Dissonanzen

Bild: Montecruz Foto, CC BY-SA 3.0

Warum Deutsche aus der Fassung geraten, wenn israelische Intellektuelle über die Entwicklung im eigenen Land entsetzt sind und darüber berichten.

Oft wird die Frage gestellt, warum israelische Intellektuelle und Aktivisten nach Deutschland reisen, um ihre kritische Sicht des Zustands in ihrem Land und des Nahostkonflikts einem nichtisraelischen Publikum darzulegen. Die Antwort darauf ist denkbar einfach: Weil sie um ihr Land besorgt sind. Entsprechend treten sie auch in Israel kritisch auf, kämpfen um dessen Emanzipation (und zahlen im heutigen Israel einen nicht geringen öffentlichen Preis dafür). Und weil sie über die Entwicklung im eigenen Land entsetzt sind, mithin die Hoffnung verloren haben, dass die israelische Bevölkerung es noch aus eigener Kraft schafft, den herrschenden Zustand umzuwälzen und den Frieden herbeizuführen, wenden sie sich an Öffentlichkeiten im Ausland, in der fahlen Zuversicht, dass eventuell „von dort“ die „Erlösung“ kommen mag. In Israels politischer Kultur ist dieses Vorgehen der Hinwendung zum Ausland mitnichten ungewöhnlich: Israel war seit seinem Anbeginn ein Land, das offiziell auf Spender und Sponsoren – seien es Juden in aller Welt, seien es geopolitische Schutzmächte, allen voran die USA – zählte.

Interessanter ist indes die Frage, was gewisse Deutsche derart aus der Fassung geraten lässt, wenn die israelischen Intellektuelle und Aktivisten in Deutschland auftreten, dass sie meinen, sie besudeln und mit orchestrierten Schmutzkampagnen verleumden zu dürfen, auf dass deren Aktivität lahmgelegt bzw. völlig delegitimiert wird. Auch darauf ließe sich eine einfache Antwort geben: Weil sie um Israels Wohl besorgt sind und in der massiven Kritik an seiner Politik Antisemitismus gewahren.

Diese Antwort ist allerdings verlogen: Denn besagte Deutsche scheren sich für gewöhnlich einen feuchten Kehricht um Israels Wohl; sie wissen kaum, was in diesem Land sich real zuträgt, oft genug haben sie das Land noch nie besucht, und wenn sie sich bequemt haben, es aufzusuchen, haben sie sich von jenen Leuten und Instanzen ins Bild setzen lassen, die sie mit all dem ausgestattet haben, was sie dann in ihrer perfiden Agitation in Deutschland gegen die israelischen Intellektuelle und Aktivisten in Anschlag bringen. Die sie „informiert“ haben, sind auch jene, die die Kritiker Israels im eigenen Land verfolgen bzw. jenes politische Elend generieren, das Gegenstand der jüdischen Kritiker geworden ist. Nicht auszuschließen, dass die deutschen Agitatoren in ihrer Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden Deutschlands von der israelischen Botschaft propagandistisch angeleitet, funktionalisiert und – wer weiß? – vielleicht auch von dieser bezahlt werden.

Und der Antisemitismus, den sie vorgeblich bekämpfen? Zu den ideologischen Schandtaten ihrer agitatorischen Praxis gehört, dass diese Deutsche den Begriff – zu Zwecken der eigenen Agitation instrumentalisierend – völlig ausgehöhlt haben. Indem sie wahllos in jedem und allem Antisemitismus wähnen, ohne Unterscheidung, ohne erstzunehmende Begründung, ohne handfesten Beleg, indem sie hinterhältig insinuieren und offenbar einen Lustgewinn an der infamen Beschmutzung der von ihnen ins Visier genommenen jüdischen Intellektuellen und Aktivisten haben, desavouieren sie sich selbst: Sie haben die instrumentalisierende Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs mittlerweile dermaßen fetischisiert und verdinglicht, dass sich von selbst die Frage erhebt, was sie in ihrer schändlichen Politpraxis – über die hanebüchene rhetorische Begründung ihres schmählichen Tuns hinaus – wirklich antreibt.

Da wäre zum einen die unbestreitbare Tatsache, dass sie, ob sie es nun wollen oder nicht, dem Tätervolk angehören. In vergangenen Zeiten war dies sogar das von ihnen selbst proklamierte Motiv der Selbstsetzung. Sie probten den Aufstand gegen die schuldig gewordene Elterngeneration, forcierten die öffentliche Aufarbeitung der verbrecherischen Vergangenheit, andere skandierten gar „Nie wieder Deutschland!“. Sie verstanden sich dabei als Linke, erblickten im Antifaschismus ihre politische raison d‘être und sahen in der Bekämpfung der rechten politischen und sozialen Strukturen ihres Landes das Ziel ihrer emanzipativ beseelten Aktivität. In der BRD stellten die sogenannten Achtundsechziger (bzw. die Neue Linke) das handelnde Kollektivsubjekt dieser Ausrichtung auf Deutschland. Was immer man von ihnen heute halten mag, sie erfüllten eine bedeutende historische Rolle in der Prägung einer kritischen Öffentlichkeit im Wirtschaftswunder allzu schnell in die „Normalität“ hineingleitende Westdeutschland.

Und irgendwann trat bei vielen von ihnen eine Gesinnungswende ein. Mehrere Gründe mögen dabei eine Rolle gespielt haben. Zum einen integrierten sich die meisten ins bürgerliche Establishment. Die Hochschulreform erwies sich dabei auch als Möglichkeit der Sicherung eines eigenen Arbeitsplatzes. Man war nunmehr verbeamtet. Zum anderen war es nicht mehr opportun, an marxistischen bzw. sozialistischen Idealen zu halten, denn die Welt hatte sich verändert: Der Sowjetkommunismus war zusammengebrochen, kompromittierte mithin auf Jahrzehnte hinaus jegliche sozialrevolutionäre Emphase im nunmehr globalisierten kapitalistischen Westen. Es bedurfte schleunigst einer neuen Koordinate für diese Generation der mittlerweile „geläuterten“ alten Neuen Linken. Und sie fand sich in den „Juden“.

Die realen Juden spielten für die ehemalige Neue Linke kaum eine Rolle. In Deutschland lebten kaum welche, und insofern Israel mit ihnen gleichgesetzt wurde, galt es den Achtundsechzigern spätestens seit 1967 als Handlanger des Imperialismus und wohl kaum als geeignetes Objekt ihrer politischen Solidarität. Als aber die zeitgeistbedingte Gesinnungswende kam, konnten „Juden“, „Zionismus“ und „Israel“ ideologisch neu eingesetzt werden. Man wurde plötzlich guter (Anti)Deutscher, wenn man „Juden“ vor „Antisemitismus“ in Schutz nahm: Mit einem Mal war Deutschland überall „antisemitisch“ durchseucht, die nächste „Shoah“ lauerte gleichsam um die Ecke, wenn nur ein legitimierendes Zeichen dafür „von oben“ käme. Man verwandelte sich mitunter in Judits (die Männer bewahrten ihre deutschen Namen), die am besten wussten, was das Wohl der Juden ausmacht und wie man sie vor dem grassierenden deutschen Antisemitismus zu bewahren habe. Viele Juden wussten dabei gar nicht, wie ihnen geschah.

Es gab da aber ein Problem. Das zionistische Israel, welches man – der Ideologie dieses Landes willfahrend – mit „Juden“ gleichsetzte, erwies sich als etwas Anderes als die „Zufluchtsstätte“ für jüdische Opfer, als welche man es in Deutschland sehen zu sollen meinte. Es mutierte selbst zum Täter – eine jahrzehntelange Okkupation und nicht abreißende Knechtung der Palästinenser manifestiert dies unabweisbar, sosehr man bemüht ist, diesen Umstand zu ignorieren. Die allermeisten jüdischen Israelis tangiert dies kaum. Sie haben mit dem menschenrechtsfeindlichen Unfrieden längst ihren Frieden geschlossen. Aber es gibt eben auch jene, die, wenn sie an Israel, ihr Land, in der Nacht denken, um den Schlaf gebracht sind.

Und nun kommen sie nach Deutschland und maßen sich an, von dieser Barbarei und dem von ihr generierten Elend (samt den Auswirkungen auf Israel selbst) zu berichten. Und siehe da, jene, die einst ausgezogen waren, um ihr deutsches Land in emanzipativer Absicht kritisieren und verändern zu wollen, bekommen Schaum vor dem Mund, wenn sie dem Phänomen begegnen, dass Israelis Gleiches im Hinblick auf ihr eigenes Land tun. Wie erklärt sich das?

Zum einen ist da wohl eine narzisstische Kränkung am Werk: Wenn man ehemals selbst Israel (antizionistisch, wie es nur geht) kritisierte und dann die Gesinnungswende vollzog, um nun „Juden“ vor deutschem Antisemitismus zu schützen, indem man sich mit „Israel“ solidarisiert, dann kann man schon in tobenden Zorn verfallen, wenn man den Spiegel vors Gesicht gestellt bekommt. Was soll man bloß machen? Man will „links“ sein, emanzipativ wirken, und es stellt sich heraus, dass das, womit man sich solidarisiert, eigentlich mit größter emanzipativer Verve zu bekämpfen wäre. Wie gut, dass es da die „sechs Millionen“ gibt, deren es (israelsolidarisch) zu gedenken gilt.

Aber es mag da ein anderes Motiv mitspielen, zähflüssiger als das andere, nämlich die unbewusste Wut über das Opfer, das einen daran gemahnt, dass man selbst Täter ist. Dieses Grundmuster überträgt sich auf die Konstellation der Nachfolgegenerationen: Die Wut der Täternachkommen darüber, Verbrecher zu Vorfahren zu haben, wenn nicht familiengeschichtlich, dann als nationales Kollektiv, wird auf die Kinder und Enkel der historischen Opfer projiziert. Wie gern wäre man als Täternachkomme selbst Opfer! Und weil man es nicht kann, versucht man jene zu eliminieren, die in Anspruch nehmen dürfen, ohne eigenes Zutun es durch ihr schieres Dasein zu sein. Manche Deutsche wollen die Opfernachkommen als Täter sehen. Andere können es nicht ertragen, nicht selbst „Juden“ zu sein. In beiden Fällen wirkt sich horrenderweise Hitlers verlängerter Arm aus. Die Befindlichkeitsneurosen der Nachkommen sind beredtes Zeugnis davon.

Über den Siegeszug der AfD – bei nächster Gelegenheit.

Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, erscheint demnächst.
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21 Kommentare

  1. Das stimmt, Israel wirbt um Touristen. Schaut es euch an, die angebliche Apartheid. Die Thunbergblase fährt natürlich nicht hin, was sie nicht daran hindert, frei erfundene Lügen über das Land zu verbreiten.
    Wir waren dort und durften mit einem Mietauto frei überall herumfahren. Glaubt man Zuckermann, dann hätte da ein indoktrinierender Politruk mitfahren müssen. Quatsch natürlich.
    Ich dachte erst, ob das vielleicht ein Problem sei, weil wir Deutsche sind. Überhaupt nicht. Wir wurden in Tel Aviv von links und rechts auf deutsch angesprochen. Von einer Frau, die als AuPair dort blieb und dann Angela Merkel wählte. Und einem Borussia Dortmundfan. Das sind alles sehr freundliche und aufgeschlossene Menschen. Was ihnen dann zum Verhängnis wurde. Sie waren dem perfiden Nazi nicht gewachsen.

    Einen Griesgram wie Zuckermann habe ich nicht getroffen. Der ist absolut untypisch.

    1. Nee, die „Thunbergblase“ wird auf offener See gekidnappt und bekommt einen leichten Vorgeschmack auf das, was Palästinenser tagtäglich erleiden müssen.
      Ehrlich, eine solche Blindheit wie die Ihre ist nur noch Mitleid erregend.
      Als spiritueller Mensch weiß ich, dass sie einmal damit konfrontiert werden und das wird sehr schmerzhaft sein.
      Offenbar müssen Sie einfach noch einmal die selbe Erfahrung des „Davon haben wir nichts gewusst“ = „Das wollen wir nicht gesehen haben“ Ihrer Vorfahren machen, bevor Sie erkennen, dass es kein reines Schwarz-Weiß gibt und Juden nicht qua Geburt vor Faschismus, Gier und Mordlust gefeit sind, sondern schlicht normale Menschen mit allen Möglichkeiten zu größtem Altruismus UND zu größter Grausamkeit. Und in dieser Zeit sind israelische Juden und die mit ihnen verbündeten jüdischen Lobbygruppen in anderen Ländern die Täter und nicht die Opfer.
      Und genau genommen ist auch das ein furchtbares Schicksal, das die Nachkommen belasten wird.
      Ihr „Lösungsweg“ aus dieser Belastung ist alles mögliche, nur keine Lösung, sondern das Gleiche wie das Ihrer Vorfahren mit ausgewechseltem Feindbild

      1. Mach halt mit auf X. Da werden jeden Tag die Fakenews der Hamas offengelegt. Die der Gegenseite auch. Sind aber selten.

        Das ist maßlos naiv, dass Du den Hamasscheiß unbesehen glaubst.

    2. Exakt!
      Ich habe Israel vor einigen Jahren besucht und es war einfach nur super:
      von unterdrückten Palästinensern oder wie die heißen war weit und breit
      nichts zu sehen, aber es gab tolle Strände, leckeren Orangensaft und alle
      waren voll nett!!!
      Das lass‘ ich mir doch von einem Griesgram wie Zuckermann nicht miesmachen!

        1. Stimmt, ganz vergessen: all die heißen Bräute mit Maschinenpistolen, ohlala …
          Und die Minister mit ihren goldenen Anstecknadeln, Respekt!

    3. Unser aller Eindrücke sind begrenzt ,und das, was man so Realität nennt, ist ein sehr komplexes Gebilde aus zum Teil völlig gegensätzlichen Geschehnissen, die zeitgleich stattfinden.. Eindrücklich wurde mir das einmal in einem griechischen Spielfilm über die Militärdiktatur von Papadopoulos(Titel leider vergessen), in einer Szene, wo eine Menschengruppe zur Erschießung abgeführt wurde. Keine untermalende dramatische Musik, nur schönstes Vogelgezwitscher in blühender Landschaft, dann die Schüsse. Ich weiß noch, dass ich das kaum ertragen konnte. Wie kann es sein, dass Vögel zwitschern und gleichzeitig Menschen ermordet werden?
      Genauso wie dieses könnte also sein, dass Sie auf einer Urlaubsreise für Sie nur Angenehmes erleben und zeitgleich ein zwölfjähriger Palästinenserjunge erschossen wird, weil er Steine auf einen Jeep des israelischen Militärs warf. Oder dass ein palästinensischer Vater, wie es in dem Roman von Nathan Thrall „Ein Tag im Leben von Abed Salama“ ( Pendragon Verlag 2023) beschrieben wird, nicht feststellen kann, ob sein kleiner Sohn unter den Verletzten eines Unfalls ist, die in ein bestimmtes Krankenhaus eingeliefert wurde, weil er selbst als Palästinenser in die Zone des Landes nicht reisen darf.
      Sicherlich haben Sie Recht, wenn Sie Zuckermann als „untypisch“ bezeichnen. Dass da aber einer mit reichlich Bitternis auf das Phänomen reagiert, dass ausgerechnet in Deutschland derzeit ein so ausgeprägtes „Expertentum“ in Sachen Antisemitismus in allen erdenklichen Varianten erblüht, dem zunehmend auch jüdische Menschen jeglicher nationaler Zugehörigkeit zum Opfer fallen, sofern sie die israelische Politik heftig zu kritisieren wagen: ist meines Erachtens nur zu verständlich . Wobei auch hier die Realität natürlich zumindest insofern weit komplexer noch ist als das Wahrgenommene, insofern, als den meisten Menschen all dies völlig gleichgültig sein dürfte.

    4. Welche „Apartheid“ könnte er den meinen, der Arthur mit dem verbindenden Strich „_“ und dem „C“? Die Apartheit und den extrem menschenunfreundlichen Umgang der israelischen Regierung inklusive Armee mit den Palästinensern im Gaza? Aber die meint er sicherlich nicht oder vielleicht doch? Aber warum redet er dann nicht Klartext, damit ihn alle Bürger verstehen? Den Gaza dürfen nämlich nicht einmal unabhängige Kriegsreporter betreten.

      Mit derlei „apartheitsfreien“ Kommentaren kann man niemanden überzeugen, Herr Arthur. Derlei Kommentare sind eher ein Indiz für Propaganda. Sie erzielen damit genau das Gegenteil. Sie überzeugen niemanden, Sie machen misstrauisch.

      In den USA gibt es schließlich auch keine Obdachlosen, die in Zelten und in irgendwelchen Nebenstraßen dahinvegetieren. In Deutschland gibt es auch keine Obdachlosen. Die Propaganda sagt: Wer fleißig arbeitet, der kann sich auch ein große Villa mit Swimmingpool mit eigenem Tennis- und Hubschrauberlandeplatz in Florida, Malibu oder Beverly Hills leisten. Mindestens 95 Prozent der Bürger in den USA arbeiten eben nicht hart genug.

      Wenn man in Deutschland drauf hinweist, dass im letzten Winter allein in Hamburg 20 oder mehr Obdachlose erfroren sind, dann ist man ein „Griesgram“. Dass 20 oder mehr Obdachlose erforen sind, das ist nämlich in diesem immer noch mehrheitlich „christlichen“ und angeblich „sozialen“ Land kein Problem, aber wenn man darauf hinweist, dann ist man ein „Griesgram“.

      Hauser: Noch Fragen Kienzle?
      Kienzle: Nein Hauser, wo sie Recht haben, da haben Sie recht.

    5. Ja, alles sehr freundliche, aufgeschlossene Menschen. Und wenn man sie nach Arabern oder gar Palästinensern fragt, reagieren sie ein ganz klein wenig rassistisch. Am besten wär schon, es gäb sie nicht, oder wenigstens bloss woanders. Man muss nur auf der Strasse x-beliebige Leute fragen und kriegt, freundlich und aufgeschlossen, apodiktische Antworten.

      Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der UNO für die besetzten palästinensischen Gebiete schätzt, dass seit Oktober 2023 mindestens 20’179 palästinensische Kinder getötet wurden. Die Kommission untersucht auch israelische Inhaftierungspraktiken, die palästinensische Minderjährige betreffen. In Gaza und der Westbank festgenommene Kinder beschreiben Folter, sexuelle Gewalt, erniedrigende Behandlung und das Verschwindenlassen in Haftanstalten, ohne dass ihre Familien darüber informiert werden. Ach wie griesgrämig, auf solches hinzuweisen…

  2. Morchel Zuckermann ist kein Griesgram.

    Es gibt ja nicht viel Sinnvolles, was der
    Jan van Aken von der Linkspartei von sich
    gegeben hat. Zum Abschied aus der Parteispitze sagte er jedoch sinngemäß, dass man die Shoa und den Völkermord an den Palästinensern als voneinander unabhängige Verbrechen betrachten könne und solle.

    Wer finanziert eigentlich die geistesgestörten Antideutschen um die
    Linke zu spalten und zu zerstören ?

  3. Die üblichen Verdächtigen müssen ja den Autor madig machen, aber bitte schön mit Geist und nicht mit lächerlichen Scheinargumenten. Direkt ihren „Antisemitismus“ an ihm auszulassen trauen sie sich doch nicht.
    Welcher Tourist z B in Indien oder Sri Lanka kommt denn in Gegenden wie Slums, Gewalt und gärender Unzufriedenheit? Die geschilderten Erlebnisse wird in der Regel jeder Tourist in jedem Land ebenfalls schildern können.
    Das als Gegenargument ist hirnlos, eine Warnung hinterher.Ich würde aufpassen, nicht in die historische Falle zu kommen, mit unkritischem, pro israelischem Standpunkt die Grundthesen des Antisemitismus einzunehmen, dass das „jüdische Volk“ das erwählte sei.
    Soweit man überhaupt von einem jüdischen Volk sprechen kann, höchst abgestritten, und nicht von einer Religion, folgt man so einer Ideologie, die auch der nazistischen von der jüdisch-bolschewistischen mit dem Ziel der Vernichtung die Grundlage gab.
    Dabei lasse ich außer acht, dass schon der so verwendete Begriff des Semitismus/Antisemitismus ein ideologischer Ausgangspunkt ist, der einfach Juden zu Semiten erklärt, obwohl sie in Nahost historisch nicht dazu zählen und die größte semitische Volksgruppe die Araber sind.
    Aber da schließt sich der aktuelle „antisemitische“ Kreis, man kann auf die Araber eindreschen und sie als Antisemiten produzieren.

  4. Sehr geehrter Herr Zuckermann.

    An dieser Stelle möchte ich Ihnen aufrichtig für Ihren unermüdlichen Kampf für Menschenrechte und gegen das Terrorregime Netanjahu danken.

    Es ist unglaublich, wie viel braunes und nationalsozialistisches Gedankengut alleine hier in Deutschland noch vorhanden ist und mittlerweile sogar zu offenen Zustimmungen und sogar Bewunderungen für Kriegsverbrecher wie Netanjahu und Selenskyj führen.
    Die ungebremsten Vernichtungsphantasien der Fans zeigt dann auch, in welcher Gefahr sich die Demokratien mittlerweile sich befinden.

    In Anbetracht dessen fragt man sich doch, wie lange kann es noch dauern bis Hitler postum den Friedenspreis bekommt und Geschichtsbücher geändert werden?

  5. Unser ASB von eigenen Gnaden hat die Gelegenheit ja schon eingangs kräftig genutzt. Da halte ich mich besser mal zurück. Nur soviel sei erlaubt:dem Herrn Moshe Z. scheint ja tatsächlich endlich einmal der Kragen geplatzt zu sein. Würde ihm eigentlich nicht widersprechen wollen, aber … nein, herrschaftszeiten nochmal … ich halte mich zurück. Einen Griff in meine persönliche Pandora-Büchse kann ich mir allerdings nicht verkneifen. Aus den jüngsten ‚dunkelsten Stunden‘ – just ein Monat nach TenSeven – einer meiner seltenen – wohl kaum verwendeten – Leserbriefe anderweitig zum Thema:

    „Der Tagesspiegel von dieser Woche (7.10.2023) vermeldet, dass die Altkanzlerin Angela M. heute aus Anlass des 85. Jahrestages der NS-Novemberpogrome zu Wachsamkeit und Zivilcourage eine Erklärung abgeheben habe, die u.a. lautet: „Wer den legitimen Wunsch nach einem palästinensischen Staat, wer legitime Kritik am politischen Handeln unseres Landes und dem des Staates Israel auf propalästinensischen Demonstrationen nur als Deckmantel benutzt, um seinen Hass auf den Staat Israel und auf Juden auszuleben, der missbraucht unsere wertvollen Grundrechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Das muss mit allen Mitteln unseres Rechtsstaats geahndet und unterbunden werden.“ Da haben wir den Salat. Wohlbekannt aus (ihren) dunkelsten Corona-Zeiten mal auf die Schnelle und aus dem amtlichen Off ihr alternativloses Diktat, Artikel 5 des Grundgesetzes zu schleifen, schlimmer noch, die Inanspruchnahme dieser Rechte muss – ich wiederhole – mit allen Mitteln geahndet und unterbunden werden.

    Hier noch ein Zitat aus den NDS-Hinweisen vom 26.9.2006

    Unter dem Titel „Vorsicht, Frieden!“ ein Beitrag von Uri Avnery aus der TAZ (https://taz.de/!373836/)
Die palästinensische Einheitsregierung und die Arabische Liga setzen Israel unter Druck: Nahost-Verhandlungen rücken wieder näher. Genau davor fürchtet man sich in Israel. Ein Beitrag von Uri

    Avnerys Schlusssatz: „Frieden ohne die besetzten Gebiete – oder die besetzten Gebiete ohne Frieden. Nach sechs großen und mehreren kleineren Kriegen sollten wir eigentlich erkennen, dass der Preis der Besetzung zu hoch ist“

    Dazu dann noch der NDS-Kommentar: „Nicht alle NDS-Freunde teilen diese regierungskritische Haltung des Israeli Avneri.“ (War schon damals ein Gessler-Hut-Disclaimer nötig?)

    Und hier zum Schluss, weil es gerade so schön passt

    Aus einem der Leserbriefe vom 13.10.2023 zu einem Beitrag von Florian Warweg
    (https://www.nachdenkseiten.de/?p=105132)

    „Das erinnert mich an ein Radiointerview mit dem aus Deutschland stammenden israelischen Politiker und Friedensaktivisten Uri Avneri (1923-2018) vor einigen Jahren. Eine deutsche Mainstream-Journalistin fragte ihn abschließend Beifall heischend, wie er die konsequente pro-jüdische Politik in Deutschland beurteile. Er antwortete zu ihrer Überraschung ziemlich trocken, ihm seien die deutschen Philosemiten genauso unheimlich wie die deutschen Antisemiten.“

    Aber auch Avnery richtig geschrieben findet sich übrigens in zwanzig Jahren Nachdenkseiten-Archiv, dreizehnmal genau. Immerhin!. Übrigens … von Uri – immerhin ein ehemaliger Deutschstämmiger – lt. Wikipedia (zumindest bis zu seinem frühen Tod im 95. Lebensjahr) auch in seinem Geburtsland hoch geschätzt und sogar ‚bepreist‘ – will heutzutage niemand mehr etwas wissen. Bzgl. journalistischen Archiven (siehe eingangs dieses Absatzes) sei nur noch vermerkt, dass im einschlägigen Archiv aus Hegemonien (Israels Sponsor Number one) – dem Counterpunch – mal von schlappen sechshundert meist lesenswerten Uri-Beiträgen die Rede war. Auch dazu: Immerhin!

      1. Er tut genau das was er soll als Chef der kontrollierten Opposition Hamas. Denn wer hat die Hamas gefördert um die Palästinenser zu spalten?

  6. Verwunderlich bleibt, dass die Staatsgründung 1948 , die auf Vertreibung, Enteignung, Besatzung und Apartheid fusste, nur ganz wenigen in Israel als reales Unrecht bewußt ist und die ominöse Überzeugung herrscht, man lebe nach Jahrtausenden Diaspora seither wieder auf „eigenem“ Grund und Boden.
    Fatal darüberhinaus, dass hierzulande lebende Juden (religiös oder säkular) Sympathien für diesen Paria-Staat äußern und sich sogar noch wundern, Opfer judenfeindlicher Handlungen – die immer widerlich waren und sind – zu werden.

  7. Teutsche „Israel-Liebe“:
    Teutsche „Liebe“ für Israel ergibt sich nicht aus den Lehren aus den singulären Verbrechen des SHOAHs,
    sondern daraus, dass Israel ihre eigene verbrecherische Geschichte gewissermaßen wiederholt, fortschreibt
    und aufrechterhält. Nicht umsonst lässt F. Merz Israel munter die „Drecksarbeit“ machen; Drecksarbeit
    des Opfertäters macht frei! – vorerst ist also noch zumindest in West-Asien keine SS-Dreckarbeit benötigt.

    Aus einem früheren Kommentar:
    „Es ist nicht zu fassen, denn die Geschichte scheut die Vernunft: was heute im West-Asien („Naher Osten“) geschieht, ist eine tiefe und entgrenzt-unkontrollierte (Trauma-Reaktive) blutige Reaktion. Das letzte Glied einer Trauma-kompensatorischen „psychopathischen Kette“ (transgenerationale Gewalt/Trauma), die sich tief in kollektive Psyche eingraben hat und der Unterschied zwischen Opfer und Henker völlig verschwinden lässt. Denn ein kollektives Trauma wie der SHOAH kann jahrhundertelang nachhallen, latent schlummern und plötzlich wieder auftauchen und uns reaktiv in einem affektiven Zustand erstarren lassen, in der alles um uns herum nur noch eine Vernichtungsbedrohung darstellt. Die einzige Reaktion ist dann bedingungslose und blindwütige Gewalteskalation
    – die wahnsinnige Vorstellung/Glaube, berechtigt/bemächtigt zu sein gar die ganze Welt zu vernichten, um es unschädlich zu machen. Und in dieser blinden Gewalt-Monstrosität-Spirale gibt es keine Zukunft – sobald der Opferhenker beginnt, überall Bedrohungen zu sehen, ist sie nicht mehr zu stoppen. Überlebenstrieb, reaktiv und bis zum Äußersten gewuchert , führt unweigerlich zur explosivsten Form (Pulverfass) der Triebvermischung als exponentielle Potenzierung der innerseelischen Trieb-Dynamik und damit auch tatsächlich zum wirklichen, d.h. finalen Aussterben (Selbst und Weltvernichtung). Es ist nämlich eine historische Tatsache, dass Zionismus als
    Ideologie eines kolonialen Projekts im West-Asien, enorme und im Konsequenz furchtbare Probleme für die Juden weltweit geschaffen hat; insbesondere für diejenigen unter ihnen, die gegen das verhängnisvolle zionistische Kolonialprojekt, d. h. gegen die Zwangsbesiedlung und damit einhergehende gewaltsame Vertreibung von einheimischer Bevölkerung sowie die Staatsgründung Israel – waren/sind. Ein von Anfang an mit brachialer militärischer Gewalt okkupierter Un-Ort, an dem es (Ironie der Geschichte!) den Nachkriegs-US/Euro-Teutonen tatsächlich gelang, die überlebenden Juden unmittelbar nach ihrer millionenfachen Vernichtung (SHOAH) abermals – und diesmal in einer noch perfideren Form zusammengepfercht – gefangenzuhalten, damit sie „Gott behüte!“ – nie mehr auf die Idee kommen, wieder in ihren alten europäischen Herkunftsländern zurück zu siedeln. Ein Un-Ort (ein Sonder-Freiluftgefängnis), im Gestalt eines atomar bestückten US-Militärstützpunkts, weit davon entfernt, überhaupt ein wirklicher Ort, geschweige denn ein sicherer Ort für SHOA-Übererlebende und deren Nachkommen zu sein; sondern wiedermal eine vollumfänglich umzäunte und querdurch militarisiert Festung, die real gesehen für die Juden mit Abstand der gefährlichste Ort der Welt darstellt. Es war und blieb eine Falle voller Fallstricke: eine Fortführung jener Todesmärsche und Todesmaschinerie, die einstmals NAZIS für die Juden Europas errichtet haben, deren Fortsetzung für und durch Nachkommenschaft der SHOAH-Überlebenden heute mit unübertreffbarem Zynismus als „deutsche Staatsräson Israel“ kodiert wird. Die Tatsache aber, dass der Kern dieser „deutschen Staatsräson Israel“ sich u. a. aus der wahnsinnigen Angst des Täterkollektivs vor der Rückkehr der Nachkommenschaft von SHOAH-Überlebenden Juden (urdeutschem Albtraum) in die unmittelbare Nachbarschaft – samt damit einhergehenden historischen, politischen, sozio-ökonomischen und psychosozialen Implikationen – ausspeist, ist und bleibt ja unserer allen „offenen Geheimnis““.

  8. Dass Israel „Handlanger des Imperialismus“ ist, braucht man nicht den ’68ern zuschreiben, es ist ganz einfach eine Tatsache. Dass die USA, aber auch die BRD Regierung ihrem Statthalter die Stange halten, sollte folglich niemanden verwundern. Dass sie alles tun, um diesen Zusammenhang zu verschleiern und sich als Anti-Antisemiten darzustellen, gehört zu deren Propagandastrategie ganz einfach dazu.
    Der Hass der offenen und verdrucksten Anhänger dieser Strategie bekommt natürlich jeder zu spüren, der Israel kritisiert und der Lüge entgegentritt, komme er aus Deutschland, komme er aus Israel. Letzterer muss natürlich besonders bekämpft werden, da seine Herkunft am ehesten geeignet ist, dem herrschenden Narrativ in die Suppe zu spucken.

    Indem sich die Regierungen als Anti-Holocaust Demokraten inszenieren, kommt es zu einem weiteren, ganz anderen Problem, das nichts mit ’68 usw. zu tun hat: Wenn eine Regierung, deren Politik auf Jugendliche ohnehin eher abschreckend wirkt, Gedenkveranstaltungen zum Holocaust organisiert, gleichzeitig aber einen Aufrüstung betreibt, die im nächsten Weltkrieg münden kann, dazu die Wehrpflicht neu einführt, ruft das bei Jugendlichen vor allem eine Reaktion hervor: konsequentes Abwenden von allem, was mit dem Holocaust, Konzentrationslagern und Gedenkveranstaltungen zu tun hat. „Was die gut und wichtig finden, kann nicht gut sein!“ – ist ihre Reaktion, zumal, wenn der Holocaust Stoff auch noch im Schulunterricht so lange durchgekaut wird, bis einem der Stoff buchstäblich zu den Ohren wieder herauskommt.

    Bei Gedenkveranstaltungen, die meist ohnehin nur Amtsträgern als Public Relations Plattform dienen, lässt sich in der Regel kein Jugendlicher mehr freiwillig blicken.
    Was folgt daraus?
    Keine Gedenkveranstaltung ohne dass man den Zusammenhang „Zerstörung der bürgerlichen Grundrechte!“ – Konzentrationslager thematisiert, keine, in der nicht auf den Zusammenhang zwischen christlichem Monotheismus und Antisemitismus hingewiesen wird, keine, die nicht vom Faschismus spricht und was er war und was er ist.

  9. Da ich bisher immer zu den Beiträgen von M.Zuckermann einen Kommentar geschrieben habe, so auch dieses Mal. Jetzt war ich nicht wenig überrascht, dass er nicht einmal zur Moderation zugelassen wurde. Ich werde mich daher aus diesem Forum komplett verabschieden.
    Die Redaktion kann das bei der EU (DSA – Digital Service Act) in ihrem Rapport dann gerne als Erfolg verbuchen.

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