Heul leise, Bärbel!

Kanzleramt mit Taschentüchern
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Nach dem Bundeskanzler beklagt sich aktuell auch Bärbel Bas über die Wut, die sie erfährt. Die Mandatsmimosen leben jedoch in im besten Deutschland, das es für Politiker je gab. Ein Kommentar.

Dass es der Bundeskanzler sehr schwer hat, wissen wir nun seit geraumer Zeit. Er hatte sich öffentlich beklagt, keiner habe so viel zu ertragen wie er. Caren Miosga hielt – nach dem Spiegel-Interview des richtlinieninkompetenten Klageweibes – in ihrer Sendung im Nachklapp abwechselnd Stichwortkarten und Taschentücher hin. Sie hat sich indes im Laufe der letzten Monate auf jämmerliche Gäste spezialisiert – wem das gegen ihn in Stellung gebrachte Unrecht quält, besucht die ARD-Kummerkastentante. In der Tat mag es jener Friedrich Merz nicht so leicht haben – das Erbe, das er angetreten ist, war recht vergiftet. Und auch er hat nichts dafür getan, um dieses Erbe auszuschlagen. Stattdessen tappte er voll rein und eskalierte manche Problematik seines Vorgängers – eines Mannes, dessen Namen wir alle längst vergessen haben. Bevor Sie also Mitleid mit Herrn Merz bekommen sollten, denken Sie daran, dass das Label des »schlechtesten Bundeskanzlers aller Zeiten« nicht einfach nur eine bösartige Unterstellung ist, sondern Empirie.

Es wurde an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, wie vor vielen Jahren Helmut Schmidt – einer der Vorgänger Friedrich Merz‘ –, über eine »Träne im Knopfloch« bei hohen Staatsleuten oder Regierungschefs dachte. Das gezieme sich nicht, glaubte er – ein Kanzler haben den Bürgern nicht so vertraut vorzukommen, als dass er sich bei ihnen ausjammern könnte. Merz hat selbstverständlich nicht das Format eines Helmut Schmidt – oder eines Willy Brandt oder auch nur Helmut Kohl. Kein Kanzler seit 1998 konnte in puncto staatsmännischem Auftretens mit den Altvorderen mithalten. Schön wäre es also, wenn er nicht auf die Tränendrüse eines Publikums drückte, das ihn mehr und mehr als Kanzler ablehnt, ihn nicht zimperlich anpackt – dass er nebenbei sein Kabinett ansteckt mit dem Gejammer, ist aber in der Tat zum Heulen.

Politiker gefährdet wie nie zuvor?

Nun also auch die Mutter der Nation, die SPD-Prusseliese Bärbel Bas. Auch sie beklagt sich aktuell, dass ihre Person – nicht ihre Persönlichkeit! –  stark polarisiere. Auch sie müsse viel ertragen. Nicht weniger als der Bundeskanzler höchstpersönlich. Die arme Frau, die irgendwann von den Sozialdemokraten zur mütterlichen Instanz des Landes erhoben wurde, ohne dass die höchste Instanz im Lande – der Souverän – danach gefragt wurde, ob sie derlei Mutterersatz überhaupt zu akzeptieren gewillt ist, wird offenbar regelrecht gemobbt. Ja, selbst die Arbeitgeber haben vor Monaten herzlich gelacht, als Bas auf einer Bühne über Dinge sprach, von denen sie offensichtlich wenig Ahnung hat – und als sie neulich erst im Bundestag klarmachte, dass es sowas wie eine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme gar nicht gäbe, lachten schon wieder viele Bürger über sie. Wenn auch bitter. Selbst der eigenen Fraktion ging diese Aussage ein wenig zu weit.

Natürlich müssen Leute wie Merz oder aktuell Bas mit Kritik leben. Oft mit sehr schroffer Kritik, die am Rande der Beleidigung operiert – oder vielleicht sogar darüber hinausgeht. Eine Frage, die daher angemessen wäre: Woran liegt das? Und stimmt es tatsächlich, dass Politiker so gefährdet seien wie nie zuvor? Diese Behauptung vernimmt man immer wieder – selbst Kommunalpolitiker würden beschimpft, wenn sie Wahlplakate kleben. Aber darf man das nicht als Bürger, Politiker beschimpfen? Kann der Wähler was dafür, dass Leute in die Politik streben, die offenbar zu zartbesaitet sind, um in diesem Geschäft zu bestehen? Denken wir nur mal an die Bonner Republik zurück: Willy Brandt musste wirklich viel ertragen – selbst seine uneheliche Geburt wurde zum Gegenstand der Debatte. Allerdings kam die herabwürdigende Diskussion aus dem politischen Milieu und dessen steigbügelhaltenden Medienbetrieb selbst. Gift und Galle: Darin sind die zeitgenössischen Mandatsmimosen heute mindestens so gut, wie die damaligen Politiker – und zwar partei- und fraktionsübergreifend.

Aber wie war das noch damals, kurz nach der Wende, im Jahr 1990 in der Bundesrepublik? Binnen eines halben Jahres wurden zwei Spitzenpolitiker Opfer von Attentaten. Eine geistige verwirrte Frau – so sagt man – stach im April 1990 auf Oskar Lafontaine ein. Und ein halbes Jahr später, im Oktober jenes Jahres, erwischte es Wolfgang Schäuble; er wurde zum Opfer eines Schussattentates. Zeit seines Lebens saß der Christdemokrat im Rollstuhl. Das sind Szenen einer Zeit, von der Politiker heute so tun, als sei damals die Welt für sie, für die politische Klasse, noch in Ordnung gewesen. Gut, Lafontaine und Schäuble waren nie Bundeskanzler. Aber sie hatten – mit Verlaub an Herrn Merz und Frau Bas – wirklich viel zu ertragen. Vor ihnen lebte mancher Politiker auch schon gefährlich. Man denke an die RAF und ihre Aktionen – angeblich wollte sie Franz-Josef Strauß entführen und mit diesem Coup die Vorgängerterroristen freipressen; es hat dann aber »nur« für den Berliner Spitzenkandidaten der Union gereicht, einen Mann namens Peter Lorenz. Nach einer Amnestie kam der aber wieder frei. Und da will man den Kritikern und den wütenden Bürgern erklären, dass es Politiker nie so schwer hatten wie heute? Dass sie so viel zu ertragen hätten, wie niemand dieser Zunft zuvor? Wie geschichtsvergessen kann man nur sein?

Mandatsmimosen und die »Gewalt« der Worte

Niemand geht mit gezückter Pistole oder verstecktem Messer im Ärmel auf die heutigen Mandatsmimosen zu – zum Glück, muss man sagen! Ihr Gejammer stützt sich rein auf das, was in den Netzwerken so über sie geschrieben wird – vieles davon dürfte sicherlich auch aus Falschbehauptungen bestehen, hier und da liest es sich auch ehrabschneidend. Aber ist das nicht alles besser als die Exzesse gegen Politiker aus vergangenen Tagen? Heutzutage gibt es in der Bundesrepublik recht wenige gegen Politiker gerichtete Gewalttaten – es ist freilich auch schwieriger für Attentäter geworden, schließlich wird das Spitzenpersonal stark von den normalen Bürgern abgeschottet und von Einheiten geschützt. Gut, die Ausnahme ist der Fall von Walter Lübcke, der aber viele Rätsel aufgibt und kein exemplarischer Fall von Wut und Hass auf Politiker darstellt, sondern NSU-Bezüge aufweist. Friedrich Merz reiste erst kürzlich zum Grab des Regierungspräsidenten. Sein Statement: »Dieser Mord muss als Warnung dienen.« Dennoch gilt für die Poltiker im Lande: Sie leben – nochmal: zum Glück – in relativer Sicherheit, die einzige Gewalt, mit der sie tun bekommen, sind die bösen Worte der Bürger. Gemeinhin nennt man unfreundliche Sprechakte heute auch »Gewalt« – man darf noch nicht mal darüber sinnieren, ob das eine bodenlose Dramatisierung ist, ohne gleich als Rechtfertiger ebenjener Gewalt betrachtet zu werden. Wortgewalt: dieses Substantiv gibt es freilich in der Tat schon lange im Deutschen – es meint nur etwas gänzlich anderes als das, was die Heulbojen dauernd von sich geben. Und fürwahr ist nicht wenig, was man der politischen Zunft angedeihen lässt, so gar nicht wortgewaltig. Dafür umso ehrlicher und authentischer.

Das heutige Berliner Mimosenparlament sollte tunlichst zurückdenken an jene Tage, als man Politikern noch körperlich zusetzte, als man sie zum Ziel feiger Attentate erkor. Das würde das, was den heutigen Politikern widerfährt, schon mal in ein realistischeres Licht rücken. Aber sie haben sich darauf verständigt, auch Worte wie ein Attentat zu bewerten. Für sie ist Kritik sofort Ausdruck von Delegitimierung, von Staats- und Politikerhass und von rechtem Gedankengut. Wenn sie sich in kalkulierter Larmoyanz an die Presse wenden, um von ihrem schlimmen und beklagenswerten Schicksal zu berichten, muss man die schwarze Pädagogik dahinter sehen – oder besser, die emotionale Erpressung, mit der sie den Bürgern kommen. Denn sie degradieren empörte und wütende Vertreter des Souveräns zu mobbenden Scharfrichtern, denen man dringend das Wasser abgraben müsse. Was so viel heißt wie: sie sind mundtot zu machen, aus Netzwerken zu entfernen und öffentlich zu stigmatisieren.

Bärbel Bas, die ihren Kanzler nun nachäfft, versteht sich darauf besonders gut. Sie sagt, dass sie polarisiere – was übersetzt heißt, dass alles was sie tut, im Gegensatz zu dem steht, was ein Großteil der Bürger annimmt. Sie stellt sich also – oft in unerträglich maternalistischer Manier – gegen die Bürger und jammert dann, dass sie eine Polarisation auslöst. Wie sie das erklärt, das hat etwas Unschuldiges, etwas geradezu Passives und Zurückhaltendes. Als komme dieser Zustand über sie wie ein Naturgesetz, dem sie schutzlos ausgesetzt ist. Kurz: Bas ist das Opfer – und sie soll damit angeblich exemplarisch für die politische Kaste allgemein und für weibliche Politiker im Besonderen stehen. Ein verletztes Politiker-Ego löst keine Staatskrise aus – Politiker-Egos nicht mehr hart anfassen zu dürfen: das ist die Staatskrise. Bas sollte entzückt sein, dass Bürger sie so hart anfassen dürfen. Denn das ist das bisschen Restdemokratie, das wir uns noch gönnen – ein Rest, der freilich ausgemerzt werden soll, die EU und ihre Mitgliedsräuberbanden basteln emsig an der schönen neuen Welt. Dieses dauernde weicheiernde Gehabe ist die Grundlage für einen Kampf gegen die Meinungsfreiheit und für die Stigmatisierung der Unzufriedenheit als staatsschädigend. Diejenigen, die es nicht verkraften, öffentlich abgemeiert zu werden, setzen ihre Tränen als Waffen ein, um lästige Bürger zu brandmarken und sie zum Schweigen zu bringen.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
Mehr Beiträge von Roberto De Lapuente →

Ähnliche Beiträge:

29 Kommentare

  1. „… und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren …“

    Man muss sich schon fragen, was für Staatslenker wir haben, deren öffentliches Wirken schon durch eine etwas saftige Bezeichnung erheblich erschwert wird.

    1. Staatsjuristenbullshit. Einzig und allein dazu da, willkürlich vorgehen zu können.

      Im übrigen finde ich es durchaus interessant, das der Politikerkaste, die Abermilionen Deutschen die Kranken-, Arbeislosen- und Rentenversicherung wegreformiert und durch ihre Politik Millionen gar um ihre ganze wirtschaftliche Existenz bringt, nur verbalen Gegenwind spürt.

      1. Das merkt die Masse erst wenn der Aldi leer ist und der eigene Geldbeutel auch. Vorher hofft sie, daß alles noch mal gut geht irgendwie. Dazu kommt die Atomisierung der Gesellschaft. Wie, wo, sollten sich da denn Gruppen bilden? Auf Facebook? Dort werden die doch sofort rausgefischt oder so gedrosselt bevor etwas passiert. Dann die ganzen Spaltereien „woke“ gegen „Nazi“, Gespritzte“gegen „Covidioten“ usw usf

  2. Guten Tag,

    vielen Dank an die Redaktion für den sehr guten Artikel. Habe wie üblich beim Autor nur den ersten Satz quergelesen, um informiert zu werden, gegen wen die personifizierte Hasstirade diesmal läuft Die zweite Information, dass U. Poschardt „nachlegt“, habe ich zur Kenntnis genommen -der Rückzug von 32 Autoren aus dem Westend-Overton-Window wird also ex post argumentativ erhärtet.

    1. Hass und Hetze überall. Wo bleibt der Respekt vor der Obrigkeit? Tatsächlich muss der hergestellt werden. Die Zeiten verlangen Gefolgschaft, unbedingte Gefolgschaft. Kritik sollte sich auf den Anschein beschränken und nicht den Staat, also die Obrigkeit delegitimieren.

      1. Korrekt! Wo kommen wir denn da hin, wenn die Regierung in einem „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ (siehe dazu Art. 20 Grundgesetz) Politik für die Mehrheit der Bevölkerung und zum Wohle der Allgemeinheit machen würde? Das wäre ja Demokratie und welche Untertanen wollen das denn?

        1. Scheinbar ist die Anzahl der Untertanen mit diesem krankhaften Mitbestimmungsbedürfnis sehr überschaubar. Dem HErrn sei’s gedankt.

          Der Mensch wird mit Urvertrauen geboren. Und der, der stets der Obrigkeit folgt, wird dieses Vertrauen niemals verlieren. Die Obrigkeit weiß, was gut für uns und unsere Kinder und Alten st. Das sehen wir doch jeden Tag.

          Man kann der Obrigkeit, die sich so aufopfert für uns nur dankbar sein, dass Sie das für uns tut. An dieser Stelle möchte ich einfach mal vielen Dank sagen. Danke, liebe Babsi, danke, danke, ganz lieben Dank

    2. Da ist absolut was dran … aber die Rückzieher mit denen breit geworben wird, sind Gysi und Herrmann. Das ist ja Humor. Die sind mindestens genauso integer wie Springers Schergen-Ausgründung oder Poschardt oder Kubicki. Das ist genauso lustig wie der Unterschied zwischen Spiegel und Focus.

      Im Grunde geht es dabei nur darum von wem sich die Sansculotten diesmal verarschen lassen sollen.

  3. Einfalt und geistige Schlichtheit kennzeichnet am besten die politische Kaste. Alles homogen und ohne Profil. Die Chancen stehen schlecht, dass diese Leute den Karren wieder aus dem Dreck ziehen, in den sie ihn haben entgleiten lassen.

  4. Natürlich müssen Leute wie Merz oder aktuell Bas mit Kritik leben. Oft mit sehr schroffer Kritik, die am Rande der Beleidigung operiert – oder vielleicht sogar darüber hinausgeht.

    Das ist schon seltsam, dass von anderen immer mehr verlangt wird, als eines selbst ertragen möchte. Wer kann sich denn sonst noch so in die Reihe der „Heulsusen“ stellen? Überlegen wir kurz und fragen uns, welche offiziellen Gründe denn für die „Verbesserungen im Kommentarbereich“ vorgebracht wurden, und natürlich, was zu einer sprachlosen Zensur von KI oder händischer Demoderation führte – statt tatsächlich unmögliche Kommentare zu löschen?

    Aber vielleicht wollte Herr RDL nur plastisch vorführen, wie Bigotterie im „Neuen Deutschland“ denn genau aussieht. Oder vielleicht soll auch nur mal deutlich gemacht werden, wem den so ein „Platzverweis“ gebührt, nämlich nicht »dem politischen Milieu und dessen steigbügelhaltenden Medienbetrieb selbst.« Denn die bösen Kommentare von einfachen Menschen sind mit den Mordversuchen von „geistig verwirrten“ und der RAF gleichzusetzen, zumindest mit einer Entführung in die unangenehme Gefühlsgefilde des von nicht allen geliebt zu werden.

    Gut, die Andeutung wird später kassiert (»die einzige Gewalt, mit der sie tun bekommen, sind die bösen Worte der Bürger«), dennoch sie steht da.

    Letztendlich hat Herr RDL recht, es sind alles »Heulbojen« und es sind immer die anderen.

    1. Mhm, LG, dein Kommentar wirkt mir doch etwas… naja redaktionsfeindlich. Bist du denn für gar nichts hier dankbar? Möchtest du deinen Text nicht lieber nochmals überarbeiten? Oder eine Gegendarstellung veröffentlichen? So wirkt das alles irgendwie… meinungsstark. Denk doch auch mal an die Menschen anderswo auf der Welt, die sich gar keine Meinung leisten können.

      Oder lies dieses Wort zu Fronleichnam von einem Exautor:

      „Dieser Streit ist für mich der Ausgangspunkt, die zweijährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Westendverlag Revue passieren zu lassen, mit der Absicht, genau diese „schwarzen Löcher“ auszuloten und ihnen nicht das letzte Wort zu überlassen. Dieser Text will nicht in die verbale Hinterhofskeilerei einsteigen, sondern den Hinterhof verlassen.“

      Den Rest findeste im Netz, die Maske mochte den Link nicht…

      1. Aber mein Herr, »redaktionsfeindlich« doch nicht, dann wäre ich nicht hier, zumal „Feindschaft“ eine irgendwie geartete (reale, gefühlte, geglaubte) Gefahr voraussetzt. Vielleicht bediene ich mich ein wenig des Nudgings, um einen Zustand zu beschreiben, der eventuell noch korrigierbar ist.

        Und natürlich bin ich zutiefst »dankbar« für jede Sekunde des Wartens und Bangens, ob ein Kommentar denn die KI passiert, das erspart mir den Lottoschein.

        Auch wenn ich weiß, dass es »Menschen anderswo auf der Welt [gibt], die sich gar keine Meinung leisten können«, so weiß ich doch auch, dass meine Meinung auch nur ein weiteres Quaken im Froschteich ist, also nehme ich mich selbst nicht so wichtig. Meistens.

  5. Ich hätte da ein ganz ein einfaches Rezept für Herrn Merz, Frau Bas und alle anderen Politikerinnen und Politiker mit den nassen Taschentüchern: Die Damen und Herren müssen in diesem Land nur Politik für die große Mehrheit der Bevölkerung und zum Wohl der Allgemeinheit machen.

    Das nannte man nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einmal „Rheinischen Kapitalismus“ oder „Soziale Marktwirtschaft“ und steht sogar im Grundgesetz von 1949: Art 20 (1) „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Da steht nicht: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und kapitalistischer Bundesstaat. Da steht auch nicht: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und freiheitlicher Bundesstaat. Jedenfalls ist das so in der Ausgabe von 1980, die ich habe. Den Artikel 20 GG kann man auch nicht ändern, denn er gehört zu den sog. Staatstrukturprinzipien und die werden von der sog. Ewigkeitsklausel geschützt. Man könnte den Artikel schon ändern, aber dann würde man als Rechtsbrecher und Verbrecher in die Geschichte eingehen.

    Wenn man einseitig Politik für die Aktionäre der Rüstungsindustrie, die Interessen von Black Rock, die Gewinne von Immobilienspekulanten und Miethaien macht, alles dem „Markt“ überlässt und glaubt, der Markt würde bezahlbare Wohnungen schaffen, die „Superreichen“ entlastet, damit die „Superreichen“ noch reicher werden, die Normal- und Geringverdiener belastet und sich dann auch noch darüber beklagt, dass viele Bürger zu dumm dazu wären, um diese „geniale“ Politik zu verstehen, dann fehlen mir die Worte und Leute, die mich kennen, wissen, mir fehlen ganz selten die Worte.

    1. Schön, das man das alles im Grundgesetz nachlesen kann, aber leider ist Papier geduldig. Die tägliche Umsetzung, die gelebte Staatspraxis ist, was zählt. Und diese Praxis wird vom Staat selbst bestimmt. Sprich der Regierungsbeamten und den Politikern und den Richtern. Und die drehen sich das natürlich so zurecht wie sie es brauchen in „Unserer Demokratie™“.

      Ein schönes Beispiel ist GG Art. 5(1) letzter Satz: eine Zensur finde nicht statt. Die laufende Rechtsprechung interpretiert das als Verbot einer Vorzensur, also jeder Text muss einer Zensurbehörde vorgelegt werden. Solche Behörden gibt es nicht. (Auch wenn manche Landesmedienanstalten so umgebaut werden sollen) Aber Bücher im dunklen Keller der Bibliothek stehen zu lassen mit kaputten Licht, oder Webseiten nicht mehr auffindbar zu machen in Suchmaschinen und andere Versteckmanöver gehen. Abweichlern von der Meinung die Konten zubsoerren oder zu kündigen durch außergerichtliche Anordnungen über die EU -Kommission ist natürlich auch keine Zensur. Alles schön zurechtgedreht, wie man es braucht.

      Oder die Sache mit der Vorbereitung eines Angriffskrieges. Die Durchführung sei ja nicht strafbar. Das man sowas aber vorbereitet gehabt haben musste, wurde geflissentlich ignoriert. Alles schön zurecht gebogen.

  6. Pinocchio-Nasen, Lackaffen-Mimiker, bei Agnes-Marie wie auch bei Bärbel will ich es gar nicht wissen, warum sie sich so beleidigt fühlen mussten, dass sie die doch – wie es sonst doch immer heißt – sowieso überladenen ‚Organe deutsch-demokratischer Rechtspflege‘, vornehmlich total überlastete Staatsanwaltschaften und Gerichte, endgültig mittels dieses veritablen „war-on-terror“ in den finalen „burn-out“ zu treiben haben. Was wird da wohl erst werden, wenn demnächst noch Hoch- und Landesverrat u.v.a.m. mit in den Fokus gestellt werden müssen. Wenn dann bspw. der ‚Russe‘ kommt oder Greater-Israel endgültig vor der Türe steht und sich unser Zentralrats-Präse über viel zu mangelhafte Beglückwünschung hierzulande zu beklagen hat.

    So lange her sind die Zeiten auch wieder nicht, wo schon ein einziges Ohr zu nahe an der Noppenbespannung des Volksempfängers dazu führen konnte, dass man alsbald des Gurkenhobels angesichtig werden durfte. So wie es ja auch bei Sophie und ihrem Bruderherz nebst Freunden der Fall war, wg. mutwilliger Verschmutzung von Treppenhäusern. Bisher bin ich wg. fehlerhafter Aufklärung immer davon ausgegangen, es wären nicht ganz Sechstausend gewesen. Jetzt mit KI, genau Google-KI, muß ich erschreckt konstatieren, es war schlimmer, viel schlimmer. Dort wird doch tatsächlich unstrittig gesichert verlautbart:
    „Zivile NS-Gerichte: Die Sondergerichte und der berüchtigte „Volksgerichtshof“ sprachen etwa 15.000 bis 18.000 Todesurteile aus, von denen schätzungsweise 12.000 vollstreckt wurden (u.a. wegen Hochverrats oder Widerstands)….
    Militärjustiz (Wehrmacht): Die nationalsozialistische Militärjustiz verhängte rund 30.000 Todesurteile, wovon etwa 20.000 bis 23.000 tatsächlich exekutiert wurden (oft wegen sogenannter „Fahnenflucht“ bzw. Desertion).“
    Ach, übrigens – nur der Vollständigkeit halber: bei Letzteren soll auch mindestens einer der Blutrichter ein späterer Ministerpräsident aus der Christlichen Union aktiv gewesen sein. Und das sogar noch nach dem ach so schlümmen FiveEight anno foifevierz’ge!

    Man sieht, es ist für die Justiz in „unserer Demokratie“ noch viel Luft nach oben, sowohl quantitativ wie auch qualitativ! Es gab aber auch gegenläufige Tendenzen im Land, wenn’s denn gegenläufig gewesen sein sollte. Da war doch was mit dem obersten Fähnleinsführer unseres Balltreter-Verbandes. Ist der nicht von seinem ehrwürdigen Posten des DFB-Präsidenten zurückgetreten, weil man ihm seine Verunglimpfung eines Stellvertreters nicht durchgehen lassen konnte? Was da genau war? Nun er hatte seinen nicht besonders Wohlgelittenen mit dem Namen des Präsidenten des ehemaligen Volksgerichtshofes (siehe auch oben bei den Statistiken) – ein gewisser Roland F. – tituliert. Sowas geht natürlich gar nicht.

  7. Es macht durchaus Sinn, Politiker zu kritisieren und innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu schmähen.
    Dass das Tradition hat, zeigen die Anekdota von Prokopius über Justinian und Theodora, die jetzt noch als Quelle benutzt werden über diese Persönlichkeiten, ihre Politik und den Zustand des spätrömischen Reiches. Sogar das Wort „Anekdote“ stammt von diesem Werk.
    Politiker reagieren auf narzisstische Kränkung durchaus. Ein Beispiel ist Angela Merkel. Nach einer Serie von Wahlniederlagen, verursacht durch das Auftreten der AfD und zunehmender innerparteilicher Kritik und außerparteilicher Schmähkritik, entschied sich Angela Merkel, nicht erneut anzutreten aus Angst vor politischer Demütigung, und aus Angst wie Kohl und Schröder zu enden. Dabei hatte sie die besten Chancen, die Wahl zu gewinnen. Merkel lag weit vor Scholz und Baerbock. Die CDU stand mit Merkel lange bei 35–40 %, mit Laschet später bei 20–25%.
    Deshalb, macht die unfähigen Politmarionetten zur Schnecke.

  8. Und dann das noch, darf’s wahr sein! Mittenmang zwischen RDL’s Elogen auf uns’Bärbel doch tatsächlich – wer hätte das noch mal erwartet – uns’aller Freund von Springers, der Ulf! Zuerst wollte ich es nicht glauben, aber dann kam ja Mitforist Cromwell mit seiner Mutmaßung.
    Gerade noch gestern Abend oder Nacht – bei Maischbergers – war’s wieder soweit, so wie die letzten Wochen, Monate wenn nicht Jahre schon. Keine Stuhlrunde, wo nicht mindestens eine Springer-Nase präsent ist, die zur Not wenn nicht überwiegend das Ruder der Diskussion zu übernehmen hat. Damit das Schiff keinesfalls in die falsche Richtung steuert. Ab und an ist zwar auch mal Bertelsmann oder Funke und wie sie alle heißen vertreten, aber wenn dann nur zur Verstärkung. Wie im Fußball, ‚kompakt‘ muß man stehen.
    Zurück zu Ulf! Soso, sein neues Buch will er verkaufen: „BÜCKBÜRGERTUM – der Bestsellerautor legt nach. “ Wie heißt es in seinem Wiki-Eintrag: „Poschardt vertritt eine dezidiert liberale und wirtschaftsliberale politische Haltung, wobei er – auch journalistisch – die Bedeutung individueller Freiheit und Eigenverantwortung und die Ablehnung gegenüber staatlichen Eingriffen in Wirtschaft und Gesellschaft betont.“ Da ist aber ‚Bückbürgertum‘ irgendwie mehr als zynisch. Und dafür lässt man bei Overtons Werbung zu – von Westend ganz zu schweigen? Wie lange es wohl dauern wird, bis der ‚beste Werbekunde ever‘ auch noch Einfluss nehmen will – wo er doch so viel Flocken abzudrücken willig ist? Oder ist es nicht längst soweit (siehe Forumskastratur per Moderatorium)? Schaun mermal, dann ist dieser Kommentar ja geradezu ein Lackmustest. Wäre ja auch nicht das erste Mal, dass einziehende Werbung nur den Leichenzug ankündigt.

  9. das Gejammer dieser unfähigen Politkaste die sich von den Steuergeldern gutgehen lassen ist schon eine Beleidigung…
    wenn ich mich an die harten Ausenandersetzung von Wehner mit F.J.Strauß erinnere, da flogen Fetzen… und wie war das vom Fischer: … Sie sind ein Arschloch…
    aber die Steuerzahler zu beschimpfen ist schon OK…
    Lumpenpazifist, Faul, andauernd Krank, sollen lieber mehr Arbeiten…
    und das sind unsere Vertreter in der Welt…
    es hat sich nicht viel geändert, im Gegenteil es wird immer schlimmer…
    Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.
    Carl von Ossietzky (1889 – 1938), deutscher pazifistischer Chefredakteur der „Weltbühne“, Schriftsteller und Symbolfigur des Widerstands gegen das NS-Regime, Friedensnobelpreis 1935

  10. Dass Frau Merkel ein gutes Timing für ihren Abgang gefunden hat, das kann man so sehen. Außerdem war sie bei ihrem Abgang, falls ich mich nicht verrechnet habe, auch schon 66 oder sogar 67. Pfandflaschen sammeln bzw. bei der Tafel anstellen muss sie sich sicherlich als Rentnerin auch nicht, damit es für die Miete und zum Essen reicht zumal diese fürstliche Pension auch noch von der Allgemeinheit bezahlt wird.

    Aber zu den Narzissten gehört die ex-DDR-Frau von den Vereinigten „Christlichen Demokraten“ sicherlich nicht. Volker Pispers charakterisierte die Pastorentochter einmal so: Sie ist einfach nur gerne Kanzlerin.

    Und das hat sie durchaus geschickt gemacht, das kann man nicht bestreiten. Ich zitiere wieder Volker Pispers: Es gab mal eine Umfrage, da waren zwei Drittel der Bürger mit der Politik der Regierung unzufrieden, gleichzeitig waren zwei Drittel mit der Bundeskanzlerin Merkel zufrieden oder sehr zufrieden. Seine Vermutung und Erklärung für dieses kuriose Phänomen: Es wären dieselben zwei Drittel und die würden die Politik der Regierung überhaupt nicht mit der Kanzlerin in Verbindung bringen.

    Ein anderer Kabarettist brachte die aktuelle Problematik vor einiger Zeit damit auf den Punkt: Man könne die reale Politik inzwischen nicht mehr mit den Mitteln der Satire übertreffen. Das wirft die grundlegende Frage auf: Ist das ein personelles oder eine strukturelles Problem?

    Falls es „nur“ ein personelles Problem ist, dann müsste man tatsächlich nur die regierenden Köpfe gegen andere Köpfe austauschen. Ich befürchte allerdings, dass es beides ist. Es ist ein personelles und ein strukturelles Problem und die politische, ökonomische und soziale Struktur produziert diese politischen Köpfe an der Spitze der Regierung. Was bringt es, wenn die Niete im schwarzen Anzug durch eine Niete im braunen, hellgrauen, dunkelgrauen, mittelgrauen oder blauen Anzug mit Streifen ersetzt wird? Im Kern bleibt es eine Niete, nur die Farbe hat sich geändert.

    Dass sich etwas an den real existierenden politischen, ökonomischen und asozialen Strukturen ändert, daran muss man begründete Zweifel haben, wenn man die reale Entwicklung seit 1945 = Ende des Zweiten Weltkrieges betrachtet. Da muss es schon ordentlich scheppern, krachen, knallen und rumsen. 100 tote Soldaten und 50 tote Zivilisten reichen da nicht, es müssen schon 50 oder 60 Millionen sein.

    1933 haben rund 44 Prozent der deutschen Wähler ihren eigenen Diktator gewählt. 1945, nur zwölf Jahre später, als Deutschland in Schutt und Asche lag, da konnte oder treffender formuliert: da wollte sich niemand mehr daran erinnern. Aber das ist lange her, offenkundig zu lange, viel zu lange.

    1. Faszinierend, die Ex-DDR Frau. Sehr selten wird sie als die Ex-WEF Frau benannt, denn hier wurde sie zum Global Leader for tomorrow gekührt. Und der Stern erstrahlte am Firmament:

      Deutschlands Eliten erhalten Ausbildung beim WEF: Die Kaderschmiede des Klaus Schwab
      DWN-Kolumnist Ernst Wolff deckt auf, wie die Kaderschmiede des World Economic Forums funktioniert. Und welche Politiker, Top-Manager, Milliardäre und Meinungsmacher dort ausgebildet wurden und werden.
      Ernst Wolff
      08.08.2021

      Es ist mit etwa 1.300 Mitgliedern das vermutlich wichtigste Netzwerk der Welt. Ihm gehören Staats- und Regierungs-Chefs, CEOs der weltgrößten Konzerne, Mitglieder von Königshäusern sowie Multimilliardäre an – Menschen, die auf Grund ihrer Stellung, ihres Besitzes oder ihrer Funktion extrem viel Macht ausüben: Das Forum der „Young Global Leaders“, die Kaderschmiede des World Economic Forum (WEF). Wer wissen will, wer in unserer Welt die Fäden zieht, der sollte einen Blick hinter seine Kulissen werfen.
      (…)
      Der erste Jahrgang, die Klasse von 1993, wurde für Schwab zu einem durchschlagenden Erfolg. Zu den heute bekanntesten Mitgliedern dieses Jahrgangs zählen Microsoft-Gründer Bill Gates, Weltbank-Chef und US-Präsidenten-Berater Larry Summer sowie die späteren Regierungs-Chefs Angela Merkel, Nikolas Sarkozy, Tony Blair, Gordon Brown, Viktor Orbán und José Maria Aznar. Unter den deutschen Teilnehmern finden sich die FDP-Politiker Sabine Leutheusser und Wolfgang Kubicki sowie die spätere CDU-Familienministerin Claudia Nolte.

      https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/513721/deutschlands-eliten-erhalten-ausbildung-beim-wef-die-kaderschmiede-des-klaus-schwab

      Und ja, bei der Wahl 1933 wurde geschoben wie blöde und trotzdem gab es keine absolute Mehrheit für den Wunschkandidaten des Kapitals. Deshalb wurde nach all der Förderung noch ermächtigt. Daß die Faschisten die Macht ergriffen hätten war in Italien ja schon Blödsinn.

      „Der Kapitalismus in der Krise wird aufrechterhalten mit den terroristischen Mitteln des Faschismus. Deshalb soll vom Faschismus schweigen, wer nicht auch vom Kapitalismus reden will.“
      (Max Horkheimer)

      Apropos, … ja, diese Strukturen erschaffen diese Leute und die Leute über und unter diesen Leuten … jede Klasse ein Fließbandprodukt dieser Normopathie.

      P.S.: Die genannten Verlustzahlen sind als der feuchte Wunschtraum der Architekten der Misere allerdings viel zu gering angesetzt.

    1. Danke, vielen Dank, many thanks – für dieses leider nicht einmalige aber wertvolle Wort-Denkmal!

      Aber ja doch, da werden sich – darf Jens Spahn zitieren – mal noch viele und nicht nur Frau Bas für entschuldigen müssen. Sollte es die Möglichkeit dazu überhaupt noch geben, was allerdings bezweifelt werden darf.

      Zu dem Schlusssatz „Wir bauen die Ukraine gemeinsam wieder auf. In Freiheit.“ – nicht nur quasi die nächste Staatsräsonggg – ein Handeln ohne Auftrag des Souveräns – von heute bis annodunnemals! Man wird sich gewiß freuen!

  11. Ich weiß langsam wirklich nicht mehr, was in diesem Forum los ist! Reicht schon ein Wort wie „Heulsuse“ oder Ähnliches, um von der Zensur rausgekickt zu werden??

  12. Diese Politiker-Mischpoke, ohnehin alle finanziell bestens ausgestattet und privilegiert ohne Ende, die mit ihren Entscheidungen allen Menschen, die nicht über Vermögen, Macht etc. verfügen, das Leben teilweise zur Hölle macht, verkörpert perfekt die Mischung aus Selbstmitleid und sozialdarwinistischer Brutalität.

  13. Ich habe weder Taschentücher für Politiker übrig noch Beifall für Polemiker. 
     
    Man sollte der Macht misstrauen, aber ebenso der scheinheiligen Empörung über sie. Ein Politiker, der über Beschimpfungen klagt, ist nicht automatische ein Tyrann – und der Bürger, der zetert, noch lange kein Widerstandskämpfer. Beide neigen bloß dazu, ihre eigene Rolle zu überschätzen. 
     
    Die eigentliche Frage lautet doch, warum so viele Menschen ihre „Freiheit“ darin sehen, über die Herrschenden zu schimpfen, statt einfach unabhängiger von ihnen zu werden. Die lautesten Klagen kommen meistens von jenen, die den Mächtigen am ähnlichsten sind. Die einen verlangen Respekt für ihr Amt, die anderen für ihre Wut. 
     
    Der kluge Kopf bleibt dagegen misstrauisch gegenüber jedem, der sich als Opfer inszeniert. Wer ständig beleidigt ist, hat meist schon aufgehört, frei zu sein.

    1. Wie denn bitte soll die Mehrheit der Bürger unabhängiger von der Politik werden? Das mag einem ausreichend ausgestatteten Kapitalbesitzer möglich sein, oder jemandem mit einem sehr gut dotierten Job, den dieser Mensch an jedem beliebigen Ort dieser Welt bei frei gewählten Auftraggebern ausführen könnte (das sind wohl nicht allzuviele). Alle anderen, die für Lohn oder Gehalt arbeiten, haften mit allem was sie haben und was sie sind, für die politischen Entscheidungen in diesem Land. Wenn das Ziel ist, den größten Niedriglohnsektor Europas zu schaffen, ist es schlicht nicht möglich in bestimmten Jobs noch gut bezahlte Arbeit zu finden. Wer heute in einer Großstadt wie München, Bankfurt oder Berlin eine Wohnung mit günstiger Miete hat. Kann nur noch mit ganz großem Glück umziehen, wenn er sich dabei nicht wirtschaftlich komplett ruinieren möchte. Dies sind Rahmenbedingungen, die die Folge von Politik sind, die sich seit mind. 30 Jahren nicht mehr um die Kerninteressen der Bürger (gute Infrastruktur und auskömmliche Arbeits- und Lebensbedingen) sondern nur noch um das Sharholder Value schert. Der Unterschied zw. einem Politiker und einem „Normalbüger“ liegt in der Gestaltungsmacht der Bedingungen und wenn Wahlen nichts mehr an der Politik ändern, weil alle Politiker dasselbe tun, bleibt den Leuten vielfach nur noch die blanke Wut, nicht weil sie das wählen oder wünschen, sondern weil sich diese im Anbetracht der Verhältnisse schlicht einstellt.

  14. @Sepp Gladiola

    Man darf Beleidigung(en) nicht mit berechtigter Kritik und Polemik mit Satire verwechseln.

    Wenn man eine Politikerin oder einen Politiker, aber auch jede andere Person als Lügenmaul bezeichnet, dann ist dies nur eine ehrverletzende Beleidigung, wenn es nicht den Tatsachen entspricht. Wenn eine Politikerin oder ein Politiker nachweislich gelogen hat, aber dies abstreitet und den Kritiker verklagt, der dies kritisiert, um den Kritiker zum Schweigen zu bringen und mundtot zu machen, dann ist das eine Beleidigung für den kritischen Bürger und damit eine Beleidigung für die Demokratie.

    Gerichte und Richter, die so etwas heutzutage im Sinne der „beleidigten“ Politikerinnen und „beleidigten“ Politiker goutieren, stehen nicht mehr auf dem Boden einer rechtsstaatlichen Demokratie und das wissen diese Richter auch ganz genau, denn so dumm sind diese Richter nicht. Diese Richter sind willfährige Helfer der Regierung, wenn sie Partei für die Lügner ergreifen und diejenigen verurteilen, die darauf hinweisen und dies kritisieren.

    Die Stilmittel der Polemik unterscheiden sich häufig nicht von der Satire. Das Ziel der POLEMIK besteht allerdings darin, seine Meinung durchzusetzen, obwohl diese sachlich unbegründet ist und die Argumente der Realität widersprechen. Ziel der SATIRE ist es, mittels Übertreibungen, Untertreibungen, Spott, Parodie usw. gesellschaftliche und soziale Missstände zu kritisieren.

    Die Frage lautet immer: Was DARF Satire? In diesem Punkt muss man auch Kurt Tucholsky, dem großen Satiriker der Weimarer Republik widersprechen. Die Frage darf nicht lauten: Was darf Satire? Es muss heißen: Was MUSS Satire?

    Darf man sich über Behinderte, Kranke, Arbeitslose und Obdachlose lustig machen? Ja, das darf man, aber man darf es nicht nur, man muss es sogar, wenn man damit gesellschaftliche und soziale Missstände kritisiert, um diese zu ändern und das Leben von Behinderten, Kranken usw. zu verbessern. Polemik macht sich über Behinderte, Kranke usw. lustig, um diese zu verhöhnen und sie noch weiter in den Dreck zu ziehen.

    Satire kritisiert die Mächtigen und Reichen. Polemik macht sich über die Schwachen und die Armen lustig, um die Herrschaft der Mächtigen und Reichen zu legitimieren.

    Noch Fragen Kienzle? Nein Hauser!

  15. Wir Zonis erzählen manchmal alte Witze, von denen es dereinst viele gab und nein, die brachten einen nicht nach Bautzen.
    Einer funktioniert aber so überhaupt nicht mehr und nicht nur, weil es keine DDR mehr gibt:

    Unterschied zwischen der DDR und der BRD? In der DDR kannst du zu deinem Chef sagen, er sei ein Idiot aber wenn du das öffentlich vom Parteichef sagst, bekommst du heftig Ärger. In der BRD ist es umgekehrt.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen