
Vom „Naturzustand“ zur „Totalisierung der Politik“.
„Dass die Dekadenz unserer Zivilisation mit dem Infantilismus unserer politischen Kultur zusammentrifft – hat das nicht etwas unheimlich Sinnfälliges an sich?“ – George Urban1
1. Europas „Naturzustand“ und die Nato-Expansionspolitik
Im Jahr 1795 veröffentlichte Immanuel Kant seine berühmte Schrift Zum ewigen Frieden. Der Friedenszustand unter Menschen, schreibt er, sei kein Naturzustand. Dieser bestünde vielmehr im Krieg. Zwar besteht der Naturzustand unter den Menschen nicht notwendigerweise im Ausbruch von Kriegshandlungen, wohl aber in der permanenten Bedrohung durch dieselben.
Vor diesem Hintergrund müsse der Friedenszustand unter Menschen erst einmal gestiftet werden. Das ist die Quintessenz der Kantischen Friedensschrift. Frieden fällt nicht in den Schoß; er muss vielmehr erkämpft und errungen werden.
Folgt man Kants Friedensverständnis, so befinden wir uns heute in unserem Verhältnis zu Russland im Naturzustand und nicht im Zustand des sog. „hybriden Krieges“2, in dem „der Mensch dem Menschen ein Wolf ist“ (homo homini lupus est).
„Denn Krieg“ besteht auch laut Thomas Hobbes „nicht nur in Schlachten oder Kampfhandlungen, sondern in einem Zustand, in dem der Wille zum Kampf genügend bekannt ist“ (Leviathan, Kap. 13). Um diesen Naturzustand in Europa zu überwinden, bedarf es einer beherzten und gewollten Friedensstiftung. Aber genau dieser Wille zum Frieden und zum Kampf um den Frieden fehlt in Europa.
Statt Friedensstiftung haben wir eine nicht enden wollende Eskalationsdynamik, statt Friedenspolitik Drohpolitik, statt Mäßigung gezielt kalkulierte Provokationen. Dass der Wille zum Krieg und nicht zum Frieden die Eskalationsdynamik entfesselt und dadurch unkalkulierbar macht, versteht sich wohl von selbst.
Dass die europäischen Gesellschaften, die seit achtzig Jahren im Frieden leben und seit drei Generationen den Krieg zum Glück hautnah (noch) nicht erlebt haben, weder Eskalation noch Krieg wollen, das führt dazu, dass die EU-europäische Kriegspartei alles unternimmt, um die Kriegsstimmung aufzuheizen und Angst vor und Hass gegen Russland zu schüren.
Dass die von interessierten Kreisen gezielt geschürte Kriegshysterie in Europa zu noch mehr Eskalationsdynamik und folglich zu einer akuten Kriegsgefahr führen kann und Europa in einen Zustand versetzt, in dem der gegenwärtige Naturzustand aus dem Ruder laufen und in Kampfhandlungen umschlagen kann, versteht sich ebenfalls von selbst.
Damit wird aber einem potenziellen Frieden in Europa endgültig der Garaus gemacht. Offenbar möchte die EU-Kriegspartei einen permanenten Naturzustand in Europa, den sie als „Friedenszustand“ verklärt. Denn der „wahre“ Friedenszustand in Europa ist ihr zufolge nur dann gegeben, wenn sie und nur sie die Spielregeln der europäischen Sicherheitsarchitektur bestimmt – und das bedeutet, dass die Nato-Allianz weiterhin ungebremst und ungestört ihre Expansionspolitik gen Osten fortsetzt. Das ist aber ein Naturzustand in Permanenz.
Die Tatsache, dass die Nato-Expansionspolitik ursächlich für den Krieg in der Ukraine verantwortlich ist, lehnt die Kriegspartei kategorisch ab und verweist vielmehr auf Putins „Neoimperialismus“, der die Wiederherstellung des Sowjetimperiums anstrebt. Nichts hat sie verstanden und will auch nicht verstehen, dass wir uns bereits seit dem Untergang des Sowjetimperiums in einem Naturzustand befinden, seitdem nämlich Paul D. Wolfowitz 1992 sein aufsehenerregendes Strategiepapier „Defense Planning Guidance“ in der „New York Times“ veröffentlicht hat.
Die unter der Leitung von Wolfowitz zustande gekommenen, der Zeitung zugespielten und nicht für die Öffentlichkeit bestimmten US-amerikanischen geostrategischen Überlegungen für die Zeit nach dem „Kalten Krieg“ sorgten weltweit für Aufsehen. Die konzipierte Präventivstrategie der nunmehr zum weltweiten Hegemonen aufgestiegenen US-Supermacht setzte zum Ziel die Nato-Expansionspolitik voraus.3
Denn es war im Interesse der US-Geostrategie alles zu tun, damit Russland, sollte es die Krise der 1990er-Jahre überwunden haben, „nicht in der Lage wäre, seinen politischen Einfluss in Europa entsprechend auszubauen.“4
Das postsowjetische Russland versuchte seinerseits seit der Mitte der 1990er-Jahre vergeblich zunächst friedlich5, dann aber seit 2008 zunehmend mit militärischer Gewalt, den Expansionswahn der US-Geostrategen und ihrer europäischen Claqueure auszubremsen.
Wir schreiben das Jahr 2008. Es findet ein Krieg zwischen Georgien und Russland statt. „Krieg bringt Dinge ans Licht, die sonst verborgen bleiben“, sinnierte der Historiker, Michael Stürmer (geb. 1938), 2008 über den „kleinen Krieg … Georgien gegen Russland.“ „Russland“ hat – schreibt er weiter – „eine rote Linie gezogen und verlangt Respekt.“ In der „Nato-Mitgliedschaft … für die Ukraine oder Georgien“ sehen die „Herrscher Russlands …, so im Herbst 2008 wörtlich, die ‚existenzielle Bedrohung‘, die einen Krieg nach sich ziehen kann. Vielleicht ist das nur Warnung, vielleicht nur Bluff. Doch vieles spricht dafür, dass die Russen meinen, was sie sagen. Der Westen, der seit 1990 so viele rote Linien missachtete, wird gut beraten sein, noch einmal nachzudenken.“6
Wir schreiben das Jahr 2022. Vierzehn Jahre danach! Es tobt ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Der Ukrainekrieg hat den „Westen“ (insbesondere die EU-Europäer) genauso, wie in den Jahren 2008 und 2014, kalt erwischt. Der „Westen“ ist dem Rat von Michael Stürmer (und nicht nur seinen) 2008 nicht gefolgt, Russlands rote Linien nicht zu missachten. Der „Westen“ hat Russlands Warnungen vierzehn Jahre lang aus Hochmut komplett ignoriert, seine Drohungen als Bluff belächelt und alle roten Linien aus Machtarroganz missachtet.
Wir schreiben das Jahr 2026. Putin und Lawrow warnen die EU-Europäer nachdrücklich davor, sich in Acht zu nehmen, alle Provokationen zu unterlassen und nicht daran zu denken, Russland militärisch herauszufordern. Zuletzt hat Lawrow, bei der abschließenden Pressekonferenz nach seiner Rede in der UN-Generalversammlung in New York am 26. September 2026 erklärt, dass er die Gefahr einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ in den Kriegsvorbereitungen der EU sieht.
„Europa bereitet sich auf einen Krieg mit uns vor. Sie verkünden jeden Tag, dass die Europäer spätestens bis 2030 kriegsbereit sein sollten. Das könnte sich als selbsterfüllende Prophezeiung erweisen, denn sie investieren Unsummen in die Waffenproduktion. Irgendwann wird sich wohl ein Abenteurer (und davon gibt es derzeit viele unter den europäischen Eliten) fragen: ‚Wir haben so viel angehäuft, was sollen wir damit anfangen‘?“, sagte Lawrow nachdenklich.
Bereits am 16. September 2026 warnte Lawrow: „Wir haben wiederholt erklärt, dass wir keinerlei Absicht haben, Europa anzugreifen. Der Präsident hat sich kürzlich ausführlich zu diesem Thema geäußert und betont, dass wir daran kein Interesse haben. Sollte Europa, das täglich über Kriegsvorbereitungen gegen Russland spricht, Russland angreifen, wird es ein völlig anderer Krieg sein, und er wird sehr kurz sein.“
Wie die Erfahrung der vergangenen dreißig Jahre zeigt, wird auch diese Warnung Lawrows von den EU-Europäern aus Selbstüberschätzung und Hochmut komplett ignoriert. Hoffentlich wird es für sie kein böses Erwachen geben.
2. „Eine Totalisierung der Politik“
In Anbetracht der skizzierten geo- und sicherheitspolitischen Großwetterlage ist es fraglich, ob Frieden Zukunft hat, es sei denn nach einem erneuten verheerenden Krieg zwischen Russland und Europa, falls von Europa dann überhaupt noch etwas übrigbleibt.
Am 2. Dezember 2025 merkte Putin auf der Plenarsitzung des VTB-Investitionsforums „Russland ruft!“ selbstsicher und mit ernster Mine an: „Russland hat nicht die Absicht, mit europäischen Ländern Krieg zu führen, aber wenn Europa einen Krieg beginnt, ist Russland sofort bereit. Wenn Europa plötzlich einen Krieg gegen uns beginnt, denke ich, dass es sehr schnell gehen wird. Das ist nicht die Ukraine. Gegenüber der Ukraine gehen wir chirurgisch und vorsichtig vor.“
Wenn Europa einen Krieg beginnt, fügte er gleich hinzu, „gibt es niemanden mehr, mit dem man verhandeln kann“.
Was passiert nun, wenn letztendlich konvergierend zwei Dinge zusammentreffen: zum einen die Intensivierung der Eskalationsdynamik in Richtung einer weiteren Verschärfung des Ukrainekrieges und zum anderen die Steigerung der Mittel der einsetzbaren Waffenpotentiale.
Anders gefragt: Was geschieht bei einer Verhärtung und Totalisierung der europäischen Anti-Russlandpolitik? Mit der Frage nach einer „Totalisierung der Politik“ (Dieter Senghaas) oder, in Carl Schmitts Sprache übersetzt, nach einer Ontologisierung des „Politischen“ hat sich bereits der preußische Generalmajor und Kriegstheoretiker, Carl von Clausewitz (1780-1831), in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt.
„Je mehr die Politik“, schreibt Clausewitz, „von großartigem, das Ganze und das Dasein umfassendem Interesse ausgeht, je mehr die Frage gegenseitig auf Sein und Nichtsein gestellt ist, umso mehr fällt Politik und Feindschaft zusammen, umso mehr geht jene in dieser auf, umso einfacher wird der Krieg, umso mehr geht er aus dem bloßen Begriff der Gewalt und Vernichtung hervor, umso mehr entspricht er allen Forderungen, die man aus diesen Begriffen logisch entwickeln kann, umso mehr Zusammenhang einer Notwendigkeit haben alle seine Teile. Ein solcher Krieg sieht ganz unpolitisch aus und darum hat man ihn für den Normalkrieg gehalten. Aber offenbar fehlt das politische Prinzip hier ebenso wenig, als bei anderen Kriegen, nur fällt es mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung ganz zusammen und verschwindet unserem Auge.“6
Es ist geradezu unheimlich bei der zitierten Passage eine Geistesverwandtschaft zwischen Clausewitz´ „Totalisierung der Politik“ und Carl Schmitts „Theorie des Politischen“ festzustellen. Der Zusammenfall von Politik und Feindschaft ist nach Clausewitz „das politische Prinzip“, das „mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung (zusammenfällt)“ und dasjenige, was Schmitt hundert Jahre später die „seinsmäßige Behauptung der eigenen Existenzform“ des „Politischen“ nennen wird.
„Das Politische“ definiert sich nach Schmitt durch den Begriff der Feindschaft. Im Feindschaftsbegriff „liegt das Wesen seiner politischen Existenz“. „Das Politische“ habe keine moralische, ästhetische oder axiologische Eigenschaft. Es orientiert sich nur an der ontologischen bzw. „seinsmäßigen“ Bestimmung der Feindschaft, dergestalt, dass allein schon die bloße Existenz des geopolitischen Rivalen bzw. des „politischen Feindes“ eine akute Bedrohung des „Politischen“ darstellt.7
Schmitts Begriff der Feindschaft ist ontologisch und nicht ökonomisch, moralisch oder axiologisch fundiert:
„Der politische Feind braucht nicht moralisch böse, er braucht nicht ästhetisch hässlich zu sein; er muss nicht als wirtschaftlicher Konkurrent auftreten, und es kann sogar vorteilhaft scheinen, mit ihm Geschäfte zu machen. Er ist eben der andere, der Fremde, und es genügt zu seinem Wesen, dass er in einem besonders intensiven Sinne existenziell etwas anderes und Fremdes ist, sodass im extremen Fall Konflikte mit ihm möglich sind, die weder durch eine im Voraus getroffene generelle Normierung, noch durch den Spruch eines ‚unbeteiligten‘ und daher ‚unparteiischen‘ Dritten entschieden werden können.“8
Das ist auch die Quintessenz dessen, was Clausewitz mit seinem „politischen Prinzip“, das „mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung (zusammenfällt)“, zum Ausdruck bringen will, und was die EU-Russlandpolitik heute ausmacht.
Schmitts ontologisch fundierter Begriff der Feindschaft liegt der deutschen und europäischen Russlandpolitik zugrunde, die in Russland einen existenziellen, die „westliche Zivilisation“ bedrohenden „absoluten Feind“ sieht, der die ökonomische und axiologische Weltmachtstellung des „Westens“ auszuhebeln droht. Mit einem solchen Feind verhandelt man nicht, sondern führt einen gnadenlosen geopolitischen, geoökonomischen und axiologischen Machtkampf, um ihm „eine strategische Niederlage“ zuzufügen.
Diese „Ontologisierung“ bzw. „Totalisierung der Politik“ bei gleichzeitiger „Totalisierung“ der Gewaltmittel ist ein gefährliches und explosives Gemisch, das Europa erneut in einen „totalen Krieg“ stürzen kann. „Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?“, brüllte Goebbels 1943 in die Menge. Und heute fragt unsereiner: Wollen wir den „totalen Krieg“ wieder?
„Denn allein die Existenz totaler Mittel, also eine exzessive oder exzentrische Vernichtungsdrohung, setzt den totalen Feind voraus, so wie der totale Feind die Suche nach totalen Mitteln legitimiert – eine fatale Dialektik.“9 Und aus diesem Teufelskreis kommen wir nicht heraus, solange Russland der „totale“ bzw. „absolute Feind“ bleibt. Vor diesem Hintergrund hat Frieden (noch lange) keine Zukunft!
Anmerkungen
- Urban, G., Gespräche mit Zeitgenossen. Acht Dispute über Geschichte und Politik. Basel 1982, 265.
- Silnizki, M., Russland und der „hybride Krieg“. Eine begriffsgeschichtliche Skizze. 15. September 2026, www.ontopraxiologie.de.
- Näheres dazu Silnizki, M., Fluch oder Segen? Zur Diskussion über die NATO-Osterweiterung, 26. April 2022, www.ontopraxiologie.de.
- Russland und die NATO. Thesen des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik der Russischen Föderation, in: Pradetto, A. (Hrsg.), Ostmitteleuropa, Russland und die Osterweiterung der NATO. Perzeptionen und Strategien im Spannungsfeld nationaler und europäischer Sicherheit. Darmstadt 1997, 161-177 (166).
- Vgl. Silnizki, M., George F. Kennan und die US-Russlandpolitik der 1990er-Jahre. Stellungnahme zuCostigliolas „Kennan’s Warning on Ukraine“, 7. Februar 2023, www.ontopraxiologie.de.
- von Clausewitz, C., Vom Kriege. Bonn 171966, 1082. Zitiert nach Dieter Senghaas, Weltordnung in einer zerklüfteten Welt. Hat Frieden Zukunft? Berlin 2012, 90 f.
- Zitiert nach Silnizki, M., Carl Schmitt und „der Begriff des Politischen“. Im Spiegel der geopolitischen Gegenwart, 3. November 2024, www.ontopraxiologie.de.
- Schmitt, C., Der Begriff des Politischen. Berlin 1932, 27.
- Senghaas (wie Anm. 6), 92.


„Der Ukrainekrieg hat den „Westen“ (insbesondere die EU-Europäer) genauso, wie in den Jahren 2008 und 2014, kalt erwischt.“
Der Ukrainekrieg hat den Westen nicht „kalt erwischt“. Ich fürchte, da haben in den USA bei einigen Versammlungen die Sektkorken geknallt als Putin den Kriegseintritt bekannt gab.
„Kalt erwischt“ wurde der Westen von seinen Fehlkalkulationen bezüglich des russischen Ruins. Man hat sich einfach verrechnet und zeigt auch heute, dass man nicht rechnen kann. Krieg und Krankenpflege gehören zusammen, sie sind zwei Seiten einer Medaille. Wer den Rüstungsetat erhöht und den Gesundheitsetat schrumpft und gleichzeitig einen Krieg erwartet, zeigt, dass er keine Ahnung hat.
Auch der Georgienkrieg hat nicht überrascht, es waren westliche Militärberater vor Ort.
Der Krawattenesser war später dann wohl Berater in der Ukraine.
Es wurde gezündelt was das Zeug hält, und nein, das ist nicht in unserem Interesse, auch nicht in irgend einer abstrakten Form die der Plebs nicht begreift.
Die Verantwortlichen gehören meiner Ansicht nach in der Breite nach Stammheim oder DenHaag, und ob sie sich dann eine Zelle mit Putin teilen ist für mich schon fast nebensächlich.
Insgesamt muss ich sagen dass das Magazin hier extrem schwächelt, es gibt kaum Artikel die die Dinge sachlich und historisch korrekt benennen, statt dessen ein beständiges Herumlavieren zwischen den Stühlen.
Mit Motto bzw Namen der Postille hat das wenig zu tun. Nicht Fisch nicht Fleisch, und dennoch nicht vegan der Brei.
Umso unverständlicher als der Chefredakteur in seiner früheren Position durchaus Zugang zu solchen Informationen hatte und sie auch verbreitete.
Man kann nur raten was die Gründe dafür sind.
Aber es gibt auch gute Nachrichten, beim sog. ‚Westfälischem Friedenspreis‘ wurden wohl Merz und due anderen mutmasslichen Verbrecher mit ‚Mörder‘ Rufen bedacht. Natürlich erfährt man in der Propaganda nichts davon.
…oder daß er trotz aller Angstpropaganda nicht an den Krieg glaubt – weil man den Gegner im Widerspruch zur eigenen Behauptung, für rational und vernünftig genug hält, keinen Krieg zu beginnen.
Man kann auch Rüstung betreiben, um Geld unter die „richtigen „Leute zu bringen. Nicht um damit Krieg zu beginnen.
Nehmen wir nur die Preise für Granaten und Raketen! Eine NATO-Granate kostete bis 2022 rund 2000 Dollar (eine russische 500). Mittlerweile kostet dieselbe NATO-Granate 8.000 Dollar – die russische immer noch 500.
Oder Patriot-Raketen! Die kosteten mal 2 Mio pro Stück. Was Irrsinn genug ist, wenn man bedenkt, daß pro Ziel üblicherweise zwei abgefeuert werden. Inzwischen sind wir bei 5 Mio….
⚠️ Man kann es nicht oft genug wiederholen, obwohl man auch mit einer Schrankwand oder einem 🪑 Stuhl reden könnte und dies fast keinen Unterschied machen würde.
Wir leben in Deutschland seit 1949 in einer Demokratie. Die Mehrheit der Bevölkerung hat es in der Hand. Die Mehrheit hätte bei der letzten Bundestagswahl 2025 auch Parteien wählen können, die klip und klar für Frieden stehen und das bedeutet nicht, dass man die Bundeswehr abschaffen muss.
Aber die Mehrheit hat die „kriegstüchtigen“ Militaristen ⚔️ 💣 💥 🔫 🪖 🔥 🩸 💀 der CDU/CSU, der SPD, der Grünen und der FDP gewählt und bei der neoliberalen AfD weiß man nicht, in welche Richtung sie tendiert: Frieden oder Krieg? Da gibt es solche und andere. Wenn Frau Weidel von der AfD mit Elon Musk kuschelt, dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass sie dem Krieg näher steht als dem Frieden. Man kann vieles über den US-Billionär Elon Musk sagen, aber ein Mann des Friedens, der Völkerverständigung und der sozialen Gerechtigkeit ist er sicherlich nicht.
Friedrich Merz wurde, wenn auch nicht im 1. Wahlgang, 2025 ganz legal mit 325 von 618 abgegebenen Stimmen und damit von der Mehrheit des Deutschen Bundestages zum Kanzler gewählt.
Es klingt zynisch und brutal und das ist es zweifelsohne auch: Wenn die Mehrheit in Deutschland Krieg haben will, dann wird sie ihn auch bekommen. Aber es sollte sich jeder, der eine dieser Kriegsparteien gewählt hat bzw. wählt, hinterher nicht darüber beklagen, wenn es kracht und knallt, viel Blut und Tränen fließen werden, falls er es überleben wird, und Deutschland wie 1945 wieder in Schutt und Asche liegt, falls bei einem Nuklearkrieg noch etwas bleibt, das sich lohnt aufzuräumen.
Were at the best place around,
But some stupid with a flare gun,
Burned the place to the ground.
Smoke on the water and fire in the sky.
Smoke on the water and fire in the sky.
(Deep Purple, aus dem Album: „Machine Head“, 1972)
Die anaytische, philosophisch-intellektuelle Herangehensweise des Autors imponiert mir immer wieder auf’s neue – Vielen Dank!
Merz hatte übrigens unlängst und gezwungener massen Kontakt mit einer Person ausserhalb der deutschen Moral- und Qualtätsblase: dem kasachischen Präsidenten Toqajew. Aber das ficht sein Narrativ offenbar genausowenig an, wie die eindringlichen Briefe von Jeffrey Sachs an ihn:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=156972
Will der Autor damit darlegen, dass es Feindschaft und Kriege um ihrer selbst willen gibt, nicht aus konkreten und nachvollziehbaren, wenn möglicherweise auch nicht akzeptierten Interessen heraus? Ich stehe auf dem Schlauch.
In Bezug auf Kant habe ich stets angenommen, dass er für die Verhinderung von Kriegen auf ein allgemein akzeptiertes Recht baute. Und auf doch sehr vernünftig erscheinende, eskalationsreduzierende Maßnahmen (Verzicht auf ständige Armeen, Nichteinmischungsgebot, keine Staatsverschuldung für Kriege, wenn Krieg dann „fair“, keine unehrenhaften Friedensverträge u.ä.).
Da der Autor seine Titelfrage nicht beantwortet, will ich das mal tun:
Ja, nach dem Krieg hat der Frieden Zukunft. Aber bis dahin sieht es wohl schlecht aus.
So lange wir dem Kapitalismus frönen, (das ist die Wirtschaftsform, bei der ständig exponentiell das Kapital bei ein paar Wenigen akkumuliert wird), wird es sicher keinen Frieden geben.