„Jedes Land darf seine Bündnispartner selbst aussuchen“

Havanna. Bild: Klaus Peter Schmidt/CC BY-NC-4.0
Havanna. Bild: Klaus Peter Schmidt/CC BY-NC-SA-4.0

Oder: Die Rachsucht der USA gegenüber Kuba.

 

Liebe Leser, erinnern Sie sich – am 4. Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine – noch an die Behauptung: „Jedes Land muss sich seine Bündnispartner selbst aussuchen dürfen!“? So hieß es mit tiefster Überzeugung gegen jeden, der die zuvor sehr deutlich geäußerten russischen Bedenken gegen eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato und die mögliche Stationierung von Mittelstreckenraketen auf dem Territorium der Ukraine nachvollziehen konnte.

Nun, Kuba hatte sich nach dem erfolgreichen Sturz des Diktators Batista im Jahr 1959 zunächst an die USA gewandt, um freundschaftliche Beziehungen geworben und auf eine Unterstützung seines Programms nationaler Entwicklung gehofft. Als diese Anfrage in Washington negativ beantwortet wurde, baten die Anführer der kubanischen Revolution, Fidel Castro und Che Guevara, in der Sowjetunion um Hilfe. Schauen wir mal, was dann passierte:

Zitat aus Wikipedia, Stichwort “Kubakrise”
„Die UdSSR beobachtete diese Entwicklung aufmerksam und nahm im Mai 1960 diplomatische Beziehungen zu Kuba auf. Castro hoffte, mit der wirtschaftsstarken UdSSR im Rücken ein Vorbild für die nationale Unabhängigkeit in Lateinamerika werden zu können. Die USA werteten dies als inakzeptablen Versuch, in Mittel– und Südamerika den Kommunismus zu verbreiten.
Nach der entschädigungslosen
Verstaatlichung von Agrarland, Banken und Raffinerien aus US-Besitz auf Kuba verbot die Regierung der USA im Oktober 1960 per Dekret, Erdöl nach Kuba zu exportieren; gleichzeitig untersagte sie jeglichen Import aus Kuba. Das sowjetische Politbüro sagte der Castro-Regierung hierauf wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu. Diese Zusagen galten später als Anlass für die mit verdeckter Unterstützung der CIA durch Exilkubaner ausgeführte Invasion in der Schweinebucht vom April 1961, die für die Angreifer in einem Fiasko endete. Die USA erarbeiteten noch im selben Jahr ein geheimes Programm zur Sabotage und Unterwanderung Kubas.“

Was lernen wir daraus?

  1. Den USA war es völlig selbstverständlich, eine Regierung n i c h t zu dulden, die sich einen Bündnispartner aussuchte, den die USA nicht genehmigt haben und noch viel weniger mochten.
  2. Deshalb durften, ja mussten die USA geradezu den “inakzeptablen Versuch”, im Hinterhof der USA Kommunismus zu verbreiten, indem ein “Vorbild für nationale Unabhängigkeit” (!) aufgebaut wird, mit allen Mitteln verhindern: Sabotageakte, Attentate auf die kubanische Führung (inkl. der Liquidation Che Guevaras), versuchte Invasion.
    3.
Und wer sich an US-Eigentum – wie immer das auf Kuba zustande gekommen ist – vergreift, um seine „nationale Entwicklung“ voranzutreiben, durfte sich nicht über eine jahrzehntelange harte Wirtschaftsblockade wundern, die eben diese Entwicklung des Landes nach Kräften behindert.

Das schreibt übrigens kein linkes antiamerikanisches Studentenmagazin, sondern die ziemlich amerikanisch geprägte Wikipedia… Eine aktuelle Analyse der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages bezweifelt übrigens die völkerrechtliche Grundlage der US-Sanktione, insbesondere die der sog. „Sekundärsanktionen“, die Unternehmen und Staaten außerhalb der USA betreffen.

Wenn dann nach 65 Jahren Blockadepolitik gegen eine kleine Karibikinsel alle sehen können, dass es „der Sozialismus“ einfach nur zu einer phänomenalen Misswirtschaft bringt, kann der jetzige US-Präsident zur finalen Friedensstiftung übergehen.

„Am 29. Januar 2026 unterzeichnete Präsident Trump eine Exekutivverordnung, die Kuba als „ungewöhnliche und außerordentliche Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der USA einstuft.“ 



¡Hola! Interessant!

Trotz sozialistischer Misswirtschaft sind also zehn Millionen Kubaner, die unter massiven Stromausfällen leiden und denen inzwischen selbst wichtige Medikamente und Lebensmittel fehlen, eine „ungewöhnliche und außerordentliche Bedrohung“ der militärischen Supermacht Nummer Eins auf dem Globus.

Okay – wir sind ja längst nicht nur im post-faktischen, sondern auch im post-logischen Zeitalter angekommen, insofern sollten wir nicht so pedantisch sein.
Es ist also eher großzügig von Trump, dass er überhaupt eine Art Begründung dafür ins Feld führt, dass die USA auf einem regime-change in Kuba bestehen.

MERKE:
Wer keinen Respekt vor US-amerikanischem Eigentum hat, kriegt das bitter zu spüren. Die Kubaner verhungern, damit die Welt das lernt!

PS: Kleiner Nachtrag zur eigentlichen “Kubakrise”

Nach der vom CIA gesteuerten Invasion in der “Schweinebucht”, die zurückgeschlagen wurde, wollte Kuba sich durch die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen vor weiteren Attacken schützen.

Umgekehrt war es für die Sowjetunion attraktiv, ihrerseits Raketen in der Nähe des amerikanischen Festlandes zu stationieren – als Reaktion darauf, dass die USA Raketenbasen in der Türkei und Italien aufgebaut hatten und ihr damit drohten.

Der sowjetische Versuch, nuklear bestückte Mittelstreckenraketen in Kuba zu stationieren, wurde von den USA mit der Androhung eines atomaren Erstschlags durch den damaligen Präsidenten John F. Kennedy beantwortet. Im Oktober 1962 war die Welt nur einen Wimpernschlag von einem Atomkrieg entfernt – dabei wollte eine kleine Insel doch „nur“ ein paar Raketen „zur Abschreckung“ der hoffnungslos überlegenen US-Macht. Vielleicht sollte man daran denken, wenn jetzt Deutschland über „die Bombe“ diskutiert oder die USA (ganz selbstlos, versteht sich) Taiwan helfen, „sich gegen die übermächtige Volksrepublik zu verteidigen“…

Die Sowjetunion lenkte schließlich ein und verzichtete auf die Stationierung; die USA zogen ihre Raketen aus der Türkei ab, womit sie anerkannten, welche Bedrohung sie zuvor aufgebaut hatten. Und sie gaben das Versprechen, Kuba nicht mehr anzugreifen…

Renate Dillmann

Renate Dillmann ist freiberufliche Journalistin. Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz; Promotion zur Staatstheorie von Thomas Hobbes an der Fernuniversität Hagen. Seit vielen Jahren Lehrbeauftrage an der Evangelischen Hochschule Bochum. Veröffentlichungen: „China – ein Lehrstück“ 2021, Die Buchmacherei; „Abweichendes zum Ukraine-Krieg“ 2023; „Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit“, 2025, PapyRossa
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20 Kommentare

  1. „MERKE:
Wer keinen Respekt vor US-amerikanischem Eigentum hat, kriegt das bitter zu spüren. Die Kubaner verhungern, damit die Welt das lernt!“

    Das kann man ergänzen:

    „Gods Own Country“ gehören alle Ressourcen dieser Welt. Länder, die das Pech haben, auf Öl, Gas oder anderen Ressorcen zu sitzen, haben die gefälligst gegen ein kleines Bakschich rauszurücken, sonst werden sie mit Regime Changes, Stellvertreter-Kriegen oder direktem Krieg überzogen (siehe z.B. Venezuela, Iran, Russland/Sibirien).

  2. Kleine Anmerkung, welche die Sache nicht gerade besser macht: Die Ukraine hat sich die NATO als Bündnispartner nicht wirklich „ausgesucht“: Die NATO hat sich die Ukraine „ausgesucht“. Es brauchte jede Menge Investitionen in politische und gesellschaftliche Beeinflussung und einen gewaltsamen Umsturz, um die Ukraine zu überzeugen, sich aus „freien Stücken und völlig unbeeinflusst“ für die NATO zu entscheiden.

    Man möge mich korrigieren, aber ich glaube die kubanische Revolution war zumindest eine Eigenproduktion des Landes (?). Während ich zwar echte Basisdemokratie unterstütze, kann ich sowas zumindest eher akzeptieren als externe Beeinflussung.

  3. Kuba hat sich seine Verbündeten selbst ausgesucht, seine territoriale Integrität ist gewahrt. Die USA, die das kubanische Regime ablehnten, haben keine kubanischen Städte bombardiert. Es gibt Millionen kubanischer Flüchtlinge, aber sie haben Kuba verlassen, weil sie die unfähigen Kommunisten nicht mögen, nicht weil amerikanische Bomben auf sie gefallen sind.

    1. Haben Vietnam, der Irak, der Iran, Libyen, Afghanistan (abgesehen von Bin Laden, den man auch Pakistan zuordnen kann, wo er dann durch die USA getötet wurde) die USA angegriffen, damit diese ihr Bombardement dort rechtfertigen könnten? Ach ja, da gab es ja mal die Brutkastenlüge, eine von vielen. Kann man mit so eine Danebenargumentation, wie Sie ständig betreiben, Geld verdienen? Was nehmen Sie, um Ihr Gewissen auszuschalten*

    2. Schon mal was von der „Schweinebucht“ gehört? Oder von Terroroperationen gegen kubanische Passagierflugzeuge? Oder von Attentatsversuchen der CIA gegen Fidel Castro und andere kubanische Politiker? Dazu Sanktionen, die den Menschen in Kuba das Leben zur Hölle machen sollen. Und die auch von den US- Vasallen/ Kolonien befolgt werden….

  4. Schön, mal ausnahmsweise lesen zu dürfen, dass es die UdSSR war, die bei der Kubakrise eingelenkt hat, und nicht der stets zu Unrecht als Friedensengel gefeierte Kennedy, der es glatt drauf ankommen ließ.

    1. Ja, der gute alte Genosse Chrutschow, eine Seele von Mensch. Voller Güte und Einsicht, ein wahrer Philantrop, ein Vorbild , ein leuchtender Stern, der heilige August der UDSSR…

      1. Dazu Bandera, der ehrenwerte Gegenpart, unser Held von heute, neben Netanjahu, allesamt Menschenfreunde, keine Tierfreunde, Tiere werden beseitigt, und Untermenschen auch. Chruschtow war wenigstens so human, der Ukraine die Krim zu schenken.

      2. Ja, der gute alte Nikita Chrustschow wollte sogar der Nato beitreten. Man hat ihn aber nicht gelassen, weil:
        „Und NATO ist gegen die Sowjetunion geschaffen worden. Daß dem so ist, wird von allen Tatsachen bestätigt,
        die sich ereignet haben. Das ist auch dadurch bewiesen, daß unser Wunsch abgelehnt wurde, der NATO beizutreten. Man hat es abgelehnt, weil die lTATO gegen die Sowjetunion und gegen die Länder der Volksdemokratien geschaffen ist.“

        Von wegen jedes Land darf sich seine Verbündeten aussuchen. Das wird nur behauptet, wenn es dem Welthegemon in den Kram passt. So darf man natürlich der Ukraine nicht vorschreiben, dass sie nicht in die Nato aufgenommen wird. Bei der SU ging das problemlos.

      3. „Ja, der gute alte Genosse Chrutschow,…“

        Wegen der Schwäche, die er in der Kuba-Krise gezeigt hatte, was Mütterchen Russland nie verzeiht, wurde er von Breschnew und Kossygin 1964 gestürzt. Von da an durfte er im Garten seiner Datscha Tomaten züchten.

    1. @ Rubis: Als Deutschland sich traute mit Russland etwas „intimere“ Handelsbeziehungen
      incl. der Nordstream Pipelines, die ja auch halb Europa mit versorgen sollte, haben unsere
      Freunde hinter dem großenTeich gezeigt, wer wir sind. Wer solche Freunde hat…….

  5. Müsste der Untertitel nicht lauten:

    „Die Rachsucht der USA, und von rückwärtsgewandten Teilen der exilkubanischen Gemeinde (inkl. der dortigen US-Mafia samt US-Konzernen)?“

    Die Kubanische Revolution von Fidel Castro/Che Guevara, und deren Genossen, liegt ja schon etliche Jahrzehnte zurück und viele Exil-Kubaner/-innen wollen ja gar nicht nach Kuba zurück – vor allem die in den USA nun schon seit Generationen heimisch gewordenen Exil-Kubaner/-innen der jüngeren Generation – aber leider gibt es eben auch exil-kubanische Fanatiker die die Uhr wieder zu einer rechten, neo- faschistischen, Diktatur in Kuba zurück drehen wollen, inkl. Geschäften mit der US-Mafia und US-Konzernen.

    Diese exil-kubanischen Kreise haben doch in der rechten, faschistischen Diktatur, des Herrn Batista in Kuba besser gelebt als heute in den USA…

    Sarkastische Grüße
    Bernie

  6. Was hat Trump so an Kuba erzürnt? Rohstoffe sind es wohl nicht und das früher angebaute Zuckerrohr können die USA inzwischen selbst herstellen. Was dann?
    Kuba versucht sich, mit Dienstleistungen über Wasser zu halten. Da sind zum einen die Soldaten, die zum Beispiel Maduro bewachten. Aber auch Mediziner, die erstaunlich erfolgreich sind. Tatsächlich hat Kuba einen recht erfolreichen Covid-Impfstoff entwickelt. Ähnliches beobachtet man bei landwirtschaftlichen Projekten. Da ist also etwas, was der Logik des Kapitalismus widerspricht. Das möchte Trump ausmerzen.
    Wenn die Kubaner das überstehen, dann dank der Solarmodule aus China. Die USA waren immer ein Ölimperium. Macht bei uns mit, dann habt ihr billiges Öl. Diese Erpressung funktioniert dank der Erneuerbaren nicht mehr. Nicht nur in Kuba.

    „Die sozialen Menschenrechte sind in Kuba teilweise gut umgesetzt. So gilt zum Beispiel das Recht auf Bildung für die Region als vorbildlich, ebenso die Gesundheitsversorgung. Der allgemeine Lebensstandard ist hingegen, gemessen nach dem Standard industrialisierter Länder, auf niedrigem Niveau.“
    So kann man das wohl zusammen fassen. Ich würde etwas vermissen, wenn der einzige Staat in Südamerika, der seinen Kindern eine ordentliche Bildung zukommen lässt, verschwände. Auch den armen.

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