
Es ist etwas seltsam, wenn am 4. Juli den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gefeiert wird und viele Amerikaner gar nicht wissen, woran dieser Tag erinnern soll. Donald Trump nutzte ihn jedenfalls, um sich groß am Mount Rushmore herauszustellen, musste allerdings trotz seiner Parole „Drill, Baby, drill“ hinnehmen, dass die Parade in Washington wegen extremer Hitze ausfiel, und mit der Konkurrenz des anderen Amerika in Gestalt von Taylor Swift und Travis Kelce leben, die in New York ihre Heirat feierten.
Nach einer aktuellen, vom Cato Institute beauftragten Umfrage können 46 Prozent der Amerikaner nicht sagen, was am 4. Juli gefeiert wird. Je älter die Menschen sind, desto eher können sie die Frage richtig beantworten. Bei den Über-65-Jährigen sind es 72 Prozent, bei den 18-29-Jährigen gerade einmal 39 Prozent. Dabei wurde nicht einmal offen gefragt, sondern es gab Antworten zur Auswahl, neben der Unabhängigkeitserklärung beispielsweise der Sieg im Bürgerkrieg, Landung der Pilgerväter oder die erste Präsidentschaftswahl genannt. Da könnte dann auch noch mehr einfach geraten haben.
Mehrheiten wissen auch nicht, warum die Unabhängigkeit erklärt wurde, ob der Supreme Court oder der Präsident das letzte Wort hat und was das Hauptziel der Verfassung ist.
Ungeachtet dessen, dass sie nicht wissen, was gefeiert wird, ist der Patriotismus jedenfalls groß. 86% sagen, sie seien dankbar, US-Amerikaner zu sein, 79% sind stolz darauf. 76% stehen der Gründung positiv gegenüber (76 %), 70 % meinen, dass die Gründungsprinzipien auch heute noch wichtig sind. Für 86% ist die US-Verfassung wichtig, um unsere Rechte und Freiheiten zu schützen (86 %) und den Wohlstand Amerikas zu sichern (82 %). Weitgehend ungebrochen ist auch noch der Glaube an den amerikanischen Traum (74%).
Aber 57 Prozent sagen auch, dass die USA sich von den Gründungsprinzipien entfernt habe. In der Regel sind jüngere Amerikaner weniger begeistert, was auch auf Menschenmit geringeren Einkommen oder Angehörigen von Minderheiten zutrifft. Die Jungen stehen im Unterschied zu den Älteren dem Sozialismus auch mehrheitlich positiver gegenüber als dem Kapitalismus. Das von Trump und Co. propagierte Feindbild von Sozialisten und Kommunisten ist offenbar auch ein Generationenkampf.
„Viele Amerikaner schätzen die Verfassung instinktiv“, schreibt das Cato Institut, „verstehen jedoch nicht vollständig, wie sie die Freiheit schützt: indem sie staatliche Macht festlegt, aufteilt und begrenzt. Diese Wissenslücke in staatsbürgerlichen Fragen ist besonders ausgeprägt bei jüngeren Amerikanern, die sich weniger mit der Gründungszeit verbunden fühlen und eher unsicher oder skeptisch gegenüber den Gründervätern und der Zukunft Amerikas sind.“
Gerade ist auch der State of the States-Bericht erschienen, der zu erfassen sucht, ob und welche Fortschritte die Nation und die jeder der einzelnen Bundesstaaten im Hinblick auf 31 Parameter wie psychische und körperliche Gesundheit, Ausbildung, Ungleichheit, Einkommen, Gewalt, bürgerliche Freiheiten, soziales Vertrauen oder Umwelt machen. Herausstechend ist, dass kein Bundesstaat bessere Ergebnisse für Lebenszufriedenheit, Depressionen bei Erwachsenen und bei Jugendlichen, tödliche Überdosierungen, Vertrauen in die Bundesregierung, Einkommensungleichheit, Langzeitarbeitslosenquote und Zunahme der Stundenlöhne erreicht hat. Trotz der politischen Polarisierung im Land, die Trump noch einmal verstärkt hat, nähern sich die republikanisch und demokratisch geführten Länder einander an. Die Divergenz vergrößerte sich aber beim Einkommen, dem Wohlbefinden, Depressionen, Suiziden oder tödlichen Überdosierungen.
Die Kindersterblichkeit immerhin ging überall zurück und die Wirtschaftsleistung (BIP) nahm überall zu. Und das markiert noch einmal ein frappierendes Ergebnis: Die Menschen in reicheren Bundesstaaten sind nicht glücklicher, die Lebenszufriedenheit geht viel mehr in allen Bundesstaaten zurück, die Menschen scheinen unglücklicher zu werden, auch wenn sie sih noch am amerikanischen Traum festklammern. Wenn man das Einkommen pro Person mit Lebenszufriedenheit und Depressionen bei Erwachsenen und Jugendlichen in Bezug setzt, gibt es keine feststellbare Verbindung.
Möglicherweise wäre daher die Parole Make Amerika Happier (again) und ein Glückliches Zeitalter besser, als mehr Macht, mehr Geld und ein Goldenes Zeitalter zu versprechen (und dann auch nur für sich und ein paar andere Oligarchen einzulösen).
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Wissen die nicht, was da gefeiert wird, oder wissen die nicht, warum um alles in der Welt das ein Grund zum Feiern sein sollte?