
Der Irankrieg und die Folgen.
„Schon allein die Tatsache, dass Trump sich bereit erklärt hat, über den Zehn-Punkte-Plan zu sprechen, ist ein Erfolg für die Iraner…. Die Frage ist, ob Washington dem zustimmen wird: Schließlich beinhaltet er Entschädigung für die Schäden im Iran, die Fortführung des Atomprogramms und Teherans Kontrolle über die Straße von Hormus. Eine solche Zustimmung ist unvorstellbar! Es wäre eine Demütigung für Trump und käme einem tatsächlichen Sieg Irans gleich. Was dann? Wieder Kriegshandlungen?“ – Dmitrij Medwedew, 8. April 2026
1. Der Iran als Weltmacht?
„The War Is Turning Iran Into a Major World Power“ (Der Krieg macht Iran zu einer Weltmacht). Diese These stellte der US-Politikwissenschaftler, Robert Pape (geb. 1960), am 6. April 2026 in seinem gleichnamigen Artikel für die New York Times auf. Pape ist bekannt für seine Arbeiten zu Fragen der internationalen Sicherheit, insbesondere zu Luftkriegen und Selbstmordattentaten.
In den letzten Jahren herrschte seiner Meinung nach in der Geopolitik die Ansicht vor, dass sich die Weltordnung auf drei Machtzentren zubewege: die USA, China und Russland. Diese Sichtweise ging davon aus, dass Macht primär auf der wirtschaftlichen Größe und militärischen Stärke beruhe.
„Diese Annahme ist nicht mehr haltbar“, behauptet Pape und ist davon überzeugt, dass der Iran als ein viertes globales Machtzentrum entsteht, der allerdings weder wirtschaftlich noch militärisch mit den drei anderen Weltmächten konkurriert. Seine neu gewonnene Macht beruht vielmehr auf der Kontrolle über den wichtigsten Energieknotenpunkt der Weltwirtschaft die Straße von Hormus.
Der amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran führte dazu, dass der Iran seit dem 28. Februar 2026 eine Blockade der Straße von Hormus errichtete. Etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasversorgung wird durch diese Straße transportiert. Kurzfristig gibt es keine wirklichen Alternativen zu dieser Lieferroute. Sollte die iranische Kontrolle über die Straße von Hormus über Monate und Jahre andauern, wird sie die globalisierte Weltwirtschaft drastisch zu Lasten der westlichen Volkswirtschaften verändern.
Selbst nach der Kriegsbeendigung ist nicht mehr damit zu rechnen, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus aufgeben wird. Sie lässt sich auch ohne Abriegelung kontrollieren. Der Schiffsverkehr ist seit Kriegsbeginn um über 90 Prozent zurückgegangen, und zwar nicht, weil der Iran jedes Schiff versenkt hätte, das in die Straße einfuhr, sondern weil die Versicherer angesichts der glaubwürdigen Bedrohung durch einen Angriff ihre Kriegsrisikodeckung zurückgezogen bzw. neu berechnet haben.
Ein Treffer auf ein Frachtschiff alle paar Tage reichte vollkommen aus, um das Risiko unannehmbar zu machen. Das Problem der von den Öllieferungen aus dem Persischen Golf stark abhängigen Weltwirtschaft ist, dass der Iran von nun an asymmetrisch agieren kann. Jede einzelne Öllieferung, die die Straße von Hormus passiert, kann unmöglich vor potenziellen Angriffen – Minen, Drohnen und Raketen – geschützt werden. Es erfordert eine ständige militärische Präsenz, die weder die USA noch sonst jemand gewährleisten kann. Der Iran muss hingegen nur gelegentlich einen Öltanker angreifen, um Zweifel an der Zuverlässigkeit der weltweiten Öllieferungen zu säen, und ohne die termingerechten Öllieferungen funktioniert heute keine moderne Volkswirtschaft.
Der brutale Angriffskrieg gegen den Iran hat die energiepolitischen Bedingungen für den Welthandel derart dramatisch verändert, dass sie zur geoökonomischen Aufwertung des Irans als einem die Weltwirtschaft maßgeblich bestimmenden Machtfaktor geführt haben.
2. Geoökonomie des Krieges
Der Irankrieg, der die Anrainerstaaten des Persischen Golfs Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Bahrain, Oman und den Irak in Mitleidenschaft gezogen hat, hat die bereits längst in Gang gesetzten weltweiten geoökonomischen Machtverschiebungen erheblich beschleunigt.
Irans asymmetrische Kriegsführungsstrategie war offenkundig von Anfang an darauf angelegt, den Krieg für die USA und die Weltwirtschaft unerträglich teuer zu machen, damit nach Erreichen einer kritischen Toleranzschwelle irreversible Zerstörungsprozesse im Weltfinanzsystem und auf dem weltweiten Energiemarkt einsetzen und die US-Kriegsführung untergraben.
Die Sperrung der Straße von Hormus hat den Iran de facto zu einem bedeutenden Regulator des Öl- und Gashandels gemacht. Die Ironie der Geschichte ist, dass es infolge des Krieges Teheran und nicht Washington ist, dass die globalen Treibstoffpreise maßgeblich beeinflusst und bestimmt hat und welche Schiffe die Straße von Hormus passieren dürfen.
Trump konnte das Problem nicht mit militärischer Gewalt lösen, was der ausschlaggebende Grund war, warum er sich zu einer Feuerpause gezwungen sah. Seine Weltuntergangsrhetorik war nur ein Ablenkungsmanöver. Er hatte zudem auch keine Zeit, um den Krieg siegreich zu beenden. 60 Tage nach dem Kriegsausbruch musste er die Zustimmung des Kongresses für die Weiterführung des Krieges einholen. Ohne diese Zustimmung kann er de jure den Krieg nicht weiterführen, was für ihn persönlich in dieser verfahrenen Lage nicht einmal die schlechteste Lösung wäre.
Selbst wenn die Blockade jetzt beendet sein sollte, was noch nicht ganz klar ist, wird die Wiederherstellung der zum Teil zerstörten Kapazitäten lange dauern und die Energiepreise werden bis auf weiteres hoch bleiben.
Sollte der Krieg nach der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause fortgesetzt werden, womit jederzeit zu rechnen ist, wird Europa in eine Energiekrise stürzen und die Lage auf den Energiemärkten wird weiter labil bleiben.
Trumps Freigabe von 172 Millionen Barrel aus der US-amerikanischen strategischen Ölreserve hat den Preisanstieg zwar verlangsamt, aber nicht gestoppt. Auch die vorübergehende Aufhebung der Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl hat die Lage nur leicht entspannt, den allgemeinen Trend aber nicht umkehren können: Die Hauptabnehmer von russischem und iranischem Öl sind Indien und China und nicht der „Westen“.
Aufgrund des kalten Winters ist die unterirdische Gasspeicherkapazität in der EU mit rund 30 Prozent (Stand: 1. März 2026) auf einem Rekordtief. Europa ist dadurch besonders anfällig für Versorgungsengpässe. Steigende Energiepreise treffen vor allem die energieintensiven Branchen wie die Metallurgie und die Chemieindustrie, die Düngemittelproduktion und den Maschinenbau.
Erst die Ankündigung der Feuerpause brachte die Energiepreise so richtig ins Rutschen, was freilich auch nur von kurzer Dauer sein könnte. Die antirussisch gestimmte EU-Führung scheint von diesen Marktturbulenzen nicht sonderlich beeindruckt zu sein, lässt sich nach wie vor allein von ideologischen Imperativen leiten, handelt getreu dem Motto „Nach uns die Sintflut“ und weigert sich beharrlich, russische Energielieferungen nach Europa zuzulassen.
Ob Putin überhaupt bereit ist, seinerseits Lieferungen nach Europa zu erlauben, sei dahingestellt. Zuletzt hat er den Eindruck erweckt, alle Energielieferungen in die EU stoppen zu wollen. Wie auch immer, Russland befindet sich in einer beneidenswerten Lage, was nicht nur an hohen Öl- und Gaspreisen, sondern auch daran liegt, dass Europa womöglich nicht mehr in der Lage sein wird, Waffen in gleichem Umfang von den USA für die Ukraine zu kaufen, falls die USA angesichts des Irankrieges überhaupt noch freiverfügbare Waffenbestände haben.
Die Trump-Administration ist wiederum nicht, wie die Eurokraten, ideologisch borniert. Darum reiste der US-Sonderbeauftragte John Cole in Anbetracht der Sperrung der Straße von Hormus nach Minsk und kündigte u. a. die Aufhebung der Sanktionen gegen Belaruskali und die Belarusian Potash Company an.
Zudem wurden die Sanktionen gegen das Finanzministerium, die Entwicklungsbank und die Belinvestbank aufgehoben. Die USA handelten pragmatisch im eigenen Interesse, weil sie schlicht und einfach Kali für ihre Landwirtschaft benötigten, und dieses ist bekanntermaßen nur auf einem sehr begrenzten Markt erhältlich: in Belarus, Russland oder Kanada.
Die Kaliproduktion in Kanada ist jedoch aufgrund hoher Energiepreise teuer und die Beziehungen Washingtons zu Ottawa sind durch einen Handelskrieg angespannt. Daher sind Düngemittel aus Belarus für die US-Landwirte zumindest teilweise eine bessere Lösung.
Lukaschenko erklärte auf Nachfrage von Journalisten zu den belarussisch-amerikanischen Verhandlungen: „Wir sind bereit zu verhandeln. Donald schlägt ein großes Abkommen vor, und wir werden uns treffen. Wir werden uns sogar zu Verhandlungen in seinem Haus in Florida treffen.“
Solange die Straße von Hormus und die gesamte Küstenzone (bis zu 1700 km) vom Iran kontrolliert wird, wird er seinen Einfluss auf die Schifffahrt nutzen und die Energielieferungen steuern.
Auch jenseits der Schifffahrt verfügt der Iran über beträchtliche Druckmittel, wie die Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Länder des Nahen Ostens (LNG- und Ölterminals, Produktionsanlagen, Ölraffinerien und LNG-Anlagen, Öllager, Öl- und Gaspipelines) zeigen. Die Dichte dieser Infrastruktur ist so hoch, sodass ein Angriff praktisch überall ein Treffer ist.
Noch nie in der Geschichte gab es eine so gravierende Lücke in der Öl- und Gasversorgung, die unweigerlich die führenden Rohstoffimporteure aus Asien und Europa treffen und den Preisschock mit allen daraus resultierenden Konsequenzen auslösen.
Die geoökonomische Machtverschiebung wird mit oder ohne Kriegshandlungen langfristige Folgen für die Produktions- und Verarbeitungskapazitäten der Länder des Nahen Ostens haben. Es ist zudem noch gar nicht klar, welcher Anteil der Produktion dauerhaft bzw. ohne einen neuen und längerfristigen Investitionszyklus verloren gehen wird. Die globalen Energieengpässe können so oder so nicht so schnell beseitigt werden.
Selbst die USA werden davon nicht ungeschoren bleiben, auch wenn ihre Abhängigkeit von Rohstoffen aus dem Nahen Osten gering ist und sie in Bezug auf ihre Energiebilanz ein Nettoexporteur sind und von den Marktturbulenzen profitieren.
Der Irankrieg schlug sich nieder im Rückgang der Börsenkapitalisierung (je länger der Konflikt, desto größer der Schaden); auf dem Anleihemarkt; auf dem Geldmarkt mit wahrscheinlichen Zinserhöhungen, was die Finanzierungskosten erhöht und die Stabilität eines hochverschuldeten Weltwirtschaftssystems verringert.
Bei branchenübergreifenden Verbindungen erhöhte sich der makroökonomische Einfluss auf die Produktionsketten, was zu Druck auf den Arbeitsmarkt, die Löhne und die Preise führt.
Sollte die Straße von Hormus nach der angekündigten Feuerpause wieder gesperrt sein, werden die strategischen Ölreserven vollständig erschöpft sein, die Energiekrise wird ihr volles Ausmaß erreichen und womöglich in eine zweite „Great Depression“ umschlagen. Eine drastische Nachfragekürzung könnte zur Schrumpfung der industriellen Produktion, unternehmerischen Aktivitäten und des Verbrauchs der privaten Haushalte sowie negative gesamtwirtschaftliche Folgen haben.
Es wird immer deutlicher, dass Trump sich verkalkulierte, nicht viele Trümpfe in der Hand hielt und deswegen gezwungen war, seinen Angriffskrieg mangels Alternative zu stoppen. Vieles wird nun davon abhängig sein, wie sich die iranische Führung während und nach der angekündigten Feuerpause verhält.
Momentan sieht es so aus, als würde der Iran wie der brennende Vogel Simurgh aus der persischen Mythologie, der laut Legende etwa 1700 Jahre lebte, bevor er in Flammen aufging und sich selbst verbrannte, um aus der Asche ähnlich dem Phönix neu geboren zu werden, geoökonomisch gestärkt aus diesem Krieg hervorgehen.
3. Petro-Yuan statt Petrodollar?
Um vom Sieg zu sprechen, musste Trump mindestens zwei Ziele erreicht haben: die Kontrolle über den Persischen Golf und ein Regime Change im Iran. Beide Ziele hat er mit Pauken und Trompeten verfehlt. Der Regimewechsel ist weit in die Ferne gerückt. Und was die Straße von Hormus angeht, so hat die zweiwöchige Feuerpause zwar eine freie Schifffahrt vereinbart; sie steht aber erstens nach wie vor unter Irans Kontrolle und ist zweitens gebührenpflichtig.
The New York Times zitiert in ihrem Leitartikel „Trump Finds Offramp After a Day of Apocalyptic Threats“ (Trump findet einen Ausweg nach einem Tag voller apokalyptischer Drohungen) vom 8. April 2026 den iranischen Außenminister, Abbas Araghchi, der klipp und klar sagt: „Der Schiffsverkehr werde zwar fortgesetzt, jedoch unter der Kontrolle der iranischen Streitkräfte, die bestimmen würden, wer wann passieren dürfe“.
„Der Iran kontrolliert weiterhin die Straße von Hormus, was vor dem Krieg nicht der Fall war. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die USA und die Welt eine Situation akzeptieren könnten, in der der Iran auf unbestimmte Zeit einen wichtigen Energieknotenpunkt kontrolliert. Das wäre ein wesentlich schlechteres Ergebnis als vor dem Krieg“, zitiert The New York Times einen entsetzten Analysten, Richard Fontaine (Geschäftsführer des Center for a New American Security).
Nun ja, jetzt bleibt dem außenpolitischen US-Establishment wohl nichts anderes übrig, als „eine Situation“ zu akzeptieren, „in der der Iran auf unbestimmte Zeit einen wichtigen Energieknotenpunkt kontrolliert“, und es muss sich mit den vor unseren Augen stattfindenden geoökonomischen Machtverschiebungen abfinden. Und sollte die Kontrolle durch den Iran vertraglich dauerhaft gebührenpflichtig bleiben, wird es laut Schätzungen mancher Experten dem Iran Einnahmen von bis zu 64 Milliarden Dollar pro anno bringen.
Die Fokussierung auf die Straße von Hormus ist indes irreführend und verzerrt die Realität, da der Iran die Fähigkeit besitzt, fast die gesamte 1700 km lange Küstenzone und insbesondere den Persischen Golf zu kontrollieren und notfalls die Energie-, Industrie- und Verkehrsinfrastruktur der Region zu zerstören.
Die US-Kontrolle über die Straße von Hormus kann nicht mehr erlangt werden. Denn alle Häfen und Terminals im Persischen Golf können vom Iran ebenso, wie Tanker, die aus dem Persischen Golf auslaufen, angegriffen werden.
Selbst wenn seine Raketenproduktion, sein militärisch-industrieller Komplex und seine industrielle Basis vollständig zerstört würden, könnte der Iran die Region leicht mit Drohnenangriffen von verteilten mobilen Startplätzen und Montageanlagen tief unter der Erde terrorisieren. Es wird immer deutlicher, dass der Iran einen strategischen Sieg errungen und Trump eine strategische Niederlage erlitten hat.
Schlimmer noch: Die Trump-Administration läuft Gefahr die privilegierte monetäre Stellung des US-Dollars, die den USA halbwegs (noch) eine geoökonomische Vormacht ermöglicht, als Folge des Irankrieges zu verlieren.
Ausgerechnet der Angriffskrieg gegen den Iran kann dem US-Dollar das Genick brechen. Die Sperrung der Straße von Hormus rüttelt ernsthaft am unverzichtbaren monetären Fundament der US-Hegemonie. Iran fordert zu alledem, dass künftig nur noch Tanker passieren dürfen, deren Öl in chinesischem Yuan bezahlt werden.
China profitiert damit neben Russland von Trumps Iran-Feldzug. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war der US-Dollar die Weltleitwährung schlechthin. Und nun droht ihm ein dramatischer Absturz vom Sockel der Unersetzbarkeit und Unverzichtbarkeit.
Viele Investoren, insbesondere im Globalen Süden, preisen mittlerweile chinesische Vermögenswerte als sicheren Hafen für Kapital an. Indische Ölraffinerien haben laut Bloomberg aufgrund globaler politischer Spannungen und einer rücksichtslosen US-Außenhandelspolitik einen Kurs eingeschlagen, um ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.
Inder bezahlen ihr Öl zunehmend in Rupien, die sie anschließend in VAE-Dirham oder Yuan umtauschen. Das wäre vor dem Irankrieg unvorstellbar. Russland hat seinerseits infolge der westlichen Wirtschaftssanktionen längst auf die Bezahlung von Öllieferungen in Rubel oder chinesischen Yuan umgestellt.
Selbst die südkoreanische Regierung informierte ihre Unternehmen Anfang April über die Möglichkeit, russisches Öl ohne Angst vor sekundären US-Sanktionen zu erwerben, und gab an, dass solche Transaktionen nicht nur in Dollar, sondern auch in Yuan, Rubel und Dirham abgewickelt werden können.
Peking strebt seinerseits eine stärkere Rolle des Yuan im globalen Zahlungsverkehr mit dem Ziel an, ihn zur Weltreservewährung zu machen. Xi Jinping machte dies kurz vor dem Angriff auf den Iran deutlich. „China braucht eine starke Währung, die im internationalen Handel, bei Investitionen und auf den Devisenmärkten breit eingesetzt werden kann und die den Status einer Reservewährung erreichen kann“, schrieb er in einem Artikel für das Parteiorgan „Qiushi“ am 15. Februar 2026.
Die durch den Irankrieg verursachten geoökonomischen Turbulenzen spielen Peking nur in die Hände. Die Zentralbanken in mehreren Ländern wurden gezwungen, ihre Abhängigkeit von Dollar-Anlagen zu überdenken. Laut IWF betrug der Anteil des Yuan an den globalen Währungsreserven im dritten Quartal 2025 1,93 % und lag damit an sechster Stelle aller Währungen. Der US-Dollar machte rund 57 % aus (gegenüber 71 % im Jahr 2000), der Euro rund 20 %. Anfang dieses Jahres war der Anteil des US-Dollars an den globalen Währungsreserven auf rund 40 % gefallen und hatte damit den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten erreicht.
Der chinesische Ministerpräsident, Li Qiang, erklärte Ende März, dass Chinas jährliches BIP bis 2030 um mehr als 30 Billionen Yuan (4,35 Billionen US-Dollar) steigen dürfte, was „größere Möglichkeiten für eine Vertiefung des Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und anderen Ländern eröffnen“ werde.
Und der Gouverneur der Chinesischen Volksbank, Pan Gongsheng, betonte seinerseits, dass Chinas Geldpolitik die von Xi Jinping vorgeschlagenen globalen Governance-Initiativen berücksichtige, wonach Peking sich „aktiv an der Reform und Verbesserung des globalen Finanzmarktes beteiligen“ und die Koordinierung der internationalen Geld- und makroökonomischen Politik verstärken werde, um ein „multilaterales und effektives globales finanzielles Sicherheitsnetz“ zu schaffen.
Auf dem Weg zu einer globalen Reservewährung steht dem Yuan allerdings in Wege die fehlende freie Konvertibilität, Kapitalverkehrskontrollen und die geringe Liquidität am Markt für Staatsanleihen. Freilich ermöglichen diese Beschränkungen es Peking, den Yuan-Wechselkurs und den Anleihenmarkt zu kontrollieren und gleichzeitig das Risiko eines starken Kapitalabflusses zu minimieren. China ist folglich noch nicht bereit, diese Kontrolle aufzugeben.
Dieser chinesische Staatsdirigismus erschwert naturgemäß dem Yuan, potenziell und tendenziell eine Reservewährung zu werden. Der Irankrieg könnte indes die Vorherrschaft des Petrodollars eliminieren und der Bildung des Petro-Yuan Vorschub leisten.
Alles in Allem stehen wir womöglich vor rasanten geoökonomischen und monetären Umwälzungen, die die Welt zuletzt so vor achtzig Jahren gesehen hat. Erneut scheint sich Heraklits Spruch zu bewahrheiten: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“.


Wenn er sich doch bloß den letzten Satz gespart hätte…
Der Krieg ist eine logische Konsequenz dieses Systems.
Der Irankrieg ist noch nicht vorbei.
Seltsamer Artikel.
Die Amerikaner werden den Krieg auf jeden Fall fortsetzen. Die holen nur mal Luft, dann geht’s weiter.
Wieso wird eigentlich in Bezug zum Krieg immer wieder der Oman erwähnt, der mutmaßlich genauso betroffen wäre, wie Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, VAE (und Irak)? Obwohl der Oman eigentlich so gut wie nicht angegriffen wurde.
Man sollte in manchen Fällen dann doch genauer schauen, wer dann vom Iran (nach dem Angriff der USA und Israel auf den Iran) in den umliegenden Staaten mit Raketen und Drohnen bedacht wurde (und nicht einfach alle Golfanreiner-Staaten nennen). Und wer dann eben doch eher nicht. Wobei gewisse Dinge dann eben daran liegen, dass der Irak dann doch eigentlich – nach einer Entscheidung der irakischen Regierung/Parlament von 2020 – die amerikanischen Streitkräfte im eigenen Land gerne loswerden würde (nur die Amis eben nicht wollten und deshalb noch da sind). Und im Oman dann doch auch eher weniger amerikanische Stützpunkte zu finden sind.
Hofpropheten habe ich immer misstraut.