
Die Faschisierung ist in Europa und anderswo auf dem Vormarsch. Brauchen da antifaschistische Aufklärung und politische Bildung die Unterstützung durch die Totalitarismustheorie? Ein Gespräch mit Georg Loidolt.
Kürzlich erschien eine Kritik des traditionsreichen Theorems vom „Totalitarismus“. Der machte, wie der Autor darlegt, als Kampfbegriff gegen diverse extremistische Bestrebungen Karriere und tut immer noch seine Dienste zum Schutz des „freien Westens“, auch wenn dieser heute nicht mehr wiederzuerkennen ist. Wie man bei Wikipedia nachlesen kann, erfolgte der Startschuss im Jahr 1923, als der italienische Antifaschist Giovanni Amendola in einem Zeitungsartikel Mussolinis Regime erstmals als „sistema totalitario“ kennzeichnete – als „totalitäres System“, das „absolute und unkontrollierte Herrschaft“ anstrebe.
Eine große Denkerin in faschistischer Tradition klärt auf
Mit der trivialen Feststellung, dass sich staatliche Souveränität einem Absolutismus verpflichtet weiß, der keine höhere, „kontrollierende“ Instanz kennt (wozu sich ein Trump heutzutage offen bekennt), begann also der Werdegang einer Theorie, die im antikommunistischen Roll Back des Kalten Kriegs von sich reden machte.
Deutsche Migranten wie Carl Joachim Friedrich oder Hannah Arendt spielten hier eine wichtige Rolle. Friedrich gilt heute als „ungelesener Autor“, die politische Theoretikerin Arendt machte dagegen mit ihrem 1951 erschienenen Werk „The Origins of Totalitarianism“ Furore, das sie 1955 unter dem deutschen Titel „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ veröffentlichte und das als eines der Standardwerke der Totalitarismusforschung gilt.
Arendt, die in der Nachkriegszeit zur bedeutenden politischen Theoretikerin aufstieg bzw. stilisiert wurde, setzte anhand formaler Merkmale den Nationalsozialismus mit dem Stalinismus gleich. Damit schuf sie das Modell für die Feindbildpflege von NATO und Co. im West-Ost-Gegensatz, wo der realsozialistische Gegner hinter dem „Eisernen Vorhang“ als Inbegriff des Bösen dingfest gemacht wurde. Mit dem Resultat, dass die Vergangenheitsbewältigung der Nachkriegs-BRD sich nicht groß beim Holocaust aufhalten musste (der bis zur Ausstrahlung der US-TV-Serie in den späten 70ern sowieso ein Randthema darstellte), sondern das alte Feindbild vom gottlosen (vorher: jüdischen) Bolschewismus fortschreiben konnte. Selbst das für den Schutz der Verfassung zuständige Gericht, das u.a. das KPD-Verbot erließ, war, wie man jetzt erfährt, NS-belastet.
„Ist Hannah Arendt für aufklärende politische Bildung unverzichtbar?“, fragte jüngst ein Beitrag bei Overton, der auf die bemerkenswerte philosophische ‚Grundierung‘ der wissenschaftlichen Karriere Arendts einging – nämlich auf deren positive Stellung zur faschistischen Philosophie von Martin Heidegger. Diese philosophische Orientierung spielt erstaunlicherweise auch da eine Rolle, wo die Totalitarismustheoretikerin als maßgebliche Instanz für eine zeitgemäße politische Bildung in Anspruch genommen wird. Da wird die grundlegende, bisher angeblich übersehene Bedeutung der „Geburtlichkeit“ des Menschen gewürdigt, so von Lena Köhler, die das jetzt in einer umfangreichen Studie über „Hannah Arendts pädagogische Figur der Natalität“ dargelegt hat. Demnach muss Bildungsarbeit das „eigene Geworden- und Eingebundensein zum Ausgangspunkt des Verstehens“ machen, denn: „Erst die kritische Reflexion der Situiertheit und Rückwendung zum bereits Gegebenen führt zur eigenständigen Orientierung des Menschen in der Gegenwart.“
Dass Arendt sich nach 1945 an der Rehabilitierung ihres ehemaligen Protektors beteiligte – in einer „Komplizenschaft“, die während der Adenauerära en vogue war –, hat der Totalitarismustheoretikerin nicht groß geschadet, wird in der verbreiteten Arendt-Verehrung vielmehr als belanglose, private Angelegenheit dargestellt. Dieser hehren, allseits anerkannten Persönlichkeit kann man doch keine Vorwürfe machen, so der Konsens in diversen Beiträgen, die zum Rückblick aufs Todesjahr 1975 bzw. Geburtsjahr 1906 erscheinen. Oder wie es ein Kommentator bei Overton treffend formulierte: „Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt?“ Ja. klar, wer auf dem Standpunkt des Heldenkults steht, den kratzen doch keine sachlichen Einwände.
Wenn man sich von diesem Kult nicht beeindrucken lassen will, dann geht es schlicht und ergreifend darum, Nachfragen zu den diversen theoretischen Leistungen Arendts zu stellen. Und da hat man es mit einem weiten Feld zu tun: von der Zionismuskritik bis zu Statements in Sachen US-Rassismus; von der Entdeckung der „Banalität des Bösen“ im Fall Eichmann bis zum Verweis auf das banale Faktum, dass Altnazis wie Globke im Adenauerstaat ihre Heimat fanden; von den seltsamen Essays über Walter Benjamin oder Bert Brecht (mit denen Arendt kaum etwas gemein hatte) bis zur „Vita Activa“, die als Arendts philosophisches Hauptwerk gilt und deren Grundlinien sie (nach eigener Auskunft) Heidegger verdankt; und natürlich gehört die Totalitarismustheorie dazu. Zu dieser immer noch populären Theorie hier ein Nachtrag, ein Gespräch mit dem Buchautor Georg Loidolt.
Was heißt hier schon totalitär?
Johannes Schillo: Das Adjektiv „totalitär“ bedeutet so viel wie das griechische „katholikos“: allumfassend. Man kann es natürlich im politischen Zusammenhang kritisch gebrauchen. Im Overton-Text hieß es vom BRD-Kulturbeauftragten Weimer, der Mann sei „etwas totalitär gestrickt“. Das vor allem im Blick darauf, dass zur Zeit die Kunstsphäre, wie Stefan Ripplinger in einer Studie nachgewiesen hat, umfassender Kontrolle unterliegt: Ein palästinasolidarisches Buch im Schaufenster des Buchladens, ein israelkritisches Exponat auf einer Ausstellung – schon schreiten Aufsichtsbehörden ein oder werden dazu aufgerufen. Ähnliche Beispiele sind ja bekannt. Ist das totalitär?
Georg Loidolt: Grundsätzlich gilt: Demokratischer Herrschaft ist der Standpunkt umfassender Kontrolle und Aufsicht nicht fremd. Rechtsfreie Räume darf es auch in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht geben und politikfrei ist im Grunde gar nichts, kein Katholikentag und kein Sportevent. Wir hatten hier in Wien gerade den European Song Contest vor der Haustüre – ein sinnfreies Tralala, das sich aber schärfster politischer Betreuung erfreute: Russland und Belarus müssen ausgeladen werden, Israel darf auf keinen Fall fehlen, wie das ganze Ding ja überhaupt ein Fest nationalen Kunstschaffens sein soll.
Vielleicht mal näher am Totalitarismus-Begriff von Arendt, in dem der Zusammenhang von Terror und (scheinbar im Widerspruch dazu) Massenbasis herausgestellt wird. Ich habe in meinem Buch die USA, das „demokratische Musterland“, als Beispiel genommen. Dort werden ICE-Trupps losgeschickt, die zielstrebig so genannte Illegale terrorisieren und damit beim Rest der Bevölkerung Angst und Schrecken verbreiten, sofern sie nicht zur MAGA-Basis gehört. Bei einem solchen Einschreiten wird auch schon mal scharf geschossen, um wohlmeinenden Mitbürgern klarzumachen, dass sich gegen das allerbrutalste Vorgehen der Staatsgewalt keine Bedenken regen dürfen. Und wenn ein demokratischer Staat sich mit ernsthaftem Wider- oder gar Aufstand konfrontiert sieht, werden sowieso ganz andere Saiten aufgezogen, dafür gibt es ja ein eigenes Notstandsrecht.
Blickt man in Politiklexika, erfährt man allerdings: Das Programm totalitärer Herrschaft besteht darin, die demokratische zu negieren. Totale, durch keine Grundrechte oder Gewaltenteilung gebremste Kontrolle der Gesellschaft soll ihr Ziel sein, also Herrschaft um ihrer selbst willen. Dass etwa die Staatszwecke unter einem Hitler oder Stalin ganz andere waren, interessiert da nicht. Genau so wird auf der anderen Seite die Gemeinsamkeit ignoriert, die bürgerliche Nationalstaaten unterschiedlicher Couleur aufweisen – dass nämlich faschistische wie demokratische Regime den nationalen (Kapital-)Erfolg zum Maßstab der internationalen Konkurrenz machen, sich gegen andere durchsetzen und letztlich im militärischen Kräfteringen ihr Menschenmaterial verschleißen. Dass es süß und ehrenvoll ist, fürs Vaterland zu sterben, propagieren dann beide.
Worin besteht denn nun Arendts Beitrag?
Schillo: Du hast in Deinem Buch „Gespenst des Totalitarismus“ herausgestellt, dass Totalitarismus ein Kampfbegriff der liberalen Eliten ist. Denen gehe es darum, die herrschenden Verhältnisse zu bewahren. Dein Buch zielt überhaupt auf den Nachweis, wie Du in der Einleitung schreibst, „dass es sich bei der Theorie des Totalitarismus um eine oberflächliche und deshalb auch beliebig einsetzbare Bloßstellung feindlicher politischer Mächte handelt“.
Loidolt: Ja, es handelt sich überhaupt nicht um eine schlüssige Theorie. Was Arendt geliefert hat, ist alles andere als konsistent. Werfen wir mal einen Blick auf die historische Erklärung, die sie den „Ursprüngen“ des totalitären Unwesens widmet. Da geht Arendt auf den Kapitalismus ein, an dem sie durchaus eine Kritik hat. Einerseits bringe der Imperialismus dessen wahres Gesicht zum Vorschein, denn zunächst sei die bürgerliche Gesellschaft, wie Arendt im einschlägigen Essay („Über den Imperialismus“) schreibt, vor der Konsequenz der Expansion zurückgeschreckt, auch dank der abendländischen Tradition, „die sich mit der Französischen Revolution für ein ganzes Jahrhundert noch einmal durchsetzte“. Der „Mob“, die überflüssig gewordene Bevölkerung als Basis des Imperialismus, und die „Avantgarde“ bringen diese Zurückhaltung schließlich zu Fall – konsequenterweise, da die Mäßigung des Systems gar nicht wirklich, sondern vorgespielt war.
Oder beides zugleich, denn Arendt nennt das in einem Atemzug: „Dieser Heuchelei, diesem segenreichen Mangel an Konsequenz nämlich ist es ebenso sehr zu verdanken wie der Stärke der abendländischen Tradition“, dass der Kapitalismus erst 300 Jahre nach Hobbes sein bereits von diesem beschriebenes wahres Gesicht zeigte. Andererseits (so heißt es in „Elemente und Ursprünge“) habe der Imperialismus „sozialen Verhältnissen, vor allem der Klassengesellschaft, und politischen Strukturen, dem Nationalstaat, eine Gnadenfrist von fast einem halben Jahrhundert“ verschafft und „die bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts deutlich überalterten sozialen und politischen Strukturen Europas“ vor dem Untergang bewahrt, die deswegen erst durch zwei Weltkriege zu Fall kamen.
Die Ursprungsfrage ist also etwas vertrackt: Der Imperialismus entsteht laut Arendt aus einer krisenhaften Auflösung des Kapitalismus und setzt dessen ökonomische Bestimmungen außer Kraft. Erst er habe bewirkt, dass die „beiden überflüssigen Kräfte, das überflüssig gewordene Kapital und die überflüssig gewordene Arbeitskraft, sich miteinander verbanden und gemeinsam ihre Heimat verließen“. Arendt hält dazu in ihrer grundlegenden Schrift als wesentlichen Punkt fest, „daß der Imperialismus das erste Phänomen war, dem gegenüber die marxistische Theorie der Wirtschaft versagte“. Sie stellt ein „Bündnis zwischen Mob und Kapital“ fest, das dem Konzept des Klassenkampfes widersprochen habe und deswegen vom Marxismus negiert worden sei. Die Weltanschauung des Mobs habe das Volk geeint, also die Klassenspaltung überwunden, an deren Stelle der Imperialismus die Welt in „Herren- und Sklavenrassen, in farbige und weiße Völker“ aufgeteilt habe.
Den Glauben an das Proletariat hätten die Marxisten aber auch nach dem „Zusammenbruch der internationalen Solidarität“ im Ersten Weltkrieg nicht aufgeben wollen. Genauso habe der Marxismus verkannt, dass „die imperialistische Politik die Bahnen der ökonomischen Gesetzmäßigkeit längst verlassen hatte und der ökonomische Faktor längst dem imperialen zum Opfer gefallen war“. So versuchten sozialistische Theoretiker „die ‚Gesetzmäßigkeit‘ des Imperialismus zu entdecken“, als „in Südafrika selbst längst alle rationalen Profitberechnungen dem ‚Rassenfaktor‘ aufgeopfert waren“. Worin dieses Opfer genau bestehen soll, bleibt Arendts Geheimnis.
Schillo: Ja, die Frau ist gegen den Marxismus, das merkt man. Sonst ist alles ziemlich konfus. Sobald die französische Republik steht, erobert Napoleon den ganzen Kontinent, und die englische Bourgeoisie beherrscht die Weltmeere. Bei Arendt aber ist die Expansion ein spätes Zerfallsprodukt. Da denkt man doch gleich an Lenin und seine These vom „letzten Stadium des Kapitalismus“, bei dem Arendt anscheinend Anleihen gemacht hat. Und dann ist auch noch der „Mob“ an den Weltkriegen schuld, nämlich nach einem ominösen „Zusammenbruch“ des Internationalismus.
Das ist so schief wie die Rede vom „Ausbruch“ eines Krieges. 1914 ist doch nichts zusammengebrochen! Die Führung der Gewerkschaftsbewegung hat z.B. in Deutschland ihre national verantwortungsbewusste Rolle unter verschärften Bedingungen weiter gespielt und brave deutsche Arbeiter in eine „Burgfriedenspolitik“ eingebunden – ein nationaler Schulterschluss, an den etwa die heutige Gewerkschaftsinitiative „Sagt NEIN!“ in kritischer Absicht erinnert. Seitdem ist Sozialpartnerschaft, die den Gegensatz von Kapital und Arbeit nicht mehr kennt, eine Selbstverständlichkeit. Aber solche Dinge sind doch nie bolschewistisches Programm gewesen. Wie kommt man von daher auf die Gleichsetzung Rot = Braun?
Totalitarismustheorie als Erklärung des Faschismus?
Loidolt: Dieser scheinbaren Erklärung geht es nur um die Abgrenzung zur demokratischen Herrschaft. Auch die Zwecke von Kommunismus und Faschismus werden ignoriert, obwohl die Unterschiede auf der Hand liegen: Der Kommunismus will den Klassengegensatz samt dem dazugehörigen Kampf und den Krieg als notwendige Konsequenz des Konkurrenzprinzips beenden, während Krieg als „Kampf ums Dasein“ für Mussolini und Hitler eine biologische Notwendigkeit aller Lebewesen darstellt, wie ich in meinem Buch gezeigt habe. Der ehemalige Verteidigungsminister Österreichs (1987–1990) namens Robert Lichal warb in diesem Sinne für das Bundesheer mit den Worten: „In der Wiese herrscht Krieg!“ Und der US-Präsident Trump benennt das Verteidigungs- in „Kriegsministerium“ um, damit aller Welt klar wird, dass eine dem nationalen Egoismus verpflichtet Politik („America first!“) militärische Auseinandersetzungen notwendigerweise einschließt – und sich sogar öffentlich dazu bekennt.
Die Gleichsetzung, die mit der Totalitarismustheorie in Mode kam, beruht auf dem politischen Willen, Kommunismus und Nationalsozialismus als „Verbrechen“ zu „entlarven“. So hat ja Alice Weidel in ihrem Gespräch mit Musk Hitler zum Kommunisten erklärt, denn die staatlichen Aufträge der Nazis an das Kapital gelten Fanatikern der freien Marktwirtschaft ja schon als grundsätzlicher Verstoß. Jede Negation des Laissez-Faire-Kapitalismus wird da bereits als Sozialismus gebrandmarkt, ja sogar das „Fiat-Geld“ der Zentralbanken gerät unter Verdacht. Kurz gesagt: Die staatliche Aufsicht mit ihren (notwendigen) Eingriffen in die Verkehrsformen der freien Konkurrenz und in die bürgerlichen Sitten kann vom Standpunkt eines Marktidealismus als eine Gemeinsamkeit hochstilisiert werden, die zur Gleichsetzung von Rot und Braun führt.
Schillo: Was kann man denn damit heute anfangen, wo eine Faschisierung in der Form stattfindet, dass „rechtspopulistische“ Bewegungen ganz korrekt ihre Wahlerfolge einfahren (worauf die Demokraten in der BRD mit Verbotsdrohungen reagieren), eine neofaschistische Frau Meloni im besten Einvernehmen mit einer christdemokratischen Frau von der Leyen steht und überhaupt demokratische Parteien eine eigene Brandmauer errichten müssen, weil die Unterschiede sonst kaum auf- bzw. ins Gewicht fallen würden?
Loidolt: Die Totalitarismustheorie kommt letztlich immer wieder mit dem Stereotyp „Gewaltherrschaft“. Da verschwinden die Unterschiede zwischen einzelnen faschistischen Bewegungen (Italien, Deutschland) und natürlich zwischen dem, was eine NSDAP oder KPdSU wollte. Die Warnung vor Totalitarismus ist also nur eine Affirmation des Status quo, genauso wie der Kampf gegen rechten Populismus bzw. Faschismus – sofern ein solcher Kampf nicht zugleich gegen Kapitalismus und Imperialismus antritt.
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Was mich an (links)-liberaler Kritik an Faschismus, Totalitarismus usw. stört: Man fokussiert auf „bösartige“ Tendenzen in der menschlichen Natur, die ist aber wie sie ist und die deshalb mit Moral und Rechtsstaat gezähmt werden muss (die Hülle der Zivilisation ist dünn). Aus meiner Sicht wird zu wenig auf die äußeren Umstände eingegangen, die die „bösartigen“ Tendenzen erst zum Tragen bringen, was weniger mit Moral als mit dem politischen System, das Gesellschaft und Wirtschaft organisiert, zu tun hat.
Den Schlußsatz von Loidolt wiederhole ich gern:
Nötig wäre nur Aufklärung darüber, dass die „westliche Demokratie“ nur ein wohlklingendes Etikett ist. In Wirklichkeit eine reine Oligarchie, deren „Volksvertreter“ als die jeweils größten Soziopathen aus den Dominanzhierarchien der Parteien hervorgehen.
Das demokratischen Prinzip der Isegorie ist reduziert auf eine theoretische und faktisch abgeschaffte „freie Rede“. Das demokratische Prinzip der zufälligen Auswahl durch Los für streng reglementierte Räte zur Berichterstattung und Vorschlagsbildung für die Gesamtversammlung ist scheinbar vergessen. Die Kapitalakkumulation im globalen Großkapital und die Massenverelendung durch ungehemmte Gier und Abschaffung jeglicher Ethik sind die zwangsläufigen Folgen.
Es wirkt nicht sehr ausgewogen und an der Sache ´des Totalitarismjus interessiert, was in diesem Beitrag steht. Die nächste Tirade gegen Arendt als Person. Dazu eine Aufwertung von Carl Friedrich, der nicht gelesen werden würde. Fakt ist: Friedrich war in den 1940er und 1950er Jahren extrem einflussreich und hat die Debatte über die europäische Integration geprägt. Seine Disposition war die eines konservativen Technokraten, der das einfache Volk mit seinem Föderalismus-Entwurf, eng angelehnt an die Vorstellung der US-Regierung, als deren Berater er fungierte, völlig entmachtet hätte. Bestenfalls als ein juristischer demos hätte es existiert, ohne weitergehende Funktion als eine Säule des politischen Systems. Die interessanteste Frage: wie weit war Friedrich mit seinem supranationalen Technokratismus weg vom Totalitarismus? Auf jeden Fall war er sehr viel näher dran, als Arendt.