Israel-Palästina – ein Territorialkonflikt

Israelische Siedlungen und vom israelischen Militär verhängte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Palästinensern im Gebiet H2 in Hebron. Bild: B’tselem

Wie muss man den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern verstehen? Und wodurch wird dies heute auf beiden Seiten behindert?

 

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein Territorialkonflikt. Zwei Kollektive streiten in ihm um die Herrschaft über Gebiete – darum und einzig darum hat es in diesem Konflikt zu gehen. Der Anspruch auf das umstrittene Gebiet darf demgemäß nur mit Kategorien moderner Nationalstaatsgründungen gefaßt werden.

Entsprechend kann es zur Überwindung des Konflikts nur eine politische Lösung geben: Entweder wird das Territorium aufgeteilt, um zwei souveräne Staaten zu bilden; oder aber man verzichtet auf die Teilung und schafft einen einzigen Staat für beide Kollektive. Eine andere Lösung gibt es nicht. Denn die Herrschaft eines der beiden Kollektive über das gesamte Territorium muß den (langen und zähen) Widerstand des Kollektivs hervorrufen, dessen territorialen Ansprüchen nicht Genüge getan worden ist. So einfach ist das.

So einfach? Eine Zeitlang mochte es so scheinen. Denn sowohl der zionistische Staat als auch der ihm entstandene palästinensische Widerstand artikulierten gegenseitig Ansprüche, die im Wesen politisch waren: Die Gründung eines Staates für die Juden, die nach der Shoah eine besondere Dringlichkeit erfuhr, und die Rückkehr in Gebiete, aus denen man vertrieben worden war, im Fall der Palästinenser. Der Teilungsplan von 1947 verstand sich denn auch als eine politische Lösung; selbst die palästinensische Weigerung, ihn anzunehmen, wich von diesem Paradigma nicht ab: Sowohl das Gefühl der Benachteiligung der Palästinenser (die damals freilich noch keine offiziell-eigenständige nationale Kollektivstimme zu artikulieren vermochten) als auch die sich sehr bald herausstellenden expansiven Bestrebungen der Zionisten gehorchten letztlich dem “territorialen Imperativ”. Um Territorien ging es auch bei den nachfolgenden regionalen Kriegen von 1948, 1956, 1967 und 1973.

Nationalreligiöse Juden: Besiedlung des “von Gott verheißenen” Landes

Was aber in der Essenz das ist, was es ist – ein politisch zu lösender Territorialkonflikt – ist von beiden Seiten seit Jahrzehnten zutiefst kontaminiert worden, indem man der Religion massiven Eingang in den säkularen Diskurs des Konflikts verschaffte. Im Falle Israels geschah es mit dem Wandel, den die nationalreligiöse Ideologie seit 1967 erfuhr. Historisch war sie aus der Synthese von messianischer Heilsverheißung und politischem Zionismus entstanden, womit der dezidierte Antizionismus der religiös-orthodoxen Juden quasi “überwunden” worden war, welche darauf insistierten, dass ein Judenstaat nicht errichtet werden darf, solange der (jüdische) Messias noch nicht gekommen ist. Für Orthodoxe wie für Nationalreligiöse gilt dabei, dass Eretz Israel ein den Juden von Gott verheißenes Land sei.

Der Unterschied zwischen beiden religiösen Strömungen liegt darin, dass die Orthodoxen in der messianischen Erwartung verharren, während die Nationalreligiösen den Messias bereits im Anzug wähnen, wofür sie die historische Heraufkunft des Zionismus als Kriterium heranziehen: Die Manifestation des politischen Zionismus “beweise” die nahe Ankunft des Messias. Und als im 1967er Krieg das Westjordanland von der israelischen Armee erobert wurde, galt ihnen dies als Zeichen dafür, dass man sich bereits im Zeitalter des nahenden Messias befinde.

Die praktische Folge davon war für sie, dass man die bevorstehende Ankunft vorbereiten müsse, und zwar mit dem, was die messianische Erlösung verheißt: die gottgewollte “Beherrschung und Besiedlung“ von ganz Eretz Israel. Die anfangs noch kleine Gruppe von nationalreligiösen Siedlern sollte stetig anschwellen; das Siedlerkontingent im Westjordanland umfasst heute rund 650.000 Siedler. Dass diese massive Zunahme der jüdischen Besiedlung von erobertem Gebiet (völkerrechtlich ein Verbrechen) unter der Ägide des staatsoffiziellen Israel stattfinden konnte, hat seinen Grund darin, dass zum einen die Siedlungsideologie der Nationalreligiösen mit der eher säkularen Großisrael-Ideologie der ab 1977 (mit kleinen Unterbrechungen) herrschenden Likud-Partei korrespondierte; zum anderen aber, dass man die Beherrschung der Westbank aus “Sicherheitsgründen” postulierte.

So kam es zum über ein halbes Jahrhundert währenden, sich immer verbrecherischer gestaltenden Besatzungsregime, das von der Besiedlung des “von Gott verheißenen” Landes getragen wird, an der sich alle israelischen Regierungen seit 1967 beteiligt haben. Mit der gegenwärtigen Regierungskoalition ist man noch einen Schritt weiter gegangen: Die politischen Führer der Nationalreligiösen sind an bedeutende Machtpositionen des Staates gelangt: Bezalel Smotrich ist Finanzminister und Itamar Ben-Gvir Polizeiminister des zionistischen Staates geworden – beide ausgemache rassistische Faschisten. Ben-Gvir ist der Nachfolger des ehemaligen nationalreligiösen Hetzers Meir Kahane, der als erster den (wenn notwendig, gewaltsamen) Bevölkerungstransfer der Palästinenser aus ganz Eretz Israel postulierte.

Hamas mit Dschihad-Ideologie: Verteidigung des „islamischen Bodens“

Bei den Palästinensern gelangte die Religion maßgeblich durch die Heraufkunft der Hamas in die Politik. Die Ende 1987 bei Beginn der ersten Intifada als Zweig der Muslimbrüderschaft in Gaza gegründete Bewegung zeichnete sich von Anbeginn durch einen Hass gegen “die Juden”, die von ihr als “Brüder der Affen, Prophetenmörder, Blutsauger, Kriegstreiber” bezeichnet wurden. Dabei richtete sich ihr Kampf gegen die israelische Besatzung, war aber ganz von der Dschihad-Ideologie beseelt, mithin mit der Emphase eines Heiligen Kriegs ausgetragen, was sich nicht zuletzt im Postulat niederschlug, dass es Allahs Befehl sei, ”die Wurzeln der Existenz der Juden und ihrer Unterstützer herauszureißen“. Zu verteidigen gelte es den “islamischen Boden” gegen eingedrungene Nichtmuslime; belohnt würden die im Kampf gefallenen islamischen Märtyrer im Paradies.

Der Sieg über Israel wurde in einer Melange aus Theologie und zweckgerichteter Propaganda denen versprochen, die stark an Allah glauben. Bezeichnend war dabei, dass sich diese in militärische Praxis umgesetzte fundamentalistisch-religiöse Ideologie auch gegen die PLO richtete. Im Gegensatz zu Israel haben die Palästinenser bereits eine Art Bürgerkrieg durchlaufen, der die Spaltung der Palästinenser bewirkte und die Herrschaft der Hamas-Bewegung (die sich in einen politischen und einen militärischen Flügel sowie in ein soziales Hilfswerk gliedert) im Gazastreifen begründete.

Während die PLO prinzipiell bereit ist, mit Israel in Verhandlungen zu treten und politisch zu einer Kompromisslösung zu gelangen, gilt dies der Hamas als Verrat: Den Zionisten gelte es ein kategorisches Nein entgegenzuhalten, ihr Staat müsse vernichtet werden, an seiner Stelle solle sich ein islamisches Palästina “vom Meer bis zum Fluss” erstrecken, in dem Nichtmuslime keinen Platz mehr hätten. Nicht von ungefähr unterstützte Benjamin Netanjahu die radikale Hamas über viele Jahre gegenüber der PLO – die prinzipielle, mit der Hoffnung auf die künftige Gründung eines palästinensischen Staates einhergehende Verhandlungsbereitschaft der PLO konnte er nicht gebrauchen, die kategorische Verhandlungsverweigerung der Hamas dafür umso mehr. Er wollte ja keinen Frieden, nur “den Konflikt verwalten”.

Konflikt zwischen zwei prämodernen Politformationen über „geheiligtes Territorium“

So muss denn festgestellt werden, dass die Infiltrierung der Politik durch die Religion auf beiden Seiten die Sackgasse, in die der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geraten ist, nicht nur amplifiziert, sondern nachgerade zementiert. Dabei können sich der Fundamentalismus der Hamas und der nationalreligiöse Messianismus auf der zionistischen Seite gegenseitig die Hände reichen.

Wenn Itamar Ben-Gvir der totalen Vernichtung der Hamas sowie einer jüdischen Neubesiedlung des Gazastreifens das Wort redet und sich dabei gewiss ist, Gottes Willen zu befolgen, steht er den Hamas-Ideologen in nichts nach, die islamistisch beseelt fordern, Palästina von allem zu “reinigen” was ihrem religiösen Fundamentalismus entgegensteht; auch sie berufen sich dabei auf “Allahs Befehl”. Während die Juden von “Eretz ha’kodesch” (dem Heiligen Land) sprechen, das ihnen von Gott verheißen worden sei, insistieren die Hamas-Palästinenser darauf, das “geheiligte islamische Land” von den Juden zu befreien.

Dabei stoßen zwei prämoderne Politformationen aufeinander, die eine Trennung von Staat und Religion nicht nur nicht vollzogen haben, sondern diese gar nicht wollen. Was politisch als Territorialkrieg zu verstehen ist, wird vom religiösen Fundamentalismus auf beiden Seiten gar nicht in Abrede gestellt – nur erhebt man den Monopolanspruch auf Besitz des “geheiligten Territoriums”. Vom Standpunkt des religiösen Fundamentalismus aus betrachtet, kann nur der “heilige Krieg” die Entscheidung in der theologisch generierten und ideologisch perpetuierten Situation der Ausweglosigkeit herbeiführen. Nicht von ungefähr wollen ihn sowohl Yahya Sinwar als auch Itamar Ben-Gvir. In der Irrationalität ihrer religiösen Ausrichtung auf den Konflikt sind beide zweckrational miteinander verbunden. Davon profitiert auch zynisch Benjamin Netanjahu, der sich um Gott etwa so schert, wie er sich um die jüdischen Geiseln in der Hamas-Gefangenschaft kümmert.

Ähnliche Beiträge:

47 Kommentare

  1. Nochmal, das ist ein religiös motivierter Konflikt.
    So lange es Religionen gibt, wird dieser Kampf nicht beendet werden.

    1. Dachte ich früher auch mal.
      Mittlerweile denke ich, dass bestimmte Charakter – die heute tief religiös sind – sich dann was äquivalentes suchen oder basteln würden. Wie die arische Herrenrasse.
      NUR das Muster und Extremismus sind relevant. Nicht ob es in irgendwelchen Büchern, Menschen geschrieben, oder Toras steht, oder von einer Tulegesellschaft vermeintlich wissenschaftlich Bewiesen, vulgo behauptet, wird.
      All das folgt einem Narzissmus. Gott große Selbstherrlichkeit, Paranoia und Sadismus.
      Wie auch bei sogenannten Pädophilen, die barbarische Vergewaltiger, Serienvergewaltiger tatsächlich sind, aber als Liebende invertiert bezeichnet werden.
      Sie kriegen das selbst mit radikalem Religionsverbot nicht weg.

      1. Das ist sicher richtig, nur, bleibt die religiöse Bedrohung bestehen.
        So lange es Religionen gibt, wird sich auf diesem Planeten nichts verbessern!

    2. Da müßte der „Dreißigjährige Krieg“ noch immer laufen und Enklaven wie das Eichsfeld in Thüringen (ein mehrheitlich katholisches Gebiet mitten im protestantischen Thüringen) dürfte es gar nicht geben. Tatsächlich ist aber auch dieser sehr schmutzige Krieg mit einem Friedensvertrag zu Ende gegangen der Religonsfreiheit zusicherte (und dem Kriegsgrund dem Boden entzog)

      1. Die Kriegsparteien waren quasi nicht mehr Lebensfähig.
        Ca. 30% aller Bewohner tot. Im WW2 ca 16% der Länder in denen Krieg war.
        Kann man ausführlich nachlesen.

    3. Religion ist ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Im positiven Sinne dient es dazu, sich Dinge begreiflich zu machen oder beschreiben zu können, die rein rational nicht zu verstehen sind. Religion wird es solange geben wie der Mensch nicht in der Lage ist die Welt inkl. der eigenen Gefühlswelt rein wissenschaftlich zu erklären. Das wird er aber nie zustande bringen können.

      Wenn Religion Menschen hilft ihr Seelernheil zu finden, ist mir das allemal lieber, als wenn sie an der Welt verzweifeln und den Verstand verlieren. Religiöse Fundamentalisten, wie sie bei der Hamas und den Zionisten zu finden sind, betreiben aber Missbrauch. Ihnen ist gemein, dass sie das Mittel zu Zweck erklären, und so versuchen sich der Notwendigkeit einer rationalen Rechtfertigung für ihr handeln zu entziehen, da sie wissen, dass diese verwerflich wäre.

        1. Weltanschauungen also Religionen gibt es schon fast so lange, wie es die Menschheit gibt. Das sie als Machtinstrument eingesetzt werden kam erst später.

    4. Das spezielle an diesem Konflikt ist aber, daß hier eine Religion für territoriale Gebietsansprüche herhalten muß. Gemeint ist die „Schenkung Gottes an Abraham“ aus der Tora (Bibel. Altes Testament). Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.

      https://www.juedische-allgemeine.de/religion/heiliges-land-2/

      Und ja, die Zionisten benutzen die Tora tatsächlich im Sinne eines „Grundbuches“. „Da stehts drin, das ist unser Land. Hat Gott gesagt. Also müßt ihr hier weg!“

    5. Völliger Blödsinn, die Ursache heißt Trauma und sucht sich jede beliebige Projektionsfläche: Religion, Wirtschaft, Ideologie, Sexualität, Konsum. Am liebsten alles Gleichzeitig …

  2. Für die Einen ist es eine rechtsstaatliche Demokratie die Gebiete befreit, für die Anderen ist es eine willkürliche Militärdiktatur die Gebiete Okkupiert. Beide berufen sich auf den gleichen und einzigen Gott und fordern ewige Blutrache.

    1. Auf der einen Seite ist es die dritte Welt mit ihrer Rechtlosen Bevölkerung, auf der anderen Seite ist es die erste Welt die sich das Recht als Luxus-Squatter einfach nimmt und so Fakten für die Zukunft schafft.

      Die erste Welt hat Recht und ein Swimmingpool, die dritte Welt darf für ein Schluck Wasser in der Sonne anstehen um einen Antrag auf eine Existenzberechtigung im eigenen Haus zustellen.

    2. Nahe dran, sie haben beide Unrecht und sind genau deshalb abzulehnen.
      Das schrieb ich schon in den 70ern, als es schick war, mit Palästinensertüchern rumzulaufen.

  3. Es wäre falsch zu denken hier handelt es sich um Religionsstreitereien und da kann man eh nichts machen.
    Wie der Artikel richtig sagt, es geht um Land, ganz simpel. Religion dient quasi nur als Begründung.

    Zum Artikel kann man hinzufügen, vor 1920 gehörte das Land komplett den Palästinensern. Danach wurde ihnen das durch Benachteiligung und bereits durch Terrorismus zionistischer Verbände genommen. Und die die sie benachteiligten (die Briten,…usw) entschieden dann in der UNO den „Teilungsplan“.

    Kann man hier mal nachlesen
    https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Teilungsplan_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina#Immigration_nach_Pal%C3%A4stina,_Pal%C3%A4stinensische_Aufst%C3%A4nde_und_zionistischer_Terror

    Es wird ja gern an der Fabel gestrickt, die Geschichte begann 1947 und das Land gabs als Wiedergutmachung wegen den Nazis. Dem widerspricht der Beginn von 1920.

    1. Die Geschichte begann mit der Ideologie des Zionismus (Herzl,Jabotinsky und co.).Sie wurde Manifest,als die Briten 1916 den Zionisten einen Deal anboten.Ihr zieht die USA in den Krieg gegen Deutschland hinein und wir geben euch aus unserer Kriegs-Beute Palästina(Balfour-Deklaration).Zuvor hatten die Briten und Franzosen im Sykes-Picot-Abkommen die Gebiete des zu vernichtenden Osmanischen Reiches unter sich aufgeteilt. Weder die Bewohner noch deren Oberhäupter wurden gefragt….

  4. Die Palästinenser könnten einfach in Frieden leben, wenn sie akzeptieren würden, dass sie die ihren Vorfahren weggenommen Gebiete nur mehr wiederbekommen und auch keine Entschädigung für ihr verlorenes Eigentum bekommen werden und auch sonst nicht entschädigt werden.

    Dass sie in und um Israel in Flüchtlingslagern zu leben haben und nicht die gleichen Rechte wie andere Bürger haben.

    Dass alle Aspekte ihres Lebens von Israel vorgeschrieben und kontrolliert werden. Dass sie einem brutalen und ungerechtem Strafgesetz unterstehen.

    Und dass ihnen nach und nach die letzten Reste ihrer Ländereien weggenommen wird.

    Und dass sie, wenn sie folgsam sind, einfache Arbeiten bei den Israelis durchführen dürfen.

        1. Tja, es ist ja seit PISA bekannt, dass das mit dem sinnentnehmenden Lesen in Deutschland teilweise ein Problem ist.

          Andererseits ist das die Zusammenfassung der Argumente, die ich bei den Leserkommentaren z. B. bei Welt Online gefunden habe.

          Die glauben das wirklich fast alle.

    1. Da gab es doch die Resolution 194, die das Rückkehrrecht der Palästinenser inklusive Entschädigung regelt.
      Zwar „nur“ von der Generalversammlung der UNO beschlossen, aber Israel hat zugesichert, sie zu erfüllen. Das war die Bedingung für die Aufnahme Israels in die UNO.

      Was folgt daraus? Richtig! Suspendierung Israels!

      …eigentlich….

      1. Da gab es doch die Resolution 194, die das Rückkehrrecht der Palästinenser inklusive Entschädigung regelt.
        Zwar „nur“ von der Generalversammlung der UNO beschlossen, aber Israel hat zugesichert, sie zu erfüllen.

        Danke für den Hinweis. Von dieser Resolution hatte ich zuvor nie gehört und habe sie mir umgehend angesehen.

        1. Aber gern!

          Hinzu kommt, daß die bekannte Resolution 181 (Teilungsplan), auf der Israel seine berühmtes „Existenzrecht“ völkerrechtlich aufbaut, eben auch die Existenz eines palästinensischen Staates bedeutet, welche aber von Israel seitdem mit allen Mitteln verhindert wird.

          Daraus folgt, daß niemand das Existenzrecht Israels mehr in Frage stellt, als Israel selbst, indem Tel Aviv eben diese Resolution 181 bricht.

  5. Leider wird der „Elefant im Raum“ nicht erwähnt: die alle Fasern der israelischen Gesellschaft durchziehende faschistoid-rassistische Ideologie des Zionismus.Auch wenn Moshe Zuckermann kein eifriger Ideologe ist,so kann er sich nicht vom Zionismus frei machen,der sein ganzes Leben geprägt hat.Und nein,es gibt keinen“linken“ Zionismus !
    Die Hamas wurde 1987 vom Mossad mit Hilfe des MI 6,der die Moslembruderschaft steuert,als Gegengewicht zur säkularen PLO geschaffen: Teile und beherrsche ,die uralte Methode,die das „perfide Albion“ bis zur Perfektion beherrscht. All die Massaker,Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen der Israelis waren und sind Ausdruck der rassistischen Ideologie des Zionismus.
    Das Motto könnte lauten :Alle Rechte für Juden(abgestuft nach Herkunft/kulturelle Wurzeln…),
    keinerlei Rechte für Palästinenser(egal ob Muslime oder Christen). Und die jüdisch-israelische Gesellschaft ist nicht Willens,die arabischen Bürger Israels als gleichberechtigte Mitbürger anzusehen.Deren Diskriminierung ist keine juristische,es ist eine Diskriminierung durch (fast) jedes Mitglied der jüdisch-israelischen Gesellschaft…
    Israel/Palästina hat nur dann eine Zukunft,wenn es den Zionismus als Staatsideologie abschafft.
    Dann hat auch der politische Islam der Hamas und Co. keinen Nährboden mehr.
    Und den Zugang zu den „Heiligen“Stätten kann man im gegenseitigen Einvernehmen lösen…

  6. Das Religiöse ist nüchtern betrachtet für das Kolonial- Projekt Israel nur vorgeschoben, der Bezug auf den Holocaust nicht stimmig, aber eine „glückliche Fügung“ , wenn auch grausame, aus Sicht des Zionismus. Da kann noch soviel an Begründungen an den Haaren herbeigeführt erfolgen, die Fakten bleiben. Wenn schon, dann hätte eher der Morgenthau-Plan seine Richtigkeit gehabt, die Bayern auszusiedeln zu Gunsten der Holocaust -Überlebenden.
    Dieser Zionismus-Aspekt in Bezug auf Nahost hatte noch nie eine Daseinsberechtigung, auch heute nicht. Es gibt keine historische Berechtigung dafür.
    Aber eine Lösung der Nahost -Kalamität muss die Existenz Israels als gleichberechtigte Realität annehmen, wie die Existenz anderer Gemeinschaften auch. Eine andere Lösung gibt es nicht.
    Ach ja, alternativ zu Morgenthau wäre auch eine Ansiedlung in der Westukraine berechtigt. Man sollte die aktuellen Veröffentlichungen Russlands zu den unvorstellbaren Verbrechen der historischen Helden der heutigen ukrainischen „Demokraten“ zum Beispiel im Donezk, 70.000 in einen Schacht gestoßene Russen, bestimmt ein Weltrekord, ansehen. Solche Verbrechen geschahen überall in den besetzten Gebieten, und nicht durch die Russen.

    1. Zionismus und Nationalsozialismus/Faschismus sind Brüder im Geiste ! Einfach mal das Háavara-Abkommen vom August 1933 betrachten.Die Zionisten brauchten Geld,gut gebildete und disziplinierte Siedler.Die glaubte man in Deutschland gefunden zu haben.Nur wie bringt man integrierte Juden dazu,ihre Heimat zu verlassen und einen Kolonialstaat zu schaffen? Indem man sie über den leider üblichen Antisemitismus hinaus schickaniert und diskriminiert…
      Einer der Verhandlungspartner der Zionisten war ein gewisser Adolf Eichmann…

      1. Thierry Meissan hat zur Geschichte des Revisionstischen Zionismus einiges dargestellt u a auch die Zusammenarbeit mit den Nazis. In vielen Orten findet man heute noch Zeugnisse der von den Nazis geleiteten Ausbildungsstellen für jüdische Aussiedler. Wolfgang Schreyer, Vater von Paul, hat in dem Tatsachenroman „Unternehmen Thunderstrom“ u a die Vernehmungsprotokolle des SD -Chefs von Warschau von dem Bach-Zelewski veröffentlicht, in denen er beschrieb, dass er nicht nur den Warschauer Aufstand nach seinem Gusto gegen die SU, über seine Agenten ausgelöst hat, sondern auch die jüdischen Paramilitärs eingesammelt, ausgebildet, bewaffnet und nach dem alten Plan nach Palästina verbracht hat. Die waren dann die Initiatoren zur Bildung von Israel, mit entsprechendem Terror , dem was sie konnten. Man kann durchaus sagen, dass die reale Inangriffnahme nach Nazi -Plan erfolgte.
        Das ist aber Geschichte. Heute muss von der realen Lage der Existenz Israels ausgegangen werden, alles andere wäre Wahnsinn wie die Austauschungen zwischen Türkei und Griechenland oder zwischen Indien und Pakistan mit Mio Toten uns zeigen.

        1. Danke für die Infos!
          Natürlich ist der Staat Israel Realität.Auch dürfte die Mehrheit seiner Bewohner inzwischen dort geboren worden sein und Israel als ihre Heimat ansehen.Bei einer politischen Lösung muss selbstverständlich von der inzwischen eingetretenen Realität ausgegangen werden.Lange Zeit bin ich von der Ein-Staaten-Lösung als der vernünftigsten Lösung ausgegangen.Aber bei dem fanatischen Hass auf beiden Seiten und der Tatsache,das Israels Regierung die Aktivisten auf palästinensischer Seite,die für die Ein-Staaten-Lösung eingetreten sind,systematisch ermorden lässt,halte ich das inzwischen nicht mehr für möglich…

      2. Das Palästina-Transfer Abkommen zwischen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und dem deutschen Reichsministerium für Wirtschaft, das Eichmann vermittelte, war wohl der Hauptgrund für Israel, Eichmann zu hängen.

        1. Nach Gaby Weber, soweit ich mich entsinne, die dazu viel recherchiert hat, lag der Hauptgrund darin, dass Israel damiit vor allem seine Internationale Drohkulisse aufbauen wollte. Der Mossad war zu der Zeit noch fast ausschließlich ein Mythos. Die Festnahme Eichmanns soll durch den argentinischen Regierungschef mit seiner Mannschaft erfolgt sein, Eichmann den Israelis, die zögerten, übergeben.
          Darauf kam es zum Abkommen zwischen Israel und BRD, wonach es der letzte Prozess werden sollte und dafür die BRD „Wiedergutmachung“, d h, Finanzierung der israelischen Aufrüstung vorrangig, geleistet werden sollte .

  7. Richtig ist, dass religiöser Zionismus und Hamas Dschihad-Ideologie zur Verteidigung des „islamischen Bodens“ miteinander Krieg führen. Doch wer fing damit an und wer reagiert? Das sagte Menachem Begin zum Existenzrecht Israels: „Wenn hier Palästina ist, dann gehört das Land dem Volk, das hier lebte, bevor Sie (die Zuhörer) gekommen sind. Nur wenn hier Erez Israel ist, haben sie das Recht, in Ein Hakohoresh und Degana zu leben.” (Menachem Begin, zitiert nach Fischer Weltgeschichte 36 S. 175) Die Reaktion darauf musste der Dschihad sein, um alle Moslems der Welt aufzufordern, sich gegen die Zionisten zu engagieren, denn die Palästinenser können die Zionisten nicht alleine besiegen. Schließlich riefen die Zionisten ja auch die Juden der Welt auf, sie zur Eroberung des heiligen Landes zu unterstützen, und betrachten alle Juden als Staatsbürger. Ich stelle mit Entsetzen fest, dass sich der jüdische Dschihad vom moslemischen nur durch seine größere Radikalität unterscheidet. Moshe Dayan zeigte Verständnis für die Palästinenser und ihren Terror. „Lasst uns heute die Mörder nicht verdammen. Was wissen wir denn von ihrem grausamen Hass auf uns? Sie müssen seit acht Jahren in den Flüchtlingslagern des Gazastreifens leben, während wir, gleichsam unter ihren Augen, das Land, auf dem sie und ihre Vorfahren lebten, zu dem unseren machen…” (Moshe Dayan, zitiert nach Fischer Weltgeschichte 36 S. 191) Moshe Dayan folgert: „Wir sind eine Siedlergeneration, die ohne Helm und Gewehr keinen Baum pflanzen und kein Haus bauen kann.” Dafür musste er nach dem „beinahe verlorenen“ Jom-Kippur-Krieg zurücktreten, obwohl er ihn trotz der Erfolge der Araber in den ersten zwei Tagen in nur 19 Tagen gewann. (Ein perplexer Araber behauptete mir gegenüber, das seien alles Fakenews des Westens.) Man vergleiche das mal mit dem Gaza-Krieg! Ich vermute, er musste zurücktreten, weil er mit den Palästinensern einen Ausgleich suchen wollte.
    Und in der Gegenwart kopierten Moslems die Idee des jüdischen Staates und gründeten einen Islamischen Staat.
    Völkerrechtlich wird Unrecht im Verlauf der Zeit zu “Recht”. Das geht tatsächlich nicht anders. Man kann die Israelis nicht vertreiben. Aber ständig werden von den Israelis Schritte unternommen, die Palästinenser zu vertreiben, z. B. Siedlungspolitik und jetzt der Gaza Krieg. Nein, es geht nicht mehr um einen Territorialkonflikt.
    Es geht um die Erhaltung Israels als Bastion der Amerikaner im Nahen Osten. In den letzten Jahrzehnten haben sich islamische Länder als die resistentesten und gefährlichsten Mächte gegen die Globalisierung erwiesen, und wurden dafür hybrid mit dem “arabischen Frühling” und militärische mit dem “Krieg gegen den Terror” überzogen. Der Krieg gegen die Palästinenser ist nichts anderes als die Fortsetzung dieses “Krieges gegen den Terror”, begründet durch einen möglicherweise durch israelische Agent Provocateurs herbeigeführten und mit Absicht zugelassenen Angriff der Hamas. Ohne westliche Einmischung wäre der Palästinakonflikt längst beendet. Denn die Araber wissen, dass sie Israel nicht vernichten können, und die Israelis wissen, dass sie Arabien nicht besiegen können. Es geht um den Krieg des Globofaschismus gegen die Unabhängigkeit der islamischen Länder, die ihr Ressourcen nicht hergeben wollen, also letztlich um den Klassenkampf zwischen Globalisten und Populisten!

  8. Eine theokratische Zweistaatenlösung wäre – man bedenke das eigentlich Undenkbare im Jahre: 2024 ! – der erfolgreiche Abschluss des zionistischen Kolonialisierungsprojekts Israel! Die Lösung kann deshalb nur eine säkulare Einstaatenlösung sein: “Palästina from the river to the sea”, basierend auf demokratischen Mehrheitsverhältnissen!

  9. Zuckermann argumentiert doch immer wieder so, als stünden sich hier zwei gleich starke und gleichwertige Gegner gegenüber. Mich interessiert eher, wer setzt aufgrund seiner wirtschaftlichen und militärischen Macht sein rassistisches Projekt um, während der andere eigentlich nur ein paar machtlose Wünsche in seiner Satzung formuliert, die aber in neueren Diskussionen wohl auch aufgeweicht wurden. Und auch die Hamas ist offenbar kein monolithischer Block, denn anscheinend gab es durchaus verhandlungsbereite Hamas-Politiker. Die wurden aber zielstrebig von Israel ausgeschaltet. Wenn wer, offenbar egal welcher politischen Couleur, kein Interesse an einer Zweistaatenlösung hat, dann ist es Israel, denn das hat dabei viel zu verlieren, während die Palästinenser bereits alles verloren haben.
    Ich bring dich um, sagt die Maus zum Elefanten, der zittert vor Angst und trampelt deshalb alles nieder. Reine Notwehr!

  10. Die Existenz Israels ist die Staatsräson Deutschlands. Warum?

    Eigentlich hätte Deutschland, nach dem, was sie den Juden angetan haben, ein Bundesland, wie z.B. das Saarland räumen müssen und ihnen als Entschädigung als neues Zufluchtsland zur Verfügung stellen müssen.

    Nur wären die Saarländer da nicht so begeistert gewesen. Viel eleganter war es doch, den Juden dreiviertel von Palästina zu schenken und es ihnen selbst zu überlassen, dort auszuräumen. Praktischerweise haben die Juden in den KZs gelernt, dass es, wenn es um’s Überleben geht, Zimperlichkeit fehl am Platze ist.

    Weil es ja für die Deutschen etwas peinlich gewesen wäre, Tür an Tür mit den Holocaustopfern zu leben, hat man die Edlösung der Judenfrage auf deutschem Boden durch die Staatsgründung Israels finalisiert.

    Natürlich durfte Israel dabei auch nicht übertreiben, denn es müsste ja irgendwie freiheitlich und demokratisch aussehen. Deshalb gibt es ja auch Quotenpälastinenser, die israelische Staatsbürger sein dürfen, wenn sie sich nett verhalten.

    Dazu hat man auch die Erzählungen in die Welt gesetzt, dass Palästina ein leeres Land war, bevor die Juden kamen. Und dass es öde und unfruchtbar war und nur durch die Israelis aufgeblüht ist. Und dass man den geflohenen Palästinensern angeboten hat, wieder in ihre Häuser zurückzukommen. Etc, etc.

    Nun ist es aber so weit, dass niemand auf der Welt das mehr glaubt, bis auf die Deutschen.

    So, und jetzt überleg ich mir noch, ob ich das Ganze mit /sarc kennzeichnen muss…

    Denn im Kern der Sache stimmt es.

    1. Stimmt, einen ähnlichen Beitrag meinerseits, wurde hier schon gelöscht.
      Hier findet ein Jahrtausenderalter Krieg zwischen Bevölkerungsgruppen statt, die sich nie leiden werden, religiös verbrämt oder nicht, jedenfalls liefern die Religionen, hier den passenden ideologischen Überbau.
      Auch , wenn es natürlich mittlerweile, um die letzten Ressourcen geht.
      Das hat die Elite schon ganz richtig analysiert, wie wir spätestens seit dem Frühjahr 2020 wissen.
      Weil Religionen immer darstellen möchten, dass der Mensch nicht so ist wie er ist.

  11. Hierzu mal ein paar Groschen in aller Kürze…

    Zuckermanns Text verschleiert, indem er einen Kolonialkonflikt zu einem religiös aufgeladenen Territorialkonflikt verbrämt. Im Westen wird die Nahostkrise ja allgemein gern als konfessionell geprägt („Juden vs. Muslime“) dargestellt oder gleich kulturessentialistisch aufgeladen. Ähnlich lief es – die Älteren werden sich erinnern – im Umgang mit Nordirland. Auch jener euphemistisch „Troubles“ genannte Konflikt wird gern als rein religiöse Auseinandersetzung („Katholiken vs. Protestanten“) präsentiert und hier wie dort werden gezielt Nebelkerzen geworfen. Nur ist eben nichts anderes als rechte Propaganda, die zum Ziel hat vom Elefanten im Raum abzulenken – dem Siedlerkolonialismus.

    Wenn Zuckermann schreibt:

    Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein Territorialkonflikt. Zwei Kollektive streiten in ihm um die Herrschaft über Gebiete – darum und einzig darum hat es in diesem Konflikt zu gehen.

    Ist das einerseits drollig, andererseits ziemlich frech. Ja, „Kollektive“ streiten sich um Gebiet. Aber Zuckermann präsentiert das in der – schon aus anderen Gründen höchst hinterfragenswürdigen – Form von: „Wilde Stämme kloppen sich um Land“. Woher kam denn das eine Kollektiv? Fiel es etwa wie Manna vom Himmel? Vielleicht mag Herr Zuckermann ja mal einen Blick in ein bürgerliches Werk wie „Es war einmal ein Palästina“ von seinem Landsmann Tom Segev werfen – es müssen ja nicht gleich Losurdo, Verleger oder schwerere Kaliber sein.

    Ansonsten – reden wir Tacheles. Beziehungsweise aus Zeitgründen wiederhole ich einen Punkt, den ich hier schon letzten Herbst hinterließ:

    Bei Palästina wie Irland handelt es sich um sogenannte minoritäre Siedlerregimes. Das ist – in der langen Liste unappetitlicher Kolonialismusformen – die so ziemlich schlimmste Form und die von ihnen ausgelösten Konflikte verlaufen oftmals besonders brutal und blutig. Im Kern versucht eine politisch dominante Siedlerminderheit – in der Regel mit Hilfe des jeweiligen kolonialen Staates oder anderen staatlichen Unterstützern – die ackerbautreibende einheimische Bevölkerungsmehrheit von deren Land zu vertreiben. Zugleich bleibt sie während dieses Prozesses aber auf die Arbeitskraft der Kolonisierten angewiesen. Deshalb – und weil die Siedler eben nur eine Minderheit sind – stehen sie in fortdauernder Konkurrenz zu den Einheimischen. Dieses quasi perpetuierte antagonistische Spannungsverhältnis zwischen Kolonisten und Kolonisierten als Hauptcharakteristikum jenes Kolonietypus entlädt sich in regelmäßigen Erhebungen letzterer sowie ausgeprägten Repressalien ersterer.

    Transferleistung, Untertertia: Beschreibe inwiefern 10/7 eine der regelmäßigen Erhebungen der Kolonisierten in Palästina darstellt und Israels seither andauernde Kriegskampagne in Gaza ein typisches Beispiel für mit ausgeprägten Repressalien antwortende Kolonialisten.

    Transferleistung, Woke-Schule: Male den Text bunt an, wedle mit Deiner Regenbogen- / Ukraine- / Israelflagge und singe das Lied von Nemo.

    Fun fact am Rande: In Irland wie in Palästina waren bekanntlich beides Mal die Briten verantwortliche Kolonialmacht. Was – wie man in jenem Buch von Segev nachlesen kann – einen britischen Offizier dazu brachte zu sagen: Palästina ist wie Nordirland nur mit besserem Wetter.

    Zurück zu Zuckermann. Wenn der dann schreibt:

    Entsprechend kann es zur Überwindung des Konflikts nur eine politische Lösung geben: Entweder wird das Territorium aufgeteilt, um zwei souveräne Staaten zu bilden; oder aber man verzichtet auf die Teilung und schafft einen einzigen Staat für beide Kollektive.

    Verkennt er entweder die dem Konflikt zugrunde liegenden Dynamiken, ist Idealist oder wirft mit Absicht Nebelkerzen. Oder alles drei zusammen. Fakt ist – im Siedlerkolonialismus wurzelnde Konflikte enden in der Regel nur auf eine Weise: durch Herausnahme einer der Triebkräfte. Dabei gibt es in der Tat zwei „Lösungsmöglichkeiten“, aber nicht die von Zuckermann genannten und auch nicht unbedingt „politische“ (zumindest wenn manche Leser darunter irgendetwas wie „sachlich-nüchtern“ oder „gewaltfrei“ verstehen sollten): entweder kommt es zur Isolierung oder Extinktion der Urbevölkerung (Modell: Vereinigte Staaten) oder zur Rückwanderung beziehungsweise Vertreibung der Siedler (Modell: Algerien).

    Die dritte Möglichkeit – aber keine Lösung, oder allenfalls nur eine auf Zeit – ist das Einfrieren des Ganzen unter Zuhilfenahme von jeder Menge Kohle und / oder Repressionsmitteln sowie gewissen baulichen Trennungsmaßnahmen. Wer mal in Belfast oder Derry war, kennt ja sicher die „Peace Walls“, die auch ein Vierteljahrhundert nach dem ach so glorreichen Karfreitagsabkommen dafür sorgen, dass dort nicht jeden Morgen die Hütte brennt. Wer es nicht mit Mauern hat, kann auch einfach Statistiken zu Eheschließungen zwischen Kolonisierten und Kolonialisten anschauen oder zur Durchmischung des Schulsystems. Ein rechtes Hetzblatt wie die NYT macht letzteres hier – natürlich sind für es die Schüler weiterhin „divided by their religious backgrounds“. *gacker* Und wie steht es um die Eheschließungen zwischen Israelis und Palästinenser oder die Durchmischung des dortigen Schulsystems? Lassen Sie mich raten – es liegt auch nur an den „religious backgrounds“ der Beteiligten…

    (Ach und bevor jemand schreit „Ja, warum dauert der Nordirlandkonflikt dann nicht bis heute an?“ Nun, einerseits tut er das, andererseits sind den „dissident republicans“ in den 1990ern die materiellen wie immateriellen Unterstützungsmächte (UdSSR, Libyen, Irish Americans) weggebrochen. Danach wurde aus Sinn Féin Sinn Woke. Die Palästinenser haben immerhin noch (partiellen) Beistand der „Achse des Widerstands“ und ein paar anderer.)

    Die Gründung eines Staates für die Juden, die nach der Shoah eine besondere Dringlichkeit erfuhr

    Ach, vor 1945 lief da in Palästina nix in Sachen Staatsgründung? Herzl hatte seine Ideen auch erst 1947 auf der Exodus oder wie? Wirklich, fangt mit Segev an und arbeitet euch dann mal zu den kritischen Autoren vor…

    Um Territorien ging es auch bei den nachfolgenden regionalen Kriegen von 1948, 1956, 1967 und 1973.

    Nein, es ging nicht irgendwie abstrakt um „Territorien“, es ging und geht um Landnahme. Um die Vertreibung der Einheimischen von ihrem Land. Das muss man so benennen, denn das ist ein Unterschied, der Pudels Kern des Ganzen. Fortgesetzte Landnahme ist den minoritären Siedlerregimes schlicht eingeschrieben. Deswegen reißt man den Palästinensern ihre Olivenbäume raus, zerstört ihre Häuser und Schulen, verhindert ihre Rückkehr.

    ist von beiden Seiten seit Jahrzehnten zutiefst kontaminiert worden, indem man der Religion massiven Eingang in den säkularen Diskurs des Konflikts verschaffte.

    Nein, das ist Verschleierung – und „false balance“. „False balance“ ist ja so ein affiges Modewort, also wenden wir es mal dort an, wo man es wirklich brauchen kann. Man kann nicht die Opferseite, die Kolonialisierten, hier einfach nonchalant in gleichwertige Mithaftung nehmen. Da haben nicht beide gleichermaßen, 50:50, zur „Kontaminieriung“ beigetragen. Das einzige was hier kontaminiert wird, ist vielleicht das Ackerland der Kolonialisierten.

    Natürlich sind auf Seiten der Palästinenser jede Menge unappetitliche Gestalten unterwegs, Massaker begangen und Anschläge verübt worden – aber man sollte die Wurzeln des ganzen betrachten, die Verhältnisse, den Hintergrund. Und der lautet nicht „Koran“, sondern „Kolonialismus“.

    Ansonsten können wir auch sagen: Europäische Siedler und amerikanische Indianer waren gleichermaßen an den dortigen „Geschehnissen“ schuld. Oder: US-Amerikaner und Vietnamesen haben im Krieg beide Unrecht begangen. Oder wir landen gleich bei Horkheimer, der anno 1942 (!) jammernd fragte wo in der UdSSR denn der Kommunismus sei – der Staat sei so repressiv und mächtig. Das sind einfach Nullingerthesen, Nebelkerzen. Schauen’s auf die Verhältnisse und dem was die Kolonialisierten ausgesetzt sind bevor Sie vor Küchentisch aus über deren Taten urteilen…

    Ansonsten: Wie bei Nordirland sind das allenfalls divergierende religiöse Legitimierungen von Macht-, Territorial und sonstigen Ansprüchen. Ein Überbau eben, mit dem man vom Pudels Kern abgelenkt werden soll.

    das Siedlerkontingent im Westjordanland umfasst heute rund 650.000 Siedler (…) dass man die Beherrschung der Westbank aus “Sicherheitsgründen” postulierte.

    Das ist Siedlerkolonialismus 101. Wäre schön, wenn Zuckermann das auch verstünde, statt sich auf die Nebelkerze des religiösen Überbaus zu stützten oder bloß den Hasbara-Agitprop „Sicherheitsgründe“ als reines Postulat stehen zu lassen. Ja warum wurde das denn postuliert? Na, um einen Überbau für die fortgesetzte Landnahme zu haben. From the river to the sea, greater Israel shall be glee. (<= den Schmu habe ich letztens wirklich so gehört)

    Die politischen Führer der Nationalreligiösen sind an bedeutende Machtpositionen des Staates gelangt (…) beide ausgemache rassistische Faschisten.

    Man könnte auch einfach sagen: diese Kolonialisten verzichten jetzt endlich darauf sich eine „humane Maske“ aufzusetzen. Und wer in Israel heute an den Spitzen der herrschenden Machtfraktionen steht, ist natürlich die Crème de la Crème der Kolonialisten. Natürlich sind die allesamt rechts, rassistisch und faschistisch. Wären es Anarchisten oder Kommunisten wären es ja keine Kolonialisten. (Und kommt mir nicht, in den Kibbuzim lebten auch „Kommunisten“ – entweder du bist Kommunist (Befreier) oder Kolonialist (Unterdrücker), beides zusammen geht nicht). Schaut euch nur die Knessetzusammensetzung an – > 75 % sind rechtsliberal, rechtsnational, rechtsreligiös, oder einfach nur rechts. Hat Zuckermann selber vor ein paar Wochen nochmals betont.

    Bei den Palästinensern gelangte die Religion maßgeblich durch die Heraufkunft der Hamas in die Politik.

    Ah ja. Die „Heraufkunft“ der Hamas. Ja wie und woher ist die denn eigentlich herauf gekommen? Spaltete Moses mal wieder das Rote Meer und – schwupps – sprang aus einer Erdspalte die Hamas mit den zehn religiösen Geboten unterm Arm? Oder fielen ihre Kämpfer etwa auch wie Manna vom Himmel?

    Gab es da nicht jemanden, der die „Heraufkunft“ der Hamas gezielt gefördert und die Truppe aufgebaut hat? So über Jahr(zehnt)e?

    Ja, ich weiß – das Westfernsehen nennt solche Thesen verkürzend und antisemitisch. Letzteres gilt jetzt übrigens auch für Juden – die sind jetzt nicht mehr bloß „selbsthassend“ wie man bis letztes Jahr raunte, wenn sie sich antizionistisch oder Israel-kritisch äußerten. Nein, die können laut Standard-Watchblog jetzt auch antisemitisch handeln und sprechen. Antisemitische Juden – amtlich festgelegt vom deutschen Judenschauer. Besser geht’s nicht.

    Mir ist das alles zu blöd. Sachdienliche Informationen bieten Domenico Losurdo, The Grayzone und ein paar andere. Lest’s dort ausführlich nach und vergesst nicht – keinesfalls laut aussprechen.

    1. Sehr gut zusammen gefasst. übrigens ebenso lesenswert ist Sari Nusseibeh: Es war einmal ein Land.
      Übrigens wurde er von israelischer Seite gerade wegen seiner explizit gewaltlosen Friedens-und Verhandlungsbereitschaft als besonders gefährlich eingeschätzt, viel gefährlicher als gewalttätige Widerständler.

    2. Sehr schöner Einspruch, Altlandrebell, mit einem kleinen Einspruch meinerseits. Auch wenn der „Konflikt“ im Großen und Ganzen ein siedlerkolonialer ist lässt sich m.E. in diesem Falle von der Religion bei seiner Beschreibung doch nicht ganz absehen, weil die Siedlerkolonisten hier im zu kolonisierenden Land unter der autochtonen Bevölkerung auf Ihresgleichen stießen, und zwar auf Ihresgleichen anhand der Religion. Auf palästinensische Juden eben, die ins Siedlerkollektiv eingemeindet wurden.

      Was auch wieder an die verwirrende Tatsache erinnert, dass die säkularen Zionisten aus dem Judentum eine Ethnie machten (Schlomo Sand sagt: ein Staatsvolk), die Zugehörigkeit zu dieser Ethnie aber von der Religion – zumindest der der Vorfahren – abhing.
      Genau darüber empörte sich der assimilierte Jude Viktor Klemperer in seinem bekannten Buch LTI regelrecht, dass er nämlich plötzlich auch aus Sicht der Zionisten kein richtiger Deutscher mehr sei.
      Ich hatte in den 1990-er Jahren mit einer ähnlichen Verwirrung zu kämpfen und begriff nicht so recht, woher das rührte. Tatsächlich wurde aber in der DDR, ganz den Ansichten der sozialistischen Klassikern des 19. Jh. und des westeuropäischen assimilierten Judentums folgend, das Judentum streng als Religionsgemeinschaft aufgefasst. Exemplarisch natürlich in der Marxschen Entgegnung auf Bauers Text „Die Judenfrage“, die heutzutage aufgrund des veränderten Begriffs von Judentum zu reichlich abstrusen Schlussfolgerungen führt.
      Jedenfalls merkte ich, dass im westdeutschen Diskurs zum Judentum schon eine ethnische Komponente spürbar war.

      Und wenn ich mir noch eine abschließende Bemerkung erlauben darf: Beim Diskurs über „die Bosniaken“ während des Bosnienkrieges war ich erneut verwirrt. Das waren doch offenkundig einfach Südslawen (vermutlich sogar mehrheitlich Serben), die exakt die Sprache ihrer Nachbarn sprachen etc., die aber während der Türkenherrschaft zum Islam übergetreten waren. Warum wurden die nun ethnisiert bzw. ethnisierten sich selbst? Ich begriff es einfach nicht.

      P.S.
      Die „false balance“ taucht in jedem Zuckermannschen Text auf. Daran habe ich mich schon gewöhnt.

      Grüsse

      1. @ Besdomny

        Danke für Ihre Replik und die Ergänzungen.

        Ich wollte gar nicht völlig von der religiösen Komponente absehen (natürliche spielen die auch eine Rolle), mir ging es bloß darum den Elefanten im Raum zu beleuchten, da der Autor und einige Mitforisten sich mir vollends auf die Religionsfrage eingeschossen zu haben schienen.

        Jedenfalls merkte ich, dass im westdeutschen Diskurs zum Judentum schon eine ethnische Komponente spürbar war.

        Vermutlich ist das nicht nur auf Westdeutschland beschränkt. Ich will meinen, dieser Diskurs wäre auch wieder a ein Kandidat für eine der Scheidelinien zwischen „West-“ und „Ost-Marxismus“ wie sie Losurdo herausarbeitete.

        Ansonsten machen Sie mit Klemperer und dem Bosniaken-Diskurs gute Punkte. Zu letzterem fällt mir ein: Ich hatte einen serbisch-stämmigen Mitschüler, der nie verstanden hat, warum im Westen seit den 1990ern das Serbokroatische in „Serbisch“ und „Kroatisch“ aufgeteilt wurde. Für ihn waren Geschichten wie „Montenegrinisch“ Varianten ein- und derselben Sprache. Die Auftrennung erachtete er als künstlich; ihr Ziel läge einzig in der Aufspaltung und Vehetzung der Leute. Klarer Fall von „Jugoslawien-Versteher“ oder wie man das heute wohl nennen würde…

        Warum wurden die nun ethnisiert bzw. ethnisierten sich selbst?

        Ein weites Feld. Im Westen verweist man dazu immer gerne auf „Titos verfehlte Nationalitätenpolitik“. Klingt wie die „verfehlte sowjetische Nationalitätenpolitik“. Nun ja.

        Als Viertelsteirer beginne ich lieber vor einer meiner familiären Haustüren und sage, dass zunächst mal wieder eine habsburgische Hand im Spiel war, genauer gesagt die von Benjámin Kállay. Hier mal ein paar sachdienliche Hinweise zu ihm und seinem Wirken aus einem bürgerlich-wissenschaftlichen Beitrag (Fettungen von mir):

        The end of the nineteenth century in Austria-Hungary was marked by a very ambitious project: an attempt at forging a common Bosnian identity, an aspect of Habsburg “civilizing mission” in Bosnia and Herzegovina, as administered by Benjamin Kállay, Austria-Hungary’s Joint Minister of Finance.

        “Civilizing mission” klingt immer gut! Könnte glatt R2P-Sprech sein…

        Austro-Hungarian experimentation in Bosnia was a direct consequence of the Congress of Berlin (1878), whereby the representatives of the Great Powers turned Ottoman Bosnia to Habsburg administration.

        Der gute alte Berliner Kongress und seine „Friedensordnung“. Nicht zu verwechseln mit der Berliner Konferenz, wo man Afrika zerhackstückte…

        Franz Joseph I (…) was interested not only in the acquisition and enlargement of his dynastic domains, but prepared for the annexation of Bosnia from the beginning of his reign.

        Der gute Franz kam 1848 an die Macht…

        Kállay thought it his mission to prevent Bosnia from allying with the competing centers of attraction in the neighborhood, most especially with Serbia and Montenegro. Consequently, the insistence on the separate cultural and historical development of Bosnia was a part of his overall political agenda.

        Kommt einem irgendwie so modern vor, nicht wahr?

        (…) the introduction of Bosnian language into official use (…) created a lot of resentment among the members of distinct ethnic communities (in particular among Serbs and Croats), who rightly perceived Kállay’s preference for the use of Bosnian language as part of his efforts to thwart the development of Serb and Croat national movements in the country.

        The language issue was closely connected with the educational policy, which was one of the most pronounced policies of the Austro-Hungarian administration, and which in line with general directions devised for Bosnia and Herzegovina intended to educate loyal and capable subjects of the Monarchy.

        Kurz: Divide et impera 101.

        Die Spuren des habsburgischen Imperialismus und Balkan-spezifischen Kolonialismus sind auch so ein Elefant, den viele nicht sehen wollen; selbst dann nicht, wenn er stampft und trötet.

        Ansonsten sollte man m.E. nicht den „Panislamismus“ der mit den Westlern alliierten Wahhabiten vergessen und wen der so alles beeinflusste – Stichwort Izetbegović. Nach einem Abstecher nach Jasenovac (kennt in Deutschland wohl auch keine Sau mehr) kann man dann von mir aus von Tito anfangen.

        Ergänzen / kritisieren Sie (und andere) ruhig, wenn Ihnen noch etwas einfällt.

        Gruß
        Altlandrebell

        1. Jedenfalls merkte ich, dass im westdeutschen Diskurs zum Judentum schon eine ethnische Komponente spürbar war.

          Vermutlich ist das nicht nur auf Westdeutschland beschränkt. Ich will meinen, dieser Diskurs wäre auch wieder a ein Kandidat für eine der Scheidelinien zwischen „West-“ und „Ost-Marxismus“ wie sie Losurdo herausarbeitete.

          Nein, bezüglich der Interpretation des Judentums gab’s im „Ostblock“ interessanterweise keine einheitliche Linie.
          In der SU nämlich setzte sich eine ethnische Interpretation des Judentums schon in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre durch. Das lag sicher daran, dass der überwiegende Teil der Juden im Zarenreich nicht assimiliert war, wie zur Jahrhundertwende im Westen, dazu die Ostjuden eine eigene Sprache sprachen (Jiddisch) und der mit den russ. Sozialdemokraten verbündete jüdisch-sozialdemokratische BUND zumindest eine „kulturelle Autonomie“ für die Juden in der nachrevolutionären Gesellschaft gefordert hatte.
          Jedenfalls wurde daraufhin Jiddisch nicht nur zu einer der Amtssprachen in einzelnen Regionen (z.B. Weißrussland), sondern tauchte in den Personalausweisen und sonstigen Statistiken als eine der möglichen Nationalitäten auf (letzteres schon im Zarenreich).
          Und für diese Ethnie wurde, wie zuvor für andere, bekanntlich 1934 am Amur eine eigene autonome Jüdische Oblast geschaffen, in die aber kaum ein Jude zog.

          Und was Ihre Erläuterungen zu den Bosniern angeht: Das erklärt so manches.

          Grüsse

        2. Dein ehm. Mitschüler, der „Jugoslawien-Versteher“, hat recht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in den 1980er, wir in der Schule gelernt haben, dass erste Staatssprache in Jugoslawien serbokroatisch war.
          Gucke dir die ganzen Fischer Weltalmanachen aus der Zeit an (ich habe diese von 1983ff hier noch in meinem Regal), da ließt man dann unter dem Punkt „Landessprache“, serbokroatisch.
          Das jetzt von „serbisch“, „kroatisch“…gefaselt wird, dient natürlich ganz klar dem nationalistischen „nation building“.
          Aber Linguisten, wenn sie denn ihrem Fach treu sind und nicht idelogisiert sind, kritisieren das schon lange.

  12. …. und man sollte – geschichtsbewusst- die Britten nicht davonkommen lassen die, selbstredend als Kolonialmacht, das siedlerkolonialistische zionistische Israelprojekt mit der Balfour Deklaration 1917 einleiteten, über ein Jahrzehnt vor den Naziverbrechen und dem Holocaust!

  13. So lange beide Strömungen mit Geld versorgt wurden/werden, hat der ‚Mesias Kapital‘ die Zügel in der Hand.
    Woher kommt das Geld? Ja die Wege des ‚Mesias Kapital‘ sind nicht immer zu ergründen. Speziell heute da das einzige Monopol sich in der Auflösung befindet.
    Die OPEC wurde durch die OPEC + ergänzt und macht dem Westen das Leben nicht immer leicht.
    Diese OPEC + wird durch einige ‚Religionen‘ geleitet und kommt ohne religiösen Zank zu Lösungen. Damit ist Religion für Palästina und Israel nicht haltbar, da aber medial gerne so aufgebauscht wird.
    Wir stehen heute zwischen Uni und Multipolare Ordnung, der Sieger daraus wird die Situation in der Levante bestimmen und ‚Mesias Kapital‘ wird sich wieder freuen, da dieser zu einer neuen Zeit aufbricht.

  14. Die Religion liefert die jeweilige Legitimierung beider Seiten.
    Schafft die Religionen ab und der Elephant wird für alle sichtbar!
    Nur ausgemachte Narzissten, wie Mengele, Schwab, Gates, Musk, kommen ohne religiös motiviertem, Ideologischen Überbau aus, aber alle anderen, brauchen die Religion, um schlimme Dinge zu tun.
    Deshalb, sind die Religionen, gleich nach dem Kapitalismus, die schlimmsten Geißel der Menschheit!

  15. Hier irrt der – von mir hochgeschätzte – Moshe Zuckermann mit seiner These: „Infiltrierung der Politik durch die Religion auf beiden Seiten“. Das ist falsch! Es geht um Rassismus und Nationalismus.

    Der von ihm erwähnte Itamar Ben-Gvir, Minister für öffentliche Sicherheit = Minister des Polizeistaats -, war schon in seiner Jugend ein so bekannter Rechtsradikaler, dass er vom Armeedienst zurückgestellt wurde. Er zeigte sich auf einer Siedler-Hochzeitsfeier, auf der die Hochzeitsgäste auf ein Foto eines kürzlich getöteten palästinensischen Kleinkinds einstachen, ihre Waffen schwenkten und das alles als Video kursieren ließen. Dieser Parteivorsitzende und Minister Ben-Gvir (siehe Wikipedia) kommt aus einer Familie arabischer und kurdischer Juden, die aus dem Irak eingewandert waren.

    Warum ausgerechnet so viele sephardische Juden aus arabischen Ländern, vor allem Juden aus dem Irak, religiös sind, in Israel die Stammwähler der Nationalreligiösen ausmachen – und die Araber besonders hassen, obwohl sie einst selber arabische Menschen waren -, beantwortet der linke Jude irakischer Herkunft und berühmte „neue“ Historiker Prof. Avi Shlaim jüngst in diesem aufschlussreichen Interview:
    https://youtu.be/MfAy7cmkO0w?t=705

    Entscheidend ist: Religiös waren sie schon immer. Religiös und gut integriert, oft wohlhabend, waren bereits ihre Vorfahren in den arabischen Gesellschaften. Es gab kaum muslimischen Antisemitismus, sondern es war der junge Staat Israel, der dafür sorgte, dass diese arabischen Juden nicht in ihren Heimatländern bleiben konnten! (Der Mossad verübte sogar Sprengstoffanschläge, um sie zur Auswanderung zu bewegen. Shlaim hat dies als Historiker bewiesen!)

    In Israel angekommen standen sie ganz unten in der gesellschaftlichen Rangordnung – höre das Interview! Avi Shlaim ist auch Zeitzeuge. Die Religion behielten sie bei. Nur durch ihre Konversion, ihre Neu-Bekehrung zum antiarabischen Rassismus – der Rassismus gegen ihre eigene Herkunft – gelang manchen von ihnen der soziale Aufstieg und die Integration in Israel.

    Das ist das Drama!

    Deshalb irrt der – von mir hochgeschätzte – Moshe Zuckermann mit seiner These: „Infiltrierung der Politik durch die Religion auf beiden Seiten“. Das ist falsch! Es geht um Rassismus und Nationalismus in einer besonders menschenverachtenden Form, die kollektiv zur Tötung aufruft, motiviert durch die eigene Abwertung, die eigene Minderwertigkeit der Sepharden in der Gesellschaft Israels.

    Die Religion leistet in ihrer nationalreligiösen Form Hilfsdienste (ähnlich wie die Nationalkirchen des Protestantismus dem deutschen Nationalsozialismus vielerlei Hilfsdienste leisteten). Aber ich sage als Atheist: Religion ist nicht die entscheidende Ursache des Massenmords Israels an den Palästinensern.

  16. Furcht vor Assimilierung
    / von Uri Avnery, 2016

    WELCHE URSACHE hat also dieses Syndrom [der Assimilierung]?
    Eine einfache Erklärung ist die „Religionisierung“ des Lebens in Israel unter der gegenwärtig extrem rechts-religiösen Regierung. Die „nationalreligiösen“ Kräfte führen auf ganzer Front eine Offensive durch. Benjamin Netanjahu hat ihnen, um Ministerpräsident zu bleiben, fast alle wichtigen Posten in der Regierung übertragen. Kippatragende Männer besetzen nun die verantwortungsvollen Posten in der Polizei, dem Sicherheitsdienst, dem Mossad und vielen anderen Institutionen. Und gut aussehende extrem-rechte Frauen sind für das Übrige zuständig.
    Die Armeeführung ist noch in den Händen säkularer Generäle, aber im letzten Gazakrieg hat der Kommandeur einer Brigade (noch dazu meiner alten Brigade) einen Tagesbefehl verfasst, in dem er die IDF „Armee Gottes“ nannte. Das ist dieselbe Armee, die im Krieg 1948 gegründet wurde, als fast alle ihre Kommandeure sozialistische, atheistische Kibbuzangehörige waren.
    Der neue Stabschef hat es gewagt, die Armee-Abteilung für „jüdisches Bewusstsein“, eine religiöse Missionseinrichtung des Armeerabinats, abzuschaffen. Da die Orthodoxen aus religiösen Gründen – z.B. der Nähe zu Soldatinnen – den Dienst in der Armee verweigern, ist die Armee weitgehend säkular, aber sie wird bereits stark von „nationalreligiösen“ Offizieren infiltriert. Die Militär-Rabbis spielen in der Armee dieselbe Rolle wie die „politischen Kommissare“ in Trotzkys Roter Armee. Soldaten legen ihren Fahneneid an der Klagemauer, Israels religiösestem Ort, ab.

    ICH GLAUBE, dass dieser Vorgang sehr viel tiefer greift als ein Machtwechsel von der alten säkularen Elite zur neuen religiösen Elite, so schlimm er auch sein mag.
    Gegenwärtig geschieht Folgendes: Die neue israelische Nation, die wir in den 30er, 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts geschaffen haben, entwickelt sich zu einer neuen Auflage des jüdischen Ghettos zurück, zu einem bewaffneten Ghetto, einem nuklearen Ghetto, aber nichtsdestoweniger zu einem Ghetto.
    Es ist das Gegenteil von dem, worum es im Zionismus ging: ein säkulares, demokratisches, liberales Land mit gleichberechtigten Bürgern im Gegensatz zu einer verschlossenen, religiösen, nationalistischen, rassistischen, ja geradezu halbfaschistischen Gesellschaft.
    In einer solchen Gesellschaft erscheint „Assimilierung“ tatsächlich als tödliche Gefahr.
    Noch ist Zeit, das Steuer herumzureißen und den Staat, den wir aufgebaut haben, zu retten.
    Aber wie lange noch?

    16. Januar 2016
    Auszug / Quelle: https://d-nb.info/1136275924/34
    Weitere Aufsätze von Uri Avnery siehe: http://www.uri-avnery.de/texte-von-uri-avnery/archiv
    https://www.lebenshaus-alb.de/cgi-bin/cms/mt-search.cgi?tag=Uri%20Avnery&blog_id=1

  17. Wie der Dichter Meir Wieseltier am Ende seiner Tage schrieb:

    Ich werde nicht haben und du wirst nicht haben
    Wir sagten den Nachbarn
    Was werden wir nicht haben?
    (Sie haben die Bibel nicht studiert)
    Einen Staat. Am Ende wird es keinen Staat geben.
    Zuerst werdet ihr keinen haben.
    Am Ende werden auch wir keinen haben.
    Und was werden wir haben? Die Hölle auf Erden. Wir werden uns an ihr erfreuen.

    (Meir Wieseltier, „Late tatoos. Letzte Gedichte 2018-2023“, Hasifriya Hakhadasha Leshira 2023)
    https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015020.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert