Erste Demonstration von humanoiden Robotern

Demonstration von Robotern in Warschau. Bild: Democratism.com

 

Am Sonntag fand in Warschau die wahrscheinlich erste Demonstration von meist humanoiden Robotern statt. Zum ukrainischen Unabhängigkeitstag hatte es kurz zuvor schon eine erste Parade von Kriegsrobotern, von unbemannten Luft-, Wasser- und Bodenrobotern, gegeben. Die sollten demonstrieren, dass die Roboter ganz in der Hand der Herren sind und als willige Knechte die Gegner vernichten. In Warschau waren die Roboter unbewaffnet und forderten seltsamerweise und uneigennützig eine Regulierung der Entwicklung.

Die Demonstration der 30 unbewaffneten Roboter vor dem Digitalministerium wurde organisiert von einer Gruppe, die sich Democratism nennt. Sie will mit einem Aufmerksamkeitsevent eine öffentliche Debatte über KI, Robotik und die Zukunft der Arbeit, also auch die mögliche Ersetzung menschlicher Arbeiter, anstoßen. Innovation brauche nämlich öffentliches Vertrauen.

Wie man sieht, ist Democratism.com nicht gegen Roboter und KI. Das ist auch wenig verwunderlich, weil dahinter die Firma Delta Robots steht, die Roboter verleiht – und mit der Demonstration gleichzeitig für sich wirbt. Die Roboter schwenkten Fahnen.

Gregory Kulis, Leiter der Gruppe, verkündet, wir würden bald mit einem Problem konfrontiert sein: „Das Tempo des Wandels ist längst keine theoretische Frage mehr. Humanoide Roboter halten Einzug in die reale Welt, während künstliche Intelligenz bereits jetzt die kognitive Arbeit grundlegend verändert. Die eigentliche Frage ist nicht, ob diese Technologien den Arbeitsmarkt verändern werden – sondern ob unsere Gesellschaften, Institutionen und Vorschriften damit Schritt halten können.“

In der EU wurde tatsächlich KI reguliert, auch die Nutzung der sozialen Medien wird beschränkt oder zumindest thematisiert. Kaum politische Debatten gibt es tatsächlich darüber, wie KI und Roboter die Arbeitswelt verändern werden, obgleich es immer wieder besorgte Berichte und Mahnungen über den Wegfall zahlreicher Jobs und einer möglichen Arbeitslosigkeit gibt, was zu sozialen Unruhen führen könnte.

Rechtspopulistische Parteien und Bewegungen verkennen das Problem, indem sie Migranten abschieben wollen, während der „große Austausch“ durch die Technik stattfindet. Aber zur Lösung solcher Fragen bräuchte es einfallsreichere Ideen als die angebliche Rettung der heilen Welt durch die Reinigung von „Kulturfremden“, wie die AfD propagiert, aber eben zur Technik praktisch nichts zu sagen hat. Diejenigen, die an der Regierung sind, versuchen vor allem, sich an die Spitze der technologischen Innovation zu setzen oder zumindest mitzuhalten, auch deswegen, weil die Kriegsführung, die man vor Augen hat, da eine Friedenspolitik absent ist, auf KI und unbemannte/autonome Robotik setzt. Hier sind vor allem humanoide Roboter interessant, weil alle Waffen und Fahrzeuge auf den menschlichen Körper ausgelegt sind.

Ganz richtig ist daher die Forderung, die Entwicklung zu bedenken und möglichst zu steuern, bevor große Veränderungen geschehen. Im Vordergrund von Democratism steht die Ersetzung vor allem kognitiver Arbeit durch humanoide Roboter und KI. Es werden Beispiele für Fragen gegeben, die relativ schnell beantwortet werden müssten, wobei nur die Arbeitswelt thematisiert wird, nicht der Umgang mit KI und Roboter im privaten und öffentlichen Leben:

„Was passiert, wenn sich ganze Berufsbilder schneller verändern, als sich die Arbeitnehmer anpassen können?

Wer ist dafür verantwortlich, Menschen, deren Arbeitsplätze durch Automatisierung verändert werden, umzuschulen?

Wie sollten Unternehmen diese Technologien verantwortungsvoll einführen?

Welche Schutzmaßnahmen sollten während des Übergangs bestehen?

Und wer hat ein Mitspracherecht bei der Entscheidung, wie weit und wie schnell die Automatisierung voranschreiten soll?“

Ein bisschen harmlos ist der Aufruf zu einer öffentlichen Diskussion aber schon. Im Ukraine-Krieg sind bereits autonom handelnde Kampfroboter unterwegs, die Ziele suchen und angreifen. Vielleicht um niemand zu verschrecken, wird auch nicht thematisiert, ob man zulassen oder verhindern soll, dass KI-Systeme oder autonome Roboter wirklich eigenständig handeln. Auch das ist nach dem gelungenen Ausbruch der KI von OpenAI und Anthropic aus der gesicherten Testumgebung und dem selbständigen Eindringen in das Internet sowie Hackerangriffen  schon ein aktuelles Problem. Es wird auch von KI-Herstellern gewarnt, dass KI-Systeme sich selbst verbessern können.

Wie lässt sich ein Aufstand der KI-Systeme und intelligenten Roboter verhindern? Gerade zirkuliert ein russisches Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Roboter beginnt auf einen Menschen einzuschlagen, der ihn zuvor gestoßen hat, weil er auf einen Gruß nicht reagierte. Das sieht bereits wie ein Herr-Knecht-Drama aus. Wahrscheinlich ist das inszeniert, aber doch ein Blick in die Zukunft.

Screenshot aus dem Video mit dem angeblich zurückschlagenden Roboter.

Und was ist, wenn intelligente Roboter sich nicht nur selbst optimieren, sondern sich in Form einer arbeitsteiligen Robotergesellschaft auch reparieren und neue Roboter bauen können? Wird die Menschheit überflüssig oder darf sie in Muße weiter existieren, etwa wie Tiere auf einem Gnadenhof?

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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