Dinosaurier-Waffen? Bundeswehr kauft für viele Milliarden Panzer

Kampfpanzer Leopard 2A4. Sind Panzer Auslaufwaffen?. Bild:Bundesheer/CC BY-NC-SA-2.0

Die Bundeswehr baut die Panzerbrigade 45  in Litauen zur Abwehr eines möglichen russischen Angriffs auf. Sie ist an der „Ostflanke der Nato“ dauerhaft stationiert, dementsprechend schwierig ist es, dafür die erforderlichen 4800 Soldaten und Soldatinnen zu finden. Ausgerüstet soll die Brigade bis 2027 mit 44 neuen Leopard-Panzern 2 A8. Dazu kommen 44 Schützenpanzer des Typs Puma, 18 Panzerhaubitzen 2000 A4 und Transportpanzer des Typs Boxer. Dazu kommen laut Sicherheit&Verteidigung zur Luftabwehr eine „IRIS-T SLM, sechs Flugabwehrraketenpanzer IRIS-T SLS auf Basis GTK Boxer, drei Feuerleitpanzer auf Basis GTK sowie 16 bis 18 Skyranger 30“.

Alle bestellten Panzer müssen noch von Menschen gefahren werden, offenbar sind fernsteuerbare Panzerroboter nicht vorgesehen. Zwar werden auch Loitering Munitions, also auf KI gestützte Drohnen, eingekauft. Dafür stehen gerade einmal 140 Millionen Euro zur Verfügung, insgesamt wird mit 4-6 Milliarden für die Ausrüstung gerechnet. Ein Leopard-Panzer kostet um die 30 Millionen Euro, mit Service, Munition und Logistik sowie dem Trophy-System zur aktiven Abwehr von Raketen und Drohnen, könnten nur für die Leopard-Panzer Kosten zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Euro entstehen. Letztes Jahr hatten Schweden und Tschechien jeweils 44 Leopard-Panzer für 1,53 Milliarden bzw. 1,48 Milliarden bestellt. Puma-Schützenpanzer kosten ähnlich viel wie der Leopard.

Die Ausgaben für Panzer im Verhältnis zu Drohnen erscheinen angesichts des Drohnenkriegs in der Ukraine, in dem vermehrt von beiden Seiten auch bereits Bodenroboter eingesetzt werden, als eine Fehlinvestition. Entsprechende Kritik daran wurde auch an Verteidigungsminister Pistorius gerichtet. Nicht nur wegen der Überwachungs- und Kampfdrohnen sind Panzer keine Wunderwaffen mehr, sondern auch wegen der besseren Panzerabwehrwaffen und der Minenfelder. Letztlich sind das Subventionen für die großen deutschen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und KNDS Deutschland, die, geht man von der propagierten Bedrohung durch Russland aus, unsinnig sind, aber mit Zinsen von allen Bürgern bezahlt werden müssen. Insgesamt wurden 123 Leopard 2 A8 im Wert von 3,4 Milliarden Euro bestellt. Dazu sollen noch einmal 75 kommen. 200 Puma-Schützenpanzer wurden für 4,2 Milliarden Euro, 150 Radschützenpanzer „Schakal“ für 3,4 Milliarden und 296 Transportpanzer für 960 Millionen bestellt.

Leichte Beute für Drohnen

Gut die Hälfte der Leopard-Panzer, die in die Ukraine geliefert wurden, sind zerstört, beschädigt oder erbeutet worden, manche sagen auch alle. Wie viele noch einsatzfähig sind, ist nicht bekannt, oft fehlen Ersatzteile. Wie unsinnig die Panzerkäufe angesichts des aktuellen Krieges in der Ukraine sind, hat gerade ein Bericht in der New York Times über den Einsatz oder eher das Schicksal der Panzer aus dem Westen erläutert. Nach Auskunft von Syrsky, dem kürzlich abgesetzten Oberbefehlshaber, werden die Panzer und auch andere gepanzerte Fahrzeuge praktisch nicht mehr gebraucht. Sie würden irgendwo herumstehen, in Wäldern versteckt werden, weil sie leichte Beute für billige Drohnen und Artillerie sind, auch wenn sie mit Netzen, Käfigen oder Reaktivpanzerung zum Schutz eingepackt wurden. Manchmal dienen sie noch zum Abschleppen von anderen Fahrzeugen.

„Unter den Netzen stehen in Deutschland hergestellte Leopard-Panzer, deren Türme in der ‚Fahrposition‘ nach hinten gedreht sind“, schreiben die NYT-Autoren Cassandra Vinograd und Oleksandr Chubko. „Einige warten auf Reparaturen oder Wartungsarbeiten wie Ölwechsel. Andere, wie etwa ein mit Spinnweben bedeckter Panzer, stehen als Reserve für Kampfeinsätze bereit, obwohl solche Befehle längst ausbleiben.“

Noch werden die Panzer gewartet, ihr Personal wird noch vorgehalten und es finden auch noch Übungen statt. Man weiß ja nie. Manche würden noch an eine Zukunft glauben. Viele der Soldaten der Brigade, die die beiden NYT-Autoren bei Charkiw besucht haben, wurden bereits zur Bedienung von Drohnen oder Bodenrobotern umgeschult. Ein Panzerkommandeur mit dem Namen Morpheus sagte, was Pistorius und die Bundeswehr, die noch in überholten Kriegswelten zu leben scheinen, schnell zur Kenntnis nehmen sollten: „Ich bin überzeugt, dass Panzer nach wie vor eine Zukunft haben, aber es gibt da einen Vorbehalt. Ich glaube, sie werden unbemannt sein.“ Auch nach Berichten von ukrainischen Militärs haben sich Leopard-, aber auch Abrams-Panzer im Krieg nicht bewährt.

Der Wert von Panzern hänge von der Vernetzung ab

Es gibt aber auch andere Berichte, die allerdings wie der auf defence-network.com als Versuch erscheinen, Leopard-Panzer noch zu retten. So soll ein Leopard 2A6 einen russischen T-72B3 aus einer Entfernung von etwa 5,5 km zerstört haben. Das wäre die bislang größte Distanz. Offenbar werden von der Ukraine weiterhin Panzer eingesetzt, aber nicht direkt an der Front, sondern als rollende Artillerie, die Ziele bis auf eine Entfernung von 12 km treffen können. Wichtig soll sein, dass die Panzer eingebunden in eine Sensor-to-Shooter-Kette sind, bei denen Drohnen in Echtzeit Ziele ausmachen, Zieldaten liefern und über Erfolg und Misserfolg informieren. Diese Kette gebe es bei der Bundeswehr noch nicht. Der Wert von Panzern hänge jedoch von der Vernetzung ab.

Die Bundeswehr, die weiterhin ukrainische Soldaten für Leopard-Panzer ausbildet, beteuert deren weiterhin bestehende Bedeutung auch im Ukraine-Krieg. Zitiert wird Hauptmann Ritt von den niederländischen Streitkräften: „Auch wenn der flächendeckende Einsatz von Drohnen auf dem Gefechtsfeld dafür sorge, dass der Gegenseite kaum eine Bewegung verborgen bleibe: Entschieden werde ein Krieg nach wie vor von den ‚boots on the ground‘, also von Bodentruppen, Panzerverbänden und Artillerie.“

In Europäische Sicherheit&Technik wird ähnlich argumentiert. Verwiesen wird auf Lehren aus Israel und der Ukraine bei der Frage, ob der Kampfpanzer noch eine Zukunft hat: „Die Zeit, in der immer stärkere Panzerung das Überleben auf dem Gefechtsfeld sicherte, geht zu Ende. Der Kampfpanzer der Zukunft wird nicht mehr allein durch Stahl geschützt, sondern durch Sensoren, Künstliche Intelligenz, digitale Vernetzung und aktive Schutzsysteme.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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