Eskalation – wohin man blickt

Nach einem Drohnenangriff auf Odessa am 14. Juli. Bild: odeskaODA

In der Ukraine, im Iran und in Jemen.

 

1. Krieg als PR-Gag

    In den Jahren 1989/91 konnte noch keiner erahnen, dass das Ende des „Kalten Krieges“ eine neue Periode der Unsicherheit und der Unruhe eingeleitet hat. Mit Ausnahme von einem! Der US-Politikwissenschaftler, John J. Mearsheimer, schrieb 1990 in einem aufsehenerregenden Artikel „Why We Will Soon Miss the Cold War“ (Warum wir den Kalten Krieg bald vermissen werden):

„Die Bedingungen, die einen jahrzehntelangen Frieden im Westen ermöglicht haben, verschwinden rasch, während sich Europa auf die Rückkehr zum multipolaren System vorbereitet, das zwischen 1648 und 1945 einen verheerenden Konflikt nach dem anderen hervorgebracht hat. … Eines Tages könnten wir jedoch aufwachen und den Verlust der Ordnung beklagen, die der Kalte Krieg der Anarchie der internationalen Beziehungen verliehen hat. Denn eine ungezähmte Anarchie war das, was Europa in den 45 Jahren dieses Jahrhunderts vor dem Kalten Krieg kannte, und ungezähmte Anarchie … ist eine Hauptursache bewaffneter Konflikte.“1

   Mearsheimers Warnung vor einer „ungezähmten Anarchie“ als „eine Hauptursache bewaffneter Konflikte“, die er auf Europa zukommen sah, hat heute die ganze Welt erfasst. Die sich in den vergangenen fünfunddreißig Jahren ausgebildete unipolare Struktur der weltpolitischen Beziehungen war der Stabilität nie zuträglich. Heute hat sich die weltpolitische Lage verschlimmbessert, die unipolare Weltordnung befindet sich im Niedergang und setzt vor diesem Hintergrund alle etablierten Regeln der Weltgemeinschaft hemmungs- und skrupellos außer Kraft.

Es ist schwer, ein Gleichgewicht herzustellen, wenn der Hegemonialmacht keine Gegenmacht gegenübertritt. Bei einer solchen globalen Machtverteilung ist die Gefährdung des Weltfriedens, wie die jüngste Zeitgeschichte seit Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident auch zeigt, vorprogrammiert.

So wie die Dinge heute liegen, ist die Zuspitzung der Konfrontation jeder Art nicht mehr aufzuhalten. Die Eskalationsspirale dreht sich in der Ukraine genauso wie im und um den Iran oder in Jemen. An diesen drei Kriegsschauplätzen zeigt sich momentan, wie weit wir von der sog. „regelbasierten Ordnung“ entfernt sind.

Dass die Kriegsparteien zu keinem Kompromiss bereit und fähig sind, zeigen folgende wenige Beispiele, die jede Hoffnung auf eine friedliche Regelung der stattfindenden Konflikte zunichtemachen.

Die Kriegsparteien setzen im Ukrainekrieg ungebremst auf Eskalation, verfolgen aber ganz unterschiedliche Ziele. Während die Russen ihren Zermürbungskrieg beharrlich fortsetzen, inszeniert sich das Kiewer Regime als eine siegreiche Kriegspartei, indem es auf spektakuläre Aktionen setzt, um seinen europäischen Kriegsfinanziers zu signalisieren, dass die Ukraine ihres Geldes wert ist.

Am Beispiel eines Sabotageversuchs in Brjansk (eine Region südwestlich von Moskau) wird deutlich, wie die Ukraine vorgeht, um einen „Sieg“ vorzugaukeln.

Am 13. Juli 2026 berichteten die russischen Medien: „Ukrainische Geheimdienste haben Container mit FPV-Drohnen in Fesselballons über der Region Brjansk abgeworfen.“ Nach Angaben des russischen Geheimdienstes (FSB) handelte es sich um einen beabsichtigten beispiellosen Sabotageakt gegen militärische Infrastruktureinrichtungen, eines der führenden Unternehmen der Rüstungsindustrie und gegen Militärangehörige.

Der FSB vereitelte nach eigenen Angaben diesen Sabotageversuch. Die ukrainischen Geheimdienste hatten Container mit FPV-Drohnen und Ausrüstung zunächst in die Region Brjansk geschickt. Von dort mussten sie zu Militärflugplätzen in den Regionen Amur und Tscheljabinsk transportiert werden, wo die Drohnen in angemieteten Garagen montiert und für den Einsatz vorbereitet werden sollten.

„Sämtliche Aktionen der Angreifer wurden von russischen Geheimdiensten überwacht. Die Operation führte zur Festnahme der Täter und ihrer Komplizen. Vierundzwanzig FPV-Drohnen mit Sprengköpfen, mobile Kontrollstationen, Kommunikationsausrüstung und weitere Ausrüstung wurden sichergestellt“, berichteten die russischen Medien.

„Der Feind plante, mit FPV-Drohnen Militärflugplätze in den Regionen Amur und Tscheljabinsk anzugreifen. Die Drohnen wurden in Pkw mit doppelwandigen Anhängern, beladen mit Haushaltsgeräten, nach Russland transportiert. In der Nähe der Flugplätze wurden sie in angemieteten Garagen montiert und für den Einsatz vorbereitet.“

„Russische Geheimdienste identifizierten die Saboteure und dokumentierten jede ihrer Aktionen. Die Täter und Komplizen wurden bereits festgenommen“, wobei vierundzwanzig in Großbritannien, den USA, Kanada und Schweden hergestellte FPV-Drohnen mit KI-Steuerungsmodulen beschlagnahmt wurden.

Die Drohnen waren mit Sprengköpfen von über 1 kg Gewicht bestückt. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befanden sich drei FPV-Drohnen mit hochexplosiver Splitterwirkung und vier mit Aufprallkernen.

Alles deutet darauf hin, dass der ukrainische Geheimdienst (SBU) das Szenario „Spinnennetz“ wiederholen wollte.

Zur Erinnerung: Die Operation „Spinnennetz“ (ukr. Oперація „Павутина“) war eine am 1. Juni 2025 spektakulär durchgeführte SBU-Operation. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei vier russische Militärflugplätze durch Drohnen angegriffen und etwa 40 Militärflugzeuge zerstört oder beschädigt.

Der tatsächliche SBU-Erfolg bleibt indes im Dunkeln. Die Russen bestreiten jedenfalls vehement diese Angaben. Wie dem auch sei, die ukrainischen Geheimdienste planten eine vergleichbare Operation, die von russischen Sicherheitskräften vereitelt wurde.

Laut russischen Medienspekulationen plante der SBU eine großangelegte Operation, um die russische Militärinfrastruktur zu beschädigen, um sich dann erneut als einen großartigen Erfolg des ukrainischen Drohnenkriegs in den westlichen Massenmedien feiern zu lassen.

Der russische Militärexperte, Jurij Knutow, mutmaßte, dass „Selenskij große Hoffnungen in diese Operation legte“, um sie „für PR-Zwecke nutzen“ zu können. „Wäre Selenskij erfolgreich gewesen, hätte er dies als großen Sieg feiern und verkünden können, dass die Ukraine die ihr zugewiesenen Milliarden wert ist und auch den Drohnenkrieg erfolgreich führt. Dies hätte eine bedeutende politische Wirkung gehabt, die Selenskij hätte nutzen können, um den Westen zu einer weiteren Hilfe zu animieren“, erklärte er.

Knutow fügte gleich hinzu, dass „die Vereitelung des Sabotageaktes ein schwerer Schlag für den SBU und seine westlichen Führungsoffiziere sei, die daraufgesetzt haben, die Grenzregionen Russlands zu destabilisieren“.

Die vereitelte SBU-Aktion deutet aber auch darauf hin, dass zahlreiche Drohnen, die nach Russland aus der Ukraine geschickt werden, womöglich keine Hunderte von Kilometer fliegen müssen, sondern klammheimlich nach Russland gebracht und von dort abgefeuert werden. Zudem gibt es in Russland zahlreiche proukrainischen Sympathisanten, die für die Ukraine subversiv werden.

Die Ukraine lässt jedenfalls mit einer tatkräftigen Unterstützung der EU-europäischen Kriegspartei und ihrer US-Protagonisten, die den ukrainischen Drohnenkrieg mit Begeisterung begrüßen, keine Gelegenheit außer Acht, jede Eskalation voranzutreiben und diese der Weltöffentlichkeit als „Sieg“ zu verkaufen. Solche virtuellen Siege dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die militärische Lage am Boden und in der Luft für die Ukraine katastrophal ist.

Dass die deutsche Bundesregierung bei der Unterstützung des Kiewer Regimes voll dabei ist und an vorderster Front steht, ist hinlänglich bekannt. Dass aber Merz aus einer geo- und sicherheitspolitischen Inkompetenz verbal eskaliert und dadurch unnötigerweise in Russland für Aufregung sorgt, ist ärgerlich.

Der Kreml hat Merz´ Äußerung wegen künftigen Sicherheitsgarantien für die Ukraine zurückgewiesen. „Sicherheitsgarantien ohne die Beteiligung Russlands zu formulieren, ist unmöglich“, sagte Putins Pressesprecher, Dmitrij Peskow, den russischen Nachrichtenagenturen. Die Aussagen von Merz zeugten davon, dass die EU-Europäer in einer Sackgasse stecken. Sollten sie tatsächlich davon überzeugt sein, „dann schließt das die Teilnahme der europäischen Länder am Prozess der Regulierung aus“, sagte Peskow.

Stein des Anstoßes war ein Satz von Merz auf der Pressekonferenz beim Treffen der sog. „Koalition der Willigen“ am 13. Juli 2026. Der Bundeskanzler hat dort die Erfolge des ukrainischen Militärs in den vergangenen Wochen hervorgehoben und erklärt, dass sie Chancen auf einen Frieden bieten. Die Koalition wolle auch nach einem Waffenstillstand einen Beitrag für die Sicherheit der Ukraine leisten. „Wie wir im Einzelnen unsere Sicherheitsgarantien ausgestalten, das werden die Ukraine und ihre Partner entscheiden, nicht Moskau“, polterte Merz großspurig.

Mit seiner unqualifizierten Äußerung zündelt und eskaliert Merz unnötig die bereits aufs Äußerste angespannten Beziehungen zwischen Russland, Deutschland und Europa, ohne dabei irgendetwas erreichen zu können.

Recht hatte Lawrow, als er auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche mit Belarus am 15. Juni 2026 Merz einen „Mann“ nannte, „der nichts von der Geopolitik versteht“. „Merz ist für seine oberflächlichen Ideen bekannt“, betonte der russische Außenminister und bezeichnete Deutschlands Ukrainepolitik als „Revanchismus“, der mit den härtesten Mitteln bekämpft werden müsse.2

2. Massive Angriffe auf Odessa und Kiew

    Die Eskalationsspirale dreht sich unterdessen immer weiter und immer schneller. Die massiven Vergeltungsangriffe der Russen, denen das Kiewer Regime schutzlos ausgeliefert ist, ließen nicht lange auf sich warten. „Odessa und Kiew brennen, Nato-Militärgüter versinken, Hunderte von Drohnen wurden in Lagerhallen zerstört“, lautet die Überschrift eines russischen Zeitungsartikels.

Russland greift seit Tagen massiv ukrainische Häfen und Frachtschiffe an. Umfangreichste Zerstörungen wurden im Handelshafen von Odessa verzeichnet, wo nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums die Hafeninfrastruktur zum Entladen von Treibstoff und Schmierstoffen sowie Treibstofftanks für die ukrainische Armee systematisch zerstört werden.

Dabei werden Gruppenangriffe mit luftgestützten Präzisionswaffen und Kampfdrohnen durchgeführt. Gleichzeitig werden Ziele in mehreren Häfen – Odessa und Tschornomorsk – zerstört, und auch der Hafen Dnjepr-Bug in der Region Mykolajiw wurde getroffen. Das russische Verteidigungsministerium stellte klar, dass zu den Zielen nicht nur Treibstofflager, sondern auch Drohnenproduktionsanlagen gehörten.

Im Handelshafen von Odessa wurden zwei Werkstätten für die Produktion und Montage unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) beschädigt, darunter die Montageanlage für die Mittelstrecken-Drohne „Ukrjet UJ-22“. Dieses Unternehmen war auf die Herstellung von Drohnen spezialisiert, die tief ins russische Hinterland vordringen können.

Das russische Militär hat darüber hinaus in den letzten Tagen seine Angriffe auf Schiffe verstärkt und sich bisher ausschließlich auf Schiffe vor der ukrainischen Küste und in ukrainischen Häfen konzentriert, indem es Drohnen anstelle von Schiffsabwehrraketen und Torpedos einsetzte, um Schiffe anzugreifen. Die Angriffe zielten darauf ab, die Versorgung mit militärischer Ausrüstung und Treibstoff über die Seewege zu unterbinden.

Und was Kiew angeht, so hat die Ukraine seit Langem nicht mehr so ​​viele zerstörte Rüstungsfabriken wie in den letzten Tagen erlebt. Juni und Juli werden nun als die schrecklichsten Tage für Kiew seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Geschichte eingehen.

Wichtige Anlagen des militärisch-industriellen Komplexes in der Ukraine – insbesondere jene, die auf die Produktion von Drohnen und Raketen spezialisiert sind, werden dabei irreparabel beschädigt und verursachen immense Schäden für die ukrainische Wirtschaft und Gesellschaft.

„Es ist schon jetzt erkennbar, dass die Zahl der an Terroranschlägen auf zivile Ziele in Russland beteiligten Drohnen zurückgegangen ist“, bemerkte ein russischer Militärexperte Wladimir Jeranosjan.

Die Angriffe auf maritime Nachschublinien mit Militärgütern sind bereits in vollem Gange. Ziel der russischen Streitkräfte ist nicht die Versenkung von Schiffen, sondern das Abschneiden der Logistik von Kiew im Schwarzen Meer und an der Donau.

Russland beschädigt regelmäßig Lastkähne und Fähren in ukrainischen Donauhäfen. Aufgrund dieser Angriffe wagen sie es nicht mehr, die Häfen von Ismail, Reni und Wilkowo aus Angst vor Raketen- und Drohnenangriffen anzulaufen. Ein besonders drastisches Beispiel war der Angriff auf eine Fähre mit Militärausrüstung aus Deutschland, bei der zwei Flugabwehrkanonen in die Donau sanken, nachdem das Schiff ein Leck erlitt und Schlagseite bekam.

Die Verluste der Nato und der ukrainischen Streitkräfte an gelieferten militärischen Gütern werden laut Jeranosjan mit der Zeit nur noch zunehmen, was Risiken für Kiew birgt, da die Nato die Bedingungen ihrer „Hilfe“ für das Kiewer Regime möglicherweise überdenken könnte.

Der von der Ukraine ausgelöste Drohnenkrieg kommt nunmehr wie ein Bumerang mit der ganzen Wucht der Gewalt auf sie zurück. Merz, von der Leyen und Co. haben sich über die vermeintlichen glorreichen Siege der ukrainischen Streitkräfte zu früh gefreut.

3. Die Eskalation zwischen der Huthi-Miliz und Saudi-Arabien

Auch im Jemen spitzt sich die Lage zu. Der israelische Journalist, Barak Ravid, berichtete in Axios: „Trump gave Saudi crown prince his backing for risky strikes on Houthis“ (Trump sicherte dem saudischen Kronprinzen seine Unterstützung für riskante Angriffe auf die Huthi zu).

„Laut zwei US-Beamten hat Trump dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) seine Unterstützung für eine höchst ungewöhnliche Militäraktion gegen die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen zugesichert. Saudi-Arabien hatte den USA vergangene Woche seine Besorgnis über die Lage mitgeteilt und um Unterstützung für mögliche Angriffe gegen die Huthi gebeten“, schreibt Ravid.

Im Jemen ist es am 13. Juli zu einem Angriff auf den Flughafen Sanaa gekommen. Die Huthi-Miliz beschuldigte daraufhin Saudi-Arabien und startete ihrerseits die Vergeltungsangriffe mit Raketen, was eine der schwerwiegendsten grenzüberschreitenden Eskalationen seit 2022 darstellte und das Ende einer vierjährigen, inoffiziellen Waffenruhe zwischen den Parteien bedeuten könnte.

Ein erneuter militärischer Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz könnte die regionalen Spannungen verschärfen und den Krieg zwischen den USA und dem Iran ausweiten. Die Tatsache, dass der saudische Kronprinz Trump im Voraus informierte und um dessen Unterstützung bat, deutet darauf hin, dass die Saudis einen größeren Konflikt mit der Huthi-Miliz befürchten, der eine militärische und diplomatische Unterstützung der USA erfordern würde.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz begann vor zehn Tagen mit der Landung eines Flugzeugs der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air in der von der Miliz kontrollierten Stadt Sanaa. An Bord befand sich eine Delegation der Anführer der Gruppe, die zur Beerdigung des ehemaligen iranischen Revolutionsführers, Ali Khamenei, reiste.

Flüge von Iran nach Sanaa hatten seit über einem Jahrzehnt nicht mehr stattgefunden. Saudi-Arabien blockierte diese Flüge aus Furcht, sie könnten für den Transfer von Waffen oder iranischen Militärberatern an die Huthi genutzt werden.

Als sich das iranische Flugzeug am 13. Juli 2026 mit der Huthi-Delegation an Bord auf dem Rückweg aus dem Iran befand, bombardierte das saudische Militär den Flughafen von Sanaa. Die Maschine musste umgeleitet werden und in Al-Hudaida an der Küste des Roten Meeres landen.

Ein US-Beamter behauptete, das Flugzeug habe Waffen, Raketenteile und Militärexperten für die Huthi transportiert. Die Huthi-Miliz beschoss daraufhin den Flughafen Abha im Südwesten Saudi-Arabiens mit ballistischen Raketen und Drohnen. Sie warnte außerdem die Fluggesellschaften davor, den saudischen Luftraum zu nutzen, solange die Blockade des Flughafens von Sanaa besteht, und drohte mit einer Blockade der für den Öltransport wichtige Meerenge Bab-al-Mandab am Roten Meer.

Wo die USA ihre Finger im Spiel haben, geht die Eskalation unvermindert weiter.

4. Der Iran – Angriffe und Gegenangriffe

    Der Krieg im und um den Iran eskaliert ebenfalls. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran schaukelten sich schon wieder bis zu neuen US-Angriffen und Irans Gegenangriffen hoch. Vier Ziele in der iranischen Stadt Buschehr wurden am 14. Juli 2026 mit Raketen angegriffen und in der Nähe von Bandar Abbas ereigneten sich mehrere Explosionen. Im Anschluss an diese Eskalation erklärte der Iran, er werde sich in der Straße von Hormus nicht zurückziehen, wohingegen die USA die Evakuierung von Tankflugzeugen aus Israel aussetzten.

Inmitten erneuter Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärfen sich, wie gesagt, die Kämpfe; es gibt Berichte über wiederholte Angriffe in den südlichen iranischen Provinzen Buschehr und Hormozgan.

Unterdessen berichteten die iranischen Staatsmedien von fünf aufeinanderfolgenden Explosionen westlich des strategisch wichtigen Hafens Bandar Abbas im Süden des Landes. Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsmaßnahmen in der Region verstärkt.

Die jüngsten Angriffe haben die Spannungen um die Straße von Hormus weiter erhöht. Zuvor waren nach iranischen Angriffen auf zwei Öltanker der Vereinigten Arabischen Emirate die Ölpreise stark angestiegen und die anhaltenden gegenseitigen Angriffe in der Region erhöhen die Risiken für die weltweite Energieversorgung.

Der iranische Militärsprecher, Mohammad Akraminia, erklärte unteressen, die iranischen Streitkräfte würden sich nicht aus der Straße von Hormus zurückziehen. „Die Straße von Hormus wird niemals durch Krieg, Feindseligkeiten oder US-Aggression wieder geöffnet werden.“ Er fügte hinzu: „Die Achtung der Rechte des iranischen Volkes ist der einzige Weg, die Straße von Hormus wieder zu öffnen.“

Die USA haben Berichten zufolge die Evakuierung von Militärtankflugzeugen, die auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv stationiert sind, aufgrund der gestiegenen Spannungen mit dem Iran gestoppt.

Laut der Times of Israel wurde die Evakuierung der US-Militärflotte, zu der rund 75 Tank- und Frachtflugzeuge gehören und die im Rahmen des Truppenaufmarsches in der Region seit Monaten auf dem Flughafen stationiert sind, abgebrochen. Mehr noch: Über Nacht landeten vier weitere US-Militärflugzeuge auf der Landebahn.

Israelische Beamten stellten daraufhin fest, dass der Flughafen Ben Gurion mit einem akuten Mangel an Parkplätzen für zivile Flugzeuge konfrontiert ist, und warnten davor, dass im Falle des Verbleibs der amerikanischen Militärflugzeuge die Tickets von etwa 50.000 Passagieren in den reiseintensivsten Monaten Juli und August storniert werden könnten.

Unterdessen strahlte das iranische Fernsehen am 11. Juli die erste Botschaft des neu ernannten Obersten Führers Irans, Mujtaba Khamenei, aus. Sein Vater und Vorgänger, Ali Khamenei, wurde am 28. Februar, dem ersten Kriegstag, bei einem US-amerikanisch-israelischen Luftangriff getötet und am 10. Juli in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt.

In der vom Sprecher verlesenen Erklärung von Mojtaba Khamenei hieß es, die Rache für den Mord sei „der Wille der Nation“.

„Wir schwören, das Blut unseres Märtyrerführers und aller Märtyrer dieser beiden Kriege zu rächen, die durch die Hand krimineller und unehrlicher Mörder umgekommen sind“, sagte er. „Diese Angelegenheit hängt nicht von meiner persönlichen Anwesenheit oder der anderen Amtsträger ab. Ob wir hier sind oder nicht, sie wird vollbracht werden.“

Viele Iraner, die an der Beerdigung von Ali Khamenei teilnahmen, trugen Plakate, auf denen zur Ermordung von Donald Trump aufgerufen wurde. Am Samstag, dem 11. Juli, warnte Trump als Reaktion darauf in seinem sozialen Netzwerk Truth: „Wenn die iranische Regierung ihre Drohung wahr macht, den amtierenden US-Präsidenten, in diesem Fall mich, zu töten oder zu versuchen, ihn zu töten, dann stehen Tausende von Raketen bereit und sind auf die Islamische Republik Iran gerichtet, und Tausende weitere werden unmittelbar folgen.“

Hat der alte Mann etwa Angst vor der Rache der Iraner bekommen? Was hat er sich denn dabei gedacht, als er wochenlang gnaden- und erbarmungslos gemordet und gebombt und all das menschenverachtend als „Spaziergang“ bezeichnet hat?

Diese Woche berichteten das Wall Street Journal und andere amerikanische Medien über Geheimdienstinformationen, die Israel mit den Vereinigten Staaten geteilt hat, wonach der Iran angeblich einen neuen Plan zur Ermordung des US-Präsidenten entwickelt habe.

Trump selbst bestritt allerdings, dass es einen solchen Plan gebe und auch, dass Israel die Informationsquelle sei. In einem Interview mit der New York Post sagte er, er stehe „schon lange ganz oben“ auf Irans Liste der zu ermordenden Personen.

Es sieht so aus, als hätte „Seine Majestät“, Donald I., den biblischen Spruch: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ noch nicht ganz verstanden.

 

Anmerkungen

 

  1. Mearsheimer, J. J., Why We Will Soon Miss the Cold War, The Atlantic Monthly, Bd. 266, August 1990, 35–50 (35).
  2. Vgl. Silnizki, M., Russisch-deutsche Missstimmungen. Im Lichte gegenseitiger Beschimpfungen und Vorhaltungen. 29. Juni 2026, www.ontopraxiologie.de.

 

Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
Mehr Beiträge von Michael Silnizki →

Ähnliche Beiträge:

11 Kommentare

  1. „Es ist schon jetzt erkennbar, dass die Zahl der an Terroranschlägen auf zivile Ziele in Russland beteiligten Drohnen zurückgegangen ist“, bemerkte der russische Militärexperte Wladimir Jeranosjan.

    Und es werden vermutlich noch weniger werden.

    Russland testet Perun-Laser zur Drohnenabwehr
    https://tass.com/defense/2161073

    Anmerk. In der Regel kündigt Russland keine unbrauchbaren Gerätschaften per
    Agenturmeldung an. Das sich die Lage zugunsten der Ukraine durch Drohnenangriffe im russischen Hinterland gewendet haben soll, wird man ohnehin als Fantasieprodukt west abheften dürfen.

  2. Auch Eric Hobsbawm hat in seinem letzten „Stern“-interview 2009 auf die geostrategische, brandgefährliche Lage verwiesen. Die USA würden nicht so einfach das Feld räumen, sondern ihre letzte, vermeintliche Stärke ausspielen, das Militär. Es würde Blut fließen, viel Blut.
    Das erleben wir hautnah.

  3. Und wie ich im Deutschlandfunk mit fassungslosem Stauen hören musste hat die Chefin v d Leyen gesagt, ich zitiere das gehörte frei, wer es genauer hat bitte ergänzen. Die Ukraine (oder wir, hat sie wir gesagt ? ich weis es nicht mehr) haben ja den Vorteil, dass die Drohnenproduktion in aller Ruhe an ungestörten Standorten, die nicht Angriffen ausgesetzt sind erfolgen kann.
    Dazu fällt mir nichts mehr ein.

  4. Dazu habe ich heute Folgendes gefunden:
    Vor kurzem gab Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, eine äußerst symbolträchtige und wichtige Erklärung ab: Er sagte, die „Sondermilitäroperation“ [SMO] habe sich zu einem echten Krieg entwickelt, weil „hinter Kiew eine Reihe europäischer Hauptstädte und leider auch Washington stehen“. Das ist ein direktes Zitat.

    Das würde bedeuten, dass Russland nun verstanden hat und öffentlich kommuniziert, dass es sich im Krieg mit Teilen der EU und Amerika befindet.
    Sollte das stimmen, dass in dem Land, in dem man bisher dafür bestraft wurde, zu behaupten, es wäre im Krieg, dies inzwischen auch der Präsident denkt und sagen lässt, dann dürfte sich das Geschehen bald grundsätzlich ändern.
    Die Frage ist dann: Wird es sich mit einem Paukenschlag ändern oder hat es sich schon geändert und was die Ukraine gerade erlebt, ist der Beginn des russischen Krieges gegen seinen nun benannten Gegner?

    1. @bonnie
      „Vor kurzem gab Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, eine äußerst symbolträchtige und wichtige Erklärung ab: “
      „Er sagte, die „Sondermilitäroperation“ [SMO] habe sich zu einem echten Krieg entwickelt, weil „hinter Kiew eine Reihe europäischer Hauptstädte und leider auch Washington stehen“. Das ist ein direktes Zitat.“

      Ich finde es merkwürdig das Dimitri Peskow erst jetzt wahrnimmt das der gesammelte Westen den Krieg gegen Russland führt. Das war doch von Anfang an klar und vermutlich wußte er das auch.

      1. @otto0815
        es geht nicht darum, was Peskow wahrnimmt. Er verkündet nicht, was er selbst wahrnimmt. Peskow ist der Sprecher des Präsidenten. Was Peskow sagt, sagt er für Putin. Und der hat bisher öffentlich bestritten, im Krieg zu sein, und auch nicht so agiert.
        Ich denke, wir werden in den nächsten Wochen erleben, wie es ist, mit Russland Krieg zu führen.
        Und der Westen bestreitet noch immer, mit Russland im Krieg zu sein … Er behauptet noch immer lediglich, die Ukraine zu unterstützen.
        Und bald werden sie eventuell gemeinsam neben den Trümmern europäischer Fabriken oder Militäranlagen stehend schreien: Seht her, wir haben es gesagt, nun hat Russland uns angegriffen!
        Das ist natürlich nur Spekulation …

  5. Ja, es läuft uns weg. Allen. Und wohin man blickt, ist dieselbe Tendenz zu erkennen: Eskalation wird als Entschlossenheit verkauft, während jeder, der Mäßigung, Diplomatie oder wenigstens ein kurzes Innehalten fordert, verdächtig gemacht wird.

    In Deutschland reicht es inzwischen häufig schon, vor einer direkten Konfrontation mit Russland zu warnen, um als „Putin-nah“ zu gelten. Gleichzeitig wird in Russland öffentlich wieder auf „Barbarossa“ Bezug genommen und Deutschland zum historischen Feindbild aufgebaut. Das eine rechtfertigt das andere nicht – aber beides treibt uns immer weiter in eine Situation hinein, aus der irgendwann niemand mehr herauskommt, ohne angeblich sein Gesicht zu verlieren.

    Briten und Franzosen bringen inzwischen Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte auf. Juristisch wird das mit falscher oder ungültiger Beflaggung begründet. Militärisch bleibt es trotzdem ein Spiel mit dem Feuer: Westliche Kommandos gehen auf Schiffe, die Russland seinem Wirtschaftskreislauf zurechnet, während russische Kriegsschiffe bereits Tanker begleiten. Was passiert beim ersten Warnschuss? Beim ersten Missverständnis? Beim ersten Toten?

    Und über den Iran-Krieg und seine möglichen Folgen braucht man beinahe gar nicht mehr zu sprechen. Die Türkei stellt sich politisch immer schärfer gegen Israel, versucht aber gleichzeitig verzweifelt, die Diplomatie am Leben zu halten. Sollte auch noch die Türkei unmittelbar hineingezogen werden, stünde plötzlich ein NATO-Mitglied mitten in diesem Flächenbrand.

    Selbst bei den angeblich aus Iran kommenden Raketen in Richtung des türkischen Luftraums wird man inzwischen misstrauisch. Ganz ausdrücklich: Das ist reine Spekulation meinerseits, und es gibt dafür keine Belege. Aber angesichts der Geschichte verdeckter Operationen schießt mir sogar der Gedanke durch den Kopf, ob nicht auch Israel mit einer False-Flag-Aktion weitere Staaten hineinziehen könnte. Wahrscheinlicher sind wohl iranische Raketen mit einem anderen Ziel, technische Fehler oder eine Flugbahn über türkisches Gebiet. Doch allein, dass solche Gedanken nicht mehr vollkommen absurd erscheinen, zeigt, wie vergiftet und unübersichtlich die Lage geworden ist.

    Vielleicht sind wir nicht buchstäblich eine Sekunde vor dem „Full Scale“-Dritten Weltkrieg. Aber wir befinden uns in einer Situation, in der womöglich niemand diesen Weltkrieg bewusst beschließen muss. Ein Zwischenfall, ein Irrtum oder eine falsch verstandene Reaktion könnten genügen.

    Und ausgerechnet jetzt gelten Besonnenheit und Diplomatie als Schwäche. Das ist das eigentlich Verzweifelte daran.

  6. Die gesamte Bevölkerung des Westens wir und wurde seit Ende des 2.Weltkriegs nur belogen.
    Unsere Werte bestehen nur auf dem Papier bspw. in Form eines Völkerrechts das nur dann eingehalten wird, wenn es den imperialen Machthabern dazu benutzt wird gegen die Gegner Russland und China vorzugehen, oder auch gegen ärmere Drittländer wie Cuba Sanktionen zu erlassen.
    Die UNO, oder auch UN/WHO sind mit ihren Verordnungen eine Farce, dazu ins Leben gerufen, die Vorgehensweise des westlichen Imperiums vornehmlich die USA zu rechtfertigen, welche sie als maßgeblichen Urheber nicht einmal selbst ratifiziert haben.
    Die sogenannte Regelbasierte Ordnung ist derart schwammig, so, dass nur festgestellt werden kann, das die Freiheitliche demokratische Grundordnung, unter der man wenigstens eine Ahnung einer demokratischen Regelung bekommt, die aber in keiner Weise mehr gewährleistet ist.
    So lange wir dem Kapitalismus frönen, werden wir nur Inflation und Krieg bekommen.

  7. Mal ein Beispiel nehmen und nicht warten auf andere. Jeder Einzelne kann etwas gegen den Kriegswahnsinn und für den Frieden tun!
    Stand up for your self!!!

    Nur ein Beispielvon vielen:
    „Daniel Schultz, israelische Wehrdienstverweigererin: „Ich verweigere den Wehrdienst, weil es das Humanste ist, was ich tun kann.“
    Mein Name ist Daniel Schultz, ich bin 19 Jahre alt und bin in einem liberalen Elternhaus in Tel Aviv aufgewachsen. In meiner Jugend engagierte ich mich politisch in der Jugendorganisation der Partei Yesh Atid, wo ich die zentrale Überzeugung verinnerlichte“
    Tel Aviv, Israel – Mesarvot. Network of Israeli conscientious objectors

  8. Außerdem, hat das alles aber rein gar nichts mit „Anarchie“ zu tun.
    Der Mearsheimer mag vielleicht Recht haben aber der Begriff ist völlig falsch gewählt.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen