Genozid in der Bibel?

Der Kampf um Jericho. Die Einwohner werden nach Fall der Mauern vernichtet. Bild: Schnorr von Carolsfeld „Bibel in Bildern“ 1860/gemeinfrei

Israels Landnahme um 1200 vor der Zeitrechnung soll durch Ausrottung der vorherigen Bewohnerschaft erfolgt sein – doch solche Fiktionen haben Bibelautoren erst Jahrhunderte später ersonnen.

Die Hebräische Bibel, eine Sammlung höchst unterschiedlicher, z.T. geradezu gegensätzlicher Bücher, gehört für mehr als zwei Milliarden Menschen zum anerkannten Kanon „Heiliger Schriften“. Sie enthält eine zivilisatorische Friedensperspektive für die Menschheit, die angesichts der Möglichkeit eines selbstmörderischen Weltkriegs der Gattung „Homo sapiens“ mehr denn je höchste Beachtung verdient: Schwerter sollen zu Pflugscharen umgeschmiedet werden („Brot statt Bomben“); auf dem ganzen Erdkreis wird man das Kriegshandwerk nicht mehr lernen (Micha 4,3; Jesaja 2,2-4).

Andererseits enthalten die „Heiligen Schriften“ archaische, wirklich abgründige Vernichtungsszenarien – angeblich ins Werk gesetzt unter Mitwirkung und Wohlgefallen des Allerhöchsten. Es gehören besonders „die Landnahmeerzählungen zu den ethisch anstößigsten Texten der Hebräischen Bibel, erzählen sie doch von völkermörderischen Aktionen, die im Auftrag und mit Billigung des Gottes Israels durchgeführt worden sein sollen“ (R. Kessler: Der Weg zum Leben. 2023, S. 303). „Die ersten zwölf Kapitel des Josuabuches, die von der Eroberung des Landes handeln, scheinen durchweg einer Linie zu folgen: eine von Gott legitimierte Eroberungspolitik verbunden mit der Vertreibung der Bewohner und Vernichtung allen nichtisraelitischen Lebens“ (M. Görg: Der un-heile Gott. 1995, S. 34).

Zwei Beispiele im Wortlaut: „Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der HERR, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen.“ (5. Buch Mose / Deuteronomium 20,16) – „Geh und schlage Amalek und unterwirf sie dem Bann, alles was zu ihm gehört! Verschone ihn nicht! Töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.“ (1. Buch Samuel 15,3).

Ergänzend zu einem jetzt erschienenen Sammelband der Schalom-Bibliothek haben wir die bedeutsamsten Bibelstellen zum Thema in einer auch im Netz aufrufbaren Textdokumentation zusammengestellt.

Gewaltkritik der abrahamitischen Religionen – ohne zweierlei Maß

Beim Feld ‚Gewalt- und Kriegskomplexe in Heiligen Schriften‘ denken die meisten Menschen hierzulande überwiegend sofort an die fundamentalistische Koran-Auslegung der ‚Islamisten‘ (oder generell an ‚den Koran‘). Geradezu inquisitorisch wurden (werden) Muslime und ihre Vertretungen im öffentlichen Raum seit Beginn des neuen Jahrtausends immer wieder aufgefordert, sich von ‚Gotteskriegern‘ – die man ihren Reihen zuordnete – zu distanzieren. Gleichzeitig mussten (und müssen) sie erleben, dass Millionen muslimische Opfer, getötet von Militärs aus überwiegend noch christlich geprägten Ländern, vor dem Hintergrund einer rassistischen Weltbetrachtung als ‚Kollateralschäden‘ eines sogenannten Antiterrorkrieges abgehakt und vergessen wurden (werden). Die passenden Feindbilder zu diesem abgründigen Komplex gehörten – wie ich u.a. in der Studie „Kino der Angst“ (2005/2007) zeige – schon vor vier Jahrzehnten zum Repertoire der unterhaltungsindustriellen Massenkultur. – Tötende Gewalt, so müssen wir schlussfolgern, gilt nur dann als verwerflich, wenn sie aus dem Kulturkreis der ‚Anderen‘ heraus ins Werk gesetzt wird. Nur in diesem Fall sind auch Opferzahlen und Opfergedächtnis von Interesse.

Die selektive Blickrichtung, welche die Gewaltfrage nur an den jüngsten Spross im abrahamitischen Kreis adressiert, hat allerdings schon lange jede Plausibilität verloren. Nicht nur Hamas und Hisbollah folgen einer Ideologie der Menschenverachtung. Ein beträchtlicher Teil der Evangelikalen besonders in den USA betreibt eine abgründige fundamentalistische Bibelauslegung, ist förmlich versessen auf katastrophische Szenarien als Vorboten des Endes aller Tage und bekennt sich unverhohlen zu tötender Gewalt. Dieser ‚faschistoide Christenkomplex‘ plädiert für Theokratie und hegt keinerlei Skrupel, an einem Weltenbrand mitzuwirken. (Im Gegensatz zu vielen polnischen Katholiken unserer Tage sind die meisten Anhänger aber nicht offen antijudaistisch oder antisemitisch.)

Eine fundamentalistische Auslegung von Texten der Hebräischen Bibel, die z.T. mit archaischen Ausrottungsszenarien verknüpft sind, verfolgen sodann jene rechtsextremen Nationalreligiösen, die gegenwärtig die Regierungspolitik in Israel mitbestimmen (vgl. z.B. die Schlussabschnitte im Wikipedia-Eintrag „Amalekiter“). Während die seit zwei Jahrtausenden tradierte rabbinische Richtung des Judentums sich durch eine ausgeprägte Liebe zum Leben (Biophilie) auszeichnet, huldigen diese – wiederum theokratisch ausgerichteten – Kräfte in ihrem öffentlichen Wirken einem regelrechten Kult des Todes (u.a. Menschenerniedrigung als mediale Inszenierung, Foltervoten, Feldzug für Hinrichtungen durch eine selektive Militärgerichtsbarkeit, Rassismus, Entmenschlichung der ‚Anderen‘, Vernichtungsphantasien).

Ungezählte Menschen waren in einem Zeitraum, der sich fast über ein ganzes Jahrtausend erstreckt, am Werdegang der Bibel beteiligt: betend, erzählend, dichtend, schreibend, überliefernd, übersetzend, redigierend, korrigierend, streichend, kombinierend, anreichernd, ausdeutend …, bewertend und auswählend (Kanon). Wer ganz allgemein nur von „der Bibel“ spricht, der bleibt so vage oder nichtssagend wie jene, die von „dem Judentum“, „dem Christentum“ oder „dem Islam“ reden. Wenn unter den Namen der drei abrahamitischen Religionen jeweils geradezu konträre, mithin sich einander ausschließende theologische Standorte anzutreffen sind – und solche ‚Pluralität‘ auch in den Heiligen Urkunden anzutreffen ist, so verbietet es sich von selbst, alles über einen Leisten zu ziehen. Andererseits dürfen unbequeme ‚Befunde‘ bezogen auf die abrahamitischen und andere Religionen in Bewertungen nie mit zweierlei Maß gemessen werden.

Scharfe laizistische und humanistische Religionskritik

Der unheilvollen Wirkungsgeschichte „gewalthaltiger Bibeltexte“ in vielen Jahrhunderten und ihrer fundamentalistischen Indienstnahme stehen die „schützenden und rechtfertigenden Filter der talmudischen Tradition“ gegenüber: „Talmud-Studenten wussten immer schon und wissen auch heute noch, dass die hebräische Bibel nicht ohne Anleitung zu lesen ist, ohne vermittelnde und abfedernde Auslegung der erbarmungslosen und ‚unverständlichen‘ Worte Gottes.“ (Shlomo Sand; dies und nachfolgende Aussagen werden nach dem o.g. neuen Band zitiert.)

Mit einer Rückbindung an das überkommene rabbinische Judentum, das sich in zwei Jahrtausenden durch eine weithin pazifistische Exegese auszeichnet, wäre an dieser Stelle schon viel gewonnen. Grundsätzlich sollten wir alle frommen Auslegungen, die der fundamentalistischen Lesart von Totmachkomplexen in der Bibel wehren, begrüßen. Doch gegenüber atheistischen bzw. ausdrücklich religionsfeindlichen Kritikern jeglicher ‚Gewalt im Namen Gottes‘ kann die exegetische Besänftigung noch keinen Dialog auf Augenhöhe anbahnen.

Der britische Biologe Richard Dawkins meint: „Der Gott des Alten Testaments ist – das kann man mit Fug und Recht behaupten – die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur.“ Heinz-Werner Kubitza (Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung) sekundiert mit folgendem Fundamentalangriff: „Nach heutigen Maßstäben ist Jahwe, der Gott des Alten Testaments […], nicht nur ein Kriegsgott, sondern auch ein Kriegsverbrecher. Und zwar einer von der übelsten Sorte. Er betreibt in großem Stil Vernichtungskriege und ethnische Säuberungen. Er verstößt aus heutiger Sicht in erheblichem Umfang gegen Völker- und Menschenrechte, ist rücksichtslos und ohne Mitleid mit seinen Opfern. So jedenfalls die biblische Darstellung, wenn man die geschilderten Kriege und die Erzählungen einmal nüchtern daraufhin befragt, was hier eigentlich geschildert wird. Gläubige sind in der Regel zu einer solchen Analyse kaum fähig, weil sie sich, ohne tiefer nachzudenken, natürlich auf die Seite ihres Gottes gestellt haben und selbst schlimmste und menschenverachtendste Erzählungen glaubenskompatibel umdeuten, nur in Teilaspekten wahrnehmen oder gleich gänzlich ignorieren“ („Der Glaubenswahn“, 2016).

Die „kirchliche Interpretationshilfe“ und mannigfache Apologien der Gottesgelehrten überzeugen Kubitza nicht – und in vielen Fällen bringt er – als promovierter Theologe – sehr ernstzunehmende Argumente vor.

Fiktionen über den Vorgang der Landnahme

In der Forschung werden die biblischen Ausrottungsnachrichten im Zuge der sogenannten ‚Landnahme‘ heute ganz überwiegend als Fiktionen betrachtet, so vom israelischen Historiker Shlomo Sand: „Da archäologische Befunde immer eindeutiger belegen, dass der Auszug aus Ägypten [so] niemals stattfand und das Land Kanaan in dem Zeitraum, von dem die biblische Erzählung berichtet, auch nicht auf einen Schlag erobert wurde, darf zu Recht davon ausgegangen werden, dass die grauenvolle Geschichte über den Massenmord [bei einer Landnahme, pb] pure Erfindung ist. Es waren, allem Anschein nach, einheimische Bevölkerungselemente, die in einem langwierigen, stufenweisen Übergang vom Nomadentum zur Landwirtschaft zu einem bunten Gemisch aus Kanaanitern und Hebräern wurden, und aus dieser autochthonen Bevölkerung erwuchsen im weiteren Verlauf zwei Königreiche – das größere Israel und das kleinere Juda.“

Es ist, so meint etwas vorsichtiger Andreas Michel, „der allergrößte Teil der biblischen Literatur, in der die Praxis der Vernichtungsweihe vorkommt – nämlich in der sogenannten Landnahmezeit bzw. der frühen Königszeit, also dem 12. bis 10. Jahrhundert – nicht zeitgenössisch, das darin Erzählte beruht auch nur zum geringsten Teil auf historischer Erinnerung. Nach ziemlich einhelliger Überzeugung der christlichen Exegetinnen und Exegeten stammen diese brutalen Landnahmetexte mit dem terminus technicus ḤRM [cherem] in Josua 6-11, dazu der Programmtext in Deuteronomium 7, frühestens aus dem Ende des 7. Jahrhunderts, wahrscheinlicher aus dem 6. Jahrhundert, also aus der Zeit des sogenannten babylonischen Exils, als solche grausamen Praktiken für die militärisch unterworfenen Israeliten bzw. Judäer nur noch ins Reich des allenfalls gedanklich Möglichen fallen konnten. Im Josuabuch wird also offensichtlich aus dem Rückblick von mindestens einem halben Jahrtausend (!) später die Landnahme als gewalttätig dargestellt, vielleicht mit Blick auf die damals und bis heute beeindruckenden großen Ruinenhügel oder auf die eigenen befestigten Städte der Gegenwart, aber jedenfalls nicht mit irgendwie validen historischen Kenntnissen“ (2014).

Heinz-Werner Kubitza betont in seinem streitbaren Werk (s.o.): „Nun, der Gott des Alten Testaments kann an dieser Stelle entlastet werden, denn die geschilderten Massaker hat es fast alle historisch nicht gegeben. Sie sind meist reine Erfindungen der deuteronomistischen Redaktoren, die es für eine gute Idee gehalten haben, ihren Gott als Schlächter und Vernichter von Ungläubigen darzustellen.“

Nachdrücklich konstatiert Rainer Kessler: „Es ist heute außer bei Fundamentalisten eine unbestrittene Erkenntnis, dass eine militärische Eroberung in der Art, wie sie das Josuabuch beschreibt, nie stattgefunden hat. Die so genannte Landnahme war ein überwiegend friedlich verlaufener Vorgang der Ansiedlung in bis dahin unbesiedelten Gebirgsgegenden in den Zwischenräumen der alten kanaanäischen Städte. […] Israel wäre zu keiner Zeit seiner Geschichte in der Lage gewesen, solche völkermörderischen Kriege zu führen. Wenn sie trotzdem erzählt werden, handelt es sich dabei ‚um israelitische Adaptionen altorientalischer Propagandatexte‘. Bei der Darstellung, dass die Vorfahren mit Hilfe des eigenen Gottes in der Lage waren, selbst solche Gewalt auszuüben, handelt es sich um Rachephantasien der Opfer, die für diese eine befreiende, entlastende und stabilisierende Funktion haben“ (2023).

Hans-Michael Haußig führt mit Blick auf biblische ‚Gewaltnarrative‘ summarisch aus: „Die Mehrzahl der im Tanach beschriebenen Gewalthandlungen findet sich in den Büchern Deuteronomium, Josua, Richter, Samuel und Könige, die von der Mehrheit der Forschung der deuteronomistischen Schule zugeordnet werden und deren Entstehung zum überwiegenden Teil erst in der Zeit des Exils anzusiedeln sein dürfte. Insofern handelt es sich nicht um zeitgenössische Berichte der in ihnen beschriebenen Auseinandersetzungen, sondern um nachträglich verfasste Schilderungen, in denen sich eher der Zweck erkennen lässt, bestimmte theologisch-ideologische Grundauffassungen zu übermitteln. Dementsprechend war Israel immer dann erfolgreich gegenüber anderen Völkern, wenn es sich auf Gott verlassen und die Gebote der Thora eingehalten hat …“ (2024).

Der Bann – die sogenannte „Vernichtungsweihe“

Das Skandalöse an den betreffenden biblischen Schilderungen von der Ausrottung ganzer Städte bzw. Menschengemeinschaften ist – theologisch betrachtet – nicht etwa eine ausgesprochene Einzigartigkeit, sondern im Gegenteil der Umstand, dass sie sich trotz mancher Eigentümlichkeiten problemlos einreihen in den Bilderbogen der bronze- und eisenzeitlichen Kriegsideologie bzw. Kriegspropaganda Westasiens (vgl. im neuen Band die Seiten 297-313 und 324-344). Die seit fünf Jahrtausenden auftauchenden kriegslüsternen Staatsgottheiten gehören zum Überbau einer unheiligen Dreifaltigkeit von Aneignung, Herrschaft und Krieg. Sie sind ein Fall für die materialistische Religionsgeschichtsforschung, aber ganz sicher nicht für eine „Offenbarungstheologie“.

Das kleine ‚Israel‘ (zwei Königreiche) war kein mächtiger Akteur im Kreis der Militärstaaten und Imperien des 1. Jahrtausends vor der Zeitrechnung, sondern ein Opfer der Kriegsgewaltigen: „Ein versprengtes Schaf war Israel, von Löwen gehetzt. Zuerst hat es der König von Assur gefressen, zuletzt hat ihm Nebukadnezzar, der König von Babel, die Knochen abgenagt.“ (Jeremia 50,17) Der Gott Israels – ein Gott der Nomaden, der entlaufenen Slaven und der jeglicher Königsmacht abgeneigten Stämme – ist anders, ganz anders als all die anderen (Staats-)Götter ‚ringsum‘. So lautet der theologische Anspruch. Wie konnten dann aber Autoren der Bibel auf die Idee kommen, Selbstrühmungen der imperialen Massenmörder und die heidnische Kriegspropaganda aggressiver Staaten als Vorlagen heranzuziehen?

Für den besonders berüchtigten Bann („Vernichtungsweihe“) gibt es mit der Mescha-Stele aus der Mitte der 9. Jahrhunderts v. Chr. ein außerbiblisches Zeugnis, in dem Israel als Opfer desselben genannt wird. Durch die Inschrift bekundet der König von Moab, der die Gunst des Gottes der Moabiter zurückerlangt hat, folgenden Militärschlag gegen die vormaligen Bedrücker: „Und [unser Gott] Kemosch sprach zu mir: Geh, nimm Nebo (im Kampf) gegen Israel. Da zog ich bei Nacht los und kämpfte gegen es von Tagesanbruch bis Mittag. Und ich nahm es ein und tötete alles: 7000 Männer, Klienten, Frauen, [Klien]tinnen und Sklavinnen, denn ich hatte es dem Aschtar-Kemosch (durch Bann) geweiht. Und ich nahm von dort die [Gerät]e (?) Jahwes und schleppte sie vor Kemosch.“

Der Alttestamentler Walter Groß meinte 2011: „Die voll ausgebaute Theorie des Jhwh-Krieges als Eroberungskrieges Israels im Kontext der ‚Landnahme‘ setzt die Auseinandersetzung mit der assyrischen Kriegspraxis und mit der assyrischen Kriegsideologie voraus, der zufolge der assyrische König als Stellvertreter und Repräsentant des Königsgottes Assur verpflichtet ist, die Feinde als Repräsentanten des Chaos zu unterwerfen und das Staatsgebiet Assurs zu erweitern. Die Ausbildung bzw. literarische Verwendung des Motivkomplexes ‚JHWH-Krieg‘ gänzlich erst Deuteronomisten des 6. Jahrhunderts [v.Chr.] zuzuschreiben, kann schon wegen der unverdächtigen Parallele in der moabitischen Mescha-Inschrift aus der Mitte des 9. Jahrhunderts nicht überzeugen.“ Hier scheint es nun nicht mehr so gesichert zu sein, dass eine der Gottheit geweihte Ganzopferung fremder Kollektive für Israel/Juda zu keinem Zeitpunkt der Geschichte möglich gewesen wäre.

Selbstredend ist es Aufgabe der theologischen Forschung zu ergründen, warum späte Theologenschulen bzw. biblische Autoren mehrere Jahrhunderte nach einem Besiedlungsprozess die von ihnen angenommene Landnahme als ein Geschehen mit abgründigen Gewalt- und Tötungsszenarien schildern. Mit Blick auf den Anspruch einer Offenbarungsurkunde ist das theologische Problem der entsprechenden Bibelinhalte mitnichten gelöst, wenn wir diese unter die Überschrift stellen: ‚Alles nur Fiktionen!‘

Wie man die biblischen Texte nicht verteidigen sollte

Denn auch eine fiktionale – erfundene – Massentötung auf himmlisches Geheiß hin bleibt verbunden mit einem unannehmbaren Gottesbild, von der unseligen Wirkungsgeschichte ganz zu schweigen. Der Bibel zufolge entkommt das Volk Israel dem Sklavenhaus Ägypten. Sein Gott verheißt ihm das – schon besiedelte – Land Kanaan als das Gelobte Land. Damit die Israeliten sich dort ansiedeln können, ist es vorgesehen, dass sämtliche Vorbewohner jeglichen Geschlechts und Alters ausgelöscht werden; nichts, was Atem hat, darf am Leben bleiben.

Vor dem Hintergrund der bronzezeitlichen Anschauungen sind bei Ausrottungen drei Grundvarianten vorstellbar, die allerdings für die Toten auf den Leichenfeldern weniger bedeutsam sind als für die bezahlten Kriegstheologen: 1. Die Gottheit befiehlt, ihr Schützling erweist sich als würdiger und fähiger Ausführender. 2. Gottheit und Schützling gewinnen im guten Zusammenspiel gemeinsam die Schlacht. 3. Allein die Gottheit bewirkt (für den jeweils geliebten Schützling) durch ihre überirdische Wundermacht den Sieg. (Bisweilen wird der von Jahwe im Alleingang bewerkstelligte Sieg – trotz evtl. entgegenstehender Befunde in der altorientalischen Kriegstheologie – geradezu als Alleinstellungsmerkmal des Glaubens Israels dargestellt, und es kommt der Verdacht auf, dies könne gar als entlastendes ‚Motiv‘ zugunsten der Bibel dienen. Warum aber, so die Fragestellung der Humanisten heute, sollte der kriegerische Massenmordapparat menschlicher Machtgebilde irgendwie annehmbarer erscheinen, wenn man ihn schamlos Gott – noch dazu als dem alleinigen Akteur – zuschreibt? Ja: warum?)

Die von Bibelautoren geschilderte Landnahme geht davon aus, dass Gott – ganz der altorientalischen Kriegsideologie entsprechend – nur auf einer Seite steht und parteilich ist. Sie bringt dann nicht nur wenigen Herrschern den Tod, sondern ganzen Bevölkerungen. Schon deshalb überzeugt es nicht, den Kriegsgott der ‚Landnahmezeit‘ entschuldigend als den Anwalt der Rechtlosen, Versklavten und Armen zu identifizieren. Es soll vermutlich besonders ‚theologisch‘ klingen, wenn die angenommene Landnahme als Land-Gabe (an befreite Sklaven, umherziehende Halbnomaden und egalitäre Bauernstämme) bezeichnet wird. Doch das lindert kaum den Schmerz darüber, dass die Besitzergreifung eines bereits bewohnten und bewirtschafteten Territoriums in biblischen Berichten mit der Auslöschung seiner gegenwärtigen Bewohner verbunden ist: „Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet. Fürchtet also jetzt den Herrn und dient ihm in vollkommener Treue!“ (Josua 24,13-14)

Israels Erwählung wird heute auch vom rabbinischen Judentum so verstanden, dass sie – eher Bürde als Bevorzugung eines sehr kleinen Volkes – so etwas ist wie ein göttliches Experiment, das allen Völkern als Licht und Wegweisung dient (vgl. Jesaja 49,6). Die Erwählten zeigen aller Welt, wie Menschen in einem vorbildlichen Gemeinwesen gottwohlgefällig und gerecht auf dieser Erde das (Zusammen-)Leben meistern können. Wer aber könnte irgendeinem unschuldigen Kind oder einem suchenden Sünder vermitteln, dass solch ein wunderbares – obendrein mit fundamentaler Herrschaftskritik verbundenes – Unternehmen, um Raum zu bekommen, mit einem Genozid beginnen müsse? Sämtliche Beschwichtigungen und Rechtfertigungen, die hierauf keine Antwort geben, sollten besser in der Schublade verbleiben.

Hüten sollten wir uns auch vor unsachgemäßen Idealisierungen, etwa hinsichtlich der deuteronomistischen ‚Kriegsgesetze‘, ebenso vor allen apologetischen Beschwichtigungen und ‚Fortschrittshypothesen‘, die nur vor Zirkeln frommer Bibelleser ‚standhalten‘. Einer Stadt z.B., die man tributpflichtig machen – also ausbeuten will, wird man zunächst schon aus purem ökonomischem Eigeninteresse eine ‚friedliche Unterwerfung‘ anbieten (5. Mose 20,10-13). – Ein gewisser Schutz von Frauen der feindlichen bzw. angegriffenen Kollektive (5. Mose 21,10-14) scheint zumindest kein Alleinstellungsmerkmal der biblischen Bestimmungen zu sein, wenn man den Autoren der Studie „Die Evolution der Gewalt“ (2024, S. 270-271) folgt: „Ein Vasallenvertrag der Hethiter etwa untersagte sexuelle Gewalt gegen Frauen. Das findet Eingang in die Bibel und belegt damit die Dringlichkeit.“

Innerhalb der „Heiligen Schriften“ wird um das Gottesbild gerungen, aber es gibt kein zielgerichtetes, konstant fortschreitendes Streben hin zu jenem Gott, „der alle Kriege zerschmettert“ (Septuaginta: Judit 16,2). Mitunter werden nämlich bestimmte alte Überlieferungen erst durch viel jüngere Redaktionen mit Gewalttendenzen angereichert.

Die Bibel als Bibliothek: Streitgespräch statt Zensur

Die rabbinische Theologie eröffnet eine große Freiheit und Pluralität bei der Bibelauslegung, doch sie sieht selbstredend keine Streichungen im kanonischen Text vor. Die Bibel ist erschütternder Spiegel einer Kriegswelt des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung und enthält selbst ein Übermaß an kriegstheologischer Ideologie. Uns begegnen „Projektionen des Glaubens an den Mythos erlösender Gewalt auf Gott hin“ (Thomas Nauerth): die Todeskulte, Leiden und Zerstörungen im Gefolge der staatlichen Gewaltkomplexe seit der Bronzezeit.

War nun der Gnostiker Marcion im Recht, als er im 2. Jahrhundert n. Chr. die Hebräische Bibel und alles mit ihr Harmonisierende aus dem Bibelkanon der Christen herausstreichen wollte – um nur noch einen vermeintlich durch und durch ‚guten Gott‘ gelten zu lassen? Nein, Marcion und alle ihm bis heute nachfolgenden Verfechter einer die Bibel verunstaltenden Zensur liegen falsch. Dies gilt gerade auch mit Blick auf die Friedensbotschaft der Hebräischen Bibel, die wir im Anschluss an das hier vorgestellte Werk in einem weiteren Band der Schalom-Bibliothek möglichst breit erschließen wollen. Schon die ‚Hausordnung der Tora‘ werden wir darin würdigen müssen, denn auf wirksame (rationale) Weise lässt sich eine Gesellschaft gegen Gewalt von innen und außen nur verteidigen durch ein soziales Gemeinwesen, in dem die Gleichberechtigung aller Glieder, Solidarität und Gerechtigkeit walten – und Menschen gestärkt (nicht klein gemacht) werden. Zur Friedenstheologie gehören auch all jene Texte, die es innerhalb der Bibel angehen, Gewaltszenarien abzumildern, umzudeuten oder durch Gegenbilder zu kritisieren.

Weisheitslehrer und Staatstheologen, Krieger und Botschafter des Friedens kommen in höchst unterschiedlichen Schriften zu Wort. Die Bibel – als Bibliothek verstanden – bietet Raum für ein großes Streitgespräch: „Nie … wird der Krieg verdrängt und die ihn tragende Mentalität durch eine andere, auf Ausgleich und Frieden gerichtete ersetzt. Immer bleiben beide Standpunkte als Spiel und Widerspiel bestehen“ (Bernhard Lang). Nur deshalb können wir auch die Friedenskunde im ‚Buch der Bücher‘ in ihrer ganzen Dringlichkeit aufnehmen bzw. verstehen.

Der von keinem ‚Pazifisten‘ zensierte Kanon ist somit wirklich ein Glücksfall! Kein Jota dürfen wir herausschneiden aus den ‚gewalthaltigen Anteilen‘, auch wenn eifrige ZeitgenossInnen möglicherweise schon bald ein ‚Canceln‘ der Hebräischen Bibel einfordern – was keineswegs außerhalb aller Wahrscheinlichkeit liegt.

 

Hinweis zum neuen Band ǀ Gewalt und Kriegstheologie in der Hebräischen Bibel. Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek – Mit Texten von Peter Bürger (Hg.), Friedrich Erich Dobberahn, Jürgen Ebach, Bruno Kern, Ansgar Moenikes, Bernhard Lang, Thomas Nauerth, Egon Spiegel und Jochen Vollmer. (edition pace ǀ Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 16). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6963-9675-6; Paperback; 400 Seiten; 16,99 Euro).

Ergänzende Dokumentation im Netz ǀ Bibelstellen zu Gewalt und Kriegstheologie

Bibliotheksportal | Alle Publikationen des Regals „Pazifisten & Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien“ erscheinen zunächst als Digitale Erstausgaben und sind frei abrufbar auf dem Projektportal – dort auch weitere Beiträge und alle Informationen zu den bisherigen Buchangeboten.

Peter Bürger

Peter Bürger (Jg. 1961), ist seit dem 18. Lebensjahr organisierter „Lumpenpazifist“ und versteht sich als christlicher Sozialist. Abgeschlossenes Hochschulstudium der katholischen Theologie (jedoch nie in bezahlten Kirchendiensten) und später Krankenpflege-Examen (1992). Nach psycho-sozialen Berufsjahren seit 2003 freier Publizist. Schwerpunkte seiner Forschungen/Veröffentlichungen: Westfälische Regionalgeschichte, Niederdeutsche Literatur (Rottendorf-Preis 2016), Krieg & Massenkultur (Bertha-von-Suttner-Preis 2006), Kriegsassistenz der staatlich subventionierten deutschen Großkirchen in Geschichte & Gegenwart, Friedenstheologie und Pazifismus, Imago der Einen Menschheit. – Leitbild für die eigene Schreibwerkstatt: Wer Quellen liest wird klüger; Mut zum Minderheitsvotum; keine Prostitutions-Dienstleistungen für den Medienapparat der Reichen und die militärische Heilslehre.
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28 Kommentare

  1. Schwieriges Thema.
    Ja, warum hat man im Zuge von inhaltlichen Revisionen diese üblen Passagen nicht entfernt?
    Vermutlich deshalb, weil bis in die frühe Neuzeit hinein niemand daran Anstoß nahm.
    Okay, Marcion nahm Anstoß.

    Wie der Autor schon sagt: Die Bibel ist in Wahrheit nicht EIN Buch, sondern eine ganze Bibliothek. Sie ist eben gerade nicht ein Buch aus einem Guss – sie unterscheidet sich insofern stark vom Koran – sondern eine bisweilen seltsam und fast schon willkürlich anmutende Zusammenstellung verschiedenster Texte, die sich auch teils widersprechen und auf unterschiedlichsten geistigen Entwicklungsstufen der Menschheit stehen.
    Hinzu kommt, dass gar nicht der Anspruch erhoben wird, dass alle Autoren der Bibel in stärkerem Maße göttlich inspiriert gewesen seien.

    Man sollte auch nicht annehmen, dass die im AT geschilderte oder zumindest befürwortete Handlungsweise gegenüber unterlegenen Gegnern damals etwas krass Abweichendes oder gar Einmaliges bzw. spezifisch Jüdisches gewesen sei. Der Autor erwähnt daher auch ganz richtig die Orientierung an der Praxis der Assyrer. Noch zu Zeiten der späten Mongolen – etwa unter Timur Lenk – war es doch in bestimmten Gebieten üblich, die besiegten Gegner über die Klinge springen zu lassen. Da konnte schon froh sein, wer bloß zum Sklaven wurde.

    Wir haben es also keineswegs mit einer besonderen jüdischen Praxis zu tun, sondern lediglich mit dem Umstand, dass eine üble Praxis, die vor 3000 oder 4000 Jahren aber allgemein verbreitet war, durch ihre Erwähnung in den Geschichtsbüchern der Bibel bis heute bekannt bleibt. Die ganz ähnlich üble Praxis der nichtjüdischen Moabiter, Mongolen, Ägypter, Assyrer usw. usf. ist hingegen längst vergessen, da es nicht in vergleichbarem Maße aufgeschrieben wurde. Auch die Römer haben sich in Gallien oder Karthago nicht als ethische Größe gezeigt und die Athener gegenüber der griechischen Insel Melos bekanntlich auch nicht.

    Wenn es in diesen Büchern überhaupt eine größere Schnittmenge gibt, dann besteht sie im Suchen nach dem herbeigesehnten und oftmals fernen Gott.

    Es spiegelt sich in diesen Büchern auf fast 2000 Seiten ein langer Prozess geistigen Wachsens, geistiger Entwicklung und Reifung und geistiger Auseinandersetzung: von archaisch-gewaltsamen Anfängen und Geschichtserzählungen sowie aufgeschriebenen mündlichen Überlieferungen aus noch älterer Zeit bis hin zu ethisch weitaus höher stehenden Konzepten. Nur so kann und sollte man sie lesen und deuten.
    Übrigens finden sich auch schon in einigen Spätschriften des Alten Testaments – etwa im Buch Jesus Sirach – höherstehende Gedanken, die etwas ans Neue Testament erinnern.

    Von daher wäre es dann aber verkehrt, das heutige Judentum mit dem Denken im Buch Deuteronomium in Verbindung bringen zu wollen – von einigen Extremisten und Ultraorthodoxen vielleicht mal abgesehen.

    Übrigens gibt es in diesen bewussten alten Passagen – besonders im Rahmen der Gesetzgebung und der verordneten Strafen – auch vieles, was dann in den Koran übernommen wurde.
    Anders gesagt: Was unterscheidet das religiös orthodoxe Makkabäerreich der jüdischen Spätzeit um 150 v.Chr. eigentlich vom sog. „Islamischen Staat“ (IS) um 2015 in Syrien??

    1. Schon klar: das einzige, was den Juden zur richtigen Religion fehlt, ist, die Göttlichkeit von Jesus anzuerkennen. Teufel aber auch, dass sie das nicht tun. Hat man sich doch so viel Mühe gegeben, sie wollen es einfach nicht nicht zugeben, dass die Wahrheit im Christentum liegt.

    2. Egal ob die „Völkermord Aufforderungen“ in den alten Schriften stimmen oder nicht – die heutigen Machthaber in Israel und deren Lobbyisten weltweit berufen sich darauf bei der Begründung/Durchsetzung zB. ihrer Gebietsansprüche.
      Sinngemäß hatten wir das schon mal zB. bei dem NAZI-Regime durch die Ausrufung der arischen Herrenrasse mit dem natürlichen Recht zur Beherrschung der Welt bei der alle Mittel zulässig sind.
      Noch Fragen?

  2. Herr Peter Bürger, wo, bitte, ist ein „unannehmbares Gottesbild“ zu haben? … … … … …

    In altvorderer, frühbürgerlicher (kantianischer) Manier zerlegt Peter Bürger den Ausschnitt der Ideenwelten, den er sich zum Thema genommen hat, in Ausdrucksgestalten von „Geist“ und „Ungeist“ und nimmt dann das erzählerische Material zur Bebilderung solcher Scheidung. Die gewohnte rückwärtige Geschichtskonstruktion, die Benjamins verzweifeltes Bild vom „Engel der Geschichte“ nahezu zum „wissenschaftlichen“ Modell nimmt.

    Aber, zugegeben, das läßt Raum für Debatten, wenn auch verengten.

    Keinen Raum für Debatten läßt, was der nahezu bekennende Neonazi Wolfgang Wirth mit seiner unschuldigen „Deutung“ von „Geist und Ungeist“ in „(ethisch) höher stehende Konzepte (und) Gedanken“ im Kontrast zu … …
    ja was? „unwertem Leben“? macht?
    Da ist Ausmerzungs- und Ausrottungswille schon vorausgesetzt.

  3. Alle Abrahamitischen Religionen predigen Frieden, aber nur den Juden war es ernst damit – als sie kein Land hatten! Mit der zionistischen Landnahme kam die 180 Grad Wende, die in den Genozid an den Palästinensern mündete.

  4. Ich beantrage die Löschung
    des Kommentars von Qana heute 13:06 Uhr
    wegen Beleidigung und grobem Verstoß gegen die Kommentarregeln von Overton.

    Danke!

    1. Na, WW, den verbalen Übergang vom theoretischen zum praktischen Ausmerzungswillen hättest du dir wohl besser verkniffen – mit dieser unverzichtbaren Unterscheidung habe ich jetzt eine Auslassung ausgemerzt.

      Ich nehme dir die „Beleidigung“ nicht ab, aber falls ich mich irren sollte: Sorry, sie war nicht die Absicht!

    2. „Ich beantrage die Löschung… wegen Verstoß gegen die Kommentarregeln von Overton.“

      Sie können sich Herr @Wirth nicht selber -argumentativ- verteidigen? Sie benötigen immer eine höhere Ordnungs- und Durchsetzungsmacht -den Staat, die Zensurbehörden etc.- die Sie verteidigen sollen?

    3. Wenn ich auch sonst die überschiessenden Zuschreibungen des Wasser zu Wein-Quanologen ablehne, bin ich mir dieses Mal nicht so sicher. Mit Ihrem Satz: „Übrigens finden sich auch schon in einigen Spätschriften des Alten Testaments – etwa im Buch Jesus Sirach – höherstehende Gedanken, die etwas ans Neue Testament erinnern.“ schließen Sie doch an sehr ungute Traditionen an – und sie merken es scheinbar nicht einmal…

    4. @ Wolfgang Wirth:

      Ich glaube Sie haben da etwas falsch verstanden. Die neuen Kommentarregeln geben einem nicht das Recht irgendwas zu beantragen. Weder die Löschung noch die Freigabe eines Kommentares. Nein, nein. Mit solchen Dingen wollen die Betreiber nicht behelligt werden.

      Vor unliebsamen Zuschreibungen schützen diese neuen Kommentarregeln dann auch nicht, auch wenn das ganz offene Pöbeln eingeschränkt worden ist.
      Erst recht nicht, wenn sie, wie von Quana hier mit einem „nahezu“, formal entschärft werden.
      Geschützt werden sollen ja nicht die Forenten, sorry die Leserbriefschreiber, sondern die Betreiber der Seite!

      Und dann stellt sich mir auch noch die Frage ob man das Geschreibsel von @Quana überhaupt ernst nehmen sollte.
      Hier wird schon genug gelöscht, wenn jetzt noch die Leserbriefschreiber anfangen noch mehr Löschungen zu fordern … naja das Forum ist eh nicht mehr zu retten.

      Der Tipp von @Attlee sich doch „argumentativ zu verteidigen“ läuft aber auch gleich doppelt ins Leere. Erstens ist es quasi unmöglich sich gegen den erhobenen Vorwurf argumentativ zu verteidigen, weil hier Argumente einfach keine Rolle spielen, und zweitens hat man bei 3 Posts pro Artikel gar nicht die Möglichkeit sich angemessen argumentativ verteidigen zu können, weil schlicht die Antwortmöglichkeiten fehlen.

      1. @Two Moon

        Einen schönen Nachmittag wünsche ich Ihnen!
        Danke für die freundlichen Worte.

        Ja, Sie haben anscheinend leider recht.
        Es ging mir bei meinem Antrag im Grunde auch eher nur darum zu prüfen, wie ernst die Redaktion des Overton-Magazins nach der Reform des Kommentarbereichs die gesetzten Regeln nun selbst nimmt und ob man dort bei primitiven und pöbelnden Kommentaren tatsächlich einzuschreiten bereit ist. Das Ergebnis ist leider nicht sehr ermutigend.

        Nein, ernst nehme ich ihn nicht. Was sofort ins Auge fällt, das ist natürlich der Umstand, dass sich der Kommentar von @Qana nicht mit meinem eigenen Kommentar und meinen Gedanken über die biblischen Bücher und die Gewaltaufrufe in einem Teil der Frühschriften des Alten Testaments beschäftigt.

        Auch der absurde Vorwurf von @Qana mir gegenüber hat überhaupt nichts mit meiner Argumentation über die Behandlung unterworfener Völker in der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zu tun. Vermutlich fehlen ihm Geschichtskenntnisse. Er wollte anscheinend nur stänkern und pöbeln. Es gibt solche Menschen.

        Das Tragikomische bei solchen Zeitgenossen besteht nun darin, dass sie einerseits selbst der Meinung sind, für das Gute, für das moralisch Höherstehende und für eine bessere Welt einzutreten, gleichzeitig aber durch ihre sonstigen Defizite mit dem Hintern gleich wieder einreißen, was sie vorn aufzubauen versuchen. Im Endeffekt machen sie die Welt auf diese Weise noch schlechter. Nein, komisch ist das eigentlich gar. Eher ist man versucht, Mitleid zu empfinden.
        Es wird nämlich für jeden der eklatante Widerspruch zwischen behaupteter angeblicher humanistischer / linker Überzeugung und der gleichzeitig unübersehbaren menschlichen Unreife so offensichtlich, dass längst nicht nur ich den Kopf schüttele.

        Gewöhnlich lese ich die Kommentare solcher Leutchen an mich überhaupt nicht, doch handelt es sich ja hier um keine direkte Antwort unter meinem eigenen Kommentar und da habe ich doch ein bisschen den Text überflogen.

        Insgesamt ist der Bürger-Artikel schon sehr interessant und überdies auch sehr gedankenreich. Ein guter Artikel.
        Gewiss könnte man mit recht monieren, warum das spätere Judentum diese alten Passagen nicht entfernt hat, da ja bekannt ist, dass das rabbinische Judentum eine ethisch höherstehende Weiterentwicklung des alten jüdischen Tempelkults darstellt. Bürger spricht sogar von pazifistischer Orientierung.

        Der Grund liegt vermutlich allein darin, dass man nicht das Risiko eingehen wollte, durch eine Revision uralter Texte einen Präzedenzfall für Textrevision zu schaffen. Würde es nämlich erst einmal einreißen, Teile der Tora zu revidieren, so gäbe es danach womöglich kein Halten mehr … !

        Da für die Juden in der Diaspora die Religion aber das absolut ENTSCHEIDENDE gemeinsame und verbindende Band war und dies im Grunde auch bis heute noch ist, würde es ein extremes Risiko bedeuten und die Möglichkeit der Selbstpreisgabe und der Zersplitterung in verschiedenste Schulen und Sekten heraufbeschwören, wenn man begänne, diese über 2000 Jahre alte Texte zu revidieren. Das dürfte der Grund sein!

        Nun ist es auch so, dass sich ein erheblicher Teil der späteren rabbinischen Schulen um eine andere Auslegung bemüht und universelle ethische Werte (z.B. Barmherzigkeit, Menschenwürde) stärker betont. Auch beruft man sich dort auf das wichtige talmudische Prinzip, Menschenleben zu bewahren.
        Gleichwohl gibt es aber auch einige orthodoxe oder sogar ultraorthodoxe Rabbiner, die sich weniger um eine neue Auslegung bemühen.

        Über eine Bezugnahme der heutigen israelischen Regierung auf diese uralten „Gewaltaufrufe“ ist mir nichts bekannt. Gleichwohl könnte man sich leicht vorstellen, dass von palästinensischer Seite heute versucht werden könnte, ein diesbezügliches Narrativ zu verbreiten. Ich weiß nicht, ob das der Fall ist, aber erstaunen würde es mich nicht.

        Auch das, was Ihrem Kommentar zufolge @Atlee an mich geschrieben hat, hatte ich bislang nicht gelesen.
        Nun habe ich durch Sie erfahren, was er schreibt. Belanglos!
        Auch haben seine Worte ja nichts mit meinem Kommentar zum Bürger-Artikel zu tun. Vielleicht ist er sogar ebenfalls bloß eine Alias-Figur von „Tom Gard“?!?
        Lebenszeit ist zu wertvoll als dass man sie verschwenden sollte. Sie haben den Kommentar in seiner Belanglosigkeit ja auch schon zutreffend eingeordnet.

  5. Das alte Testament ist eine einzige Aneinanderreihung von Schilderungen grausamer Gemetzel im göttlichen Auftrag.

    Gibt man dem Gott einen anderen Namen (der mit „A“ anfängt), dann hätte der Islamische Staat seine wahre Freude an solcher Historie.

    Leider dienen diese Gewalt verherrlichenden Geschichten u.a. auch zur religiösen Verbrämung heutigen GenoIds.

    1. Ĕlōah, deutsch ‚Gott‘ als das Singular ist in der hebräischen Bibel – dem Tanach – nach יהוה jhwh die zweithäufigste Bezeichnung für „Gott“. (Wikipedia) Nicht nur haben Moslems und Juden denselben Gott, sondern sind beschnitten, Schächten Tiere, haben dieselben Speisevorschriften u. a.

      1. Sie haben theoretisch Recht. Aber sagen Sie mal einem orthodoxen Juden, er habe den selben Gott wie sein palästinensisches Gegenstück.

        Zivilisierte Religionen sollten sich einfach von ihren alten Erzählungen trennen, in welchen der Gott des Gemetzels herrscht

  6. Ich versuche mal, ein Statement unterzubringen, weil es mehrere Fäden aufnimmt, vom Bürger, vom Höcke, vom Mausfeld.

    Ein Kommunist, und so einer bin ich nun mal, verteilt keine Bannflüche, wie Thora und Bibel, wie die Inquisition, wie olle Kant, wie die Nazis, die Innenminister der BRD seit ihrem Bestehen, die Stratcoms der NATO und ihre nationalen Ableger und last UND least, die Overton-Moderation. Auch nicht gegen WW.
    Warum tun wir das nicht?

    Weil wir uns, im Unterschied zu Nichtkommunisten, kennen. Wir wissen uns als „Fleisch vom Fleische“, d.h als Bestandteil und Moment eines gesellschaftlichen Geistes, wie er Bestandteil einer gesellschaftlich reproduktiven Daseinsweise, anders, aber nicht weniger, als der Geist unserer Gegner und erkorenen Feinde.

    Worum wir kämpfen, wenn wir denn können – seit zwei Generationen geht das nicht länger – ist gesellschaftliche Bestimmungsmacht, die Genossen einst durchaus angemessen Diktatur genannt haben, Diktatur des Proletariates.
    Dabei sind wir auf wenig so sehr angewiesen, wie auf unsere Gegner und Feinde, die wir von einer geteilten (nicht „gemeinsamen“) gesellschaftlichen Ebene aus zu überwältigen gedenken, wenn wir denn gedenken. Denn auf der Basis der eingangs benannten Kenntnis unserer selbst, wissen wir, daß eine Überwältigung nur ein einziges praktisches Ziel haben kann: Sie rückabzuwickeln. Die Macht denen zurück zu erstatten, die wir überwältigt haben, allerdings auf der Basis geänderter Voraussetzungen und Verfahren der gesellschaftlichen Reproduktion, die wir im ersten Schritt, nach einer Überwältigung, autonom, aus ganz und gar eigener Kraft zu unterhalten hätten. Die zählende Produktivkraft einer Diktatur des Proletariats ist nicht das Proletariat, sondern einzig die Kommunisten selbst, mit Muskel nicht weniger, als Herz und Hirn.

    Und das müßte für Bürgersöhnchen überhaupt nicht schröcklich oder auch nur fremdartig sein!
    Denn die frühbürgerlichen Revolutionäre und ihre Cousins, die sog. „Frühsozialisten“, haben im selben Geiste gehandelt, nur leider nicht auf der Basis tauglichen Wissens über sich selbst, sondern den privateigentümlichen Idealen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Doch das anvisierte und vielerorts auch durchgeführte Verfahren, war schematisch dasselbe, das ich oben geschildert habe: Macht ergreifen, um sie den Beraubten in veränderter Gestalt zurück zu erstatten.

    Also: Keine Bannflüche von mir, nicht gegen Mausfeld, Höcke, WW oder sonstwen. Wenn ich Urteile fälle, die euch apodiktisch erscheinen (sie sind es nicht, aber darauf kommt es hier ja nicht an), dann kommen sie mit Gründen, oder zumindest Verweisen auf Gründe daher, die gedacht sind, sie für die Rezipienten als Hinweise auf Urteile brauchbar zu machen, die mehr oder auch minder ihrer eigenen Daseinsweise inbegriffen sind (oder „sein könnten“, vom Standpunkt der Leser genommen), aber eben deshalb einer eigenständigen Prüfung bedürfen.

    Und mit solch einer Prüfung ist ein Kommunist, und so einer bin ich nun mal, dann auch zu Frieden. Auf anderes und mehr kann er argumentativ nicht zählen – der Rest ist im Fall des Falles Zwang – militärischer Zwang, der eine Veränderung der Produktionsweise erlaubt.
    „Veränderung der Produktionsweise“ – nicht etwa Machterhalt
    Wenn eine Revolution scheitert, wie die Novemberrevolution in Russland, dann ist sie aufzugeben, es geht gar nix anderes, und deshalb hat Stalin eben das getan: Die Revolution aufgegeben. Allerdings auf die häßlichste und brutalst mögliche Weise.

    1. Ich lese bei Qana:
      „Weil wir uns, im Unterschied zu Nichtkommunisten, kennen. Wir wissen uns als „Fleisch vom Fleische“, d.h als Bestandteil und Moment eines gesellschaftlichen Geistes, wie er Bestandteil einer gesellschaftlich reproduktiven Daseinsweise, anders, aber nicht weniger, als der Geist unserer Gegner und erkorenen Feinde.“
      — und bin ratlos! Was soll das idealistische Geschwurbel über „Fleisch vom Fleische“ und oder „Moment eines gesellschaftlichen Geistes“. Von einem, der von sich behauptet, Kommunist zu sein! Da würde sich Marx im Grab umdrehen – und übrigens auch der Erzidealist Hegel, denn der hat immerhin auf einem deutlich höheren Niveau geschwurbelt.
      „Weil wir uns kennen“ soll der Unterscheid zu Nichtkommunisten sein. Kennen die sich denn nicht? Ich will es nicht noch weiter zerpflücken.
      Es ist doch ganz einfach: Wer die bestehenden Verhältnisse begriffen hat, für den ist klar, dass die weg müssen, angesichts der heutigen Bedrohungen durch Klimawandel und Atomkrieg muss man sagen: um den Preis des Untergangs.
      Dass die, die das begriffen haben, die Macht ergreifen müssen, da sonst die Verhältnisse nicht prinzipiell geändert werden können, ist auch klar. Aber was soll das „nur um die Macht zurückzugeben? An wen? Mit der Aufhebung der Klassenunterschiede stellt sich die Frage, wer wem welche Macht übergibt, doch gar nicht mehr.

      1. Es ist doch ganz einfach: Wer die bestehenden Verhältnisse begriffen hat, für den ist klar, dass die weg müssen, angesichts der heutigen Bedrohungen durch Klimawandel und Atomkrieg muss man sagen: um den Preis des Untergangs.

        Wer die bestehenden Verhältnisse begriffen hat, für den ist klar, dass sogar der Untergang noch ein gnädigeres Schicksal wäre als die bestehenden Verhältnisse, so widerwärtig sind die.
        Leider werden sie mit Klauen und Zähnen verteidigt, allen voran von den Gelackmeierten selber. Ist ja auch wirklich jeder und alles davon abhängig gemacht. Prost Mahlzeit.

      2. „Dass die, die das begriffen haben, die Macht ergreifen müssen, da sonst die Verhältnisse nicht prinzipiell geändert werden können, ist auch klar. Aber was soll das „nur um die Macht zurückzugeben?!“
        Bevor die begreifenden Massen die Macht ergreifen, sollten sie wissen, dass ihre eroberte Macht ohne strategische Atomoptionen, höchstens eine Sache von Tagen Bestand haben wird.

        1. Schon. Aber ich wär schon stolz wie Bambel, wenn diese Tatsache je irgendeine Relevanz entwickeln würde.
          Wird sie aber nicht. Eher werden die Massen zu Hyänen:
          – Es ist verboten, was gegen die freiheitlich-rechtliche Grundordnung zu haben, und das muss ja nen Grund haben, sonst hieße sie nicht „Grundordnung“!
          – Was anderes als Konkurrenz funktioniert nicht (das sieht man daran, dass alles andere immer gleich kaputtgeht, wenn mans mit schweren Waffen beharkt)!
          – Außerdem gäbe es ohne obszöne Armut ja auch keinen obszönen Reichtum, auf den wir ja alle immer hoffen, weil wir stattlich bezahlt werden wollen dafür, dass wir uns verkaufen müssen!
          – Nein, wir machen uns nicht zur H*re, nur weil wir unseren Körper, unseren Geist und unser Leben verkaufen! H*ren sind NUR Leute, die ihre M*schi vermieten! Auf die sehen wir dafür umso doller herab, um den Unterschied hervorzuheben!
          – Was anderes als Konkurrenz muss sich BITTESCHÖN die irrwitzigsten Ansprüche gefallen lassen! Macht es alle ausnahmslos für immer wahnsinnig glücklich UND reich UND potent UND bringt sie auf den Mars? – Etwa NICHT?! Dann wollen wir es nicht, geh nach Hause, du Bauernfänger!!
          – Was anderes als Kapitalismus kann nur eins bedeuten: Du willst mir das Fahrrad klauen, ohne dass ich die Bullen rufen kann! – Lieber Atomkrieg! Lieber tot als rot!1
          – Wozu hat man seinen Verstand, wenn nicht dazu, sich bei drohenden Einsichten dumm stellen zu können!!

          [… diese Liste ist länger als die Zeugungsliste am Anfang der Bibel.]

    2. @ Qana:

      …daß eine Überwältigung nur ein einziges praktisches Ziel haben kann: Sie rückabzuwickeln.

      Ein wirklich guter Gedanke. Doch manchmal sind Dinge einfach irreparabel und unhaltbar kaputt. Oder auch Zustände, Landschaften – und Menschen. Was dann?

      Habe jetzt über eine Seite wieder gelöscht. Bin schon mit meinem letzten Mausfeld-Post unzufrieden, das reicht für heute.

      Nur das eine noch @sonstige:
      Vor einigen Monaten hat ein Forist sinngemäß geschrieben, „Schwurbler erkennt man daran, dass sie andere als Schwurbler und deren sagen als Geschwurbel bezeichnen“. Dem ist wenig hinzuzufügen.

    3. @ Qana (einbeziehend heute 10:10 Uhr):

      Folgendes ist mir gestern schon schräg vorgekommen: »hat Stalin eben das getan: Die Revolution aufgegeben.« Hat er das wirklich so und absichtlich aus einer Einsicht getan?

      Ansonsten: Ertappt, tatsächlich habe ich an anderer Stelle Lenin nicht bemerkt, was auch nicht überraschend ist, da ich ihn nahezu nicht rezipiert habe, genauso wenig wie Stalin. Die waren während meiner Ausbildungszeit mit der Mauer von offizieller Seite weggefallen, auch Marx war nie Gegenstand meiner akademischen Untersuchungen, eher eine spätere und private Inspiration – mit dem Grad Deiner Auseinandersetzung verglichen zweifellos oberflächlich, deswegen mag ich Deine Texte und Kommentare oft: Man lernt eben nie aus und bisweilen begegnen mir heute auch Passagen von Lenin, die ich überraschend finde…

      Natürlich ist das »Wunder der Liebe« kein Wunder. »Erfindung«? Vielleicht. Verkaufsargument? Allemal. Mir war es auch mehr ums »wundern« und staunen, also zu erkennen, dass man etwas niemals begreifen wird, auch wenn man 1.000 Jahre alt wird. Vielleicht nur ein Trost in der Vergeblichkeit. Das hat dann wohl auch jeder für sich: Vergeblichkeit – und hoffentlich etwas Nachsicht mit sich selbst. Doch das hatten wir an anderer Stelle auch schon.

      Offtopic:
      Hm, es erscheinen bei OM im Schnitt täglich 5 Artikel, das macht 15 Kommentare. Kann man mit arbeiten, nicht gut, aber immerhin 🙂

  7. Ein Volk, ein Reich, ein von Gott erwählter Moses.
    Die Thora erfindet, konstruiert und konstituiert das Judentum.
    Die alten Texte gehören dazu, genauso wie erst die lange Ahnengalerie von Raubmördern, einen Adeligen zum Herrscher macht.
    Wer will da schon wissen ob die uralten Geschichten der Wahrheit entspringen und sowohl die Ahnen als auch die angeblich uralten Urkunden nicht alle gefälscht sind? Es ist auch durchaus gewollt, dass das Bild von Gott, das die Thora vermittelt, sehr widersprüchlich ist. Der zornig aufbrausende und der sanfte, gütige Gott. Beides ist zur Herrschaft nötig.
    Und darum geht es doch letzten Endes bei Religionen.

  8. Da verirrt sich Bürger heillos. Aus dem Altertum sind unzählige Vorgänge überliefert, die einem, wenn wertend betrachtet, die Haare zu Berge stehen lassen, die menschliche Geschichte starrt nur so von brutalsten Gewalttaten, viele davon sind historisch im Wesentlichen nachweisbar. Der Übergang von der Viel- zur Eingötterei – den man als ersten Schritt zu einer Säkularisierung betrachten kann – hat daran nichts geändert, oder wenn doch, die Realität verschlimmert. Das Elite-Bewusstsein, dass damit einherging, legitimierte nahezu alles Vorstellbare. Daher ist es ein Irrweg, heutige Verhältnisse, Konflikte auf längst Vergangenes rückzukoppeln, also etwa in der Bibel Beschriebenes auf die Gegenwart. Das dient nur dem Verfeindungsdenken, das beständig nach neuen Bestätigungsgründen sucht. Unsinnig ist auch, Damaliges unter ethischen Gesichtspunkten zu betrachten, nüchterne historische Bestandesaufnahme ist angebracht, mehr ist sinnlos, bzw. ideologieverdächtig. Konflikte müssen auf heutiger Grundlage gelöst werden.

  9. Was ist eigentlich damit gewonnen, wenn die Frage gewälzt wird, ob sich die in der Bibel geschilderten Gräuel historisch so zugetragen haben?
    Das ändert doch nichts daran, dass das in der Bibel nicht kritisch, sondern als Darstellung gottgefälliger Taten präsentiert wird. Da kann man sich schon fragen, was von einer Religion, die das als heilige Schrift nimmt, zu halten ist.
    Wieweit das Gedankengut vom auserwählten Volk Gottes, dem so etwas erlaubt sei, in der gegenwärtigen Politik des Staates Israel eine Rolle spielt, dazu will ich im gegenwärtigen geistigen Klima nichts sagen.

  10. die Bibel als Nachschlagewerk für Landnahme, für Vertreibung, Mord und Totschlag. Wenn die Kanaaniter in den Libanesen, lt DNA, weiterleben, dann vollendet Israel/Netanjahu heute, wenn sie nicht gestoppt werden, den Massenmord, der damals womöglich nicht
    stattgefunden hat.

    „Shlomo Sand: „Da archäologische Befunde immer eindeutiger belegen, dass der Auszug aus Ägypten [so] niemals stattfand und das Land Kanaan in dem Zeitraum, von dem die biblische Erzählung berichtet, auch nicht auf einen Schlag erobert wurde, darf zu Recht davon ausgegangen werden, dass die grauenvolle Geschichte über den Massenmord [bei einer Landnahme, pb] pure Erfindung ist.“

    1. Wohl war. „Und jetzt für alle ein herzliches Willkommen im allumfänglichen Vomitorium. Das ist ihre Speisekarte und hier ist ihr Eimer.“

  11. Das Buch ‚Bibel‘ jeglicher Regionen, ist eine von der Zeitschiene hergesehen, eine spätere Überlieferung aller Religionen.
    Von daher hat zudem die ‚Bibel oder andere heiligen Schriften‘, etwas gemeinsam, alle fabulieren über ihren Gott, aber letztendlich kann nur ein Gott für alle dasein!
    Das Wort Re Ligion wird im lateinischen auch als eine Rückführung zum Gott bezeichnet, d. h., das die Religionen selbst gespalten zum Gott agieren. Nur kann eine Rückführung zum Gott schlecht erfolgen, da ‚jedes Kapital‘ ihre Rückführung über die Religion unterbrechen tut. Das geschieht in der neuen Zeitrechnung seit über 2000 Jahren.
    Wir leben seit über 2000 Jahren in einem Krieg durch das Kapital, jede Religion hängt am Zapfen vom Kapital.
    Wie soll Gottes ‚Segen‘ aufgenommen werden, wenn unzählige Teufel ihre Arbeit verrichten?

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