Imperialismus heute

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Antiimperialismus war einmal Programm der Linken, heute nimmt sich die NATO seiner an. Was ist da los? Ein Kommentar.

 

„Imperialismus heute“ hieß das Standardwerk der DDR zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem westdeutschen Gegner. Wie das Institut für Gesellschaftswissenschaften der SED seinerzeit erklärte (SED 1968), sei es notwendig, „die Grundlagen der imperialistischen Herrschaft, ihre heutigen Eigenarten, spezifischen Formen und Unterschiede zu früheren Perioden umfassend zu analysieren und eine allseitige theoretisch-ideologische Auseinandersetzung mit diesem System und den Versuchen seiner Verteidigung und Rechtfertigung zu führen“.

 

Imperialismus gestern

Bei der radikalen Linken in Westdeutschland stieß das auf Interesse. Die K-Gruppen traten – anknüpfend an eine Tradition der Arbeiterbewegung – mit einer eigenen Liga gegen den Imperialismus an (Mitglied u.a.: Antje Vollmer). Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die treu zur DDR stand, orientierte auf das Ende des staatsmonopolistischen Kapitalismus als der politökonomischen Grundlage des modernen Imperialismus. Dafür fasste sie aber weniger eine kategorische Absage als einen schrittweisen Übergang zu einer „antimonopolistischen Demokratie“ ins Auge. Die sollte ein Angebot an breite Bevölkerungskreise darstellen – laut SED-Lehrbuch hatte nämlich das „einheitliche Ringen um die Sammlung aller nicht monopolistischen Kräfte Westdeutschlands auf der Grundlage eines demokratischen Programms“ die Leitlinie der Kommunisten zu sein.

In der Folge verschrieb sich die DKP dem Friedenskampf. Statt Antiimperialismus zu propagieren wurde an die sozialliberale Entspannungspolitik angeknüpft und der Blick auf „Möglichkeiten einer alternativen Sicherheitspolitik“ des Westens gerichtet, wie etwa der berühmte „Krefelder Appell“ von 1980 formulierte: „Solche Überlegungen [zur Einführung einer alternativen Sicherheitspolitik in den NATO-Staaten] sind von großer Bedeutung für den demokratischen Prozess der Willensbildung und können dazu beitragen, dass unser Volk sich nicht plötzlich vollzogenen Tatsachen gegenübergestellt sieht.“ Der Appell war das Highlight der alten Protestbewegung der 80er Jahre, bis 1983 wurde er von über vier Millionen Bundesbürgern unterzeichnet. Er war von Mitgliedern der Deutschen Friedens-Union (DFU) und der Grünen initiiert worden und repräsentierte einen „Minimalkonsens“ der Friedensbewegung, als Nahziel die „Nachrüstung“ zu verhindern, um so den Abbau aller Atomraketen in Europa zu ermöglichen.

Das weiß Wikipedia (Eintrag: Krefelder Appell) zu berichten und fügt die seit damals populäre Entlarvung dieses breitesten friedensbewegten Bündniserfolgs hinzu: „Der angeblich überparteiliche Appell war eine ‚Meisterleistung der DKP‘, der es gelang ein ‚breites Bündnis‘ zu schmieden.“ Dass die DKP hierbei großen Einfluss hatte, ist nicht zu bestreiten. Dass sie aber Millionen harmlose Friedensfreunde hinters Licht und ins Schlepptau Pankows geführt hätte, ist eine der üblichen Verschwörungstheorien, die sich die Unzufriedenheit mit der eigenen Regierung und die Sorgen der Bürger immer nur als Werk einer feindlichen, letztlich fremdstaatlichen Subversion vorstellen können. So werden ja auch heutige Kritiker des NATO-Kriegskurses im Westen gleich als 5. Kolonne Putins eingestuft.

Was das große Engagement der DKP betrifft, muss man dagegen an einen anderen wichtigen Punkt erinnern. Auf diese Weise verschwand an einer markanten Stelle der Angriff auf den Imperialismus aus dem Arsenal der linken Agitation – und die Aufklärung der Bevölkerung über die Gewaltträchtigkeit ihrer hochgelobten sozialen Marktwirtschaft wurde durch Illusionen über eine Befriedung des Staatenverkehrs ersetzt. Friedenskampf, also das Setzen auf die gemäßigten Kräfte in den Schaltzentralen des westlichen Lagers, war jetzt die Linie. So machte sich auch bei den orthodoxen Vertretern des Marxismus-Leninismus – bevor Gorbatschow und Co. ihm den Todesstoß versetzten und damit den Abgang vieler seiner westlichen Anhänger bewirkten – eine Abwendung vom früheren Antiimperialismus breit. Nach dem Niedergang der K-Gruppen ergab sich damit eine Lage, die in der militanten westdeutschen Szene der 80er Jahre etwa so bilanziert wurde:

„Die Zeiten, in denen ‚Imperialismusanalysen‘ ihr Publikum gefunden haben, sind längst vorbei. Sie haben sich auch meist mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich das Kapital auf Weltebene reproduziert, und dann messerscharf geschlossen, daß das ganze eine riesige Schweinerei ist. Aber um das zu wissen, brauchen wir keine Analysen. Wir brauchen auch keine genaueren Beschreibungen des Elends, des Hungers, der Schlächtereien und Bestialitäten. Das Grauen können wir in Farbe in der Glotze sehen…

Genausowenig geht es um die Aufzählung verschiedener Befreiungsbewegungen, an deren Stärke oder Schwäche sich ablesen ließe, wie gut oder wie schlecht es um den antiimperialistischen Kampf bestellt sei – um die Solidarität mit diesem oder jenem Befreiungskampf und die enttäuschte Abkehr, wenn deren Kampf in Stagnation umgeschlagen ist oder sich die siegreiche Elite einer Bewegung als nur ein neues Regime entpuppt. Mit den ‚Imperialismusanalysen‘ haben wir auch jene Form von ‚internationaler Solidarität‘ fahren lassen, die vom Glauben an propagandistische Programme oder von diffusen marxistisch-leninistischen Gemeinsamkeiten lebte. Und es geht uns auch nicht um die Teilnahme an einer intellektuellen Diskussion über die sozialen Formationen im jüngsten Stadium des Imperialismus. Darüber ist viel Kluges geschrieben worden – aber mögen die Sozialforscher und die künftigen Krisenmanager unter sich bleiben…“

So hieß es 1982 im Editorial der Zeitschrift Autonomie (Nr. 10), übrigens zu einem Zeitpunkt, als die Marxistische Gruppe (MG) gerade ihre Imperialismus-Ableitung vorlegte. Diese Analyse, so machte die Ankündigung der MG klar, wollte kein moralisches Plädoyer für die Unterstützung von nationalen Befreiungsbewegungen halten und keinen „Beitrag zur Lösung des Hungerproblems“ liefern. Das Buch „schafft auch keine Waffe aus der Welt und warnt noch nicht einmal ‚die Menschheit‘ vor dem ‚nuklearen Selbstmord‘“, hieß es weiter. „Es beschränkt sich auf das Stück ‚Weltverbesserung‘, das ein Buch in diesen Angelegenheiten bestenfalls leisten kann. Es stellt in Form einer Ableitung die Gründe dar, die die Sortierung der Welt in Freunde und Feinde ‚der Freiheit‘, in nützliche Schuldner und unbrauchbare Hungerleider, in ‚Hartwährungsländer‘ und Problemfälle des Internationalen Währungsfonds unausweichlich machen – so lange die nötige Gewalt dahintersteht“ (Resultate 1979).

 

„Die Rückkehr des Imperialismus“

 

„Imperialismus revisited“ heißt ein Artikel, den Renate Dillmann und ich gerade in der November-Ausgabe von Konkret (Nr. 11, 2023) zu der Frage veröffentlicht haben, warum das weltweite Geschäft nicht friedlich sein kann. „Er ist wieder da“, beginnt der Text, „der Imperialismus, der alte Wiedergänger. Heute taucht er in Russland und China auf. Kanzler Scholz konstatierte bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen mit Blick auf den Ukraine-Krieg ‚blanken Imperialismus‘. Und deutsche Medien kommen, unterstützt von den einschlägigen ‚unabhängigen‘ Denkfabriken, bei ihren bekannt präzisen Analysen zu dem Ergebnis, dass das außenpolitische Verhalten der Volksrepublik China nicht anders als ‚klassisch imperialistisch‘ einzustufen ist – so unisono die FAZ, der Deutschlandfunk und die Bundeszentrale für politische Bildung.“

Auch die Osteuropaforschung und andere Wissenschaften stehen nicht an, hier unverzüglich ihren Beitrag zu leisten. Deutsche Experten verfertigen dazu Definitionen, die punktgenau den russischen „Neoimperialismus“ erfassen, während die US-Dominanz auf dem Globus als eine einzige Schutzmaßnahme vor einem seit der Zarenherrschaft feststellbaren slawischen Expansionsdrang erscheint.

„Mit dieser Konstruktion eines schon durch seine Geschichte zum imperialen Handeln neigenden Staates und des ebenso grund- wie prinzipienlosen Hangs zur Ausdehnung seines Staatsgebiets ist die Figur des Neo-Imperialismus erschaffen, vor deren Hintergrund westliches Handeln als eine permanente Notwehrsituation und unumgängliche Selbstverteidigung einen wohlgeordneten Platz in den Geschichtsbüchern erhält.“ (Wohlfahrt/Schillo 2023)

Natürlich hat auch die neue deutsche Sicherheitsstrategie im Fall von Putins Angriff auf die Ukraine „die Rückkehr des Imperialismus nach Europa“ entdeckt (AA – Auswärtiges Amt 2023). Der marxistische Gegenstandpunkt (Nr. 3, 2023) resümiert diese strategische Neukonzeption: „Aus deutscher Sicht gibt es lauter Staaten auf der Welt – allen voran China –, die zu viel Macht haben und diese auch noch dafür einsetzen, die Welt in ihrem Sinn zu verändern.“ Das geht natürlich gar nicht! Denn damit wird ja glatt der Anspruch Deutschlands konterkariert, der die ganze Welt als das Feld der eigenen Zuständigkeit betrachtet und deswegen überall da Bedrohungen feststellt, wo andere Staaten sich mit ihren Interessen nicht einfach ein- und unterordnen; sondern – man stelle sich vor – in ihrem „nahen Ausland“ einen eigenen Sicherheitsbedarf anmelden.

Aus diesem Blickwinkel ist für eine Sicherheitsstrategie aus nationalem Geist klargestellt: „Die Welt bedroht ‚uns‘!“ An erster Stelle, wie das Auswärtige Amt festhält, natürlich Russland, das mit seiner „imperialen Politik Einflusssphären“ (AA 2023) einzurichten versucht und damit angeblich „Frieden und Stabilität“ in Europa zerstört – und sich dafür auch noch nuklear neu aufrüstet. Die deutsche Regierung, kommentiert der Gegenstandpunkt weiter, „braucht die einschlägigen Bezeichnungen ‚Einflusssphären‘ und ‚Aufrüstung‘ versus ‚Frieden und Sicherheit‘ bloß aufzurufen, und schon ist alles klar: Lauter Angriffe auf unsere schöne Ordnung und unser Recht, die Nachbarschaft bis an die russische Grenze heran in den friedlichen Teil Europas einzugemeinden!“

Diese Eingemeindung – bis hin nach Aserbeidschan, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan… – darf man natürlich nicht mit der Schaffung von Einflusssphären verwechseln, und die gigantische Aufrüstung Deutschlands, nukleare Teilhabe und Modernisierung inbegriffen, hat man sich wiederum als reine Schutzmaßnahme für die Bevölkerung vorzustellen!

Der Ex-Juso Scholz, der seinerzeit dem marxistischen Stamokap-Flügel der Juso-Hochschulgruppen angehörte und für „die Überwindung der kapitalistischen Ökonomie“ eintrat sowie die „aggressiv-imperialistische Nato“ kritisierte, kann sich also mit seinem französischen Kollegen Macron zusammentun. Der hat ja letztens in einer NATO-Bekenntnisrede erklärt: „Es gibt in Europa keinen Platz für imperialistische Fantasien.“ Und beide können dann zusammen mit polnischen Rechtsauslegern oder italienischen Neofaschisten die neue Liga gegen den Imperialismus gründen.

 

Nachweise

AA – Auswärtiges Amt, Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig. Integrierte Sicherheit für Deutschland – Nationale Sicherheitsstrategie. 21. Juni 2023, www.auswaertiges-amt.de.

Autonomie: Antiimperialismus in den 80er Jahren, Nr. 10, 1982, Editorial („Die Neuzusammensetzung der Unterklassen in den drei Kontinenten“).

Renate Dillmann/Johannes Schillo, Imperialismus revisited – Ganz gleich, wie man’s dreht und wendet: Gewalt ist die Geschäftsgrundlage des weltumspannenden kapitalistischen Betriebs, in: Konkret, Nr. 11, 2023.

Gegenstandpunkt: Eine nationale Sicherheitsstrategie: „Wehrhaft.Resilient. Nachhaltig.“, in: Nr. 3, 2023.

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60 Kommentare

  1. Man wird nicht zum größten Land der Welt ohne Imperialismus. Nur haben die Russen ihr Land eben nie Russisches Imperium genannt. Das ist aber nicht der einzige Unterschied zu den Engländern. Deren Imperium gründete auf Handel, sicher zu deren Gunsten, die Russen verleiben sich einfach alles unter ihrer Knute ein. Und dann gibt es noch einen Unterschied, die Engländer sind gegangen als sie merkten, daß es Zeit war zu gehen, hier und da mußte man vielleicht etwas schubsen. Die Russen verzichten nicht einmal, wenn Menschen mit den Füßen abstimmen, die kommen auch wieder wo sie nicht mehr erwünscht sind, erneut mit Waffen und Gewalt. Und dann wundern sich die Russen und deren Anhänger, daß sie keiner leiden kann und es die Gegenseite sogar wagt sich zu wehren.

    1. Mit deinem Kommentar gehe ich zu 100% nicht Konform. Erstens wird wieder mal die ehemalige Sowjetunion mit Russland gleichgesetzt; die Wahrnehmung, die Engländer hätten die Imperium auf Handel begründet, ist komplett daneben. Beispiele sogar in Wikipedia zur genüge…und wenn du schon dabei bist…suche gleich mal nach „Singende Revolution“, da wirst du geholfen. Von wegen, und das galt wiederum für die Sowjetunion, „Die Russen verzichten nicht einmal, wenn Menschen mit den Füßen abstimmen, die kommen auch wieder wo sie nicht mehr erwünscht sind, erneut mit Waffen und Gewalt“.
      Also ich kann deinen Ansichten ja Durchaus manchmal was abgewinnen, aber hier völliger Fehlgriff.

      1. @ Bill Hackinbush

        „Erstens wird wieder mal die ehemalige Sowjetunion mit Russland gleichgesetzt“

        Sie irren etwas, weil Sie sich auf das heutige Russland beziehen.
        Der Bezugspunkt müsste aber das zaristische Russland von vor 1914 sein. Und dieses russische Kaiserreich war sogar größer als die Sowjetunion und absolut russisch dominiert.

      2. @ Bill Hackinbush:

        „Mit deinem Kommentar gehe ich zu 100% nicht Konform.“

        Das freut mich, wäre es anders, dann würde ich anfangen mir Sorgen zu machen.

        Zarenreich, Sowjetunion, heutiges Rußland immer derselbe Machtfaktor nur mit anderem Betriebssystem. Es war immer Rußland. Und das System hat man den Menschen nicht übergestülpt es ist das System welches zu den Menschen paßt. Menschen sind nämlich „das System“.

        Der Rest ist der übliche historische Unsinn, aber lesen Sie ruhig weiter zur eigenen Selbstbestätigung in der linksindoktrinierten Wikiblödia.

        1. Nein. Hackinbush liegt da richtig, auch ohne „Wikiblödia“ – hach, wie lustig.

          Die Engländer haben ihren ‚alten‘ Imperialismus nicht auf (friedlichen) „Handel gegründet“, wie sie erzählen, sondern bekanntlich auf gewaltsame Kolonisierungen, wie Deutschland und andere auch. Und von manchen ihrer überseeischen Gebiete haben sich auch bis heute nicht vollkommen „zurückgezogen“, ihre Falkland Inseln waren ihnen sogar einen Krieg wert und der Rest der früheren Kronkolonien taucht ab und zu auf, wenn die Royalen mal wieder die außer-britischen Gefilde heimsuchen, nicht immer zur grenzenlosen Begeisterung der dortigen Untertanen.
          Und wenn „Rückzug“ schon für „Nicht-Imperialismus“ sprechen soll, dann hätten die Russen da doch einiges geleistet. Rückzug aus Afghanistan, dann aus einigen früheren sowjetischen Republiken, aus den ost-europäischen Warschauer Pakt-Staaten und nicht zuletzt aus Ost-Deutschland, – übrigens wegen Expansion Deutschlands.

          Aber klar, die komplette Geschichtsschreibung ist wahrscheinlich „links versifft“.

    2. Hmm… kommt mir irgendwie vor, als hätte der Herr Majestyk hier aus Versehen „Russen“ geschrieben, statt „Amis“. Nur dann würde das geschriebene einen Sinn ergeben.
      Die „Russen“ sind nämlich gegangen, als es an der Zeit war, die „Amis“ haben wir immer noch in den meisten europäischen und asiatischen Ländern hocken und keiner in der Bevölkerung (außer vielleicht ein paar infantil-naiven) will sie noch da haben…..

    3. „Man wird nicht zum größten Land der Welt ohne Imperialismus.“

      Man wird auch nicht zum reichsten Land der Welt ohne Imperialismus. Das größte Imperium der Welt ist heute immer noch das US-Imoerium. Es beherrscht die Welt mit Ausnahme der neuen „Achse der Bösen“, Staaten die sich dem US-Imperium mit seiner „regelbasierten Ordnung“ (was immer das sein soll) widersetzen.
      Wie kommen Sie überhaupt darauf, dass die Russen keiner leiden kann? (Verwechseln Sie die vielleicht mit den Israelis?) Für die russophobe westliche Welt mag das stimmen, aber das sind max. 13% der Weltbevölkerung. Ich kann in Ihren Äußerungen nur Hochmut erkennen.

    4. @ Majestyk

      Guten Abend!
      „Nur haben die Russen ihr Land eben nie Russisches Imperium genannt.“

      Kleine Korrektur: Die russischen Zaren nannten ihr Kaiserreich zuerst „Zarentum Russland“ und ab Peter d. Großen dann „(All-)Russisches Imperium“.

      Aber Sie haben natürlich recht: Russland ist selbstverständlich durch Imperialismus groß geworden! Wodurch sonst! Der Mangel an natürlichen Grenzen erleichterte ihnen das noch. Die Zaren verstanden ihren Staat ja auch als Drittes Rom, was angesichts der Ehe einer Nichte des letzten byzantinischen Kaisers mit Zar Iwan III unter dynastischen Gesichtspunkten nicht ganz aus der Luft gegriffen war. Hinzu kam die gemeinsame Orthodoxie.

      Im Endeffekt erreichten die Russen in ihrem Imperium übrigens einen höheren Russifizierungsgrad als es mitunter behauptet wird. Die heute manchmal zu hörende Vorstellung, dass weite Teile des russischen Reiches den Charakter von Kolonien gehabt hätten, ist falsch. Das betraf allenfalls die islamisch geprägten Gouvernements an der Südgrenze. Ansonsten war auch Sibirien keineswegs Kolonie, sondern war ebenso russisch bzw. sollte ebenso russisch werden wie etwa der „Wilde Westen“ in Nordamerika, der im 19. Jahrhundert amerikanisch war bzw. wurde. Niemand wäre um 1900 auf die Idee gekommen, diese Teile der USA als Kolonie zu bezeichnen.

      Es bleibt bei Schillos Artikel für mich unklar, was er mit „Imperialismus“ denn nun genau meint. Bezieht er sich auf den bekannten Begriff aus der Geschichtswissenschaft – oder meint er den anders zu verstehenden marxistischen Imperialismusbegriff, den Lenin prägte. Dessen Buch von 1916 „Der Imperialismus als jüngste Etappe des Kapitalismus“ behandelt lediglich die Wirtschaftsentwicklung.
      Auch @ garno hat sich darüber schon gewundert.

      Die im Artikel erwähnten linken Gruppen der 1970er und 1980er Jahre dürfte den Lenin´schen Begriff im Sinn gehabt haben, während die Amerikaner, die den Begriff heute gegenüber Russland verwenden, natürlich die allgemein gängige Definition meinen.

      Egal, ist alles nicht so wichtig.

      Wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!
      Gruß

      1. Guten Tag Herr Wirth,

        mir geht es gar nicht darum Rußland in irgendeiner Form abzuwerten. Es gehört zur Menschheitsgeschichte dazu, daß die Großen die Kleinen fressen und sich dominante Kulturen und Einflußräume herausbilden.

        Was mich stört sind die üblichen doppelten Maßstäbe, auch wenn mir klar ist, daß es bei meiner „Zielgruppe“ an reflektiertem Denkvermögen mangelt.

        Gruß!

  2. Solche geistigen Kunststücke existieren nur im Westen. Die Weltmeister im verdrehen von Tatsachen, sind ständig damit beschäftigt, ihre desaströse Politik als Gewinn dazustellen.
    Sie, die Politdarsteller und ihre reden schreibende Zunft aus PR Agenturen, lassen gerne historische Begebenheiten aussen vor. Jetzt könnte ich ketzerisch sein, ja genau deswegen werden ständig neue ‚Bildungslücken‘ in den Raum geworfen, so das letztlich die Dummheit gewinnt.
    Hier befürchte ich allerdings, das außerhalb vom westlichen Narrativ, entgegengesetzte Massnahmen am laufen sind. Die Welt als ganzes weiß um die Gefahr des Imperialismus. Aber genau diese Staaten werden ihren Daumen entweder nach oben oder unten richten.

        1. Vielleicht ist Schichtwechsel?
          Um das russische Imperium besser zu verstehen, existieren seit einigen Jahren eine Karte namens Tartaria. Die im Westen, m.W.n, now gelehrt wurden.
          https://amg-news.com/the-enigma-of-the-lost-empire-russian-president-vladimir-putin-makes-new-tartaria-archive-public-video/
          https://rumble.com/v28sawh-president-vladamir-putin-in-2013-made-tatarian-maps-public..-tartaria-tarta.html
          https://realnoevremya.com/articles/1155-putin-presented-shaimiev-the-tartary-map—realnoe-vremya
          Also welcher ‚Imperialist‘ ist im Stande so ein grosses Gebiet an andere zu verlieren?

          Dann bleibt die Frage zu klären, was mit diesem Reich geschah und warum wird das nicht thematisiert?

  3. Der imperialistische Westen leugnet seinen Imperialismus und behauptet, Russland neige zum Imperialismus.

    Dumm an diesem westlichen, bürgerlichen Denken ist, dass das marxistische Denken seit dem Bestehen der Sowjetunion in der Bevölkerung gewachsen war. Wladimir Putin als Offizier der sowjetischen Armee hat zwar erleben müssen, wie die Sowjetunion von Personen wie Gorbatschow und Jelzin an die Wand gefahren wurde, aber mit seiner marxistischen, lenistischen Schulung oder Bildung war im bewusst, was die bürgerlichen, kapitalistischen Regierungen mit Russland beabsichtigten.

    Putin war bewusst, dass es für ein Land wie Russland unter dem Kapitalismus und dem Imperialismus keine Zukunft geben würde. Also gestaltete er Russland mit dem Wissen von Marx, Engels und Lenin zwar nicht mehr zur Sowjetunion zurück, aber zu einem Land in der die russische Bevölkerung mit all seinem technischen Wissen und Vorkommen an Rohstoffen sich zum eigenen Wohlstand entwickeln kann.

    In dieser Situation scheint die Ursache für das russophobe Denken des „freien, demokratischen“ Westens zu liegen. Der „freie, demokratische“ und bürgerliche Westen will nicht verstehen und akzeptieren, dass Russland zwar nicht mehr sozialistisch werden will, aber dennoch ein Land sein will, das mit seinen eigenen Ressourcen an Rohstoffen selbst bestimmen will, wie das eigene Leben gestaltet werden kann, letztlich also einen Schritt machen will, zu einer besseren Gesellschft, als einer „demokratischen, freien“ ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaft.

  4. Der europäische Kolonialismus wurde durch den US-amerikanischen Imperialismus ersetzt, in dessen Fahrwasser sich die Europäer an den globalen Ressourcen schadlos halten. Nicht umsonst betreiben die USA das mit Abstand größte Kriegsheer des Planeten. Die Sanktionierungen und militärische Belagerung Russlands und Chinas dienen einzig dem Zweck, jede Gefährdung des westlichen Machtkartells im Keim zu ersticken. Das Geschwafel von Majestyk im Stil des Pastors Joachim Gauck ist „utter nonsense“, wie die Briten sagen würden.

  5. Die imperialistischen Feinde der alten Linken sind heute ihr Verbündeten, die US Eliten und ihre Hochfinanz. Die Arbeiterschicht wurde ausgemistet und mit dem Makel des N…. beschmiert. Heute sind die Linken ein Envougue Gesindel der Selbstgerechten Nequetten und Umvolkungsfaschisten. Kuckuckseier unter den Arbeitenden. Misteln, die den starken Baum von dem sie bequem leben abtöten, wodurch sie dann auch selbst untergehen.

  6. Wenn ich mir so anschaue, wie es um die Rechte und Lebensbedingungen der indigenen Völker in den Amerikas, Afrikas, Australiens und Asiens unter der Herrschaft der europäischen Eroberer erging und ergeht, da würde ich doch gerne mal bei den entsprechenden „Eingeborenen“ in Russland nachfragen, ob die (hätten) tauschen wollten.
    Allerdings trauern viele der kleineren Nationalitäten der SU nach; da sei besser für sie gesorgt worden.

  7. Johannes Schillo pflegt nicht auf Kommentare zu antworten, soweit ich weiß, aber vielleicht macht er mal eine Ausnahme?

    Wie willst Du begründen, daß China kein imperialistisches Staatswesen ist?

    „Aus deutscher Sicht gibt es lauter Staaten auf der Welt – allen voran China –, die zu viel Macht haben und diese auch noch dafür einsetzen, die Welt in ihrem Sinn zu verändern.“ Das geht natürlich gar nicht! Denn damit wird ja glatt der Anspruch Deutschlands konterkariert, der die ganze Welt als das Feld der eigenen Zuständigkeit betrachtet und deswegen überall da Bedrohungen feststellt, wo andere Staaten sich mit ihren Interessen nicht einfach ein- und unterordnen; sondern – man stelle sich vor – in ihrem „nahen Ausland“ [und womöglich darüber hinaus, TG] einen eigenen Sicherheitsbedarf anmelden.

    Läßt sich dasselbe nicht von chinesischer Zurückweisung „unipolarer Weltordnung“ und, allgemeiner, von der „Global Security Initiative“ sagen?
    https://english.news.cn/20230221/75375646823e4060832c760e00a1ec19/c.html

    Gut, lassen wir das für den Moment dahin gestellt und stellen dieselbe Frage für Russland.
    Wieso sollen Weißrussland und Ukraine für Russland „näheres“ und für Deutschland / EU „ferneres“ Ausland sein? Es sind Russlands direkte Nachbarn und direkte Nachbarn der EU, namentlich Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slovakei und Rumänien – eine lange Liste, nicht wahr?
    Denken wir an Obamas Spruch von 2014: „Russland ist eine Regionalmacht, die ihre direkten Nachbarn bedroht, nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche heraus.“
    Ist das nicht schlicht korrekt?
    Parteinahme für die schwächere Seite, braucht man dazu einen „Imperialismusbegriff“, oder auch nur das Wort „Imperialismus“ kennen?
    Nein, braucht man nicht.

    Jemand kann sofort einhundert Begründungen für die Meinung finden und vorbringen, daß die Ansprüche der EU auf die Verfasstheit und den Zustand ihrer Nachbarn um Welten anspruchsvoller, als die der russischen Föderation sind.
    Parteinahme für die bescheidenere Macht?
    Braucht man dazu „Imperialismus“?
    Nein, braucht man nicht.

    Finnland hatte bis zu diesem Jahr sehr bescheidene Ansprüche an seine Nachbarn.
    Die sahen seine Politiker mit den, nun, sagen wir „Spannungen“ im östlichen Baltikmeer in Gefahr, trat der NATO bei, und nun? Sind Finnlands Ansprüche anmaßender geworden?
    Nein, sind sie nicht, sie sind von der NATO eingemeindet.

    Womit wir bei „Vorgeschichten“ und der windigen Unterscheidung zwischen „aggressiv“ und „defensiv“ wären.
    Windig, oder nicht, jemand kann sofort 100 Begründungen dafür finden, NATO sei „aggressiv“ und Russland „defensiv“.
    Braucht man für solche Urteile einen Imperialismusbegriff?
    Nein, braucht man nicht.
    Die Parteinahme für „friedlichere“ Staatsgenossen braucht nichts als die Standardmoralität von Schulhof und Klassenzimmer.

    Und umgekehrt spricht nichts des bisher Gesagten dagegen, Russland einen „imperialistischen Staat“ zu nennen, nur halt „schwächer“, „defensiver“, „anspruchsloser“, in Summe: prinzipiell gesprochen „friedlicher“.

    Johannes, Du schreibst, Dein und Dillmanns „konkret“-Artikel, den ich nicht lesen kann, gebe Antworten auf die
    „Frage, warum das weltweite Geschäft nicht friedlich sein kann“.
    Was ist Ziel und Zweck Deines Overton – Artikels? Daß ich von meinen 600€ Rente €X für die neueste Konkret-Ausgabe abzweige um zu Deinem Alterseinkommen beizutragen?
    Da müßtest Du mehr bieten! (Nein, ich lüge, eher gefriert die Hölle!)
    Hier steht kein einziger Hinweis, warum kinetische, statt diplomatische, Staatenhändel nicht mit einem gewissen Minimum an Umsicht, Bescheidenheit und moralischem Verantwortungsbewußtseins des politischen Personals vermeidbar sein sollten! Handelst Du mit Snake Oil?

    Gewiß, die politische Ökonomie des Kapitalismus, die Du, wie ich ja weiß, als die Grundlage des Idealismus friedlichen Staatsverkehrs kennst, der beständiger Ergänzung mit dem Realismus kinetischer Bedrohung der „Partner“ und regelmäßiger Demonstration des Vernichtungswillens gegenüber für „feindlich“ erklärter Ansprüche und abstrakter oder konkreter „Bedrohungen“ bedarf, diese politische Ökonomie ist nicht mit ein paar Sätzen erklärt.

    Aber was mit ein paar Sätzen erklärt ist – zumindest im Ansatz – ist der Umstand, daß diese Ökonomie auf der staatspolitischen Ebene schlicht und einfach im Prinzip der „wechselseitigen Anerkennung der Souveräne“ aufgehoben und somit umgesetzt ist, so, wie es im Imperialismus-Papier der MG steht, auf das Du nichtmal verlinkst:

    Imperialistisch ist der Staat, der als politisches Subjekt der entwickelten kapitalistischen Produktionsweise fungiert, darin, daß er sämtliche Länder der Erde als Praxisfeld seiner Bürger betrachtet. Um ihr Geschäft aus den Schranken zu lösen, die mit den zufälligen Naturbedingungen seines Herrschaftsbereiches gegeben sind, betätigt sich die Staatsgewalt als Agent des Weltmarkts … [auf dem er] auf auswärtige Souveräne trifft. Deren Gewalt ist das Hindernis für die nationale Bereicherung … [Das imperialistische Staatswesen gewahrt], daß seine [nationale] Allmacht eine relative ist. Als Souverän muß es seine Macht an seinesgleichen messen. Die Elementarform der Außenpolitik daher die Anerkennung der fremden Macht, durch welche die Inanspruchnahme von deren Willen zugesichert wird, Land und Leute zu exploitieren. Bereits aus dieser abstrakten Bestimmung des Imperialismus geht hervor, was internationale Verträge von denen im Innern eines Staates unterscheidet: sämtliche Abschlüsse zwischen Bürgern verschiedener Staaten kommen durch eine Einigung zwischen Staatsagenten zustande, welche die Bedingungen des Kontrahierens festlegen (Herv.TG); dabei wird der Schutz von Person und Eigentum für beide Seiten jeweils durch ihren Souverän vollzogen, und der Streitfall ist ein Konflikt zwischen Nationen, die sich selbst mit ihrer Gewalt die letzte Berufungsinstanz sind. Das Völkerrecht gilt deshalb auch nicht, sondern wird beachtet oder auch nicht …

    Das kann man auch belletristisch sagen:
    Es kann nur einen geben!
    „Frieden“ beruht auf der jeweiligen Anrufung einer höheren Macht durch kontrahierende Souveräne, welche beschließen, in ihr das Schicksal ihrer wechselseitigen Anliegen und Ansprüche aufgehoben zu sehen. Diese „höhere Macht“ ist das Schicksal der Konkurrenz der Souveräne, dem diese sich zugleich niemals fügen wollen! Unentwegt schrauben sie an diesem Schicksal und suchen es zu ihren Gunsten zu drehen und zu wenden. „There is no alternative“, das ist ihr Job.

    Dein Beitrag hier, Johannes, ist, alles zusammen genommen, grottenschlecht, weil er das Publikum nicht nur nicht aufklärt, sondern direkt fehlleitet.
    Wenn imperialistische Ideologen jetzt den Imperialismus bei sich verleugnen und in China und Russland verorten, so ist das Folklore, nichts weiter!
    Die Härte des von der NATO in Vilnius beschlossenen Weltkriegsregimes besteht just darin, daß es Russland und China, nebst Staaten auf Nebenschauplätzen, eben nicht als imperialistische Staaten anerkennt. NATO trennt sie ideologisch von sich und ihren „Partnern“ ab, als „autoritäre Regime“, als weltpolitische „Tendenz“ und „Gefahr“ namens „Autoritarismus“.
    Russland und China als imperialistische Staaten, als integrale Bestandteile des vollendeten Weltmarktes und daher eines „metropolitären“ Imperialismus zu wissen, ist unverzichtbare Grundlage einer „Erdung“ moralischer, politologischer, ethischer, hastenichjesehn, einschließlich banal interessegeleiteter Widerstände gegen die imperiale Kriegführung und Kriegsplanung in dem, worum es zu tun ist, um Irrungen und Wirrungen möglicherweise vermeiden zu helfen.

    1. Du kennst keine Russen.

      Sonst würdest Du die simple Frage nach der Nähe der Nachbarschaft nicht stellen.
      Es sind Slawen, sie sprechen Russisch, sie haben fast die gleiche Kultur, sie gehörten nacheinander zur Kiewer Rus und zu Russland. Reicht das?

  8. Nun ist W.I. Lenin der Schöpfer des gemeinten Imperialismusbegriffs. Kurz gesagt: das Kapital in den imperialistischen Staaten verlangt eine stetige Ausweitung der Märkte und Rohstoffquellen. Wobei sie sich notwendigerweise in die Quere kommen und Kriege unter ihnen unvermeidlich sind. In diesem Sinne interpretierte er den Ersten Weltkrieg, was weltweit auf zustimmende Aufmerksamkeit stieß. Weiter Lenin: der Imperialismus teilt die Welt, in eine erste, zweite und dritte Welt ein. Russlands Platz wäre da höchstenfalls am unteren Ende der zweiten Welt. Sein Resümee: wir spielen da nicht mehr mit. Und schaffen überdies ein System, das die Notwendigkeit des Krieges nicht in sich trägt. Dass nun die Sowjetunion nicht wirklich gefallen konnte, heißt nicht, dass er als Theoretiker gescheitert ist.
    Die eifrigsten Leser Lenins waren wohl die NATO-Gründer. Wir von der ersten Welt werden ab sofort kooperieren und Kriege innerhalb der NATO vermeiden. Gewalt üben wir stets nur nach außen aus. Was nun erstaunlicherweise geklappt hat. Niemals hat ein NATO-Land ein anderes angegriffen. Das ist alles andere als selbstverständlich.
    Nun hat Putin durchaus nachgefragt, ob er NATO-Mitglied werden darf. Nö, ihr seid zu sehr zweite Welt. Lenin hätte ihm das sagen können.
    Nun hat dieser Putin einen Krieg begonnen und das wird immer noch mit Imperialismus assoziiert. Wenn die Ukraine fällt, dann wird er Polen überfallen und die baltischen Staaten. Nun ist ein Imperialist ja jemand, der Dinge tut, die für ihn vorteilhaft sind. Was soll er in diesen Ländern, deren Bevölkerung 20 Jahre maximal auf Russenhass getrimmt wurden, die keine Rohstoffe haben und nur Industrien, die Russland nicht braucht? Der Imperialismusvorwurf dient der Legitimation der Waffenlieferungen an die Ukraine, sonst nichts.

    Schauen wir mal auf die Gegenseite und was Lenin da entdeckt hätte:
    Große Gas- und Ölvorkommen, die ein gewisser Chodorkowski billig an den Westen verscherbelte, ohne dass der Staat Einnahmen hatte. So soll das sein, denn Russdland ist eine Tankstelle, die sich fälschlicherweise für einen Staat hält (John McCain).
    Dann machen die Internetkonzerne da wenig oder gar keinen Umsatz, denn die Russen haben mit Yandex einen Gegenpart, der Google, Facebook, Paypal und Uber mühelos ersetzt. Zornesfalten im Silicon Valley.
    Last not least die Finanzindustrie. Blackrock macht in Russland keinen Rubel, ganz einfach weil Hedgefonds dieser Art verboten sind. Larry Fink ist not amused.
    Und: Edward Snowden. Der Welt soll eine Lektion erteilt werden, was dem Staat passiert, der einem „Verräter“ Unterschlupf bietet.

    Es ist alles noch wie früher, würde Lenin sagen, wenn er kurz vorbeischauen würde.

    1. @Arthur_C
      Sehr schöne Analyse.
      Die letzte Frage stelle ich auch öfter, wenn von meinen „Hundefreunden*“ das Narrativ der MSM, „wir sind dann die nächsten“, in die Debatte eingestreut wird.
      „Was sollen die Russen mit Deutschland anfangen, was wollen die hier, was haben wir was die brauchen könnten?“
      „Wir habe keine nennswerte Rohstoff, emanzipierte Frauen haben die auch, unsere Fabriken gehören eigentlich nicht mal uns, was könnten die hier wollen?“
      *Gassi mit Hund 🙂

      1. Fragen Sie mal Medwedew, der droht doch alle 14 Tage.
        Natürlich kann er mit D nicht anfangen, deswegen spricht er auch über Zerstörung und Auslöschung. Und wundert sich dann, dass man ihn beim Wort nimmt.

    2. Sieh an, Artur, sofern es nicht um Israel geht, bist du ja doch vernünftiger Analysen fähig 😁.
      Volle Zustimmung!
      Am Rande: Blackrock ist kein Hedgefonds.

    3. Guter Text, aber Blackrock war in Russland aktiv. Habe selbst Geld in einem Russland ETF von Blackrock versenkt, der jetzt dank Sanktioniererei nicht mehr handelbar ist und aufgelöst wird.

  9. Mir ist nicht recht klar, was Herr Schillo mit dem Artikel eigentlich bezweckt, teils sind es Banalitäten, teils unwichtige Details aus alten Zeiten.

    Dass JEDE Großmacht und erst recht jede Weltmacht immer schon eine imperialistische Politik betreibt und betrieben hat – und sie umgekehrt seinem ernsthafteren Gegner auch vorwirft – das ist doch längst bekannt! Ähnlich hat sich auch Otto v. Bismarck schon vor 150 Jahren über die britische und russische Politik geäußert. (Vielleicht sollte man auch mal betonen, dass es „Imperialismus“ auch unabhängig von der marxistischen Theorie gibt, und zwar sowohl als Begriff wie auch als Faktum.)
    Geändert hat sich bloß der geographische Rahmen, in dem die Akteure ihre Herrschaft zu verwirklichen suchen; er hat sich durch neue Techniken vergrößert.

    Insofern verwundert es natürlich nicht, dass jetzt vom Westen gegenüber Russland und China Imperialismusvorwürfe kommen. Umgekehrt wundert es ebenfalls nicht, dass auch Russland und China gegenüber dem Westen solche Vorwürfe erheben. Das ist so besonders und spektakulär wie das nasse Gras nach dem Regen.

    Andererseits: Spielt es denn überhaupt eine Rolle, ob bzw. was irgendwelche mäßig bekannten Intellektuellen, Sozialwissenschaftler oder Angehörige kleiner marxistischer Politgruppen vor 40, Jahren, 50 Jahren oder auch heute darüber denken? Ob sie „Imperialismusanalysen“ verfassen, Imperialisten anklagen oder nicht??

    Die Welt wird meistens nicht durch Ideen, Analysen oder Vorwürfe bewegt, sondern durch Geld, Technik und Macht. Wenn nun von den handelnden Mächten theoretische Konzepte verbreitet werden, so ist das lediglich die propagandistische Begleitmusik dessen, was sie ohnehin machen werden. Die Dinge geschehen also nicht, weil es vorher Ideen und Konzepte darüber gibt, sondern umgekehrt – es gibt diese Konzepte, weil die Dinge geschehen sollen und die Konzepte sollen sie bloß begründen.

    Am Rande bemerkt:
    Mich erinnert dieser Artikel von Herrn Schillo etwas an Texte aus linken Zusammenhängen, die mir damals vor langen Jahren, vor fast einem halben Jahrhundert an der Universität begegnetet waren.

    Und dann erwähnt er auch noch jene bizarre sog. „Marxistische Gruppe“, diese komische Politsekte, die immer mal wieder die Vorlesungen störte und mit einer Beharrlichkeit, die mich seiner Zeit an die Zeugen Jehovas erinnerte, ellenlange Flugblätter unverständlichen Inhalts verteilte – so, als ob das die normalen Studenten interessiert hätte. Der Inhalt war in einer ziemlich unverständlichen „Sprache“ verfasst – halb marxistische Terminologie, halb „Soziologendeutsch“ und unnötig komplexe Satzmuster außerdem – was die allermeisten Studenten schon nach drei Sätzen vom Lesen abschreckte. Immerhin hat Herr Schillo den obigen Artikel nicht in dieser Art geschrieben.

    1. „Mir ist nicht recht klar, was Herr Schillo mit dem Artikel eigentlich bezweckt“

      Das hab ich mir auch gefragt. Erwartet hatte ich Thesen zum aktuellen Imperialismus, der dann zu diskutieren wäre. Stattdessen die Aufzählung von Banalitäten wie sich Klein-Fritzchen „Imperialismus“ vorstellt. Es wurde ja noch nicht einmal zwischen imperial und imperialistisch unterschieden – ganz wie die aktuelle mediale Verdummung den Begriff vorgibt.

  10. „Antiimperialismus war einmal Programm der Linken, heute nimmt sich die NATO seiner an.“

    Das stimmt ! Die NATO-Osterweiterung war aufrichtiger Antiimperialismus.

  11. Dem heutigen politischen weithin unterbelichteten Publikum ist mit schlichten, um nicht zu sagen kindischen ‚Nein du!“-Umkehrungen leicht ein Bär aufzubinden. Da schallt es dann aus der Zentrale des Imperialismus und Staatsterrorismus, man müsse diese und jene Terroristen, Imperialisten, Völker- und Kriegsrechtsvergewaltiger erbarmungslos bekämpfen. Und die auf Identitätspolitik und Hypermoralismus heruntergewirtschaftete Restlinke pflichtet eifrig bei, setzt sich gar an die Spitze einschlägiger Bemühungen. Was der Rechten ein weites Feld öffnet, ihr Süppchen zu kochen, sich als Fähnchen der Aufrechten zu gerieren, dem Frieden am Herzen liege. Und so befördert das ideologisch wild um sich schlagende Juste milieu die Reinwaschung der Rechten von alten Sünden, inthronisiert sie als einzige Alternative. Vermutlich wird es, wie auch schon mal, aus akuten Existenzängsten heraus zu eben dieser Rechten schliesslich überlaufen. Die meisten ihrer Exponenten sind schon längst auf dem Weg dahin. Abzulesen an einem immer repressiver werdenden öffentlichen Klima, dem schon die harmloseste Äusserung als Anlass zur Kriminalisierung reicht. Laut ARD-TS sind z. B. Mitglieder von FFF bereits zertifizierte Antisemiten.

    Das geistige Elend greift um sich.

  12. Vielleicht ist Lenins Werk zum Imperialismus, das mehr als 100 Jahre alt ist, mittlerweile veraltet?
    Vielleicht sah schon ein Marx die Welt zu eurozentrisch und deshalb sind ein Teil seiner Analysen unbrauchbar.
    Lenin selbst war als neuer Herrscher von Sowjetrussland mehr praktischer Politiker, praktischer Revolutionär und weniger Theoretiker. Wenn Imperialismus Finanzkapitalismus und Kapitalexport bedeutet, dann ist nahezu jedes entwickelte kapitalistische Land imperialistisch. Was soll dann die Definition?

    Man muß die Welt in unterdrückerische, kolonialistische Staaten und die vom Kolonialismus unterdrückten und ausgebeuteten Staaten einteilen. Der westliche Kolonialismus, meinetwegen nennt ihn auch Imperialismus (ist nur ein dummer Streit im inhaltsleere Begriffe) begann vor 500 Jahren mit Christoph Kolumbus. Die Spanier und Portugiesen versklavten ihre Besitzungen in Übersee, raubten sie barbarisch aus. Von Mehrwert dieser kolonialen Ausbeutung lebten auch die werktätigen Klassen der Kolonisatoren. Der Wohlstand der Arbeiterklassen vieler westlicher Länder entstammt zum Teil aus der Sklavenarbeit der Kolonien.

    Gegenwärtig erleben wir eine weltweite antikoloniale/antiimperialistische Revolution, die sich stark auf China stützt. China hatte auch als Kaiserreich nie weitentfernte Kolonien, sondern war immer eine auf Handel begründete Macht das seine tributpflichtigen Nachbarreiche nie so barbarisch unterdrückte wie der Westen seine Kolonien. China wurde 200 Jahre vom westlichen Kolonialismus unterdrückt und erlebt gerade seine Wiedergeburt. Maßstab für China ist China selbst und nicht unbrauchbare Theorien verbohrter westlicher Intellektueller!

    Wir erleben gegenwärtig einen Aufstand des globalen Südens gegen die westliche Barbarei. Russland selbst war lange selbst Kolonialmacht, spielt aber in der neuen Weltordnung aufgrund seines Rohstoffreichtums eine wichtige Rolle und steht gegenwärtig auf der richtigen Seite der Geschichte.

    Der Staat Israel wurde zunächst von überwiegend europäischen Juden – später kamen andere hinzu – als typisch westlicher Kolonialstaat gegründet und betrieb die ethnische Säuberung Palästinas. Im Moment ist der koloniale Status dieses zionistischen Staates (Zionismus hat nichts mit Judentum zu tun sondern ist eine säkularem nationalistische Ideologie, die viele Juden ablehnen) gefährtet und es besteht die Chance für eine „Entkolonialisierung“ Israels…für ein demokratisiertes Israel!

    Das war ein kurzer deshalb stark vereinfachter Rundumschlag!

    Denk mehr praktisch und viel weniger theoretisch verehrte „deutsche Volksgenossen“……lach…..

  13. Wörterbuch der Zeitenwende
    Antisemiten: Personen die es wagen die Regierung Israels zu kritisieren
    Neoimperialisten: Staaten die es wagen die Vormachtstellung der USA anzufechten
    das Böse: Antisemiten, Neoimperialisten
    regelbasierte Weltordnung: Kampf gegen die Bösen (antisemitische Neoimperialisten)

  14. OT:
    Auf press tv erschien gerade die Meldung, Anonymous hätten das Emailsystem des Mossad gehackt und wollten die Daten der Mitarbeiter veröffentlichen.

    Und noch etwas ganz anderes: Kann sich jemand das Abstimmungsverhalten von Indien (BRICS-Mitglied) erklären? Welche Versprechungen hat man ihnen gemacht diesen Seidenstraßenkonkurrenten (India-Middle East-Europe Economic Corridor ) über die arabische Halbinsel, Israel nach Europa betreffend? Soll das aus ihrer Sicht verlockender sein als das Original? Und welche Zukunft hat das Projekt überhaupt angesichts der wachsenden Spannungen zwischen den beteiligten islamischen Ländern und Israel?

    https://www.hindustantimes.com/india-news/middleeast-corridor-is-new-indian-spice-route-to-rival-the-chinese-silk-road-101694323623653.html

    1. Laß dir keinen Bären aufbinden:
      „IMEC“ ist kein „Konkurrenzprojekt“ zu BRI, sondern schlicht Bestandteil der indisch- chinesischen Konkurrenz um den europäischen Markt. Der Zweck von IMEC ist eine Abkürzung der Suez-Route, die Zeit spart und Kosten sparen soll. Grundsätzlich könnte IMEC auch im Rahmen der BRI-Pläne genutzt werden, vom Endpunkt des pakistanisch-chinesischen Korridors, Gwadar, wenn er denn mal fertig wird, aber davor dürften natürlich zunächst vertragliche Kapazitätsbindungen an den indischen Im- und Export stehen, und es macht natürlich auch keinen „Sinn“, weil die BRI-Route über den Kaukasus doch gerade den weiten Weg über oder um die arabische Halbinsel ersparen soll.

      Wenn es überhaupt eine Verbindung mit den aktuellen Vorgängen in Israel gibt, dann liegt deren „Knoten“ im Iran, denn die Weise, wie die chinesisch – indische Konkurrenz auf den Handelsmärkten und -routen derzeit entfaltet wird, einschließlich der Rolle Pakistans darin, hat ihren Hauptgrund in der internationalen Isolation des Iran, die Afghanistan und die pakistanische Provinz Belutschistan gleich mit ins Abseits stellt.

  15. Die Ideologen des Westens projezieren die eigenen Verbrechen der Vergangenheit ohne viel Federlesens auf ihre heutigen politischen Gegner.

    Der europäische Imperialismus/Kolonialismus hat in den ausgebeuteten Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens Hunderte Millionen Menschen das Leben gekostet. Allein in Indien hat die britische Herrschaft eine Übersterblichkeit von ca. 160 Millionen Toten in den Jahren 1880 – 1920 gefordert. Diese Zahlen sollte man im Hinterkopf haben, wenn man von Imperialismus redet. Ein Forist hier bringt es dennoch fertig, zu behaupten, das britische Imperium sei überwiegend durch Handel entstanden.

    Die Verbrechen des Westens sind in den westlichen politischen Eliten nicht aufgearbeitet, sondern nur verdrängt und meist vergessen. Man erinnert nur die Schlagworte, die man dann als Kampfbegriffe gegen den Gegner benutzt. Das gilt nicht nur für den Imperialismus, sondern auch für den Faschismus. Sonst wäre eine solche Projektion nicht möglich. Es fing an mit Joschka Fischers „Nie wieder Auschwitz“, womit er die deutsche Beteiligung an der Bombardierung Serbiens (das zuvor schon von Nazi-Deutschland bombardiert worden war) „begründete“. Olaf Scholz` Rede vom „russischen Imperialismus liegt auf der gleichen Linie.

    Dabei hat sich die heutige deutsche Regierung der heute größten imperialistischen Macht, den USA willig unterworfen. Nahezu 800 US-Militärbasen, verteilt über den ganzen Globus. Das ist keine Landesverteidigung der USA sondern dient der Aufrechterhaltung der globalen US-Herrschaft.
    Aber die US-Macht bröckelt. Wo man den Irak und Libyen noch platt machen konnte, hat dies im Falle Syriens nicht funktioniert. Russland und China sind die neuen aufsteigenden Machtblöcke. Die USA versuchen mit allen Mitteln diese Mächte einzugrenzen und nicht hochkommen zu lassen, eine gefährliche und aggressive Strategie. Die USA sind Tausende von Meilen von der Ukraine und von China entfernt, geben aber vor, dort ihre „nationalen Interessen“ zu „verteidigen“. Niemand kann sagen, wie eine Reaktion der beiden Mächte auf diese US-Strategie ausfallen wird, sie wird aber zweifellos kommen

    Der Krieg in der Ukraine hat nicht etwa ein „imperialistisches Machtstreben“ Russlands zur Ursache, sondern er ist besser zu charakterisieren, als der Versuch der NATO-Osterweiterung auf die Ukraine, mit militärischen Mitteln. Und dies sieht Russland als eine unmittelbare und sehr nahe Bedrohung. Dieser Krieg droht mittlerweile für die NATO verloren zu gehen, es sei denn sie steigt massiv mit eigenem Militär ein. Einigen in den USA wird dieser Krieg zu teuer und zu risikoreich. Es bleibt abzuwarten, welches Lager sich dort durchsetzt. Schon distanzieren sich Kreise der CIA (Artikel der Washington Post?) von den Morden des ukrainischen Geheimdienstes (an welchen sie nach verschiedenen Berichten zuvor beteiligt waren). Dazu gibt es einen interessanten Artikel von Dagmar Henn. Das Sprichwort sagt: „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“.

    Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die politische „Die Ukraine muss siegen“-Front in Deutschland und anderen europäischen Ländern verhalten wird, wenn sich die USA aus diesem Krieg zurück ziehen, vielleicht sogar wieder Kontakte zu Russland knüpfen wollen. Wollen die dann alleine gegen Russland weiter machen, oder kommen vernünftige Russlandpolitiker ans Ruder. Vielleicht wird man den geschmähten Gerhard Schröder dann nochmal dringend brauchen.

  16. Wer ist das Imperium und was ist Kapitalismus?
    Es ist das Geld selbst und die Herrscher über das Geld, das dessen Ströme kontrollieren, erzeugen und manipulieren können. Da ist man in der USA? Der Kreis wird dabei immer kleiner und das fauchende mörderische Israel, bringt die Judenfrage von selbst wieder auf. Wir sind dann bei Oligarchen, den Herren des Geldes!
    Geld regiert die Welt und wer regiert das Geld?
    Ist es das Geld selbst?
    Nein!
    Die innere Konstruktion, die man ändern könnte, aber die Herren profitieren dann nicht davon.
    http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/nur-zwei-buecher

  17. Pistorius will vermutlich bald in den Krieg ziehen, anders kann man die folgende Meldung wohl nicht deuten.
    Krieg und Leichen, die letzte Hoffnung der Reichen.

    ——-
    „Pistorius pocht auf mehr Tempo bei der Modernisierung der Bundeswehr.“

    „Wir müssen kriegstüchtig werden“, sagt Pistorius
    Quelle RND

  18. Pistorius will vermutlich bald in den Krieg ziehen, anders kann man die folgende Meldung wohl nicht deuten.
    Krieg und Leichen, die letzte Hoffnung der Reichen.

    Pistorius pocht auf mehr Tempo bei der Modernisierung der Bundeswehr.

    „Wir müssen kriegstüchtig werden“, sagt Pistorius
    Quelle RND

  19. Wenn man wie Herr Schillo behauptet, dass es seit mindestens 35 Jahren keine Antiimperialisten mehr gibt, dann ergibt sich doch daraus eigentlich, dass man der Leserschaft, unter der folglich ebenfalls keine Antiimperialisten zu vermuten sind, im Artikel wenigstens skizzenhaft auseinandersetzt, was in der linken (leninistischen) Tradition seit 1916 unter Imperialismus verstanden wurde. Damit klar wird, wovon eigentlich die Rede ist. Damit der Gegenstand umrissen wird.

    Stattdessen lästert der Autor mehr als einen Absatz lang über ein Werk des Institut für Gesellschaftswissenschaften der SED ab und hat, mit Verlaub, ansonsten im Grunde nur mitzuteilen, dass früher die einen von Imperialismus sprachen und heute die ganz anderen, wobei dahinter natürlich unterschiedliche Begriffe stehen, mit denen der Leser aber nicht unnötig belästig werden soll.

    Kein Wunder, dass bereits der erste Kommentar zum Artikel darüber sinniert, welche Staaten sich „Imperium“ nannten, also den im Artikel fehlenden Imperialismusbegriff ertastet.

    Ich bedaure erneut „maulen“ zu müssen, verstehe aber wirklich nicht, wozu ein solcher Artikel dienen soll.

  20. Nun, hier kommt wohl nichts mehr, daher zum thematischen Abschied:

    Lenins Wort kolportierend, Sozialismus sei = Sowjetmacht plus Elektrifizierung, könnte man sagen, Imperialismus sei = Staatsmacht plus Kapitalisierung.
    Die Staatsmacht hat es in der Tat vor der Kapitalisierung gegeben, da hat der neurechte Neofascho WW recht.
    Da gab es das römische Reich, dann lange Zeit nüschte – die Vatikanherrschaft war nichtstaatlich.
    Dann gab es die zum Empire fortentwickelte britische Kolonialherrschaft und parallel den französischen Absolutismus, bevor der amerikanische Bürgerkrieg in Nordamerika einen Siedlerstaat schuf und in Deutschland ein preußischer Beamtenstaat entstand, der den administrativen Kern der wilhelminischen Junckerherrschaft bildete.
    (China laß ich außen vor, da kenne ich mich nicht aus)
    Lenin hat keine „Imperialismustheorie“ abgeliefert, jedenfalls hat er sie selbst nicht als Solche sehen wollen, sondern eine antikapitalistische Streitschrift („Propagandaschrift“ könnte man ebenso sagen), die diese Natur schon im Titel angegeben hat: „Imperialismus als (!) höchstes (!!) Stadium … „. Und das geschah, als gerade mal ein paar Staatswesen Westeuropas und die USA kapitalistische Staatswesen waren und transnationaler Handel und Kredit entweder auf Goldschätzen privater oder staatlicher Banken ruhten, oder rein spekulativ auf fiktives Kapital gezogen wurden, das darüber regelmäßig auf eine monetäre Null kontrahiert ist. Der Rest war schlichter Kolonialraub.
    Ist kapitalistische Herrschaft seitdem „zusammengebrochen“, unter ihem eigenen Gewicht („Stamokap“), einer „Endkrise“ oder am „Unvermögen“ „gescheitert“, eine gewähnte geschichtliche Mission, „Funktion“ zu erfüllen, oder schlicht „Recht und Ordnung“ auf den staatlichen Territorien zu gewährleisten?
    Nein, ist sie nicht.
    Das Gegenteil ist der Fall gewesen und weiter der Fall.
    Die Witzfiguren, die heute noch mit Phrasen der schon im Ursprung gefälschten „realsozialistischen“ „Imperialismustheorie“ hausieren gehen, sind untote Greise – bestenfalls.

    Aber daß kapitalistische Herrschaft in der militärischen und administrativen Souveränität der Staatswesen über ihr Territorium und auf ihm nicht aufgeht, das ist der größte Gemeinplatz der „Postmoderne“, nämlich auf dieser administrativen Ebene in Gestalt der auf einen Weltmarkt gezogenen „Standort“-Verwaltung und -Bewirtschaftung, und ideologisch mit dem Unwort und Kampfbegriff „Neoliberalismus“, von dem keiner begrifflich, allenfalls anhand historischer Maximen und Merkmale, anzugeben weiß, worum es sich da handele – schon deshalb nicht, weil das zwischen den Staatswesen militant umstritten ist.

    Eine Imperialismustheorie, die den Namen verdient, für den ihr gerne einen anderen vergeben könnt, wenn euch die Buchstaben nicht gefallen, wäre da schon nicht schlecht, wenn einer wissen will, wovon und wodurch er lebt, und wer und was er folglich ist.
    Aber Letzteres wißt ihr ja schon alle spätestens seit dem 15. oder 16. Lebensjahr, seit ihr moralisch und gesinnungsmäßig im Großen und Ganzen fertig mit der Welt seid und auf nichts so unbändig stolz, wie ausgerechnet das …

    Weiterspielen.

  21. Wenn der Autor etwas über Imperialismus lernen will, dann lese er Rosa Luxemburg: MERKE: Beim Imperialismus geht es um kapitalistische Staaten, die miteinander konkurrieren.

    Allerdings ein derartiges Sanktionsregime wie heute, ein Wirtschaftskrieg in Form der totalen Spaltung der Welt in zwei Handelsblöcke – auf solche krass missionarische Feindschaft kommen die nationalreligiösen Siedler Israels oder die Moralisten des „Wertewestens“. Aber darauf sind die Imperialisten zur Zeit von Rosa Luxemburg nicht gekommen – oder? Denn die wollten Geld verdienen. Oder habe ich da etwas übersehen?

    Aber nein, was liest der Autor stattdessen: wikipedia … Und zitiert es sogar. Kopfschüttel

    P. S. Übrigens hat Rosa auch kluge Dinge über Russland und Lenin gesagt.

    1. „MERKE: Beim Imperialismus geht es um kapitalistische Staaten, die miteinander konkurrieren.“

      Ja und Nein. Sofern das „Ja“ gilt, braucht das Schillo niemand zu erzählen, umso häßlicher der Skandal, daß der Werbetext, den er hier abgeliefert hat, es nicht erkennen läßt und ihm Dein Kommentar ganz recht geschieht.

      „Nein“, weil „der Weltmarkt“, als dessen Agenturen sich die imperialistischen Staaten gebärden, kein politisches Konstrukt ist, an dem Staaten nach innen und Nationen nach außen stricken und schrauben, sondern eine ökonomische Bewegung zwischen „entfalteter Wertform“ und „Allgemeiner Wertform“, welche die kapitalistische (!) „Geldfom“ auf die Welt bringt.

      Letzteres schreibe ich hier nur der Form halber – das kann ich niemandem vermitteln, der das Zeug nicht studiert hat.
      Was nicht heißt, daß das „nicht ginge“! Die Sache ist auch „von der Oberfläche her“ anzufassen, aber das ist keine Arbeit für einen einzelnen Menschen, sondern kommunistische Parteiarbeit. Just saying.

  22. Ich bin immer noch Antiimperialist:
    Ich wünsche mir die Wiedervereinigung Rußlands in seinen historischen Grenzen, insbesondere die Befreiung der Menschen in Neurußland von Selenskys Nazi-Horden.
    Ich wünsche mir Freiheit für ganz Palästina.
    Ich wünsche mir Freiheit für Inselchina und dessen Wiedervereinigung mit der VRC.
    Ich wünsche mir die Wiedervereinigung Serbiens, Freiheit für Srpska und Amselfeld/Kosovo.
    Ich wünsche mir, dass der nordamerikanische Kontinent an die First Nations zurückfällt.
    Ich wünsche mit eine Welt ohne Krieg, ohne Ausbeutung, ohne Unterdrückung.

    „… Auf zu letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“

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