EU unterstützt Kiew und den Krieg mit der Verweigerung des Schutzstatus für wehrpflichtige Ukrainer

Alltägliche Jagd auf Männer, die nicht in den Krieg ziehen wollen. Die EU findet das ganz in Ordnung und will dabei helfen. Busifizierung nennt man das in der Ukraine (Video)

Das ging jetzt schnell, was vermuten lässt, dass die Unterstützer der ukrainischen Regierung wegen der Rekrutierungskrise in der Ukraine dringend einspringen mussten. Die EU hat die weitere Unterstützung der Ukraine „solange es nötig ist“ zugesagt, was auch heißt, dass der Krieg weitergeführt werden soll, da man davon ausgeht, dass die Ukraine weiter Widerstand leisten kann und sogar die Oberhand gewinnen könnte.

Weil man auf die Verlängerung des Krieges setzt, wird nach einer Mitteilung des Europäischen Rats wieder der seit März 2022 gewährte vorübergehende Schutz für Flüchtlinge aus der Ukraine bis 4. März 2028 verlängert. Aber damit gemeint sind nicht alle Ukrainer, die vor dem Krieg fliehen. Weil die ukrainischen Truppen zwar gerade Erfolge im Drohnenkrieg erzielen können, aber die Gefahr besteht, dass die Front aufgrund fehlender Soldaten zusammenbrechen könnte, sieht sich die EU offenbar genötigt, auch hier Kiew zur Hilfe zu eilen. Man will die ukrainische Regierung, nicht die Ukrainer, militärisch gemäß der von Anfang bestehenden Arbeitsteilung  – wir liefern Waffen und Geld, ihr die Menschen und das Schlachtfeld – auch personell unterstützen, indem sie flüchtende Männer, die nicht für Kiew und für die EU kämpfen und sterben wollen, den Schutzstatus verweigert.

Der Europäische Rat, der dies beschlossen hat, macht hier die Werte deutlich, die seinem Handeln zugrundeliegen:

„Darüber hinaus haben die EU-Staaten – in Anerkennung sowohl der Notwendigkeit, Vertriebene zu schützen, als auch des Bedarfs der Ukraine, sich gegen den rechtswidrigen Angriffskrieg Russlands zu verteidigen – vereinbart, dass vorübergehender Schutz nur denjenigen gewährt werden soll, die ihren Wehrpflichten in der Ukraine nachkommen.“

Das ist natürlich schon in der Formulierung unsinnig. Wer seinen Wehrpflichten nachkommt oder dazu gezwungen wird, wird den Schutz der EU nicht wahrnehmen können, weil er nach dem Kriegsrecht im Land bleiben muss. Der Schutz der Vertriebenen endet, wenn der Staat seine Bürger unter Missachtung ihrer Grundrechte zum Krieg zwingt. Angeführt werden „sich entwickelnde Verteidigungsnotwendigkeiten“ und die Sicherstellung, „dass die Ukraine sich selbst verteidigen kann“.

Es geht um das Abstraktum „die Ukraine“, die Selbsterhaltungsinteressen der Bürger und der Familienangehörigen derjenigen, die ihren „militärischen Verpflichtungen“ nachkommen müssen, zur Durchsetzung der eigenen geopolitischen Interessen werden negiert. Würde man im Klartext sprechen, schickt man die ukrainischen Männer zwischen 23 und 65 Jahren, die nicht aufgrund nationalistischer Interessen kämpfen wollen, in den Tod und macht sich blutige Hände, was bislang indirekt durch Waffenlieferungen geschieht.

Die Erfüllung ihrer „militärischen Verpflichtungen“ sollen die ukrainischen Männer „beispielsweise durch Vorlage eines Reisepasses mit Ausreisestempel der ukrainischen Behörden (belegen), der bestätigt, dass die Person die Ukraine legal verlassen hat und somit ihre Wehrpflicht erfüllt hat. Alternativ kann auch ein Dokument in Papierform oder elektronischer Form vorgelegt werden, das die Befreiung von der Wehrpflicht oder deren Erfüllung bestätigt.“

Es ist auch schon zynisch zu nennen, diejenigen auszunehmen, die von der Wehrpflicht befreit sind. Angesichts der herrschenden Korruption ist durch viele Medienberichte bekannt, wie sich Männer, die über das notwendige Geld oder Beziehungen verfügen, freikaufen oder sich als untauglich einstufen lassen können. Allerdings müssen auch die Wehrpflichtigen, die das Land verlassen wollen, teils erhebliche Kosten auf sich nehmen. Wie meist ziehen die Männer aus den unteren, ärmeren Schichten die Arschkarte.

Immerhin weigert sich die EU noch, auch die bereits aus der Ukraine geflohenen Männer im wehrpflichtigen Alter auszuliefern. Kiew hatte vorgeschlagen, dazu etwa die Zahlung von Bestechungsgeldern zu nutzen, um eine Auslieferung zu begründen. Aber das würde den Krieg zu sehr ins eigene Land ziehen und die menschenverachtende Politik unübersehbar deutlich machen, wenn dann unschöne Bilder von der Jagd auf wehrpflichtige Ukrainer auch auf unseren Straßen erscheinen sollten. Besser übersehen lassen sie sich in der Ukraine.

Man hätte zumindest erwarten müssen, dass die EU von Kiew für dieses Entgegenkommen wider den Überlebensinteressen der Männer fordert, die vielfach dokumentierte brutale Zwangsrekrutierung (Busifizierung) einzustellen und sofort ein Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung einzuführen. Beides will man natürlich auch schon deswegen nicht fordern, weil die EU-Staaten sich auf einen Krieg vorbereiten und dann vermutlich ähnlich agieren müssen.

Während die EU ihre Türen für ukrainische Männer schließt und sie in den Krieg zwingen will, ehrte Selenskij Ursula von der Leyen mit dem gerade geschaffenen Europaorden. Bei der Ankunft in Kiew sagte sie: „Es ist ein besonderer Moment. Die Ukraine hat eine starke militärische Dynamik aufgebaut. Das Blatt wendet sich. Ich werde neue Initiativen zur Integration unserer Verteidigungsindustrien ankündigen. Damit wir mehr und schneller produzieren können.“

Zum Dank für die Unterstützung der EU, die auch Beihilfe zur Zwangsrekrutierung an die Front und in den Tod leistet, erhielt die dankbar lächelnde Ursula von der Leyen den eilig am 14. Juli geschaffenen Europaorden. Bild: president.gov.ua/CC BY-NC-ND-4.0

 

In Polen erhalten wehrpflichtige ukrainische Männer schon jetzt keinen automatischen Schutzstatus mehr. Sie müssen Asyl beantragen.  In diesem Jahr (Stand: 31. Mai) wurden von 992 Asylanträgen ukrainischer Staatsbürger 550 von Männern im wehrfähigen Alter gestellt. 78 erhielten Schutz.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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13 Kommentare

  1. „…….ehrte Selenskij Ursula von der Leyen mit dem gerade geschaffenen Orden von Europa“.
    verstehe ich das richtig?
    Selenski kann von mir aus einen „Ukraine-Orden“ der Dame um den Hals hängen aber einen EUROPA-ORDEN….., wer hat ihn dazu
    ermächtigt, die Koalition der Willigen, die Nato, die EU, Trump oder der liebe Gott…?

  2.  „Weil die ukrainischen Truppen zwar gerade Erfolge im Drohnenkrieg erzielen können, aber die Gefahr besteht, dass die Front aufgrund fehlender Soldaten zusammenbrechen könnte, sieht sich die EU offenbar genötigt, auch hier Kiew zur Hilfe zu eilen.“
    Es dürften mediale, aber kaum reale „Erfolge“ sein, die man sich selbst einredet, um nicht zu verzweifeln
    Dabei handelt es sich vermutlch um die weitreichenden Raketen/Drohnen aus westeuropäischer Produktion und Abschußvorrichtungen, an denen den Ukros 5 min eingeräumt werden, um ein ukrainisches Logo anzukleben und die ausschliesslich das russische Hinterland treffen. Die Ukraine besitzt derartige Waffen nicht.
    Die neuen Vorwürfe der rusischen Regierung an die westlichen Botschafter lassen keinen Zweifel, daß es 5 vor 12 ist, ehe hier die ersten Raketen einschlagen.
    Denn man tau! Die sich selbst belügende Darstellung, man wäre ja gar nicht mit im Krieg, endet ihre Wirkung an den Grenzen der EU.

  3. Diese ganze Ordensverleiherei hat sich inzwischen derartig desavouiert, dass man nur schreiend weglaufen müsste, sollte einem sowas angetragen werden, wenn man denn noch ein Gespür für Wahrhaftigkeit und Würde hätte.
    Welcher Bürger kann eigentlich solche sich gegenseitig mit Orden behängenden Typen Und Typinnen noch ernst nehmen. Trotzdem sind sie auf dem besten Wege dieTotengräber ihrer Länder zu sein.

  4. Insiderhandel:
    „Ich werde den Ukrainekrieg innerhalb von 24 Stunden beenden “ –
    Trump hat letztes Jahr für mindestens
    10 Mio. Dollar Rüstungsaktien gekauft
    https://responsiblestatecraft.org/trump-defense-stocks/

    Da geht noch was – Fahrer, Bediener, Piloten gesucht !

    „Insgesamt haben die russischen Streitkräfte 673 ukrainische Kampfflugzeuge, 284 Hubschrauber, 181.724 unbemannte Luftfahrzeuge, 666 Boden-Luft-Raketensysteme, 30.163 Panzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge, 1.758 Mehrfachraketenwerfer, 35.769 Feldartillerie- und Mörser und 66.525 spezielle Militärmotorfahrzeuge seit Beginn der militärischen Spezialoperation zerstört.“ ( Tass.com, 15.07.26 )

  5. Moderatorin : „Ist jemand von Ihren Kindern bei der Bundeswehr ?“ von der Leyen, lachend : “ Neiiin“

    Schauen Sie sich dieses Video an !

    1. Bismark schreibt :
      „Moderatorin : „Ist jemand von Ihren Kindern bei der Bundeswehr ?“ von der Leyen, lachend : “ Neiiin“ Schauen Sie sich dieses Video an ! „

      Ich kenne das Video , mein Eindruck : Der gemeine Mann ist für unsere Obrigkeit nur Schlachtvieh, egal ob Ukrainer oder Deutscher !

  6. Wehrpflicht ist die Antithese zu Freiheit, Menschen zu zwingen, sich als Drohnenfutter zur Verfügung zu stellen, ist mehr als zynisch, es ist kriminell.

  7. Hallo Redaktion, eine Frage,
    zählt ein NICHT freigeschaltener Kommentar
    auch zu den zugelassenen 5 Kommentare?Ich zähle beim Froschauer Artikel nur 4 Kommentare, ein fünfter war nicht mehr möglich, Ihre Info; ich hätte schon 5 Kommentare geschrieben. Wer hat sich jetzt verzählt?

    1. @ Rubis:
      Bin zwar nicht die Redaktion, aber ich weiß, dass nicht freigeschaltete Kommentare definitiv immer zu den max. 5 Kommentaren gezählt werden.

      Meine Empfehlung: Zweite Mail-Adresse und dann als Namen Rubis+5 nehmen.

  8. Es ist ja offiziell. Es wird gekämpft bis zum letzten Ukrainer. „Jull newer wok aloan“ und wattever it täiks.“
    Wenn die Ukraine dann leergekämpft ist müssen die 530 Jungs ran, die sich aufgrund der 300000 Motivationsbriefchen gemeldet haben. Dann kollabiert Russland sicher endlich wirtschaftlich und die Bevölkerung jagt den Machthaber WWP vom Hof. Dann wird ein neuer Boris Jelzin installiert und mit Wodka zugeschüttet. Dann ist die wertewestliche Welt wieder in Ordnung. Wäre ja noch schöner die Souveränität der Staaten zu achten und die Nichteinmischung zu praktizieren, wenn der Wertewesten für seinen KI und Digitalmist Rohstoffe braucht.

  9. Nun hatte ich ja eineb zunrhmende Nervosität an der Spitze der ukrainischen Führungsspitze bemerkt. Aber jetzt spitzt es sich zu. Zeitgleich wurden Ministerpräsidentin Yuliia Svyrydenko und Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov entlassen. Ziemlich wortlos. Was ja in jedem anderen Staat durchaus als Regierungskrise gesehen würde. Aber in der Ukraine ist einfach plötzlich die Ministerpräsidentin weg. Und dann der Verteidigungsminister. Finden alle normal. Irgendwelche Kritik wird nicht geäußert. S. soll offenbar Botschafterin werden. F. wird von der NATOpresse gelobt.

    Nein, das sagt schon etwas. Da bahnt sich etwas an.

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