
In vielen Ländern ist die Geburtenrate so zurückgegangen, dass die Bevölkerung schrumpft und immer mehr Alte auf immer weniger Kinder und junge Menschen kommen. Die gewohnte Alterspyramide kommt ins Kippen. Das hat zunächst die reichen Länder betroffen, der Trend aber erfasst immer weitere Länder. Nur in manchen afrikanischen Ländern werden noch mehr als 5 Kinder pro Frau geboren, was noch in den 1950er Jahren Weltdurchschnitt war. Auch in Indien, dem bevölkerungsreichsten Land, ist die Fertilität unter die Reproduktionsrate auf 2 Kinder pro Frau gefallen, in China liegt sie bei 1,0, in Deutschland bei 1,32.
Man könnte fast spekulieren, dass die Menschheit des Lebens müde wird. Der Fortschritt überzeugt nicht mehr. Vielleicht dreht sich der Wunsch nach Kindern dabei um in das Begehren, möglichst fit zu sein und alt zu werden. Anti-Ageing und Longevity sowie die optimierende Sorge um sich fressen die Fortpflanzung auf. Man will sich fortpflanzen und überleben, anstatt in anderen weiterleben.
Nach einem Bericht des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) haben zwar die Deutschen weiter Kinderwünsche, aber der Fertility Gap zwischen abstrakten Kinderwunsch und dem tatsächlichen Kinderkriegen sei hoch und nehme zu. Dafür sollen Ängste vor der Zukunft sorgen: vor Kriegen, dem Klimawandel, einer erodierenden Demokratie, unsicheren Berufs- und Einkommensaussichten.
Obgleich der Einbruch der Geburtenrate – im Übrigen auch der Sexualität in vielen Ländern – ein weltweites Phänomen ist, glauben etwa AfD-Politiker wie in Sachsen-Anhalt, sie könnten durch Heimatschwurbelei, Normierung der Sexualität auf zwei Geschlechter und Förderung eine Zuwanderung vermeiden. Rechte und rechtsreligiöse Kreise mit einigen der Tech-Milliardäre in den USA oder in Israel, auch geplagt von der Angst auszusterben, predigen eine maximale Fruchtbarkeit (Pronatalismus). Dazu gehören J.D.Vance, Elon Musk oder Simone und Malcolm Collins. Frauen sollen möglichst viele Kinder gebären und müssen dann natürlich, wenn sie die Betreuung nicht outsourcen können, in die traditionelle Rolle als Tradwives zurückkehren, in der sie sich um den Nachwuchs und das Heim kümmern, während die Männer für das Einkommen sorgen und das Sagen haben.
In ihrem „Regierungsprogramm“ stellt die AfD die Familienpolitik („Familien und Kinder“) auf Platz 1 und bringt für das Leben der Geschlechter den erstaunlichen Begriff einer „normierten Normalität“, womit schon klar ist, dass die Freiheit der Menschen nach den Moralvorstellungen der „Normalen“ zum Zweck der Gebärfreudigkeit eingeschränkt werden soll: „Die Ehe aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, muss durch die Politik als normative Normalität anerkannt und besonders gefördert werden.“ Man fürchtet nicht nur Überalterung, sondern auch „das Aussterben des Deutschen Volkes“. Offenbar muss das Völkische durch Großschreibung hervorgehoben werden. Da schaut man natürlich nicht über die Grenzen weg, sondern macht mit der Scheuklappe die „Altparteien“ dafür verantwortlich, als würde man in Sachsen-Anhalt oder Deutschland den weltweiten Trend umkehren können. Mal davon abgesehen, ob die Deutschen mit einer verordneten „normativen Normativität“ mehr Lust am Vögeln entwickeln würden.
Und der ist ziemlich eindeutig, ähnlich wie die von der AfD geleugnete Klimaerwärmung. Erstmals ist die Zahl der Über-65-Jährigen höher als die der Unter-5-Jährigen. Das stellt ein Bericht „An Ageing World“ der US-Statistikbehörde mit den Zahlen bis 2023 fest. Neben der fallenden Geburtenrate sorgt für die Überalterung auch die gestiegene Lebenserwartung. 2023 lebten 71 Prozent der Weltbevölkerung in Gesellschaften mit Geburtanraten am oder unter dem Reproduktionswerten. Das sind 45 Prozent mehr als 2013. Die demografischen Veränderungen vollziehen sich demnach rasant.

„Bis vor kurzem machten jüngere Kinder einen größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung aus als ältere Erwachsene. Bis zum Jahr 2025 haben ältere Menschen diese jüngste Gruppe jedoch hinsichtlich ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung überholt. Dies ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass es zu dieser ‚Überholung‘ der jüngsten und ältesten Altersgruppen gekommen ist, und es wird prognostiziert, dass sich dieser Unterschied in den kommenden Jahren drastisch vergrößern wird.“
Dabei steigt die Weltbevölkerung bis zum erwarteten Knick erst noch einmal weiter, wobei die Alten, deren Lebenserwartung steigt, den größten Zuwachs beisteuern und die Wachstumsrate sinkt. Bis 2080 könnte die Weltbevölkerung von jetzt 8,1 Milliarden auf 10,4 Milliarden anwachsen, ab dann wird sie vermutlich allmählich sinken. Die Statistikbehörde geht allerdings davon aus, dass schon in den 2060er Jahren die Weltbevölkerung auf 10.2 Milliarden anwächst und ein Fünftel über 65 Jahre sein wird.
Interessant ist, dass die Alterung gerade in den Regionen stärker ansteigen wird, in denen die Geburtenrate jetzt noch höher liegt. Global wird eine Zunahme der Zahl der Über-65-Jährigen um 136% zwischen 2025 und 2060 erwartet. In Afrika wird sie am stärksten um 325% von jetzt 60 Millionen auf 249 Millionen ansteigen, in Lateinamerika um 158% und in Asien um 154%. In Nordamerika um 46% und in Europa um 37 Prozent. Dabei bleibt Europa die älteste Region der Welt und ist gewissermaßen auch demografisch die Avantgarde.
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Das mit den Wurfprämien, Karnickelorden und den kinderlosen Frauen die zum Psychiater geschickt werden ist bei der AFD nur einfaches nachäffen der sinnlosen Maßnahmen Putin.
Führerprinzip eben.