
Die „kalifornische Ideologie“ hat die Menschheit mit Träumen einer digitalen Zukunft beschert. Dazu gehört die Vernetzung von allem und jedem, Künstliche Intelligenz und Robotik und die Utopie oder Dystopie des Menschen als transhumanistischer Cyborg, so lange es nicht möglich ist, ihm gleich ein ewiges Leben durch Hochladen in den Netzwerken zu verschaffen und seinen elenden, weil endlichen und gebrechlichen Körper loszuwerden, der sich auch den Longevity-Sehnsüchten widersetzt.
Bislang sind die Menschen noch in Mensch-Maschine-Systemen, auch bereits mit einigen Implantaten im Gehirn, um die Interaktion zu beschleunigen und die Gehirne zu optimieren. Die Idee hinter Mensch-Maschine-Systemen ist, den Menschen besser, leistungsfähiger, auch intelligenter zu machen. So wie ein Mensch mit einem Bagger oder einem Auto eine weitaus größere Fähigkeit besitzt, Material zu bewegen oder schnell zu fahren, sollten auch die Gehirne durch Anschluss an Geräte wie dem Computer, dem Smartphone oder Implantaten wie Neurlink ihre Kapazitäten vergrößern. Schließlich scheint die Bandbreite des biologischen Gehirns unglaublich klein zu sein (10 Bits/s oder die unglaubliche Langsamkeit des Denkens).
Eifrig wurden daher die Kinder möglichst früh und spätestens mit Schuleintritt mit Notebooks, Tablets oder Smartphones als Erweiterungen des Gehirns verbunden, um in der Symbiose mit digitalen Informationen das Denken und Lernen zu beschleunigen und zu verbessern. Nun stellt sich Schritt für Schritt heraus, dass die digitalen Denkwerkzeuge, die mit den LLMs tatsächlich auch das Denken übernehmen, zumindest für viele Verdummungsmaschinen sein könnten. Beobachtet wurde, das seit einiger Zeit die im letzten Jahrhundert ständig gestiegenen, von IQ-Tests gemessenen Werte zurückgehen, ebenso wie die kognitiven Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer, ADHS breitet sich aus, das Gedächtnis schwindet ebenso wie die räumliche Orientierung durch Navigationssysteme und zuletzt die KI-Systeme verführen dazu, das Denken an die Maschinen outzusourcen. Nach Studien kann dies schnell zum kognitiven Verfall beitragen (Studenten, die kaum noch lesen können; 54 Prozent der Amerikaner erreichen nicht das Alphabetisierungslevel von Sechstklässlern, Sind KI-Chatbots bereits kreativer als Menschen?). Das wiederum könnte den Tech-Milliardären zupass kommen, wenn sie die meisten Menschen zu verdummten Konsumenten machen, die ihre Produkte benötigen und ansonsten ihre kritischen Fähigkeiten einbüßen.
Bislang gibt es noch keine Hinweise darauf, ob die durch Cyborgisierung oder Outsourcing in Mensch-Maschine-Systeme entlasteten Gehirne neue Fähigkeiten entwickeln (Wenn KI das Denken übernimmt und die Gehirne befreit). Man hat nur entdeckt, dass Computerspieler bessere sensomotorische Leistungen erbringen und schneller auf visuelle Informationen reagieren können, weswegen sie interessant für das Militär sind, insbesondere zur Steuerung von Drohnen und Bodenrobotern.
Eine These ist, dass der kognitive Abbau etwa vor 20 Jahren begonnen hat, als auf der einen Seite digitale Medien massenhaft in die Schulen kamen und sich auf der anderen Seite Smartphones und Social Media verbreiteten (Ging der kognitive Niedergang schon vor sozialen Medien und KI los?).
Natürlich ist es nur anekdotisch, wenn auf den Bericht einer Englisch-Lehrerin der Washburn High School in Minneapolis verwiesen wird, die seit September des letzten Jahres mit Einverständnis der Eltern nicht nur Smartphones, sondern auch Notebooks aus dem Unterricht verbannte, um wieder zu Stift, Papier und gedruckten Büchern zurückzukehren. Das löste natürlich Besorgnis aus, dass die Schüler die vorherrschende Technik nicht beherrschen und damit an der Universität oder im Beruf Nachteile haben würden.
Eine Klasse, die allerdings nur in einem Fach. keine digitale Technik benutzt. Das war erst einmal schwere und ungewohnte Arbeit für die Schüler, an der sie denn auch scheiterten:
„Unser erster Tag war schwierig. Ich verteilte Loseblattpapier und bat die Schüler, einen Aufsatz über das beste Buch zu schreiben, das sie je gelesen hatten. „Von Hand?“, fragten sie. „Ja.“ „Aber ich kann nicht mit der Hand schreiben“, argumentierten sie. „Das werden Sie doch gar nicht lesen können.“ „Mit der Hand zu schreiben tut weh.“ Trotzdem blieben wir hartnäckig. Das Ziel war zwei Seiten. Die meisten gaben nach etwa einer halben Seite auf.“
Aber nach und nach verbesserten sich die Leistungen, im Februar hätten die Schüler bereits 5-6 Seiten geschrieben und eine halbe Stunde lang lesen können, zu Beginn konnten sie kaum 10 Minuten schaffen. Das ist eine unglaublich schnelle Verbesserung, zumal sie ja ansonsten weiter in der digitalen Glocke lebten. Die Schüler sagten, sie hätten jetzt höheres Vertrauen in ihre Lese-und-Schreibfähigkeiten und würden auch das Handschriftliche schätzen. Letztlich haben sie gelernt, selbst zu denken und damit mündig zu werden, was auch heißt, mit dem zurechtzukommen, was man in seinem Kopf hat. Ein Schüler ihrer Klasse meinte: „Wenn wir Papier verwenden, bin ich nicht in Versuchung, KI einzusetzen. Ich muss mich dazu zwingen, meine eigenen Ideen zu entwickeln.“

Es gab noch mehr Überraschungen. Die Atmosphäre sei „friedlicher“ geworden, die Schüler blieben ohne die digitalen Medien, so würde ich sagen, mehr im Hier und Jetzt, weil sie nicht von der Ferne angelockt und getriggert werden. Auch die Interaktion zwischen den Schülern habe sich verbessert, sagt die Lehrerin: „Es sind nicht die Schüler mit Lernschwierigkeiten, die die Schule abbrechen, sondern diejenigen, die keine sozialen Kontakte haben. Die Schüler berichteten, dass die Klasse ‚verbundener, engagierter und lebhafter‘ sei. Außerdem: ‚Es macht viel mehr Spaß.‘“
Mulvanney machte Umfragen zu Beginn des Experiments und an dessen Ende: „Im September gaben 46 % der Schüler an, Vertrauen in ihre Lesefähigkeiten zu haben. Bis Februar stieg dieser Anteil auf 96 %. Dies geschah in einem Klassenzimmer mit minimaler technischer Ausstattung, in dem echte Bücher verwendet wurden und strukturierte, verbindliche Zeiten für stilles Lesen mit anschließender Diskussion angeboten wurden.“
Eine Erfahrung bestärkt ihren Ansatz, der auch die Folgen der Corona-Maßnahmen erhellt: „Die Präsenz der Einwanderungs- und Zollbehörde in unserer Stadt führte dazu, dass viele Schüler mit Migrationshintergrund aus Sicherheitsgründen auf Online-Unterricht umstiegen. Dies geschah zeitgleich mit dem computerfreien Unterricht. Keiner von ihnen konnte sich in dieser Zeit entfalten, und der Umfang der KI-Nutzung in ihren eingereichten Arbeiten war erstaunlich hoch. Sie haben an der Umfrage nicht teilgenommen.“
Zeitweise die digitalen Medien zu verbannen, um das Denken zu aktivieren, scheint ein guter Weg zu sein, Kinder und Jugendliche wirklich im Sinne der Aufklärung zu bilden. Man kann sich auch darauf verlassen, dass sie die digitalen Techniken schnell verstehen werden, wenn sie einen eigenen kognitiven Hintergrund ausgebildet haben. Allerdings sind dann auch die Lehrer mehr gefordert, deren Ausbildung verändert werden müsste. Und die Eltern wären auch mehr gefordert, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Man darf skeptisch sein. Mit Stiften, Papier, Büchern etc. kann man nicht so einen Umsatz machen wie mit technischen Geräten und Programmen, die permanent upgedatet oder neu gekauft werden müssen.
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