
Die Linkspartei ist zur Landtagswahl in Baden-Württemberg mit einer Liste angetreten, auf der von den ersten zehn Kandidat:innen nur zwei älter sind als 30 Jahre. Die drei Spitzenkandidat:innen gehören nicht dazu.
Da entsteht die Frage: Was waren die Gedanken, die maßgeblich waren für eine solche Zusammensetzung der Kandidatenliste?
War es der Gedanke: „Wir sind so stolz, dass in BaWü die Hälfte der Mitglieder 30 Jahre alt oder jünger ist, dass wir fast ausnahmslos junge Kandidaten aus dieser Altersgruppe präsentieren wollen”?
Wie schätzen diejenigen, die über die Kandidatenliste entschieden haben, die Erwartung von Wählern ein?
Ein großer Teil der Wähler spricht bei ihrer Wahlentscheidung eher auf „gestandene” Personen an, die durch längeres Engagement (z. B. in der Gewerkschaft, in sozialen Bewegungen u. ä.) schon eine gewisse Bekanntheit in der Öffentlichkeit erlangt haben.
Ein großer Teil der Wähler sagt: Wir bevorzugen Kandidaten, die eine gewisse Lebenserfahrung aufweisen und im Leben schon mehr geleistet haben, als dies einer Person in einem Lebensalter zwischen 20 und 30 möglich ist. (Gerade bei Schwaben ist der Begriff „schaffig” in besonders hohem Maße emotional positiv besetzt.)
Warum spielen diese Erwartungen anscheinend bei der Zusammensetzung der Liste keinerlei Rolle?
Niemand muss die Erwartungen von Wählern unkritisch bedienen. Aber eine Partei, die bei der Wahl Stimmen gewinnen will, wird nicht umhinkönnen, in ihrem Auftreten im Wahlkampf auf Erwartungen einzugehen.
Wollte die Linkspartei in BaWü als Twen-Partei wahrgenommen werden, die hauptsächlich die postadoleszente Altersgruppe anspricht?
Bei einer Wahl in einer Stadt mit einem großen Anteil von studentischen Einwohnern mag dies erfolgversprechend sein. Um eine solche Wahl ging es aber nicht in Baden-Württemberg.
In der Diskussion mit Anhängern der Linkspartei war zu hören: „Es ist doch klar, dass eine Partei, die einen großen Anteil junger Mitglieder aufweist, mit jungen Kandidaten an den Start geht.” Und: „Wurde denn in der Vergangenheit thematisiert, dass es viele ältere Kandidaten gibt?!”
Solche Einlassungen verschieben erstens das Thema: Problematisiert wurde nicht, dass es auch junge Kandidaten gibt, sondern dass kaum Kandidaten auf den ersten zehn Listenplätzen über 30 Jahre alt sind.
Zweitens geht es bei einer Kandidatenliste für eine Landtagswahl nicht in erster Linie um den (identitätspolitischen) Zweck, dass die Mitglieder sich in den Kandidaten wiederfinden und mit ihnen identifizieren können. Angesprochen wird mit einer Kandidatenliste eine andere Gruppe: Die Wählerschaft.
Drittens zeigen diese Argumente die Fixierung auf einen Gesichtspunkt – den Wert junger Mitglieder bzw. Kandidaten – und dessen Verabsolutierung. Damit lässt sich jede Idee ad absurdum führen.
Ein aus Schwaben stammender Denker stellt zu dieser Vorgehensweise fest, dass „jeder Einfall sogleich zu etwas Allgemeinem gemacht, zum Götzen des Tages ausgebildet und die Aufstellung desselben zur Scharlatanerie getrieben wird, so dass er auch ebenso schnell vergessen wird und die Frucht verlorengeht, die er tragen würde, wenn er in seine Grenze eingeschränkt worden wäre. Dadurch würde er in seinem Maße anerkannt und soviel geschätzt und gebraucht, als ihm gehört, dahingegen er auf die andere Weise mit seiner ungebührlichen Aufblähung zugleich ganz zusammengeschrumpft und, wie gesagt, vergessen wird.”(Hegel)
Wenn eine Partei immerhin bei der Kandidatenliste zu einer Landtagswahl so vorgeht, so wird es sich kaum um ein zufälliges Versehen handelt. Insofern entsteht die Frage: Was sind die Voraussetzungen dafür, dass ein partikularer Gesichtspunkt (die eigene Genugtuung ob der vielen jungen Parteimitglieder) verabsolutiert, an der falschen Stelle geltend gemacht wird und auf diese Weise zur fixen Idee missrät? Auf was wird sich eine solche Partei demnächst kaprizieren? Was wird die nächste Verstiegenheit sein?
Was lässt sich aus der Linkspartei zur Zusammensetzung der Kandidatenliste hören?
Sabine Skubsch schrieb in ihrem Artikel „Vor den Wahlen in Baden-Württemberg” auf der Netzseite der Zeitschrift „Luxemburg”: „Die Landesliste zeigt aber auch Schwächen: Auf den ersten sieben Listenplätzen steht die Mehrzahl derzeit in einem Arbeitsverhältnis bei einem Bundestagsabgeordneten. Und es fehlen Gewerkschafter:innen.”
Wie verarbeitet die Linkspartei das bescheidene Wahlergebnis (4,4 %)?
Am 9.3. hieß es in einer Analyse „Einzug verfehlt und trotzdem gewonnen”: „Ich werde jetzt nicht bei dem besten Wahlergebnis, das wir jemals in Baden-Württemberg hatten, darüber nachdenken, den Kurs zu ändern. Das wäre ja verrückt”, sagte Parteichefin Ines Schwerdtner am Montag nach der Wahl (zit. n. Wolfgang Hübner: Linke im Ländle. Neues Deutschland 15.3. 2026).
Das klingt bei einem Wachstum der Wählerstimmen von 0,8% mehr nach Durchhalteparolen als nach einer reflektierten Auswertung.
Dass die Linkspartei bei den Wähler:innen 60plus auf 2 Prozent Zustimmung kam, scheint ihren Führungsfiguren nicht zu denken zu geben.
PS: „Jugend voran” war ein beliebter Slogan in den Liedern der DDR-Staatsjugend.
Auf der Kandidatenliste der Linkspartei zur Wahl in Rheinland-Pfalz dominiert nicht die Altersgruppe zwischen 20 und 30. Dafür tappt die Linkspartei nun in ein anderes Extrem: Unter den ersten 10 Kandidaten befinden sich zwei Männer. Von den zehn Kandidat:innen sind vier in Ausbildung, Schule oder Studium und bei weiteren zwei steht keine Berufsbezeichnung.


Na ja, die Linkspartei hat ihre Schuldigkeit getan – jetzt kann die Linkspartei medial abgeschrieben werden 😉
Sorry, aber für wie dämlich halten uns WählerInnen die PolitikerInnen und Journalisten?
Ist doch oberverdächtig, dass die Linkspartei gebraucht wurde um den Einzug der BSW in den Bundestag zu verhindern, und jetzt, auf einmal, fängt die Kritik an der Linkspartei an.
Ich habe übrigens kein Mitleid mit der Linkspartei, aber finde es dennoch oberverdächtig wie jetzt aus allen Rohren auf die Linkspartei eingeschossen wird – die muss eben jetzt „systemkonform“ werden DIE LINKE 😉
Übrigens ist bezeichnend wie jetzt mit einer rechten Kampagne auf die Linkspartei eingeschossen wird – die „Junge Welt“ berichtet die ganze letzte Woche darüber……
Wie schon gesagt mein Mitleid mit der Linkspartei hält sich – ob deren Umgang mit der BSW – in Grenzen, aber ich sehe auch, dass hier nun versucht wird die Linkspartei als Alternative zu den anderen Parteien im Bund zu diskreditieren bzw. diese „auf Linie zu brigen“…. 🙁
„[….]«Schliessen Sie die US-Militärbasis in Ramstein!»
Red. / 20.03.2026 Deutschland soll das Völkerrecht respektieren. Dazu gehört auch das Einziehen russischer Vermögen in Deutschland, sagt «Die Linke».
upg. Grosse Medien schreiben einiges über «Die Linke». Aber im Originalton kann man deren Sichtweise selten lesen. Deshalb dokumentieren wir im Folgenden die Rede der Vorsitzenden der Fraktion «Die Linke» vom 18. März 2026 im deutschen Bundestag. Heide Reichinnek reagiert darin auf die Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Zwischentitel von der Redaktion.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Über Jahrzehnte musste die iranische Bevölkerung unter einem grausamen Regime leiden. Die mutigen Demonstrationen Hunderttausender Iranerinnen wurden mit unfassbarer Brutalität niedergeschlagen. Überfüllte Gefängnisse, Hinrichtungen: Diese Gewalt ist unvorstellbar. Es ist daher nur zu verständlich, dass die Menschen zunächst auf den Strassen tanzten, nachdem der Mann, der das seit Jahrzehnten massgeblich verantwortet hat, endlich weg war.[…]“
Quelle und kompletter Text:
https://www.infosperber.ch/politik/welt/schliessen-sie-die-us-militaerbasis-in-ramstein/
Anmerkung:
Sogar der (neutralen) Schweiz fällt auf, dass die Linkspartei kaum zitiert wird…. 😉
Frau Reichinnek sagt übrigens nix anderes als Frau Wagenknecht (BSW) – nur ist Frau Reichinnek eben noch im Bundestag, und das stört den „alten Fritze Merz“ & Konsorten jewaltig….wie die Preußen so schön sagen sollen…. *grins*
Gruß
Bernie
Die Systemkonformität war letztlich in den letzten Jahren der Grund für die Spaltung und Gründung des BSW
Die Partei ist insgesamt immer mehr nach recht gerückt und letztlich ist man ja auch Steigbügelhalter für Merz geworden.
Das Schlimmste ist aber der Verrat an linken Grundwerten.
Die Linke ist ebenso wenig noch eine linke Partei, sondern nur eine weite Mogelpackung die dabei Hilfestellung leistet, Deutschland immer weiter nach rechts zu drängen! (noch etwas mehr und „Die Linke“ kann eine Koa mit AfD oder NPD machen)
@notabene
Seh ich teilweise ähnlich wie Sie.
Dennoch bleibe ich dabei jetzt muss eben auch Die Linke, wenn nicht aus dem Bundestag, so doch endgültig „auf Linie“ gebracht werden – aus Sicht der anderen neoliberalen Parteien im Bund.
Die „Linken“ haben eben „ihre Schuldigkeit getan“ – ob rechts oder nicht rechts ist egal die Linkspartei muss ebenso in der Versenkung verschwinden wie die BSW.
Bin sicher genauso sehen es die rechtsneoliberalen Parteien – inkl. der AfD – im Bundestag, und die grünen bzw. konservativen Schreiberlinge in sämtlichen Mainstreammedien Deutschlands auch.
Gruß
Bernie
Die Linke hatte viele neue Mitglieder aus der jüngeren Bevölkerung,
damit ist der hohe junge Anteil in Landeslisten erwartbar.
Eine bessere Figur in der Oppositionsrolle zu machen als die AFD ist leicht und verspricht Zuwachs.
Fehlt noch der Einzug in mehr Parlamente.
Wirklich interessanter Artikel, aber: „Kandidat:innen“, „Spitzenkandidat:innen“ etc.
Och nö, das muss wirklich nicht sein!
@jemp1965
Ist mir gar nicht aufgefallen? Habe da wohl was überlesen *grins*
Gruß
Bernie
„PS: „Jugend voran” war ein beliebter Slogan in den Liedern der DDR-Staatsjugend.“
Mensch Meinhard, alter DDR-Fresser. Da fällt dir assoziativ nix besseres ein.
Viel naheliegender ist doch: „Jugend wird von Jugend geführt!“
Und: „Deutsche Jugend voran.“
Ein Revi wie Creydt aber ist auf dem rechten Auge blöd.
Meinhard, wo ist der Deinhard???
Könnt ihr bitte mal dieses grenzdebile Gendern unterlassen ?
Der Autor hat keine Ahnung von Wahlen. Wenn’s hochkommt, kennen durchschnittliche Wähler noch den Spitzenkandidaten ihrer Partei, aber was danach kommt ist völlig egal. Dahinter könnten die Parteien auch Stehlampen, Müllschippen oder Unterwäschekommoden als Kandidaten aufstellen und die würden es nicht merken und wenn doch, interessiert es sie nicht.
Nicht daß es besonders von Interesse wäre was diese pseudolinke Rechtsalternative treibt, der ja ähnlich wie beim Vormodell (gemeint ist die SPD) der Verrat ins Konzept geschrieben ist.
Als sie mal ein paar Prozente erringen konnten und auch in Landtagen mit an der sog. Regierung waren, konnten sie, wie die übrigen Politschergen, ihre Zuverlässigkeit gegenüber dem Geldadel endlich unter Beweis stellen.
Ja und was soll man sagen, so ging es und geht es munter weiter, sei es der 2020 eingeleitete totalitäre Umbau oder die damit einhergehende Militarisierung der Gesellschaft. Aber hoffentlich wird dabei gegendert.
Was meinst du Meinhard? Schön wie ihr Pseudos (also ihr und die Anscheinalternative) euch hier von zwei Seiten die Bälle zuspielt:
Krampfiger Nonkonformismus
Über den Drang, an der Corona-Politik unbedingt etwas aussetzen zu müssen.
Meinhard Creydt 01.01.2021
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1146456.corona-krampfiger-nonkonformismus.html
Mit deinen Auslassungen auf deiner eigenen Seite übertriffst du das noch. Aber nach weiterem Brechmittel soll jeder selbst schauen.
Hier, hefte dir das an die Wand und rechne noch weitere Jahre hinzu:
Übersterblichkeit: Zu viele Menschen sterben und keinen interessiert es
24. August 2023 Andreas von Westphalen
In den letzten beiden Jahren ist eine ausgeprägte Übersterblichkeit festzustellen. Erstaunlicherweise sind die Zehntausende Menschen, die mehr gestorben sind, als erwartet wurde, kaum ein Thema in Medien und Politik.
https://www.telepolis.de/article/Uebersterblichkeit-Zu-viele-Menschen-sterben-und-keinen-interessiert-es-9278832.html?seite=all
Ich unterstütze diese Entscheidung der Linkspartei vorbehaltlos.
Da ist aber trotzdem noch viel Luft nach unten drin.
Nur Mut und weiter so.