Ideologie for ever!

Kai Diekmann. Screenshot aus dem Video von {ungeskriptet} by Ben

 

Kai Diekmann, ehemaliger Chefredakteur der Bildzeitung, war zu Gast bei dem mittlerweile sehr bekannten Podcaster Ben Berndt in seinem Format {ungeskriptet} by Ben auf YouTube (Video). Soweit so gut könnte man jetzt denken, ein weiterer Medienschaffender, der bei einem anderen Medienschaffenden Anekdoten seines bisherigen „interessanten Arbeitslebens“ kundtun darf.

Einblicke

Vorweg muss erwähnt werden, dass die Unterhaltung über die gesamte Länge von fast 3 Stunden 18 Minuten eher seicht dahinplätschert und keine wahren neuen Erkenntnisse aus Politik und Boulevard vergangener Tage hervorgebracht hat.

Vielmehr konnte man aber in diesem Gespräch erkennen, wie Chefredakteure großer Leitmedien denken und agieren. Kai Diekmann hat unabsichtlich den Vorhang geöffnet und Einblicke gewährt, wie es in Redaktionen zugeht und welche „Einstellung“ man haben muss, um guten Journalismus seiner Meinung nach abzuliefern.

Kai Diekmann hat ganz klar aufgezeigt, dass es keines „Wahrheitsministeriums“ wie in Orwells Roman 1984 beschrieben bedarf, denn die letzte Instanz ist der Chefredakteur und dieser, wenn auf Linie, hält jedes nützliche Narrativ am Leben, befeuert es oder lässt es sterben, um neue Deutungsmuster aus der Taufe zu heben.

Das Erschreckendste an diesem Gespräch ist, dass Kai Diekmann seine Ansichten und Überzeugungen, die allesamt gängigen Denkmustern der Leitmedienblase entsprechen, aus vollem Selbstverständnis heraus ausspricht und nichts, aber wirklich rein gar nichts hinterfragt oder dies jemals getan hat.

Es kommt ja sehr oft die Frage auf, wie es von statten geht, dass  „große Leitmedien“ in den wichtigen Themenfeldern wie Krieg, Wirtschaft oder auch Politik Texte von Journalisten verfassen lassen, die wesentliche Sachverhalte nicht gegenüberstellen oder lückenhaft beschreiben, wie können solche Artikel beständig und wiederkehrend veröffentlicht werden? Die Antwort sind Chefredakteure wie Kai Diekmann, der wie er unverhohlen und offen auch im Gespräch zugibt, linientreue Mitarbeiter und deren Artikel bevorzugt zu veröffentlichen und unangepassten Journalisten gerne mal die Tür zu zeigen.

Wie Kai Diekmann Sachverhalte einordnet, Informationslagen bewertet und welche journalistischen Maßstäbe für Ihn gelten, soll hier an ein paar wenigen erlesenen Aussagen aus dem Gespräch aufgezeigt werden.

Informationsquellen

Ab Minute 10:50 äußert sich Kai Diekmann darüber, wie und wo er sich aktuell informiert. Er gibt an dies vorrangig über „Newsletter“ zu tun und nennt dann auch entsprechende Medien wie T- Online, The Pioneer, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, New York Times, The Economist.

All die genannten Informationsquellen von Kai Diekmann gelten jetzt nicht unbedingt als kritische Medien, die das aktuelle Weltgeschehen diametral betrachten. Es überrascht dann auch nicht, dass Diekmann kein einziges „alternatives Medium“ nennt. Hier zeigt sich die jahrelange manifestierte Denkweise und das Verbleiben in der eigenen Blase, weil die Ideologie ja stand halten muss.

Im weiteren Verlauf des Gespräches erklärt Kai Diekmann den Beruf und das Handwerk Journalismus aus seiner Sicht. Ab Minute 20:40 tut er dies so offen, dass einem schon kurz die Luft wegbleiben kann. Aussagen wie: „Wir waren die klassischen Gatekeeper. Wir waren diejenigen, die entschieden haben, wer mit welcher Botschaft Zugang zu seinem Publikum bekommt.“

Diese Aussagen tätigt er so selbstbewusst und schonungslos, als wäre es nichts. Unbewusst liefert er hier den Beweis, was viele schon geahnt haben, der Meinungskorridor ist eingeschränkt und wird gesteuert.

Wie entfremdet und ideologisch geprägt Kai Diekmann ist, wird nach 67 Minuten klar erkennbar. Kai Diekmann erzählt dort von seinen Erfahrungen im Aufsichtsrat der türkischen Zeitung Hürriyet. Er gibt an, erlebt zu haben, wie türkische Journalisten nach Veröffentlichungen verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurden. Danach tätigt er die Aussage, dass so etwas bei uns, er meint damit Deutschland, nicht möglich sei und dass man völligen Unsinn behaupten könne und trotzdem in seiner Freiheit hier respektiert werde.

Dass es in Deutschland einen Journalisten namens Hüseyin Dogru gibt, dieser sogar türkisch-kurdische Wurzeln hat und von der EU  aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit sanktioniert  wurde, ist Herrn Diekmann wohl entgangen. Gut, das hat ja auch kein Medium aus seiner „Newsletter-Blase“ erwähnt.

Es könnten noch etliche Ärzte erwähnt werden, die aufgrund von ausstehenden Corona-Gerichtsprozessen in Haft sitzen, das würde aber wahrscheinlich den Denkkosmos von Kai Diekmann sprengen.

Kai Diekmann hat den Posten des Chefredakteurs bei Bild abgegeben, doch die ideologische und linientreue Einstellung beibehalten. Man erhält von ihm ein solides AfD und Höcke-Bashing, Russophobie, Regierungs- und Israeltreue. Mainstreamherz, was willst du mehr?

Nils Georg

Nils Georg war nach einer erfolgreich abgeschlossener Handwerkslehre 14 Jahre bei der Bundeswehr. Danach absolvierte er erfolgreich eine weitere Ausbildung zum Kaufmann. Seit 2017 ist er bei einem privaten Bildungsträger beschäftigt – ab 2018 in leitender Funktion. Er ist 41 Jahre alt, verheiratet und lebt in Rheinland-Pfalz.
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52 Kommentare

  1. Eines sollte doch klar sein, der Westen ist der Freiheit verpflichtet und die ist transatlantisch, also wird zuerst immer zu den US-amerikanischen Leit-Medien geschaut, was die sagen, dann weiß man als westlicher Medien-Arbeiter auch was man zu sagen hat. Ansonsten wäre man ja gegen „die Freiheit“.

    1. Ja, finde ich etwas verwunderlich wie sehr Dieckmann nur wertewestliche Qualitätsmedien liest. Damals im kalten Krieg wurde durchaus auch Neues Deutschland oder Prawda gelesen. Hat man zwar nicht geglaubt, aber es gab einen Blick hinter den eisernen Vorhang.

      Heute müsste man wohl was aus Indien und China und Brasilien lesen um einen Überblick über die Welt heute u haben. Dieckmann liest nur seine kleine Blase. In den 1990ern stehen geblieben mit Fukuyamas (angeblichem) Ende der Geschichte.

      1. „Damals im kalten Krieg wurde durchaus auch Neues Deutschland oder Prawda gelesen. Hat man zwar nicht geglaubt, aber es gab einen Blick hinter den eisernen Vorhang.“

        Ich habe mir damals 2-3 mal eine ND gekauft, das Zeug war genau langweilig wie die AK.

      2. Ja, man fühlt sich im Westen in die Enge getrieben, deswegen verfällt man in eine Arte Festungs- oder Bunker-Mentalität um sich vor der realen Welt zu schützen. Man verteidigt seine ideologische Blase umso eifriger je größer die Widersprüche zur Wirklichkeit.
        „Man“ steht hier für Politik, Medien und Kultur, mithin der Kultur-Industrie.

  2. Lieber Nils Georg, was halten Sie davon, wenn Sie Kai Diekmann auf Hüseyin Doğru aufmerksam machen. Diekmann könnte ja mal ein Interview mit Doğru führen. Aber ich denke, daß Diekmann nicht den Schneid hat, sich Doğru gegenüberzusetzen.
    Die Vertreter der MSM sind ohne per se FEIGLINGE!!!

    1. Der letzte Satz ist mir mißlungen. Er muß heißen:
      Entweder:
      Die Vertreter der MSM sind per se FEIGLINGE!!!
      Oder:
      Die Vertreter der MSM sind ohnehin per se FEIGLINGE!!!

  3. Was war schon anderes zu erwarten. Sind bei der BILD wider erwarten auch Journalisten beschäftigt? Falls ja, schämen die sich nicht ihres Tuns? Die BLÖD Zeitung ist noch nie durch jounalistische Künste hervorgtreten.

    1. Einspruch euer Ehren.
      Handwerklich sind die »Jungs« von Bild ohne Zweifel einwandfrei Profis. Lupenreine Journallisten.hihi
      Die haben es wahrlich drauf. Das handwerkliche. «Wir sind Papst« schreib ich da nur.
      Über das inhaltliche ergo ideologische… da kann man streiten bis der Arzt kommt.

  4. Kai Diekmann….
    Ich habe schon Probleme, wenn jemand die Bild-Zeitung kauft; jemand, der als Journalist für dieses Schmierblatt tätig ist, diskreditiert sich selbst.
    Das und wie Mainstreammedien und der ÖRR journalistisch arbeiten, ist hinlänglich bekannt, zumindest in diesem Forum.
    Die Erkenntnisse eines solchen Mannes sind für mich so überflüssig wie ein Kropf! Kann weg!

    1. Danke, dass Sie mir zuvor kamen, denn sonst hätte ich schreiben müssen, dass der Beitrag weder einen homöopåthischen Mehr- noch irgendeinen Wert hat.

      „Die Erkenntnisse eines solchen Mannes sind für mich so überflüssig wie ein Kropf! Kann weg!“
      Aber derlei seichte „Aufklærungen“ durch Dritte sind perfekte Platzhalter (im übertönenden, immerwährenden Sommerloch).
      Darin fällt er (derBeitrag) glücklicherweise längst nicht mehr aus dem Rahmen, sondern bleibt unter der Vielzahl seinergleichen Brüder und Schwestern in guter Gesellschaft!

    2. als Journalist für dieses Schmierblatt tätig ist

      Es ist mir unangenehm, Sie hier zu verbessern, aber »Journalist« ist nunmal falsch, auch wenn es in deren Steuererklärung steht. Sagen wir, „Menschen, die von diesem Verlag Geld nehmen“ (siehe auch den Kommentar von @grftjx mit dem Max Goldt Zitat).

      @ Ach so:

      Habe Kai Dieckmann noch nie reden gehört oder gesehen, weder live oder aus der Konserve, aber ich bin nach diesem Artikelhappen doch etwas überrascht, denn ich hätte gedacht, dass der Ex-Chefredakteur des Flagschiffs der deutsch-kapitalistischen Standard-Fake-News doch etwas mehr drauf hätte, spannender wäre, ein absichtlicher Bösewicht mit vielleicht fehlgeleiteter Intelligenz. Jemand, den man nicht mag und seine Arbeit schon mal gar nicht, aber irgendwie respektiert. Nun, die staubigen Tassen oben in meinem Küchenschrank respektiere ich erheblich mehr – und natürlich den Autor Nils Georg, der sich das 3.18 h Interview gegeben hat. Mein Mitgefühl.

      1. @EL-G
        Da liegt wohl ein Missverständnis vor, denn ich bezog mich nicht auf die Person, die im obigen Beitrag ver/bearbeitet wurde, sondern um die inhaltliche Qualität sowie reale Relevanz und Wichtigkeit desselben.

        Derlei Thematisierungen, weit am aktuellen Geschehen vorbei, sind Programm; nur durch Ausnahmen unterbrochen, von denen man nicht weiß, ob es fatale/ungewollte Ausrutscher oder unliebsame Quœtenbeiträge sind.

        Egal; ob Sie diese Antwort erreichen wird, weiß nur (R.d.L)Gott, aber hier noch meine Erwiderung zum Ford/Henry, die mein Moderatiinsbearbeiter derzeit auf Korrektheit überprüft:
        „Jeder Wirtschafts-Politiker in Funktion, der etwas von „Nachhaltigkeit“ redet und das Thema Obsoleszenz ausspart, ist per se eine Fehlbesetzung.“
        Ohohooooh – da hat sich aber ein veritabler Denkfehler eingeschlichen.
        Wenn die Einen für den dauerhaften Nutznießen der sich aufopfernden, leistungstragenden Anderen assistierend verantwortlich zeichnen, dann ist dies definitiv das absolute Gegenteil von Fehlbesetzung.

        Pech zwar für jene, die nicht zu den „einen oder anderen“ gehören – aber immerhin fällt es dem Großteil des Rests ohnehin nicht mehr auf, dass das eigentliche Leben zwar immer (w)irrer, schräger, abnōrmer, unbezahlbarer wird, dafür aber noch bunterer, schrillerer, ekelhafterer, überflüssigerer, hirnbrutzelnderer(und und und) Müll 24/7 zum Geist befreiten (idealerweise)bårgeldløsen Erwerb zur Verfügung steht.

        Addendum:
        Der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ ist übrigens längst überholt.
        Der bisherige Weg war seit Jahrtausenden die stete Wiederholung des gleichen.
        Mit jetzigem „Niveau“ und Stand der kognitiven Entwicklung ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Wie, bis sich der Kreis endgültig schließt.“

      2. Der SchreibLeseÜbermittlungsController stufte Sie offenbar als „schwerstbedenklich“ ein, sodass SIE von Zuschriften anderer ausgeschlossen wurden; respektive nunmehr das drihitteMal von meinen.
        Wenn das kein Grund ist, in sich zu gehen und Besserung im gewünschtenSinne zu geloben und strammmm beiFuß zu stehen.
        Denken Sie mal darüber nach;-)!

        1. »Denkfehler« ist gut. Ich gestehe gelegentliche Rückfälle in jugendlich moralischen Maximalkontrast. Ich arbeite daran, soll heißen, ich kann danach über mich lachen…

          »„Der Weg ist das Ziel“ ist was für Leute, die im Kreis gehen.« Sagte ich mal zu einer Buddhistin. She was not amused.

          Jedenfalls ist dieses Forum gelegentlich eine Trainingshalle für Langmut. Seien Sie nachsichtig mit sich und den Trainingsgöttern 😉

          1. Also – in dieser Hinsicht ist Nachsicht (fast) mein zweiter Vorname.
            Belege ich wie folgt:
            Wenn ein Eisberg irgendwo herumdümpelt und auf unschuldige Schiffe wartet, so ist das schlicht Pech.
            Im Moment des Sinkens sollte man das Spektakel bei einem guten Tropfen genießen, denn für Panik ist es zu diesem Zeitpunkt längst zu spät.
            Wenn allerdings aktiv nach einem Eisberg gesucht wird und die Passagiere halten entweder Maulaffen feil, bekunden, davon nicht betroffen zu sein, oder schreien „noch schneller“, regt sich gelegentlich noch leichter Unmut, der jedoch in Gleichmut mündet, denn der Schnitter macht keine Ausnahmen; und wenn’s das Herz denn zwingend begehrt, ist endlich Ruh‘.

            Schwieriger wird es bei Langmut, wenn auf dem Fähnchen etwas verkündet wird, das sich schon bei oberflächlicher Betrachtung als putziger Werbegag offenbart.

  5. diese ganze Medienblase ist doch seit Jahren nur noch zirkular referenziert. Jeder liest, was der andere schreibt und glaubt es. Auch eine Form von Gleichschaltung.

  6. „Mainstreamherz, was willst du mehr?“

    Genau, passt. Denn Bernd Höcke ungeskripted ist ja auch mainstream. Auch wenn das die meisten der 1 Million Abonnenten ebenso wenig wahrhaben wollen wie die meisten Foristen hier mit Blick auf ihr OT-Magazin.

    1. Das Overton Magazin soll Mainstream sein?
      Wie kommen Sie denn darauf? Es wird sich zwar ziemlich oft an Themen des Mainstreams abgearbeitet, aber es gibt auch Artikel abseits dessen, die man sonst nirgends lesen kann.

    2. Sehr geehrte/r Frau/Herr Schmack, dem würde ich sowohl zustimmen als auch widersprechen und ich bin nicht „schizo“.

      1. Richtig ist, was „Bernd Höcke ungeskripted“ angeht: Ein Gespräch mit analytischem und intellektuellem Tiefgang wird nicht von (inzwischen mehr als) 6 Millionen YT-Usern aufgerufen, auch wenn das nicht heißt, dass sich alle 6 Millionen User diese 4 bis 5 Stunden komplett angesehen haben.

      Man stelle sich vor, der Herr Ben würde mit Anne Brorhilker ein Interview über Cum-Ex, Steueroasen, Steuerhinterziehung, Wirtschafts- und Finanzkriminalität, Korruption, Subventionsmissbrauch usw. führen. Wie viele Aufrufe und wie viel mediale Aufmerksamkeit dieses Video wohl verursachen würde?

      Politikerinnen und Politiker versprechen in Reden und vor der Wahl immer einen blauen Himmel und wunderschöne Sonnenuntergänge am Strand mit lauschiger Musik, kühlem Bier, eisgekühlten Cocktails, eisgekühltem Champagner und leckeren Rostbratwürsten, Rindernackensteaks und Veggieburger für alle. In diesem Fall ist der Himmel nicht nur blau, sondern auch noch „alternativ“.

      Ich messe Politiker und Parteien vor allem an ihrem realen Abstimmungsverhalten. Fakt ist, die AfD war gegen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes für Geringverdiener und sie stimmt regelmäßig dagegen, wenn der gML um ein paar lausige Cent pro Stunde erhöht werden soll. Auf der anderen Seite kuschelt Alice Weidel, die Frontfrau der „alternativen“ blauen Partei, in einem Interview mit dem superreichen Multimilliardär Elon Musk, der den eigenen Hals einfach nicht voll kriegt und dem Probleme wie Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit, Armut, Obachlosigkeit, eine gute Krankenversorgung, Arbeitnehmerrechte, sichere und armutsfeste Renten, Umweltschutz, Frieden und vieles andere mehr am milliardenschweren Popo vorbeigehen.

      2. Ich kenne die Zugriffs-/Besucherzahlen auf die Webseite OT-Magazin nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Redakteure von 6 Mio. Zugriffen nicht mal träumen. Und für die 6 Mio. Aufrufe hat der Herr Ben von YT sicherlich auch mehr kassiert als die Herausgeber/Redakteure des OT-Magazin.

      1. @Alfred Nonym @DIRTY OPERATING SYSTEMS

        Ja, gibt bei OT ein paar Artikel abseits des Mainstreams. Das bedeutet aber nicht, dass OT nicht Mainstream ist. Die meisten Artikel sind Mainstream und arbeiten sich mit Mainstreamansichten und Mainstreamtenor (konstruktiv zum Gelingen des „Großen Ganzen“ beitragen, zu „UNSEREM Land“, als ideeller Regierungsberater auftreten usw.) pseudoalternativ am Mainstream ab – das tun alle in Alternativkreisen relevanten Alternativmedien.

        Dass bei OT auch ein paar Abweichler abweichende Meinungen publizieren können, macht den Kohl nicht fett und leistet dem Unbedarfte täuschenden OT-Branding „alternativ“ trotzdem voll Vorschub. Auch im Mainstream, z. B. im öRR, laufen nachts zwischen 1 und 3 manchmal „alternative“ Sachen. Das macht den Mainstream aber nicht „alternativ“.

        Ben ungeskripted halte ich deshalb (weitestgehend) für Mainstream, weil Berndt eine vom Mainstream produzierte Marktlücke entdeckt hat (Brand: „Die Schweiz der Podcasts“ und eben „ungeskripted“), diese äußerst lukrativ besetzt (Millionen Mainstreamzuschauer mit – wie obendrüber zum Thema OT ausgeführt – Mainstreammeinungen, wie man an deren Kommentaren unter den Youtube-Videos nachlesen kann) und zu 95% Mainstreamleute mit Mainstreamthemen einlädt.

        Auch Höcke ist ja Mainstream. Dass jemand den einlädt und ohne „Einordnung“ quatschen lässt, ist ja noch nicht „alternativ“ (ok, kommt natürlich auf die Definition von „alternativ“ an).
        Auch dass jemand einen Mainstreamtypen einlädt, der vom Mainstream gedisst wird, macht das Format ja noch nicht „alternativ“.

        Weiterführend hat hier Michael Meyen kurz etwas dazu gesagt:

        https://www.youtube.com/watch?v=TBQ21eB2nPY

        In den Kommentaren kündigt Meyen an, demnächst auch vertieft etwas zur „Mainstreamigkeit“ von Ben ungeskripted zu machen.

        1. Och menno! Jetzt machen Sie doch das Asterix-Selbstbild nicht kaputt!
          Wobei ich bei der Frage wäre, welche (Online-) Publikation(en) Sie als alternativ empfehlen? Also Text, nicht YT-Kanäle oder so. Ich lerne gerne dazu…

          1. @El-G

            Also ich könnte schon ein paar nennen. Allerdings befürchte ich, dass das dann wieder von OT zensiert wird, wie allein heute schon 6 oder 7 meiner Kommentare zensiert wurden.

            Wenn ich „alternativ“ sage, dann meine ich damit auch nicht unbedingt, dass diese „Alternativen“ gleichzeitig auch das „Prädikat `besonders wertvoll`“ erhalten sollten oder einfach „gut“ oder „lesenswert“ sind.

            Aber mal angenommen, ich könnte keine einzige „Alternative“ nennen: Würde das, was ich im letzten Kommentar geschrieben habe, dadurch weniger wahr, weniger zutreffend werden?

            Möglicherweise kennen Sie ja „Alternativen“, die Sie hier zu posten riskieren möchten.

            1. Hm, ist das jetzt, „zeig mir deins und ich zeig dir meins“?
              Dann bleibe ich bei „ich habe aber zuerst gefragt!“

              Und nein, mein Einleitungssatz hat alles gesagt, hätte ich gegen reden wollen, hätte ich das getan.
              Übrigens denke ich, dass ich hier im Forum einer der Unterinformiertesten bin und keine überraschenden Alternativen in petto habe, Bücher sind da eher mein Medium.
              Ansonsten schaue ich gelegentlich bei Michael Hollister vorbei, wenn man sich da auch noch mit dem Quellenverzeichnis und dazugehöriger Querrecherche beschäftigt, sind immer schnell ein paar Stunden rum. Dennoch war ich einfach mal neugierig und wenn andere Foristen Vorschläge haben…

              Als Notationstipp gegen KI-Zensur: o.v.e.r.t.o.n.-.m.a.g.a.z.i.n.de

              1. Ok, dann lassen wir es einfach mal so stehen.

                Vielen Dank für den Tipp.

                J.e.t.z.t.m.ü.s.s.e.n.n.u.r.n.o.c.h.d.i.e.1.0.0.w.e.r.d.e.n.

      2. Paar „lausige Cent“?
        Die letzte Anhebung war immerhin rd 7,8%.
        Man hätte besser wieder die Zeitarbeit reglementieren sollen, statt das sich der Staat als Ersatz Tarifpartner ausspielt. Nur durch die Massenausweitung der Zeitarbeit wurde das Lohndumping möglich, welches durch gML gemildert werden sollte.

        1. @Mattes: „Die letzte Anhebung war immerhin rd 7,8%.“ – Da kennt sich jemand mit Mathematik und Statistik aus?

          Wenn jemand 10 Euro/Stunde verdient, dann sind das 78 Cent mehr pro Stunde (= 10,78 Euro),
          wenn jemand 100 Euro/Stunde kassiert, dann sind das 7,80 Euro mehr (= 107,80 Euro) PRO STUNDE,
          wenn jemand 1.000 Euro/Stunde kassiert, dann sind das 78 Euro mehr (=1.078 Euro) PRO STUNDE und
          wenn jemand 10.000 Euro/Stunde kassiert, dann sind das 780 Euro mehr PRO STUNDE.

          Der kleine Markus Landser vom ZEDEEFF fragt: Wie 10.000 Euro pro Stunde, das gibt es doch gar nicht?

          Herr Landser, wie wird wenn man denn sonst Multimillionär, Milliardär oder sogar Multimilliardär? Es sei denn, man erbt 500 Millionen oder 50 Milliarden Euro, dann geht das noch schneller und vor allem einfacher.

          Wenn jemand in den letzten 10 Jahren (2016 bis 2025) ohne Unterbrechung für den gesetzlichen Mindestlohn gearbeitet hätte, dann hätte er mit seiner Arbeit brutto insgesamt rund 290.000 Euro und netto rund 200.000 Euro (ESt I/0, keine KiSt, KK-Zusatzbeitrag = 2 Prozent) verdient. Das kassiert der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in ein paar Monaten und das bezahlt auch noch die Allgemeinheit und von einer Million Euro ist das auch noch ein paar Euro entfernt.

          Und was verdient jemand, der in einem einzigen Jahr 600 Millionen Euro Dividende kassiert? Wer kann das mal schnell ausrechnen?

  7. Mutig sind „Journlisten“ wie Kai Diekmann nur dann, wenn sie auf die „faulen“ Arbeitslosen einprügeln.

    Beispiel: Bild vom 6.11.2019 „HARTZ IV-HAMMER. Höchstes Gericht kippt Sanktionen! Wird Faulheit nicht mehr betraft?“ (gefunden auf bildblog)

    Die Tatsache, dass es in diesem Land auch Menschen gibt, die behindert oder chronisch krank sind oder dass eine alleinerziehende Frau mit zwei kleinen Kindern nicht arbeiten kann, weil sich der Ex-Partner aus dem Staub gemacht hat, keinen Unterhalt zahlt und als Redakteur bei der Bild auf Hartz IV-Empfänger einprügelt, das gibt es in der Welt von Kai Diekmann nicht.

    In der Welt von Kai Diekmann wird jeder reich, der jeden Tag um 5:45 aufsteht und die Ärmel hochkrempelt. Manche stehen sogar schon um 4:45 Uhr auf und arbeiten dann 12 Stunden am Tag. Diese „Superfleißigen“ bekommen dafür auch 500 Millionen Euro Dividende im Jahr, manchmal sind es auch nur 400 Millionen Euro, manchmal aber sogar mehr als 600 Millionen wie ein Aktionär einer bayerischen Automobilherstellers vor einigen Jahren. Für 600 Mio. Euro müsste sogar der Kai Diekmann mehr als 100 Jahre lang arbeiten und 24 Stunden lang 360 Tage im Jahr ohne Urlaub, Krankheit usw. mit Dreck auf Hartz IV-Empfänger werfen.

    Volker Pispers sagte mal über die Bild: „Da hat er wieder Bild-Zeitung gelesen. Dieses Drecksblatt, das so widerlich ist, dass man toten Fisch beleidigt, wenn man ihn darin einwickelt.“

    Und „Die Ärzte“ sangen einmal in einem wunderschönen Song (Text Farin Urlaub):

    „Lass die Leute reden und lächle einfach mild
    Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“

    Das ist aber schon ein paar Jahre her, denn für den Wetterbericht hat jeder Depp heute seine „App“ und für die Titten braucht man auch keine halbnackten Mädels mit üppiger Oberweite auf der Titelseite mehr seit es dieses neumodische „world wide web“ und die Datenautobahn von Angela Merkel gibt. Da bleiben dann nur noch Angst und Hass. Und das können die Redakteure der Bild trotz sinkender Auflage immer noch sehr gut.

    Bild ist nicht die Zeitung für alle kleinen hart arbeitenden Menschen mit dem kleinen Geldbeutel. Bild ist die Propaganda-Zeitung für die Interessen von Miethaien, Immobilienspekulanten, Börsenzockern, Großbanken, Großkonzernen, reichen Erben und die „superreiche“ Multimilliardäre mit dem fetten Bankkonto.

    „Der größte Trick des Teufels war, die Welt davon zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt“. Und der größte Trick der Bild-Zeitung besteht immer noch darin, die vielen kleinen Bürger davon zu überzeugen, die Bild würde ihre Interessen vertreten.

    Kienzle: Noch Fragen Hauser?
    Hauser: Nee. Diesmal nicht.

  8. „All die genannten Informationsquellen von Kai Diekmann gelten jetzt nicht unbedingt als kritische Medien, die das aktuelle Weltgeschehen diametral betrachten. Es überrascht dann auch nicht, dass Diekmann kein einziges „alternatives Medium“ nennt. Hier zeigt sich die jahrelange manifestierte Denkweise und das Verbleiben in der eigenen Blase, weil die Ideologie ja stand halten muss.“

    Welche alternativen Medien empfiehlt den der Autor?

    1. Ich würde Medien außerhalb der westlichen Blase empfehlen. Das ist ja dank der automatischen Brauser-Übersetzung heute kein Problem mehr.

      1. Je mehr russische Quellen und Medien man liest umso gruseliger wird Putin-Russland.

        Insbesondere die Zarenknechte und Putlerpudel drehen ja immer durch wenn man ihnen russische Quellen präsentiert, sieht ja auch hier im Forum.

        Oder wie es mal ein russischer Putin-Kritiker (Name ist mir entfallen) schön formulierte: Das Problem an den Putin-Groupies ist das die kein russisch können.

        1. @Vende
          „Zarenknechte“, „Putlerpudel“

          Ohne solche Hilfswörter kommst du anscheinend nicht zurecht…

          Weshalb beschränkst du dich nicht ganz auf diese Bezeichnungen? Mit nur 10 weiteren dieser Art könntest du die geforderten 💯 Zeichen locker bedienen und die Aussage wäre dieselbe…

        2. Je mehr russische Quellen und Medien man liest umso gruseliger wird Putin-Russland.

          So? Welche liest du denn? Mein Eindruck ist das nicht.

          Insbesondere die Zarenknechte und Putlerpudel drehen ja immer durch wenn man ihnen russische Quellen präsentiert, sieht ja auch hier im Forum.

          Ich ziehe es vor, westliche Quellen, die die offiziellen Propaganda-Narrative widerlegen, zu zitieren. Etwa bei den Biolaboren. Fakt ist: es lügen und manipulieren beide Seiten, aber dass wir von unseren eigenen Medien und Politikern immer wieder angelogen und desinformiert werden, ist weit bitterer…

          Oder wie es mal ein russischer Putin-Kritiker (Name ist mir entfallen) schön formulierte: Das Problem an den Putin-Groupies ist das die kein russisch können.

          Extrem selektive Wahrnehmung gibt es auf beiden Seiten, nicht wahr? Daher diskutiert man miteinander, damit andere die blinden Flecken aufdecken können. Kein Grund überheblich zu sein. Die Sprache ist zweifelsohne eine Hürde, die aber (auch Dank KI) ständig schrumpft.

          Eigentlich wären Übersetzungen der Reden des Kriegsgegners eine Aufgabe unserer Medien, um unser Verständnis zu erweitern (die können das ja nachträglich „einordnen“), habe ich bei Putinreden aber nirgends beobachtet (ohne einen kompletten Überblick zu behaupten), wenn man nur die Einordnungen zu lesen bekommt, schrillen bei mir allerdings alle Alarmglocken, es ist dasselbe Verhalten wie bei Migration, Corona, Männerrechten usw. man weiß sofort, dass man manipuliert wird.

    2. (Viele) „Alternative Medien“ sind längst auch zu einem Unding verkommen. Einige ehemalig aufklärerische Redaktionen wurden komplett ruiniert (siehe zb „Telepolis“ oder der Werdegang von „The Intercept“).
      Andere haben komplett die Integrität aufgegeben und sind nur noch for profit (diesmal ein Beispiel von rechtsaussen, „zerohedge“). Und wenn ich den Namen von gewissen Bloggern mit ihrem mindestens wöchentlichen Clickbait nur schon sehe.. (Typen wie Ritter sind vielleicht nicht ganz so schlimm wie die pro-ukrainischen Propaganda Gong-Shows die mir Youtube ständig empfiehlt, ich krieg aber trotzdem die Krätze).

      Meine Liste von glaubwürdigen alternativen Medien kann ich mittlerweile an einer Hand abzählen (Overton ist, Zensur sei Dank, auch raus)..

      /rant off

      Meine Empfehlung ist immer, sich ein eigenes Bild von einem Thema zu machen, in dem man es aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Aktuell sind in meiner morgendlichen Rotation die „South China Morning Post“, „Al-Jazeera“, „Fars“ (ersetzte nach dem Fall Syriens „Al-Mayadeen“), „RT. com“ (äusserst auf die USA fixiert) und die „BBC“ (als Amalgam für die transatlantische Echokammer). „Haaretz“ ist vor ein paar Monaten wegen dem ganzen Maulkorb rausgeflogen. Und wenn ich beim Znüni was zum lachen brauch (Galgenhumor), dann schau ich noch bei der SRG vorbei.

      Keine dieser Redaktionen ist unabhängig oder alternativ, aber sie alle vermitteln die quasi offizielle Perspektive ihrer Regierungen. Wichtig ist dass man sie studiert (womöglich das falsche Wort dafür) und eben nicht konsumiert.

      1. Da man nicht mehr editieren kann muss ich mir selber antworten: Falls jemand brauchbare indische, afrikanische, oder südamerikanische Medien kennt (auf deutsch, englisch oder französisch), ich wäre sehr interessiert.

      2. „(Viele) „Alternative Medien“ sind längst auch zu einem Unding verkommen. Einige ehemalig aufklärerische Redaktionen wurden komplett ruiniert (siehe zb „Telepolis“ oder der Werdegang von „The Intercept“).“

        Wird der Neuber auch die Berlinskaja Prawda zu Grunde richten?

  9. Nach dem Gelesenen drängt sich mir der Eindruck auf, dass es Herrn Diekmann im Wesentlichen immer darum gegangen ist, dazu zu gehören.
    Unwillkürlich fragt man sich dann, was er als DDR-Bürger getan hätte … ?

    1. Ein Mann wie er, mit gefestigten demokratischen Überzeugungen, mit geradlinigen Überzeugungen, mit einem edlem Charakter, den Prinzipien des freien Journalismus verpflichtet, wäre selbstverständlich im Widerstand gewesen und hätte das Regime – auch wenn es ihn als Person in große Gefahr gebracht hätte – kompromisslos bekämpft, So, wie unsere langjährige Kanzlerin.
      Kann doch garnicht anders sein.

  10. Max Goldts Einschätzung der BILD-„Zeitung“ hat in 25 Jahren nichts von ihrer Gültigkeit verloren:

    „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

  11. Ein wenig Historie, die Nils Georg aus eigener Anschauung nicht kennen kann, ist hier angebracht.

    Diekmann wurde 2001 Chefredakteur der „Bild“, und seine Prahlerei

    „Wir waren die klassischen Gatekeeper. Wir waren diejenigen, die entschieden haben, wer mit welcher Botschaft Zugang zu seinem Publikum bekommt.“

    ruht auf zwei Säulen:
    1) 9/11 (und die „Folgeereignisse“ in London und Madrid)
    2) Eingeleitet durch die Jugoslawienkriege, bes. den NATO-Überfall auf Serbien 1999

    Bis etwa 1997 hatte ich die „Süddeutsche“ abonniert – aus guten Gründen. Ein Abonnement von „Le Monde“ war mir zu teuer, aber zu kritischen Zeiten habe ich sie zu Rate gezogen. Daß der Speigel in dieser Zeit noch deutlich anders geführt worden ist, weiß ich von einem befreundeten polnischen Journalisten, der für ihn geschrieben hat.

    Und eine Mitteilung der Wiki sollte man auch beachten:

    Unter Diekmann hatte die Bild, ehemals größte Tageszeitung Europas, einen Auflagenverlust von 3.408.296 Exemplaren oder umgerechnet 79,9 Prozent zu verzeichnen.

    Das Publikum wurde zunehmend irrelevant

    1. Nun haben alle Printmedien in diesem Zeitraum erheblich an Auflage eingebüßt, was Deine Schlussfolgerung nicht relativieren soll. Aber ich bin morgens am Hbf. noch immer unangenehm überrascht, wie viele Gestalten mit dieser giftigen Fischverpackung unterm Arm auf den Bahnsteigen stehen.

    2. Ich hätte hier deutlicher werden sollen:

      „Diekmann“ ist das Produkt eines Kulturbruches im ehemaligen „US-Imperium“. Abweichende Urteile sind in Deutschland bis 1999 geächtet gewesen … aber nicht tabu. Die Regierung tabuisierte ihre Entscheidung zum Mittun im Serbienkrieg, die politische Klasse folgte, die journalistische Zunft leistete geringfügigen Widerstand, den 9/11, das neue und viel gewaltigere, europaweite Tabu, dem sich lustigerweise die russische Nomenklatura angelschlossen hat, erledigte –

      Ein Vorläufer dieses Kulturbruches, der Umgang mit dem Mord an JFK, ist in dem Sinne nicht „tabu“ gewesen, als er die regierenden Europäer im Grunde „nichts anging“.

  12. Leider muss man die Medien in Deutschland mittlerweile als Sprachrohr radikalisierter Kreise sehen und deren Leserschaft als sektenähnliche Fundamentalisten sehen.

    Erst Kürzlich ist mir hierzu ein perfektes Beispiel untergekommen!

    Francesca Albanese

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/nahost-konflikt-israel-francesca-albanese-un-ruecktritt-kritik-gxe

    Der Zeit-Beitrag und die darunter befindlichen Kommentare sind weit jenseits von Fremdschämen, sondern einfach nur noch winterliche Hetze einer fanatisch-radikalisierter Gruppe die eher nach 1940 als 2026 riecht ………

  13. „dass man völligen Unsinn behaupten könne und trotzdem in seiner Freiheit hier respektiert werde.“

    Das wiederum stimmt natürlich. Denn die Wahrheit zu berichten, Regierungseinrichtungen scharf oder überhaupt substantiell zu kritisieren, ist ja im Unterschied kein Unsinn.

    Anzunehmen, Diekmann kenne den Fall Dogru oder würde ernsthaft alternative Medien rezipieren, ist nachgerade naiv.
    Ich nehme an, eine der schockierendsten Erfahrungen im täglichen Betrieb wäre die tatsächliche Ahnungsloigkeit und Ideologiegsättigtheit der Journalisten.

    Daher braucht es ganz klar gar kein Wahrheitsministerium. Da sind wir Orwell weit voraus. Aber das wissen wir allerspätestens schon seit Herman & Chomsky und Chomskys wohlbekannten Kommentar gegenüber BBCs Andrew Marr, als er ihm 1996 im Interview antwortete: “I’m not saying you’re self-censoring. I’m sure you believe everything you say. But what I’m saying is if you believed something different you wouldn’t be sitting where you’re sitting.”

    Hier der gsamte Kontext aus einem reddit thread von 2017:
    https://www.reddit.com/r/chomsky/comments/ayyhhn/andrew_marrs_response_to_the_infamous_noam/

    „(…)
    Andrew Marr answers a question about the Chomsky interview in a 2017 Guardian webchat.

    I’m sure many people have watched the interview – found here:
    https://www.youtube.com/watch?v=GjENnyQupow – but relatively fewer people have seen this response by Andrew Marr found in full here:

    https://www.theguardian.com/culture/live/2017/apr/10/andrew-marr-webchat-the-history-of-modern-britain?page=with:block-58e79512e4b05776df18b81c

    The important excerpt:

    Question:

    In February 1996, you interviewed Noam Chomsky on the BBC’s The Big Idea and asked him to explain his “Propaganda Model” and how it pertains to the mainstream media. Unwittingly, you provided a perfect illustration of the model by demonstrating your unfamiliarity with the FBI’s COINTELPRO program.

    One of the most illuminating exchanges during the interview was the following:

    Marr: “How can you know I’m self-censoring?”
    Chomsky: “I’m not saying you’re self-censoring. I’m sure you believe everything you say. But what I’m saying is if you believed something different you wouldn’t be sitting where you’re sitting.”

    At this point in the interview, your reaction suggested that the proverbial penny had dropped for you regarding your role as, with respect, a cog in the well-oiled propaganda machine.

    So I’m curious to know whether this exchange with Chomsky was an epiphany for you regarding your own journalism? And is there any difference in your philosophy of journalism pre-Chomsky interview and post-Chomsky interview?

    Andrew Marr’s response:

    I remember this interview very well. I was – quite rightly – nervous of Chomsky, who is a formidable intellect. When he suggested that „if you believed something different, you wouldn’t be sitting where you’re sitting“, I immediately realised that this was not so much brilliant, as unanswerable. He comes quite close to the position that the propaganda model means „everybody who disagrees with me“. And the conversation was taking place in the context of me expressing disbelief, in his view, that all mainstream journalists were essentially the same – I had said that it seemed to me the Guardian and the Telegraph posed very different world views. And that journalists varied hugely in their own politics and temperament. He is brilliant, but he is a brilliant conspiracist, so therefore no, it wasn’t a matter of the proverbial penny dropping, still less an epiphany.
    (…)“

  14. Schon interessant, wer alles mittlerweile bei Ben auftaucht. Den Diekmann habe ich tatsächlich ziemlich komplett gehört. Zu meiner Entschuldigung möchte ich sagen, dass ich dabei etwas kompliziertere Fahrradreparaturen machte. Die vom Autoren hervorgehobenen Punkte sind mir dabei gar nicht so aufgefallen. Ich hielt die schon vorher für so selbstverständlich wie Diekmann selbst es tut.

    Interessanter war für mich, wie Diekmann Ben belehrt, wie er den sein Format und vor allem das Interview mit Höcke hätte gestalten müssen. Er, der gestandene wohlinformierte grundlegenden journalistischen Prinzipien verpflichtete Fachmann.
    Ich hatte halt schmutzige feltverschmierte Hände, sonst hätte ich mir verwundert die Augen gerieben. Diekmann, der persönlich verantwortlich war für das widerwärtigste Stück Dreck, was wahrnehmbar in der BRD als Presserzeugnis verkauft wurde, gibt den erfahrenen und integren Journalisten. Es ist übrigens nicht als Witz gemeint, wenn ich schreibe, dass BILD heute in all seiner Ekeligkeit geradezu ernstzunehmenden Journalismus liefert, verglichen mit dem, was unter Diekmann produziert wurde.

    In der neueren gesamtdeutschen Geschichte gilt als für immer feststehend, dass wir DDR-Bürger von unseren Bonzen und deren Medien belogen wurden. Und BILD und Springer war da durchaus ein Thema. Sogar ein mehrheiliger Fernsehfilm wurde gedreht. Aber sie haben uns wieder belogen und nach dem Fall der Mauer konnte ich mich davon überzeugen. BILD war nicht so, wie sie uns erzählten – BILD war schlimmer, widerwärtiger und so viel weiter unterhalb jeder Kritik, als sie es uns zuvor erzählten

    1. Ich habe es mir ebenfalls auf dem Rad bis zum Ende angehört.

      Was ich extrem unangenehm empfand hat dabei noch nicht einmal etwas mit dem Inhalt zu tun: Diekmann hat fast eine 100% Quote darin erreicht Ben abzuwürgen und ins Wort zu fallen. Allein das ist für mich bereits eine charakterliche Bankrotterklärung.

      1. Das habe ich auch so wahrgenommen. Klar, das provoziert Ben mit seiner Methode, seine Gäste prinzipiell aussprechen zu lassen. Und Diekmann kann halt nicht anders. Da ist keine andere Seite des Menschen Diekmann, die durch das Gespräch hätte erkannt werden können.

    2. Sogar ein mehrheiliger Fernsehfilm wurde gedreht. Aber sie haben uns wieder belogen und nach dem Fall der Mauer konnte ich mich davon überzeugen. BILD war nicht so, wie sie uns erzählten – BILD war schlimmer …

      Was du immer so an Gekränktheiten raushaust …
      Der mehrteilige Film „Ich – Axel Cäsar Springer“ handelte nicht so sehr von BILD, sondern von Springers Aufstieg in Westdeutschland in den Nachkriegsjahren. Das war eine Art Panorama der Adenauer-Republik.
      „Über die BILD belogen“ hat dich Heinrich Böll. Dessen Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1974) ist sofort von Leipziger Inselverlag in Lizenz gedruckt worden und anschließend auch bei anderen DDR-Verlagen (Aufbau, Kiepenheuer) mehrfach erschienen.

      (Wallraffs „Der Aufmacher“, seine under-cover-Reportage bei der BILD-Zeitung, ist nicht in der DDR verlegt worden.)

  15. Ja, hab das ganze Gespräch angehört. Diekmann ist ein bisschen bodenständiger als die hochideologische Melanie Amman (bei der ich wirklich Pickel bekomme) und seine Erfahrungen sind durchaus interessant, gerade was seine Einschätzung von Kohl und der Einheit angeht, da steckt tatsächlich einiges an Wahrheiten drin. Witzig auch die Episode zu seiner Wehrdienstzeit, jemand der sich gern unterordnet, ist er jedenfalls nicht (aber dann in der Bild die Bundeswehr bewerben 🙂 )

    Seine offenbar bedingungslose Atlantiktreue, seine Voreingenommenheit (er hat immerhin das Springerstatut unterschrieben), seine Bereitschaft, Kritik an Israel maximal negativ (ich empfand das als Rabulismus, er versuchte Ben in die Ecke zu treiben) zu interpretieren, seine Mainstream-Glaubenssätze usw. haben mich intensiv abgestoßen. Damit ist er aber (gerade in Westdeutschland) leider keine Ausnahme.

    Er ist ein Krawallo und Geschäftsmann und auf der anderen Seite tatsächlich total naiv, was die Verhältnisse und Entwicklung in Deutschland angeht (vermutlich muss man so sein, wenn man eine Zeitung wie die Bild machen will, es ist eine Krawallpostille und wahrscheinlich oft nicht ehrlich oder gar fair).

    Seine Position in einer sehr einflussreichen Zeitung hat dazu geführt, dass er die undemokratischen Methoden der Politik als ein Gefrotzel unter Gleichrangigen betrachtet, aber so ist es natürlich nicht. Viele kritische Leute werden mit dem Holzhammer zum Schweigen gebracht ohne sich wirkungsvoll wehren zu können und das ist ein echtes Problem! Sehr viele alternative Journalisten sind deswegen mittlerweile im Exil. Er verwechselt seine Freiheit, mit der stark erodierenden von uns normalen Leuten, was einen eklatanten Mangel an Wissen und Empathie nahelegt…

    1. @RumpelKumpel Wie „bodenständig“?

      Wenn man die Geringverdiener gegen die Arbeitslosen aufhetzt und die Mittelschicht gegen die Unterschicht, dann geht das nicht vom BODEN aus. Das geht nur von OBEN herab, das sagt jedenfalls die Physiklehrerin und die kennt sich mit PHYSIK aus.

      Mit IDEOLOGIE hat es aber schon etwas zu tun, sagt der Lehrer für Politik, Geschiche, Religion und Theologie. Nämlich dann, wenn man der Mittel- und der Unterschicht vorgaukelt, man würde ihre Interessen vertreten, aber tatsächlich die Interessen der oberen 10 Prozent und der „Superreichen“ vertritt.

  16. Annehmbare Aussagen werden in Deutschland meist von Rentnern/Pensionisten gemacht. Dann haben sie nichts mehr zu befürchten bzw. können ihre Jobs/Beschäftigungsverhältnisse nicht mehr verlieren. Das sagt doch bereits alles über die Meinungs- bzw. Pressefreiheit in unserer wunderbaren Demokratie frei jeglicher Gängelungen…

    Ansonsten muss man sich eben ausserhalb Deutschlands bzw. dem EU-Wirkungsraum umschauen, um halbwegs reflektierte Ansichten über Deutschland zu erhalten; it’s as simple as that!

  17. Da wurde der Meute etwas hingeworfen, das sie wütend zerfetzt. Aber anno dazumal beschwerte sich Oskar Lafontaine darüber, dass alles was im Kabinett beschlossen wird, am nächsten Tag in der Bildzeitung steht. Und wenn man den Namen oder die Herkunft von einem Messerstecher erfahren will, erfährt man es am ehesten aus der Bild. SPD Mitglieder aus Frankfurt wurden gefragt, was sie eher lesen, die Frankfurter Rundschau oder die Bild, und sie bekannten sich ehrlich dazu, die Bild zu lesen, weil sie informativer sei. Ich persönlich habe die Bild nur in Lokalen gelesen, weil ich zuhause überhaupt keine Papierzeitung lese und ich verschwende kein Geld, um Bild Online zu abbonieren.

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