Die Superreichen als „Vogel in der Mine“

Wie viele Privatflugzeuge sind unterwegs.

 

Wir leben in einer Zeit, in der viele fürchten, dass größere Kriege jederzeit ausbrechen könnten. Das wird dadurch zurecht oder auch nicht ausgelöst oder verstärkt, dass zwischen Russland und der Ukraine/EU sowie zwischen den USA und Iran Kriege geführt werden, die schnell eskalieren könnten, weil hier atomar bewaffnete Großmächte geopolitische Interessen verfolgen sowie Länder mit Atomwaffen beteiligt sind. Die Großmächte USA und Russland können die gegnerischen Länder mit konventionellen Mitteln nicht oder nur sehr schwer besiegen, weil sich die Kriegsführung mit Drohnen, Raketen und KI radikal verändert hat. Daher droht womöglich ein Einsatz von Atomwaffen. Donald Trump hatte die iranische Führung entsprechend gewarnt, dass eine „ganze Zivilisation ausgelöscht“ werden könnte.

In dieser Stimmung hat der Programmierer und Künstler Kyle McDonald aus Los Angeles eine Website eingerichtet, auf der sich, basierend auf den Daten von ADS-B Exchange, verfolgen lässt, ob es zu einem plötzlichen signifikanten Anstieg von Flügen mit Privat- oder Militärflügen kommt. McDonald bietet dies als Apokalypse-Frühwarnsystem an. Zuvor hatte er u.a. die Apps ICESpy oder FuckLAPD entwickelt, die auf Gesichtserkennung beruhen. Damit kann man schauen, ob eine fotografierte Person als Mitarbeiter von ICE oder als Polizist von Los Angeles identifiziert werden kann.

Die Überlegung ist, dass Milliardäre und Superreiche meist Privatflugzeuge besitzen und gute Kanäle zu ihren jeweiligen Regierungen besitzen. Daher könnten sie als eine Art „Vogel in der Mine“ fungieren, weil sie früher als die Allgemeinheit von drohenden Kriegen erfahren und aus den Städten, in denen sie wohnen, mit ihren Flugzeugen fliehen. Viele haben sich ja Bunker oder gesicherte Rückzugsorte gebaut. Douglas Rushkoff hat in seinem Buch „Survival of the Richest“ ausgeführt, von welchen Ängsten die Superreichen geplagt sind und wie sich Sicherheit verschaffen wollen. Die Drähte in die Politik werden sie spielen lassen, um sich vor sich ankündigenden Katastrophen zu retten (In Bunkern einen Atomkrieg überleben?).

Je höher die Dichte an Privatflugzeugen ist, desto eher könnte sich dadurch ein Kriegsrisiko ankündigen. McDonald schließt zu erwartende Peaks wie Ferienzeiten oder Schwankungen in der Nacht aus und vergleicht auf einer Skala von 1 bis 5 die Zahl der aktuellen Flüge mit denen, die zu erwarten sind.

Die Datenlage ist allerdings nicht ganz verlässlich, daher wird erklärt: „Das Dashboard sollte in erster Linie als Anomalie-Monitor für öffentliche Flugsignale betrachtet werden und nicht als Beweis für Absichten, Reiseziele, Aktivitäten der Eigentümer oder die Identität der Passagiere.“ Obgleich er das natürlich macht und davon ausgeht, dass bestimmte Flugzeugtypen Superreichen gehören und dass eine stark abweichende Anomalie von Level 5 ein Hinweis für ein Kriegsrisiko darstellen soll. Es fällt auch auf, dass es keine Daten aus Russland, Belarus und der Ukraine gibt und dass die Datenlage überhaupt Richtung Osten von der EU aus oder in Afrika nicht zu interessieren scheint. Ob nun russische oder ukrainische Oligarchen flüchten, lässt sich also nicht sehen.

Sinnfälliger ist zu sehen, ob die Zahl der Flüge mit Militärmaschinen sich dratsisch erhöht. Angeblich hat McDonald am 6. April den bislang höchsten Anstieg verzeichnet. Das war der Tag, an dem der Iran als Reaktion auf die amerikanischen und israelische Angriffe massive Vergeltungsschläge auf amerikanische und israelische Ziele startete. „Das hat mich total erschreckt“, sagte McDonald dem Business Insider. „Ich erinnere mich, dass ich dachte: ‚Oh mein Gott, es ist wirklich wahr.“

Die Frage wäre natürlich, sollte das Apocalypse Early Warning System tatsächlich funktionieren, was es dem gemeinen Volk hilft, wenn es erkennt, dass die Superreichen in ihre Bunker oder in Länder fliehen, die als sicher vermutet werden?

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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2 Kommentare

  1. Die Menschheit wird immer dümmer und degenerierter.
    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“Genau dies wird eintreten. Auch für die Superreichen. Verkalkuliert, dumm gelaufen.

  2. Zu dem was u.a. in der West-Bank passiert ist (Donnerstag 28.05.2026):
    Die Siedler haben in Beita die Wasser-Behälter zerstört. Ein Siedler hat in Khirbet al-Markez in Masafer Yatta eine Palästinenserin und ihr Kind angegriffen und ihr Blutergüsse zugefügt. Das Militär bringt in Jenin Nasser Ali Kamel al-Saadi, 45, um (Dienstag). Die PLO wurde am 01. Juni 1964 in Jerusalem gegründet und wird heute 62 Jahre alt. Die drei Vorsitzenden waren bisher Ahmad Shuqeiri, Yasser Arafat und der Präsident Mahmoud Abbas.
    Es gibt Angriffe auf den Libanon und mindestens zwei Kinder werden getötet.

    Das passierte in Gaza:
    Es wurden am Mittwoch bei einem Angriff in Gaza-Stadt mehr als zehn Menschen getötet und es gab insgesamt mehr als dreissig Verletzte. Die ermordeten Menschen sind Ahmed Abu Halima, 43 und seine zwei Kinder Nour, 12, Yamen, 13, Imad Hassan Salim und seine Tochter Israa, 17, Sidra lyad Azzam, 12, Sarah Sameh Rajab, 9 und der Ältere Ihsan Matar Balbul, 81. Es wurden auch Ataf Sobhi Bulbul, 47 und Shaima al-Suweirki, 28, getötet. Unter den Schwerverletzten ist auch Lina, 4, die vom vierten Stock ihres Zuhause gefallen ist. Es wurde am Donnerstag die Mutter Hanan Mahmoud getötet und ihr vierzig Tage altes Kind (bereits ein Bein vor zwei Tagen amputiert) schwer verletzt. „Meine Frau ist tot, meine Tochter ist tot, meine andere Tochter ist tot … meine ganze Familie ist tot. Ich habe niemanden mehr.“ Der Vater hat überlebt.

    In dieser Woche wurden fünfundvierzig Menschen bisher getötet. Seit Oktober letzten Jahres sind über neunhundertzwanzig Menschen getötet worden. Ein Waffenstillstand wird nicht eingehalten.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

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