
Wir werden überflutet von Texten, die von den LLMs, großen Sprachmodellen der Künstlichen Intelligenz, erzeugt werden. Angeblich sind schon mehr KI-erzeugte Texte als von Menschen verfasste im Internet unterwegs. Sie wurden so gut anhand des von Menschen erzeugten Content trainiert, dass sie grammatikalisch korrekte und fehlerfreie Texte jeden Stils über alle möglichen Inhalte produzieren können. Turing-Tests können sie normalerweise leicht überstehen, oft erscheinen sie besser und strukturierter als Texte von Menschen..
Wie gut KI-generierte Texte von solchen unterschieden werden können, die von Menschen geschrieben wurden, wird mit zunehmender KI-Benutzung eine immer heißere Frage. Nicht wegen des Wahrheitsgehalts, sondern weil es wichtiger wird, wer etwas sagt oder schreibt – für Prüfungen, Bewerbungen, für die Autorschaft von Nachrichten, Artikeln, Büchern, Postings oder auch für persönliche Botschaften. Wir wollen natürlich wissen, mit wem wir es zu tun haben.
Man kann für bestimmte Belange sich lieber an Chatbots wenden und ihnen mehr vertrauen als Menschen, eben weil sie anscheinend keine von eigenen Interessen getriebene Menschen sind, aber man will nicht getäuscht werden, egal ob von der KI oder von Menschen. Das führt dazu, dass Menschen sich überlegen, ihre Texte so zu schreiben, dass sie sich erkennbar von den KI-erzeugten unterscheiden. Daher gibt es nicht nur paradoxerweise KI-Programme, die erkennen sollen, ob Texte von Menschen oder LLMs verfasst wurden, sondern auch solche, die damit beworben werden, dass sie Texte, auch KI-generierte, „humanisieren“, also so umschreiben, als wären sie von Menschen geschrieben. Das ist paradox, weil LLMs an von Menschen trainierten Texten geschrieben werden, weswegen sie ja menschenähnlich schreiben sollen, allerdings mehr Information verarbeiten und korrekter schreiben können.
Jetzt heißt es gerne, menschlich sei es, Fehler zu machen. Das war bis vor kurzem ein Mangel der Menschen, die die Fehler ins Zusammenspiel mit den Maschinen brachten, der berühmte human error. Das wird schon lange als herausragende menschliche Eigenschaft gehandelt: errare humanum est. Bei KIs, die klüger werden sollen, wird der Irrtum – die bekannten Halluzinationen – aber als auszumerzendes Problem gesehen, womit allerdings wahrscheinlich auch die Chance auf Kreativität verspielt würde. Der menschliche Irrtum soll für 80-90 Prozent der Unfälle verantwortlich sein, entsprechend auch für Probleme mit der Cybersicherheit, wo nicht die Firewall von Hackern überwunden wird, sondern die Menschen in die Falle gelockt werden, um die Türen zu öffnen.
Wie auch immer, so scheinen Schlauberger jetzt darauf zu kommen, ihre Faulheit zu verteidigen und KI-erzeugte Texte als die ihren auszugeben, indem sie in diese „Tippfehler“ oder grammatikalische Fehler einstreuen. Das ist eine Wende, schließlich wurden Schüler lange mit korrektem Schreiben nach den Standardregeln gequält. Schreib- und Grammatikfehler wurden markiert, zogen die Note herunter und sollten so ausgemerzt werden, dass das Geschriebene den jetzt von KI generierten gleicht. Jetzt wo diese das Ziel meist perfekt umsetzen, auch was Verständlichkeit und wohlgebaute, wenn auch meist kurze Sätze betrifft, werden die Fehler und Schlampereien von früher zum Ausweis des Menschlichen geadelt.
The Atlantic spricht von einem „Typo Vibe Shift“ und schreibt: „Für manche sind sie kein Zeichen von Faulheit mehr, sondern ein Beweis für menschliche Note.“ Absichtlich werden in Bewerbungsschreiben oder in Selbstdarstellungen auf Dating-Sites Tippfehler eingestreut. Romanautoren wie Lázló Krasznahorkai schreiben Romane mit endlosen Sätzen, in denen keine Punkte mehr vorkommen. Es wird Originalität und Authentizität simuliert, um gegen die Simulation anzutreten.
„Was viele Menschen mittlerweile in schriftlichen Mitteilungen suchen – egal, ob diese von einem Kollegen oder einem Popstar stammen –, ist eine eigene Stimme. Sie möchten die unverwechselbaren Sprachrhythmen eines CEOs, eines Influencers oder einer Berühmtheit hören, damit sie davon überzeugt sind, etwas Authentisches zu lesen. Vor Jahrhunderten verfassten Autoren aus demselben Grund Errata-Listen, aus dem heute Bewerber absichtlich Tippfehler in ihre Anschreiben einbauen – um sich der verallgemeinernden Kraft neuer Technologien zu widersetzen und zu beweisen, dass hinter ihrer Arbeit ein echter Mensch steht.“ – The Atlantic
Das Beispiel zeigt sehr schön, wie wir in der Falle sitzen. Es gibt nicht nur KI-Programme, die entlarven, ob Texte oder Teile von ihnen wahrscheinlich von KI oder von Menschen geschrieben wurden. Es gibt auch Ratschläge, wie man nicht „humanisieren“ soll (eben nicht durch Typos, die irritieren würden und den Text in den Augen von KI nicht vermenschlichen) und selbstverständlich auch Programme, um von KI erzeugte Texte zu „humanisieren“.
Das wird auch bei von Menschen, in dem Fall von mir geschriebenen Texten gemacht und sieht dann so aus: „Das Beispiel zeigt uns ganz deutlich, dass wir in der Falle sitzen. Es gibt nicht nur KI‑Programme, die herausfinden, ob ein Text oder ein Teil des Textes wahrscheinlich von einer KI oder von einem Menschen geschrieben wurde. Es gibt auch KI‑Programme, die von KI erzeugte Texte menschlicher klingen lassen. Ich finde das sehr spannend.“
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Was für eine kranke Gesellschaft – mehr fällt mir dazu nicht mehr ein. Ach so – die 100 gehören auch dazu.
Ich lass manchmal Texte von KI prüfen. Da werd dann zuweilen ungefragt Passagen umgeschrieben, weil es so elegante, präziser oder ausdrucksstärker wären. Nicht selten ist es allerdings eine Verschlimmbesserung. Und meinen eigenen Stil erkenne ich meist nicht mehr wieder. Wenn da was rauskommt, bei dem ich sagen würde, dass ich es so ggfl. auch schreiben würde, nehme ich das als netten Tipp auf, übernehme es aber auch nicht 1 zu 1. Ich betrachte KI inzwischen nicht mehr als Wissensbasis oder Problemlöser, sondern als Anregung, andere Lösungswege zu suchen, insbesondere, wenn sich KI mal wider stur immer wieder wiederholt.
Demnächst wir eine KI alle Schreibarbeiten von Florian Rötzer übernehmen um seine Texte zu humanisieren.
Während sich Florians Texte bislang zu 90% darum drehten mühsam zu begreifen wie eine Maschine denkt, wird sich die Maschine dann den menschlichen Themen zuwenden können wie Zuneigung und Liebe.
Ja, Maschinen sind einfach die besseren Menschen.
Ich mach’s mal nett. Mit Vermenschlichung von Texten hatte Herr Rötzer noch nie Probleme. Seine Texte waren häufig extrem menschlich. Herr Rötzer war schon KI, da dachte niemand daran, dass es so etwas je geben würde. Oder so. Jedenfalls wissen wir jetzt warum das immer so war. Vermenschlichung seiner Texte.