Die neue Macht der Magie

Lakandonischer Führer im Selva Lacandona bei Palenque. Bild: MandoBarista/CC BY-2.0

Magisches Denken nimmt in der gesellschaftlichen Debatte einen Platz ein, der ihm nicht zukommt. Wie Zauberei funktioniert, habe ich dank Christian Rätsch von den Lakandonen gelernt.

Die Lakandonen sind ein Mayavolk im Staat Chiapas im Süden Mexikos. Als ich vor bald vierzig Jahren dort reiste, standen stets einige Lakandonen an den Parkplätzen der Hauptsehenswürdigkeiten – also v.a. der Ruinenstätte Palenque – und boten den Touristen Flitzebögen und Pfeile feil. Sie waren leicht zu erkennen an ihren langen, offenen Haaren und weißen Tuniken, was ihnen das Erscheinungsbild von Sektenmitgliedern verlieh. Diejenigen, die ich dort an den Straßen sah, wirkten auf mich verloren, hilflos und entwurzelt.

Einige Jahre später stöberte ich in der Unibibliothek irgendwo in der ethnographischen oder psychologischen Abteilung. Da erregte ein schmaler Band meine Neugier: „Bilder aus der unsichtbaren Welt: Zaubersprüche und Naturbeschreibung bei den Maya und Lakadonen.“ Magie hatte mich stets fasziniert, und auch ein lebhaftes Interesse für die Mayas hatte ich mir von den Mexikoreisen behalten. Also blätterte ich ein wenig.

Ich wurde enttäuscht. Dass mir der Autor Christian Rätsch das Zaubern nicht beibringen konnte, hatte ich fast erwartet. Aber die Zaubersprüche der Lakandonen, die er seitenweise dokumentierte, waren zudem ausnehmend dröge. „Der Arm ist heil. Der Arm ist ganz. Du führst kraftvolle Schläge. Du ergreifst den Bogen. Der Arm ist heil“ – in ungefähr dem Stil ging es fort und fort. Das sollte Magie sein? Einschlafzauber?

Die Magie, so erläuterte Rätsch dazu, funktionierte, indem man die Welt bzw. den Zustand, den man erreichen wollte, ganz genau beschrieb. Und zwar im Indikativ, so, als wäre er bereits Wirklichkeit. „Der Arm ist heil“ – und wenn man das lang und oft genug sagt, und ganz fest daran glaubt, dann fügt sich die Wirklichkeit der Vorstellung, und der Arm wird heil.

Ich stellte das Büchlein ins Regal zurück. Ich wollte Abrakadabra, oder wenigstens Poesie. Christian Rätsch habe ich trotzdem nie ganz vergessen. Jahre später hat er mich mit seiner monumentalen, gelehrten und gründlichen „Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“ begeistert. Sein engagierter Einsatz für den legalen und verantwortungsvollen Umgang mit psychoaktiven Pflanzen war beeindruckend. Bei der Recherche habe ich erst entdeckt, dass er im September 2022 überflüssigerweise gestorben ist. Er war ein Exot, ein Exzentriker, ein mutiger Denker. Die Welt ist langweiliger und ärmer ohne ihn.

Sprich es nicht aus!

Die Weise, auf welche die Lakandonen zauberten, erschien mir weder interessant noch wirksam. Umso erstaunlicher finde ich, wie weit verbreitet sie ist.

Ob die Lakandonen heute noch so zaubern, weiß ich nicht. Schon in den frühen 80ern, als Rätsch bei ihnen lebte und forschte, gab es nur noch wenige, die nicht missioniert und assimiliert waren. Dafür aber zaubern heute Millionen von Menschen in den westlichen Ländern auf ihre Weise. Und nicht etwa in aller Heimlichkeit, in verschrobenen Hexenzirkeln zu kurz gekommener Hausfrauen. Oh nein! Magie ist heute wieder eine Grundströmung des westlichen Denkens geworden.

Es ist heute anerkannte Wahrheit, dass ein Mann zur Frau wird, indem er als Frau bezeichnet wird. Ebenso wird Weißrussland ein klein wenig freier, wenn man es Belarus nennt. Und indem wir nicht mehr von Negern sprechen, sondern von Schwarzen, Afroamerikanern – oder wo die Euphemismus-Tretmühle gerade stehengeblieben ist -, wird die rassistische Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen wirksam abgeschafft.

Überhaupt zeigt sich das magische Denken vor allem in der Neu-Etablierung des Tabus. Das, was Menschen fürchten, benennen sie nicht aus Angst, es damit zu beschwören. So entstehen Euphemismen, die das Gefährliche besänftigen sollen: Wie der Bär auf Russisch ursprünglich einmal hieß, ist sogar in Gelehrtenkreisen vergessen; er heißt jetzt медведь – Honigesser. Es fragt sich, wovor diejenigen Angst haben, die sogar im Familienkreis sich weigern, „Neger“ zu sagen oder „Zigeuner“. Vor Negern und Zigeunern, oder doch vor ihrem eigenen unbewussten Rassismus?

Eine andere beliebte Zauberpraktik ist die Bannformel. „Das ist ein russisches Narrativ!“ hat in magiepraktizierenden Kreisen die Macht, beliebige Tatsachen verschwinden zu lassen. Ähnliches gilt für das Zauberwort „Antisemitismus“. Und nah verwandt mit dieser Beschwörungspraxis ist der Glaube, dass der Inhalt einer Aussage dadurch wahr oder falsch werde, wer die Aussage macht. Die Welt ist nicht mehr, was der Fall ist, sondern was die Demiurgen der verschiedenen Stämme über sie sagen.

Wirklichkeiten formen

Es gibt durchaus Gelegenheiten, bei denen Worte Wirklichkeit schaffen. Linguisten sprechen dann von „performativen“ Äußerungen. Sie beschreiben nicht die Welt, sind also auch weder wahr noch falsch, sondern verändern die Welt. „Ich verspreche es Dir“ ist selbst das Versprechen. Es erzeugt eine Verpflichtung. Ebenso bewirkt das Ja-Wort vor dem Standesbeamten eine Ehe. Diese magische Macht performativer Äußerungen ist aber beschränkt auf den ureigensten Bereich der Sprache: auf zwischenmenschliche Beziehungen. Es gibt keinen Sprechakt, der den Himmel grün färben könnte.

Der Glaube jedoch, dass genau das möglich sein sollte, dass Worte eine direkte Wirkung auf die materielle Welt haben sollten, ist laut Bronislaw Malinowski, einem der Begründer der Ethnologie, allem magischen Denken gemein. Die Wirklichkeit ließe sich demnach formen durch die Redeweise. „Rassen“ sollen verschwinden, indem wir nicht mehr von ihnen sprechen. (Die Verschiedenheit der Menschen ist für manche Leute anscheinend etwas Schlimmes.) Männer und Frauen werden einander gleich, wenn wir sprachlich nicht mehr zwischen ihnen unterscheiden. (Dito. Als wäre der Unterschied nicht Ursprung des Lebens und fast aller seiner Freuden.)

Überhaupt ist die Geschlechtlichkeit des Menschen das größte Wirkungsfeld der Magie – vielleicht immer gewesen. Ungeachtet aller biologischen und anatomischen Tatsachen werden Männer und Frauen heute durch Sprechakt erschaffen. Die umstrittene Philosophin Judith Butler ging so weit, dieses Vorgehen explizit zu rechtfertigen: „Der Ausruf der Hebamme ‚Ein Mädchen!‘ ist demnach nicht nur als konstative Feststellung zu verstehen, sondern auch als direktiver Sprechakt: ‚Werde ein Mädchen!‘“ Doch dass die soziale Zuschreibung die Geschlechtsidentität nicht ändern kann, ist seit Jahrzehnten bekannt. (Interessanterweise hat andernorts ausgerechnet Butler die Normen der Political Correctness als magisches Denken bezeichnet. Denn diese ignorierten, dass die Bedeutung von Wörtern von ihrem Kontext und der Sprechabsicht abhängt.)

Schutzmauern aus Strohhalmen

Zauberei durch Affirmation widerspricht einem aufgeklärten, wissenschaftlichen Weltzugriff. Ziemlich sicher funktioniert sie nicht. Trotzdem ist sie menschlich verständlich und wohl nie ganz verzichtbar. Denn die Welt ist chaotisch, fraktal, unvorhersagbar, gefährlich, verwirrend und einfach nicht geheuer. Der Bereich darin, den wir kontrollieren können, ist immer begrenzt, und jenseits warten die Monster. Dort, wo die rationale Kontrolle versagt, nimmt selbst der strammste Rationalist Zuflucht zur Magie: segnet seine Kinder, bekreuzigt sich vorm Flugzeugstart, kauft Apple-Produkte. Gerade in unsicheren Zeiten flicht sich der Mensch Schutzmauern aus Strohhalmen.

Die psychologische Forschung bestätigt das. Unsicherheit lässt v.a. kontrollbegierige Menschen abergläubischer werden. In einer sehr eleganten Studie wurden die Teilnehmer entweder kaum oder kräftig gestresst; dann wurden ihnen Fragen gestellt von der Art: „Hat in Ihrer Familie schon einmal jemand Lungenkrebs gehabt?“ Die Antworten auf die Fragen waren unwichtig. Was gezählt wurde, war: wie oft die Teilnehmer bei der Antwort auf Holz klopften. Die Gestressten taten das häufiger als die Entspannten, und Leute mit hohem Kontrollbedürfnis besonders häufig.

Magisches Denken ist nämlich keine Eigenheit von Lakandonen und ähnlichen „Wilden“. So dachte man früher: Der Mensch habe sich in seiner Erkenntnisfähigkeit höherentwickelt vom Mystizismus über die Religion bis zur modernen Wissenschaft, deren Repräsentant mit bescheidenem Stolz diesen Fortschritt erkennt. Doch schon frühe Anthropologen wie Bronislaw Malinowski widersprachen. Sie fanden bei den vermeintlichen „Primitiven“ eine ebenso gute Gabe der Beobachtung natürlicher Zusammenhänge wie bei Physikordinarien. Magie ersetzte diese kritische Weltkenntnis nicht, sondern ergänzte sie dort, wo sich die Verhältnisse dem eigenen Einfluss entzogen.

Unter genau denjenigen Bedingungen also, unter denen umgekehrt auch der aufgeklärte Geist zum magischen Denken neigt. Sinnlos, das verbieten zu wollen: Magie und Aberglaube haben ihren festen Platz in der Seelenhygiene des Menschen. Aber eben auch nur dort.

Magiefreie Zone

Im Abendland verbinden wir die Epoche der Aufklärung und des Neohumanismus mit der Austreibung von irrationalen Methoden. Die Philosophen der Aufklärung propagierten den vernünftigen, erleuchteten Menschen, die Philosophen des Humanismus den weltzugewandten, selbstverantwortlichen Menschen: einen Menschen, der sich von überkommenen Zwängen frei macht und nach vernünftiger Abwägung entscheidet. Dieses Ideal ist mitnichten auf das Abendland beschränkt; anderswo und anderswann ist es unter anderen Namen ebenso vertreten worden. Denn es ist die Voraussetzung für ein Gemeinwesen, in welchem die Menschen Streitfragen in friedlicher, inhaltsbezogener Weise debattieren.

Mag sein, dass sie auf dem Weg zum Parlament, zum Pnyx, zum Langhaus Tieropfer bringen und Fastengelübde ablegen in der Hoffnung, dadurch zum besseren Redner zu werden: Wenn sie dann reden, zählt nur noch das Argument. In einer vernünftigen Debatte ist magisches Denken ein Fremdkörper. Es hat den logischen Stellenwert von Gebrüll.

Daher müssen wir gerade heute, da magisches Denken wieder salonfähig geworden ist und uns als neueste wissenschaftliche Weisheit präsentiert wird, ihm hartnäckig seinen Platz weisen. Der ist im privaten Ritual, nicht in der Öffentlichkeit. Wir unterminieren das Fundament von Aufklärung und Humanismus, wenn wir Politik so betreiben wie die Lakandonen Heilkunst.

Konrad Lehmann

Konrad Lehmann studierte Biologie und Verhaltensforschung, promovierte in Neurobiologie und absolvierte seine Habilitation in Zoologie. Heute lehrt und forscht er an der Friedrich Schiller-Universität in Jena darüber, wie Umweltbedingungen die Formbarkeit des Gehirns beeinflussen. Als studierter Verhaltensforscher, promovierter und habilitierter Neurobiologe vermag er alle großen Themen der Hirnforschung lebendig und im Zusammenhang darzustellen. Wie Kreativität im Gehirn entsteht, hat er in seinem bei Springer erschienenen Buch „Das schöpferische Gehirn“ unterhaltsam verständlich gemacht, und in „Für mein Gehirn bin ich selbst verantwortlich“ dargelegt, wie die Gehirnentwicklung zeitlebens durch die Umwelt beeinflusst wird. Zuletzt erschienen: „Das Bewusstsein der Tiere.
Eine neurobiologische Exkursion zu den Gipfeln des Geistes“.
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27 Kommentare

  1. Ein positives Beispiel für magisches Denken ist die Rückkopplung von Gedanken „Ich werde gesund“ eines Todkranken mit dem Abklingen seiner Krankheit. Funktioniert nicht immer, aber es gibt so etwas. Genau das Gleiche gilt für den Vertrag, den ein Krebskranker mit seinem Krebs macht: „Wenn ich sterbe, stirbst Du auch. Also wuchere nicht weiter.“ Soll auch funktionieren.
    Da fällt mir ein Spruch aus der Bibel ein: „Wenn Euer Glaube nur groß genug wäre, könntet Ihr Berge versetzen.“

    1. Bibel: „Wenn Euer Glaube nur groß genug wäre, könntet Ihr Berge versetzen.“

      Genau in diesem Wahn schwelgt unsere westliche Elite in Politik, Medien und Kultur.

      1. @garno
        „Wenn Euer Glaube nur groß genug wäre, könntet Ihr Berge versetzen.“
        „Genau in diesem Wahn schwelgt unsere westliche Elite in Politik, Medien und Kultur.“

        Wer keinen Flughafen, keinen Bahnhof und keine Brücken bauen kannd, der kann erst recht keine Berge versetzen und wenn er noch so fest daran glaubt 🙂

          1. Nein die Obrigkeit muss nicht auf den Boden der Realität zurückgeholt werden, denn sie ist die Macht, die – jedenfalls politische – Realitäten schafft. Wer auf den Boden der Realität zurückgeholt werden muss, das sind die kleinen Leute, die obwohl sie von diesen Realitäten ständig gedeckelt werden, doch glauben, die Obrigkeit würde in ihrem Interesse handeln.

            1. „Die kleinen Leute“ befinden sich bereits „auf den Boden der Realität“ und sie haben keine Macht, weswegen ihr Glauben auch nicht relevant ist. Anders als ihre herrschenden Autoritäten, die im Größenwahn schwelgen und deshalb unfähig sind den Interessen der kleinen Leute zu dienen.

              Im Kapitalismus herrschen grundsätzlich immer die Interessen des Kapitals. Wer oder was denn sonst?

      2. Die Physik sagt: Der Glaube versetzt keine Berge. Es ist die Natur (Erosion, Erdbeben, das Schmelzen der Gletscher usw.) und ggf. der Baggerfahrer mit seinem großen Bagger.

        Die Psychologie sagt allerdings, dass es durchaus hilfreich sein kann, wenn man einen steilen Berg hochklettern will und glaubt, dass man das schafft und die Empirie bestätigt das. Wenn man nicht daran glaubt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man es auch tatsächlich nicht schafft.

        Der Wahn besteht darin, wenn Amateure sich selbst überschätzen und glauben, dass sie einen steilen Berg mit Sandalen und ohne professionellen Bergführer, der über Erfahrung verfügt, hochklettern können. Wenn sie dann abstürzen und andere mit in den Tod reißen, wundern sich die dummen Schafe und Kühe im Tal auch noch und fragen: Wie konnte denn so etwas nur passieren und wer hat Schuld daran?

        Die deutschen Mainstream-Propaganda-Medien (von „A“RD, BILD … MZ … WELT bis „Z“DF) wissen allerdings sofort, wer schuld daran ist: Der rote Mann aus dem roten Moskau war es und das rote Moskau liegt bekanntlich im roten Russland (Selbstverständlich nicht er persönlich, sondern eine russische Drohne, ein russisches U-Boot oder von ihm beauftragte russische Spione oder russische Agenten.)

        Manchmal ist es auch ein „böser“ gelber Mann aus China mit seinen Handy-Strahlen. Aus diesem Grund wollen die guten Beamtinnen und Beamten in Brüssel die Menschen in Europa vor diesen bösen Strahlen schützen und chinesische Handys verbieten.

        Aber es ist nie der gute Imperator und gute Diktator aus Washington (das liegt in den USA) mit seinem schwarzbraunen Regime und seiner schwarzbraunen phosphorsäure-, koffein- und zuckerhaltigen Limonade, die es seit geraumer Zeit sogar ohne Koffein und ohne Zucker gibt. Phosphorsäure ist allerdings immer noch drin und an der schwarzbraunen Farbe hat sich auch nichts geändert.

        Und warum ist das so? Die Antwort ist doch sonnenklar: In den USA wohnt Lady Liberty, die Statue der „freien“ und „demokratischen“ Welt und wer bitte ist schon gegen Freiheit und gegen Demokratie?

      3. „Wenn Euer Glaube nur groß genug wäre, könntet Ihr Berge versetzen.“

        Wenn die Wehrmacht nur stark genug geglaubt hätte, dann hätte sie Russland besiegen können?

        Der Glaube ist heute jedenfalls wieder da. Die Niederlage wird erneut folgen.

  2. Hast du Zahnschmerzen? Gehe bei Vollmond auf einen Gottesacker, such ein frisches Grab. Verneige dich vor ihm und rufe die lebendsspendenen Himmelsgeister an. Verneige dich dabei mehrmals in alle Himmelsrichtungen. Tue dies mehrmals. Dann öffne das gefundene Grab, brich dem Toten den Zahn aus, der dir schmerzt, Dann vollziehe das vorige Ritual wieder, aber reibe dabei den toten Zahn an deinem schmerzenden; wiederhole dies mindestens sechsmal, und – schwupps – sind die Zahnschmerzen weg! So ist es überliefert. – Was der Autor nicht zu verstehen scheint ist, dass echte Magie ein „psychoaktives Abenteuer“ beinhalten muss. Dafür braucht man Überzeugung und eine vorbereitete Bühne. Freimaurer-Rituale (beispielsweise) kommen auch nicht von ungefär. 🙂 !!!

  3. Als ich diesen Artikel zu Ende gelesen hatte, fiel mir sofort ein, dass ich vor wenigen Tagen ein Video über eine Diskussion wegen der Renten mit dem Bundesvorturner und Versenker von Milliarden weit im Osten gesehen hatte.
    Zurechtweisung vom Bundesvorturner des Schwarzberg-Anlagevereins für Superreiche gegen eine Frau die nicht einsah warum Beamte und Regierungsgedöns nicht in die Rentenkassen einzahlen a’la Weimarer Regierung, während die Steuerzahlerinnen heute ihnen einen angenehmen Lebensabend bieten bis zum Ableben.
    Justamente kamen vom besagten Vorturner viele Zaubersprüche, nach dem Gewitter von magischen Worten. Erstarben plötzlich die Worte der Steuerzahlerin, da sie förmlich abgewatscht wurde da sie der Magie eines politischen philosophischen Geschwätzens nichts entgegenzusetzen hatte. Mit seinen magischen Worten, dass das nie passieren würde, weil es im Grundgesetz stehen würde. Ist schon klar seine Denke darüber, wer würde sich seinen Jahrzehntelangen Fresstrog schon wegnehmen lassen.
    Die Magie des Grundgesetzes verhindere dies. Aha!
    Man zieht sich auch nicht selbst den Stuhl unter sich selbst weg, auf dem sich Generationen von Abgeordneten so bequem gemacht hatten, bis sie in ewigen Jagdgründen gingen.
    Also müssen wir uns Bürger und Steuerzahler einer rhetorischen Magie bedienen sodass ihre magischen Worte und Reden ins Leere laufen, denn es gab zu jeder Zeit Magier der Worte und Reden.

  4. Magie funktioniert!
    „Russland wird immer unser Feind sein.“
    Man muss es nur oft genug sprechen, damit man Haselnüsse ernten kann.

  5. Magie von Maggi, sag ich mir immer, wenn ich solche Artikel lesen muss.

    Aufklärung ist dialektisch, und jetzt exklusiv für alle Overton-Leser, zitiert aus der „Dialektik der Aufklärung“:

    „Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils…usw.“

    Zitiert aus einem wunderbaren Buch, das der Autor des Artikels offensichtlich nicht kennt, sonst hätte er solche Sätze nicht geschrieben:

    „Im Abendland verbinden wir die Epoche der Aufklärung und des Neohumanismus mit der Austreibung von irrationalen Methoden. Die Philosophen der Aufklärung propagierten den vernünftigen, erleuchteten Menschen, die Philosophen des Humanismus den weltzugewandten, selbstverantwortlichen Menschen: einen Menschen, der sich von überkommenen Zwängen frei macht und nach vernünftiger Abwägung entscheidet.“

    Das ist nur die eine Hälfte der Aufklärung, die andere Seite geht so:

    „Schon der Mythos ist Aufklärung, und Aufklärung schlägt in Mythologie zurück.“

    1. „… Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils…usw.“

      Schön geschrieben, aber so nicht richtig. Die Erde ist nun mal nicht „vollends aufgeklärt“, vielmehr verharren die Menschen in selbstgewählter Unmündigkeit, das ist ja so bequem und für das „triumphale Unheil“ sind die Anderen verantwortlich. So erspart man sich das Denken und ist für nichts verantwortlich. Der vorherrschende Materialismus ist eine Gegenaufklärung.

      1. Nachtrag: Bin die Kommentare hier nochmal unter diesem Aspekt durchgegangen et voila: Viele davon bestätigen diese Aussagen – wzbw.

        1. „Der vorherrschende Materialismus ist eine Gegenaufklärung“, schreiben Sie. Was soll das sein, der vorherrschende Materialismus?

          Ich denke Horkheimer/Adorno wollten zeigen, dass in der Aufklärung bereits der Keim zu seinem Widerpart, der Gegenaufklärung, angelegt ist.

          Vielleicht haben Sie ja Lust, Ihren „Materialismus“ weiter zu konkretisieren. Einen letzten Aufschrei gesteht Ihnen die Overtonredaktion ja noch zu. Nach drei Beiträgen ist dann Schluss.

          1. Horkheimer und Adorno liegen völlig richtig, der (philosopische) Materialismus ist das Ergebnis dessen was sie ausführen und bereits von Wolff definiert wurde:

            https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus

            Dies ist aber nicht zwingend die Folge der Aufklärung, es gäbe Alternativen, die jedoch einer aufgeklärten, vernünftigen Menschheit bedürfen. Genau das beschreibt Kant in seinen kritischen Schriften, er widerlegt dort die Leibniz/Wolff’sche Philosophie (transzendentaler Idealismus).

  6. Lesenswerter Beitrag.

    „Dass mir der Autor Christian Rätsch das Zaubern nicht beibringen konnte, hatte ich fast erwartet. Aber die Zaubersprüche der Lakandonen, die er seitenweise dokumentierte, waren zudem ausnehmend dröge“

    „Dröge“ war aber wohl auch seine ganz persönliche Zauberformel, was die wirkungsvolle Performance des eigenen Vortrages betraf, mit der er auch den letzten noch nicht ins Koma gefallenen Zuhörer in die Bewusstlosigkeit öden konnte.

    Sein „plötzlich und unerwarteter“ Tod (2022!) tut mir leid.

  7. Danke und mehr solcher Artikel. Schön auch, nach langer Zeit, wieder den Namen Christian Rätsch gewürdigt zu sehen.
    Zustimmen kann ich dem Autor darin, dass der Ursprung fast aller Freuden im Lebens dem Vorhandensein zweier Geschlechter zu verdanken ist. Kritisieren würde ich ihn darin, dass per Sprechakt oder sozialer Zusschreibung die Geschlechtsidentität nicht änderbar wäre. Das ist sie sehr wohl, fremd- wie auch selbstbestimmt und u.U. sogar mehrfach in einer Nacht.
    Später erfolgt dann Erklärung, dass der Platz der Magie das Private ist. Damit bin ich wieder versöhnt.

  8. Das magische Denken mehr praktizieren, ist ein guter Gedanke!
    Leider erleidet die Freiheit des Denkens in der Demokratie saisonale Zensuren, je nach dem in welcher Demokratie das magische Denken praktiziert wird, oder ein verändertes Dogma etabliert werden soll.
    Der Staat und sein angebliche souveräne Demo entscheidet, ob der Gedanke oder das Staatswohl gefährdet ist. Da der Staat die Macht besitzt, besitzt dieser dann auch eine 360° Kehrtwende und wird für grössere Aufgaben entsprechende Posten bereitstellen. Die Magier der heutigen Zeit leiden häufig an ihrer eigenen Magie und lassen freie Gedanken gerne auch hinter Gittern verschließen.
    Diese gewissen Gedanken der Magier wurden in den letzten „20 Jahren“ überdurchschnittlich zur postmodernen Zeitalters kultisch manifestiert.

  9. Eine gute Bemerkung:
    „Interessanterweise hat andernorts ausgerechnet Butler die Normen der Political Correctness als magisches Denken bezeichnet. Denn diese ignorierten, dass die Bedeutung von Wörtern von ihrem Kontext und der Sprechabsicht abhängt.“
    Denn das ist das Argument, das einer bekannten Rechtfertigung des Genderns entgegenzuhalten ist: Wenn nämlich darauf hingewiesen wird, dass auf die Aufforderung „Nenne drei Sportler“ oft drei Männer genannt werden, so ist der Grund nicht ein latenter „Sexismus“, der durch das Gendern angeblich bekämpft werden könnte, sondern ganz einfach der für das Verständnis der Aufforderung fehlende Kontext: Das Wort „Sportler“ hat im Deutschen eben zwei Bedeutungen, nämlich männliche Sporttreibende und Sportreibende beiderlei Geschlechts. Welche der beiden Bedeutungen gemeint ist, geht in praktisch allen Alltagssituationen aus dem Kontext hervor. Die Aufforderung „Nenne drei Sportler“ enthält aber keinerlei Hinweis auf einen Kontext, so dass nicht verwunderlich ist, wenn sie anders als vom Testmeister gewünscht aufgefasst wird.

  10. Der fehlende Kontext liegt in der praktizierten Sprache aller Generationen.
    Denn, es ist die Sprache selbst, die sich ständig ändert, weil die äußeren Geschehnisse diese analysieren.
    Wenn die Sprache ständig verändert wird, wird automatisch das politische System dahinter, Stillschweigend manifestiert.
    Sind wir Gottes Geschöpfe, dann sollte Gottes Willen die Menschen zusammenführen, aber das genau geschieht nicht.
    Die Menschheit wird explizit getrennt über Sprache, Kultur, Nationalität…, obwohl alle Menschen gleich vor Gott erscheinen.
    Ein Transponder zur Spaltung, ist die verwendete Sprache, neben all den anderen Spalter…

    1. Heute ändert Spache SICH nicht, sondern WIRD geändert. Und zwar gezielt und bewusst, um unser Denken zu manipulieren. Aber ganz neu ist selbst das nicht (nur vielleicht subtiler eingesetzt).
      Früher hat die Kirche die Sprache (und damit das Denken) beherrscht. Im Auftrag der Herrschenden. Das „Du sollst nicht fluchen“ war vor allem im Sinne der Herrschenden gemeint und sollte den Hass und die Wut auf die Bedrücker unsichtbar machen. Wie heute die Forenregeln.

      Wer „Hassrede“ verbietet und „Respekt“ gegenüber ALLEN ANDEREN fordert, calmiert damit die Gemüter, macht gemeinsamen Widerstand unmöglich oder zumindest schwächlich und damit wirkungslos. Indem man uns Emotionen austreibt, macht man uns gefügig. Das ist ua auch Sinn und Zweck dieser Veranstaltung hier.

  11. Trux schrieb:
    Magie funktioniert!
    „Russland wird immer unser Feind sein.“
    Man muss es nur oft genug sprechen, damit man Haselnüsse ernten kann.
    ymmd – köstlich ! Genau !
    Der Artikel hat mich enttäuscht. Es hätte doch auf der Hand gelegen mal den Bogen zu derartigem magischen Denken zu schlagen. Als da auch wären: der Markt richtet Alles, wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum, dann lösen sich alle Probleme. Wir brauchen nur alles mit Windrädern zupflastern, dann ist die Umwelt gerettet, Wir dürfen keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen haben, sonst werden wir alle sterben. Wir sind die wahren guten Lichtwesen die gegen böse Orks kämpfen usw usw.
    Alle die angeblich so rational und vernunftgeleitet sind, auf ALLEN Seiten sind so tief drin im magischen Denken, dass es schade ist, das hier nicht thematisiert zu haben.

  12. Da mein erster Kommentar gecancelt worden ist, formuliere ich mal eine abgespeckte Version:

    Autor wie Kommentatoren werfen munter mit ungeschiedenen Versatzstücken der Bezeichnungen resp. Namen (!) „magisch, Magie“, „Mythos, mythologisch“ um sich, sie gegen „Vernunft“, „Ratio“, „Aufklärung“ zu stellen, von denen sie ebenso wenig einen Begriff haben.
    Das ist „Aufklärung“, wie sie leibt und lebt. Ein Jeder sein eigener Psycholog, Professor, Pfaff und … „Medizinmann“.
    Ja, die europäische Verballhornung von Medewiwin (Ojibwe), popularisiert von Karl May ist hier die sachgerechte Bezeichnung und Karl May hätte dafür eine Ehrenprofessur verdient …

    1. Vielleicht geht das noch durch:

      Medewiwin und Schamanen (tungusisch) verdankten ihre Rolle dem Umstand, daß sie einer Gesellschaft von Wissenden angehört haben. Bis vor ungefähr 20 Jahren war die Ausbildungstradition in einigen Abteilungen der Lakota noch intakt genug, daß zum Beispiel Arlette LoudHawk noch Grund fand, zu behaupten, sie könne mit ihren Schützlingen jederzeit aus dem Stand in die Wälder gehen und dort nach alter Sitte und mit alten Techniken überleben.
      Die Ältesten und Geistlichen (ich nenne sie mal so) füllten die Lücken dieses Wissen sowohl magisch wie mythologisch (das sind zwei grundverschiedene topics und Aufgabenbereiche, die deshalb oft zwischen Weibern und Männern aufgeteilt werden) zugunsten eines konsistenten kognitiven Stammeslebens, das streng zwischen Wissen und Nichtwissen scheidet.

      Arlette führt in diesem kurzen Interviewabschnitt vor, wie dies kognitive Stammesleben an der Konkurrenz mit den bürgerlich – christlichen Weltbildern zerbrochen ist:
      https://www.youtube.com/watch?v=_HhtU5rvOUI
      Übrig bleibt dann ein Spiritualismus, der eine Verwandschaft zu asiatischen Priester- und Tempeltraditionen entwickelt, aber dem Druck unterliegt, (klein-)bürgerlichen Aberglauben zu ersetzen oder gar zu simulieren.

  13. Interessantes Thema, m.E. aber nur unvollständig und etwas rationalitätslastig behandelt.
    Was im Artikel fehlt, ist so etwas wie eine Definition von Magie, an hand deren man sich ein Urteil hätte bilden können.
    Ich würde sagen, Magie ist, wenn man Phänomene, die man nicht verstanden hat, mit Mitteln bzw. Methoden verändern möchte, von denen man wünscht, dass sie wirken, onhe sich im Klaren darüber zu sein, welche Verursachung den Phänomenen zugrunde liegt und welche Mittel geeignet sind, auf diese Phänomene Einfluss zunehmen..
    Der Autor scheint davon auszugehen, dass es keine realen Vorgänge auf der Welt gibt, die man nicht rational erklären kann. Aber schon das bekannte und nachgewiesene Phänomen des Placebo zeigt, dass es geistige Wirkungen auf die Materie (unseren Körper) gibt, für die wir keine wissenschaftlichen Erklärungen haben. Ähnliches gilt für Geistheilungen, für die es genügend dokumentierte Fälle gibt oder oder generell für die energetische Beeinflussung von Krankheitsphänomenen. Natürlich gibt es Schwindel und Missbrauch in diesem Bereich. Aber solche Fälle generell ins Reich der Fabel zu verweisen, halte ich nicht für angemesen. Ich würde das aber nicht als Magie bezeichnen, sondern als geistig-energetische Einflussnahme auf körperliche Phänomene.

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