Hegseth: „Keine Dicken. Keine Transen. Keine Bärtigen. Keine Spinner. Keine Weicheier. Keine Radikalen“

Kriegsminister Pete Hegseth bei seiner „State of the Force“-Rede auf der Marine Corps Base Quantico. Bild: war.gov

 

Man weiß, dass der amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth das Ethos des männlichen Kriegers als Soldat feiert. Er soll auch nicht verteidigen, sondern ist auf Angriff getrimmt. Daher die Umbenennung des Verteidigungsministeriums in das Kriegsministerium. Der Krieger soll nichts anderes kennen, als kämpfen und gewinnen. Hegseth zu den Soldaten: „Ihr seid die wahren 1 %. Mitten im Militärberuf. Ihr fühlt euch inmitten der Gewalt wohl, damit unsere Bürger in Frieden leben können. Tödlichkeit ist eure Visitenkarte und der Sieg euer einzig akzeptables Endziel.“

Letalität ist eine beschworene Fähigkeit, eine „korrekte“ Kriegsführung wird als woke abgelehnt. Das Militär sei von woken Offizieren, die eine zivile Kontrolle des Militärs vertreten haben, gesäubert worden, versicherte Hegseth in seiner Rede „State of the Force“ Ende September. Die sollte man sich schon zu Gemüte führen, da in ihr die aggressive Maga-Ideologie verpackt ist. Die zeigt sich auch darin, dass die Exekution durch ein Erschießungskommando von Nidal Hasan, der in Fort Hood 2009 13 Menschen getötet hatte, Anfang Dezember als öffentliche Hinrichtung stattfinden soll.

Was Hegseth vor allem propagiert, ist Gehorsam, Disziplin, Unterwerfung. Das soll die Kriegermoral sein: „Jemandem zu sagen, er solle in Form kommen, sich rasieren, seine Uniform in Ordnung bringen oder seinen Arsch aufreißen – das ist keine Diskriminierung. Das ist Führung. Wir haben der giftigen Kultur der Risikoscheuheit ein Ende gesetzt und Führungskräfte auf jeder einzelnen Ebene befähigt, Standards einfach durchzusetzen … Die Nörgler, die Ideologen und die Leistungsschwachen sitzen nicht mehr am Steuer. Schluss mit albernen PowerPoint-Schulungen oder Drag-Queen-Shows. Schluss mit Diversitätsquoten, Schluss mit Geschlechtspronomen, Schluss mit Identitätsmonaten. Nur noch das Kriegerethos.“

Da muss dann auch nach Vorbild des Kriegsministers heftig mit Liegestützen und so trainiert werden, um zum Kämpfen fit zu sein, während am besten der Verstand ausgeschaltet bleibt, was auch beim Angriff auf den Iran praktiziert wurde. Zuletzt hatte er den Kriegern Testosteron verordnet, um sie fit und männlich zu erhalten und alles Woke zu eliminieren (Kriegsminister Hegseth will Testosteron-gesättigte Soldaten): „Keine Dicken. Keine Transen. Keine Bärtigen. Keine Spinner. Keine Weicheier. Keine Radikalen.“

Ich hatte schon erwähnt, dass es widersinnig ist, militärromantisch auf den fitten, muskelbepackten, Testosteron-geladenen, heroischen  Kämpfer letztlich als Infanteristen zu setzen, der schon in den Stahlgewittern des Ersten Weltkriegs untergegangen ist, während die Kriegsführung immer stärker auf Technik, Distanzwaffen, zu denen weitreichende Präzisionsartillerie, Drohnen, Raketen und Roboter gehören, und Künstliche Intelligenz setzt. Es sind, wie auch der Krieg in der Ukraine zeigt, die postheroischen Informatiker/Nerds, Ingenieure und Gamer, aber auch die Bastler die neuen Soldaten, die nur so nahe an die Front vorrücken, wie dies zur Steuerung der Maschinen notwendig ist.

Spätestens mit autonomen Waffensystemen mit entsprechend autonomer Logistik  können die Soldaten sich ganz in die Bunker in großer Entfernung zurückziehen. Dort sind sie allerdings auch nicht sicher, weil die moderne Kriegsführung mit Raketen und Drohnen auch das frühere Hinterland einbezieht und neben der politischen und militärischen Führung die Infrastruktur des Gegners und die Stützpunkte zu zerstören sucht, wo die Soldaten die Waffen steuern und diese gelagert oder produziert werden.

In seiner „State of the Force” verkündet Hegseth indirekt gleichzeitig das Ende der Notwendigkeit des körperlich fitten Kämpfers, der im Dreck robbt und über Stacheldraht springt, indem er die Einrichtung eines Autonomous Warfare Command (AutoWarCom) ankündigte. Das Kommando soll in historischer Geschwindigkeit „autonome und Roboter-Kapazitäten” für das gesamte Militär beschaffen.

Hegseth selbst zieht noch die Unternehmer ein, die im Project Agincourt zusammen mit den Drohnenpiloten vor Ort die Technik an die Erfordernisse möglichst schnell anpassen sollen. Und mit Project Meridian sollen die „besten Köpfe Amerikas“, allesamt Nicht-Militärs, „Innovatoren, Unternehmer und Techniker“, die Zukunft der Kriegsführung vorhersagen. Da ist dann der unvermeidliche Elon Musk, der junge Rüstungsunternehmer Palmer Luckey (Anduril) und der greise Newt Gingrich gefragt.

Palmer Luckey, Newt Gingrich und Elon Musk sind für die Zukunft des Krieges zuständig. Die beiden UNternehmer werden für ihre Gewinne sorgen. Bild: war.gov

„Gott und Vaterland wurden gegen Che Guevara und Kritische Theorie eingetauscht“

Und da ist dann auch noch das Programm FORTRESS (Federal Operations for Resilience, Troop Resources, Energy, Supply, and Survivability), das auch nicht auf den propagierten heroischen Kämpfer an der Front basiert, sondern die militärische Infrastruktur unabhängig vom Ausland machen, Vorräte vorhalten und für umfassenden Schutz sorgen soll. In die Festung Amerika sollen viele Soldaten aus dem Ausland heimgeholt und in neu zu bauende Festungen einer „zeitlosen klassischen Architektur“ untergebracht werden. Selbstverständlich sollen die Kämpfer, auch wenn sie mit moderner Technik umgehen sollen, mit Universitäten und Theorie, mit sozialer Gerechtigkeit und kritischem Geist nicht viel zu tun haben, sondern praktisch im Gelände ausschließlich zum Kämpfen für Gott und Vaterland ausgebildet werden.

„Ich muss keine Predigt über die Fehler im Hochschulwesen halten. Ihr versteht das schon. Ich habe einmal ein Buch darüber geschrieben. Von den Ivy-League-Universitäten bis hin zu den meisten Liberal-Arts-Colleges haben sich unsere Hochschulen und Universitäten zu antiamerikanischen, DEI-verehrenden ‚Woke‘-Fabriken entwickelt. Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und Mut wurden durch politische Korrektheit und soziale Gerechtigkeit ersetzt. Gott und Vaterland wurden gegen Che Guevara und Kritische Theorie eingetauscht. Was brauchen wir? Wir brauchen Studierende der westlichen Zivilisation und der Säulen unserer Republik. Führungskräfte, die den Glauben Jerusalems, die Philosophie Athens, die Macht Roms und die Freiheit Philadelphias um das Jahr 1776 herum verstehen.“

Zur Ausbildung und Formung der Krieger als Tötungsmaschinen soll nach dem Willen Hegseths, der selbst der äußerst konservativen und patriarchalischen Communion of Reformed Evangelical Churches angehört, die christliche Religion als Ersatz fürs kritische Denken gehören. Das sei das „Fundament des Kriegerethos“. Daher richtet er ein direkt ihm unterstelltes Office of Religious Affairs ein und legt seine simple Weltanschauung erschreckend klar dar:

„Unser nationales Motto lautet schließlich ‚In God We Trust‘. Heute bekräftigen wir dieses Vertrauen erneut. Wir stellen die geistige Gesundheit auf eine Stufe mit der körperlichen Gesundheit. Unser Ministerium legt, so könnte man sagen, die volle Rüstung Gottes an. Denn während wir einen physischen Krieg führen, wissen wir alle, dass der wahre Kampf ein geistiger ist. Gott ist gut. Das Böse ist es nicht. Das amerikanische Militär muss diesen Unterschied verstehen.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
Mehr Beiträge von Florian Rötzer →

Ähnliche Beiträge:

6 Kommentare

    1. Full Metal Jacket zeigt dann auch, wo das hinführt. Ein erschossener Ausbilder und ein selbsthingerichteter Rekrut. Das vergessen irgendwie die Meisten.

  1. Hegseth will also Kongo-Otto rekrutieren.

    Aber etwas ernsthafter: das ist jetzt das Pendel das zurückschwingt nachdem die ganze DEI und LGBTXYZ Politik auch mit Hilfe des Militärs verbreitet werden sollte. Der Kurs ist auf Weltkrieg Nummer 3 gesetzt, weil die USA in ihren Schulden ersticken jetzt wo deren Empire wegerodiert. Da kann man lustiges liberales social engineering in den Streitkräften nicht brauchen. Jetzt braucht man die Streitkräfte wieder für ihren eigentlichen Zweck: Dinge kaputt machen und Menschen töten. Das wird den Abstieg der Letten Supermacht auch nicht aufhalten, aber sehr viel Tod und Zerstörung bringen.

    1. „Das wird den Abstieg der Letten Supermacht auch nicht aufhalten, aber sehr viel Tod und Zerstörung bringen.“

      Ich vermute mal das es „der letzten“
      heißen sollte.
      Aber was macht Alfred Nonym denken das dies die letzte ist ?

  2. Pete Hegseth appelliert als ehemaliger Moderator von Fox News ( wie BILD, nur im Fernsehen ) an die Nation.Er spricht nicht zu Soldaten. Irgend etwas soll er für die Zeit nach den Midterms vorbereiten.
    Vermutlich geht es um einen Überfall auf
    Kuba. Weit Unterlegene sind O.K., der Iran
    gehört nicht dazu.

  3. Erst kürzlich fiel mir auf, dass der amerikanisch ausgesprochene Name ‚Hegseth‘
    doch etwas sehr nach ‚Hexe‘ klingt.
    Also für nichtsahnende Ohren/ naive Gemüter, über die vllt vierjährige, Radio mithörende Kinder verfügen,
    da kommt einem doch das Gruseln, wie oft da von ‚Hexe‘, und immer wieder ‚Hexe‘ die Rede ist.
    Vor allem: dies ist kein lustiges Märchen, wo die Bösen hernach im Ofen braun wie Brot gebraten werden,
    wie dem ‚Hänsel-und-Gretel-Lied‘ zu entnehmen ist.
    Dieser antizipierte Trost bleibt also aus.
    Nachrichten heutzutage fallen damit in den Bereich ‚Kindeswohlgefährdung‘,
    denn von ‚Happy End‘ kann eher nicht die Rede sein,
    und wie, bitte, soll man das vermitteln?
    Brutale Wahrheit: die jetzigen Kinder werden als künftiges Kanonenfutter gesehen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen