Hat Frieden Zukunft?

Eurofighter am Tag der Bundeswehr 2026. Bild: Ralf Hüsges/CC BY-4.0

Vom „Naturzustand“ zur „Totalisierung der Politik“.

  „Dass die Dekadenz unserer Zivilisation mit dem Infantilismus unserer politischen Kultur zusammentrifft – hat das nicht etwas unheimlich Sinnfälliges an sich?“ – George Urban1     

  1. Europas „Naturzustand“ und die Nato-Expansionspolitik

    Im Jahr 1795 veröffentlichte Immanuel Kant seine berühmte Schrift Zum ewigen Frieden. Der Friedenszustand unter Menschen, schreibt er, sei kein Naturzustand. Dieser bestünde vielmehr im Krieg. Zwar besteht der Naturzustand unter den Menschen nicht notwendigerweise im Ausbruch von Kriegshandlungen, wohl aber in der permanenten Bedrohung durch dieselben.

Vor diesem Hintergrund müsse der Friedenszustand unter Menschen erst einmal gestiftet werden. Das ist die Quintessenz der Kantischen Friedensschrift. Frieden fällt nicht in den Schoß; er muss vielmehr erkämpft und errungen werden.

Folgt man Kants Friedensverständnis, so befinden wir uns heute in unserem Verhältnis zu Russland im Naturzustand und nicht im Zustand des sog. „hybriden Krieges“2, in dem „der Mensch dem Menschen ein Wolf ist“ (homo homini lupus est).

„Denn Krieg“ besteht auch laut Thomas Hobbes „nicht nur in Schlachten oder Kampfhandlungen, sondern in einem Zustand, in dem der Wille zum Kampf genügend bekannt ist“ (Leviathan, Kap. 13). Um diesen Naturzustand in Europa zu überwinden, bedarf es einer beherzten und gewollten Friedensstiftung. Aber genau dieser Wille zum Frieden und zum Kampf um den Frieden fehlt in Europa.

Statt Friedensstiftung haben wir eine nicht enden wollende Eskalationsdynamik, statt Friedenspolitik Drohpolitik, statt Mäßigung gezielt kalkulierte Provokationen. Dass der Wille zum Krieg und nicht zum Frieden die Eskalationsdynamik entfesselt und dadurch unkalkulierbar macht, versteht sich wohl von selbst.

Dass die europäischen Gesellschaften, die seit achtzig Jahren im Frieden leben und seit drei Generationen den Krieg zum Glück hautnah (noch) nicht erlebt haben, weder Eskalation noch Krieg wollen, das führt dazu, dass die EU-europäische Kriegspartei alles unternimmt, um die Kriegsstimmung aufzuheizen und Angst vor und Hass gegen Russland zu schüren.

Dass die von interessierten Kreisen gezielt geschürte Kriegshysterie in Europa zu noch mehr Eskalationsdynamik und folglich zu einer akuten Kriegsgefahr führen kann und Europa in einen Zustand versetzt, in dem der gegenwärtige Naturzustand aus dem Ruder laufen und in Kampfhandlungen umschlagen kann, versteht sich ebenfalls von selbst.

Damit wird aber einem potenziellen Frieden in Europa endgültig der Garaus gemacht. Offenbar möchte die EU-Kriegspartei einen permanenten Naturzustand in Europa, den sie als „Friedenszustand“ verklärt. Denn der „wahre“ Friedenszustand in Europa ist ihr zufolge nur dann gegeben, wenn sie und nur sie die Spielregeln der europäischen Sicherheitsarchitektur bestimmt – und das bedeutet, dass die Nato-Allianz weiterhin ungebremst und ungestört ihre Expansionspolitik gen Osten fortsetzt. Das ist aber ein Naturzustand in Permanenz.

Die Tatsache, dass die Nato-Expansionspolitik ursächlich für den Krieg in der Ukraine verantwortlich ist, lehnt die Kriegspartei kategorisch ab und verweist vielmehr auf Putins „Neoimperialismus“, der die Wiederherstellung des Sowjetimperiums anstrebt. Nichts hat sie verstanden und will auch nicht verstehen, dass wir uns bereits seit dem Untergang des Sowjetimperiums in einem Naturzustand befinden, seitdem nämlich Paul D. Wolfowitz 1992 sein aufsehenerregendes Strategiepapier „Defense Planning Guidance“ in der „New York Times“ veröffentlicht hat.

Die unter der Leitung von Wolfowitz zustande gekommenen, der Zeitung zugespielten und nicht für die Öffentlichkeit bestimmten US-amerikanischen geostrategischen Überlegungen für die Zeit nach dem „Kalten Krieg“ sorgten weltweit für Aufsehen. Die konzipierte Präventivstrategie der nunmehr zum weltweiten Hegemonen aufgestiegenen US-Supermacht setzte zum Ziel die Nato-Expansionspolitik voraus.3

Denn es war im Interesse der US-Geostrategie alles zu tun, damit Russland, sollte es die Krise der 1990er-Jahre überwunden haben, „nicht in der Lage wäre, seinen politischen Einfluss in Europa entsprechend auszubauen.“4

Das postsowjetische Russland versuchte seinerseits seit der Mitte der 1990er-Jahre vergeblich zunächst friedlich5, dann aber seit 2008 zunehmend mit militärischer Gewalt, den Expansionswahn der US-Geostrategen und ihrer europäischen Claqueure auszubremsen.

Wir schreiben das Jahr 2008. Es findet ein Krieg zwischen Georgien und Russland statt. „Krieg bringt Dinge ans Licht, die sonst verborgen bleiben“, sinnierte der Historiker, Michael Stürmer (geb. 1938), 2008 über den „kleinen Krieg … Georgien gegen Russland.“ „Russland“ hat – schreibt er weiter – „eine rote Linie gezogen und verlangt Respekt.“ In der „Nato-Mitgliedschaft … für die Ukraine oder Georgien“ sehen die „Herrscher Russlands …, so im Herbst 2008 wörtlich, die ‚existenzielle Bedrohung‘, die einen Krieg nach sich ziehen kann. Vielleicht ist das nur Warnung, vielleicht nur Bluff. Doch vieles spricht dafür, dass die Russen meinen, was sie sagen. Der Westen, der seit 1990 so viele rote Linien missachtete, wird gut beraten sein, noch einmal nachzudenken.“6

   Wir schreiben das Jahr 2022. Vierzehn Jahre danach! Es tobt ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Der Ukrainekrieg hat den „Westen“ (insbesondere die EU-Europäer) genauso, wie in den Jahren 2008 und 2014, kalt erwischt. Der „Westen“ ist dem Rat von Michael Stürmer (und nicht nur seinen) 2008 nicht gefolgt, Russlands rote Linien nicht zu missachten. Der „Westen“ hat Russlands Warnungen vierzehn Jahre lang aus Hochmut komplett ignoriert, seine Drohungen als Bluff belächelt und alle roten Linien aus Machtarroganz missachtet.

Wir schreiben das Jahr 2026. Putin und Lawrow warnen die EU-Europäer nachdrücklich davor, sich in Acht zu nehmen, alle Provokationen zu unterlassen und nicht daran zu denken, Russland militärisch herauszufordern. Zuletzt hat Lawrow, bei der abschließenden Pressekonferenz nach seiner Rede in der UN-Generalversammlung in New York am 26. September 2026 erklärt, dass er die Gefahr einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ in den Kriegsvorbereitungen der EU sieht.

„Europa bereitet sich auf einen Krieg mit uns vor. Sie verkünden jeden Tag, dass die Europäer spätestens bis 2030 kriegsbereit sein sollten. Das könnte sich als selbsterfüllende Prophezeiung erweisen, denn sie investieren Unsummen in die Waffenproduktion. Irgendwann wird sich wohl ein Abenteurer (und davon gibt es derzeit viele unter den europäischen Eliten) fragen: ‚Wir haben so viel angehäuft, was sollen wir damit anfangen‘?“, sagte Lawrow nachdenklich.

Bereits am 16. September 2026 warnte Lawrow: „Wir haben wiederholt erklärt, dass wir keinerlei Absicht haben, Europa anzugreifen. Der Präsident hat sich kürzlich ausführlich zu diesem Thema geäußert und betont, dass wir daran kein Interesse haben. Sollte Europa, das täglich über Kriegsvorbereitungen gegen Russland spricht, Russland angreifen, wird es ein völlig anderer Krieg sein, und er wird sehr kurz sein.“

Wie die Erfahrung der vergangenen dreißig Jahre zeigt, wird auch diese Warnung Lawrows von den EU-Europäern aus Selbstüberschätzung und Hochmut komplett ignoriert. Hoffentlich wird es für sie kein böses Erwachen geben.

2. „Eine Totalisierung der Politik“

    In Anbetracht der skizzierten geo- und sicherheitspolitischen Großwetterlage ist es fraglich, ob Frieden Zukunft hat, es sei denn nach einem erneuten verheerenden Krieg zwischen Russland und Europa, falls von Europa dann überhaupt noch etwas übrigbleibt.

Am 2. Dezember 2025 merkte Putin auf der Plenarsitzung des VTB-Investitionsforums „Russland ruft!“ selbstsicher und mit ernster Mine an: „Russland hat nicht die Absicht, mit europäischen Ländern Krieg zu führen, aber wenn Europa einen Krieg beginnt, ist Russland sofort bereit. Wenn Europa plötzlich einen Krieg gegen uns beginnt, denke ich, dass es sehr schnell gehen wird. Das ist nicht die Ukraine. Gegenüber der Ukraine gehen wir chirurgisch und vorsichtig vor.“

Wenn Europa einen Krieg beginnt, fügte er gleich hinzu, „gibt es niemanden mehr, mit dem man verhandeln kann“.

Was passiert nun, wenn letztendlich konvergierend zwei Dinge zusammentreffen: zum einen die Intensivierung der Eskalationsdynamik in Richtung einer weiteren Verschärfung des Ukrainekrieges und zum anderen die Steigerung der Mittel der einsetzbaren Waffenpotentiale.

Anders gefragt: Was geschieht bei einer Verhärtung und Totalisierung der europäischen Anti-Russlandpolitik? Mit der Frage nach einer „Totalisierung der Politik“ (Dieter Senghaas) oder, in Carl Schmitts Sprache übersetzt, nach einer Ontologisierung des „Politischen“ hat sich bereits der preußische Generalmajor und Kriegstheoretiker, Carl von Clausewitz (1780-1831), in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt.

„Je mehr die Politik“, schreibt Clausewitz, „von großartigem, das Ganze und das Dasein umfassendem Interesse ausgeht, je mehr die Frage gegenseitig auf Sein und Nichtsein gestellt ist, umso mehr fällt Politik und Feindschaft zusammen, umso mehr geht jene in dieser auf, umso einfacher wird der Krieg, umso mehr geht er aus dem bloßen Begriff der Gewalt und Vernichtung hervor, umso mehr entspricht er allen Forderungen, die man aus diesen Begriffen logisch entwickeln kann, umso mehr Zusammenhang einer Notwendigkeit haben alle seine Teile. Ein solcher Krieg sieht ganz unpolitisch aus und darum hat man ihn für den Normalkrieg gehalten. Aber offenbar fehlt das politische Prinzip hier ebenso wenig, als bei anderen Kriegen, nur fällt es mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung ganz zusammen und verschwindet unserem Auge.“6

Es ist geradezu unheimlich bei der zitierten Passage eine Geistesverwandtschaft zwischen Clausewitz´ „Totalisierung der Politik“ und Carl Schmitts „Theorie des Politischen“ festzustellen. Der Zusammenfall von Politik und Feindschaft ist nach Clausewitz „das politische Prinzip“, das „mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung (zusammenfällt)“ und dasjenige, was Schmitt hundert Jahre später die „seinsmäßige Behauptung der eigenen Existenzform“ des „Politischen“ nennen wird.

„Das Politische“ definiert sich nach Schmitt durch den Begriff der Feindschaft. Im Feindschaftsbegriff „liegt das Wesen seiner politischen Existenz“. „Das Politische“ habe keine moralische, ästhetische oder axiologische Eigenschaft. Es orientiert sich nur an der ontologischen bzw. „seinsmäßigen“ Bestimmung der Feindschaft, dergestalt, dass allein schon die bloße Existenz des geopolitischen Rivalen bzw. des „politischen Feindes“ eine akute Bedrohung des „Politischen“ darstellt.7

Schmitts Begriff der Feindschaft ist ontologisch und nicht ökonomisch, moralisch oder axiologisch fundiert:

„Der politische Feind braucht nicht moralisch böse, er braucht nicht ästhetisch hässlich zu sein; er muss nicht als wirtschaftlicher Konkurrent auftreten, und es kann sogar vorteilhaft scheinen, mit ihm Geschäfte zu machen. Er ist eben der andere, der Fremde, und es genügt zu seinem Wesen, dass er in einem besonders intensiven Sinne existenziell etwas anderes und Fremdes ist, sodass im extremen Fall Konflikte mit ihm möglich sind, die weder durch eine im Voraus getroffene generelle Normierung, noch durch den Spruch eines ‚unbeteiligten‘ und daher ‚unparteiischen‘ Dritten entschieden werden können.“8   

Das ist auch die Quintessenz dessen, was Clausewitz mit seinem „politischen Prinzip“, das „mit dem Begriff der Gewalt und Vernichtung (zusammenfällt)“, zum Ausdruck bringen will, und was die EU-Russlandpolitik heute ausmacht.

Schmitts ontologisch fundierter Begriff der Feindschaft liegt der deutschen und europäischen Russlandpolitik zugrunde, die in Russland einen existenziellen, die „westliche Zivilisation“ bedrohenden „absoluten Feind“ sieht, der die ökonomische und axiologische Weltmachtstellung des „Westens“ auszuhebeln droht. Mit einem solchen Feind verhandelt man nicht, sondern führt einen gnadenlosen geopolitischen, geoökonomischen und axiologischen Machtkampf, um ihm „eine strategische Niederlage“ zuzufügen.

Diese „Ontologisierung“ bzw. „Totalisierung der Politik“ bei gleichzeitiger „Totalisierung“ der Gewaltmittel ist ein gefährliches und explosives Gemisch, das Europa erneut in einen „totalen Krieg“ stürzen kann. „Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?“, brüllte Goebbels 1943 in die Menge. Und heute fragt unsereiner: Wollen wir den „totalen Krieg“ wieder?

„Denn allein die Existenz totaler Mittel, also eine exzessive oder exzentrische Vernichtungsdrohung, setzt den totalen Feind voraus, so wie der totale Feind die Suche nach totalen Mitteln legitimiert – eine fatale Dialektik.“9 Und aus diesem Teufelskreis kommen wir nicht heraus, solange Russland der „totale“ bzw. „absolute Feind“ bleibt. Vor diesem Hintergrund hat Frieden (noch lange) keine Zukunft!

 

Anmerkungen

  1. Urban, G., Gespräche mit Zeitgenossen. Acht Dispute über Geschichte und Politik. Basel 1982, 265.
  2. Silnizki, M., Russland und der „hybride Krieg“. Eine begriffsgeschichtliche Skizze. 15. September 2026, www.ontopraxiologie.de.
  3. Näheres dazu Silnizki, M., Fluch oder Segen? Zur Diskussion über die NATO-Osterweiterung, 26. April 2022, www.ontopraxiologie.de.
  1. Russland und die NATO. Thesen des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik der Russischen Föderation, in: Pradetto, A. (Hrsg.), Ostmitteleuropa, Russland und die Osterweiterung der NATO. Perzeptionen und Strategien im Spannungsfeld nationaler und europäischer Sicherheit. Darmstadt 1997, 161-177 (166).
  1. Vgl. Silnizki, M., George F. Kennan und die US-Russlandpolitik der 1990er-Jahre. Stellungnahme zuCostigliolas „Kennan’s Warning on Ukraine“, 7. Februar 2023, www.ontopraxiologie.de.
  1. von Clausewitz, C., Vom Kriege. Bonn 171966, 1082. Zitiert nach Dieter Senghaas, Weltordnung in einer zerklüfteten Welt. Hat Frieden Zukunft? Berlin 2012, 90 f.
  1. Zitiert nach Silnizki, M., Carl Schmitt und „der Begriff des Politischen“. Im Spiegel der geopolitischen Gegenwart, 3. November 2024, www.ontopraxiologie.de.
  1. Schmitt, C., Der Begriff des Politischen. Berlin 1932, 27.
  2. Senghaas (wie Anm. 6), 92.

 

Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
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32 Kommentare

  1. „Der Ukrainekrieg hat den „Westen“ (insbesondere die EU-Europäer) genauso, wie in den Jahren 2008 und 2014, kalt erwischt.“

    Der Ukrainekrieg hat den Westen nicht „kalt erwischt“. Ich fürchte, da haben in den USA bei einigen Versammlungen die Sektkorken geknallt als Putin den Kriegseintritt bekannt gab.
    „Kalt erwischt“ wurde der Westen von seinen Fehlkalkulationen bezüglich des russischen Ruins. Man hat sich einfach verrechnet und zeigt auch heute, dass man nicht rechnen kann. Krieg und Krankenpflege gehören zusammen, sie sind zwei Seiten einer Medaille. Wer den Rüstungsetat erhöht und den Gesundheitsetat schrumpft und gleichzeitig einen Krieg erwartet, zeigt, dass er keine Ahnung hat.

    1. Auch der Georgienkrieg hat nicht überrascht, es waren westliche Militärberater vor Ort.
      Der Krawattenesser war später dann wohl Berater in der Ukraine.

      Es wurde gezündelt was das Zeug hält, und nein, das ist nicht in unserem Interesse, auch nicht in irgend einer abstrakten Form die der Plebs nicht begreift.

      Die Verantwortlichen gehören meiner Ansicht nach in der Breite nach Stammheim oder DenHaag, und ob sie sich dann eine Zelle mit Putin teilen ist für mich schon fast nebensächlich.

      Insgesamt muss ich sagen dass das Magazin hier extrem schwächelt, es gibt kaum Artikel die die Dinge sachlich und historisch korrekt benennen, statt dessen ein beständiges Herumlavieren zwischen den Stühlen.
      Mit Motto bzw Namen der Postille hat das wenig zu tun. Nicht Fisch nicht Fleisch, und dennoch nicht vegan der Brei.
      Umso unverständlicher als der Chefredakteur in seiner früheren Position durchaus Zugang zu solchen Informationen hatte und sie auch verbreitete.
      Man kann nur raten was die Gründe dafür sind.

      Aber es gibt auch gute Nachrichten, beim sog. ‚Westfälischem Friedenspreis‘ wurden wohl Merz und due anderen mutmasslichen Verbrecher mit ‚Mörder‘ Rufen bedacht. Natürlich erfährt man in der Propaganda nichts davon.

    2. …oder daß er trotz aller Angstpropaganda nicht an den Krieg glaubt – weil man den Gegner im Widerspruch zur eigenen Behauptung, für rational und vernünftig genug hält, keinen Krieg zu beginnen.

      Man kann auch Rüstung betreiben, um Geld unter die „richtigen „Leute zu bringen. Nicht um damit Krieg zu beginnen.

      Nehmen wir nur die Preise für Granaten und Raketen! Eine NATO-Granate kostete bis 2022 rund 2000 Dollar (eine russische 500). Mittlerweile kostet dieselbe NATO-Granate 8.000 Dollar – die russische immer noch 500.

      Oder Patriot-Raketen! Die kosteten mal 2 Mio pro Stück. Was Irrsinn genug ist, wenn man bedenkt, daß pro Ziel üblicherweise zwei abgefeuert werden. Inzwischen sind wir bei 5 Mio….

  2. ⚠️ Man kann es nicht oft genug wiederholen, obwohl man auch mit einer Schrankwand oder einem 🪑 Stuhl reden könnte und dies fast keinen Unterschied machen würde.

    Wir leben in Deutschland seit 1949 in einer Demokratie. Die Mehrheit der Bevölkerung hat es in der Hand. Die Mehrheit hätte bei der letzten Bundestagswahl 2025 auch Parteien wählen können, die klip und klar für Frieden stehen und das bedeutet nicht, dass man die Bundeswehr abschaffen muss.

    Aber die Mehrheit hat die „kriegstüchtigen“ Militaristen ⚔️ 💣 💥 🔫 🪖 🔥 🩸 💀 der CDU/CSU, der SPD, der Grünen und der FDP gewählt und bei der neoliberalen AfD weiß man nicht, in welche Richtung sie tendiert: Frieden oder Krieg? Da gibt es solche und andere. Wenn Frau Weidel von der AfD mit Elon Musk kuschelt, dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass sie dem Krieg näher steht als dem Frieden. Man kann vieles über den US-Billionär Elon Musk sagen, aber ein Mann des Friedens, der Völkerverständigung und der sozialen Gerechtigkeit ist er sicherlich nicht.

    Friedrich Merz wurde, wenn auch nicht im 1. Wahlgang, 2025 ganz legal mit 325 von 618 abgegebenen Stimmen und damit von der Mehrheit des Deutschen Bundestages zum Kanzler gewählt.

    Es klingt zynisch und brutal und das ist es zweifelsohne auch: Wenn die Mehrheit in Deutschland Krieg haben will, dann wird sie ihn auch bekommen. Aber es sollte sich jeder, der eine dieser Kriegsparteien gewählt hat bzw. wählt, hinterher nicht darüber beklagen, wenn es kracht und knallt, viel Blut und Tränen fließen werden, falls er es überleben wird, und Deutschland wie 1945 wieder in Schutt und Asche liegt, falls bei einem Nuklearkrieg noch etwas bleibt, das sich lohnt aufzuräumen.

    Were at the best place around,
    But some stupid with a flare gun,
    Burned the place to the ground.
    Smoke on the water and fire in the sky.
    Smoke on the water and fire in the sky.
    (Deep Purple, aus dem Album: „Machine Head“, 1972)

    1. „Wenn die Mehrheit in Deutschland Krieg haben will, dann wird sie ihn auch bekommen.“

      Tja. Morgen. Eigentlich:

      https://nie-wieder-krieg.org/demo-03-10-26/

      Wenn ich mir so diese inzwischen unsäglichen Russenhasstiraden des deuschen Mainstreams, allen voran der Reichs-Propagandatröte „Deutschlandfunk“ so anhöre, von ARD & ZDF ganz zu schweigen. Ja selbst ein Kultur-(Sic!) Sender im Radio brüllt inzwischen gleichgeschaltet und ungehemmt seinen Russenhas hinaus… Es müsste inzwischen eigentlich der Letzte im Land begriffen haben, worauf das hinausläuft… Tja… Der teutsche Michl oder der „Postbeamte Emil Pelle in seiner Laubenlandparzelle“…

  3. Die anaytische, philosophisch-intellektuelle Herangehensweise des Autors imponiert mir immer wieder auf’s neue – Vielen Dank!

    Merz hatte übrigens unlängst und gezwungener massen Kontakt mit einer Person ausserhalb der deutschen Moral- und Qualtätsblase: dem kasachischen Präsidenten Toqajew. Aber das ficht sein Narrativ offenbar genausowenig an, wie die eindringlichen Briefe von Jeffrey Sachs an ihn:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=156972

    1. Die handeln nach dem Pippi Langstrumpf-Motto „Ich mach mir die Welt, wir sie mir gefällt“. Da ist halt Tokajew ganz schnell ein „Autokrat von Putins Gnaden“ und Sachs ein fehlgeleiteter Verschwörungstheoretiker. Und die kriegsgeile Bubble ist wieder heil. Realitätsverlust führt in den Untergang. Das wäre an und für sich nicht schlecht, leider sind wir mit von der Partie…

      1. Naja, Pippi Langstrumpf (Schweden, EU, NATO seit 2024!!!, vermutlich kriegsgeil) zu zitieren, scheint hier verboten zu sein. Jedenfalls ist entsprechendes Zitat von gestern nicht angekommen, obwohl es so gut zum Artikel und den Kommentaren passen würde.

        Widewidewenne heißt meine Puthenne…

  4. „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Heute sagt eine Minderheit NEIN. Der Mehrheit ist es teils egal, oder sie sind dafür. Schliesslich hat “ der Russe“ ja den Grossvater, der nur Deutschland an der Wolga verteidigt hat, heimtückisch umgebracht. Und schließlich ist dem Michel im Westen ja seit 1945 ununterbrochen ins Hirn gehämmert worden, das „der Russe“ für Alle Untaten der Welt verantwortlich ist. Und als Moralweltmeister, der der Michel nun mal ist, er sagt ja nicht mehr „Neger“ oder gar “ Nigger“, weiss er sicher, das „der Russe“ auch dafür verantwortlich ist, wenn Oma Erna in ihrer Wohnung stürzt und erstonate später gefunden wird…

  5. Will der Autor damit darlegen, dass es Feindschaft und Kriege um ihrer selbst willen gibt, nicht aus konkreten und nachvollziehbaren, wenn möglicherweise auch nicht akzeptierten Interessen heraus? Ich stehe auf dem Schlauch.

    In Bezug auf Kant habe ich stets angenommen, dass er für die Verhinderung von Kriegen auf ein allgemein akzeptiertes Recht baute. Und auf doch sehr vernünftig erscheinende, eskalationsreduzierende Maßnahmen (Verzicht auf ständige Armeen, Nichteinmischungsgebot, keine Staatsverschuldung für Kriege, wenn Krieg dann „fair“, keine unehrenhaften Friedensverträge u.ä.).

    Da der Autor seine Titelfrage nicht beantwortet, will ich das mal tun:

    Ja, nach dem Krieg hat der Frieden Zukunft. Aber bis dahin sieht es wohl schlecht aus.

  6. Die Frage in der Schlagzeile sollte man ausbauen. Wird Frieden jemals wieder eine Chance haben?

    In unseren narzisstischen Gesellschaften natürlich nicht. Narzissten brauchen das Drama, wie das Tageslicht die Sonne.
    Der verbliebene Rest der Urvölker (die das anders sehen könnten) diskutiert hier (im Netz) nicht mal mit.

    Von wem sollte also ein entsprechendes Signal ausgehen?

  7. So lange wir dem Kapitalismus frönen, (das ist die Wirtschaftsform, bei der ständig exponentiell das Kapital bei ein paar Wenigen akkumuliert wird), wird es sicher keinen Frieden geben.

  8. Feindschaft als das eigentliche Wesen alles Politischen. Danke für die erhellenden Worte. Warum ist man nicht längst selbst auf diese Formel gekommen.

  9. krankhaftes Verhalten und der Versuch Macht über Geschehnisse zu haben ,lassen das Verhalten immer wieder zu ,und die Niederlage zweier Weltkriege mit all den Verlusten zwingen Deutschland dazu Krieg zu führen ,um verlorene Macht wieder zu erlangen.Der Russe ist der Feind er wird gehasst und das so lange bis Deutschland kollabiert ,um mit Hilfe von Selbsterkenntnis Bewusstsein erlangt,.Der Feind steht immer im eigenen Land. Um den eigenen Lebensstandard zu erhöhen ,werden Leichen bevorzugt und die Ukraine und Russland sind da gut mit Bodenschätzen bestückt unsere Industriellen werden bald zuschlagen.Frieden hat Zukunft wenn
    eine multipolare Weltordnung herrscht , bei völliger Gleichberechtigung aller.

  10. Zweiter Versuch wartet auf Moderation. Aber schön, dass sich hier im Großen und im Ganzen alle einig sind. Dann hat der Frieden eine Zukunft. Jedenfalls bei Overton.

    1. Ja, in der Tat: „Dieser Artikel ist deprimierend“. Aber: Was kann man machen? Wir leben nicht in einer heilen Welt! Und die Realität ist, wie sie ist, ob wir das wollen oder nicht!

  11. So lange die Kriegstreiber in Politik und Medien ihre Profite aus Beteiligungen an Rüstungsfirmen beziehen, wird sich da nicht viel ändern.
    Die Rüstung, bzw. der MIK ist in den USA allgegenwärtig und die gesamte Wirtschaft der USA ist mehr oder weniger mit dem MIK vernetzt. Wie schon Thomas Friedman vor einigen Jahren treffend anmerkte – „The hidden fist of the market“. Die US Armee sichert der US-WIrtschaft ihre weltweiten Märkte ab, sichert Handelsrouten, erschließt neue Märkte, mitunter mit Krieg und Zerstörung, oder doch zumindest mit der „hidden fist“ – also unverblümter Drohung und Erpressung anderer Regierungen.
    Genau diesen Mindset bekommen unsere transatlantischen Marionetten in der EU schon in jungen Jahren in ihren US-finanzierten Ausbildungsprogrammen eingepflanzt und sie wissen gar keine andere Möglichkeit, z.B. dass man mit Kooperation statt Konfrontation viel weiter kommen könnte – nur dann nicht mit hohen Profiten des MIK.
    Auch Putin hat den Europäern mehrfach eine gute wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit während der 2000er Jahre angeboten, nur wurde die von Washington und ihren transatlantischen Marionetten abgelehnt.
    Somit war die Konfrontation mit dem Containment Russlands und der überschrittenen roten Linie einer NATO in der Ukraine vorprogrammiert und auch so von Washington und seinen neo-konservativen Falken im MIK geplant.
    Da half auch Putins Werben und die mehrfach hingehaltene Hand gegenüber den Europäern (und im übrigen auch gegenüber der US-Regierung) nichts, denn die Strippenzieher hatten zu Gunsten ihrer Milliardenprofite längst die Weichen der Zukunft gestellt.

    1. Mir sind noch die desinteressiert bis angewidert dreinschauenden Gesichter von Fischer und Schily in Erinnerung während Putins Rede im Bundestag 2001. Das hätte ihnen doch fast in die transatlantisch schon lange köchelnde, braune Suppe gespuckt.

      1. Ich kenne den Videomitschnitt auch mit Fischers angewidert drein blickender Miene.
        Da hatten sich die Transatlantiker entlarvt und diese Offenheit und das Kooperationsangebot Putins, der seine Rede dazu noch größtenteils in deutscher Sprache hielt, war ein Super-GAU für die Russlandhasser.
        Ich erinnere auch an Alfred Herrhausen, der direkt in den Tagen nach dem Mauerfall ebenfalls von einem Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok redete und diesen vorschlug.
        Ebenfalls von einem Schuldenerlass für 3.-Weltländer durch westliche Kreditinstitute – vor allem englische und US-amerikanische. Wir wissen, dass er durch eine ominöse „3. Generation der RAF“ ermordet wurde…..

  12. Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der BRD und der UdSSR, 9. November 1990
    –
    http://www.chronik-der-mauer.de/material/180429/vertrag-ueber-gute-nachbarschaft-partnerschaft-und-zusammenarbeit-zwischen-der-brd-und-der-udssr-9-november-1990
    –
    Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bulletin Nr. 133, 15.11.1990, S.1379-1382.

    Vertrag

    über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

    Die Bundesrepublik Deutschland und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken – IM BEWUSSTSEIN ihrer Verantwortung für die Erhaltung des Friedens in Europa und in der Welt,

    IN DEM WUNSCH, mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen und durch Verständigung und Versöhnung einen gewichtigen Beitrag zur Überwindung der Trennung Europas zu leisten,

    ÜBERZEUGT von der Notwendigkeit, ein neues, durch gemeinsame Werte vereintes Europa aufzubauen und eine dauerhafte und gerechte europäische Friedensordnung einschließlich stabiler Strukturen der Sicherheit zu schaffen, ALLES LESEN !!

  13. Völkerrecht: Ukraine, Krim, Russland – Annexion oder Sezession?
    –
    https://www.wissensmanufaktur.net/krim-zeitfragen/
    –
    von Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider (unserem bekanntesten Staatsrechtler)
    –
    Kurzfassung: Das Selbstbestimmungsrecht der Bürger der Krim kann durch völkerrechtliche Verträge oder die Verfassung der Ukraine nicht aufgehoben werden. 

    Die Krim hatte und hat als autonome Republik jedes Recht, einen eigenen Weg zu gehen und sich von der Ukraine zu separieren. Die Hilfestellung Rußlands beim Sezessionsprozeß der Krim war verhältnismäßig und kein Verstoß gegen das Völkerrecht.

  14. Die Ukraine vor 2022: Französische Journalistin dokumentierte einen Krieg, der im Westen kaum zu sehen war

    https://uncutnews.ch/die-ukraine-vor-2022-franzoesische-journalistin-dokumentierte-einen-krieg-der-im-westen-kaum-zu-sehen-war/

    Ein Dokumentarfilm der französischen Journalistin Anne-Laure Bonnel über den Krieg im Donbass wird derzeit erneut massenhaft in den sozialen Medien geteilt.

    Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2016 – sechs Jahre vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine – und zeigen eine Realität, die in der späteren westlichen Berichterstattung über den Konflikt weitgehend in den Hintergrund rückte.

    Bonnel reiste selbst an die Front im Osten der Ukraine.

    Sie sprach mit Bewohnern, Ärzten, Soldaten und Augenzeugen und dokumentierte die Folgen eines Krieges, der nicht erst am 24. Februar 2022 begann.

    Ein Krieg, der bereits 2014 begann

    Der bewaffnete Konflikt im Donbass begann 2014.

    Nach dem Machtwechsel in Kiew eskalierte die Lage im Osten des Landes. ALLES LESEN !!

    1. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Oder so. Wa?

      Lieber mal die KI fragen:

      „Bei Anne-Laure Bonnel würde ich zwischen dem realen Kern ihrer Aussagen und ihrer Darstellung dieses Kerns unterscheiden. Einige ihrer Ausgangsfakten zum Donbass sind richtig, andere Aussagen sind verkürzt oder irreführend.

      Was an ihrer Darstellung stimmt
      Der Krieg im Donbass begann 2014, also lange vor der russischen Vollinvasion vom Februar 2022.

      In den Jahren 2014–2021 gab es einen bewaffneten Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten bzw. kontrollierten Separatisten in Donezk und Luhansk.

      Dabei wurden auch Zivilisten getötet und zivile Gebiete beschossen. Die ukrainische Seite beging ebenfalls Menschenrechtsverletzungen; der Konflikt lässt sich nicht seriös als eine Geschichte darstellen, in der nur eine Seite Gewalt ausübte.

      Ihre Zahl von „13.000 Toten“ bezog sich auf eine damals verbreitete UN-Schätzung für die Gesamtzahl der Konflikttoten seit 2014. Sie waren aber nicht 13.000 zivile Opfer. Die Zahl umfasste Zivilisten und Kombattanten beider Seiten. Genau diesen Punkt hat die AFP 2022 anhand der UN-Daten herausgearbeitet.

      Das ist wichtig, weil Bonnels Darstellung im öffentlichen Diskurs teilweise den Eindruck erweckte, die rund 13.000 Menschen seien von der ukrainischen Armee getötete Zivilisten gewesen. Das geben die UN-Zahlen so nicht her.

      Problematisch ist vor allem ihr Dokumentarfilm
      Bonnel drehte ihren Film „Donbass“ (2016) auf der von Separatisten kontrollierten Seite. Das allein macht einen Film natürlich nicht falsch. Aber für die journalistische Bewertung ist entscheidend, unter welchen Bedingungen die Recherche stattfand und welche Quellen ausgewählt wurden.

      Der Le Monde-Korrespondent Benoît Vitkine kritisierte beispielsweise, Bonnel sei in den Separatistengebieten von deren Verantwortlichen herumgeführt worden und diese hätten teilweise selbst die Gesprächspartner ausgewählt und Fragen gestellt. Bonnel weist diese Vorwürfe zurück.

      Noch konkreter wurde der ukrainische Faktencheck-Dienst StopFake: Er untersuchte unter anderem die im Film verwendete Darstellung einer Äußerung des damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Nach dessen Rekonstruktion war die Aussage aus dem Zusammenhang gerissen bzw. irreführend übersetzt worden.

      Das ist meines Erachtens ein wesentlich stärkerer Kritikpunkt als einfach zu sagen: „Bonnel ist prorussisch.“ Man kann nämlich konkrete journalistische Methoden überprüfen.

      Der entscheidende Punkt: Perspektive ≠ Beweis
      Bonnel hat tatsächlich etwas dokumentiert, was im westlichen Medienbild zeitweise weniger präsent war: Menschen im Donbass, die unter ukrainischem Beschuss lebten, Russland gegenüber positiv eingestellt waren und sich von Kiew nicht vertreten fühlten.

      Diese Zeugnisse sind nicht wertlos. Sie zeigen, dass es im Donbass reale Unzufriedenheit, Identitätskonflikte und Leid gab.

      Aber daraus folgt nicht automatisch:

      „Die Ukraine führte einen Vernichtungskrieg gegen die eigene Bevölkerung und Russland musste deshalb eingreifen.“

      Das wäre eine zusätzliche politische Interpretation, die durch einzelne Augenzeugenberichte nicht bewiesen wird.

      Und umgekehrt wäre es genauso falsch, aus der Tatsache, dass Russland 2022 die Ukraine überfallen hat, rückwirkend zu schließen, alle ukrainischen Darstellungen der Vorgeschichte seien automatisch wahr.

      Was sagen die Opferzahlen tatsächlich?
      Hier lohnt sich ein Blick auf die UN-Zahlen. Die Größenordnung von etwa 14.000 Toten bis Ende 2021 wurde häufig zitiert, aber sie setzte sich ungefähr zusammen aus:

      etwa 3.400 Zivilisten

      etwa 4.400 ukrainischen Regierungssoldaten

      etwa 6.500 Kämpfern der bewaffneten Gruppen

      Die genaue Schätzung schwankt je nach Stichtag und Methode. Entscheidend ist: Die große Mehrheit der Toten waren keine Zivilisten.

      Das relativiert einen zentralen Eindruck, der durch Bonnels Aussagen entstehen kann.

      Mein Fazit zur Einordnung
      Ich würde Bonnel nicht als zuverlässige Gesamtquelle für die Geschichte des Donbass verwenden. Das heißt aber nicht, dass alles, was sie berichtet, falsch ist.

      Eine faire Einordnung wäre eher:

      Aussage Einordnung
      Im Donbass herrschte seit 2014 Krieg richtig
      Zivilisten im Donbass litten massiv richtig
      Ukrainische Streitkräfte beschossen auch von Separatisten kontrollierte Gebiete richtig
      Es gab ukrainische Menschenrechtsverletzungen richtig
      Rund 13.000–14.000 Menschen starben bis 2021 im Wesentlichen richtig, je nach Stichtag
      Diese 13.000 waren überwiegend Zivilisten falsch
      Die Opfer gingen im Wesentlichen auf ukrainische Angriffe zurück nicht durch die Opferstatistik belegt
      Der Donbass-Krieg erklärt die russische Invasion 2022 politische Interpretation, keine neutrale Tatsachenfeststellung
      Bonnels Film ist eine ausgewogene Darstellung des Donbass angesichts der dokumentierten Kritik an Auswahl, Kontext und Recherchebedingungen fraglich

      Interessant ist dabei, dass die seriöse Kritik an Bonnel nicht darin besteht, dass sie überhaupt über ukrainische Verbrechen oder die Leiden der Donbass-Bevölkerung berichtet. Gerade solche Aspekte muss man selbstverständlich untersuchen. Das Problem liegt vielmehr darin, wenn aus einer einseitig gewonnenen Perspektive eine Gesamterklärung des Konflikts gemacht wird.“

      Und wenn man dazu noch berücksichtigt, dass KI’s zum menschlichen Gegenüber immer nett sein müssen, auch wenn der nur Mist quatscht…(Ich hatte den Krieg Russlands damit nämlich als gerechtfertigt bezeichnet)… Das Wort kann ich leider hier nicht bringen, sonst ist wiedermal der ganze Kommentar für die Tonne erstellt…

  15. Hallo Overton!

    Mein Kommentar der ist so schwer, der hängt!

    Ich sehe den zwar in der „Vorschau“ (zwar nicht seit zwei Stunden, aber doch schon seit einigen Minuten aber der kommt nicht an.

    Könnten Sie den bitte mal aus dem Netz befreien? (Und diesen Kommentar dann selbstverständlich nicht zu den maximal fünf dazuzählen. Weil ich kann ja nichts dafür…)

  16. “Wir schreiben das Jahr 2008. Es findet ein Krieg zwischen Georgien und Russland statt. „Krieg bringt Dinge ans Licht, die sonst verborgen bleiben“, sinnierte der Historiker, Michael Stürmer“ schreibt der Autor.
    Ich habe erhebliche Bedenken, das der Historiker Stürmer, der inzwischen verstorben ist, objektiv und unvoreingenommen in seiner Beurteilung ist. Stürmer war von 1988 bis 1998 Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), einer sehr stark transatlantisch ausgerichteten Stiftung.

    Saakaschwili kam 2003 in der sogenannten „Rosenrevolution“ in Georgien an die Macht. Sie war, wie die „Orangene Revolution“ 2005 in der Ukraine, von Washington gesteuert, um ein pro-amerikanisches Regime an der russischen Grenze zu platzieren.
    Der georgische Präsident Eduard Schewardnadse wurde zum Rücktritt gezwungen und durch eine Gruppe junger georgischer Politiker ersetzt, die eigentlich seine Protegés waren. Saakaschwili gehörte zu dieser Gruppe. Als in Harvard ausgebildeter Jurist präsentierte er sich als geeignet für die Rolle von Washingtons Mann im Kaukasus.
    Während seines Studiums war Saakaschwili auch Teilnehmer eines von der CIA
    finanzierten und gesteuerten Förderprogrammes für politische Führungskräfte.
    Seine Mission bestand darin, die Marktwirtschaft einzuführen und die wichtige Ölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan und die Gaspipeline Baku-Tiflis-Erzerum zu schützen. Wobei der britische BP-Konzern der jeweils gößte Anteilseigner ist.
    Der eigentliche Hintergrund für den Ausbruch des Georgienkrieg liegt auf einer anderen Ebene; in der Absicht einen US-Raketenabwehrschild in Osteuropa zu stationieren. Die USA wollten angeblich mit dem Raketenabwehrschild in Osteuropa mögliche Raketenangriffe aus dem Nahen Osten abwehren, argumentiert Washington. Besonders einer angeblichen Raketengefahr von Seiten des Iran.
    Die USA planten dazu, Elemente ihrer Raketenabwehr in Polen und Tschechien zu stationieren. Die Abschusscontainer in Nordpolen, im Stützpunkt Redzikowo, knapp 300 km von der russischen Grenze entfernt, und in Tschechien, im mittelböhmischen Brdy die dafür notwendigen Radaranlagen. Das führte zu heftigen Protesten der Bevölkerung in Polen als auch in Tschechien. “Wir haben Angst, Ziel eines Angriffes zu werden“ war immer wieder bei den Protestierenden zu hören. Die Ablehnung in in der Bevölkerung lag bei über 70 Prozent.
    Selbst in Deutschland, besonders in Berlin gab es etliche Protestkundgebungen.
    Das musste natürlich geändert werden. Saakaschwili bekam den Befehl aus Washington in Zusammenarbeit mit den in Georgien stationierten 160 US Militärberatern, eine medienwirksame Provokation zu organisieren. Das Ergebnis kennen wir: “Der Fünf-Tage-Krieg“. Nach entsprechender medialer Würdigung war Russland der böse Aggressor und die Zustimmungsrate in der Bevölkerung war erwartungsgemäß gekippt, genau umgekehrt. Weit übere 70 Prozent war jetzt für die Stationierung des Abwehrsystems. Selbst Frau Merkel brachte sich ein. Sie flog persönlich nach Tiflis zu Saakaschwili und trocknete die Tränen über den Verlust der gesamten 36 Kampfflugzeuge Seorgiens im Krieg . Die ARD übertrug sogar Live Merkels tröstenden Worte. Nach der Stippvisite in Tiflis flog Merkel sofort, aber heimlich, still und sehr leise nach Moskau, um im Kreml mit den Füßen aufzustampfen und dem bösen Putin gehörig den Kopf zu waschen. Die Vorstellung war aber eher kurz, weil Putin Frau Merkel sehr deutlich klar gemacht hatte, wer der eigentliche Aggressor war. Ganz kleinlaut und ohne Presseecho war Frau Merkel ganz schnell wieder in Berlin.

  17. „Hat Frieden Zukunft?“ – Was für eine Schlagzeile! Als wäre Frieden eine Mode, Partei oder Firma, die demnächst zum alten Eisen gehörte – und nicht etwas, das Menschen zu gewinnen hätten, aber jeden Tag aufs Neue verspielen.

    Fragt euch doch nicht, ob Frieden „Zukunft“ hat, sondern ob IHR ihn überhaupt aushalten könntet!

    Echter Frieden verlangt Verzicht. Auf Angst, Gier, Hass, Ellbogen und Hackordnung – und sogar auf die Moralisierei.

    Krieg dagegen ist erstaunlich nützlich: Er liefert Schurken, Schlagzeilen, Superhelden und Säcke voll Profit. Will man das wirklich für irgendwelchen „Frieden“ aufgeben?

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