkennbar werden oder Thema in vielen persönlichen Begegnungen gewesen sind, aus einer friedensbewegten Perspektive zu vermitteln (Quelle: Vorwort der neuen Sammlung). Die Reihenfolge der Ausführungen sagt nichts über die Gewichtung der einzelnen Punkte aus:

 

  1. Den Glaubenssinn der Getauften ermitteln
  2. Die Bibel zum Ausgangspunkt nehmen
  3. Das „Programm Krieg“ auf der Basis anthropologischer und historischer Forschung beleuchten
  4. Empirie und Evaluation: Die Lösungsangebote des Militärparadigmas rational hinterfragen
  5. Dem vorkonstantinischen Standort (wieder) Heimat in der Kirche bereiten
  6. Das Friedens-Zeugnis der weltweiten Ökumene studieren und bekannt machen
  7. Das Wissen um die deutschen Kirchengeschichte fördern
  8. Auswege aus Kriegsprophetie und Militarismus eröffnen
  9. Das Gespräch mit der Jugend suchen und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung schützen
  10. Über Soziale Verteidigung als Gegenmodell zum rüstungsbedingten Sozialabbau aufklären
  11. Am Eintritt des eigenen Landes in den Atomwaffenverbotsvertrag mitarbeiten
  12. Die Folgen militärtechnologischer Revolutionen bedenken
  13. Anwaltschaft für Migrantinnen und Flüchtlinge als Lackmustest
  14. Unseren palästinensischen Geschwistern und den Sachwaltern des überkommenen rabbinischen Judentums zuhören
  15. Die Erderhitzung vor dem Hintergrund weltweiter Hochrüstung als Ernstfall der Zivilisation erkennen
  16. Schlussbemerkung: Der nationalistisch-völkische Block als ‚Friedenspartei‘?

 

  1. Den Glaubenssinn der Getauften ermitteln

 

Mit einigem Recht darf bezweifelt werden, dass die jüngste EKD-Denkschrift bezogen auf die öffentlich diskutierten strittigen Inhalte wirklich die Anschauung einer Mehrheit der ‚aktiven Kirchenmitglieder‘ repräsentiert. Die Angelegenheit müsste allerdings auch kein Problem sein, wenn die Bedeutung des antiquierten Formates „Denkschrift“ innerhalb einer nicht obrigkeitlich, sondern synodal verfassten Kirche (Umdenkschrift III, S. 83-86) hinreichend geklärt wird und das Redaktionsteam (dem der ‚EKD-Friedensbischof‘ z.B. nicht angehört) keinen Anspruch erhebt, eine maßgebliche Orientierung für den weiteren Weg der gesamten Kirche vorzugeben. Wie aber könnte der Glaubenssinn der Getauften in der Breite ermittelt werden (woran doch allen Seiten gelegen sein müsste)? Sind gleichberechtigte, weiterführende Dialogformen vorstellbar, bei denen nicht nur ein – gleichsam als Alibi eingebautes – Viertelstunden-Votum der jeweiligen Gegenseite den Anspruch einer kontroversen Debatte ‚abdeckt‘?

Eine Auswertung der zahlreichen Veranstaltungen zur EKD-Denkschrift im ganzen Land liegt noch nicht vor. Bezogen auf die – von der Logistik her mit weitem Abstand privilegierten – ‚kirchenamtlichen Formate‘ (Denkschrift-Präsentationen) werden uns sowohl sehr starke kritische Tendenzen des Publikums berichtet (z.B. Bonn, 07.03.2026) als auch ausgeprägte antipazifistische Stimmungslagen (z.B. Bildungszentrum sanctclara Mannheim, 13.07.2026 – ca. 50 Teilnehmende). In der Braunschweiger Katharinenkirche gab es am 28.04.2026 eine ev. Akademieveranstaltung mit über 200 Teilnehmenden, die nach Einschätzung der kooperierenden IPPNW-Gruppe zu zwei Dritteln kritisch der Denkschrift gegenüberstanden. Die rein friedensbewegten Angebote zum Thema werden von Befürwortern der Denkschrift-Linie wohl eher nicht aufgesucht.

Meine subjektive Einschätzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt: Die seit 2022 weiter verstärkte kirchliche Annäherung an regierungs- und militärkonforme Anschauungen wird überwiegend von einer Generation der Leitenden getragen, die im ‚Neoliberalismus‘ sozialisiert worden ist. Kritik an dieser Entwicklung üben vor allem jene Christenmenschen, die schon in den 1980er und 1990er Jahren irgendwie in die kirchlich ausgerichtete Friedensarbeit eingebunden waren. Viele von ihnen haben allerdings das Renteneintrittsalter schon überschritten. Als repräsentativ kann diese kritische ‚Gruppe‘ schon deshalb nicht gelten, weil auch in ihr – wie auf der Kirchenleitungsebene – ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer sehr stark vertreten sind. (Bezogen auf das pazifistische und antimilitaristische Anliegen hängt freilich alles davon ab, ob ein lebendiger Austausch mit den jüngeren Generationen zustande kommt; s.u.).

 

  1. Die Bibel zum Ausgangspunkt nehmen

 

Mahatma Gandhi (1869-1948) hat vielleicht besonders an das kriegsaffine deutsche Kirchentum gedacht, als er klagte: „Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“

Karl Barth hielt dem staatstreuen Bürgerkirchentum in deutschen Landen, das schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine eigene ‚Natur‘ zum Kompass nahm, das offenbar gewordene ‚Wort Gottes‘ entgegen. Seine dialektische Theologie, die nicht verdorben werden darf durch das Missverständnis eines erfahrungslosen Heils, ist ein Stachel im Fleisch, den auch die modernen Kulturchristen des marktorientierten Pastoralmanagements nicht ziehen können. Der Ökumenische Rat der Kirchen bekundete im Februar 2011: „Jesus lehrte uns, unsere Feinde zu lieben, für unsere Verfolger zu beten und keine tödlichen Waffen zu benutzen.“ Ein wirklich bedeutsamer und warmherziger Protestant wie Bundespräsident Johannes Rau (1931-2006) fragte sich, „ob man ohne die Bergpredigt regieren kann“ (Umdenkschrift III, S. 289). Wie könnten Kreisläufe des Verderbens durchbrochen werden, wenn keiner aufhört, auf Gewalt stets mit Gewalt, auf Töten mit neuem Töten, auf Böses mit noch mehr Bösem zu antworten?

In dieser Linie heißt es in der ökumenischen Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015583.html (2026): „Wir sind überzeugt, dass die Friedensbotschaft Jesu allen Menschen gilt und gerade in der aktuellen Weltlage wichtige Orientierung für Verantwortliche in Politik und Gesellschaft geben kann. Wir verstehen besonders die Bergpredigt als sehr kompatibel mit den Einsichten der sozialwissenschaftlichen Friedens- und Konfliktforschung“ (Umdenkschrift III, S. 277). Diese Ermutigungsschrift, entstanden auf der Grundlage eines von vielen Frauen und Männern gebildeten Beratungskreises, ist derzeit die am meisten nachgefragte ökumenisch-friedensbewegte Wortmeldung im Land (eine internationale englische Version erscheint jetzt im August 2026). Ihr Ansatz ist nicht die Amtskirchenkritik, sondern das Zeugnis von Getauften, die dem Evangelium die Möglichkeit eines neuen Sehens verdanken.

Der Weg Jesu – unter den Bedingungen einer hochgerüsteten imperialen Besatzungsmacht – muss freilich von allen Sachwaltern des Militärparadigmas als hochgefährlich eingeschätzt werden, weil er inkompatibel ist mit den hoffnungslos veralteten Grundfesten ihres Selbstverstehens und Agierens. Hier ist kein Beifall zu erwarten. (Eine Rühmung des Kreuzesbalkens der römischen Unterdrücker liegt dem christlichen Pazifismus ebenso fern wie die Leugnung einer Welt der Kreuzes-Aufrichter, die den Anhängern des ‚neuen Weges‘ zu allen Zeiten nachstellt.)

Genug Gründe gibt es, die Mitarbeit von Kundigen der Bibelwissenschaften im Netz der Friedenstheologie hochzuschätzen. Der ev. Theologe und Altorientalist Friedrich Erich Dobberahn beleuchtet im neuen Band als Philologe das Fünfte Gebot („Du sollst nicht töten!“), dessen militärfreundliche ‚Neuinterpretation‘ die jüngste EKD-Denkschrift aus unserer Perspektive allzu leichtfertig übernimmt (Umdenkschrift III, S. 222-234). Zu wünschen bleibt auch, dass die Autoren der Denkschrift beim Verweis auf die angeblich paulinische Weisung zu einem Christengehorsam gegenüber der staatlichen Obrigkeit (Römerbrief) der Leserschaft noch diesbezügliche Erkenntnisse der kritischen Exegese zugänglich machen (vgl. E. Drewermann: Alles ist Gnade 2025, S. 51-52).

 

  1. Das „Programm Krieg“ auf der Basis anthropologischer und historischer Forschung beleuchten

 

Die theologische Rede von einer ‚unerlösten Welt‘ – trotz ‚Erlöser‘ und ‚Erlösung‘ – kommt zumeist sehr vage daher, zumal dann, wenn sie dazu dient, eine angebliche Notwendigkeit von Macht-, Militär- und Kriegsinfrastrukturen zu untermauern. An dieser Stelle lässt es sich heute aber nicht mehr vermitteln, evolutionär-anthropologische und historische Forschungen einfach zu ignorieren. Sehr zu begrüßen ist deshalb ein Beitrag der evangelischen Theologin und Philosophin Dr. Heike Knops https://www.graswurzel.net/gwr/2025/10/krieg-normalfall-oder-stoerfall-der-menschheitsgeschichte/ im deutschen Pfarrerblatt, den wir in unserer Sammlung vollständig dokumentieren: „Neue Erkenntnisse zu Gewalt und Krieg. Krieg – Normalfall oder Störfall der Menschheitsgeschichte?“ (Umdenkschrift III, S. 235-246). Die Institution Krieg, die in der Spätphase des zivilisatorischen Prozesses alles Leben bedroht, ist mitnichten ein ewiges ‚Naturereignis‘, sondern erst wenige Jahrtausende jung und keineswegs im menschlichen Genom verankert.

 

  1. Empirie und Evaluation: Die Lösungsangebote des Militärparadigmas rational hinterfragen

 

‚Staatsmacht und Militär‘ werden seit fünftausend Jahren fest in die ‚hochkulturelle Matrix‘ eingebrannt; d.h. alles Nachdenken vollzieht sich immer schon in den entsprechend vorgegebenen Strukturen: in einem Raum, in dem der Militärkomplex wie eine unhinterfragbare ‚Urtatsache‘ bejaht wird. (Wenn diese Matrix – wie etwa bei den Propheten Israels – durchbrochen wird, betrachten wir dies mit gutem Grund als ‚Offenbarung‘). Die ‚hochkulturelle Macht-Matrix‘ „dieser Welt“ als Ergebnis eines zivilisatorischen Prozesses erklärt, warum sich die „Staatslogik des Militärischen“ so hartnäckig – Jahrtausend um Jahrtausend, Jahrhundert um Jahrhun­dert – einer rationalen (empirischen) Überprüfung entzieht: Der Kaiser ist nackt, aber niemand traut sich, es zu sehen und auszusprechen. Von einer Ökonomie des Lebens her betrachtet ist es widersinnig, industriell Mordwaffen zu produzieren (man kann sie nicht essen). Die ‚Staatsvernunft‘ darf aber unwidersprochen öffentlich die Zurüstung zum Krieg als zwingende Notwendigkeit behaupten, selbst wenn dadurch grundlegende Lebensbedürfnisse der Menschen missachtet werden. Es gilt als vernünftig bzw. realistisch, Kriegswissenschaften, Rüstungsindustrien und ein Militärministerium zu unterhalten. Niemand kommt mehr auf die Idee, dass es völlig irrational ist, keine Friedensindustrien und kein Friedensministerium einzurichten – zudem gleichzeitig gesicherte Ergebnisse der ohnehin nie angemessen ausgebauten Friedensforschung einfach zu ignorieren.

Allein in diesem Jahrhundert wurde soeben global ein Antiterrorkrieg geführt mit Millionen Toten, einer tausendfachen Vervielfältigung der Terrorakteure (Anschwellen des tötungsbereiten Islamismus) und der Destabilisierung einer ganzen Erdregion als Ergebnis. Astronomische Kriegsinvestitionen waren erforderlich, um Afghanistan nach zwei Jahrzehnten in einem traurigeren Zustand als zuvor wieder zu verlassen. Es kommt aber niemand im Zuge einer Evaluation (Tauglichkeitsprüfung) des zivilisatorischen Programms ‚Krieg‘ zu dem Schluss, dass das Militär als Lösungsinstrument bankrott und vielmehr nur ein erprobtes Mittel der Weltverschlechterung ist. Auch das Militärkirchenwesen hatte gestern noch Einblicke in den Irrsinn (kein zentrales Kriterium der klassischen Lehre vom sog. ‚gerechten Krieg‘ konnte auf den aufgesuchten Schauplätzen erfüllt werden) und war entsetzt über die lebenslange Traumatisierung der ‚eigenen Soldaten‘, doch heute schon huldigt es wieder jenem ‚Realismus‘, der all der Trübsal zugrunde liegt. Unverdrossen werden zivile Produktionen auf die Herstellung von Tötungstechnologien umgestellt (was die ‚Wirtschaft‘ niemals stärken kann und die Zukunftsperspektive der nachkommenden Generationen verbaut). Der auf allen Kanälen gefeierte manische Hochrüstungs-Gigantismus der Macher-Politik erhöht die Kriegsgefahr, aber er hält keine einzige Produktion bereit, die die extreme Verwundbarkeit fortgeschrittener Industriestaaten unter den Bedingungen der modernen Kriegsführung zumindest zu verringern vermag. Als Gesetz gilt immer und immer wieder: Was als Mittel und Weg gescheitert ist, muss unbedingt – komme, was wolle – beibehalten, aber quantitativ noch um ein Vielfaches gesteigert werden …

Gibt es wirklich keine Wege, die Irrationalität der offiziellen militärischen Heilslehren wirksam zu entlarven? Der Politikwissenschaftler Hendrik Simon gibt dieser Tage zu bedenken: „Bertha von Suttner schreibt vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den europäischen Großmächten […]. Nicht der Pazifismus ist naiv, sondern der Militarismus. […] 1914 zeigt: Suttner wird leider recht behalten“ (Interview, 12.07.2026). Kardinal Reinhard Marx hat das ‚Glaubensproblem‘ gleichzeitig so zur Sprache gebracht: „Glaubt man wirklich, dass bei einer immer größeren Aufrüstung aller Beteiligten die Welt sicherer wird? Da muss ich schon ziemlich weit danebenliegen, um das zu glauben. […] Am Ende geht es nur über Politik, Diplomatie, Verträge und Ausgleich. Anders wird kein Friede kommen.“ (Vaticannews, 24.07.2026)

 

  1. Dem vorkonstantinischen Standort (wieder) Heimat in der Kirche bereiten

 

Beim Friedenskongress an der Woltersburger Mühle vom 4.-6. März 2026 hat der EKD-Friedensbeauftragte Landesbischof Friedrich Kramer daran erinnert, dass „in der alten Kirche […] Christen keine Soldaten sein konnten“ (Umdenkschrift III, S. 43). Die ‚Leute vom Weg‘, die sich an Jesus von Nazareth orientierten, waren im Römischen Imperium wirklich elitär: sie betrachteten sich als Vorhut einer neuen Menschheit, die das Kriegshandwerk nicht mehr erlernt (Jesaja 2,4; Micha 4,3). Die Umkehrung vollzog sich erst ab Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. unter dem Soldatenkaiser Konstantin, einem skrupellosen Machtpolitiker, dem die Bischöfe erstaunlicherweise sogar die Einberufung des Ersten Konzils von Nicäa überließen (obwohl er noch gar nicht getauft war). Die jüngste EKD-Denkschrift (eines Autorenteams, nicht einer Synode) bedeutet der Sache nach – im Gegensinn zu Entwicklungen auf dem ‚Weg des gerechten Friedens‘ – wieder eine Ausbürgerung des von nicht wenigen Getauften festgehaltenen vorkonstantinischen Standortes der ersten drei Jahrhunderte (allenfalls geduldet als exotische Abweichung) und der staatsfernen Friedenszeugnisse von Kirchen in der DDR; gleichzeitig wird sie auch von den aus der Reformation hervorgegangenen, ehedem blutig verfolgten Friedenskirchen als Distanzierung bewertet. Möglicherweise entspricht dies nicht den Intentionen der Kirchenleitung. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, unmissverständlich vor allen Getauften klarzustellen, dass es kein Monopol des staatsnahen konstantinischen Standortes zur Repräsentation der Kirche und kein ‚kirchliches Bürgerrecht zweiter Klasse‘ für christliche Pazifisten gibt (s. Umdenkschrift III, S. 50-53).

 

  1. Das Friedens-Zeugnis der weltweiten Ökumene studieren und bekannt machen

 

Offenbar herrscht in deutschen Landen eine Amnesie, die Ökumenischen Beratungen des späten 20. Jahrhunderts und die im Einklang mit einer ähnlichen Initiative der Vereinten Nationen ausgerufene „Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt 2001-2010“ betreffend. Das dritte Jahrtausend nach Christus wurde ja eröffnet mit einem der revolutionären christlichen Friedensvision gewidmeten Jahrzehnt, doch dieses erstaunliche weltkirchliche Ereignis fiel – wie die UNO-Dekade für eine Kultur der Gewaltfreiheit (für alle Kinder dieser Welt) – in eine Zeit des erneut enthemmten militärischen Massenmordens.

Bei der Vorstellung der ‚von unten‘ entwickelten ökumenischen Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ am 6. Juni 2026 hat Konrad Raiser (ÖRK-Generalsekretär 1992-2003) beklagt, dass sowohl die EKD-Spitze als auch die friedensbewegten Christenkreise das Zeugnis der weltkirchlichen Ökumene weithin ausblenden. Wie sollten wir ohne Studium und Vermittlung der kirchlichen Beratungen des Erdkreises den Fängen des belasteten – und weithin freudlosen – deutschen Kirchentums entkommen? Wir greifen Raisers Impuls auf und nehmen – um einen Anfang anzugehen – das bedeutsame Dokument „Ein ökumenischer Aufruf zum gerechten Frieden“ (Ökumenischer Rat der Kirchen – Zentralausschuss, Genf/Schweiz, 16.-22. Februar 2011, vorgelegt nach Abschluss der Dekade) in die neue Sammlung auf (Umdenkschrift III, S. 249-266).

Die Kluft zwischen dem nationalen deutschen Kirchentum und der weltkirchlichen Ebene ist in mehrfacher Hinsicht ein „ökumenisches Problem“, denn es betrifft Protestanten und Katholiken in Deutschland gleichermaßen. Wie unter dem römischen Bischof Franziskus imponiert die römisch-katholische Weltkirche auch im Pontifikat von Leo XIV. mit kraftvollen Friedenskundgebungen, die inmitten eines düsteren Weltgeschehens helfen, die Spur der Hoffnung nicht zu verlieren (Umdenkschrift III, S. 359-364; 368-389). EKD wie Deutsche Bischofskonferenz (Umdenkschrift III, S. 61-64) sowie das nationale Militärkirchenwesen beider großen Konfessionen spiegeln indessen wenig vom Zeugnis der weltweiten Ökumene. Zumindest die evangelischen und katholischen Friedensarbeiter:innen haben aber längst erkannt, dass sie gerade in deutschen Landen nur als Geschwister Hand in Hand ihren Weg gehen können – im Rücken die übernationalen christlichen Kraftquellen des Erdkreises. – Angemerkt sei, dass wir natürlich ebenso eingeladen sind zu Studium und Vermittlung der wunderbaren Friedenszeugnisse aller Religionen.

 

  1. Das Wissen um die deutschen Kirchengeschichte fördern

 

Über Jahrzehnte habe ich den Eindruck gewinnen müssen, dass auch unter Theologinnen und Theologen die Kenntnisse über die kirchenamtliche Assistenz in zwei Weltkriegen äußerst bescheiden ausfallen (Umdenkschrift III, S. 144-149; 420-422). Dass die zahllosen Predigten und ‚Hirtenworte‘ zugunsten einer völkermörderischen Kriegsapparatur der eigenen Nation (Umdenkschrift III, S. 390-391) auch ein hochkarätiges theologisches, ‚dogmatisches Problem‘ darstellen (Lehre von der Kirche), das wird so gut wie nie erörtert. Ein hinreichendes Wissen um die diesbezügliche deutsche Kirchengeschichte in Kaiserreich und NS-Staat ist jedoch unerlässlich, wenn sich eine Sensibilität hinsichtlich der Gefahr staatskirchlicher Dienstleistungen für die dem Militär zugewiesene tödliche Gewaltausübung entwickeln soll. – Bei einem EKD-Kongress am 19. Juni 1984 hat Bischof Werner Krusche vorgetragen: „Die Ausblendung der besonderen Schuld gegenüber dem zur Vernichtung bestimmt gewesenen Sowjetvolk ist der verhängnisvollste und folgenschwerste Vorgang in der deutschen Nachkriegskirchengeschichte“ (Umdenkschrift III, S. 145). Da deutsche Militaristen einem neuerlichen ‚Ostfeldzug‘ das Wort reden, sollten die Kirchen hierzulande trotz des Angriffskrieges gegen die Ukraine daran erinnern, dass eine ‚Versöhnung mit Russland‘ als Zukunftsaufgabe niemals zu den Akten gelegt werden darf, auch wenn die Regierenden beim Thema „Staatsraison“ noch so hartnäckig zweierlei Maß anlegen.

 

  1. Auswege aus Kriegsprophetie und Militarismus eröffnen

 

„Kriegstüchtigkeit“, so führt der Soziologe Hartmut Rosa aus, „heißt, besser darin zu werden, Menschen umzubringen“. Der Begriff kann mit einigem Recht auch als ‚Nazi-Begriff‘ aufgefasst werden (Umdenkschrift III, S. 167) und lässt sich – zumal in kirchlichen Kontexten – nicht retten. Die Kriegsprophetie wird derweil mit großer Leidenschaft betrieben (sie scheint einigen Akteuren zu großer ‚Lebendigkeit‘ zu verhelfen, was in psychologischer Hinsicht nicht unbedeutsam ist). Die Strategen streiten darüber, ob der ‚letzte Friedenssommer‘ in dieses oder das nächste oder übernächste Jahr fällt. Das deutsche Militär soll zur „konventionell stärksten Armee Europas werden“, so der Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung vom 15. Mai 2026. Das Hochfahren der eigenen Rüstungs-Forschungs- und produktionskapazitäten ist freilich nur unter Einbeziehung neuer Märkte durchführbar (Rüstungsmessen werden zur Staatssache, letzte Restriktionen bei Waffenexporten müssen ‚zwangsläufig‘ fallen). Absehbar ist, dass ein riesiger Wirtschaftskomplex, der ‚Kriegsprofite‘ einfährt, seine gesellschaftliche Einflussnahme, die Demokratie und Frieden gleichermaßen bedroht, noch weiter steigern kann. Der Krieg kommt! Der sauerländische CDU-Politiker und Vorsitzende des Reservistenverbandes Patrick Sensburg trug unlängst vor: „Nach Berechnungen der Bundeswehr werden im Kriegsfall pro Tag 1000 Soldaten an der Front sterben oder so schwer verwundet sein, dass sie nicht mehr kämpfen können“ (Die Welt, 23.10.2025).

Spätestens an dieser Stelle wäre es Aufgabe der Kirchen, sich dem Automatismus hinein in den nächsten großen Krieg entgegenzustemmen: ‚Halt ein! Tausend zerfetzte Menschen pro Tag? Seid Ihr von Sinnen? Wir müssen alles Erdenkliche und Unerdenkliche angehen, um einen kommenden Krieg, den viele fast sehnsüchtig herbeireden, zu verhindern!‘ Doch das Gegenteil geschieht, wenn Kirche sich ‚geistlich‘ und willig einreiht in den großen „Operationsplan Deutschland“ (siehe Umdenkschrift III, S. 90-105).

Die kirchlich ausgerichtete Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) warnt vor einer „schleichenden Militarisierung der Gesellschaft“ (Umdenkschrift III, S. 354-356). Die kulturellen Folgen, die in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken (zwangsfinanziert auch durch Pazifisten) und auf ungezählten YouTube-Kanälen besichtigt werden können, lassen nichts Gutes erahnen. Allen Freiheitsparolen zum Trotze geht jede Militarisierung mit autoritären Entwicklungen einher. Auch die Kirchen müssen also Wege vorbereiten, die Individuen zu schützen. Gerade die kirchlichen Medienstellen können sich dafür entscheiden, den neuen Entwicklungen bzw. Produktionen militarismuskritisch entgegenzutreten und die eigenen Angebote unter dem Leitbild einer Kultur der Gewaltfreiheit auszugestalten.

Auf ein trauriges Beispiel für Veränderungen des ‚ästhetischen Geschmacks‘ auch im Raum des Protestantismus hat uns Gerhard Kern, Mitglied der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), aufmerksam gemacht. Die von ihm eingesandte Titelseite „Hessisches Pfarrblatt – Das Magazin für evangelische Pfarrer:innen“ (65. Jahrgang, Heft 4/2025) „zeigt einen Engel mit einem Maschinengewehr in der Hand. Das gleiche Bild ist noch einmal in der Mitte des Magazins in doppelter Größe zum Herausnehmen zu sehen. Ob sich die Pfarrer*innen der EKHN dieses Blatt über ihrem Schreibtisch aufhängen sollen oder wie auch immer die Verwendung vom Herausgeber gedacht ist? Die Beschriftung auf diesem Blatt lautet: ‚Und die Bösen werden von Engeln erschossen‘.“ (G. Kern) Das Magazin benötigt laut Auskunft der Redaktion keine „Zustimmung einer Kirchenpräsidentin oder eines Bischofs. Herausgebende sind die Pfarrvereine aus der EKKW und EKHN, die Redaktion ist frei“. Der künstlerische Urheber des kleinen ‚blonden Engels mit Hightech-Bewaffnung‘ und des Bildtitels „Und die Bösen werden von Engeln erschossen“ ist Christian Ristau, Flensburg (das Motiv ist auch auf seiner Website zugänglich). Selbstredend, sein Bildwerk kann – gerade im christlichen Raum – auch gut in einem sehr kritischen Kontext dargeboten und interpretiert werden (nicht nur beim militärischen Themenschwerpunkt). Das ist jedoch beim besagten Heft des ‚Hessischen Pfarrblatts‘ nicht der Fall (Inhalte u.a.: Bundeswehr, allgemeine Dienstpflicht; Transatlantische Sicherheitspolitik; Wehrdienst und neues Denken am Beispiel des Veteranentages). Was dürfen wir vom sehr ‚freiheitsliebenden‘ und ‚zeitge­mäßen Kulturprotestantismus‘ in deutschen Landen in Zukunft noch erwarten?

 

  1. Das Gespräch mit der Jugend suchen und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung schützen

 

Soweit wir es durch überregionalen Austausch in Erfahrung bringen konnten, hat es bei kirchenamtlichen Angeboten zur Bewerbung der neuen EKD-Denkschrift und auch bei Veranstaltungen der friedensbewegten Denkschrift-Kritiker bislang eine angemessene Repräsentanz junger Christenmenschen kaum gegeben. Der ‚Traditions- und Generationenabbruch‘ im Kirchengefüge ist sehr weit fortgeschritten. Glücklicherweise können wir im neuen Band eine beeindruckende Gemeinschaftsarbeit (Umdenkschrift III, S. 162-221) darbieten, verfasst vom Gymnasiasten und Kulturschaffenden Ismael Mizel https://overton-magazin.de/top-story/jugend-als-avantgarde-einer-pazifistischen-kulturrevolution/ und dem im achten Lebensjahrzehnt stehenden Theologen Friedrich Erich Dobberahn, die sich zuerst über das Musizieren kennengelernt haben. „Jugend als Avantgarde einer pazifistischen Kulturrevolution“? Was wäre mehr zu ersehnen als ein solches Frühlingsgeschehen! Einstweilen dürfen wir zumindest flächendeckend im ganzen Land Schüler- und Jugenddemonstrationen gegen eine neue Wehrpflicht erleben, während die nicht mehr jugendlichen Kirchenobrigkeiten eben einer Wiedereinführung des Zwangsdienstes – unter Einschluss des weiblichen Geschlechts – den Weg ebnen. Die jugendbewegte Literatur „gegen die Kriegstüchtigkeit“ wird zum Bestseller. Der Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes vom 10.-13. Mai 2026 verabschiedete jüngst mehrheitlich einen von der DGB-Jugend eingebrachten Antrag „Nein zur Wehrpflicht!“, der insgesamt eine antimilitaristische Tendenz aufweist: „Unser Handeln steht im Geiste der Friedensbewegung unter dem Motto ;Nie wieder Krieg!‘ […] Der DGB positioniert sich strikt gegen die Präsenz von Bundeswehr und Militär an Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen. […] Die Bundeswehr muss eine reine Verteidigungsarmee sein.“ (Der erfreuliche Gewerkschaftsaufruf zum kommenden Antikriegstag am 1. September zeugt ebenfalls vom erfolgreichen Lautwerden der jungen Generation).

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt kontinuierlich, wie Markus Decker referiert: „Waren es 2023 noch 1079, so wuchs sie im Jahr darauf bereits auf 2249, 2025 dann auf 3879 und im ersten Halbjahr 2026 schließlich auf 5862“ (Cellesche Zeitung, 20.07.2026). Daneben fällt die Statistik der Kriegsdienstverweigerer, die im Zuge der neuen Wehrertüchtigung ihre einstige ‚Gewissensentscheidung‘ – z.T. öffentlichkeitswirksam – widerrufen, sehr bescheiden aus.

Erwartet werden muss, dass sich die Kirchen für den Schutz des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung – ohne die Willkür sogenannter „Gewissensprüfungen“ – einsetzen und namentlich als Anwälte jener junger Ukrainer hervortreten, die ein verrohtes Bürgertum aus sicheren europäischen Ländern wider Willen zurückschicken will in die Ukraine, damit sie dort im Zuge einer brutalen, menschenrechtsverachtenden Zwangsrekrutierung – mit hoher Wahrscheinlichkeit – im Massensterben an der Front auf sinnlose Weise ihr Leben beenden.

 

  1. Über Soziale Verteidigung als Gegenmodell zum rüstungsbedingten Sozialabbau aufklären

 

Der Hebräischen Bibel gilt das Vertrauen in hochgerüstete Militärkomplexe gleichermaßen als Ausweis von Gottesferne, Wahn und Götzendienst. Hierzulande will man zum Ausbau der Kriegstüchtigkeit jetzt nicht mehr nur das ‚100 Milliarden-Sondervermögen‘ bereitstellen, sondern – nach Ermächtigung durch eine über Nacht durchgepeitschte Verfassungsänderung – in Billionen-Höhe Schuldengeld herbeizaubern, um eine nie dagewesene Hochrüstung ins Werk zu setzen (darunter Mammutaufträge zu Produktionen, die bei ihrer Fertigstellung schon wieder restlos veraltet sein werden). Die Mästung der Totmach- und Finanzindustrien geht – wie jetzt auch offen zugegeben wird – Hand in Hand mit einem Angriff auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens: Kinderförderung, Bildung, Gesundheitswesen, Wohl der Alten, nicht-militärrelevante Infrastrukturen … (Umdenkschrift III, S. 89; 150). Ohne Rücksicht auf derlei „Verluste“ werden, so Christoph Butterwegge, die „Rüstungsausgaben von knapp 52 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 152,8 Milliarden Euro im Jahr 2029 verdreifacht“.

Effektiver kann man der nationalistisch-völkischen Partei keine neuen Wähler zutreiben! – Gleichzeitig werden die öffentlichen Diskursräume regelrecht zugemüllt mit Inhalten der Militarisierung, so dass ein ernsthafter Austausch über Verbesserungen der Lebensbedingungen und des Zusammenlebens gar nicht mehr stattfindet. Die gesellschaftliche Widerstandskraft gegen Gewalt – nach innen und nach außen – wird also planmäßig geschwächt, während auch die irrationalen Hochrüstungen (im Kontext konfrontativer Politik) am Ende extreme Wehrlosigkeit produzieren und das Leben der Menschen auf Zukunft hin unsicherer machen. (Man muss schon in einer – materiell gut abgesicherten – Blase leben, um die Irrationalität einer solchen Politik und die von ihr produzierten Widersprüche nicht wahrzunehmen.)

Eine vernünftige Alternative zu diesem Aberwitz eröffnet allein ein ganzheitliches Konzept der Sozialen Verteidigung. In Italien https://www.difesacivilenonviolenta.org werden gegenwärtig Unterschriften gesammelt für den Weg intelligenter gewaltfreier Verteidigungs-Infrastrukturen. Kirchen des gerechten Friedens wissen, dass man Menschen nicht verteidigen kann, indem sie bis hin zum letzten Zögling auf einem ‚Altar der Freiheit‘ geopfert werden. Sie werden zuvorderst reden von der Hausordnung der Tora für eine Wirtschaft, die allen dient, und von der Grundeinsicht der Hebräischen Bibel, dass nur ein der Gerechtigkeit entsprechendes Sozialgefüge als Frucht den Frieden hervorbringen kann. Selbstredend: Wer vom Frieden sprechen will, darf von den Milliardären nicht schweigen.

 

  1. Am Eintritt des eigenen Landes in den Atomwaffenverbotsvertrag mitarbeiten

 

Viele Wortmeldungen zum Atomwaffenkomplex im Kontext des gegenwärtigen Evangelischen Diskurses über Krieg und Frieden sind schon in den ersten beiden ‚Umdenkschriften‘ zugänglich. Seit 1945 ist die Bekenntnisfrage – „Gott oder die Bombe“ – nicht verstummt; die skandalösen Aussagen der jüngsten EKD-Denkschrift zur Nuklearbewaffnung repräsentieren keine Mehrheitsposition im deutschen Protestantismus. Das Kirchenparlament der Bremischen Evangelischen Kirche hat in diesem Sommer z.B. die Regierung aufgerufen, dem – schon 2017 auch vom Vatikan unterzeichneten – UN-Abkommen zum weltweiten Verbot von Atomwaffen beizutreten (Umdenkschrift III, S. 357-358). Die Kirchenleitung wird sich noch wundern, wenn die Positionen bis hin zu den Kreissynoden transparent werden. Zum 30. Jahrestag des IGH-Gutachtens zur Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen fordert jetzt auch ein öffentlicher Appell Bundesregierung und Bundestag auf, der völkerrechtlich verpflichtenden Vorgabe zur vollständigen nuklearen Abrüstung zu entsprechen und den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) anzugehen; zu den Erstunterzeichnenden aus dem kirchlichen Spektrum gehören u.a.: Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (ehemaliger Landesbischof), Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF); der in der weltweiten Ökumene geschätzte Theologe Prof. Dr. Ulrich Duchrow; Dr. Margot Käßmann (ehemals Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende); Dr. Bruno Kern, Theologe; Landesbischof Friedrich Kramer (Friedensbeauftragter des Rates der EKD mit hohem Ansehen unter allen christlichen Pazifisten/innen); Prof. em. Dr. Gottfried Orth, Seminar für Evangelische Theologie an der TU Braunschweig; PD Dr. Stefan Silber, Theologe (Umdenkschrift III, S. 392-394).

 

  1. Die Folgen militärtechnologischer Revolutionen bedenken

 

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts können wir – sofern dies gewünscht ist – wissen, wie symbiotische Verflechtungen von Staat und Rüstungsindustrie oder die politische Lobbyarbeit milliardenschwerer Rüs­tungskomplexe die ‚Demokratie‘ (und den Frieden) bedrohen. Hartnäckig hält sich der Mythos, ‚Fortschritte‘ in den militärischen Fähigkeiten ließen sich für die eigene Seite reservieren und seien so ein taugliches Mittel, die eigene „Freiheit“ zu schützen. Doch die militärtechnologischen Revolutionen – durchweg vollzogen im Kontext von Beherrschungswissenschaften – werden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt totalitärer und sind schlechthin unvereinbar mit einem freiheitlichen Gefüge nach innen und bezogen auf die gesamte Weltgesellschaft. Entscheidungen bzw. Berechnungen zur Auswahl von Angriffszielen für die Mordwaffen werden längst von einer sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ vorgenommen. Autonome Waffensysteme sind keine Utopie mehr, sondern ein Faktum. Vornehmlich KI-Pioniere (Insider) vermitteln in diesen Zusammenhängen die erschreckendsten Szenarien von Unkontrollierbarkeit … Es ist eine Illusion, einzelne Ortskirchen könnten über theologische Lehrstühle oder Ethik-Professuren angemessen auf diese Entwicklungen antworten. Die Christenheit braucht im ökumenischen und übernationalen, weltkirchlichen Verbund die wissenschaftliche Fachexpertise bewährter Frauen und Männer, um hinsichtlich der explosiven militärtechnologischen Revolutionen die Rolle einer bestenfalls durch Halbwissen ausgewiesenen Zuschauerschaft überwinden zu können.

 

  1. Anwaltschaft für Migrantinnen und Flüchtlinge als Lackmustest

 

Im neuen Band dokumentieren wir zwei ‚Arbeitstexte‘ aus einem evangelischen Kreis, der am 30. Mai 2026 in Aldenhoven über Fragen der kirchlichen Solidarität mit Migrant:innen beraten hat (Umdenkschrift III, S. 106-124). Unbestritten gibt es nach wie vor ein nennenswertes diakonisches Engagement innerhalb des deutschen Kirchengefüges zugunsten von Migrantinnen und Flüchtlingen (womit u.a. eine hohe Fachexpertise verbunden ist bezogen auf die traurigen Defizite der sog. Integrationsarbeit in Deutschland, die regierungsamtlich offenkundig überhaupt unerwünscht ist). Gerade auch auf der Grundlage der Hebräischen Bibel, die das Menschenrecht von „Fremden“ schon seit Jahrtausenden beurkundet, müssen wir dieses Feld als unerlässlichen Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Friedensarbeit betrachten, zumal dann, wenn die Berufung auf eine ‚jüdisch-christliche Wertebasis‘ mehr sein soll als leeres Gerede: Während die ‚Kultur der Gleichgültigkeit‘ längst zementiert ist, gehen Elend und Massensterben an den Außengrenzen der EU unentwegt weiter – Woche für Woche nachzulesen auch in bürgerlichen Medien wie etwa der taz. Deutschlands ‚humanitäre Hilfen‘ für Regionen in Not werden zusammengestrichen. Die sogenannte internationale ‚Entwicklungszusammenarbeit‘ hat nicht nur nie das ehedem angestrebte Mindestniveau erreicht, sondern wird in der Gegenwart drastisch heruntergefahren. Werden EKD und katholische Bistümer bezogen auf alle diese Punkte ihren Einspruch – gelegen oder ungelegen – für alle vernehmlich im öffentlichen Raum zum Ausdruck bringen – oder sollen die ‚Protestnoten‘ weiter wie gehabt an spezielle ‚Referenten‘ delegiert werden, die die Kirche(n) hier kaum wirkungsvoll repräsentieren können?

 

  1. Unseren palästinensischen Geschwistern und den Sachwaltern des überkommenen rabbinischen Judentums zuhören

 

In ihrem Aufruf „Nicht wieder schweigen“ (Umdenkschrift III, S. 365-366) vom 15. März 2026 schreiben Almuth Berger, Joachim Garstecki, Heiko Lietz, Ruth Misselwitz, Hans Misselwitz, Elisabeth Raiser, Konrad Raiser, Gudrun Rein, Gerhard Rein und Andreas Zumach: „Mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen stellen wir uns entschieden gegen jede Form von Rassismus, einschließlich Antisemitismus, anti-arabischem Rassismus und Islamfeindlichkeit. Aber angesichts des unerträglichen Leides, das den Menschen in Gaza zugefügt wird, und der eskalierenden Gewalt und Unterdrückung im Westjordanland und in Jerusalem rufen wir unsere Kirchen auf, sich klar, eindringlich und entschlossen für die Grundsätze der Gerechtigkeit im Einklang mit internationalem Recht und internationaler Ethik auszusprechen.“ Unsere palästinensischen Geschwistern sehen sich durch weite Teile des westlichen Kirchentums auf geradezu rassistische Weise missachtet (Kairos-Palästina-Dokument II). Dass Christenmenschen aus diesem Raum ihnen wirklich zuhören, das ist noch immer die Ausnahme. Das Schweigen zu den zehntausenden Toten auf palästinensischer Seite – und auch zur seelischen Beschädigung der zumeist jungen Angehörigen der israelischen Besatzungsarmee durch die von Rechtsextremisten ausgeübte Staatsmacht – stinkt förmlich zum Himmel.

Das rabbinische Judentum hat in zwei Jahrtausenden eine beeindruckende friedenstheologische Linie entwickelt, wie z.B. die Schalom-Bibliothek im Lesebuch „Sei von den Schülern Aarons“ (2026) aufzeigt. In dieser Tradition stehen heute rabbinische Friedens- und Menschenrechtsstimmen in Israel, Nordamerika und vielen anderen Ländern, die endlich auch hierzulande wahrgenommen und vermittelt werden sollten.

Dem ganzen Ausmaß der Kriegsleiden auf dem Erdkreis können wir schon auf dem Feld der Aufmerksamkeit nie gerecht werden. Von den Kirchen ist jedoch zu erwarten, dass sie bei vielen Menschen ein Bewusstsein fördern hinsichtlich der Tatsache, dass die vorherrschenden Mediendiskurse und -bilder nur einen einseitigen Ausschnitt der Welt zeigen. Zudem sind die Schauplätze des Massensterbens aufgrund unterlassener Hilfeleistung der sich als ‚entwickelt‘ dünkenden Länder als Schauplätze eines Krieges gegen die Elenden der Erde zu benennen. – Seit den 1990er Jahren gab es auf internationale Ebene Beratungen mit dem Ziel, für die Prävention von Genozid geeignete Infrastrukturen aufzubauen und die dafür nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Während die Kriegsapparatur inzwischen zu einer nie dagewesenen Höchstform angeschwollen ist, geschah in dieser Sache am Ende rein gar nichts. Ein glaubwürdiger kirchlicher Diskurs über die ‚Pflicht zum Schutz vor Gewalt‘ hat hier anzusetzen.

 

  1. Die Erderhitzung vor dem Hintergrund weltweiter Hochrüstung als Ernstfall der Zivilisation erkennen

 

Eine ganze Schülergeneration, die ab 2019 beeindruckende Massenproteste angesichts der ökologischen Krise und der Untätigkeit der Regierenden zuwege bringen konnte, wurde in die Resignation getrieben. Die Erderhitzung ist der ‚Elefant, der im Raum steht‘ – und weithin zeigt sich das Publikum zufrieden darüber, dass keiner von ihm spricht. Eine ‚Seelsorge‘, die sich nicht als Wohlfühl-Dienstleistung eines zum reinen Kulturhappening gewandelten Christentums versteht, wird sich hier zwingend damit beschäftigen müssen, woraus hinsichtlich des Ernstfalls der Zivilisation Realitätsverweigerung und Verdrängung in weiten Teilen der bürgerlichen Gesellschaft resultieren (und welche Hilfen hier angeboten werden können). Jeder Verstandesbegabte vermag einzusehen: Die ökologischen Katastrophen sind nicht zu verhindern oder abzumildern, wenn der jetzt in Billionen-Schritten ansteigende Welt-Rüstungs-Etat alle Mittel aufsaugt, die Militärkomplexe die ökologischen Verwerfungen ins Uferlose treiben (u.a. Ausstoß von Treibhausgasen in Produktion, Infrastruktur, Training & Kriegseinsätzen) und gleichzeitig – in der Logik einer ultimativ aggressiven Ökonomie – die Militarisierung des ganzen Erdkreises die Weltgesellschaft auf Konfrontation (statt auf überlebenswichtige Zusammenarbeit) programmiert. Auch dank kirchlicher Denkräume und weit vorausschauender Christen wie Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) gab es schon vor Jahrzehnten die – eigentlich seit Hiroshima nicht mehr zu umgehende – Einsicht: „Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit“ (Umdenkschrift III, S. 107). Eine andere Überschrift kann es für bedeutsame Denkschriften – von weltkirchlichem, nicht nationalkirchlichem Format – heute nicht mehr geben.

 

  1. Schlussbemerkung: Der nationalistisch-völkische Block als ‚Friedenspartei‘?

 

Viele Menschen sind durch die antipazifistische Wende im Land verunsichert. Die nationalistisch-völkische ‚Alternative für Deutschland‘ (AfD), der nichts ferner liegt als Abrüstung und ungeteiltes Menschenrecht, profitiert davon. Sie präsentiert sich dieser Tage allen Ernstes als Friedensbringer, was ihre Vorläufer 1933 auch schon taten. Es ist höchste Zeit für die antifaschistische Friedenswende.

 

Die neue Sammlung ǀ Umdenkschrift III zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden. Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische Friedensstimmen. – Dritte Sammlung. Herausgegeben von Peter Bürger, im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie (= edition pace Bd. 47). Hamburg: BoD 2026. [ISBN 978-3-6957-8405-9; Paperback; 436 Seiten; Ladenpreis 16,99 Euro]

Alle Angaben (Digitalversionen, Buchfassungen) zum Ersten Band und zur Zweiten Sammlung der Umdenkschriften sind im Netz zu finden.

Peter Bürger

Peter Bürger (Jg. 1961), ist seit dem 18. Lebensjahr organisierter „Lumpenpazifist“ und versteht sich als christlicher Sozialist. Abgeschlossenes Hochschulstudium der katholischen Theologie (jedoch nie in bezahlten Kirchendiensten) und später Krankenpflege-Examen (1992). Nach psycho-sozialen Berufsjahren seit 2003 freier Publizist. Schwerpunkte seiner Forschungen/Veröffentlichungen: Westfälische Regionalgeschichte, Niederdeutsche Literatur (Rottendorf-Preis 2016), Krieg & Massenkultur (Bertha-von-Suttner-Preis 2006), Kriegsassistenz der staatlich subventionierten deutschen Großkirchen in Geschichte & Gegenwart, Friedenstheologie und Pazifismus, Imago der Einen Menschheit. – Leitbild für die eigene Schreibwerkstatt: Wer Quellen liest wird klüger; Mut zum Minderheitsvotum; keine Prostitutions-Dienstleistungen für den Medienapparat der Reichen und die militärische Heilslehre.
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7 Kommentare

  1. Die Bergpredigt ist jetzt etwa
    2000 Jahre alt. Wieviele Kriege hat sie seitdem verhindern helfen? Wieviele Waffen wurde durch sie weniger gebaut?

    Ich habe absolut nichts gegen Glauben oder Religiosität. Aber mit solchen rein moralisch-ethischen Ansätzen lässt man den Kriegstreibern im eigenen Land und ihren Hintermännern freie Hand.

  2. Diese Heuchler
    So lange es Religionen, Kapitalismus. die herrschende Klasse, Kirchen und Paläste gibt, wird es auch immer Krieg geben!

  3. „Impfen ist Nächstenliebe“, so haben sie es verkündet, und damit nichts anderes als theologischen Suizid begangen.

    Geh bloss weg mit Christentum. Ist erledigt. Forever!

    1. Ersatzweise geht aber Allah oder der, dessen Namen man nicht nennen darf oder die Borussia Dortmund Kirche. Wer ohne Religion ist, der werfe den ersten Stein.

    2. @Eremit Bei der Beurteilung sollte und muss man schon differenzieren zwischen den Menschen, die Jesus Christus mit seiner Botschaft (Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Vergebung) ernstnehmen und der ⛪🕍 Institution Kirche. Es gibt zweifelsohne auch viele Scheinheilige, die einmal im Jahr am 24.12. in die Kirche gehen und dann auf den Obdachlosen spucken, der vor der Kirche sitzt.

      Die Menschen, die Jesus Christus mit seiner Botschaft ernstnehmen werden zweifelsohne immer weniger. Vielleicht fangen viele Menschen wieder damit an, wenn es im nächsten Weltkrieg wieder ordentlich kracht und knallt. Wenn die Menschen in der 💩 sitzen, dann fangen sie wieder an zu beten, obwohl es besser wäre, den Krieg und diese Kacke zu verhindern.

  4. Zweifellos kann man ohne die Bergpredigt Politik machen. CDU/CSU machen seit Jahrzehnten Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung und für die oberen 10 Prozent der Bevölkerung, für die Reichen und vor allem für die „Superreichen“ und nennen das „christlich“ oder wofür steht das „C“?

    Steht im Buch der Bücher aka Bibel etwa (Markus 10,25)❓“Und Jesus sprach: Mach die Reichen und vor allem die Superreichen immer reicher und spare bei den Bürgergeldempfängern, den Arbeitslosen, Menschen mit Behinderungen, den Drogenabhängigen, den Geringverdienern, der Mittelschicht, den Flüchtlingen, den Armutsrentnern und den Obdachlosen, dann kommt auch ein Kamel in das Himmelreich und der große Friederich kann sich noch ein drittes Privatflugzeug leisten.“

    Man kann sogar Krieg führen und mit der Bibel in der einen Hand und einem Säbel oder einem Gewehr/Revolver in der anderen Hand ungläubige Ureinwohner aka „Indianer“ aka „Wilde“ ausrotten. Fragen Sie mal die Nachfahren von

    ● General Patrick Edward Connor,
    ● Colonel John M. Chivington,
    ● Lieutenant Colonel George Armstrong Custer,
    ● Lieutenant General Philip Sheridan,
    ● Colonel James W. Forsyth,
    ● Major General Oliver O. Howard

    und anderen US-Amerikanern. Die wissen, wie das geht und kennen sich damit bestens aus, können sich aber meistens nicht daran erinnern.

    Aber mit dem „erinnern“ haben auch viele Deutsche ein Problem, wenn es um den Niedergang der demokratischen Weimarer Republik und das Dritte Reich aka „Vogelschiss in 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ (Alexander Gauland, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der AfD) geht. 🐦💩 Die Witwe des Richters und Präsidenten des NS-Volksgerichtshofes Roland Freisler, Marion Russegger, wollte sich 1945 sogar nicht mehr an den Nachnamen ihres Ehegatten, der durch eine Fliegerbombe getötet wurde, erinnern. Aber die „Witwenrente“ hat sie auf Kosten der Allgemeinheit jahrzehntelang bis zu ihrem Tod 1997 vom bayerischen Freistaat schon kassiert.

    Kienzle: Noch Fragen Hauser?
    Hauser: Nein Kienzle, wo sie Recht haben, da haben Sie Recht.

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