Jenseits von Eden

Bild: Marco Verch/ccnull.de/CC BY-2.0

 

Die gegenwärtige Misere der Friedensbewegung ist in einer ganzen Reihe von klugen Texten mit akademischer Präzision seziert worden. [1] „Wenn meine Mitarbeiter mit einem Problem zu mir gekommen sind, habe ich sie gefragt: Habt ihr auch eine Lösung?“,  hat mir kürzlich jemand erzählt. Im technischen Bereich erkennt man schnell, ob es sich tatsächlich um eine Lösung handelt oder um Geschwätz. Sonst ist das nicht so einfach. Wer sich immer in den gleichen Dunstkreisen bewegt, kann das oft nicht mehr voneinander unterscheiden. So wird das nichts. Da ist nur heiße Luft, da ist kein Dampf, da entsteht kein Druck.

Wenn unsere Argumente und Diskussionen so gesichtslos und blutleer geworden sind, dass sie nicht mehr von den Artefakten einer künstlichen Intelligenz zu unterscheiden sind, „dann haben wir umsonst gelebt“ [2]. Text und Titel dieses alten Schlagers treffen es genau: Wir sind „jenseits von Eden“, ob mit oder ohne Geld. Die innere Leere wird mit stumpfen Parolen gefüllt – als hätten Schuldzuweisungen jemals Streit und Krieg beendet. Wenn wir nur noch über Gebiete und Geopolitik reden, kann es keinen Frieden geben. Wenn Menschlichkeit und Mitleid nur noch als peinliche Betriebsstörung wahrgenommen wird, dann haben wir aufgehört Menschen zu sein. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir das kalte Kalkül der herrschenden Klasse vergessen und uns auf uns selbst besinnen, auf uns Menschen, auf die gepeinigten Kreaturen, die unter dem Krieg leiden. Denn um die geht es. Nur um die!

Wir müssen wieder raus ins Leben. Nur das Leben kann uns den Weg zum Frieden zeigen. Letzte Woche habe ich Andreas E., einen Obdachlosen, über den ich schon berichtet habe [3] in die Notaufnahme begleitet. Seine Beine waren brandig bis zu den Knien und stanken entsetzlich. In der Nacht zuvor hatte er versucht, sich mit einer Überdosis das Leben zu nehmen. Apathisch saß er der hagere 2-Meter-Mann in einem Stuhl. Mit seiner dunklen Kapuze sah er aus wie ein Christus, von El Greco gemalt. Die Ärztin war zunächst barsch, verhörte ihn im Ton eines Feldwebels. Da sagte ich zu ihr: „Mein Vater war mal in einer ähnlichen Lage, damals, in der Gefangenschaft. Eine russische Ärztin kam an sein Bett und sagte zu ihrem Kollegen: „Wenn ich Penizillin hätte, könnte ich ihn retten.“ Sie hat ihn gerettet, nicht mit Penizillin, aber mit ihrer Empathie. 91 Jahre ist er geworden“, stieß ich am Ende hervor; Tränen waren mir aus den Augen geschossen. „Ja, die Empathie ist uns verloren gegangen“, antwortete die Ärztin und war dann sehr freundlich, hat mir geholfen die beiden Koffer von Andreas E. aus dem Behandlungszimmer zu tragen. Jetzt ist er auf Station. Man kann nur beten, dass er seine Beine behält. In jedem Fall wird uns das Gebet verbinden, ein Gedanke der uns fremd geworden ist.

Vor kurzem besuchte uns Amin, ein guter Freund unseres Sohnes Alex. Amin hat iranische Wurzeln. Im Laufe der Jahre ist er auch unser Freund geworden. Er hatte das „Elixier der Liebe“ [4] mitgebracht, ein Buch über „die mystische Welt des Radschab Ali“, der im letzten Jahrhundert im Iran bescheiden als Schneider gelebt hat und dort als weiser Mann verehrt wird. „Ich weiß, dass du dieses Buch lesen wirst“, sagte mir Amin, „und würde gerne deine Meinung darüber hören.“ Was ich jetzt schon sagen kann: Es enthält mehr von der Botschaft Jesu als die jüngsten Sophistereien der evangelischen Kirche zum Thema Frieden. [5]

Was ist die Lösung? Machen wir uns nichts vor. Die Karawane zieht ohne uns weiter. Etwas anderes lässt die Selbstverliebtheit aller politischen Akteure nicht zu. Das ist offenbar eine Krankheit, die jeden befällt, der nur ein bisschen in der Öffentlichkeit steht, so wie wenn man in der Sonne braun wird. Auch die Matadore der Friedensbewegung gehören da mit dazu. In so einer Umgebung wird jedes Wachstum von unten, jegliche Art von Graswurzelbewegung im Keim erstickt.

Was bleibt uns? Wir müssen uns aus diesem kranken Koordinatensystem befreien, das durch die digitale Welt der Smartphones und Computer aufgespannt wird. Wenn wir uns stattdessen wieder ganz unseren Mitmenschen zuwenden, wird in jedem von uns ein neues, revolutionäres Bewusstsein geweckt werden, das die trüben, todbringenden Ausdünstungen der Eliten hinwegfegen kann wie ein reinigendes Gewitter. Bei Systemen, die in vielen Bereichen hart an der Stabilitätsgrenze laufen, so wie das unsere derzeit, ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Die Regierungen der EU und der USA agieren im Moment wie Artisten, die auf zehn Fingerkuppen gleichzeitig lange Stäbe balancieren. Da kann schon eine kleine unvorhergesehene Störung die Vorführung mit Spott und Schande beenden.

Leider wird bei jedem Zusammenbruch eine neue Klasse von Narzissten geboren und das Spiel beginnt wieder von vorn. Wenn der Mensch sich aus diesem Teufelskreis befreien könnte, dann wäre das wirklich das Sahnehäubchen, der Eintritt in eine neue friedliche Welt. Jeder kann dazu beitragen, jeder von uns kann der Schmetterling sein, der nach der Chaostheorie mit seinem Flügelschlag den alles hinwegfegenden Tornado auslösen kann.

 

Quellen:

[1] Schoepe, Bernd (31.1.2026) Wie Verengung zur Verdunklung führt – und eine Friedensbewegung schwächt. https://overton-magazin.de/top-story/wie-verengung-zu-verdunkelung-fuehrt-und-eine-friedensbewegung-schwaecht/

[2] Horn-Bernges, Joachim (Text) und Drafi Deutscher (Musik) (1984) Jenseits von Eden. Gesungen von Nino de Angelo. https://www.youtube.com/watch?v=zsMQdQNlwfk

[3] Nold, Stefan (2.1.2026) Obdachlos. Was nun?  https://overton-magazin.de/top-story/obdachlos-was-nun/

https://globalbridge.ch/obdachlos-was-nun/

https://www.manova.news/artikel/wohnungslos-aber-nicht-rechtlos

[4] Rayschahiri, Ayatullah Muhammad (2018) Elixier der Liebe. Die mystische Welt des Radschab Ali.2. Auflage. Eslamica Verlag: Bremen

[5] Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.) (2025) Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik im Angesicht neuer Herausforderungen. 2 Auflage. Evangelische Verlagsanstalt: Leipzig. https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf

Stefan Nold

Dr. Stefan Nold, Jahrgang 1959, 1x Ehemann, 3x Vater, 5x Großvater, studierte Elektrotechnik an der TH Darmstadt und promovierte dort über wissensbasierte Fehlerdiagnose. Er arbeitete zuerst einige Jahre als Entwicklungsingenieur bei KSB Pumpen in Frankenthal und gründete 1990 das Ingenieurbüro SOFT CONTROL in Darmstadt (Schwerpunkt: industrielle Bildverarbeitung), wo er bis heute tätig ist. Parallel war er Aktivist und Mitbegründer erfolgreicher lokaler Bürgerinitiativen (Bürgerinitiative BI ONO gegen die Nordostumgehung, “Mucken fürs Mühlchen” zum Erhalt eines Naturbadesees). Seit 2012 schreibt er Essays zu gesellschaftlich relevanten Themen (Humane Wirtschaft, Zeitgeschehen im Focus, overton, globalbridge, manova, u.a.)

Bücher: 2012: Beerdigung, Reifenwechsel, Hochzeit (2012) Justus von Liebig Verlag, Darmstadt. 2024: Kein Frieden – keine Zukunft. Schlagt Brücken und Versteht eure Feinde. Open Source. Download unter: https://overton-magazin.de/wp-content/uploads/2024/07/Nold-KeinFriedenKeineZukunft-24720sN.pdf
Mehr Beiträge von Stefan Nold →

Ähnliche Beiträge:

24 Kommentare

  1. “ Frieden“ wird es erst geben, wenn die herrschende Klasse samt allen kapitalistischen Strukturen beseitigt ist!
    Wir müssen den Krieg in die Villen der Elite tragen, sonst wird das nichts, denn die wollen UNS jetzt loswerden!

  2. Befreit euch vom Altersstarrsinn und antiquierten Vorstellungen. Lasst ab von euren Hirngespinnsten und nehmt die Realität wahr. Dann könnt ihr auch was für den Frieden tun.

  3. # Stefan Nold

    Liest sich gut, fast wie die Geschichte vom guten Samariter; jedoch bleibt alles irgendwie nebulös. Die Macht im Staate hat, wer seine Ziele durchsetzen kann. So einfach ist das.
    Eine nur gute Seele geht unter in der Gesellschaft (mitunter durch Alkohol und Drogen) oder wird ausgenutzt. Beispiele aus der Geschichte gibt es genug.
    Worum es gehen muss, Herr Nold, ist, die Kapitaleigner zu entmachten und das System auf wirklich demokratische Beine stellen!
    All das, was sich in den letzten Jahren abgespielt bzw. entwickelt wurde muss den Herrschenden wieder in ihre Mäuler zurueckgesteckt werden.
    Mit frommen Wuenschen wird das jedenfalls nicht zum Ziel führen!

  4. „Leider wird bei jedem Zusammenbruch eine neue Klasse von Narzissten geboren und das Spiel beginnt wieder von vorn.“ – das ist eines der Kernprobleme des gedeihlichen Zusammenlebens. Es begünstigt die (kapitalistische) Gier, Rücksichtslosigkeit und Gewalttätigkeit. Nach einem Zusammenbruch wäre die absolut wichtigste Aufgabe, den krankhaften und krankmachenden Narzissmus gesellschaftlich zu ächten, ähnlich kompromisslos wie etwa Sexualverbrechen. Dann hätten wir ein reelle Chance auf Besserung. Aber der Zusammenbruch müsste zwingend kommen, sonst bewegte sich da überhaupt nichts – leider.

    1. Genau das ist das Problem. Nach jedem Zusammenbruch und heftigem Desaster, geht es nach ein paar
      Jahren Ruhe, wieder los. Erst wenn es keine Menschen auf diesem Planeten mehr gibt wird Frieden
      herrschen! Dann wird es einige tausend Jahre dauern, bis eine andere Spezies wieder genug Hirnmasse
      zusammengekratzt hat, um wieder Waffen zu bauen und zu Nutzen.

    2. „Nach einem Zusammenbruch wäre die absolut wichtigste Aufgabe, den krankhaften und krankmachenden Narzissmus gesellschaftlich zu ächten“
      Lassen wir mal alles Geschwurbel weg und reden wir nicht um den heißen Brei herum:
      Es gibt ganz klare Normen und Regeln wie man richtig leben soll, Es gibt die Totsünden, Das ritterliche Gebot sich nicht an Schwächeren zu vergreifen usw. Es gibt ein eindeutiges objektives gut und böse, jenseits aller Relativierungen, Religionen, Ideologien und moralischen Geschwätzes. Wer anders handelt,macht das bewusst und mit Vorsatz, ist ein Arschlochmensch. Ohne die konsequente Merzung aller Arschlochmenschen wird es kaum besser werden können. Denn diese sind nicht therapierbar, weil es in den genetisch fixierten Anteilen der Persönlichkeit liegt. Und leider ist die moderne Massengesellschaft so beschaffen, dass diese Persönlichkeitsstrukturen in ihr fast automatisch zum Erfolg und in hohe Positionen führen.

    3. @Stefan Nold, AeaP:
      „Leider wird bei jedem Zusammenbruch eine neue Klasse von Narzissten geboren und das Spiel beginnt wieder von vorn.“

      „das ist eines der Kernprobleme des gedeihlichen Zusammenlebens. Es begünstigt die (kapitalistische) Gier, Rücksichtslosigkeit und Gewalttätigkeit.“

      Zum ersten Zitat:
      Ich denke, niemand wird als Narzisst geboren, denn Narzissmus ist meines Wissens nach eine psychische Störung. Das Problem ist ein System, dass Narzissmus sowohl hervorbringt als auch den Erfolg von Narzissten begünstigt.

      Zum zweiten Zitat:
      Nicht der Narzissmus begünstigt die kapitalistische Gier, sondern ein kapitalistisches System spült vor allem Narzissten nach oben.
      Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, Narzissmus in einer Gesellschaft zu ächten, wenn dieser in diesem System eine quasi Grundvoraussetzung ist, um erfolgreich sein zu können.

      1. „Niemand wird als Narzisst geboren“: Da stimme ich voll und ganz zu.

        Das Kernproblem ist die Macht, egal ob im Kapitalismus, Feudalismus oder im Kommunismus.
        Je größer die Strukturen, desto größer die Macht, desto größer die Versuchung des Narzissmus.

        Was kann man tun:
        1. Strukturen klein halten. „Small is beautiful“
        2. Ein neues Bewusstsein von Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber

  5. Es gab mal eine Friedensbewegung – noch Ostern 2022 war der Marktplatz voller Menschen. Ein protestantischer Pfaffe erzählt etwas ins Mikro vom „Frieden im Reiche Gottes“ Anschließend eine wirklich gute Rede aus dem Verein der Naturfreunde. Am Mikrofon dann schließlich eine lokale, Grünenpolitikerin jüngerer Generation, die erzählt, wie sehr sie doch selbst darunter leidet, dass nun dieses Notwendige gegen den Aggressor Russland getan werden müsse. Ich protestiere lauthals. Es gibt einige weitere Pfiffe und Buhrufe. Der Pfaffe trägt jetzt eine Armbinde auf der „Ordner“ zu lesen ist, kommt auf mich zu und erteilt mir einen Platzverweis. Bereits 2023, keine Kundgebung mehr, nur mehr ein Tapetziertisch mit irgendwelchen Flyern, drumherum ein versprengtes Häuflein irgendwelcher Menschen (und wieder der selbige Pfaffe).
    Es ist fast richtig, dass der Frieden bei jedem Einzelnen beginnen muss. Müsste, wäre hier der passende Begriff. Es wird nie mehr Frieden geben. Der Frieden ist verkauft, der Logik des Marktes geopfert. Es geht nur mehr darum, die Balance zu halten, dass der Krieg nicht in die totale Vernichtung mündet, aber auch niemals mehr verlöscht, sondern immer soweit an Köcheln gehalten wird, dass er einen kontinuierlich steigenden Profit abwirft.
    Trotzdem lohnt es sich friedensbewegt zu bleiben. Einfach weil dies nicht aus dem Nichts heraus erfolgt. Der Autor des Artikels arbeitet offensichtlich ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe. Es könnte auch ein Hospitz sein oder jeder andere Platz, wo große Not an Zuwendung herrscht. Warum tut man Solches – naheliegend aus dem Bedürfnis heraus, die eigene Empfindung von Glück oder einer inneren Zufriedenheit teilen zu wollen. Diese zu erlangen, lohnt sich allemal.

    1. Ich bin schon sehr lange der Meinung, dass jeder, der irgendein Universitätsstudium antritt, zuvor eine technische Ausbildung abschließen sollte. Wir hätten nicht nur weniger Zahnärzte mit zwei linken Händen, wir hätten zu beliebigen Themen in allen Bereichen eine komplett andere Herangehensweise. Techniker streiten auch seltenst miteinander und niemals lange. Die Resultate führen jeden knallhart auf den Boden der Realität zurück, der irgendeinem Bullshit anhängt. Lösungsorientiert zu arbeiten, sich mit anderen Meinungen gründlichst auseinandersetzen und eigene Urteile zu revidieren wird so zur Gewohnheit. Das Erfolgserlebnis, einzig mit dem Resultat verknüpft, nicht mit der Durchsetzung von Eitelkeiten.
      Was der Autor schreibt ist weder eine Lösung noch Geschwätz. Weil kaum mehr eine realistische Chance besteht, auf die Dinge überhaupt noch irgendwie einzuwirken. Alle Mittel der Macht sind dahingehend optimiert, genau dies zu verhindern (wahrscheinlich hat man damit Techniker beauftragt).
      …aber, never say die

      1. Nur leider haben uns kalte Technokraten in die jetzige Situation manövriert. Die Anderen sind nur schmückendes Beiwerk, das demnächst abgeräumt wird, weil seinen Dienst getan. Konnte letztens erfahren, wie ein solcher knallharter Technokrat auf einmal a la „Haltet den Dieb“ predigte. Hat wohl Angst um seinen durch und durch neoliberalen Hintern??

        1. Warum ist Technokrat ein Schimpfwort. Der Frage nach dem „Wie“ ist egal, ob es um eine Mordmaschine geht, um ein Konzentrationslager oder einem Husserl um seine Philosophie (dessen Schülerin wiederum Edith Stein war, die in einem KZ ermordet wurde).
          Aber es gibt durchaus eine Technikverliebtheit, die sich entlang der Möglichkeiten hangelt und rein daraus ihre Satifikation bezieht.

            1. Vom Zweck her sowieso. Aber auch ihre Ausgestaltung sollte stets so gefasst sein, dass sie mit dem Verständnis und den Möglichkeiten von Kontrolle und Einflussnahme der jeweiligen Anwender korrespondiert.

  6. Menschen, wie Herrn Nold, begegne ich zur Genüge. Sie sind meist gut gekleidet, verdienen gutes Geld, dozieren gerne über El Greco, Goya, Füssli, Bosch, Bacon, Gott und die Welt.
    Wahrscheinlich war er auch zu Tränen gerührt über sich selbst, als er schrieb:
    „… Tränen waren mir aus den Augen geschossen…“
    Was so ein Schlückchen vom Elixier
    der Liebe doch bewirken kann.
    Natürlich hat er das von einem bescheidenen Schneiderlein aus dem geheimnisumwitterten Orient erhalten. Würde ja auch nicht ganz so den Rahmen seiner Erzählung schmücken, wenn er das Gesöff von einem afghanischen Drogenhändler erhalten hätte.
    Herr Nold sucht die Liebe da, wo er sie zu finden hofft. Bei den Armen.
    Auf diese Weise bekehrt, geht er nach Hause, nimmt ein Schlückchen vom Elixier der Liebe und legt sich in sein wohliges Bett.
    Vielleicht sollte er sich mal, nach Erwachen aus seinen Schlummer-Träumen, William Makepeace Thackeray zu Gemüte führen. Da findet er sich bestimmt wieder.

    1. Wohl das ewige Dilemma des Menschen. Er fragt sich immer und in jeder Situation was kann ich hier tun. In dem Falle Gutes womit meist gemeint ist das man sich selber dabei gut fühlt.
      Allen die immer gutes tun wollen, sei dieser Vers von Wilhelm Busch zitiert, der in seiner Bedeutung von den meisten gar nicht erkannt wird:
      „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stehts das Böse das man lässt.“

      1. Guter Aphorismus von Wilhelm Busch. Man könnte auch davon sprechen dass der Mensch gar keinen rationales Wesen ist, sondern ein rationalisierendes, dem immer wieder etwas passiert (weil er das Böse nicht lässt) und er dann auf dem Scheiterhaufen seiner Geschichte sitzt und sich fragt, wie das Alles hat nur kommen können.

  7. Mit dem Motiv Gutes zu tun, lässt sich nahezu jede beliebige Gräueltat begründen. Ich unterstelle dem Autor nicht, Gutes tun zu wollen, um sich gut zu fühlen sondern Gutes zu tun, weil er sich gut fühlt.
    Ein gutes, angenehmes Gefühl oder auch eine tiefgründige Freude aus der Mitte des eigenen Seins heraus zu empfinden, fehlen uns allerdings die geeigneten Kulturtechniken. Ich behaupte, sie wurden uns aberzogen und die religiösen Traditionen ihrer beraubt. Weil sie dem Streben nach Macht, Reichtum und Profit, einiger weniger, komplett kranker Individuen entgegenstehen. Dies seit Jahrhunderten.

  8. Danke für die Rückmeldungen und Danke ans overton-magazin, dass es diesen Austausch möglich macht.
    Hier wie immer meine Antworten:
    @monotomer, Hog1951 „Wir müssen den Krieg in die Villen der Eliten tragen“ oder „Wir müssen die Kapitaleigner entmachten.“ Na dann. Ich bin nicht dabei, Gebracht hat das was sie vorschlagen in der Vergangenheit nicht viel …

    @grottenolm: „Die Merzung aller Arschlochmenschen“??? Genau das haben die Faschisten, die Kommunisten, die Inquisition und die heutige Verfemung von Andersdenkenden miteinander gemein. Nein danke!

    Zu Wilhelm Busch. Der war Humorist, der die Bigotterie des Bürgertums karikiert, wie etwa der Onkel Nolte am Schluss der frommen Helene: „Ei, ja – Da bin ich wirklich froh! Denn, Gott sei dank, ich bin nicht so.“ Oder im 6. Vers des ersten Kapitels der gleichen Geschichte („Lenchen kommt aufs Land“) Nein, ich zitiere das nicht, das ist mir zu gefährlich. In Zeiten von Cancel Kultur und KI leben wir in einer ironiebefreiten Zone. Ich stelle nur fest: Nein, Busch, war kein Antisemit, sondern er hat den Antisemitismus des Bürgertums aufgespießt. In die gleiche Kategorie fällt auch der von ihnen zitierte Spruch.

    Beim kategorischen Imperativ von Kant ist es, ebenso wie bei Jesus in der Berpredigt genau anders herum wie bei der im Bürgertum üblichen Vermeidungsmoral, die Wilhelm Busch so schön auf die Schippe genommen hat. Jesus sagt nämlich: „Wie ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“ (Lukas 6,31).

    @1-4-20:Ich hatte von einem Schneider geschrieben, der im Iran als weiser Mann verehrt wird. Sie machen daraus ein „Schneiderlein aus dem geheimnisvollen Orient.“ Kompliment. Diese Arroganz und Herablassung ist eine Kernkompetenz, die Sie für den Chefposten im Deutschen Außenministerium qualifiziert. Und was die Liebe anbelangt, da halte ich es wie Gustav Heinemann: Ich liebe meine Frau. Und nein, ich schäme mich nicht, weder für mein wohliges Bett noch für mein Interesse an Kunst. Nur meine Frau schämt sich gelegentlich für meine doch eher alten Klamotten, aber zum Glück nicht für unseren alten Schlitten, der im nächsten Monat 20 Jahre alt wird.

    @trilex. Nein, ich arbeite nicht in der Obdachlosenhilfe. Ich helfe spontan, wenn die Gelegenheit da ist und es im Rahmen meiner beschränkten Möglichkeiten liegt.

    Und alle, die sich bemüßigt fühlen, tiefenpsychologisch tätig werden zu wollen, muss ich enttäuschen. Ich mache Dinge, von denen ich entweder glaube, dass sie der Allgemeinheit nützen oder anderen eine Freude machen, denn damit mache ich mir selbst eine Freude. Und wenn die ersten beiden Dinge nicht zutreffen, dann muss es wenigstens mir Freude machen. Fruchtloses Schwadronieren fällt in keine dieser Kategorien.

    Seit dem Februar 2021 (!), als der Präsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft gesagt hatte „Wir wollen ja nicht weniger als einen Regimewechsel in Russland“ (80 Jahre nach dem Nazi-Deutschland die Sowjetunion überfallen hat), habe ich mich in vielen Texten für den Weg des Friedens und der Verständigung eingesetzt, weil ich fest davon überzeugt war, dadurch ein Umdenken bewirken zu können. Das war ein Fehler. Ich habe die Wirkung der Propaganda auch auf eigentlich ganz vernünftige Menschen vollkommen unterschätzt. Das bringt nichts, deswegen werde ich das nicht weiter verfolgen.

    Der zweite Ansatz besteht darin, durch tätige Hilfe den Blick wieder auf den Menschen selbst zu richten. Wenn das kein Umdenken herbeiführt, hat es wenigstens dem Einzelnen geholfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert