Israelischer Botschafter zerreißt UN-Charta vor Palästina-Abstimmung

Der israelische Botschafter Gilad Erdan beim Schreddern. Screenshot UN-Video

„Schämt euch“, sagte der israelische Botschafter Gilad Erdan kurz vor der Verabschiedung einer Resolution zur Vollmitgliedschaft Palästinas durch die UN-Vollversammlung.

Kurz bevor die Generalversammlung der Vereinten Nationen am Freitag eine Resolution verabschiedete, die die Vollmitgliedschaft Palästinas in den Vereinten Nationen unterstützt, trat Israels Botschafter auf das Podium und ließ eine Kopie des Gründungsdokuments der Vereinten Nationen durch einen tragbaren Papierschredder laufen.

In einer Rede, die ein Journalist als „verstörend“ bezeichnete, beschrieb der israelische Botschafter bei der UNO, Gilad Erdan, die Palästinenser als „moderne Nazis“ und verurteilte die UNO-Generalversammlung dafür, dass sie sie mit „Rechten und Privilegien“ belohnen will.

„Ihr schreddert die UN-Charta mit euren eigenen Händen“, sagte Erdan, während er eine kleine Kopie des Dokuments durch einen Miniatur-Papierschredder zog. „Schämt euch.“

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Erdans bizarrer Auftritt kam kurz bevor die UN-Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit für eine Resolution stimmte, in der der Sicherheitsrat aufgefordert wird, den Antrag Palästinas auf Aufnahme als Vollmitglied in die Vereinten Nationen zu überdenken, nachdem die USA im vergangenen Monat ihr Veto eingelegt hatten. Palästina ist derzeit ein Nichtmitglied mit Beobachterstatus in der UNO.

Die Generalversammlung stimmte mit 143 zu 9 Stimmen – bei 25 Enthaltungen, darunter Deutschland – für die Resolution. Die neun Länder, die mit Nein stimmten, waren die Vereinigten Staaten, Israel, Argentinien, Tschechien, Ungarn, Mikronesien, Nauru, Palau und Papua-Neuguinea.

Abstimmung über die Resolution. Bild: UN

Die Resolution unterstützt nicht nur die Bewerbung Palästinas um eine Vollmitgliedschaft in der UNO, sondern gibt Palästina auch das Recht, Vorschläge und Änderungsanträge in der Versammlung einzubringen und mitzutragen“, berichtete der Guardian.

Riyad Mansour, Palästinas ständiger Beobachter bei der UNO, sagte vor der Abstimmung am Freitag, dass die Unterstützung der Resolution „eine Abstimmung für die palästinensische Existenz“ sei. „Ich stehe vor Ihnen, während das Leben im Gazastreifen weiter zerbricht“, sagte Mansour und wies darauf hin, dass in den letzten sieben Monaten „mehr als 35.000 Palästinenser getötet, 80.000 verstümmelt, zwei Millionen vertrieben wurden und alles zerstört wurde.“

„Es gibt keine Worte, die beschreiben könnten, was ein solcher Verlust und ein solches Trauma für die Palästinenser bedeutet“, fügte Mansour hinzu.

Trita Parsi, stellvertretende Vorsitzende des Quincy Institute for Responsible Statecraft, bezeichnete die Verabschiedung der Resolution durch die UN-Generalversammlung als „einen beispiellosen Schritt, der einmal mehr zeigt, wie unglaublich isoliert [US-Präsident Joe] Biden die USA gemacht hat“.

In Erwartung der Abstimmung am Freitag hat eine Gruppe republikanischer US-Senatoren unter der Leitung von Senator Mitt Romney (R-Utah) einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die US-Finanzierung für jede Einrichtung – einschließlich der UNO – stoppen würde, die Palästina „irgendeinen Status, Rechte oder Privilegien über den Beobachterstatus hinaus“ gewährt.

Das geltende Gesetz verlangt von den USA, „die Finanzierung von UN-Organisationen zu stoppen, die einem palästinensischen Staat die Vollmitgliedschaft gewähren – was eine Kürzung der Gebühren und freiwilligen Beiträge des größten Beitragszahlers der UNO bedeuten könnte“, berichtete die Associated Press am Freitag.

Craig Mokhiber, ein ehemaliger UN-Beamter, der im Oktober wegen der Untätigkeit der Organisation angesichts des völkermörderischen Angriffs Israels auf den Gazastreifen zurückgetreten war, schrieb, die Abstimmung vom Freitag zeige erneut, dass „die USA und Israel isoliert sind und die Welt auf der Seite Palästinas steht“.

Der Artikel ist im englischen Original auf Common Dreams unter der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 erschienen.

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49 Kommentare

  1. Mag ja sein, dass die USA und Israel isoliert sind und die „Welt auf der Seite Palästinas“ steht, deshalb können beide ihre Vernichtungsfeldzüge ungehindert durchführen. „Die Welt“ schaut letztendlich nur zahnlos zu.

      1. Fragt sich, ob das ausreicht. Es kann auch zur Gewöhnung werden. Und so lange Gedächtnisse gibt es leider doch nicht. Geschichte – und Erinnerung – werden gemacht. Man sehe nur, was die westdeutsche „Erinnerungskultur“ mit der Erinnerung an die Kriegsverbrechen der eigenen Vorfahren in der UdSSR gemacht hat, und ob heute noch ein junger Mensch weiß, wer denn die Konzentrationslager in Weißrussland und Polen befreit hat, wer Leningrad ausgehungert hat, nämlich die Wehrmacht, wird heutzutage gar nicht mehr erwähnt. Selbst Bärbel Bas hat diese Verbrechen in ihrer Rede zur Gedenkstunde für den 79. Tag der Befreiung des KZ Auschwitz unterschlagen. Ich habe darübe rin meinem Artikel „Auschwitz passierte einfach so in overton berichtet.

  2. Es ist doch nicht wahr, dass Israel davon überzeugt ist, einen „Genozid freizuhaben“, und damit die „Endlösung“ der Palästinerserfrage angeht.

    1. der oberste Rabbiner von Jaffa fordert die Tötung aller Bewohner des Gaza-streifens.
      auch Frauen und Kinder.
      video war im youtube gelöscht worden.
      an anderer Stelle noch auffindbar.

      1. sagt ich doch schon zu Beginn der „Säuberung“, geplanter Genozid auf Grundlage des AT. Es ist traurig mit anzuschauen, wie die Shoa instrumentalisiert wird.
        Der „Bonus“ und das Verständnis ist bald verspielt und dann schwant mir Unheimliches. Das Judentum hat dies nicht verdient.
        Schuld sind unter anderem die „Berufsjuden“ welche bedingungslos die jeweilige Regierung Israels unterstützen.

        1. Dann müßten zur Zeit über 90 Prozent der israelischen jüdischen Bevölkerung unter diese Bezeichnung fallen, die Sie so abschätzig gebrauchen. Sind sie aber nicht, also keine israelischen Funktionäre und keine jüdisch-religiösen Amtsträger. Dennoch sind über 90 Prozent für die Auslöschung von Gaza als palästinensischem Gebilde.

  3. Huch – wusste bis heute nicht einmal, dass es soooo kleine Schredder gibt.
    Was mag es noch für „Neuheiten“ im Taschenformat geben?! Es bleibt spannend.

    1. Die UNO hatte Israel ‚lizensiert‘, sie könnte diese ‚Lizenz‘ auch zurücknehmen…
      Die ggw israelische Regierung zeigt die gleiche selbstüberhebliche Arroganz gegenüber ihren Nachbarn, die schon vor 2,5Tsd Jahren judäische Könige auszeichnete und ihren Eliten die babylonische Verbannung, dem Staat den Niedergang einbrachte.

  4. So viel zur Behauptung, 2 Staaten auf vormals palästinensischem Boden seien eine erreichbare Lösung.
    Und wenn hier jemandem das Existenzrecht abgesprochen wird, sogar ganz leiblich und physisch, dann sind es die Palästinenser.

  5. So ruiniert sich die christlich/jüdische Wertegemeinschaft im gegenseitigen Einvernehmen und in aller Öffentlichkeit leistet sie ihren Offenbarungseid.

    Und Frau Baerbock tut so, als hätte sie damit nichts zu tun.

    1. Sollte Annalenchen nur einen Millimeter von ihren Direktiven abweichen, dann wird die „christlich/jüdische Wertegemeinschaft“ sie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Selbst wenn sich in ihr altgrüne Skrupel auftun würden, könnte sie der „amoralischen Kraft“ intellektuell keinen Widerstand entgegensetzen. Man wusste schon die richtigen Marionetten auszuwählen.

    2. Frau Baerbock ist nach meiner Wahrnehmung, ich mag mich sehr täuschen, an Idiotie kaum zu übertreffen.

      Und auf meine Kosten stolziert diese Diplomatie-Nullnummer durch die Weltgeschichte. Will Frauen in Schwellen- und Entwicklungsländern Nachhilfeunterricht geben.

      Sie ignoriert dabei offensichtlich, dass insbesondere die EU-Staaten samt USA hauptverantwortlich für Leid und Tod in der Welt sind.

      Und: Die Staatskirchen in Deutschland sagen zu alledem nichts. Mehr noch, sie legitimieren Waffenlieferungen.

      1. Ist alte Tradition bei den Kirchen dem staatlichen Narrativ hinterherzulaufen. Besonders bei den Protestanten. Welch Ironie bei dem Namen. Der Papst ruft immerhin zu Frieden auf.

        1. Man kann es sich bei den Protestanten im Grunde so vorstellen, dass sie lauter kleine „Päpste“ haben. Das sind die weltlichen Obrigkeiten, die, eben weil sie an der Spitze stehen, angeblich von Gott dort hingestellt wurden. Sie sind Summi Episcopi, also die höchsten Kirchenführer, noch vor den geistlichen Bischöfen. Ihr Wort ist in den Augen überzeugter Protestanten direkter göttlicher Befehl. Das wird zwar heute nicht mehr so hervor gestellt wie noch vor 1945. Die geistige Grundhaltung ist aber nach wie vor präsent.

      2. Das können wir ändern. Schreibt an die Kirchengemeinden, geht mal wieder zum Gottesdienst und redet mit den Leuten, argumentieren, nicht jammern! Ich mach das seit Monaten und es wirkt. Langsam aber sicher kommen in der Öffentlichkeit die Kriegstreiber und Waffenfetischisten in die unangenehme Situation, dass ihnen im Wahlkampf gute Gegenargumente um die Ohren gehauen werden (nur wörtlich),

        Also wo bitte legitimieren die Kirchen Waffenlieferungen? Ich kenne nur Pax Christi und die Amtskirchen, die bei der Aktion Aufschrei Waffenhandel mit machen. Bei und an der Kirche hängt seit Jahren ein Banner „Krieg soll um Gottes Willen nicht sein!“ Was kann man dem hinzufügen?

  6. Was soll man zu dem infantilen Gebaren dieses „Botschafters“ eigentlich sagen? Das Gleiche wie zu den verbalen Stuhlgängen eines vormaligen ukrainischen „Amtskollegen“: An den Taten (und auch Worten) sollt ihr ihre moralische Erbärmlichkeit und menschliche Bedürftigkeit erkennen.

      1. Ach, interessant. Bedeutungsverlust? Und ich hatte schon öffentlich vermutet, dass er jetzt die BRICS von innen spalten soll mit seinen stets bemerkenswert markigen Worten. War es also nur eine Art Strafversetzung durch Kiew, um die als Bündnispartner umworbenen Deutschen nicht mehr vor den Kopf zu stoßen? Oder ist er nur der Wolf im Schafspelz, der jetzt Brasilien schaden soll?

  7. Wie man sich wohl fühlt, als Israeli der nicht dem religiös rechten Rand zugehörig ist, dem nun abertausende zivile Opfer, Frauen und Kinder am Gewissen lasten? Der in dem Spannungsfeld aus radikalen, übergriffigen Siedlern, religiösen Fundamentalisten und permanenten Angriffen von außen lebt?
    Der eine Regierung Netanjahu ertragen muss, obwohl er genau weiß, dass diese fortgesetzte weitere Kriegsverbrechen verüben wird um am Ruder zu bleiben?
    Der genau weiß, dass all der geschürte Hass sich irgendwann gegen sein Land und dessen Bewohner entladen wird?

  8. Die UN wird wohl anscheinend reformiert, die USA bestätigt letztlich durch nicht Zahlung, das sie ihr einstiges Monopol aufgeben. Da warte ich gespannt auf die Zukunft, wie sich das entwickeln wird.

  9. Ich hab ja gebetet das seine Krawatte in den Reißwolf rutscht und das Gerät eine Fehlfunktion hat.

    Dieser Gottlose Lügner oder Schauspieler oder was weis ich was seine Qualifikation ist, ist genau wie alle anderen westlichen Politiker unerträglich, untragbar und eine Beleidigung für jeden normalen Menschen. Ich schäme mich für unseren Politiker so dermaßen in Grund und Boden das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

  10. Die UNO, eine nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges genial gedachte und errichtete Welt-Völkerorganisation samt ihrer Institutionen wie u. a. der Internationale Strafgerichtshof ICC in Den Haag, wird von den üblichen Schurkenstaaten sowie G20-Staaten seit Jahrzehnten durch Taten geschreddert, delegitimiert usw. Das gegenwärtige Regime in Berlin ist im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg ganz vorne dabei. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind Hauptakteure!

    1. Die UN wurde installiert, um den Faschismus als Demokratie an die Menschen zu bringen. Sogar etliche anderen kreierten Institutionen fundierten für diesen Erhalt der Scheindrmokratie, tatsächlich haben wir ein System von auserwählten die durch filigrane Systeme ihren ausgeklügeltes Konzept unter die Massen brachten.
      Jeder von uns ist selbst gefragt, inwieweit man den praktizierten Nihilismus weiterhin bereit ist mitzutragen.

  11. Wichtig ist natürlich, Sportlern aus den USA und Israel zu verbieten, unter ihrer Flagge
    bei den olympischen Spielen aufzutreten, Künstler beider Nationen umgehend zu boykottieren,
    sofern sie sich nicht klar distanzieren, sowie härteste Sanktionen einzuführen.
    Ich schlage vor, beide von Swift abzukoppeln und jeglichen Handel zu stoppen.
    Als Startpunkt.

    1. Ich kaufe seit 20 Jahren keine israelischen Güter mehr – vor allem Lebensmittel.
      Von Dieben, Landräubern und Mördern kaufe ich nichts.

        1. Hmmm – gute Frage.
          Die USA würde ich allerdings nicht als Diebe und Landräuber bezeichnen (mit Fokus auf die letzen 50 Jahre).
          Aber dennoch:
          Lebensmittel (inkl. Wein) kaufe ich nur von innerhalb Europa.
          Technologie kaufe ich realistischerweise von China.
          Software allerdings bezahle ich durchaus nach USA – mangels Alternativen.

          1. „Die USA würde ich allerdings nicht als Diebe und Landräuber bezeichnen (mit Fokus auf die letzen 50 Jahre).“

            Dan haben sie aber nie die Fotos der GI´s gesehen wie sie ein Party im Schiffscontainer schmeißen während sie sich mit den Iraqische Goldreserven abfotografieren ließen. Danach gingen die Schiffscontainer direkt in die USA. Und das diese Bande aus den USA seit weit mehr als 50 Jahren Massenmordend durch die Weltgeschichte ziehen scheint ihnen auch irgendwie entfallen zu sein.

  12. Eine grenzenlose Peinlichkeit, menschlich, moralisch, ethisch.
    Das Schweigen unserer „Repräsentanten“ dazu natürlich ebenso.
    Meine Hoffnung ruht darauf, dass sich der Rest der Welt friedlich so zusammenschließt, dass diese Art Repräsentanten bald der Vergangenheit angehören. Vielleicht schafft die Menschheit ja diesen Entwicklungsschritt….

  13. Im Text zum Video:

    new privileges to the Palestinians

    Was für Privilegien? Rechte!
    Wenn man sich ansieht, was Barak Ravid sonst so postet, repostet usw. dann wird klar, dass er zu 99% auf der aktuellen israelischen Linie liegt.

  14. Mit seiner Aktion hat der israelische Botschafter bildlich vorgeführt, dass er und das von ihm vertretene Land nicht auf dem Boden der UNO-Charta stehen. Dass sich Israel von bindenden Resolutionen nicht gebunden fühlt, ist seit Jahrzehnten bekannt.

    Dass das möglich ist, ist der Schutzmacht geschuldet, die sich erst recht über alle Justiz, die nicht auf einheimischem Mist gewachsen ist, erhaben fühlt. Für sie gilt von der regelbasierten Weltordnung genau eine Regel – dass die usa souverän ist und nur sich selbst verpflichtet.

    Mit solchen Paria-Staaten ist buchstäblich kein Staat zu machen und auch keine UNO. Es ist tragisch.

    1. Die erpresserischen USA sind der eigentliche Paria-Stzaat – ohne diese im REücken würde sich Israel sowas nicht erlauben.

  15. Israelis (sofern sie jüdisch sind) hängen der ältesten, also überkommensten Religion an. Aus der Zeit gefallene Klagegeister, die ständig ihre Opfernummer runterleiern – auch wenn sie längst Täter sind.
    Der sogenannte Jude unter den Staaten ist der Harvey Weinstein unter den Staaten.
    Unbeliebt – aus Gründen.

  16. „Israelischer Botschafter zerreißt UN-Charta vor Palästina-Abstimmung“
    Diese israelischen Spinner drehen immer mehr durch.

  17. Die UNO hat fertig. Jedenfalls, wenn sie das die Charta zerreissende Israel und die erpresserischen USA nicht irgendwie raus vor die Tür bekommt – und dazu zu allererst ihren Hauptsitz von NYC nach Genf verlegt.

  18. Also ich weiß ja nicht was andere Denken, aber Israels Diplomaten sind irgendwie bizarr. Denken die wirklich das irgend jemand mit Ihnen verhandeln will, oder sie überhaupt ernst nimmt? Was bilden die sich eigentlich ein?

    1. Hinsichtlich „bizarrer Diplomaten“ hat Israel wahrlich keinen Alleinstellungsanspruch – man denke nur an den aktuellen ukrainischen Botschafter in Deutschland und dessen Vorgänger. Oder auch an unsere eigene „Chefdiplomatin“.

  19. Das können wir ändern. Schreibt an die Kirchengemeinden, geht mal wieder zum Gottesdienst und redet mit den Leuten, argumentieren, nicht jammern! Ich mach das seit Monaten und es wirkt. Langsam aber sicher kommen in der Öffentlichkeit die Kriegstreiber und Waffenfetischisten in die unangenehme Situation, dass ihnen im Wahlkampf gute Gegenargumente um die Ohren gehauen werden (nur wörtlich),

    Also wo bitte legitimieren die Kirchen Waffenlieferungen? Ich kenne nur Pax Christi und die Amtskirchen, die bei der Aktion Aufschrei Waffenhandel mit machen. Bei und an der Kirche hängt seit Jahren ein Banner „Krieg soll um Gottes Willen nicht sein!“ Was kann man dem hinzufügen?

    1. „Also wo bitte legitimieren die Kirchen Waffenlieferungen?“

      WHAT? Hier:

      „Wir müssen uns davor hüten, das als Alternative zu sehen: Kämpfen oder Reden. Es braucht beides“
      (Annette Kurschus, EKD-Ratspräsidentin – https://www.ekd.de/kurschus-waffen-liefern-und-um-gespraeche-mit-russland-bemuehen-77727.htm)

      Die Katholen sind nicht besser, ihr neues „Friedenswort“:
      „Deutsche Bischöfe sagen Ja zu Waffenlieferungen in die Ukraine“ – https://www.kirche-und-leben.de/artikel/deutsche-bischoefe-sagen-ja-zu-waffenlieferungen-in-die-ukraine

    2. Schlimmer noch, beide deutschen Staatskirchen haben die Ethik von Christus vollkommen aufgeweicht und wohlfeil relativiert. Sie lassen Krieg wieder zu einem legalen ‚Ereignis‘ werden. Sie schrecken sogar nicht davor zurück, die christliche Friedensethik zu korrumpieren. Zwei Beispiele:

      1. Am 19.05.2022 schrieb ich an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz –
      und erhielt keine Antwort

      „Betr.: Waffenlieferungen in die Ukraine: Ihre Legitimation
      Sehr geehrter Herr Bischof,
      verehrter Herr Dr. Bätzing,

      ich las bzw. nahm zur Kenntnis:

      „Die deutschen Bischöfe halten Waffenlieferungen an die Ukraine für gerechtfertigt. „Rüstungslieferungen an die Ukraine, die dazu dienen, dass das angegriffene Land sein völkerrechtlich verbrieftes und auch von der kirchlichen Friedensethik bejahtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen kann“, seien „grundsätzlich legitim“, heißt es in einer Erklärung [ … ] zum Abschluss ihrer Versammlung [ in Vierzehnheiligen am 10.03.2022, RW ].“

      Ihre Äußerungen haben mich befremdet, weil Sie damit der Möglichkeit Raum geben bzw. selbige befördern, die kompromisslose Friedenslehre Jesu politisch-staatsutilitaristisch umdeuten / instrumentalisieren und so für Gewaltlegitimation / Durchsetzung egoistischer Partikular-Interessen für ‚Eliten‘ nutzbar machen zu können. Das geht gar nicht. Sie segnen damit ferner Waffenlieferungen ante festum. Das halte ich für falsch, denn die Lehre Jesu ist doch deshalb stark und welt-zukunftweisend, mithin kompromisslos Leben bejahend, gerade weil sie sich ‚irdisch-menschlich-politischen‘ Kalkülen komplett entzieht, ja entziehen will! „Wer Dich auf die linke Wange …“ u. a. m. Das ist zwar UTOPIE pur; aber gerade deshalb doch genial!

      Ich kann nicht verstehen, dass Sie diesen Aspekt nicht viel viel breiter ausgeführt haben. Oder verstand ich Sie falsch?

      Das Ergebnis jenes Handelns ( und damit Denkens bzw. die diesem zugrunde liegenden Paradigmen ), dass Sie als „grundsätzlich legitim“ bezeichnen, hat doch genau zu diesem schrecklichen Krieg geführt, den wir heute beklagen. Was die Welt benötigt, ist doch ein absoluter Paradigmenwechsel im Denken und Handeln ( ganz im Sinne der Bergpredigt, wie ich meine ), damit die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Weltwohles ins Werk gesetzt werden kann. – Oder sehe ich auch das falsch?

      Mit freundlichen Grüßen

      Roland Weinert“

      *****************************************

      2. Am 21.04.2022 schrieb ich die Ratsvorsitzende der EKD – und erhielt eine merkwürdige Antwort

      „Betr.: Ihr Interview im General-Anzeiger vom 16. / 17. April 2022: Friedensethik / Pazifismus

      Sehr geehrte Frau Ratsvorsitzende,
      verehrte Frau Kurschus,

      ich komme direkt zum Punkt: Die Lehre Jesu – ich spreche immer von der Philosophie Jesu, da ich Agnostiker bin – ist nicht verhandelbar! Ihre Antworten zu den Themenkreisen Waffenlieferungen und Friedensethik im o. g. GA haben mich sehr befremdet, weil Sie damit der Möglichkeit Raum geben bzw. selbige befördern, die Friedenslehre Jesu politisch-staatsutilitaristisch umdeuten / instrumentalisieren und so für Gewaltlegitimation / Durchsetzung egoistischer Partikular-Interessen für ‚Eliten‘ nutzbar zu machen zu können. Das geht gar nicht. Sie segnen damit ferner Waffenlieferungen ante festum. Das halte ich – u. a. die unrühmliche Geschichte der EKD zwischen 1933 & 1945 belegt das – für falsch, denn die Lehre Jesu ist doch deshalb stark und welt-zukunftweisend, mithin Leben bejahend, gerade weil sie sich ‚irdisch-menschlich-politischen‘ Kalkülen komplett entzieht, ja entziehen will! „Wer Dich auf die linke Wange …“ u. a. m. Das ist zwar UTOPIE pur; aber gerade deshalb doch genial!

      In anderen Zusammenhängen schrieb ich in diesen Tagen: „Wann begreift der Mensch, dass die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Weltwohles Maßstab allen politischen Handels sein muss?“ Und genau darum geht es ebenso! Wenn der Homo sapiens weiter so handelt wie bisher nach 1945, dann fliegt ihm der Planet um die Ohren. So einfach ist das! Wollen wir das? Können mit Vernunft begabte Menschen das wollen und schweigend-widerstandslos goutieren? Wer schweigt, stimmt zu!“ – Ich schrieb hierzu in diesen Tagen ebenfalls: „Die Kriegsgeneration ist noch nicht ganz kalt, da giert die Enkelgeneration bereits wieder nach Krieg.“ Ja, wie geschichtsvergessen-dekadent ist das denn?

      In diesem Zusammenhang muss ich auf ein anderes Phänomen hinweisen, nämlich die in diesen Tagen erfolgten politischen Angriffe auf Pazifisten und Ostermarschierer seitens Politik: „Volksverhetzung im Jahre 2022 gegen Ostermarschierer / Pazifisten von Alexander Graf Lambsdorff ( MdB )“, nannte ich das. Lesen Sie insoweit bitte meine an den Herrn Alexander Graf Lambsdorff gerichtete E-Mail nebst Anlagen, wenn Sie überhaupt mögen. Man kann diesem Grafen / solchen Menschen doch diese perfiden Behauptungen nicht durchgehen lassen!!!

      Wie kaputt muss die Menschheit erst werden, bis sie offen ist für ein vollständiges Umdenken?

      Der Krieg in der Ukraine ein von USA, NATO, G7-Staaten und EU stillschweigend in Kauf genommener geostrategischer Kollateralschaden? Ich denke gewiss!

      In diesem Sinne hier etwas von einem genialen homo sapiens: https://www.youtube.com/watch?v=62fawgUUpg8 .

      Mit freundlichen Grüßen“

      Und hier die Antwort seitens der EKD vom 10.05.2022:

      „Sehr geehrter Herr Weinert,

      vielen Dank für Ihre E-Mail an das Büro der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Dr. h.c. Annette Kurschus. Wir sind gebeten worden, Ihnen zu antworten. Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung unserer Antwort. Aufgrund der Vielzahl eingehender Nachrichten können wir nicht immer so zeitnah reagieren, wie wir es uns wünschen würden.

      Der Krieg in der Ukraine ist erschreckend, wirft Fragen auf und hat alte Gewissheiten in Frage gestellt, denen sich auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) neu stellen muss.

      Die Grundhaltung christlicher Friedensethik, dass Waffen für Tod, Zerstörung und Leiden sorgen, sieht sich konfrontiert mit einem auf Präsident Putins Anordnung hin stattfindenden Angriffskrieg auf ein souveränes Land. Das ist ein schwerwiegender Völkerrechtsbruch.

      Die Ukraine wird mit Panzer- und Raketenangriffen überzogen. Menschen werden gejagt, gefoltert, vergewaltigt und auf offener Straße erschossen. Präsident Putin will das Land erobern und seinem Regime einverleiben. Die riesige Mehrheit der Ukrainer will sich wehren, auch mit militärischer Verteidigung und verlangt die Unterstützung der westlichen Nachbarn. Das ist die Situation.

      Der Konsens der Friedenskonsultationen der Synode 2019 (https://www.ekd.de/friedenskonsultation-37092.htm) ist nach den Erfahrungen seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 so nicht mehr selbstverständlich aufrecht zu erhalten.

      Die Stimmen aus der Kirche, wie Deutschland sich dazu verhalten soll, sind vielfältig und konträr. Diese Lage ist ein Dilemma, denn es gibt keine Entscheidung, die allein richtig und nicht zugleich falsch ist. Wie man auch entscheidet, nimmt man hin, dass Menschen umgebracht werden, gefoltert werden, leiden. Auch wenn die Ukraine sich nicht wehrt und keine Waffenlieferungen erhält, wird es keinen Frieden geben. Es wird dann eine Besatzung des Landes und Rache- und Willküraktionen der Sieger geben, sowie ein jahre- oder gar jahrzehntelanges Unrechtsregime im Land.

      Neue Diskussionen werden geführt und werden weiter zu führen sein. Hierbei bleibt es nicht aus, in evangelischer Freiheit in diesem Prozess auch zu unterschiedlichen Bewertungen zu gelangen und diese tolerant aushalten zu müssen. Zudem wird es in unserer evangelischen Vielfalt immer Fragen geben, die im Detail nicht beantwortbar sind, weil es in laufenden Prozessen keine eindeutige Antwort geben kann.

      Sie sind herzlich eingeladen, sich auf der Themenseite http://www.ekd.de/ukraine tagesaktuell zu informieren.

      Die innere Zerrissenheit zwischen der Hoffnung auf eine gewaltfreie Lösung des Konfliktes und dem Impuls, Waffen in die Ukraine zu liefern, um schlimmeres Leid zu verhindern, wird auch in der Stellungnahme der Kirchenkonferenz vom 24.03.22 deutlich, in der die leitenden Geistlichen und Juristen aller Landeskirchen versammelt sind: https://www.ekd.de/www.ekd.de/kirchernkonferenz-betont-selbstverteidigungsrecht-ukraine-72502.htm.

      Auch möchten wir Sie auf die Internetseite der Evangelischen Friedensarbeit aufmerksam machen: https://www.evangelische-friedensarbeit.de/

      Lassen Sie uns vereint bleiben im Gebet um Frieden.

      Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen […]“

      1. „Können mit Vernunft begabte Menschen das wollen und schweigend-widerstandslos goutieren?“

        Interessant: damit unterstellen Sie den an ein – von den Autoren der Bibel vor Jahrtausenden entworfenes – transzendentales Überwesen glaubenden Karrieristen der EKD tatsächlich sowas wie Vernunft?
        Oder fragen Sie rein rhetorisch?

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