Große Männer machen Geschichte?

Trump, Netanjahu und Khamenei von ChatGPT vereint auf dem Mount Rushmore.
Trump, Netanjahu und Khamenei von ChatGPT vereint auf dem Mount Rushmore.

Sind Donald Trump, Benjamin Netanjahu und Ali Khamenei große Männer, die Geschichte machen? Kommt darauf darauf an, von welchem Standpunkt aus gesehen.

 

Die Theorie, derzufolge große Männer Geschichte machen, stammt vom Historiker und Philosophen Thomas Carlyle. In seinem 1840 veröffentlichten Buch “On Heroes, Hero-Worship, and the Heroic in History” behauptete er, dass “die Weltgeschichte nichts anderes als die Biographie großer Männer” sei. Führer werden geboren, nicht gemacht, postulierte er; sie zeichneten sich durch innere Eigenschaften aus, die es ihnen ermöglichen, über ihre Zeitgenossen zu ragen und Größe zu erlangen. Entsprechend seien es eher Individuen, als gesellschaftliche bzw. ökonomische Kräfte, die sich historisch auswirken und für eigentliche Agenten sozialen Wandels zu erachten sind. Mit anderen Worten: Es ist der individuelle Charakter, der den Einfluss ausübt, weswegen es angeraten sei, sich aufs Charisma und den Genius des Führers als Triebkräfte der Geschichte zu konzentrieren. Carlyle kategorisierte die hierfür anzuführenden Beispiele: der Held als Gottheit (Odin), Prophet (Mohammed), Dichter (Shakespeare), Priester (Luther), Gelehrter (Jean-Jacques Rousseau) und König/Kaiser (Napoleon).

Carlyles Theorie erfuhr im 20. Jahrhundert zweierlei Kritik: Zum einen die Gender-Kritik, die die Fokussierung auf Männer, mithin die Behauptung, nur Männer seien zur Führung befähigt, gründlich aufmischte. Man denke nur an Indira Gandhi, Golda Meir und Angela Merkel, um wenige Beispiele aus dem Bereich der Politik zu erwähnen. Es ließen sich zahlreiche Beispiele aus allen anderen Bereichen auflisten, was klarmachen sollte, dass es gendergeleitete Interessen des Patriarchats und hegemoniale Machtkonstellationen waren, die die Exklusion der Frauen aus der Praxis von Kultur, Gesellschaft und Politik historisch bewirkten.

Zum anderen wurde die Konzentration auf das Individuum theoretisch infrage und die Wirkmächtigkeit sozialer Bewegungen und kollektiver Ideologien in den Vordergrund gestellt. Der Führer kann sich in seinen Führungseigenschaften nur insoweit exponieren, als es seine Anhängerschaft zulässt. Der effektive Führer weiß stets, was die ihn anhimmelnde Gemeinschaft will, und vermag, dieses Wissen propagandistisch als seine eigene Eingebung zu präsentieren. Kein Charisma kann längerfristig wirken, wenn eine zu große Diskrepanz zwischen dem Handeln des Führers und den Bedürfnissen und Anschauungen der Geführten entsteht.

Zu bemerken gilt es gleichwohl, dass der Begriff “große Männer” offen lässt, was die Größe ausmacht. Es lässt sich ja nicht bezweifeln, daß das Böse, Destruktive und Menschenfeindliche die von “großen Männern” gemachte Geschichte nicht minder durchwirkt, als kulturelle Höchstleistungen und wissenschaftliche Errungenschaften. Und selbst die sind ihrer Tendenz nach nicht unzweideutig. Denn zwar haben moderne Wissenschaft und Technologie viel ökonomischen Wohlstand und Überfluss erbracht, aber man vergesse nicht, dass der Holocaust seine horrenden Ausmaße ohne die moderne Industrie und die ihr verschwisterte moderne Bürokratie nicht hätte erreichen können.

Und es ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Frage der Rolle des “großen” Individuums in der Geschichte erneut stellt, und zwar im Hinblick auf Adolf Hitler. Es gab seit den 1920er Jahren und 1945 über 40 dokumentierte Attentatsversuche und Mordpläne gegen ihn. Man stelle sich vor, dass eines dieser Versuche, etwa im Jahr 1938, erfolgreich verlaufen wäre und der “Führer” wäre tot gewesen. Kann man davon ausgehen, dass der Zweite Weltkrieg dennoch ausgebrochen wäre? Man ist geneigt, diese Frage zu bejahen, denn die deutsche Wirtschaft und die massive Bewaffnung der Wehrmacht waren fast ganz auf Krieg bzw. auf dessen materielle Vorbereitung eingestellt, zudem war der auf Expansion ausgerichtetet revanchistische Geist (im Heer) seit dem Versailler Vertrag nie zur Ruhe gelangt. Hitler war für diese Tendenz nicht ausschlaggebend, wiewohl er sie immer wieder effizient propagierte.

Aber hätte sich auch der Holocaust ohne Hitler ereignet? Diese Frage kann mit weit geringerer Bestimmtheit bejaht werden. Die persönliche antisemitische Obsession Hitlers war entscheidend für die Judenverfolgung im Dritten Reich. Nicht, dass es an Antisemitismus in Deutschland gefehlt hätte, aber Hitlers Wahn war in der Entfaltung seiner eliminatorischen Dimension bestimmend, ja nachgerade unersetzbar, und man folgte ihm darin; darin war er in der Tat “Führer”. Dieser speziellen Einschätzung zufolge muss die Rolle des Individuums in der Geschichte zumindest als doppelbödig gesehen werden.

Was bedeutet das für den gegenwärtigen Krieg der USA und Israels gegen den Iran? Die drei Hauptprotagonisten, die in diesem Zusammenhang für “große Männer” stehen, sind der US-amerikanische Präsident Donald Trump, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und Ali Khamenei, Religionsführer und ehemaliger Oberster Führer des Iran. Es seien hier alle drei im Sinne ihrer politischen Erscheinung als “große Männer” gesondert erörtert.

Donald Trump

Bei Donald Trump stößt man da auf eine besondere Schwierigkeit. Denn zum einen will es scheinen, als könne er machen, was er will, ohne auf Konventionen, erforderliche Regeln und gängigen Verhaltensnormen Rücksicht nehmen zu müssen. Dies manifestiert sich nicht nur im persönlichen Umgang mit Menschen, sondern auch auf der Weltbühne, wo er seit seinem Amtsantritt nachgerade wütet, schwer erkämpfte Ordnungsstrukturen, legale Abmachungen und gestandene Bündnisse erschüttert, als handle es sich um ein Brettspiel, dessen Steinchen man zwischendurch mal einfach umschmeißen kann.

Dieser Verhaltensweise liegt gleichwohl kein strategisches roadmap bzw. ein durchdachter Fahplan zugrunde, sondern eher spontane Erregungen, improvisierte Reaktionen auf “was sich gerade ergibt”, so, als hätte sich das den Staatsmann antreibende Lustprinzip verselbständigt. Natürlich hat auch Donald Trump Minister und Berater, aber die wurden allesamt aufgrund eines prädominanten Kriteriums ausgesucht und nominiert: das der unverbrüchlichen, regelrecht feudalen Vasallentreue. An sich wären dies Eigenschften, die man als das Charisma des “großen Mannes” deuten könnte.

Man ist indes irritiert, denn die öffentlichen Auftritte des Präsidenten nehmen sich oft als clowneske Standup-Vorstellungen aus, eine Melange aus vorgelesenem Text (bei dem man zuweilen zweifeln mag, ob er ihn recht versteht), Invektiven gegenüber verhassten Gegnern und infantilen Show-Einlagen. Die ohnehin ärmliche Rhetorik wird zudem oft genuschelt. Und doch erfreuen sich zum anderen diese Auftritte einer großen Popularität bei der base, seine Anhänger stehen zu ihm, und das ist das Ausschlaggebende: Ohne ihre Unterstützung wäre “der große Mann” nicht mehr als eine nichtige Randerscheinung in der großen Politik. Das weiß auch er und muss daher darauf achten, nichts Falsches (d.h. der base Ungenehmes) von sich zu geben. So u.a. mag sich erklären, warum Trump und seine Regierungsumgebung so widersprüchliche, sich von einem Tag auf den anderen ändernde Angaben über die Ziele des gegenwärtigen Krieges machen.

Wenn die Lage nicht so ernst wäre, könnte man über dieses narzisstische Chaos schadenfreudig schmunzelnd hinweggehen. Die Lage ist jedoch todernst. Denn es handelt sich objektiv um den mächtigsten Mann der Welt. Als solcher konnte er dem britischen Premierminister Keir Starmer, mir nichts, dir nichts, bescheinigen, kein Churchill zu sein. Das mag stimmen, aber Trump selbst ist ganz gewiss kein Churchill.

Benjamin Netanjahu

Benjamin Netanjahu ist zwar nur der Führer eines kleinen Staates, aber es steht zu vermuten, dass er den mächtigen Trump, der sich immer wieder als Kriegsfeind und Friedensbringer präsentiert hat, zum diesmaligen Waffengang gegen den Iran überredet hat. Trump scheint, aus welchen Gründen auch immer, eine Schwäche für Netanjahu zu haben. Es ist in der Tat bemerkenswert, wie sich der israelische Premierminister seinerzeit aus der Bredouille herausgewunden hat, Joe Biden nach seinem Wahlsieg gratuliert zu haben, ein Akt, den der auf Nibelungentreue bedachte Trump ihm sehr verübelt hat; eine Zeitlang war Netanjahu bei ihm abgeschrieben.

Netanjahu ist intelligenter als sein amerikanischer Kollege, belesener als er, zeichnet sich durch eine ungleich geschliffenere Rhetorik aus und ist auch als Politiker und Produzent perfider politischer Finessen erfahrener und ungleich raffinierter als er. Der Führer des zionistischen Staates hätte durchaus die Anlagen und Begabung, ein seriöser Staatsmann zu sein, der “Großes” für sein Land zu bewirken vermöchte. Stattdessen erweist er sich als großer Zerstörer all dessen, was dieses Land einst ausmachte. Denn auch ihm kommt seine Persönlichkeitsstruktur in die Quere, was ihm nicht nur eine Anklage wegen Korruption, Betrug und Veruntreuung eintrug, sondern auch die egoistische Höherstellung seiner Privatinteressen über die des Staates bewirkte, ja zum Prinzip seines politischen Handelns gerinnen ließ.

Dass Israel nicht mehr den Anspruch erheben darf, eine formale Demokratie zu sein, ist primär seinem für eine “Justizreform” ausgegebenen Staatsstreich zuzuschreiben. Er ist auch der Hauptverantwortliche für das Desaster des 7. Oktober, was ihn aber offenbar nicht tangiert, denn er weist jegliche Schuld von sich ab und handelt (nicht nur in diesem Belang) einzig nach dem Prinzip seines Machterhalts. Dieser ist ihm heilig. Daher hat er den Gazakrieg unnötig verlängert, mithin die Lösung der Geiselfrage hinausgezögert, alles, was ihm entgegenstand verleumdet und besudelt, und nun auch den Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen.

Wenn “große Männer”, wie bereits oben erwähnt, auch Unheil in der Geschichte anzurichten vermögen, dann ist Netanjahu ein solcher “großer Mann”. Dass ihm dabei Churchill als großes Vorbild dient, kann nur zynisch belächelt werden. Aber auch Netanjahu könnte nicht so destruktiv walten, wenn er nicht eine große base hinter sich wüsste. Davon ist hier schon mehrfach die Rede gewesen. Da in Israel aber keine ernstzunehmende Opposition fungiert, mithin sich kein Politiker als Person oder Ideologe so profiliert hat, dass er Natanjahu das Wasser reichen könnte, ist diese base (die sich den Anhängern seiner faschistisch-kahanistischen Koalitionspartner ideologisch verschwistert hat) zum bestimmenden Faktor der israelischen Politik und Netanjahus Herrschaftspraxis geronnen.

Dass die IDF im zweijährigen Gazakrieg barbarische Kriegsverbrechen angerichtet hat, ist in der israelischen Bevölkerung bis zum heutigen Tag kaum reflektiert worden. Und dass der Premier nun den Obersten Führer des Iran völkerrechtswidrig getötet hat, wird nicht debattiert, geschweige denn, kritisch debattiert, sondern ganz im Gegenteil bejubelt – und dies genau hatte Netanjahu im Blick, als er den Krieg heraufbeschwor. Es ist Wahljahr in Israel, und gerade der Krieg bringt dem autoritär regierenden Herrscher Pluspunkte in der (gebeutelten) Bevölkerung ein. Es ist jetzt bereits davon auszugehen, dass er die Wahlen gewinnen wird.

Ali Khamenei

Die Nachricht von der Tötung Ali Khameneis gleich zu Beginn des Krieges ist von vielen in der iranischen Bevölkerung bejubelt worden, hat aber zugleich bei vielen große Bestürzung und Trauer ausgelöst. Wie sich dabei Freude und Trauer auf beide Funktionen Khameneis verteilen, die des Religionsführers und die des Obersten Führer des Staates, ist schwer zu sagen. Als Führer von vielen Millionen Schiiten (die etwa 15% aller Moslems auf der Welt ausmachen) galt er den Gläubigen als geheiligte Person. Zugleich war er politischer Führer eines autoritären Regimes, das nicht nur geopolitischen Terror betrieb, sondern auch nicht davor zurückschreckte, sich empörende Regimegegner massenweise zu massakrieren.

Als “großer Mann” genoß Khamenei das Charisma des Religionsführers, wobei darunter möglicherweise das zu verstehen ist, was Max Weber als “Amtscharisma” definiert hat, also die automatisch erwiesene Verehrung dank der getragenen Funktion als solchen (wie sie auch dem Papst stets, ungeachtet seiner persönlichen Ausstrahlung, bezeugt wird). Als politischer Führer des Staates musste er sich hingegen Machtapparate und Gewalt ausübende Institutionen aufbauen, die ihm alles andere als Beliebtheit in der Welt und, wie gesagt, auch unter der Bevölkerung des von ihm rgierten Staates eintrugen. Und doch muss man davon ausgehen, dass große Teile der Bevölkerung ihn auch als solchen unterstützten, nicht zuletzt als Nachfolger Ruhollah Khomeinis, der das verhaßte Schah-Regime von Mohammad Reza Pahlavi gestürzt und die Islamische Republik gegründet hatte. Zweierlei gilt es gleichwohl in Zusammenhang mit der Liquidierung Ali Khameneis zu fragen.

Zum einen: Führt seine Tötung zwangsläufig zum Sturz des Regimes und nicht lediglich zum Regierungswechsel? Mit anderen Worten: Ist Kahmenei so unersetzlich, dass man keine neue regimekonforme Führung an seiner Stelle einsetzen kann? Trotz der Liquidierungsorgie am Anfang des Krieges ist de facto noch lange nichts von einem Regimesturz zu spüren; eine neuernannte Führung fungiert, so gut es unter den gegebenen Kriegsbedingungen zu erwarten steht. Nichts spricht dafür, dass es unter einem noch lebenden Khamenei anders bzw. besser gelaufen wäre. Zumindest in dieser spezifischen Hinsicht ist Khameneis “Größe” nicht für absolut zu erachten.

Geht es aber darum, das Regime zu stürzen, um die Gründung einer Demokratie zu ermöglichen, so wundert man sich, dass gerade das US-Establishment die Erfahrungen im Irak, in Lybien und Afghanisten bereits so verdrängt hat, dass es ein zum Versagen verurteiltes Unternehmen aufs Neue wagt. Nicht von ungefähr posaunten sowohl Trump als auch Netanjahu, sie würden den Iranern die freie Bahn für die Machtübernahme durch das Volk bereiten. Die Herrschaft übernehmen müsse das iranische Volk allerdings selbst. Aber wie soll das vor sich gehen? Etwa wie die von Trump am 6. Januar 2021 angefeuerte Attacke eines wütend vandalisierenden amerikanischen Mobs auf das Capitol?

Zum anderen (und im selben Zusammenhang): Was Trump an jenem politisch unsäglichen Tag zugelassen hat, ist eine Sache. Eine ganz andere aber, wie Netanjahu mit Demonstranten und Gegnern seiner Regierung im eigenen Land umgegangen ist. Blanker Faschismus. Seine “Sorge” um das Los des iranischen Volkes und sein “Kampf für seine Zukunft” ist nichts als perfides, zutiefst verlogenes Geschwätz. Nicht nur, dass er diesen Krieg mit der Begründung einer von Iran ausgehenden “unmittelbaren Gefahr” initiiert hat – knappe acht Monate, nachdem er im Juni vergangenen Jahres rumprotzte, die iranische Gefahr sei nun “für Generationen” gebannt; nicht nur, dass dieser Krieg in erster Linie sein Eigeninteresse am Machterhalt im angebrochenen israelischen Wahljahr deutlich-allzu-deutlich bedient; er entblödet sich auch nicht, die wahrhaft peinliche Lüge von seiner Demokratieliebe (fürs “iranische Volk”) vor aller Welt zu proklamieren.

Man kann da nur Professor Haggai Ram von der Ben Gurion University zustimmen, der am 5.3.2022 zu “Haaretz” sagte: “Ist es wirklich möglich, dass Trump und Netanjahu, zwei Herrscher mit autoritären Neigungen, einen anderen Diktator – Khamenei – töten und auf seinem Leichnam eine Demokratie errichten?” Die Ironie drehe sich im Grabe um, sagt er. “Netanjahu kann nicht im Namen einer demokratischen Regierung sprechen. Werden er und Trump uns lehren, was Freiheit und Demokratie sind, und sie mit Gewehren und Bajonetten errichten? Wie akzeptieren wir das als etwas Normales, dass zwei Staaten ein drittes Land angreifen und das Regime stürzen? Mit welcher Lizenz? Mit welcher Genehmigung? Es besteht kein Zweifel, dass das Regime im Iran schrecklich und bedrohlich ist, aber das ist nicht der Weg, dies zu tun.” Vor allem, sei hinzugefügt, ist es nicht der Weg mit diesen “großen Männern”.

Trump, Netanjahu und Khamenei mach(t)en Geschichte. Sie sind/waren ja Staatsoberhäupter. Was sie für eine Geschichte mach(t)en, ist schon eine Frage für sich. Alle drei zeichn(t)en sich durch autoritäre Repression aus, die westlichen Vertreter unter ihnen zudem durch narzisstische Selbstherrlichkeit und antidemokratische “historische” Ambitionen, die allem entgegenstehen, was der Westen nach zwei horrenden Weltkriegen meinte, als politische Lehre aus der geschichtlichen Katastrophe des Faschismus ziehen zu sollen. “Große Männer” in diesem Sinne sind/waren sie alle wahrhaftig nicht.

Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, erscheint demnächst.
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26 Kommentare

  1. Alexander der Große
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    Friedrich der Große
    Katharina die Große
    Eine wahrhaft große Geschichte haben die alle gemacht!
    Kriege und die apokalyptischen Reiter haben die Großen über die Menschen gebracht!
    Aber sagt es nicht etwas über die Menschen als Gattung aus, das die alle als „die Großen“ bezeichnet wurden?
    Die finden heute noch ihre Bewunderer!
    Vielleicht will Trump ja gar nicht den Nobelpreis, sondern als Donald der Große in die Geschichte eingehen!

    1. Katharina die Große war in jeder Hinsicht eine große europäische Politikerin. Taugt nicht als schlechtes Beispiel.

      1. @EU? Nein, danke!

        Bin geneigt Ihnen zuzustimmen, aber war Katharina die Große nicht diejenigen, die ihre Liebhaber abwickelte, wenn sie ihr nicht mehr nutzten? War sie nicht mit einem Pferd liiert wenn man Familiy Guy aus den USA glauben soll?

        Ironische Grüße
        Bernie

      2. Naja, die Ausdehnung Ihres Imperiums und die Türkenkriege, die Leibeigenschaft. Ich weiß nicht, ob Ihr Einwand wirklich stichhaltig ist….

      1. @Otto0815

        Soll bei kleinen Männern immer schon einen ausgemachten Größenkomplex gegeben haben – der Zusatz „der Große“ hat überhaupt nix zu bedeuten, denn auch Napoleon Bonaparte war von seinem Wuchs her klein, wie viele „der Großen“ damals und heute auch noch. Hauptsache der Namenszusatz „…der Große“ macht sie groß.

        Ironischer
        Gruß
        Bernie

        1. Erich Maria Remarque schrieb in seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ das er immer zu verhindern suchte, in eine Kompanie mit kleinen Kompanieführern zu geraten.
          „Das waren meist verfluchte Schinder“, schrieb er

  2. sehr neutraler Text!
    Ja wer sind den nun eigentlich die großen Männer ?
    – vermutlich kann sich nur der eine eigene persöhnliche Defintion dazu machen,
    der auch über Integrität verfügt und Größe bei anderen zu empfinden im Stande ist, wenn die
    Mehrheit der Zeitgenossen dieselbe Person gar nicht kennt –
    Ich bin jedenfalls froh diese sehr schicke Kreisky-Kreditkarte zu besitzen, mit der ich
    jetzt shoppen gehe.

  3. „Man stelle sich vor, dass eines dieser Versuche, etwa im Jahr 1938, erfolgreich verlaufen wäre und der “Führer” wäre tot gewesen. Kann man davon ausgehen, dass der Zweite Weltkrieg dennoch ausgebrochen wäre?“

    Ja, selbstverständlich. Die Beschaffung der Waffen hat ja schon viel früher begonnen. Nur als kleines Beispiel: England hatte in dem Jahr bereits ca. 5 Mio Stabbrandbomben im Arsenal. Elektron-Thermitstäbe sind ausschließlich für das Mordbrennen von hölzener Bausubstanz (vulgo Altstädte) erfunden worden.
    Und man schaue sich die Jahreszahlen der Entwicklung und Beschaffung der Bomberflotten in USA und England an, sowie die Beschaffungsjahre sämtlicher Waffen. Und bei uns lehrt man in der Schule, daß Hitler schuld war und daß wir Deutschen sowieso schuld an allem sind.

    Wikipedia: Die Produktion der ersten Elektron-Thermitstäbe begann im Oktober des Jahres 1936 bei ICI. Dieses erste Produktionslos, vergeben vom britischen Verteidigungsministerium, umfasste 4,5 Millionen Stück. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges standen in Großbritannien mehr als fünf Millionen Elektron-Thermitstäbe zur Verfügung. Im Verlaufe des Krieges wurden mehr als 100 Millionen Stück produziert, mehr als 80 Millionen davon wurden über deutschen Städten abgeworfen.

    1. Zu Ende gedacht, heißt das … YOU BETTER RUN
      So viel wie zur Zeit produziert wird und geplant ist, kann nur heißen der ganz große Krieg kommt ganz bestimmt.
      Doch gibt es heute auf der Welt (Planet Erde) keinen Platz mehr, an dem der ganz große Krieg sicher überstanden werden kann.

      Wir müssen ganz schnell eine gesamtgesellschaftliche intellektuelle Höchstleitung erbringen um aus diesem Dilemma rauszukommen. Doch die Gesellschaft ist atomisiert (Mausfeld – Hegemonie oder Untergang)).

      Und nun?

  4. Hat der Iran irgendwann in den letzten 100 Jahren ein Land direkt angegriffen?
    Warum wird Khameni dann in einem Satz mit Trump und Netanjahu erwähnt?
    Man muss das Mullahregime nicht mögen um das so nachfragen zu dürfen!
    Natürlich kann man dabei die Unterstützung von der Hisbollah und Hamas kritisieren!

  5. Ich frage nur mal mit Bert Brecht:

    „Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein?“
    „Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?“
    „Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer siegte außer ihm?“
    „Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?“

    „Große Männer und Frauen“ in der Politik sind Persönlichkeiten, die dem Gemeinwohl des eigenen und anderer Völker, dem humanen Fortschritt und dem Frieden weltweit dienen. Alle anderen sind Verbrecher und Schweinehunde in Machtpositionen. So einfach ist das. Dazu braucht man keine solchen langatmig, dialektischen Abhandlungen.

  6. Der gesamte Nahe Osten inklusive erweiterter Umgebung ist nicht nur ein Pulverfass, sondern auch ein Kartenhaus – die Straße von Hormus ist erst ein kleiner Vorgeschmack dafür.
    Denn praktisch ganz Saudi Arabien, Quatar, die Emirate und – man höre und staune – Israel, nicht jedoch Iran, sind von Meerwasserentsalzungsanlagen abhängig. Alle diese Länder beziehen den Großteil ihres Trinkwassers aus dem Meer. Die Anlagen liegen alle am Meer, sind leichte Ziele und im Falle einer Beschädigung kaum reparierbar. Auch die Infrastruktur für Wassertransporte existiert nicht. Würden diese Anlagen beschädigt oder zerstört, würde es zu einer enormen Wasserknappheit mit allen resultierenden Folgen kommen. Ich vermute, dass bei einer weiteren Eskalation, die eine oder andere Anlage angegriffen wird, um indirekten Druck auf die USA auszuüben.
    Ein weiteres Beispiel: Der Gastransit durch Aserbaidschan. Das ist eine der letzten Rohstoffrouten Europas. Ein, zwei Drohnen und die Lieferung ist gekappt. Sollte dann auch noch „die Ukraine“ Turk Stream angreifen, würde es in Europa noch düsterer aussehen, als ohnehin schon.

  7. Von allen Artikeln, die Zuckermann geschrieben hat, und die eigentlich nur seine Emotionen wider geben, ist das der schlechteste. Netanjahu, Trump und Chamenei sind Versager.
    Chamenei hat wohl schon lange nichts mehr zu sagen. Iran wird von den Revolutionsgarden regiert.
    Netanjahu ist ein Verbrecher und Massenmörder und handelt total irrational. Er hat den Opferbonus der Israeliten vernichtet und Israel zum „Schurkenstaat“ gemacht. Wenn der Iran vernichtet ist, benötigen die Amis Israel nicht mehr und werden dieses Land nicht länger auf ihrer Nase herumtanzen lassen. Dann ist der Zeitpunkt für die Araber gekommen.
    Und ich frage mich, ob Trumps Wandlung vom „Friedensengel“ zum gewöhnlichen „Politmörder“ nicht doch was mit dem Mossad und den Epstein Files zu tun hat. Rubio behauptete offen, dass die USA von Israel zum Irankrieg gezwungen wurden, und intern soll sich auch Vance gegen den Irankrieg ausgesprochen haben. Die MAGA Bewegung wurde „gespalten“.

  8. Als jemand der schon etliche Familienmitglieder verloren hat, die längst vergessen sind, doch „Große Männer machen Geschichte“ – sie sind noch in Jahrhunderten in – positiver oder negativer – Erinnerung während wir selber, unsere Kinder, sollten wir welche haben, deren Kinder sowie deren Kinder….und unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern….längst der Vergessenheit nach dem Tode anheim gegeben sind.

    Wir können unsere Meinung hier rausblubbern, aber irgendwann sind auch wir vergessen, während noch Generationen nach uns von den Großen Männern unserer Zeit berichten werden.

    Übrigens ist eine uralte Regel – wir hören z.B. immer von Alexander dem Großen, aber was ist mit seinem Koch und seinen Männern, deren Familien? Deren Namen sind, ebenso wie ihre Persönlichkeiten, längst begraben und vergessen – im Staub der Geschichte. Alexander lebt immer noch wie andere „Große“ ihrer Zeit.

    Is leider so, wir alle sind sterblich, bis auf diejenigen die denken sie wären unsterblich, weil ihr Name und ihre Taten, ob böse oder gute, noch berichtet werden, bis die Menschheit endgültig ausgerottet wird, und eine neue Spezies diesen Planeten bevölkert.

    Traurige Grüße
    Bernie

  9. … und die Holocaust Verbrechen Deutschlands durch die Nationalsozialisten verhalten sich zum Genozid Verbrechen in Gaza durch die zionistischen Kolonisten Palästinas wie die Industrialisierung zur Digitalisierung und AI! Es geht dabei nicht um Politik als Verbrechen, sondern um die Effiziens von Ideologie als Verbrechen! Effizienz ist hier der Maßstab für Größe! Verbrechen in der Politik sind bloßes Tagesgeschäft!

  10. „Große Männer“ machen Geschichte und Millionen müssen dafür sterben und die werden nicht erwähnt.

    Offensichtlich werden immer noch Führer gebraucht denen die Armleuchter hinterherlaufen!

    Selbst ist die Frau oder der Mann, das war wann???

    In dem Moment in dem man seine Interessen an einen Stellvertreter delegiert ist man bereits verloren!
    Der Stellvertreter wird sich dann nur für seine eigenen persönlichen Interessen einsetzen!

  11. Auch einem gewissen Herrn Churchill ist ein mieser Charakter zu attestieren. Auch er ging sprichwörtlich über Leichen.
    Geschichte wird von der Nachwelt geschrieben und diese gehört meistens den Siegern. Es ist abzuwarten was passiert.
    Sollte die USA an diesem Kriege ihren Niedergang erleiden so wird Ali Khamenei als der erste Feldherr in die Geschichte eingehen, der durch seinen freiwilligen Märtyrertod ein Weltreich zum Einsturz brachte.
    Netanjahu wird für den endgültigen Bruch des Bundes mit Gott und den ewigen Exitus des Jüdischen Volkes verantwortlich sein. Und Trump erhält einen mehr oder weniger tragischen Platz im Abstiegskampf des sterbenden Imperiums.

    1. @Trux

      Ja, man kann die Sache wie Sie sehen.

      Übrigens es gibt auch eine Fake-History.

      Vieles was Ihnen, uns, oder mir, auf der Schule eingetrichtert wurde ist so gar nie geschehen, aber Generationen von Schülern mußten es dem Geschichtslehrer – für gute Noten – nachpredigen. Auch ich war einst so ein guter Schüler im Geschichtsunterricht *fremdschäm*

      Wußten Sie z.B. dass die Bastille in Frankreich nicht gestürmt sondern die Revolutionäre freiwillig eingelassen wurden, was die den Türöffnern allerdings nicht gut abgegolten haben – jahrhundertelang hielt sich der „Sturm auf die Bastille“ bis ein Historiker rausfand den hat es nie gegeben. Es ist ein Geschichtslüge. Wohl aufgrund des schlechten Gewissens der nachfolgenden Generationen in Frankreich so erfunden, weil die Revolutionäre den diese freiwillig in die Bastille reingelassenen, dass mit Mord und Totschlag beantwortet haben. War selbst erstaunt als ich das las, aber ist durchaus plausibel – dennoch wird bis heute die Version „Sturm auf die Bastille“ im jeweils regierungshörigen Schulplan in Frankreich genauso gelehrt – queerbeet durch alle unterschiedlichen politischen Regierungsmannschaften bis 2026 durch.

      Ist übrigens nur ein Beispiel von zig anderen, aber ich will hier nicht weit ausholen – Orwell hatte mit „1984“ schon recht als er schrieb, dass die Lüge Geschichte wurde und in die Geschichte als Wahrheit einging und Teil der Historie wurde.

      Nur ist Orwells Theorie nicht nur auf autoritäre, oder gar totalitäre, Regierungen, beschränkt. Die gilt generell – alle Geschichtsepochen hindurch.

      Leider muss Mensch dazu sagen. Is leider so 🙁

      Resignierte Grüße
      Bernie

  12. Die Theorie, dass “die Weltgeschichte nichts anderes (ist) als die Biographie großer Männer”, hat, aus heutiger Sicht, aufgrund ihres kontra-intuitiven Charakters durchaus etwas Anziehendes.

    Denn aus jener aufgeklärten, rationalen und pragmatisch-abgebrühten Sicht sind es doch eher die wirkmächtigen Ideen oder Geisteshaltungen, die sich fortpflanzen oder verkümmern, gepaart mit dem Fortschritt der Technik (insbesondere Waffentechnik) und der Nutzbarmachung natürlich vorhandener Energie.

    Ich erinnere mich an einen Besuch des Deutschen Historischen Museums in Berlin vor vielen Jahren. In der Ausstellung wurde schnell deutlich, Geisteshaltungen oder Vorstellungen über die Welt kommen und gehen, Ländergrenzen verschieben sich fortwährend – als roter, ununterbrochener Faden bleibt die Entwicklung der Waffentechnik, von der Armbrust bis zur Atomrakete.

  13. Ob es „grosse Männer“ sind wird immer erst die Zukunft zeigen.

    Ich bin mir ziemlich sicher, hätte „Blut für Boden“ funktioniert und die Wehrmacht die Sowjetunion unterworfen, die Alliierten hätten sich mit Gross-Deutschland arrangiert. Der Holocaust wäre ein Mythos, Hitler ein „Grosser“ und Gröfaz kein Sarkasmus sondern eine Huldigung.

    So wie sich absolut Niemand um das Schicksal der nordamerikanischen Ureinwohner schert, die massakriert und vertrieben respektive in „Reservate“ gepfercht wurden. Das geht soweit dass die Nachfahren der Siedler heute Neuankömmlinge als „illegal aliens“ bezeichnen, 150 Jahre nach den letzten Indianer-Kriegen..

    Sollten die Ziofaschisten mit ihrem „Blut für Boden“ Erfolg haben und Eretz Israel durchsetzen, dann wird der Massenmörder Netanjahu unweigerlich zum „Grossen“. Ich bezweifle dass es funktioniert, siehe die anderen Kreuzfahrer-Staaten zuvor, aber selbst da gilt zb bei englischen Nationalisten Richard „the Lionheart“ als „Grosser“ (der konnte als Norman nichtmal/kaum englisch).

    Wir Menschen sind so. Israel ist aktuell das Paradebeispiel dass wir wirklich absolut rein gar nichts aus der Geschichte lernen.

  14. Da hat Herr Zuckermann einen wirklich interessanten und guten Artikel geschrieben.
    Eines der spannendsten Themen der Geschichtswissenschaft.

    Zwar werden es manche nicht gerne lesen und noch weniger glauben, aber es stimmt schon, dass große Einzelne die Geschichte in weit höherem Maße beeinflussen und vorangetrieben haben und vorantreiben als es den meisten modernen Sozialwissenschaftlern lieb war und ist.
    Kaum einer, der sich ernsthaft und unvoreingenommen mit Geschichte befasst hat, wird das abstreiten können, und da sind Alexander d. Große, Napoleon, Hitler, Mahatma Ghandi bloß einige Beispiele,
    Leider ist es nun so, dass mit Ausnahme eher weniger reifer und herausragender Persönlichkeiten wie etwa Buddha, Jesus oder Mahatma Ghandi diese Wirkmächtigkeit der großen Einzelnen eher in weniger ethisch hochstehenden Bereichen zum Tragen kommt …

    Zu diskutieren ist die These, ob große Einzelne in manchen Fällen – längst nicht in allen – wie eine Art Katalysator gewirkt haben, durch den eine ohnehin schon mit Energie und Spannung aufgeladene Situation dann in einen dynamischen Prozess mündete.

    Natürlich folgt daraus nicht, dass die von Sozialwissenschaftlern angeführte Bedeutung von Gruppen, sozialen Konflikten, wirtschaftlichen Verhältnissen usw. unwichtig sei. Es ist aber oft so, dass diese genannten Aspekte für sich allein noch nicht zu einem dynamischen historischen Prozess führen.

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