Doomsday Clock: 90 Sekunden vor der globalen Katastrophe

Bild: Bulletin of the Atomic Scientists

Vor allem wegen des Kriegs in der Ukraine wurde der Uhrzeiger vom Bulletin of the Atomic Scientists vorgestellt und zum Dialog aufgerufen.

 

Wie erwartet haben die Mitglieder des 1945 von Albert Einstein u.a. gegründete Bulletin of the Atomic Scientists, die für das Stellen der Weltuntergangsuhr, der Doomsday Clock, verantwortlich sind, den Zeiger vorgerückt und auf 90 Sekunden vor Mitternacht gestellt (Schlafwandeln in den Atomkrieg). Das will sagen, dass das Risiko einer globalen Katastrophe so hoch wie noch nie seit 1947 eingeschätzt wird. Die beiden letzten Jahre stand der Uhrzeiger auf 100 Sekunden vor Mitternacht, was auch schon mehr war, als während des Kalten Kriegs.

In der Begründung heißt es, dass für die Entscheidung hauptsächlich der Ukrainekrieg verantwortlich sei, aber nicht nur dieser, sondern auch die Klimaerwärmung, biologische Bedrohungen und disruptive Techniken sowie Desinformation. Während die „Modernisierung“ der Atomwaffen voranschreite, seien die „kaum verhüllten Drohungen“ Russlands, Atomwaffen einsetzen zu können, eine Erinnerung daran, dass „die Eskalation des Konflikts durch Zufall, Absicht oder Fehleinschätzung ein fürchterliches Risiko ist. Die Möglichkeit, dass der Konflikt nicht mehr kontrollierbar wird, bleibt hoch.“

Russland habe die gegenüber der Ukraine gegebenen Garantien für die Aufgabe ihrer Atomwaffen gebrochen. Zudem habe Russland den Krieg auch zu den AKWs Tschernobyl und Saporischschja gebracht. New Start, der letzte bestehende Vertrag über die Begrenzung von Atomwaffen, läuft 2026 aus, was das Misstrauen verstärken und das Wettrüsten beschleunigen würde. Allerdings wird vergessen zu sagen, dass die USA, beginnend mit dem ABM-Abkommen zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen 2002, einseitig aus den Verträgen ausgestiegen sind und damit maßgeblich zum Wettrüsten beigetragen haben.

„Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen erhöht, das Schreckgespenst des Einsatzes biologischer und chemischer Waffen heraufbeschworen, die Reaktion der Welt auf den Klimawandel gelähmt und die internationalen Bemühungen zur Bewältigung anderer globaler Probleme behindert. Die Invasion und die Annexion ukrainischen Territoriums haben auch gegen internationale Normen verstoßen, was andere dazu ermutigen könnte, Maßnahmen zu ergreifen, die bisherige Absprachen in Frage stellen und die Stabilität bedrohen.“

Das ist eine sehr amerikanische oder auch Nato-Sicht, aber in der Erklärung wird darauf gedrungen, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen: „Die US-Regierung, ihre NATO-Verbündeten und die Ukraine verfügen über eine Vielzahl von Möglichkeiten des Dialogs, die alle erkundet werden sollten. Die Suche nach einem Weg zu ernsthaften Friedensverhandlungen könnte viel dazu beitragen, die Gefahr einer Eskalation zu verringern. In dieser Zeit beispielloser globaler Gefahren ist ein konzertiertes Vorgehen erforderlich, und jede Sekunde zählt.“

Das Science and Security Board (SASB), das für das Stellen der Doomsday Clock verantwortlich ist, macht damit eine deutliche Warnung an alle diejenigen, die das Risiko eines Atomkriegs herunterspielen, als Quatsch bezeichnen oder als russische Propaganda abtun. Russische Propaganda kann man der Erklärung keinesfalls entnehmen.

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8 Kommentare

    1. Aber hey, mit der Entscheidung des Kriegskanzlers schaffen wir es vielleicht noch schneller! Schade, die Atomic Scientists dürfen jetzt ihre Prognose gleich nach wieder unten korrigieren – 60 Sekunden? Oder nur noch 45?

      Erschütternd, widerwärtig. Grenzenlos dumm und verantwortungslos. Verrat an allen Werten, die Deutschland in den letzten 73 Jahren vertreten hat. Oder war 73 Jahre lang alles nur Lüge?

        1. „Oder war 73 Jahre lang alles nur Lüge? –
          Ja.“

          Nein, natuerlich nicht ‚alles‘. Das mit der ‚Zeitenwende‘ ist zB Quatsch.
          Und eine ’soziale Marktweirdschaft‘ ist nun mal sowas aehnliches wie eine ‚marktkonforme Demokratie‘ – ein schwarzer Schimmel.

    2. So ist es.
      Die USA und ihre Vasallen sind schon seit 2014 emsig bemüht, die Doomsday-Clock immer zügiger auf 12 Uhr zu stellen.
      Der Hinweis des russischen Einmarschs in die Ukraine als Grund für den „Zeitsprung“ ist die Nebelkerze, die davon ablenken soll, dass die USA sich einer sehr wohl mehrmals geforderten diplomatischen Lösung des Konflikts verweigerte. Wer nun wieder mal „Haltet den Dieb!“ ruft, ist jedem klar mit ein bisschen historischem Hintergrundwissen.

  1. mit großem Sinn fürs Timing haben sich das „Bulletin“, SPD-Vorstand und Bundesregierung abgesprochen, alles zeitgleich zu veröffentlichen:

    die neue Doomsday Clock, das neue SPD-Paper, die Entscheidung über die Panzer.

    (Fehlt noch, dass der FC-Bayern absteigt, es wäre fürwahr historisch. Aber nur dann.)

  2. Die imperiale Schlagseite manifestiert sich auch an der Entscheidung selbst. Ich sehe es umgekehrt – wir sind 90 Sekunden näher dran und es fehlen noch zehn. Die anderthalb Minuten muten wie eine Verharmlosung an.

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