ICE-Agenten ermorden schon wieder einen US-Bürger

ICE-Agenten überwältigen Alex Jeffrey Pretti, bevor sie ihn mit 10 Schüssen ermorden. Screenshot

 

Schon wieder wurde in Minneapolis ein Mann skrupellos von ICE-Agenten ermordet, die offenbar auf brutales Vorgehen ausgerichtet sind und keine Strafen zu fürchten scheinen. Vorf zwei Wochen war Renee Good erschossen worden. Es ist nicht nur eine Schlägertruppe, es sind Killer, die die Trump-Regierung in die von Demokraten regierten Städte und Bundesstaaten schickt, um Angst und Schrecken nicht nur unter den Migranten, sondern zunehmend auch unter amerikanischen Bürgern zu verbreiten, die gegen das zunehmend faschistoide Gebaren protestieren.

Wie aus Videos von der kaltblütigen und völlig unsinnigen Ermordung sehen ist, wurde der 37-jährige Krankenpfleger Alex Jeffrey Pretti, der einer von ICE-Agenten mit roher Gewalt zu Boden gestürzten Frau zu Hilfe kommen wollten, von 5-6 ICE-Agenten umringt, verprügelt und dann, völlig wehrlos, durch 10 Schüsse in 5 Sekunden von zwei Agenten getötet.

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Schon wie die ICE-Agenten mit hemmungsloser Gewalt und sofortigem Einsatz von Pfefferspray direkt ins Gesicht gegen Zivilisten vorgehen, ist unglaublich für ein Land, das sich noch demokratisch nennt. Das ist das Verhalten, das man aus Diktaturen kennt, in denen die Repressionsakteure machen können, was sie wollen bzw. die Gewalt ausüben, die ihnen aufgetragen wird. Kürzlich töte Trump noch, er komme den Protestierenden im Iran zu Hilfe, was er nicht gemacht hat. Stattdessen praktizieren seine maskierten Schergen ähnliches auf amerikanische Straßen, deren Identität den lokalen Behörden nicht offenbart wird, um deren Verbrechen zu schützen.

Die ICE-Agenten lügen, wenn sie sagen, seien von Pretti mit einer Waffe bedroht worden. Er hatte nur ein Handy in der Hand gehalten, was aus Videoaufnahmen hervorgeht. Möglicherweise wurde eine Waffe am Körper des niedergerungenen Mannes entdeckt, das Mitführen von Waffen wäre aber erlaubt in dem Bundesstaat und, wie sich herausstellte, hatte Pretti einen Waffenschein. Bedroht jedenfalls hatte er niemanden.

Aber das, was die Öffentlichkeit über den Hergang sehen kann, wird von der Trump-Regierung einfach beiseite gewischt und eine durch nichts zu belegende Version ersetzt. Die Vorwürfe an ICE seien nur eine Ablenkung, um einen großen Betrug von Migranten zu decken, meint Trump. Der Bürgermeister und der Gouverneur würden zum Aufstand aufrufen, die ICE-Agenten nannte Trump „Patrioten“. Sie hätten bereits 12.000 „illegale ausländische Kriminelle“ festgenommen und außer Landes gebracht: „Wenn sie noch da wären, würdest man etwas viel Schlimmeres sehen als das, was man heute sieht!“ Auch so kann man hemmungslose Gewalt rechtfertigen.

Von der Trump-Regierung verbreitetes Foto von der Waffe des von ICE ermordeten US-Bürgers. Sieht sehr konstruiert aus …

Stephen Miller, rechtsextremer Scharfmacher und Vizestabschef, bezeichnete grundlos den Ermordeten als „heimischen Terroristen“ und phantasierte eine völlig verzerrte Szene herbei: „Ein inländischer Terrorist hat versucht, Bundespolizisten zu ermorden, und das ist Ihre Reaktion darauf? Sie und die gesamte demokratische Führung des Bundesstaates haben die Flammen der Rebellion angefacht, nur um die Abschiebung illegaler Einwanderer zu verhindern, die in das Land eingedrungen sind.“ Greg Bovino, der für Minnesota zuständige Grenzschutzbeamte, verbreitet ebenfalls die Lüge, dass der Ermordete doch selber nur ein gestoppter Mörder sei: „Das gleicht einer Situation, in der ein Individuum maximalen Schaden anrichten und Strafverfolgung massakrieren wollte.“

Das vom Innen- oder Heimatschutzministerium verbreitete Szenario: „Um 9:05 Uhr CT, als Beamte der US-Heimatschutzbehörde (DHS) in Minneapolis eine gezielte Operation gegen einen wegen gewalttätiger Übergriffe gesuchten illegalen Einwanderer durchführten, näherte sich eine Person den Beamten der US-Grenzschutzbehörde mit einer 9-mm-Halbautomatikpistole, wie hier zu sehen ist.  Die Beamten versuchten, den Verdächtigen zu entwaffnen, doch dieser leistete heftigen Widerstand. Weitere Details zu dem bewaffneten Kampf werden in Kürze bekannt gegeben.  Aus Angst um sein Leben und das Leben und die Sicherheit seiner Kollegen gab ein Beamter Verteidigungsschüsse ab. Sanitäter vor Ort leisteten dem Verdächtigen sofort medizinische Hilfe, aber er wurde noch am Tatort für tot erklärt.“

Trump, Miller und Co. verbreiten inzwischen die Geschichte, dass ein Protestierender einem Ice-Agenten in die Hand gebissen und eine Fingerkuppe abgetrennt habe. Ob die Story stimmt, weiß man nicht, vor allem nicht, wie es dazu gekommen ist. Angesichts des brutalen Vorgehens könnte dies tatsächlich im Zuge des Abwehrens geschehen sein.

Es geht nicht um einzelne Vorfälle, sondern um die Strategie, die hinter dem brutalen Vorgehen einer entfesselten Bande von staatlichen Agenten steht, die tatsächlich der SA oder den Squadristi von Mussolini zu gleichen beginnen (Trump hat seine eigene faschistische paramilitärische Truppe aufgebaut). Man kann vermuten, dass Trump im Vorfeld der Midterm-Wahlen seine Gegner einschüchtern will, um die Wahlergebnisse, sollten sie gegen ihn ausfallen, für ungültig zu erklären – wenn er überhaupt Wahlen zulassen wird. Möglicherweise ruft er den Notstand aus und kann dann neben den ICE-Schlägerbanden auch das Militär gegen Aufmüpfige einsetzen.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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4 Kommentare

  1. Das Opfer hatte gar keinen Platz um seine Hände bewegen zu können, wie soll der da ne Waffe ziehen hätte können ?
    Ähnelt eher ein Hinrichtung ..

    Heilige Schei***** das sind ja Zustände .

  2. „Kürzlich töte Trump noch, er komme den Protestierenden im Iran zu Hilfe, was er nicht gemacht hat.“ Ich nehme jetzt mal an, dass dieser verunglückte Satz Rötzer einfach unterlaufen ist, nicht bedenkend, dass er die Möglichkeit offenlässt, er, Rötzer, halte es ernsthaft für möglich, dass Tronald etwas gegen den Iran tun würde, um Protestierenden zu Hilfe zu eilen.

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